Ändert sich Israels Politik nach der Wahl, Shaked Spier?
Shownotes
Israel hat ein neues Parlament gewählt. Ob überhaupt ein Regierungswechsel bevorsteht, oder Neuwahlen folgen und was mit Benjamin Netanyahu passiert, ist allerdings kurz nach der Wahl offen. Denn weder der Parteien-Block der Netanyahu-Regierung, noch der jüdische Oppositionsblock angeführt von Gadi Eisenkot hat die parlamentarische Mehrheit erlangt, die es für eine Regierungsbildung braucht. Die arabischen Parteien verzeichneten eine Rekordzahl an Sitzen in der Knesset.
Für die 30. Folge von Weltunordnung hat Pauline Jäckels mit Shaked Spier gesprochen – dem neuen Büroleiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Israel.
Spier erklärt, welche Szenarien für eine Regierungsbildung jetzt wahrscheinlich sind; und inwiefern es einen Unterschied machen wird, wer die Regierung stellt – und inwiefern nicht. Und es ging auch darum, welche Handlungsspielräume für linke Akteure, die sich gegen den Genozid und die israelische Expansionspolitik stellen, trotzdem da sind und sich mit einem Regierungswechsel vielleicht öffnen könnten.
Hinweis: Diese Folge wurde am Mittwoch, den 28. Oktober aufgezeichnet.
Schreibt uns an: weltunordnung@rosalux.org
Intro-Musik: Charles Bradley – The World (is going up in Flames)
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Shownotes:
Shaked Spier, „Israels Wahl unter Druck“, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Oktober 2026
Michael Sfard, „Israel am Ende der Demokratie“, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Oktober 2026
Nach der Knesset-Wahl in Israel – Wie geht es weiter?, taz, Oktober 2026
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Pauline Jäckels: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Shaked Spier: Israel hat ein neues Parlament gewählt. Worin die einen eine politische Schicksalswahl für Israel sehen,
Shaked Spier: wird für andere im besetzten Westjordanland, in Gaza und im Südlibanon zynisch
Shaked Spier: gesagt im Prinzip nur die Frage beantwortet, welche israelische Regierung sie
Shaked Spier: als nächstes bombardiert oder vertreibt.
Shaked Spier: Ob überhaupt ein Regierungswechsel kommt oder Neuwahlen und was mit Benjamin
Shaked Spier: Netanyahu passiert, ist allerdings kurz nach der Wahl noch ziemlich offen.
Shaked Spier: Denn weder der Parteienblock der Netanyahu-Regierung noch der jüdische Oppositionsblock,
Shaked Spier: angeführt von Gadi Eisenkott, hat die parlamentarische Mehrheit erlangt,
Shaked Spier: die es für eine Regierungsbildung braucht.
Shaked Spier: Mein Name ist Pauline Jekic und in dieser Folge habe ich mit Shakit Spier gesprochen,
Shaked Spier: dem neuen Büroleiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Israel.
Shaked Spier: Schakett hat mir erzählt, warum die Wahl kein Fest der Demokratie war,
Shaked Spier: wie der israelische Botschafter Ron Prosor sie bezeichnete,
Shaked Spier: welche Szenarien für eine Regierungsbildung jetzt wahrscheinlich sind und inwiefern
Shaked Spier: es überhaupt einen Unterschied machen wird, wer die Regierung stellt und inwiefern auch nicht.
Shaked Spier: Denn gerade was die völkerrechtswidrige Expansionspolitik Israels angeht,
Shaked Spier: gibt es kaum Differenzen zwischen der Opposition und der Netanyahu-Regierung.
Shaked Spier: Und wir haben darüber geredet, welche Handlungsspielräume für linke Akteure,
Shaked Spier: die sich gegen den Genozid und die israelische Expansionspolitik stellen,
Shaked Spier: trotzdem da sind und sich mit einem Regierungswechsel vielleicht auch öffnen könnten.
Shaked Spier: Und damit ihr euch nicht wundert, wir haben diese Folge Mittwoch aufgenommen,
Shaked Spier: weil wir also von gestern reden, dann meinen wir Dienstag, als die Wahlen stattgefunden
Shaked Spier: haben und es könnten sich natürlich in der Zwischenzeit auch noch Sachen ergeben
Shaked Spier: haben, auf die wir natürlich uns nicht beziehen konnten.
Shaked Spier: Hallo, schön, dass du da bist.
Pauline Jäckels: Hallo.
Shaked Spier: In Israel wurde ein neues Parlament gewählt. Und eine Sache,
Shaked Spier: die gestern schon durch die Medien ging, ist, dass die Wahlbeteiligung enorm
Shaked Spier: hoch war, bei über 70 Prozent.
Shaked Spier: Bevor wir darüber reden, warum das so ist oder warum du denkst,
Shaked Spier: dass das so ist, will ich noch über eine andere Sache reden.
Shaked Spier: Die israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat in diesem Kontext
Shaked Spier: von einem Fest der Demokratie gesprochen, das hier gefeiert wurde.
Shaked Spier: Und dann habe ich aber gleichzeitig auch noch gesehen, dass einer der schärfsten
Shaked Spier: Kritiker der israelischen Regierung, der israelische Politikwissenschaftler
Shaked Spier: Ilan Pape, gesagt hat, von Demokratie kann hier eigentlich gar nicht die Rede sein.
Shaked Spier: Kannst du mal kurz erklären, warum der Wissenschaftler zu diesem Schluss kommt?
Shaked Spier: Warum sagt er, eigentlich ist Israel gar keine richtige Demokratie?
Pauline Jäckels: Also es gibt verschiedene Ebenen, wo man Demokratiedefizite in Israel erkennen kann.
Pauline Jäckels: Allen voran ist natürlich die Besatzung. Also es gibt mehrere Millionen von
Pauline Jäckels: Palästinenserinnen und Palästinensern im Westjordanland, je nachdem wie man Gaza dazu zählt auch,
Pauline Jäckels: die von der israelischen Politik und von den israelischen Wahlen und einer Regierung,
Pauline Jäckels: die dadurch zustande kommt, sehr maßgeblich beeinflusst werden.
Pauline Jäckels: Das wissen wir alle. Ich muss jetzt nicht auf die Details davon eingehen.
Pauline Jäckels: Und sie haben gar kein Wahlrecht. Sie können das gar nicht beeinflussen.
Pauline Jäckels: Also allein das ist schon kein demokratischer Zustand durch die Besatzung,
Pauline Jäckels: die seit vielen Jahrzehnten besteht.
Pauline Jäckels: Aber auch wenn man den Blick nach Israel hinrichtet, merken wir strukturelle
Pauline Jäckels: demokratische Defizite.
Pauline Jäckels: Israel hat seit Bestehen keine Verfassung. Es gibt sowas wie ein Grundgesetz
Pauline Jäckels: nicht. Allein das verursacht schon viele demokratische und auch politische Probleme,
Pauline Jäckels: Und auch die Gewaltentrennung und weitere Mechanismen wie Checks und Balances
Pauline Jäckels: existieren in Israel in der Form, wie wir das von europäischen Demokratien zum Beispiel nicht.
Pauline Jäckels: Und deswegen war das Netanyahu und seine Regierung auch sehr einfach,
Pauline Jäckels: die sogenannte Justizreform, also diesen autoritären Staatsumbau voranzutreiben,
Pauline Jäckels: weil die Stellen, die man angreifen muss,
Pauline Jäckels: relativ vulnerable sind auf struktureller Ebene.
Pauline Jäckels: Aber auch wenn wir auf die politische Kultur schauen, und das war jetzt in den
Pauline Jäckels: letzten Tagen sehr klar, sehen wir, dass auch innerhalb von Israel und auch
Pauline Jäckels: die Stimmberechtigten nicht alle Stimmen sind gleich.
Pauline Jäckels: Also die Stimmen der arabischen und palästinensischen Bevölkerung innerhalb
Pauline Jäckels: Israel und der politischen Repräsentation sind unter städtischen Angriffen,
Pauline Jäckels: zum Beispiel die Ausschlussversuche der Listen und einzelner
Pauline Jäckels: Kandidaten von der Wahl, aber auch nach der Wahl.
Pauline Jäckels: Dass sie weiterhin nicht in Frage kommt, an einer Regierung teilzunehmen.
Pauline Jäckels: Also sie werden quasi, wie man das von einer Brandmauer in Deutschland Richtung
Pauline Jäckels: ausdecken, gibt es wie eine Brandmauer der jüdischen, zionistischen Parteien
Pauline Jäckels: gegenüber den arabischen Parteien.
Shaked Spier: Was wir auch gesehen haben, ist, dass Netanyahu auch ein Statement rausgegeben
Shaked Spier: hat und gesagt hat, die arabische Wahlbeteiligung ist so hoch,
Shaked Spier: und seine Anhänger die Rechten dazu aufgefordert hat, jetzt müssen sie auch
Shaked Spier: zu den Wahlurnen gehen, damit sich das irgendwie ausgleicht.
Shaked Spier: Was ja fast schon angrenzt an die arabischen Stimmen sollen nicht zu viel zählen.
Shaked Spier: Oder da merkt man schon die arabische Stimme und darüber werden wir gleich auch
Shaked Spier: noch weiter reden, was so eine Relevanz sie bei dieser Wahl hat,
Shaked Spier: wird ihre Relevanz oder ihre Legitimität infrage gestellt.
Pauline Jäckels: Ja, das ist gestern am Wahltag passiert und das ist ein Klassiker von Netanyahu.
Pauline Jäckels: Damit hat er auch schon in der Vergangenheit, ich glaube, das war 2014,
Pauline Jäckels: Wahlen genommen, gewonnen, indem er wirklich in den Stunden
Pauline Jäckels: der Wahlen solche Statements rausbringt und quasi Angst schürt vor der arabischen
Pauline Jäckels: Bevölkerung in Israel, die tatsächlich letztendlich nicht von ihrem Wahlrecht,
Pauline Jäckels: wie es im Gesetz vorgesehen ist, Gebrauch macht.
Pauline Jäckels: Und das war gestern auch sehr, sehr stark nicht nur von Italien,
Pauline Jäckels: sondern auch von anderen Parteien.
Pauline Jäckels: Das ist eine orthodoxe Partei, die auch rechts ist.
Pauline Jäckels: Sie haben an morgen gesagt, dass die Wahlbeteiligung der palästinensischen Bevölkerung
Pauline Jäckels: innerhalb Israels, das ist nicht mehr und nicht weniger als Gefahr für das Judentum.
Pauline Jäckels: Also soweit gehen sie von Ministerin wie Dengir und Modric
Pauline Jäckels: Das ist gar keine Rede, das machen sie auch regelmäßig. Und ein der Probleme
Pauline Jäckels: der jüdischen Opposition ist, dass sie auch in diesem vor Netanyahu vorgegebenen Spielfeld spielen.
Pauline Jäckels: Dass sie dann entsprechend aus Angst, dass sie Wählerinnen und Wähler abschrecken
Pauline Jäckels: durch eine mögliche Zusammenarbeit, auch sagen, sie würden mit diesen Parteien
Pauline Jäckels: nicht zusammenarbeiten.
Shaked Spier: Oder vielleicht auch aus Überzeugung.
Pauline Jäckels: Bei manchen ist es Überzeugung, bei anderen ist es politisches Gölkür.
Pauline Jäckels: Und letztendlich hat Ahmed Chibi, das ist einer der bekanntesten arabischen
Pauline Jäckels: palästinensischen Politiker in Israel, mal sehr zutreffend gesagt, dass Israel eine
Pauline Jäckels: Demokratie für die Judinnen und Juden ist und jüdisch für alle anderen.
Pauline Jäckels: Und genau diese Problematik der politischen Repräsentation quasi zugespitzt
Pauline Jäckels: zum Ausdruck zu bringen.
Shaked Spier: Also um zusammenzufassen, auf der einen Seite haben wir eben das Demokratiedefizit
Shaked Spier: des PalästinenserInnen, die in den besetzten Gebieten, in der Westbank oder auch in Gaza,
Shaked Spier: massiv betroffen sind von den politischen Entscheidungen, die in Israel getroffen
Shaked Spier: werden durch die israelische Regierung, aber überhaupt keine Möglichkeit haben
Shaked Spier: der politischen Partizipation, unter anderem des Wählens und vielen anderen
Shaked Spier: Stellen natürlich auch nicht.
Shaked Spier: Und auf der anderen Seite gibt es in Israel selbst palästinensisch-arabische
Shaked Spier: Staatsbürger, die das Wahlrecht haben, aber,
Shaked Spier: sie sind quasi von Macht ausgeschlossen auf der einen Seite und ihr Wahlrecht
Shaked Spier: wird jetzt auch sehr offen angezweifelt.
Pauline Jäckels: Ihr Wahlrecht und auch ihre Legitimität als gleichwertige Bürgerinnen und Bürger.
Shaked Spier: Kommen wir mal zu der Wahlbeteiligung, die so hoch war wie, ich glaube,
Shaked Spier: seit den 70er Jahren nicht mehr, wenn ich das jetzt gerade richtig im Kopf habe.
Shaked Spier: Was würdest du sagen, warum war die so hoch? Was ist die Signifikanz dieser
Shaked Spier: Wahl gewesen, die dazu geführt hat, dass sich so viele Leute beteiligen?
Pauline Jäckels: Ja, also es herrschte schon lange Zeit in den letzten Wochen und Monaten,
Pauline Jäckels: aber eigentlich durch die Legislaturperiode, die von Justizreform und Krieg
Pauline Jäckels: geprägt war, das Gefühl, dass diese Wahl die entscheidendste Wahl in der Geschichte Israels ist.
Pauline Jäckels: Also sozusagen ein now and ever-Gefühl ist, um den Kurs, den diese Regierung
Pauline Jäckels: halt gestartet hat, mit dem autoritären Staatsumbau und allen anderen, davon halt abzukommen.
Pauline Jäckels: Das hängt natürlich auch sehr stark mit dem 7.
Pauline Jäckels: Oktober und der Trauer danach und die Traumatisierung davon, dass
Pauline Jäckels: das, was dort passiert ist, also das Sicherheitsversagen, aber auch später die
Pauline Jäckels: Kriege und die Geiseln, die viele Jahre nicht zurückgebracht wurden,
Pauline Jäckels: obwohl es Möglichkeiten dazugegeben hat,
Pauline Jäckels: bis es letztendlich von Trump forciert wurde, dass all diese Sachen,
Pauline Jäckels: Wir haben da reingespielt,
Pauline Jäckels: dass vor allem bei der Bevölkerung das Gefühl gab, es muss jetzt einen anderen
Pauline Jäckels: Kurs genommen werden, weil viele haben auch das Gefühl bekommen,
Pauline Jäckels: das ist nicht das Israel, das sie kennen.
Pauline Jäckels: Also dass das Land sich verändert hat durch alles, was politisch passiert ist
Pauline Jäckels: und man muss quasi das Land wieder retten.
Pauline Jäckels: Das sind Gefühle, die ich beschreibe, die vor allem in der jüdischen Bevölkerung
Pauline Jäckels: aufgrund dieser Themen herrschen, aber es gab auch viele Gründe für die Wahlbeteiligung
Pauline Jäckels: bei der palästinensischen Bevölkerung.
Pauline Jäckels: Das beginnt natürlich mit dem Ausschluss, mit dem Ausschlussverfahren gegen
Pauline Jäckels: die verschiedenen Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten,
Pauline Jäckels: die dann vom Gericht betippt wurden, aber es hat
Pauline Jäckels: So eine Mentalität, also so ein Gefühl von jetzt erst recht gegeben,
Pauline Jäckels: natürlich auch mit dem Ausschluss von Aboujadeh,
Pauline Jäckels: von Ballard.
Pauline Jäckels: Da hat ja das Gericht signalisiert, es gebe eine Mehrheit für seinen Ausschluss
Pauline Jäckels: und er ist deswegen zurückgetreten, damit es kein Präsidentsfall wird.
Shaked Spier: Du musst kurz erklären, worum es geht.
Pauline Jäckels: Also es gab mehrere Ausschlussverfahren gegen die Joint List und gegen Rahm
Pauline Jäckels: als Parteien als Ganzes, aber auch gegen zwei Kandidaten.
Pauline Jäckels: Ofer Kassif, das ist ein jüdischer Kandidat von Hadash und Sami Abou-Shadeh,
Pauline Jäckels: das ist der Vorsitzende von Balaid, das ist eine nationalistische Kandidatur.
Pauline Jäckels: Die arabische Partei, die auch Teil der Joachim Klist ist.
Pauline Jäckels: Das Ausschlussverfahren gegen Abu Schadr konzentrierte sich auf einen Artikel, den er am 8.
Pauline Jäckels: Oktober geschrieben hat, der so interpretiert werden kann, dass er den 7.
Pauline Jäckels: Oktober gefeiert hätte und die anderen Freunde Israels eingeladen hätten,
Pauline Jäckels: Israel auch einzugreifen.
Pauline Jäckels: Das ist aber eine sehr verzerrte Interpretation. Man kann das auch anders lesen. Ich gebe das nur wieder.
Shaked Spier: Und du sagst, dass dieser Fall auch ein Grund ist, warum auch die arabische
Shaked Spier: Wählerschaft hier nochmal gesagt hat, okay, jetzt erst recht,
Shaked Spier: wir wollen hier unsere Stimme geltend machen.
Pauline Jäckels: Und man muss noch dazu sagen, es gibt weiterhin in der arabischen Bevölkerung
Pauline Jäckels: das Gefühl, erstens, wenn wir uns die Optionen anschauen,
Pauline Jäckels: dann müssen wir den geringen Übel nehmen.
Pauline Jäckels: Weil die aktuelle Regierung hat faschistische Züge. Wir haben gesehen,
Pauline Jäckels: was sie auch gegen die arabische Bevölkerung innerhalb Israels in den letzten Jahren gemacht hat.
Pauline Jäckels: Und man muss sie erstmal von der Macht bekommen. Das ist die erste Priorität,
Pauline Jäckels: auch wenn eine andere Regierung weiterhin nicht die Traumregierung dieser Bevölkerung ist.
Shaked Spier: Das ist milde ausgedrückt, glaube ich. Ich muss an die vielen Posts und Statements
Shaked Spier: von PalästinenserInnen denken, auch aus der Westbank oder aus Gaza,
Shaked Spier: die sagen im Prinzip entscheidet diese Wahl darüber, wer uns als nächstes bombardiert.
Shaked Spier: Ich glaube, auch das ist ein Weitverbreiter. beitete Blick auf diese Wahlen.
Shaked Spier: Aber darüber sprechen wir auch ausführlich.
Shaked Spier: Was sind eigentlich die politischen Unterschiede zwischen einer Opposition und
Shaked Spier: der aktuellen Regierung?
Shaked Spier: Vielleicht kannst du auch nochmal darauf eingehen, was denn überhaupt die wichtigsten
Shaked Spier: Themen im Wahlkampf waren.
Shaked Spier: Weil eigentlich ging es ja gar nicht so sehr darum, soll jetzt der Genozid weitergehen
Shaked Spier: oder soll die Expansionspolitik weitergehen?
Shaked Spier: Sondern es waren ja andere Themen im Fokus dieser israelischen Wahldebatte.
Pauline Jäckels: Ja, also die Themen waren tatsächlich vor allem innenpolitische Themen.
Pauline Jäckels: Es gibt weiterhin einen sehr großen Spaltungspunkt innerhalb der jüdischen Bevölkerung
Pauline Jäckels: und das ist veröffentlicht orthodoxen.
Pauline Jäckels: Das hat Netanyahu ja in der letzten Legislaturperiode trotz seiner Mehrheit
Pauline Jäckels: nicht geschafft durchzusetzen, egal wie viele Gatekeepers aus dem Weg geräumt
Pauline Jäckels: hat, um das zu ermöglichen.
Pauline Jäckels: Und nach drei Jahren Krieg, wo viele Israelis sehr stark vom Lasten dieses Kriegs,
Pauline Jäckels: weil sie zu reservieren müssen, sie haben Einkommenverluste und so weiter,
Pauline Jäckels: diese Last tragen müssen,
Pauline Jäckels: wenn eine sehr große von ultra-prodoxen Männer das nicht gemacht haben.
Pauline Jäckels: Und das war ein sehr zentrales Thema.
Pauline Jäckels: Natürlich Justizreform und den Staatsumbau, das rückgängig zu machen,
Pauline Jäckels: was das bedeutet und inwieweit die Opposition sich wirklich darauf einnäßt,
Pauline Jäckels: können wir später darüber sprechen, war ein Thema.
Pauline Jäckels: Und der allgemeine Punkt Sicherheit, darunter kann man sich vieles vorstellen.
Pauline Jäckels: Es gab ja auch im Vorfeld der Wahlen den Fly Dubai-Fall. Es gab Entschuldungen,
Pauline Jäckels: dass Netanyahu über den 7. Oktober im Vorfeld gewarnt wurde von mehreren Akteuren.
Pauline Jäckels: Es gibt sehr klare Verbindungen von Netanyahu in dem Kreis zu Katar,
Pauline Jäckels: dass sie während des Kriegs in vorkatarischen Interessen vor Geld gearbeitet haben.
Pauline Jäckels: Alles mutmaßlich, aber es wurde halt entfüllt und sehr kontrovers diskutiert.
Pauline Jäckels: Also das waren Themen, die den Wahlkampf schon sehr stark geprägt haben.
Pauline Jäckels: Aber wirklich Debatte über verschiedene Alternativen zum Krieg mit dem Iran,
Pauline Jäckels: Libanon, Gaza, was passiert im Westjordanland mit der ausoffenen Siedlergewalt
Pauline Jäckels: und überhaupt eine andere Perspektive als wir.
Shaked Spier: Syrien wäre auch noch zu nennen.
Pauline Jäckels: Darüber spricht man in Israel leider überhaupt nicht. Das ist schon so weit
Pauline Jäckels: unten auf der Liste, dass es keine Aufmerksamkeit bekommt.
Pauline Jäckels: Und eine ernste Debatte von, wer bietet eine andere Alternative,
Pauline Jäckels: anstatt diese Sachen besser in Anführungszeichen oder schlechter in Anführungszeichen
Pauline Jäckels: zu verwalten, das gibt es gar nicht.
Shaked Spier: Bevor wir jetzt zum Wahlergebnis kommen und was für Szenarien sich da überhaupt
Shaked Spier: für eine neue Regierung oder Neuwahlen und so weiter aufmachen,
Shaked Spier: kannst du nochmal kurz die wichtigsten Lager einmal vorstellen.
Shaked Spier: Du hast gerade eben schon über das arabische Lager, sogenannte arabische Lager
Shaked Spier: gesprochen. Da haben wir einmal die Joint List, einen Zusammenschluss aus verschiedenen
Shaked Spier: arabischen, aber auch, soweit ich weiß, jüdischen Parteien.
Shaked Spier: Und dann gibt es noch die Rahmpartei, eine eigene Partei, die sich aus der Jointlist rausgelöst,
Shaked Spier: hat und dann gibt es eben noch das Lager der Opposition gegen Netanyahu,
Shaked Spier: das jüdisch-zionistische Lager der Opposition und dann gibt es noch das Netanyahu-Lager.
Shaked Spier: Kannst du die einmal kurz nochmal qualifizieren?
Pauline Jäckels: Ja, bevor wir uns die Lager anschauen, ist es sehr wichtig zu verstehen,
Pauline Jäckels: dass Israel sehr heterogen ist und sehr fragmentiert in ihren ethnischen und sozialen Gruppen.
Pauline Jäckels: Und in Israel wird sehr stark nach Milieuzugehörigkeit gewählt.
Pauline Jäckels: Und das sieht man dann auch später in den Parteienbild.
Pauline Jäckels: Das ist wichtig zu verstehen, bevor man überhaupt denkt über Positionen und
Pauline Jäckels: was ist links und was ist rechts in Israel, im politischen Spektrum.
Pauline Jäckels: Und genau, die Lager sind so, dass es gibt das Lager der arabischen,
Pauline Jäckels: also man nennt das hier arabische Parteien, aber viele von den Wählerinnen und
Pauline Jäckels: Wähler verständlich als PalästinenserInnen.
Pauline Jäckels: Deswegen versuche ich hier beide Begriffe zu nutzen.
Pauline Jäckels: Allein da ist schon ein sehr weites Spektrum an Parteien und Positionen.
Pauline Jäckels: Es gibt Ballad, darüber haben wir ja gesprochen, das ist eher palästinensisch-nationalistisch
Pauline Jäckels: in Richtung Einstaat für alle.
Pauline Jäckels: Dann gibt es Taal, das ist eine Partei von einem bekannten Politiker,
Pauline Jäckels: Achmatibi, den habe ich vorhin auch zitiert.
Pauline Jäckels: Das ist auch eine eher nationalistische Partei, aber auf eine pragmatischere
Pauline Jäckels: Art und Weise, die auch schon in den 90ern an der Regierung beteiligt war oder sie toleriert hat.
Pauline Jäckels: Es gibt Khadasch, das ist eine sozialistische Partei. Das ist eine Partei,
Pauline Jäckels: die sich als eine gemeinsame Partei von Juden und AraberInnen,
Pauline Jäckels: in der Praxis ist sie arabischer geprägt als jüdisch.
Pauline Jäckels: Es gibt aber immer mindestens einen oder einen irischen Kandidaten für diese
Pauline Jäckels: Partei. Das ist auch quasi der politische Partner von den Linken auf israelischer Seite.
Shaked Spier: Von den deutschen Linken.
Pauline Jäckels: Von den deutschen Linken, genau, aber auch von vielen anderen europäischen Linken.
Pauline Jäckels: Es geht um Rahm. Rahm war eine islamistische Partei, aber sie hat in den letzten
Pauline Jäckels: Jahren einen sehr pragmatischen Kurs gefahren unter dem neuen Vorsitzenden Mansour Abbas.
Pauline Jäckels: Das ist eine Partei, die jetzt auch vor einigen Jahren an der sogenannten Wechselregierung,
Pauline Jäckels: die vor einem Jahr ungefähr Bestand hatte, war diese Partei wirklich als Koalitionspartner
Pauline Jäckels: beteiligt, als vollwertiger Koalitionspartner.
Pauline Jäckels: Und das war ein Novum in der israelischen Politik.
Pauline Jäckels: Und jetzt hat diese Partei diesen pragmatischen Kurs noch erweitert.
Pauline Jäckels: Sie haben sich von der Shura, die Shura-Committee, das ist quasi die religiöse
Pauline Jäckels: Führung, die mit der Partei verbunden ist.
Pauline Jäckels: Sie haben sich von denen getrennt, um auch nicht von einem religiösen Spruch,
Pauline Jäckels: Richterspruch oder so abgehängig zu sein.
Pauline Jäckels: Und sie haben auch einen jüdischen Kandidaten das erste Mal auf ihre Liste auf Platz zwei gesetzt.
Pauline Jäckels: Er war früher in der Polizei und hat dann,
Pauline Jäckels: Ich glaube, als Staatssekretär in dieser Wechselregierung sehr viel gegen die
Pauline Jäckels: organisierte Kriminalität in der arabischen Bevölkerung gebracht.
Pauline Jäckels: Also er hat da auch einen gewissen Anspruch, wenn er diese Partei mitbringt.
Pauline Jäckels: Und das ist eine sehr klare Entwicklung in dieser Partei als Politik,
Pauline Jäckels: der ausgestreckt hat Richtung Mainstream-Gesellschaft in Israel,
Pauline Jäckels: um quasi einen anderen Weg als die Joint List zu versuchen,
Pauline Jäckels: eine politische Partnerschaft herbeizuführen.
Pauline Jäckels: Deswegen ist Rahm auch dieses Mal nicht Teil der Jointists geworden,
Pauline Jäckels: damit sie diese zwei getrennten Wege gehen.
Pauline Jäckels: Aber sie sehen sich weiterhin als politische Partner.
Pauline Jäckels: Und deswegen sind sie in der israelischen Zellung weiterhin alle als ein Block.
Pauline Jäckels: Jetzt haben wir den Oppositionsblock. Das ist allein auch wieder sehr heterogen.
Pauline Jäckels: Wir haben da die Demokraten, das ist ein Zusammenschluss von der sozialdemokratischen
Pauline Jäckels: Abuda, also wie die SPD in Deutschland und der links-zionistischen Mehrrät.
Pauline Jäckels: Es gibt keine Parallele in der deutschen Politik, aber halt eine linke-zionistische
Pauline Jäckels: Partei, die das bei den nächsten Wahlen nicht über die Sperrklausel geschafft hat.
Pauline Jäckels: Und sie haben sich dann zusammengeschlossen in einer
Pauline Jäckels: In einer gemeinsamen Liste, geführt von Yair Golan, auch ein ehemaliger Militärchef,
Pauline Jäckels: also nicht Generalstabschef, aber
Pauline Jäckels: sehr hochgering, der schon damals in seiner Position über die Faschisierung
Pauline Jäckels: in der israelischen Gesellschaft gesprochen hat und dadurch auch politische
Pauline Jäckels: Bekanntheit erlangt hat.
Pauline Jäckels: Und das ist eine Partei, die heute sehr ähnlich zu dem, was wir in Deutschland Bewegungslinke
Pauline Jäckels: nennen würden, weil bei der Listenaufstellung haben dort viele Menschen aus
Pauline Jäckels: sozialen Bewegungen, vor allem gegen Korruptionsbewegungen und Pro-Demokratie-Bewegungen
Pauline Jäckels: platziert,
Pauline Jäckels: mit auch ehemaligen Abgeordneten oder Parteimitgliedern von Mehrheits,
Pauline Jäckels: die eher die Linke, die Schlinke-Flügel in dieser Partei sind.
Pauline Jäckels: Aber in der Gesamtheit ist diese Partei weiter rechts, als was vor Avodah und
Pauline Jäckels: Meretz waren. Muss man so klar sagen.
Shaked Spier: Also ich glaube, das muss man grundsätzlich sagen, wenn wir von links reden,
Shaked Spier: dann ist es schon im Vergleich, also in Israel schon im Vergleich zu Deutschland,
Shaked Spier: sehr weit rechts, als wir jetzt eine linke Partei verstehen würden.
Pauline Jäckels: Also eine CDU wäre in Israel links, muss man so klar sagen.
Shaked Spier: Das ist, glaube ich, wichtig als Einordnung. Also im Spektrum in Israel ist es quasi linker.
Shaked Spier: Als die Rechte, aber es ist für uns eigentlich von dem politischen Verständnis
Shaked Spier: der Partei nicht wirklich links.
Pauline Jäckels: Ja, also sie sind weiterhin sozialdemokratisch zum Beispiel,
Pauline Jäckels: aber viel weniger als es eine SPD wäre.
Pauline Jäckels: Und dadurch, dass der Vorsitzende eine sehr klare militaristische Haltung hat,
Pauline Jäckels: auch wenn er manchmal kriegskritischer ist als die restliche Opposition,
Pauline Jäckels: ist die Partei, oder große Teile dieser Partei, weiterhin für die Kriegspolitik,
Pauline Jäckels: Das ist schwierig, natürlich für linke WählerInnen. Das hat den Vorteil, dass sie
Pauline Jäckels: durch diese spezielle Konstellation viel mehr Menschen in der politischen Mitte
Pauline Jäckels: in Israel, ich meine jüdische WählerInnen und Wähler, vor
Pauline Jäckels: kriegskritische Positionen überzeugen können.
Pauline Jäckels: Weil man kann dann jetzt nicht unterstellen, nicht militaristisch genutzt zu
Pauline Jäckels: sein, so schwierig das ist, aber sie haben auch oft den Krieg kritisiert.
Pauline Jäckels: Nicht grundsätzlich, nicht so viel wie wir das gerne hätten,
Pauline Jäckels: aber es gab auch Momente, wo auch sie eine sehr klare Linie gezogen haben.
Pauline Jäckels: Und dann gibt es mehrere Parteien, die man anhand der Position und des politischen
Pauline Jäckels: Agierens in der Opposition eher als rechts verordnen würde.
Pauline Jäckels: Das ist zum Beispiel der Zusammenschluss von Naftali Bennett,
Pauline Jäckels: ein Vorchef des Siedlerverbandes, der viele Jahre sehr klare Rechtspolitik gemacht
Pauline Jäckels: hat, auch unter den Netanyahu-Regierungen.
Pauline Jäckels: Er hat sich jetzt politisch neu erfunden als eher rechtsliberal,
Pauline Jäckels: also zivilgesellschaftlich, Sachen wie EFU Alle und solche Themen,
Pauline Jäckels: Positioniert er sich viel liberaler als er vor vier, fünf Jahren war.
Pauline Jäckels: Aber andererseits, was Besatzungs- und Kriegspolitik ist, ist er sehr klar im
Pauline Jäckels: rechten Lager auf einer Linie mit Netanyahu zu verorten.
Pauline Jäckels: Er hat sich zusammengeschlossen mit Yair Lapid.
Pauline Jäckels: Yair Lapid ist eher ein liberaler oder neoliberaler Politiker,
Pauline Jäckels: also sehr klare liberale Themen wie
Pauline Jäckels: Zivile Rechte, vor allem
Pauline Jäckels: halt neoliberale Politik im Sinne von Privatisierung und so weiter.
Pauline Jäckels: Der war vorher auch beliebt im linken Lager, obwohl er immer auch rechte Positionen
Pauline Jäckels: vertreten hat. Also sie haben sich zusammengeschlossen in einer Partei.
Pauline Jäckels: Und es gibt Eisenkott, ehemalige Generalstabschef,
Pauline Jäckels: der jetzt quasi als Netanyahu's große Vorausforderer in der Wahl angetreten
Pauline Jäckels: ist und auch entsprechende Wahlergebnisse erzielt hat.
Pauline Jäckels: Bei Dem ist es tatsächlich schwierig zu sagen, was er ist, weil man von seiner
Pauline Jäckels: Position sehr wenig weiß.
Pauline Jäckels: Er war in dem Blau-Weiß-Bündnis vor von Bernie Gantz, der vorherige Vorausforderer von Netanyahu.
Pauline Jäckels: Und zusammen mit dem ist er auch damals in den ersten Monaten des Gaza-Kriegs
Pauline Jäckels: in das Kriegkrabinett eingetreten.
Pauline Jäckels: Dort hat er sich als die gemäßigste Option positioniert, die Netanyahu hat.
Shaked Spier: Unter sehr rechten, kriegswilligen, rechtsextremen Akteuren.
Pauline Jäckels: Habe ich versucht, das vorsichtig zu formulieren. In dieser Konstellation war
Pauline Jäckels: er der Gemäßigste, der immer eher ein
Pauline Jäckels: Deal haben wollte von Feuerpause hingegen zur Freilassung der Geisel.
Pauline Jäckels: Also er ist früh davor eingetreten.
Pauline Jäckels: Also in der Konstellation ist er der Gemäßigste, aber er kommt halt vom Militär
Pauline Jäckels: und seine Politik, seine Position sind auch sehr klar weiterhin militaristisch
Pauline Jäckels: und sicher orientiert und mit der Tipps.
Pauline Jäckels: Grundsätzlich kann er eine andere Politik als Netanyahu.
Pauline Jäckels: Er hat auch seinen Sohn im Krieg verloren, also sein Sohn war Soldat und ist
Pauline Jäckels: im Krieg in Gaza gestorben.
Pauline Jäckels: Was eben auch weitere Glaubwürdigkeit, sage ich mal, in der allgemeinen jüdischen Bevölkerung gibt.
Shaked Spier: Weil das natürlich eine Erfahrung ist, die auch recht viele Familien in Israel
Shaked Spier: gemacht haben, dass sie Kinder oder Enkelkinder, Neffen und so weiter verloren haben.
Pauline Jäckels: Richtig. Und er als Person steht eher als die...
Pauline Jäckels: Also der komplette Gegensatz zu Netanyahu. Der wirkt bondenständig,
Pauline Jäckels: der wirkt nicht nach einer, der jetzt nach Geld sucht und korrupt sein konnte.
Pauline Jäckels: Der ist halt ruhig im Ton. Und durch diese persönliche Geschichte sieht er ganz
Pauline Jäckels: anders als Netanyahu, dessen Familie ganz anders rüberkommt.
Pauline Jäckels: Also sein Sohn lebt mittlerweile in Miami und findet den ganzen Tag Verschwörungstheorien.
Shaked Spier: Also Netanjahus Sohn.
Pauline Jäckels: Netanjahus Sohn, genau. Netanjahus Frau.
Pauline Jäckels: Es gibt zig Skandale, dass sie halt Beschäftigte von der Residenz halt angegriffen
Pauline Jäckels: hat und angeschrieben hat und Sachen beworfen hat.
Pauline Jäckels: Und sie steht auch bei vielen der Korruptionsprozesse von Netanjahu steht mutmaßlich
Pauline Jäckels: ihr eigenes Geldgier dahinter.
Pauline Jäckels: Und ich, Netanjahu, also das ist eine Familie, die in der Offenbarkeit in Israel
Pauline Jäckels: sehr unbeliebt sind, durch ihre Art und wie sie leben
Pauline Jäckels: und ein Gegenkandidat, dessen Familie auch anders rüberkommt, macht da auch was aus.
Pauline Jäckels: Genau, und dann haben wir noch die Koalition,
Pauline Jäckels: Wir haben die Likud-Partei.
Shaked Spier: Also das Regierungslager.
Pauline Jäckels: Richtig, das Regierungslager. Wir haben die Likud-Partei, da hat Netanyahu diese
Pauline Jäckels: Partei komplett untersagt mit Kontrolle gebracht.
Pauline Jäckels: Das war vorher, auch wenn politisch von uns sehr, sehr weit entfernt war,
Pauline Jäckels: das weiterhin eine lebendige Partei, die relativ demokratisch funktioniert hat,
Pauline Jäckels: wo es auch verschiedene Positionen und verschiedene Herausforderer von bestimmten Stellen gab.
Pauline Jäckels: Das gibt es nicht mehr. Das ist wie eine Netanyahu-Sekte geworden.
Pauline Jäckels: Das war eine strukturelle Veränderung, die er über Jahre halb durchgesetzt hat.
Pauline Jäckels: Und man sieht auch, wie stark sie von Ben-Wir und seiner Politik beeinflusst wird.
Pauline Jäckels: Dass mittlerweile die Abgeordnete der Likud-Partei, die sind näher an Ben-Wir
Pauline Jäckels: und seiner Partei, als was die Likud als rechtsliberale Partei vor 30 Jahren war.
Pauline Jäckels: Und dann haben wir die Siedler-Parteien von Ben-Wir, ist ja bekannt,
Pauline Jäckels: einer ultrarechten, vor Terror-Unterstützung verurteilte Person,
Pauline Jäckels: der die Expansionspolitik und die Besatzungspolitik mit voller Macht und voller
Pauline Jäckels: Geschwindigkeit durchsetzen will.
Pauline Jäckels: Der hat als Polizeiminister in dieser Legislaturperiode auch die Polizei komplett
Pauline Jäckels: unter seine Kontrolle gebracht, dass die Polizei mittlerweile
Pauline Jäckels: auch nicht nur ein Freund und Helfer sozusagen ist, sondern eine Instanz,
Pauline Jäckels: vor der man vor allem als liberaler Mensch, muss man gar nicht links oder sogar palästinensisch sein,
Pauline Jäckels: dass liberaler Mensch schon Angst haben soll.
Shaked Spier: Also er unterstützt auch sehr klar die Siedlerbewegung, die bewaffnet jetzt
Shaked Spier: auch in letzter Zeit nochmal in den Medien immer wieder,
Shaked Spier: Palästinenser natürlich angreift, die dort leben, aber auch Journalistinnen
Shaked Spier: angreift, Beobachter, politische Beobachter angreift, also sehr aggressiv auftritt, um eben,
Shaked Spier: die Menschen vor Ort zu vertreiben und das Gebiet dann zu besiedeln.
Shaked Spier: Und Ben-Wir ist ja auch so ein bisschen, Personennunggrater geworden,
Shaked Spier: aus europäischer Sicht.
Shaked Spier: Er ist so ein bisschen das schwarze Schaf der Koalition und manchmal hat man
Shaked Spier: das Gefühl, ihm soll alle Schuld irgendwie auferlegt werden für die bösen Machenschaften,
Shaked Spier: für die Siedlergewalt, aber auch für alles Schlechte, was quasi passiert an Gewalt.
Shaked Spier: Und deshalb gibt es auch immer wieder diese Forderung, ihn zu sanktionieren.
Shaked Spier: Aber was dabei ja oft außer Acht gelassen wird, ist, dass viele dieser Entscheidungen
Shaked Spier: natürlich von der gesamten Netanyahu-Regierung getroffen werden und auch unterstützt
Shaked Spier: werden. Und eben nicht nur Bengwir oder Smotrich jetzt da die treibenden Kräfte sind.
Pauline Jäckels: Ja, also Bengwir und Smotrich, die haben da schon eine gewisse neue Qualität
Pauline Jäckels: der Grausamkeit hereingebracht.
Shaked Spier: Gerade in ihrer Rhetorik auch.
Pauline Jäckels: Genau, an der Brutalität, in ihrem Ton, aber auch in ihren Magieren.
Pauline Jäckels: Ich erinnere an die Videos, die in Gefängnisse mit
Pauline Jäckels: Die palästinensische Häftlinge, die halt mit den Augen gebunden auf dem Boden
Pauline Jäckels: lag, so gedreht hat, also das macht er sehr öffentlichkeitswirksam,
Pauline Jäckels: natürlich absichtlich.
Pauline Jäckels: Er hat auch mehrmals versucht, eine Eskalation zu provozieren,
Pauline Jäckels: als er zum Tempelberg gegangen ist, zum Beispiel.
Pauline Jäckels: Und diese beiden, sie stehen vor einem Generationswechsel in der Siedlerbewegung.
Pauline Jäckels: Weil davor war die Siedlerbewegung, hatte die gleiche messianische Vision gehabt,
Pauline Jäckels: hat versucht, das aber in Schritten und so gut es geht, unter dem Radar der
Pauline Jäckels: internationalen Politik langsam so eine Aggressionspolitik voranzutreiben.
Pauline Jäckels: Und die Generation von Bengi und Mottris, sie wollen alles und jetzt.
Pauline Jäckels: Und man sieht das in der Politik, man sieht das in der Rhetorik,
Pauline Jäckels: man sieht das in den politischen Agieren.
Pauline Jäckels: Und sie kennen sehr gut die Hebel, die man umlegen muss, um das zu machen.
Pauline Jäckels: Ben-Wir ist ja Beispiel Polizei, er hat sie komplett unter Kontrolle gebracht, er hat
Pauline Jäckels: das Waffenrecht reformiert und massenhaft Waffen an Zivilisten
Pauline Jäckels: verteilt, die jetzt auch viele weitere Probleme verursachen,
Pauline Jäckels: wie Femizin und Gewalt auf der Straße, was vorher eine Messerstecherei war,
Pauline Jäckels: ist heute eine Schießerei,
Pauline Jäckels: also es gibt auch eine Gewalteskalation und man sieht Waffen allgegenwärtig,
Pauline Jäckels: auch hier in Tel Aviv und sonst wo.
Pauline Jäckels: Und er hat auch Paramilitärs sehr unterstützt. Es gibt paramilitärische Gruppen in Israel.
Pauline Jäckels: Das sind so bekannte Figuren wie Hatzel, das ist ein bekannter Rapper,
Pauline Jäckels: der so ein Paramilitär mit seinem rechtem Mob sich entwickelt hat und hat so
Pauline Jäckels: einen speziellen Orden von Ben-Wir
Pauline Jäckels: für seinen Dienst an den Staat oder so bekommen hat.
Pauline Jäckels: Also sie umarmen diese Gruppen, die eigentlich in einer rechtlichen Grauzonne
Pauline Jäckels: oder an einer Grenze der Illegalität arbeiten.
Shaked Spier: Und was man vielleicht auch sagen muss, die Bewaffnung, gerade der Siedlerbewegung,
Shaked Spier: hat ja auch noch eine andere politische Implikation. Und zwar,
Shaked Spier: dass eine Zwei-Staaten-Lösung noch unmöglicher wird.
Shaked Spier: Würde man eine Zwei-Staaten-Bildung umsetzen wollen, wie sie eigentlich imaginiert
Shaked Spier: wurde, müsste man die Siedler ja aus der Westbank irgendwie rausbekommen.
Shaked Spier: Und bewaffnete Siedler sind schwieriger dort rauszubekommen als unbewaffnete.
Shaked Spier: Also es würde im Prinzip bedeuten, dass eine Zwei-Staaten-Bildung einen bewaffneten
Shaked Spier: Konflikt zwischen Israel und seinen eigenen Siedlern.
Shaked Spier: Das ist das ganz rechtsextreme Lager mit den Hauptfiguren Ben Guilla und Modric.
Pauline Jäckels: Richtig.
Shaked Spier: Okay, jetzt müssen wir aber zu dem Wahlergebnis kommen.
Pauline Jäckels: Sehr gerne.
Shaked Spier: Wir haben eine Paz-Situation, so viel steht fest.
Shaked Spier: Es hat sich keine ganz klare Mehrheit für das eine oder das andere Lager,
Shaked Spier: also das Netanyahu-Lager oder das Oppositionslager, rausgebildet. Es müssten nämlich 61,
Shaked Spier: Sitze sein, um diese Mehrheit im Parlament zu erreichen. Das ist keinem gelungen,
Shaked Spier: und das macht jetzt die ganze Nachwahlsituation ein bisschen kompliziert. Was sind die Szenarien?
Pauline Jäckels: Ja, also der Stand ist aktuell so, dass Netanyahu auf etwa 54 Sitzen kommt,
Pauline Jäckels: nach Auszählung von 85 Prozent der Stimmen. Also heute, wenn wir aufnehmen, wird noch gezählt.
Pauline Jäckels: Und die jüdische Opposition auf etwas wie 48 oder 47 Sitzen,
Pauline Jäckels: also viel weniger als den prognostiziert wurde.
Pauline Jäckels: Und die arabischen Parteien, also Rahm und Joint List, kommen aktuell auf 19. Das ist ein Rekordhoch.
Pauline Jäckels: Das beste Ergebnis war 2015, glaube ich, mit 15 Sitzen.
Pauline Jäckels: Also das ist ein Rekordhoch, der auch sehr stark mit der hohen Wahlbeteiligung zusammenhängt.
Pauline Jäckels: Das bedeutet, dass in den klassischen Lagern sozusagen, die man vor der Wahl
Pauline Jäckels: hatte, gibt es keine Mehrheit.
Pauline Jäckels: Dann haben wir ein paar Optionen. Die eine Option ist, es wird nach verschiedenen
Pauline Jäckels: Versuchen keine Regierungskoalition entstehen.
Pauline Jäckels: Und dann in einem halben Jahr ungefähr haben wir Neuwahlen. Und in dieser Zeit
Pauline Jäckels: ist Netanyahu mit seiner jetzigen Koalition geschätzt führend im Amt als Übergangsregierung.
Pauline Jäckels: Das ist einer der Worst-Case-Szenarien.
Pauline Jäckels: Weil dann hat er sehr starke Macht als eine Regierung, die kein Parlament als Kontrollinstanz hat.
Pauline Jäckels: Weil das Parlament ist da, aber ist nicht in Opposition und Koalition geteilt
Pauline Jäckels: und ist dadurch sehr gelehnt in seiner Arbeit. Dazu kommen wir gleich noch.
Pauline Jäckels: Es gibt natürlich noch den Worst-Worst-Case, das Netanyahu, wie ich vorhin gesagt
Pauline Jäckels: habe, mit Bestechung ein paar Leute zu erobertreten, motiviert.
Pauline Jäckels: Und dadurch eine Mehrheit erreicht.
Shaked Spier: Um dann 61 Sitze zu haben. Das heißt, er würde einfach aus dem anderen Lager
Shaked Spier: ein paar Sitze sich quasi beschaffen.
Shaked Spier: Und dann hätte er eine normale Regierung.
Pauline Jäckels: Ja, wie gesagt, er hat es ja erfolgreich in der Vergangenheit gemacht.
Pauline Jäckels: Jetzt bräuchte er mindestens sieben Leute.
Pauline Jäckels: Das halte ich für unwahrscheinlich. Wurde ihm ein oder zwei Stimmen fehlen,
Pauline Jäckels: hätte ich das für ein sehr wahrscheinliches Szenario gehalten.
Pauline Jäckels: Also aktuell ist das nicht so wahrscheinlich.
Pauline Jäckels: Dann gibt es verschiedene andere Szenarien. Das Erste, da gibt es jetzt auch
Pauline Jäckels: einen sehr starken Druck von links, also auch von den Demokraten in diese Richtung,
Pauline Jäckels: dass die jüdischen Oppositionsparteien gefährlich sind, mit den arabischen Parteienrahmen
Pauline Jäckels: und Joint List oder großen Teilen der Joint List zusammenzuarbeiten.
Pauline Jäckels: Was heißt zusammenzuarbeiten? Zu einer Regierung, einer Mehrheitsregierung wird
Pauline Jäckels: es vermutlich nicht kommen, aber das könnte eine tolerierte Minderheitsregierung sein.
Pauline Jäckels: Das könnte auch eine tolerierte Minderheitsregierung sein.
Pauline Jäckels: Die sofort nach ihrer Wahl einen Neuwahlen ansetzt.
Pauline Jäckels: Das heißt, es gibt trotzdem Neuwahlen in einem halben Jahr oder etwas mehr,
Pauline Jäckels: aber in dieser Zeit ist eine Eisenkot-Regierung, die von Rahm und Haddad unter
Pauline Jäckels: Schutz wird, beispielsweise als Übergangsregierung im Amt.
Pauline Jäckels: Und dann ist das politische Klima auch besser, vielleicht nicht das Beste,
Pauline Jäckels: aber besser ist als mit Netanyahu.
Pauline Jäckels: Mit Netanyahu im Amt. Oder, das ist in Israel auch immer möglich,
Pauline Jäckels: dass das Lagerdenken durch genug Druck
Pauline Jäckels: Vom Präsidenten Herzog oder von der Bevölkerung wegen der Angst vor Neuwahlen,
Pauline Jäckels: dass diese Lager sich irgendwie aufbrechen und es entsteht eine nationalistische
Pauline Jäckels: Einheitsregierung mit Eisenkot und Leput und noch ein, zwei Parteien.
Pauline Jäckels: Netanyahu hat diesem Szenario heute schon eine Absage erteilt und gesagt,
Pauline Jäckels: mein Lager steckt zusammen und wenn jemand dazukommen möchte,
Pauline Jäckels: ist er eingeladen, aber uns nimmt er nicht auseinander.
Pauline Jäckels: Ob das noch standhält, muss man sehen.
Shaked Spier: Was interessant ist, finde ich. Also ich finde das überraschend,
Shaked Spier: gerade weil ja Teile dieses Oppositionslagers doch politisch dem,
Shaked Spier: was Netanjahu macht, sehr nahe sind.
Shaked Spier: Dass er jetzt hier sagt, wir halten an dieser Lage fest.
Shaked Spier: Obwohl es ihm ja eine Möglichkeit auf eine Regierung oder auf seinen Machterhalt auch nimmt.
Pauline Jäckels: Ja, das Problem ist, ihm reicht der Machterhalt als Ministerpräsident nicht aus.
Pauline Jäckels: Er braucht auch die Macht, die Justizreform voranzutreiben.
Pauline Jäckels: Weil er hat ja eigene Probleme mit seinen Korruptionsprozessen, die noch im Laufen sind.
Pauline Jäckels: Davon muss die Justiz schwächen, beziehungsweise er muss in einer starken politischen
Pauline Jäckels: Position sein, um nachher mit der Generalstaatsanwältin und mit dem Staatspräsidenten
Pauline Jäckels: Uba in so einem Vergleich
Pauline Jäckels: zu verhandeln, dass er von der Politik beispielsweise zurücktritt,
Pauline Jäckels: aber davor eine Amnestie bekommt oder in so einem Deal,
Pauline Jäckels: wo alle sich damit unwohl fühlen, aber eher nicht im Knastland dazu.
Pauline Jäckels: Herr Mon aktuell ist sein bestes Ticket weiterhin den Druck,
Pauline Jäckels: auf die Justiz aufrechtzuerhalten und das kann er nur mit seinen jetzigen Partnern,
Pauline Jäckels: die orthodoxen Parteien und die Siedlerparteien, weil die alle das Interesse
Pauline Jäckels: haben, die Justiz zu entmachen.
Pauline Jäckels: Das kann er mit Oppositionsparteien nicht machen. Also deswegen glaube ich, hält er noch daran fest,
Pauline Jäckels: je nachdem, inwieweit eine Eisenkurt-Partei oder eine Bennett-Partei auf ihn
Pauline Jäckels: zugeht, bei manchen diesen Aspekten, um so eine Einheitsregierung zu bilden, das muss man schauen.
Pauline Jäckels: Man muss aber auch verstehen, viele dieser Personen in der Opposition haben
Pauline Jäckels: ja das persönliche Zurufnis mit Netanyahu und allein deswegen nicht unter ihm
Pauline Jäckels: als Ministerpräsident in einer Regierung sitzen würden.
Pauline Jäckels: Deswegen halte ich so eine Einheitsregierung eher für unwahrscheinlich.
Pauline Jäckels: In Israel ist es nicht so.
Pauline Jäckels: In der israelischen Politik, das ist alles Glaskugel und wenn jemand eine Prognose
Pauline Jäckels: abgibt, das ist schon mutig.
Shaked Spier: Waren das alles wichtigen Szenarien? Haben wir die gerade jetzt alle durch?
Pauline Jäckels: Ja, die Minderheitsregierung, Netanyahu, Neuberg.
Shaked Spier: Welche von diesen Szenarien hältst du denn für wahrscheinlich oder sagst du
Shaked Spier: einfach, du kannst jetzt keine Prognose oder du kannst nicht sagen,
Shaked Spier: welche wahrscheinlich ist, weil es gerade so offen und so unsicher ist,
Shaked Spier: dass es nicht möglich ist?
Pauline Jäckels: Also da brauche ich tatsächlich das amtliche Endergebnis, um genauer zu sagen,
Pauline Jäckels: weil, wie ich schon angedeutet habe, zwei Mandate hin oder her machen ein Szenario
Pauline Jäckels: schon wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich.
Pauline Jäckels: Ich halte aber trotzdem, ich will trotzdem etwas sagen. Ich denke,
Pauline Jäckels: es ist wahrscheinlich, dass die Opposition in ihrer Gesamtheit
Pauline Jäckels: mit Rahm und John Klist versuchen werden, auch ohne Regierungsbildung klare
Pauline Jäckels: Veränderungen über das Parlament herbeizuführen.
Pauline Jäckels: Weil die Opposition kann forcieren, dass das Parlament sich konstituiert.
Pauline Jäckels: Man kann davon ausgehen, dass der jetzige Parlamentvorsitzende Amir Orkana versucht,
Pauline Jäckels: versuchen wir das zu verhindern, indem die Sitzung nicht organisiert.
Pauline Jäckels: Und dann wird das Gericht das halt forcieren.
Pauline Jäckels: Es gibt Präsidentsfälle davon in der Vergangenheit.
Pauline Jäckels: Der kleine Unterhaltungspunkt ist, dass in so einem Fall, wo das
Pauline Jäckels: Gericht das Urteil fällt, man muss es machen, das Parlament muss sich konstituieren
Pauline Jäckels: und der Parlamentsvorsitzende, in diesem Fall Amir Ohana von Elikud,
Pauline Jäckels: das nicht macht, dann wird automatisch der am längsten am Tienden
Pauline Jäckels: Parlamentsabgeordnete
Pauline Jäckels: Der Vorsitzende für diese eine Sitzung.
Pauline Jäckels: Das wäre der Achmed Tiddy, den wir schon mehrmals angesprochen haben von der Joint List.
Pauline Jäckels: Also das wäre auf jeden Fall für die Unterhaltung von sehr großem Wert.
Pauline Jäckels: Politisch ist alles sehr turbulent in dem Fall.
Pauline Jäckels: Aber dann konnte die Opposition einen eigenen Parlamentsvorsitzenden ernennen.
Pauline Jäckels: Sie konnte den wichtigen Ausschuss für Gesetzgebung für sich beanspruchen durch
Pauline Jäckels: ihre eigene Mehrheit und so mehrere Gesetze auf dem Weg bringen und beschließen,
Pauline Jäckels: auch ohne, dass es eine Regierung gibt.
Pauline Jäckels: Das ist so, wie die Geschäftsordnung des israelischen Parlaments funktioniert.
Pauline Jäckels: Und dann konnte die Opposition Fakten schaffen, wie ihre große Wahlversprechen,
Pauline Jäckels: zum Beispiel Untersuchungskommission für den 7.
Pauline Jäckels: Oktober, werflich für die Ultra-Orthodoxen und vielleicht noch ein paar Sachen
Pauline Jäckels: wie Stärkung der Justiz oder Begrenzung
Pauline Jäckels: der Amtszeit von Ministerpräsidenten oder sowas als Gesetzen beschließen.
Shaked Spier: Das heißt, auch ohne Regierungsbildung öffnet sich eine Art Korridor für politische,
Shaked Spier: also Wandel nicht in dem Sinne, da haben wir schon drüber gesprochen,
Shaked Spier: das ist jetzt keine riesige Veränderung der Politik in vielerlei Hinsicht,
Shaked Spier: aber diese kleinen Sachen, innerisraelische Sachen könnten angestoßen werden.
Pauline Jäckels: Ja, also das wäre politisch schon eine sehr große Veränderung,
Pauline Jäckels: natürlich nicht fundamental, nicht in dem Tempo, wie wir es gesprochen haben,
Pauline Jäckels: aber für die aktuelle politische Situation ist das eine große Verbesserung,
Pauline Jäckels: wenn man das halt in dem Kontext sieht.
Pauline Jäckels: Und das wird auch ein Netanjahu sehr stark unter Druck setzen,
Pauline Jäckels: auch wenn er als Regierungschef in der Übereitsregierung ist und das könnte so eine
Pauline Jäckels: So ein Move sozusagen und so eine Veränderung über das Parlament erzwungen,
Pauline Jäckels: konnte auch die Wahlergebnisse von einer Neuwahlenmaske nicht beeinflussen.
Shaked Spier: Sprechen wir mal kurz über Netanyahu. Was steht für ihn auf dem Spiel,
Shaked Spier: wenn er jetzt vielleicht nicht eine Regierung anführt?
Pauline Jäckels: Also das sind so zwei oder drei Aspekte, die da eine sehr zentrale Rolle spielen. Das eine
Pauline Jäckels: Sind seine Korruptionsprozesse. Das ist, was er am meisten befürchtet,
Pauline Jäckels: weil solange er als Angeklagter in der Position eines Ministerpräsidenten ist, hat er da viel mehr,
Pauline Jäckels: also auch ohne Justizreform, viel mehr Gutmittel und Verhandlungsmöglichkeiten
Pauline Jäckels: mit der Staatsanwaltschaft oder mit dem Staatspräsidenten, der ihn auch amnestiv
Pauline Jäckels: geben kann. gegebenenfalls.
Pauline Jäckels: Deswegen ist es, da steht viel vor ihm auf dem Spiel.
Pauline Jäckels: Es gibt aber auch die Strafprozesse von dem internationalen Gericht.
Pauline Jäckels: Da, ich bin kein Jurist in dem Sinne, aber ich erwarte da keine größte Veränderung
Pauline Jäckels: vor ihm, ob er jetzt die Wahlen gewinnt oder nicht, weil diese Prozesse laufen
Pauline Jäckels: weiter und sind an seine Person gebunden.
Pauline Jäckels: Ob er weiterhin Ministerpräsident ist Und so wie ich das einschätze,
Pauline Jäckels: er wird weiterhin sowohl den politischen als auch den juristischen Beistand
Pauline Jäckels: von Israel bekommen in diesen Prozessen, egal in welcher Position das ist,
Pauline Jäckels: weil in der Mehrheit der Politik und in der Gesellschaft werden diese Prozesse
Pauline Jäckels: so wahrgenommen, dass sie gegen Israel sind und nicht gegen einzelne Personen.
Pauline Jäckels: Also da erwarte ich keine große Änderung und es gibt natürlich die persönliche
Pauline Jäckels: Schiene, das ist nicht nur, dass er sehr stark sich an der Macht klammert,
Pauline Jäckels: das ist sein familiäres Umfeld.
Shaked Spier: Und nehmen wir mal an, dass es so kommen würde, dass es eine Art Regierungswechsel
Shaked Spier: gibt, also dass Netanyahu jetzt nicht die Regierung anführt wie bisher.
Shaked Spier: Können wir wirklich mit einem politischen, oder was ist das Spektrum des politischen
Shaked Spier: Wandels, der dadurch möglich würde und inwiefern eben nicht?
Shaked Spier: Also was fällt da raus an politischem Wandel, den man sich vielleicht erhoffen würde von links?
Pauline Jäckels: Ja, also gut, dann gehen wir vom Best-Case-Szenario aus, dass es eine andere
Pauline Jäckels: Regierung durch die jetzige Opposition zustande kommt.
Pauline Jäckels: Das ist so, dass alle Oppositionsparteien sich die Wiederherstellung der Demokratie
Pauline Jäckels: auf die Fahnen geschrieben haben.
Pauline Jäckels: Was sie dabei genau meinen, das ist schon eine andere Frage.
Pauline Jäckels: Und das ist so, dass für die meisten, auch in der israelischen Bevölkerung,
Pauline Jäckels: also auch die Wählerschaft, nicht nur die Parteien, die Wiederherstellung des
Pauline Jäckels: Status Quo von 22 vor der Justizreform
Pauline Jäckels: als ausreichende demokratische Vision gesehen wird.
Pauline Jäckels: Also wir kommen dahin zurück und dann ist sozusagen alles gut,
Pauline Jäckels: ergänzt um einen sämtlich für ultraorthodoxen und eine staatliche Untersuchungskommission
Pauline Jäckels: vom 7. Oktober, also diese drei Punkte, wo wir schon gesprochen haben.
Pauline Jäckels: Das ist allein aus Demokratiesicht natürlich keine demokratische Version.
Pauline Jäckels: Wir haben anfangs über die verschiedenen strukturellen und demokratischen Defizite
Pauline Jäckels: in Israel gesprochen, die viel mehr sind, als nur was jetzt im Laufe dieses
Pauline Jäckels: autoritären Staatsumbau in den letzten Jahren kaputt gemacht wurde.
Pauline Jäckels: Es wäre eine Verfassung, dass die arabischen oder palästinensischen Bürgerinnen
Pauline Jäckels: und Bürger nicht gleichwertige Bürgerinnen und Bürger sind und vieles andere.
Pauline Jäckels: Und das war letztendlich dieser Zustand, dieser Statusgruppe von damals war
Pauline Jäckels: der näher worden für das, was wir heute sehen, mit der Justizreform,
Pauline Jäckels: mit der Siedlergewalt und vielen anderen.
Pauline Jäckels: Deswegen ist das aus meiner Sicht noch keine demokratische Vision und es bedarf
Pauline Jäckels: viel mehr und das sieht man in der jetzigen Opposition nicht.
Pauline Jäckels: Die Demokraten sind da ein bisschen weiter als die anderen Parteien und Haddad
Pauline Jäckels: sind da natürlich noch weiter als die Demokraten.
Pauline Jäckels: Aber das ist keine grundlegende Demokratisierung. In dem Sinne, also das ist das eine.
Pauline Jäckels: Und wir haben natürlich die Kriegspolitik, ob das in Gaza ist,
Pauline Jäckels: in Lebanon, in Syrien, mit dem Iran und wer weiß was noch.
Pauline Jäckels: Doch da ist auch wenig fundamental anders zu erwarten, weil wir haben in den
Pauline Jäckels: letzten Jahren gesehen, dass der
Pauline Jäckels: Großteil der Opposition hinter dieser Kriegspolitik gestanden hat.
Pauline Jäckels: Und die Kritik war eher, dass die Feuerpausen und Rucker der Geisel oder die
Pauline Jäckels: Feuerpausen und Rucker der Geisel nicht früh genug gekommen sind.
Pauline Jäckels: Das war eher die Kriegskritik und nicht grundsätzlich.
Pauline Jäckels: Und auch jetzt sehen wir, dass
Pauline Jäckels: viele dieser Parteien weiterhin die Vitalbesatzung von Gaza bis zu diesem
Pauline Jäckels: die geltenden Linie oder Süd-Libanons befürworten, aus Sicherheitsgründen.
Pauline Jäckels: Sie sehen das nicht ideologisch wie die Koalition, die das als Teil ihrer Groß-Israel-Plan
Pauline Jäckels: sehen und planen schon dort,
Pauline Jäckels: irgendwann Siedlungen zu bauen und so weiter, sondern alles im Namen der Sicherheit
Pauline Jäckels: und wenn es irgendwann mal sicher ist, dann ziehen wir zurück.
Pauline Jäckels: Aber eine andere Argumentation und vielleicht einen anderen zeitlichen Horizont,
Pauline Jäckels: aber keine grundsätzliche Veränderung und auch
Pauline Jäckels: die Besatzung von West-Jordan-Namen oder im Allgemeinen Friedensprozess und
Pauline Jäckels: eine palästinensische Staatlichkeit, da sind sie sehr weit von entfernt.
Pauline Jäckels: Die Einzigen, die übersprechen, sind natürlich die Joint-Chiss-Unterahmen und
Pauline Jäckels: die Demokraten, wenn auch nicht in der Schärfe.
Pauline Jäckels: Das heißt, da ist tatsächlich kein richtiges Angebot für eine andere Politik
Pauline Jäckels: und ein anderer Weg, als wir versuchen, diese Konflikte irgendwie zu managen.
Shaked Spier: Und der Unterschied, da haben wir im Vorgespräch kurz drüber gesprochen,
Shaked Spier: liegt eher in der Legitimation der Expansionspolitik.
Shaked Spier: Also während die einen das dann vielleicht religiös begründen,
Shaked Spier: gerade so dieser Smotus-Ben-Gebier, so diese Siedlerbewegung,
Shaked Spier: dann eher so ein religiöses, messianisches Verständnis haben von,
Shaked Spier: einem Groß-Israel-Projekt als die Erfüllung der israelischen jüdischen Prophezeiung,
Shaked Spier: würden andere Akteure, die eine andere rechte Position, mehr säkuläre rechte Position haben, sagen,
Shaked Spier: wir brauchen das für unsere Sicherheit.
Pauline Jäckels: Ja, was West-Jodan-Lein angeht, da sind auch viele der Parteien in der Opposition,
Pauline Jäckels: glauben auch an, dass Israel gehört, aber darüber hinaus, Peperon, Syriette,
Pauline Jäckels: Die Argumentation ist eher im Namen der Sicherheit. Die reden nicht davon,
Pauline Jäckels: dass sie da wirklich Siedlungen bauen wollen.
Pauline Jäckels: Aber wir kennen das. Das ist ein schleichender Prozess. Wenn das im Mainstream
Pauline Jäckels: so etabliert ist, dass wir das für die Sicherheit brauchen, dann irgendwann
Pauline Jäckels: brauchen wir dort auch Siedlungen für unsere Sicherheit.
Pauline Jäckels: Das hat man viele, viele Jahre über den Vessiordanan bis heute gesagt.
Pauline Jäckels: Die Siedlungen sind da für unsere Sicherheit innerhalb von Israels. sind gemessen.
Pauline Jäckels: Und dann irgendwann wird das kommen. Also das ist so ein schleichender Prozess.
Shaked Spier: Und ich glaube, da muss man auch hier nochmal einmal sagen, natürlich für eine
Shaked Spier: Person in Südlibanon, die hier ihr Haus, ihr Familienhaus verloren hat und ihr ganzes,
Shaked Spier: Lebensumfeld und so weiter, ist es natürlich völlig egal, mit welcher Begründung
Shaked Spier: israelische Politiker diese Politik vorantreiben.
Shaked Spier: Genauso auch wie für eine Person in Gaza, egal ist, wer sie bombardiert oder
Shaked Spier: wer diese Bombardierung veranlasst hat?
Pauline Jäckels: Manchmal der Blick von außen, also auch von den Menschen in Libanon oder den Menschen in Gaza, ist,
Pauline Jäckels: ihre Interpretation der politischen Motivation ist manchmal tatsächlich auch
Pauline Jäckels: besser als die der Israel ist, weil viele glauben wirklich, sie machen das im Namen der Sicherheit,
Pauline Jäckels: obwohl das ist offensichtlich, dass es da Leute gibt, die das schon zwei Schritte weiter denken.
Pauline Jäckels: Und ich glaube, das ist einfach, weil viele Israelis, die sich weiterhin als
Pauline Jäckels: einzelne Individuen, als Menschen, die eher zufrieden sind, wahrnehmen und wollen
Pauline Jäckels: das gar nicht wahrhaben,
Pauline Jäckels: dass da ein anderer Plan dahinter steckt.
Pauline Jäckels: Dann lassen sie sich überzeugen, das ist im Namen der Sicherheit,
Pauline Jäckels: aber unsere Hand ist weiterhin ausgestreckt.
Shaked Spier: Kommen wir mal noch zum Schluss zu der Frage linker Perspektiven in Israel,
Shaked Spier: die sich dezidiert gegen die Expansionspolitik stellen.
Shaked Spier: Welche Rolle spielen die überhaupt noch? Haben sie jetzt vielleicht doch nochmal
Shaked Spier: eine Relevanz gewonnen? Wir haben ja festgestellt, die arabischen Parteien,
Shaked Spier: der arabische Block hat an Stimmen gewonnen.
Shaked Spier: Wie siehst du das? Ist das ein Hoffnungsschimmer, den wir da sehen,
Shaked Spier: dass es noch mal mehr Raum gibt für diese Perspektiven, auch mehr Relevanz?
Pauline Jäckels: Ja, also das wurde ich nicht an den Wahlergebnissen der arabischen Parteien
Pauline Jäckels: koppeln, weil die hängen sehr stark mit der Wahlbeteiligung in dieser Bevölkerung zusammen.
Pauline Jäckels: Ich warte noch auf die Auswertungen, die in den kommenden Tagen kommen werden,
Pauline Jäckels: wie viele jüdische Stimmen oder vermutlich jüdische Stimmen,
Pauline Jäckels: weil manche Städte sind ja eher gemixt.
Pauline Jäckels: Da eine Rolle spielen, das wäre schon ein interessanter Indiz,
Pauline Jäckels: aber viel wichtiger ist der Blick auf die Zivilgesellschaft.
Pauline Jäckels: Welche Bewegungen machen noch diese Arbeit, mit welchen Ansätzen und die existieren
Pauline Jäckels: noch. Viele sind auch unsere Partnerinnen und Partner der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Pauline Jäckels: Das sind zum einen die bekannten Friedensbewegungen wie PCLM und Breaking the
Pauline Jäckels: Silence und Peace Now und auch die relativ neuen Bewegungen wie Standing Together,
Pauline Jäckels: die eher als Grassroots und als Zivilgesellschaft im Allgemeinen Bewegung sich
Pauline Jäckels: etabliert, auch mit Häusern in verschiedenen Städten, wo Menschen zusammenkommen und so weiter.
Pauline Jäckels: Also viel breiteres Verständnis von einer Grassroots-Bewegung,
Pauline Jäckels: die eine gesellschaftliche Veränderung zum Positiven herbeiführen soll.
Pauline Jäckels: Und es gibt viele andere Initiativen, die an Single Issues arbeiten,
Pauline Jäckels: wie zum Beispiel Militarisierung in der Wissenschaft oder gegen die Bewaffnung
Pauline Jäckels: Von der Bevölkerung, wovon wir gesprochen haben. Also es gibt auch viele von
Pauline Jäckels: diesen Sachen, die letztendlich auch zusammenhängen mit der gesamten Besatzungspolitik,
Pauline Jäckels: auch wenn sie an Randhänden davon arbeiten.
Pauline Jäckels: Also es gibt schon viele, aber man muss so ehrlich sagen, dass sie aktuell sehr
Pauline Jäckels: klein sind und auch sehr stark unter Druck,
Pauline Jäckels: weil der Freiraum, sich politisch mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und
Pauline Jäckels: auch wirklich aktiver zu machen, ist kleiner geworden.
Pauline Jäckels: Also Stichwort schrinkenden Spaces, das ist durch den politischen Diskurs nach dem 7.
Pauline Jäckels: Oktober sehr stark eingeschränkt, dass die Grenzen des Sagbaren im öffentlichen
Pauline Jäckels: Raum sich sehr verengt haben,
Pauline Jäckels: dass bestimmte politische Aktionen auch sehr stark eine Gewalt,
Pauline Jäckels: also mit kockerlicher und verbaler Gewalt als Gegenreaktion auf sich ziehen,
Pauline Jäckels: Was halt diese Arbeit sehr erschwert.
Pauline Jäckels: Und das sehen wir auch von sehr organisierten Rechten, um die Versuchungsveranstaltungen
Pauline Jäckels: zu invidieren oder halt die Aktivistinnen und Aktivisten oder Journalistinnen,
Pauline Jäckels: die sie unterstützen und so weiter, auf der Straße bedrängen und angreifen.
Pauline Jäckels: Also es wird immer schwieriger, in diesem Umfeld zu arbeiten,
Pauline Jäckels: aber trotzdem existieren sie und arbeiten weiter.
Pauline Jäckels: Und man muss auch verstehen, dass die letzten drei Jahre waren in vielen Hinsichten
Pauline Jäckels: hier einen Ausnahmezustand. Sind sie immer noch.
Pauline Jäckels: Es ist schwer vorherzusagen, wie es sich bald entwickelt, aber ich glaube schon, dass wenn die
Pauline Jäckels: dass dieser Ausnahmezustand sich langsam ändert durch andere Regierung,
Pauline Jäckels: durch Beendigung von dem einen und dem zweiten und dem dritten Krieg
Pauline Jäckels: und so weiter, auch wenn es noch Zeit dauern wird und auch nur schrittweise sein wird, dass
Pauline Jäckels: Diese Anspannung sich reduzieren wird und auch
Pauline Jäckels: die alltägliche Gewalt sich hoffentlich reduzieren wird und dadurch auch mehr
Pauline Jäckels: Möglichkeiten für politisches Agieren von Links und gegen diese Politik halt möglich werden.
Pauline Jäckels: Das ist aber nicht von heute auf morgen, also das ist dann lange weg.
Pauline Jäckels: Aber ich sehe da wirklich sehr, sehr, sehr engagierte Menschen und wir unterstützen
Pauline Jäckels: sie ja auch oder kennen sie aus unserem Netzwerk
Pauline Jäckels: und ich denke nicht, dass sie einfach verschwinden werden einfach weil der Raum
Pauline Jäckels: sich verengt hat sondern
Pauline Jäckels: es wird auch irgendwann hoffentlich einfacher wird diese Arbeit zu leisten und
Pauline Jäckels: hoffentlich wenn auch die Trauma des 7.
Pauline Jäckels: Oktober und die Posttrauma von vielen Menschen und so weiter aufgearbeitet werden,
Pauline Jäckels: dass auch mehr Menschen in der Gesellschaft empfänglich oder halt offen werden
Pauline Jäckels: für diese Argumente und für diese Positionen und überhaupt um diese Debatten zu führen.
Pauline Jäckels: Aber wie ich gesagt habe, ich sehe da eher einen langen Prozess,
Pauline Jäckels: als es morgen mit einer neuen Regierung auf einmal alles besser ist.
Shaked Spier: Ich muss gerade denken an ein linkes Projekt oder mehr als ein Projekt,
Shaked Spier: das ich auch kennengelernt habe in der Westbank.
Shaked Spier: Das ist das Dorf Faha, wo ein kommunistisches, im Prinzip kollektiv, jüdische,
Shaked Spier: arabische, palästinensische, aber eben auch Leute, Aktivistinnen aus dem Ausland
Shaked Spier: zusammenleben und versuchen dort eine andere Realität schon zu leben und zu schaffen.
Shaked Spier: Das fand ich sehr inspirierend, aber auch bedrückend, weil natürlich dieses Dorf aufgrund,
Shaked Spier: dieses Gegenmodells, das es darstellt, auch attackiert wird,
Shaked Spier: sehr regelmäßig von Siedlern.
Shaked Spier: Und dieses Dörf versucht eben irgendwie so eine solidarische Gesellschaft zu schaffen,
Shaked Spier: so eine Art Utopie in der krassesten dystopischen Situation,
Shaked Spier: die man sich eigentlich vorstellen kann.
Shaked Spier: Und vielleicht lohnt es sich da auch, gerade solche Projekte sich anzuschauen.
Shaked Spier: Und irgendwie, auch wenn alles gerade nicht nach Hoffnung aussieht,
Shaked Spier: vielleicht da so ein bisschen zu sehen, okay, es ist doch noch was anderes möglich.
Pauline Jäckels: Das, und du hast ja die Angriffe angesprochen, es gibt, also leider gibt es
Pauline Jäckels: ja Zunahme, Das wissen wir alle in Siedlergewalt.
Pauline Jäckels: Aber man sieht auch ein sehr großes Wachstum oder Zunahme in den Menschen,
Pauline Jäckels: die zu Protective Presence, die besetzt sind.
Shaked Spier: Also ich habe das in der Westbank so erlebt, dass zum Beispiel Aktivistinnen
Shaked Spier: aus Deutschland, oft eben weiße europäische,
Shaked Spier: Menschen oder aus den USA oder so, quasi sagen, wir stellen uns vor die palästinensischen,
Shaked Spier: die bedrohten palästinensischen Communities,
Shaked Spier: und schützen sie mit unserer Präsenz vor einer Attacke.
Shaked Spier: Weil eben wenn wir verletzt werden und das wissen die Siedler,
Shaked Spier: dann wird es mehr Konsequenzen haben als die Palästinenser, was natürlich an sich schon eine sehr,
Shaked Spier: falsche, furchtbare Realität ist, aber so ist es nun mal und das machen sie sich quasi zunutze.
Pauline Jäckels: Ja, also das sind auch viele Israelis, die das machen.
Pauline Jäckels: Und das sind tatsächlich Menschen, die dann gehen und begleiten die PalästinenserInnen
Pauline Jäckels: zum Beispiel zu ihrer Ulivenente oder zu ihren Feldern oder wenn sie mit ihren
Pauline Jäckels: Oder
Pauline Jäckels: wenn ihre Dorfer von Siedlergewalt bedroht sind, dann kommen sie und schützen sich dazwischen.
Pauline Jäckels: Also in verschiedenen alltäglichen Situationen, wo es zu Gewalt kommt oder wo
Pauline Jäckels: Palästinenserinnen und Palästinenser ihren Alltag einfach nicht führen können,
Pauline Jäckels: weil es gibt eine Siedlung zwischen ihrem Dorf und ihrem Feld.
Pauline Jäckels: Und solche Sachen, dass diese Menschen hingehen und die Palästinenserinnen begleiten
Pauline Jäckels: und stehen im Weg, Das hilft mal mehr, mal weniger, weil die SiedlerInnen haben
Pauline Jäckels: auch immer weniger Scheu, diese Menschen halt anzugreifen.
Pauline Jäckels: Das Militär steht normalerweise eher als Zuschauer da,
Pauline Jäckels: als einmal Kraft interveniert oder es passiert auch sehr häufig,
Pauline Jäckels: dass Siedler eine Aktivistin oder Aktivisten schlagen und dann wird ja die geschlagene
Pauline Jäckels: Person halt festgenommen, anstatt die Täter.
Pauline Jäckels: Also das sind so Merkwürdigkeiten und wie du gerade gesagt hast, natürlich,
Pauline Jäckels: dass es überhaupt sowas gibt, zeigt, wie krass die Situation dort ist,
Pauline Jäckels: wie unrechtmäßig das ist, dass es halt unterschiedliche Rechtssysteme für unterschiedliche
Pauline Jäckels: Bevölkerungsgruppen in demselben
Pauline Jäckels: geografischen Region gibt und wie stark...
Shaked Spier: Was Amnesty International und andere Akteure ja auch Apartheid nennen,
Shaked Spier: genau aus diesem Grund. Richtig, genau.
Pauline Jäckels: Also Apartheid in den besetzten Gebieten gibt es ja
Pauline Jäckels: schon eine Argumentation, warum das so stimmt, weil das sind halt,
Pauline Jäckels: wie ich gerade gesagt habe, unterschiedliche Rechtssysteme für unterschiedliche
Pauline Jäckels: Bevölkerungsgruppen und auch die ausoffene Siedlergewalt, die halt
Pauline Jäckels: durch nichts tun vom Militär, von der Polizei, die dort präsent hat und sowieso
Pauline Jäckels: von der Regierung halt unterstützt wird.
Pauline Jäckels: Weil einfach nichts zu machen, wenn das stattfindet, wenn das passiert,
Pauline Jäckels: ist eine Art von Unterstützung.
Pauline Jäckels: Genau, aber die Proteste ist brennend, das muss man auch ein bisschen kritisch
Pauline Jäckels: sehen, weil das sind auch oft Begegnungen zwischen privilegierten Personen, die halt Rechte haben,
Pauline Jäckels: also politische Rechte haben und zivile Rechte haben und auch eher ökonomisch
Pauline Jäckels: bessergestellt sind als die kleinen palästinensischen Dorfer,
Pauline Jäckels: die halt von ihrer Landwirtschaft leben oder nicht mehr leben können und auch entrechtet sind.
Shaked Spier: Ein klares Machtgefälle zwischen...
Pauline Jäckels: Genau, ein klares Machtgefälle, auch wenn diese Begegnung entsteht,
Pauline Jäckels: ja durch Solidarität und Unterstützung.
Pauline Jäckels: Trotzdem ist es sehr, sehr wichtig, aber man muss verstehen,
Pauline Jäckels: in welchen politischen und Machtkonstellationen das stattfindet.
Shaked Spier: Und ich glaube, ich würde eigentlich gerne noch sehr viel weiter über diese
Shaked Spier: ganzen Fragen sprechen, aber ich glaube, was wir feststellen können,
Shaked Spier: ist, was gerade an linken Solidaritätsaktionen passiert, Es ist an vielen Stellen Abwehrkampf,
Shaked Spier: aber von einer Situation, wo wirklich ein würdevolles Leben mit gleichen Rechten,
Shaked Spier: gerade für PalästinenserInnen möglich ist, dass zwischen dem Jordan und dem Meer,
Shaked Spier: davon sind wir sehr, sehr weit entfernt und das wird wahrscheinlich nicht möglich
Shaked Spier: sein, ohne einen wirklich radikalen Politikwechsel.
Shaked Spier: In
Shaked Spier: In Israel und genau, wie auch immer der herbeigeführt werden soll,
Shaked Spier: das ist nochmal eine ganz viel größere Frage für einen anderen Zeitpunkt, glaube ich.
Shaked Spier: Wir müssen leider, leider das Gespräch beenden. Es bleibt nur dir zu danken,
Shaked Spier: dass du dir die Zeit genommen hast, mit mir so ausführlich über diese ganzen Details zu sprechen.
Shaked Spier: Ich habe auch nochmal sehr viel gelernt, muss ich sagen, auch wenn ich mich
Shaked Spier: selbst seit Jahren irgendwie mit diesen ganzen Themen auseinandersetze.
Shaked Spier: Aber eben gar nicht so im Detail mit der innerisraelischen Politik,
Shaked Spier: wie du das jetzt alles erläutert hast.
Shaked Spier: Du hast wahrscheinlich jetzt noch viel zu tun nach der Wahl.
Shaked Spier: Insofern will ich dir auch nicht noch mehr deiner Zeit wegnehmen.
Shaked Spier: Vielen Dank, dass du da warst und uns all diese Sachen erklärt hast.
Shaked Spier: Und alles Gute für die nächsten Tage und Wochen.
Shaked Spier: Hoffentlich überarbeitest du dich nicht so sehr.
Pauline Jäckels: Dankeschön.
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