Was bedeuten die Massenproteste in Frankreich, Lea Fauth?
Shownotes
Frankreich befindet sich in einem politischen Ausnahmezustand. Was vor ein paar Wochen als Protestaktion von Schülern in den Banlieues von Paris losging, ist inzwischen zu einer landesweiten linken Massenbewegung gegen die französische Regierungspolitik geworden. Die meisten von euch werden die Videos aus Paris und anderen französischen Städten gesehen haben: von den riesigen Demos, die ein bisschen nach Revolution aussehen, inklusive Straßenbarrikaden, brennender Autos und Plündereien – und von der massiven Gewalt, mit der die Polizei und die Gendarmerie auf die Demos reagiert haben.
In dieser Folge von Weltunordnung spricht Pauline Jäckels mit der Journalistin und Frankreich-Expertin Lea Fauth. Darüber, warum sich bei vielen Menschen in Frankreich eine so große Wut gegen die Regierung angestaut hat; welche Rolle Jean-Luc Mélenchon und die linkssozialistische Partei La France Insoumise in der Bewegung spielen; und was die Proteste und ihre Eskalation für die kommenden Parlamentswahlen nächstes Jahr bedeuten werden.
Lea Fauth hat Philosophie und Literatur in Frankreich, Brasilien und Portugal studiert. Danach hat sie bei der Deutschen Welle volontiert und bei der taz als Redakteurin gearbeitet. Ihre Analysen und Beiträge insbesondere zu französischer Politik sind bei ak, der taz und den Blättern für deutsche und internationale Politik erschienen.
Schreibt uns an: weltunordnung@rosalux.org
Intro-Musik: Charles Bradley – The World (is going up in Flames)
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Shownotes:
Lea Fauth, Nur ein Symtom, taz, Oktober 2026
Lea Fauth, Bismillah, es ist Demo, analyse&kritik, Oktober 2026
Lea Fauth, It‘s Austerity Stupid, taz, Oktober 2025
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None: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Pauline Jäckels: Frankreich befindet sich, gelinde gesagt, in einem politischen Ausnahmezustand.
Pauline Jäckels: Was vor ein paar Wochen als Protestaktion von Schülern und Schülerinnen in den
Pauline Jäckels: Bonlieus von Paris losging, ist inzwischen zu einer landesweiten linken Massenbewegung
Pauline Jäckels: gegen die französische Regierung geworden.
Pauline Jäckels: Die meisten von euch werden die Videos aus Paris und anderen französischen Städten gesehen haben.
Pauline Jäckels: Von den riesigen Demos, die ein bisschen nach Revolution aussahen,
Pauline Jäckels: inklusive Straßenbarrikaden, brennenden Autos, zwischen sogar einem brennenden
Pauline Jäckels: Rathaus und Plündereien.
Pauline Jäckels: Und von der massiven Gewalt, mit der die Polizei und die Gendarmerie auf die Demos reagiert haben.
Pauline Jäckels: Mein Name ist Pauline Jekylls und für diese Folge von Weltunordnung habe ich
Pauline Jäckels: mit der Journalistin Lea Faut über die Proteste in Frankreich gesprochen.
Pauline Jäckels: Darüber, warum sich bei so vielen Menschen in Frankreich eine so große Wut gegen
Pauline Jäckels: die Regierung angestaut hat.
Pauline Jäckels: Welche Rolle Jean-Luc Mélenchon und die links-sozialistische Partei La France
Pauline Jäckels: Insoumise in der Bewegung spielen und darüber, was die Proteste und ihre Eskalation
Pauline Jäckels: für die kommenden Parlamentswahlen nächstes Jahr bedeuten werden.
Pauline Jäckels: Lea Faut hat Philosophie und Literatur in Frankreich, Brasilien und Portugal studiert.
Pauline Jäckels: Danach hat sie bei der Deutschen Welle volontiert und bei der Taz als Redakteurin gearbeitet.
Pauline Jäckels: Inzwischen ist die freie Journalistin und ihre Analysen und Beiträge,
Pauline Jäckels: insbesondere zu französischer Politik, sind unter anderem bei der AK,
Pauline Jäckels: Taz und den Blättern für deutsche und internationale Politik erschienen.
Pauline Jäckels: Hallo Lea, schön, dass du da bist.
Lea Fauth: Hallo, freut mich auch.
Pauline Jäckels: Ist in Frankreich eine Revolution ausgebrochen, Lea?
Lea Fauth: So ganz würde ich das nicht sagen. Also es ist noch die Regierung im Amt und
Lea Fauth: es werden die Dinge wahrscheinlich auch noch eine Weile so weitergehen, wie sie weitergehen.
Lea Fauth: Aber wir nehmen dieses Gespräch jetzt am 19.
Lea Fauth: Oktober auf. Das ist zwei Tage nach einer Großmobilisierung in Frankreich,
Lea Fauth: wo auf jeden Fall manche Bilder,
Lea Fauth: an eine Revolution denken lassen haben und tatsächlich auch auf,
Lea Fauth: also es haben sehr viele Dinge gebrannt, es hat ein Rathaus gebrannt,
Lea Fauth: viele Autos gebrannt, es wurden,
Lea Fauth: Scheiben zerschlagen, Barrikaden gebaut und ich verfolge es leider gerade aus
Lea Fauth: der Distanz, aber man sah auch ab und zu,
Lea Fauth: diese Referenz an die Wände geschrieben, 1789.
Pauline Jäckels: Also das Jahr der französischen Revolution.
Lea Fauth: Genau, darauf referieren viele. Es wird auch vermehrt gerade die Marseillaise gesungen.
Lea Fauth: Das ist jetzt für Linke in Deutschland so ein bisschen befremdlich,
Lea Fauth: weil das ist die Nationalhymne.
Lea Fauth: Es wird aber auch deshalb gesungen, weil es eben ein Revolutionslied ist.
Lea Fauth: Also die Nationalhymne in Frankreich ist ein Revolutionslied.
Lea Fauth: Und das wird eben viel gesungen auf den Demos. Es werden auch linkere Sachen
Lea Fauth: gesungen, die internationale zum Beispiel.
Lea Fauth: Genau, aber die französische Revolution ist gerade eine sehr viel hervorgebrachte
Lea Fauth: Referenz, aber eine Revolution ist es nicht.
Lea Fauth: Also es ist einfach gerade die Hölle los, wobei man auch sagen muss,
Lea Fauth: dass es in Frankreich wieder auch hart im Nehmen sind und das Level sehr hoch ist an Protesten.
Lea Fauth: Aber selbst für französische Verhältnisse ist das gerade ziemlich krass.
Pauline Jäckels: Ich glaube, bevor wir zu dem Punkt kommen können, an dem wir uns jetzt gerade
Pauline Jäckels: befinden, nämlich dem Wochenende und den Eskalationen, müssen wir erstmal nochmal
Pauline Jäckels: einen Schritt zurückgehen.
Pauline Jäckels: Für alle, die vielleicht auch erst jetzt sich mit dem Thema beschäftigen,
Pauline Jäckels: wo sie eben diese Eskalation sehen, auf den französischen Straßen in Paris und
Pauline Jäckels: vielen anderen Städten.
Pauline Jäckels: Was war denn der Auslöser der Massenproteste schon vor ein paar Wochen?
Lea Fauth: Genau, also es fing eigentlich an mit dem, was sich jetzt als Schüler oder SchülerInnenproteste
Lea Fauth: etabliert hat und das fing relativ klein an.
Lea Fauth: Also es gab verschiedene Schulen in Frankreich, wo SchülerInnen gesagt haben,
Lea Fauth: in so einem Zustand wollen wir nicht zur Schule gehen. Also das begann in Crétel,
Lea Fauth: das ist ein Vorort von Paris.
Lea Fauth: Das wurde dann weitergeführt an einer Schule, die heißt Lycée Paul-Éduard,
Lea Fauth: die in Saint-Saint-Denis ist.
Lea Fauth: Das ist nördlich von Paris und das ist eine Stadt, eine banlieue,
Lea Fauth: die, sage ich mal, berühmt-berüchtigt ist, mit allen auch Klischees,
Lea Fauth: die es gibt über migrantische Vororte. Also es stimmt auch vieles daran nicht.
Lea Fauth: Es ist ein Vorort, der über viele, viele Jahre und Jahrzehnte komplett vernachlässigt
Lea Fauth: wurde und benachteiligt wurde,
Lea Fauth: wo eigentlich sowas wie soziale Segregation eigentlich schon teilweise geherrscht
Lea Fauth: hat und wo eben auch die Polizeigewalt besonders hart war und das hat sich auch
Lea Fauth: in den Nullerjahren, auch in den Ausschreitungen dort immer wieder gezeigt.
Lea Fauth: Und dort sind Schülerproteste losgegangen und diese Schule dort,
Lea Fauth: das hat man dann auch viel im Fernsehen gesehen,
Lea Fauth: da gab es Kakerlaken und Ratten und tropfende Decken, weil es Wasserschäden gab.
Lea Fauth: Da standen irgendwie Mülltonnen in den Klassenzimmern, um den Regen aufzufangen.
Lea Fauth: Es gab Ausfall in den Unterricht und so weiter. Und das war jetzt ein spezifischer
Lea Fauth: Zustand in einer Schule, wo dann eben die Proteste losgingen und das hat sich
Lea Fauth: dann aber sehr, sehr schnell ausgebreitet, weil,
Lea Fauth: über Social Media viele SchülerInnen auch festgestellt haben,
Lea Fauth: dass das nicht nur dort so ist, dass es an vielen Orten so ist.
Lea Fauth: Und es kommt dazu, ein auch sehr ungerechtes Verfahren, wenn man,
Lea Fauth: also nach der Schule, wenn man also Abi gemacht hat und an die Uni möchte oder
Lea Fauth: an die Hochschule möchte,
Lea Fauth: dann gibt es ein Portal, das heißt Parkour-Syp und das funktioniert nach irgendwelchen
Lea Fauth: Algorithmen, die nicht so viele Leute nachvollziehen können und es gibt diese Kritik eben,
Lea Fauth: dass man sich dort bewirbt und dann bekommt man keinen Platz,
Lea Fauth: aber man weiß eigentlich gar nicht, nach welchen Kriterien man keinen Platz bekommen hat.
Lea Fauth: Und die Kritik kommt, dass viele SchülerInnen, die eben aus Saint-Saint-Denis
Lea Fauth: kommen oder aus anderen Pariser Vororten oder die einen nicht-französischen
Lea Fauth: Nachnamen haben, dass die systematisch benachteiligt werden.
Lea Fauth: Also es ging dann zunehmend in den Wochen auch nicht nur um die schlechten und
Lea Fauth: maroden Schulen und um die schlechten Bedingungen und um den Unterrichtsausfall,
Lea Fauth: sondern es ging dann wirklich auch um.
Lea Fauth: Die Zukunft von diesen jungen Menschen, die eben vor allem in den Vororten und
Lea Fauth: vor allem in den ländlichen Regionen nicht so viele Chancen haben.
Lea Fauth: Was ich interessant finde, ist, dass es dann aber auch sehr,
Lea Fauth: sehr viele Schulen gab, an denen es diese Probleme nicht gibt und die sich solidarisch
Lea Fauth: erklärt haben mit diesen SchülerInnen und die gesagt haben, nee,
Lea Fauth: wir wollen auch für unsere Altersgenossinnen
Lea Fauth: an den anderen Schulen, wollen wir bessere Bedingungen und wir wollen auch an unserer Schule,
Lea Fauth: nicht von 8 bis 18 Uhr sein müssen.
Lea Fauth: Also da ging es dann auch darum, um viel zu lange Unterrichtszeiten und irgendwie Überarbeitung.
Lea Fauth: Und genau, aber das fand ich auf jeden Fall total interessant,
Lea Fauth: wie milieübergreifend letztlich und klassenübergreifend dieser Protest stattgefunden
Lea Fauth: hat und auch mit einer solidarischen Bezugnahme.
Pauline Jäckels: Was sind denn die konkreten Forderungen, die jetzt da laut werden seitens der SchülerInnen?
Lea Fauth: Genau, die sind unterschiedlich. Also natürlich gibt es einmal die Forderung
Lea Fauth: nach einfach einer Instandhaltung von Schulen.
Lea Fauth: Also tatsächlich, teilweise gibt es nicht genug Stühle und Tische in den Schulen. Also sowas.
Lea Fauth: Das heißt, da gibt es eine konkrete Forderung.
Lea Fauth: Es gibt die Forderung tatsächlich auch von manchen Schulen geäußert,
Lea Fauth: dass die LehrerInnen bessere Bezahlung bekommen und bessere Bedingungen haben,
Lea Fauth: dass es mehr Personal gibt. weil die Klassen sind überfüllt.
Lea Fauth: Also es sind relativ einfache Forderungen, in denen es um die Lernbedingungen
Lea Fauth: sehr, sehr konkret geht.
Pauline Jäckels: Genau, das eine ist ja das Thema der Schulpolitik, aber wenn wir uns jetzt die
Pauline Jäckels: Vehemenz der Demonstrationen anschauen, deutet das schon stark darauf hin,
Pauline Jäckels: dass es längst um noch viel mehr geht als nur die ungleiche Finanzierung von Schulen.
Pauline Jäckels: Warum hat sich da in Frankreich so eine kollektive Wut aufgestaut,
Pauline Jäckels: die ja weit über die Schülerproteste oder die Schulproteste hinausgeht?
Lea Fauth: Ja, also über diese konkreten Forderungen, was jetzt in den Schulen besser werden
Lea Fauth: soll, darüber hinaus haben sich immer mehr Menschen zusammengefunden,
Lea Fauth: die diese SchülerInnenbewegung unterstützen.
Lea Fauth: Da sind dann auch Studierende dazugekommen und Gewerkschaften und Lehrerpersonal
Lea Fauth: und im Endeffekt Eltern und wer auch immer sonst noch unzufrieden ist, sage ich mal.
Lea Fauth: Und tatsächlich ist ja dieses Problem der maroden Schulen und des Lehrermangelns
Lea Fauth: und der überhaupt zwitten Klassen ist ja quasi symptomatisch für die Gesamtsituation.
Lea Fauth: Ich sage jetzt mal auch nicht nur in Frankreich, wir haben das Problem natürlich
Lea Fauth: in vielen westlichen Ländern,
Lea Fauth: dass eben der öffentliche Sektor kaputtgespart wird, dass es eine Austeritätspolitik
Lea Fauth: gibt und die Franzosen haben vor,
Lea Fauth: nicht so langer Zeit, 2023, 2024, die Rentenreform einstecken müssen,
Lea Fauth: wo sie sehr, sehr massiv dagegen waren und die eben eine Verschlechterung ihrer
Lea Fauth: Lebensqualität bedeutet hat.
Lea Fauth: Und diese Rentenreform ist zwar durchgekommen, aber ich glaube,
Lea Fauth: es brodelt seitdem oder köchelt da immer noch die Wut darüber.
Lea Fauth: Und es gibt eben diese sehr, sehr neoliberale Sparpolitik von Macron.
Lea Fauth: Und vielleicht hat es da eigentlich für die Gesamtbevölkerung eigentlich nur
Lea Fauth: noch diesen Funken gebraucht. So jetzt, hier ist wieder eine Bewegung,
Lea Fauth: dass man da mit aufspringt.
Lea Fauth: So könnte man das gar nicht sehen.
Pauline Jäckels: Bevor wir nochmal zu den Protesten selbst und zu der Bewegung und ihren Dynamiken
Pauline Jäckels: kommen, will ich nochmal kurz bei der neoliberalen Haushaltspolitik von Macron bleiben.
Pauline Jäckels: Warum macht er denn eine solche Politik? Was steckt dahinter?
Pauline Jäckels: Und wo gibt es da vielleicht einfach auch, du hast ja schon angesprochen,
Pauline Jäckels: wir sehen Parallelen in anderen Ländern. Was sind die Parallelen eigentlich
Pauline Jäckels: zu der deutschen Haushaltspolitik zum Beispiel?
Lea Fauth: Also die Frage, warum er das macht, finde ich eine wirklich gute Frage.
Lea Fauth: Also es ist natürlich in erster Linie so, ein Staat will sich nicht verschulden
Lea Fauth: oder will sich so wenig wie möglich
Lea Fauth: weiter verschulden, weil Verschulden passiert sowieso die ganze Zeit.
Lea Fauth: Und dafür wird dann eben versucht, so viel wie möglich Geld einzusparen,
Lea Fauth: weil man will es eben nicht bei den Reichen holen oder auch nicht bei den Unternehmen
Lea Fauth: holen. Und deswegen spart man dann an verschiedenen anderen Punkten, die sich anbieten.
Pauline Jäckels: Das heißt, diese Austeritätspolitik, um das nochmal zusammenzufassen,
Pauline Jäckels: ist im Prinzip genauso wie in Deutschland auch die Sparpolitik,
Pauline Jäckels: die wir sehen seitens der Mehrheitsregierung, aber auch schon davor natürlich.
Pauline Jäckels: So ein Versuch der Regierung in diesem Konkurrenzkampf mit anderen kapitalistischen
Pauline Jäckels: Nationalstaaten besser dazustehen als die anderen, möglichst hoch im Ranking zu sein.
Pauline Jäckels: Und dann ist im Prinzip nur die Frage, wie bewerkstelligt man das?
Pauline Jäckels: Und da gibt es unterschiedliche Ideen zu. Dann sagen Neoliberale,
Pauline Jäckels: das machen wir auf diese Art, nämlich mit Austeritätspolitik,
Pauline Jäckels: mit der Senkung von Unter-, also Sparen bei Sozialausgaben, an Schulen,
Pauline Jäckels: in der Bildung, bei der Rente, aber auch bei Kunst und Kultur.
Pauline Jäckels: Und auf der anderen Seite eben Unternehmenssteuern senken, die Bedingungen quasi,
Pauline Jäckels: das nennt man ja dann Standortbedingungen, die Standortbedingungen für Unternehmen
Pauline Jäckels: möglichst angenehm machen.
Pauline Jäckels: Das ist ja die neoliberale Variante davon, der auch Macron anhängt, ganz offensichtlich.
Pauline Jäckels: Also wir haben eine, ähnlich wie in Deutschland, eine sehr wackelige Mitte,
Pauline Jäckels: eine politische Mitte, die auf einem sehr wackeligen Mehrheitskonstrukt steht.
Pauline Jäckels: Genauso ist es ja jetzt immer mehr auch in Deutschland,
Pauline Jäckels: Mit der sogenannten politischen Mitte aus, naja, je nachdem,
Pauline Jäckels: wem man dazu zählt, SPD, CDU, potenziell die Grünen und so weiter.
Pauline Jäckels: Und diese Mitte versucht irgendwie mit Ach und Krach eine neoliberale Politik
Pauline Jäckels: durchzusetzen, um Wirtschaftswachstum zu generieren und um quasi den Standort,
Pauline Jäckels: den nationalen Standort im Konkurrenzkampf mit anderen Staaten irgendwie besser
Pauline Jäckels: dastehen zu lassen, vielleicht als ganz kleine Abrundung dieser Situation.
Pauline Jäckels: Nur machen die Menschen nicht mit, offenbar. Und da sind wir jetzt wieder bei den Protesten.
Pauline Jäckels: Wir hatten vorher schon Proteste mit Bezug auf die Rennpolitik Und jetzt sehen
Pauline Jäckels: wir das, der Auslöser war quasi das Schulthema, aber wir sehen,
Pauline Jäckels: das hat sich jetzt noch viel, viel weiterentwickelt.
Pauline Jäckels: Wer sind denn die Menschen, die da in Frankreich auf die Straße gehen?
Pauline Jäckels: Wie würdest du diese Bewegung charakterisieren über, sagen wir einfach SchülerInnen hinaus?
Lea Fauth: Das ist ein bisschen schwer zu sagen. Ich glaube, dass das, und da würde ich
Lea Fauth: eine Parallele zur Gelbwestenbewegung von 2018 ziehen, es ist schwer zu sagen
Lea Fauth: und es ist vielleicht auch genau das, was das interessant macht.
Lea Fauth: Also so ähnlich wie bei den Gelbwesten, was die in meinen Augen besonders gemacht
Lea Fauth: haben, waren die Kreisverkehrbesetzungen.
Lea Fauth: Da waren also dann wirklich Leute auch in ländlichen Regionen,
Lea Fauth: das war nicht nur in den Wandlungszentren, haben sie Kreisverkehre besetzt und
Lea Fauth: sind sich dort begegnet und ins Gespräch gekommen.
Lea Fauth: Und ich glaube, die aktuellen Schulblockaden waren ganz ähnlich in ihrer Funktionsweise.
Lea Fauth: Also das waren Orte, wo dann auch nicht nur SchülerInnen gewesen sind und blockiert
Lea Fauth: haben. Natürlich haben die das erstmal initiiert und sich an diesen Orten dann
Lea Fauth: auch untereinander verletzt.
Lea Fauth: Aber es ist auf jeden Fall nach dem, was ich so aus Gesprächen mit Schülern
Lea Fauth: eben auch raushören konnte, ein Ort der Begegnung und der Politisierung.
Lea Fauth: Und ich fand es total interessant.
Lea Fauth: Es gab dann eine Erzählung eben auch, dass jetzt nicht nur linke SchülerInnen
Lea Fauth: dahin kommen, sondern auch solche SchülerInnen, die Rassemblement National,
Lea Fauth: also wählen ja noch nicht, weil die meisten auch unter 18 sind,
Lea Fauth: aber zumindest damit sympathisieren oder aus Familien kommen.
Lea Fauth: Wo man das wählt und wo es eben einen Austausch gibt.
Lea Fauth: Und ich glaube, das ist total interessant und das finde ich auch in Bezug auf
Lea Fauth: linke Bewegungen in Deutschland total interessant, weil ich würde sagen, wir haben hier,
Lea Fauth: Linke in Deutschland, haben schon ganz schön dolle Berührungsängste mit Leuten,
Lea Fauth: die nicht ganz so ticken wie wir.
Lea Fauth: Und das kann irgendwie bei den kleinsten Aspekten schon anfangen.
Lea Fauth: Und da gibt es dann ganz schnell das Bedürfnis zu einer Abgrenzung.
Lea Fauth: Ich will mich da auch selber gar nicht rausnehmen. Ich verstehe auch,
Lea Fauth: aus welchen Motiven man das macht. Man will konsequent sein und so weiter.
Lea Fauth: Aber ich blicke dann umso beeindruckter eigentlich manchmal auf diese Situation
Lea Fauth: in Frankreich, wo man beobachten kann, dass es diese Berührungsangst nicht so doll gibt,
Lea Fauth: das aber nicht unbedingt eine Verwässerung bedeutet, sondern vielleicht gibt
Lea Fauth: es da ein verstärktes Verständnis davon,
Lea Fauth: dass eine soziale Bewegung etwas ist für alle und wo man dann eben die Auseinandersetzung
Lea Fauth: an solchen Kreisverkehren oder an solchen Blockaden dann auch einfach führt,
Lea Fauth: anstatt sich auszuschließen.
Pauline Jäckels: Welche Rolle spielen denn linke Orga-Gruppen bei den Protesten?
Pauline Jäckels: Zum Beispiel die linksozialistische Partei La France Insoumise oder auch andere
Pauline Jäckels: linke und linksradikale Gruppen.
Pauline Jäckels: Das wird ja auch von außen so ein bisschen von Konservativen jetzt vorgeworfen,
Pauline Jäckels: dass sie quasi die Brandstifter sind.
Pauline Jäckels: Aber wie schaffen diese linken Gruppen es vielleicht eben doch,
Pauline Jäckels: jetzt hier mitzuspielen oder vielleicht auch über die Proteste Menschen für sich zu gewinnen?
Lea Fauth: Also genau, es gibt auf jeden Fall den sehr weit verbreiteten Vorwurf,
Lea Fauth: sowohl von PolitikerInnen als auch von Medien in Frankreich,
Lea Fauth: dass die France Insoumise, also die Partei von Jean-Luc Mélenchon,
Lea Fauth: dass die das überhaupt erst angestachelt hätte und die Schüler dazu aufpeitschen würde.
Lea Fauth: Das stimmt nicht. Also das ist ein Protest, der geht von den SchülerInnen aus.
Lea Fauth: Und was womöglich stimmt, ist, dass natürlich die François Assumis da gleich
Lea Fauth: aufgesprungen ist. Also die sind tatsächlich dann auch direkt zu diesen Schulblockaden
Lea Fauth: gegangen und haben sich dort gezeigt.
Lea Fauth: Und das ist nicht nur ganz uneigennützige Solidarität gewesen,
Lea Fauth: sondern hat natürlich Bilder produziert, die diese Partei auch produzieren wollte.
Lea Fauth: Soweit kann man das, glaube ich, schon sagen. Aber genau, es ist trotzdem eine
Lea Fauth: eigenständige Bewegung, die sich, glaube ich, gar nicht so leicht kapern lässt.
Lea Fauth: Aber es ist schon interessant, wie sehr im medialen Diskurs dieser Partei angehängt wird.
Pauline Jäckels: Dass sie quasi die Brandstifter der Gewalt und der Eskalation sind, die man hier sieht.
Lea Fauth: Ja, genau. Wo man eigentlich sagen muss, und das ist auch wieder ein Parallel
Lea Fauth: zu den Gelbwesten, es ist eine sehr dezentrale Bewegung.
Lea Fauth: Natürlich gibt es Gewerkschaften, natürlich, wenn man sich die Bilder von den
Lea Fauth: Demos anguckt, gibt es auch irgendwie, mal hier, mal da, irgendwie eine Franz-Aussumis-Flagge,
Lea Fauth: oder eine palästinensische Flagge oder eine Frankreich-Flagge gibt es dann auch
Lea Fauth: viel oder was auch immer.
Lea Fauth: Es gibt dann irgendwie so verschiedenste Symbole, aber die sind recht vereinzelt.
Lea Fauth: Also wenn man diese Bilder sieht, ist das jetzt nicht so, dass irgendwie eine Menschenmenge,
Lea Fauth: sich da eine Fahne oder Partei oder Gewerkschaft unterordnet,
Lea Fauth: sondern Sondern da ist irgendwie alles so ein bisschen mit dabei und das ist
Lea Fauth: dann am Ende doch eine sehr dezentrale.
Pauline Jäckels: Diese ganze Diskussion, die gerade stattfindet in den sozialen Medien,
Pauline Jäckels: natürlich in der französischen Presse und anderswo, dreht sich ja doch jetzt
Pauline Jäckels: sehr stark um das Thema der Gewalt.
Pauline Jäckels: Wir haben wahrscheinlich alle die Videos vom Wochenende gesehen.
Pauline Jäckels: Es gab Plündereien, es haben Autos gebrannt, es wurden irgendwelche E-Roller
Pauline Jäckels: kaputt gemacht und so weiter und so fort.
Pauline Jäckels: Und jetzt geht die Diskussion ja auch darum, wie ordnet man diese Gewalt ein.
Pauline Jäckels: Also Mélenchon sagt, die Regierung ist schuld an dieser Gewalt.
Pauline Jäckels: Natürlich sagt die Regierung wiederum, oder Le Cornu zum Beispiel sagt,
Pauline Jäckels: eigentlich sind die Sozialisten schuld an der Gewalt.
Lea Fauth: Le Cornu hat einen total bezeichnenden Satz, jetzt gesagt, nach den massiven
Lea Fauth: Ausschreitungen am 17. Oktober.
Lea Fauth: Er hat gesagt, man ist entweder auf Seiten der Republik, also auf den Seiten
Lea Fauth: der Ordnungskräfte, oder man ist auf Seiten der Randalierer.
Lea Fauth: Kasser ist das französische Wort dafür.
Lea Fauth: Und damit hat er eigentlich so eine Zweiteilung aufgemacht, von der ich sagen
Lea Fauth: würde, die gibt es natürlich nicht.
Lea Fauth: Aber das spielt natürlich einem regierenden Politiker total in die Hände,
Lea Fauth: das so aufzuteilen und zu sagen, okay, es gibt entweder die Ordnung,
Lea Fauth: die herrschende Ordnung mit ihrem Polizeiapparat oder es gibt die Randalierer.
Lea Fauth: Und naja, die Frage der Schuld, also ich würde am Ende sagen,
Lea Fauth: wenn da Gewalt stattfindet, ist es am Ende Symptom von gesellschaftlichen Verhältnissen.
Lea Fauth: Also wenn da Leute Autos anzünden und Geschäfte plündern und so weiter,
Lea Fauth: dann ist das eben auch ein Ausdruck einer aktuellen Situation.
Lea Fauth: Und das kann man sich vielleicht nicht immer so vorstellen, aber die Zustände
Lea Fauth: in den Volieus und das Leben in einer Volieus, also das ist extrem und das ist einfach hart.
Lea Fauth: Ich glaube, da kann man sich dann vielleicht manchmal schlecht reindenken.
Lea Fauth: Ich höre das dann auch von Leuten, die dann irgendwie schockiert sind.
Lea Fauth: Oh, da hat dieses jahrhundertealte Rathaus in Limoges gebrannt und so.
Lea Fauth: Und wie kann man denn sowas Schönes kaputt machen? Und das geht doch nicht.
Lea Fauth: Und ich glaube, das kann man auch nur verstehen, wenn man versteht,
Lea Fauth: aus was für einer sozialen Lage heraus dort Leute auch handeln.
Lea Fauth: Nicht gehört werden und nie gehört wurden. Und ich sage jetzt nicht,
Lea Fauth: es ist wahrscheinlich im Endeffekt auch jetzt aus einer linken Strategieperspektive,
Lea Fauth: nicht die Lösung, das dann so anzugehen.
Lea Fauth: Aber ich würde es erst mal als ein Symptom begreifen von diesen Zuständen.
Pauline Jäckels: Also eine Wut, die sich ja auch aufgrund der Gewalt des Systems angestaut hat
Pauline Jäckels: bei vielen Menschen, die eben von dieser Gewalt über Jahre hinweg,
Pauline Jäckels: über ihr Leben lang hinweg auch betroffen waren.
Lea Fauth: Genau, und ich glaube, diese Gewalt des Systems, die gibt es auf jeden Fall.
Lea Fauth: Die gibt es einerseits eben in dieser sozialen Ausgrenzung, die extreme Formen
Lea Fauth: angenommen hat, aber eben auch,
Lea Fauth: das sieht man auch in ländlichen Regionen und so weiter, aber eben auch im ganz
Lea Fauth: normalen Alltag, sag ich mal,
Lea Fauth: von Menschen eben, die dann weder auf ein Gesundheitssystem,
Lea Fauth: funktionierendes Gesundheitssystem zurückgreifen können, noch auf eine anständige
Lea Fauth: Rente hoffen können und sich dafür aber kaputt trackern.
Lea Fauth: Also es kann auch, sag ich mal jetzt, ein in Anführungszeichen normaler Alltag
Lea Fauth: in Frankreich sein, der einen vielleicht zu dieser Wut treibt.
Lea Fauth: Und ich glaube, was man auch nochmal sagen kann, weil es eben auch um diese
Lea Fauth: Schuldzuweisungen ging, was tatsächlich passiert ist, es gibt so einen Bürgermeister
Lea Fauth: in Saint-Saint-Denis, das ist diese Stadt, die ich anfangs auch erwähnt habe, die so als,
Lea Fauth: Problemstadt immer verschrieben ist und einen hohen Anteil von migrantischer Bevölkerung hat.
Lea Fauth: Der Bürgermeister Bali Bagayoko hat zu Beginn der Schüler in Proteste dann gesagt,
Lea Fauth: auf einem dieser Proteste.
Lea Fauth: Gewalt kann legitim sein, aber es ist besser, es kommt gar nicht erst dazu,
Lea Fauth: hat er dann hinterher noch gesagt. Und das wurde natürlich dann gesehen als ein Aufruf zu Gewalt.
Lea Fauth: Und ich glaube aber, er ist wirklich
Lea Fauth: mit über 50 Prozent zum Bürgermeister dieser Stadt gewählt worden.
Lea Fauth: Ich glaube, es ist genau das, was nämlich passiert ist. Es war gar nicht so
Lea Fauth: sehr ein Aufruf zu Gewalt als ein Verständnis dieses Nicht-Gehört-Werdens von
Lea Fauth: der Bevölkerung von Saint-Saint-Denis.
Lea Fauth: Also er wurde dafür dann schon auch gefeiert und man muss aber sagen,
Lea Fauth: dass er gleichzeitig extrem deeskalierend an diesen Demoorten eigentlich präsent war.
Lea Fauth: Also sowohl hat man den Feuerlöschen sehen, die vor den Schulen waren,
Lea Fauth: als auch sich vor eine Schülermenge stellen sehen, bevor da irgendwie die Polizei reinrennt.
Lea Fauth: Also er hat eigentlich faktisch sehr, sehr deeskalierend gehandelt.
Lea Fauth: Und diese Aussage war, glaube ich, im Endeffekt eine Art Mitteilen seines Verständnisses
Lea Fauth: dafür, dass eben manche Menschen keine andere Möglichkeit mehr sehen.
Lea Fauth: Und ich glaube, es hat trotzdem den rechten Diskurs von so Gewaltanstiftung und so befördert.
Lea Fauth: Aber ich finde, er hat auch sugerät, also er ist dann, er ist nicht zurückgerudert,
Lea Fauth: er hat in den Fernsehtalkshows dann auch gesagt, naja, also die Geschichte zeigt uns das so.
Lea Fauth: Es gibt die französische Revolution, die ist nur mit Gewalt passiert und es
Lea Fauth: gibt eben soziale Errungenschaften, die sind so passiert und dass es dennoch
Lea Fauth: für ihn einfach gar nicht der wünschenswerte Weg ist.
Pauline Jäckels: Und das eine ist ja so eine Gewalt des Systems, auf die Leute hier reagieren
Pauline Jäckels: oder aufgrund derer sie Wut angestaut haben.
Pauline Jäckels: Das andere ist aber auch die ganz konkrete Polizeigewalt, also die Gewalt des
Pauline Jäckels: Staates, die wir ja im Rahmen dieser
Pauline Jäckels: Proteste gesehen haben in den letzten Wochen, die sehr vehement war.
Lea Fauth: Ja, also das war wirklich massiv und da passieren wirklich Dinge,
Lea Fauth: die komplett illegal sind.
Lea Fauth: Also es gibt so verschiedene Granattypen, Granaten, die die Polizei hat.
Lea Fauth: Das können Tränengasgranaten sein, die normalerweise mit Hilfe von so gewährartigen
Lea Fauth: Geschossen in die Luft geschossen werden und dann über der Menge explodieren.
Lea Fauth: Und sowas darf erstens nicht in geschlossenen Räumen passieren und zweitens
Lea Fauth: darf damit nicht auf Menschen gezielt werden. Die sollen in der Luft explodieren
Lea Fauth: und dann eben dieses Gas ausbreiten, damit eben Menschenmengen auseinandergetrieben werden können.
Lea Fauth: Was aber passiert ist, dass diese Granaten teilweise den Menschen ins Gesicht geschossen werden.
Lea Fauth: Das passiert auch mit diesen Gummimunitionen. Das klingt immer so nett,
Lea Fauth: Gummimunition, aber das ist natürlich trotzdem total hart und wird in einer
Lea Fauth: Geschwindigkeit geschossen, die eben auch super gefährlich ist.
Lea Fauth: Und da gab es eben dann jetzt schon bei diesen SchülerInnen-Protesten Fälle,
Lea Fauth: wo Menschen ihr Augenlicht verloren haben.
Lea Fauth: Es gab mehrere zerfetzte Hände, also wo wirklich Jugendliche eine Hand verloren
Lea Fauth: haben, weil eben diese Granaten an ihnen explodiert sind. Also so gefährlich ist das.
Lea Fauth: Und es wurde jetzt am 17. Oktober auch ein Journalist getroffen von einem Teil
Lea Fauth: von einer solchen Granate.
Lea Fauth: Das sind jetzt mal so die extremsten Dinge. Bei den Gelbwesten war es eben auch
Lea Fauth: so, damals 2018, dass das wirklich auch ein Symbol war, wie viele Leute ein
Lea Fauth: Augenlicht verloren hatten. Das ist also auch nichts Neues leider, diese Polizeigewalt.
Lea Fauth: Ich glaube, es ist jetzt nochmal besonders frappierend, weil es sich gegen Jugendliche
Lea Fauth: richtet und man das eben auch in Videos festhält. Und klar, ich kenne dann ein
Lea Fauth: Video, mal habe ich gesehen, wo so ein 14-Jähriger wurde dann auch irgendwie
Lea Fauth: recherchiert, dass der 14 ist.
Lea Fauth: Ja, der geht dann da erstmal nicht weg und so und dann schubsen sie den und
Lea Fauth: dann tritt er irgendwie mit dem Bein irgendwo hin, trifft aber auch niemanden
Lea Fauth: und dann kriegt er eben so eine Granate ins Gesicht.
Lea Fauth: Und es ist so oder so, egal was er gemacht hätte, dürfte er diese Granate nicht
Lea Fauth: ins Gesicht bekommen. Aber genau, das passiert eben.
Lea Fauth: Und ich glaube, das sind die extremen Fälle, aber es ist auch ohne diese extremen
Lea Fauth: Fälle einfach wahnsinnig, wahnsinnig gewalttätig von Seiten der Polizei.
Pauline Jäckels: Und er fragt sich ja auch, warum. Also warum hat die Polizei so eskalierend
Pauline Jäckels: reagiert, die wohl wissen wird, dass
Pauline Jäckels: auf eskalierende Polizeigewalt auch eskalierende Gewalt auf der anderen Seite
Pauline Jäckels: folgen wird, also dass sich das weiter hochschaukelt?
Lea Fauth: Ja, ich glaube schon, dass das einschüchtern soll und dass das die Leute schon
Lea Fauth: eigentlich davon abhalten soll, demonstrieren zu gehen und mit Erfolg.
Lea Fauth: Also ehrlich gesagt, ich kann das auch aus eigener Perspektive bestätigen.
Lea Fauth: Ich wollte den Streik für die Rentenreform begleiten und es gab manche Situationen,
Lea Fauth: wo ich dachte, ich kann da jetzt nicht hin, weil ich kann mir eigentlich nie
Lea Fauth: sicher sein, ob ich nicht doch irgendwie eine dieser Geschosse irgendwo am Körper abkriege und so.
Lea Fauth: Und diese Einschüchterung, ich glaube, das ist die Strategie,
Lea Fauth: dass es einfach die Leute vom massiven Demonstrieren abhalten soll durch Einschüchterung.
Lea Fauth: Und das sieht man auch daran, also es haben dann auch Briefe zirkuliert,
Lea Fauth: die dann von irgendwelchen Präfekturen an die Eltern geschickt wurden.
Lea Fauth: Also es gab ja wahnsinnig viele
Lea Fauth: Festnahmen auch von Minderjährigen und Untersuchungshaft und so weiter.
Lea Fauth: Und das lässt sich nicht nur erklären dadurch, dass es ein bisschen Vandalismus
Lea Fauth: gab, sondern das ist Einschüchterung und diese Briefe, also es gab einen Brief,
Lea Fauth: wo wirklich dann auch drinsteht, bitte halten Sie Ihr Kind davon ab,
Lea Fauth: an den weiteren Demonstrationen teilzunehmen.
Lea Fauth: Also das ist illegal. Das ist natürlich eine Einschränkung der Grundrechte.
Lea Fauth: Und so wird aber sehr viel agiert. Also es gab diese Briefe.
Lea Fauth: Es gab von anderen Präfektionen andere Briefe mit anderen Wortlauten.
Lea Fauth: Ein anderer Wortlaut war, bitte teilen Sie mir mit, was Sie jetzt unternehmen,
Lea Fauth: damit Ihr Kind nicht nochmal sowas macht.
Lea Fauth: Was auch, also in so einer Bringschuld ist man nicht als Eltern oder überhaupt
Lea Fauth: als Bürger, BürgerInnen eines Landes.
Lea Fauth: Und was eben auch beobachtet wurde, ist das Konfiszieren von Schildern schon
Lea Fauth: bevor sie überhaupt auf einer Demo gehalten werden.
Lea Fauth: Also ich glaube, es ist sowieso rechtlich total fragwürdig zu sagen,
Lea Fauth: wir sacken jetzt irgendwelche Schilder ein auf Demos, aber das könnte noch,
Lea Fauth: also wenn da was tatsächlich Verbotenes draufsteht, also ich meine, was wäre das denn?
Lea Fauth: Das müsste ja wirklich was Erfolgsverhetzendes oder so sein.
Lea Fauth: Aber es wurde tatsächlich, wurden diese Schilder eingesagt, noch bevor sie überhaupt
Lea Fauth: auf den Demos gezeigt werden konnten. Und da habe ich mir zwei Recherchen angeguckt,
Lea Fauth: eine von Mediapart und eine von Radio Nova. Und das waren wirklich,
Lea Fauth: also da fasst man sich an den Kopf.
Lea Fauth: Da wurden dann auch die Polizisten gefragt, warum, was sind denn das für Schilder,
Lea Fauth: die ihr hier jetzt dann konfisziert? Und dann hat da wohl jemand gesagt,
Lea Fauth: naja, alle antistaatlichen und antipolizeilichen Schilder.
Lea Fauth: Und das ist dann sowas wie, they don't care about us und das A ist irgendwie
Lea Fauth: ein Anarcho-A. Also sowas wird dann konfessioniert.
Lea Fauth: Und das zeigt irgendwie auch das Ausmaß eigentlich der repressiven Eindämmung
Lea Fauth: dieser Proteste, dass da mit einer Gewalt versucht wird, Leute davon abzuhalten,
Lea Fauth: sich zu äußern, demonstrieren zu gehen und so weiter.
Lea Fauth: Und meine Einschätzung wäre, dass diese massive, massive Polizeigewalt auch
Lea Fauth: genau diese Funktion hat.
Lea Fauth: Weil es ist ja so, und das kennen wir von hier auch, es ist ja trotzdem so,
Lea Fauth: dass, wenn man sich jetzt nicht eingehend damit beschäftigt,
Lea Fauth: jemand, der in U-Haft sitzt oder polizeiliche Gewalt abbekommen hat,
Lea Fauth: dass da dann ganz schnell die öffentliche Meinung dazu dann auch ist,
Lea Fauth: naja, aber irgendwas muss man ja gemacht haben, um das abzubekommen.
Lea Fauth: Und das hat dann irgendwie auch diese Funktion, Leute in diese Ecke zu stellen
Lea Fauth: und zu sagen, ah, so schlimm sind die.
Lea Fauth: Also natürlich gab es Vandalismus, aber das lässt sich damit nicht erklären.
Lea Fauth: Also das Ausmaß der Polizei, in keinem Verhältnis dazu.
Pauline Jäckels: Das heißt, wir sehen das übliche Muster in dem Moment, wo die Bevölkerung sich
Pauline Jäckels: quasi wehrt, vehement gegen die Politik der Regierung reagiert,
Pauline Jäckels: diese Regierung mit der vollen Staatsgewalt.
Pauline Jäckels: Die Frage von links ist jetzt natürlich, du hast schon die öffentliche Meinung
Pauline Jäckels: angesprochen, was bedeutet jetzt diese Eskalation für die öffentliche Meinung
Pauline Jäckels: mit Blick auch auf die Wahlen nächstes Jahr?
Pauline Jäckels: Wir haben ja eine Situation, wo die Proteste sehr klar in Verbindung gebracht
Pauline Jäckels: werden und ja auch in Verbindung stehen mit dem linken Lager,
Pauline Jäckels: das bedeutet eben auch mit Jean-Luc Mélenchon.
Pauline Jäckels: Und die Frage ist, kann er und kann seine Partei, die France Insoumise,
Pauline Jäckels: das jetzt benutzen, um einen Aufschwung für sich zu generieren mit Blick auf
Pauline Jäckels: die nächsten Wahlen oder
Pauline Jäckels: wird das, was jetzt gerade am Wochenende passiert, nicht doch eher negativen
Pauline Jäckels: Effekt haben für die linke Parteipolitik?
Pauline Jäckels: Weil Leute eben sehen, okay, sie sehen quasi einfach nur die Gewalt,
Pauline Jäckels: die dort passiert ist, die Eskalation seitens der Protestierenden und sagen dann,
Pauline Jäckels: das ist uns zu viel Chaos, das
Pauline Jäckels: lehnen wir doch ab, dann wählen wir lieber nochmal die Mitte oder rechts.
Lea Fauth: Genau, also dieses Risiko besteht auf jeden Fall, dass das so kommt und das
Lea Fauth: muss man auch sagen, dass das bei den Gelbfesten irgendwann genau auch in so
Lea Fauth: eine Richtung gekippt ist.
Lea Fauth: Also es gab einen unglaublichen Rückhalt eigentlich in der Bevölkerung,
Lea Fauth: bis es dann irgendwann so heftige Ausschreitungen gab, dass dann doch Leute
Lea Fauth: gesagt haben, nee, da können wir jetzt nicht mehr mitgehen und dass das dann
Lea Fauth: irgendwie auch abgeebbt ist.
Lea Fauth: Und ich vermute, ich habe ja jetzt eben auch die Provokation der Polizei beschrieben,
Lea Fauth: ich vermute, dass es darauf auch ein bisschen angelegt wird,
Lea Fauth: dass es natürlich irgendwie den Regierenden eigentlich total in die Hände spielt,
Lea Fauth: zu sagen, naja, guck, das sind jetzt alles diese Randalierer.
Pauline Jäckels: Genau, dass man eben nicht nur einschüchtern wollte, ich glaube,
Pauline Jäckels: das spielt eine ganz große Rolle, aber vielleicht eben auch diese Eskalation
Pauline Jäckels: auch provozieren wollte, weil sie gegebenenfalls dienlich sein kann.
Lea Fauth: Also es gab auf jeden Fall auf einen Fall einen Agent-Provocator,
Lea Fauth: der dann auch direkt aufgeflogen ist.
Lea Fauth: Da gibt es einen Artikel auch bei François Faux, wo eben, und da gibt es ein
Lea Fauth: Video von, wo eben jemand in Jeans und Pullover und ein bisschen Vermummung,
Lea Fauth: irgendwelche Böller in so eine Menschenmenge wirbt. Und es ist ein Polizist, so.
Lea Fauth: Ah, okay. Ich will nicht sagen, also ich glaube, es gibt durchaus Leute unter
Lea Fauth: den Protestierenden, die das auch einfach von sich aus tun.
Lea Fauth: Ich würde gar nicht sagen, dass es nur solche Leute sind. Aber ich finde,
Lea Fauth: allein dieser eine Fall zeigt eigentlich, dass es ein Interesse von Regierenden gibt.
Lea Fauth: Dass eben den Protestierenden auch unterzujubeln und dass es ihnen schon auch
Lea Fauth: in die Hände spielt, wenn es diese Gewalt gibt.
Lea Fauth: Ich finde es aber trotzdem, ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alles so aufgeht.
Lea Fauth: Also es ist alles so ein bisschen, glaube ich, für alle Beteiligten auch ein
Lea Fauth: bisschen heikel, weil natürlich sind jetzt irgendwie die Politiker dabei,
Lea Fauth: dann auch zu sagen, oh, das sind alle von links.
Lea Fauth: Aber dieses Beispiel, was ich eben auch schon genannt habe von Bari Bagayoko,
Lea Fauth: der eigentlich auch nicht wirklich zurückrudert, der deeskalierend ist,
Lea Fauth: aber auch sagt, naja, es gibt Situationen, in denen kann das legitim sein,
Lea Fauth: so dieses, sage ich mal, Stirnzeigen, vielleicht geht das auch auf und vielleicht
Lea Fauth: ist das etwas, was dann wiederum Zustimmung finden kann.
Lea Fauth: Und ich glaube, das ist irgendwie eine heikle Gratwanderung für viele Parteien tatsächlich.
Lea Fauth: Ehrlich gesagt, auch für den Rassemblement National, also die rechtsextreme Partei,
Lea Fauth: die steht jetzt irgendwie gerade als Ordnungshüterin da und sagt also erstens,
Lea Fauth: die Linken und Ausländer in Anführungszeichen seien also an allen schuld und
Lea Fauth: würden alles kaputt machen.
Lea Fauth: Und sie, der Rassemblement National, würden also für die Ordnung stehen und
Lea Fauth: Macron und seine Regierung würden das also nicht hinkriegen.
Lea Fauth: Das ist jetzt eine Strategie, die geht sicherlich auch bei sehr vielen WählerInnen,
Lea Fauth: rechtsextremen WählerInnen auf.
Lea Fauth: Es ist aber auch ein bisschen heikisch, auch aus jetzt, sage ich mal,
Lea Fauth: Perspektive des Rassemblements National selbst, weil damit irgendwie auch so
Lea Fauth: ein Establishment propagiert wird, wo sie ja eigentlich die Anti-Establishment-Partei sein wollen.
Lea Fauth: Und ich glaube, gerade in der SchülerInnenbewegung erzählte mir ein Schüler
Lea Fauth: eben von einer Mitschülerin,
Lea Fauth: die vorher Rassemblement National befürwortet hat und die dann die Polizeigewalt
Lea Fauth: gesehen hat und dann gesagt hat, nee, also das kann ich nicht mehr unterstützen.
Lea Fauth: Das ist ja der Wahnsinn. Und ich glaube, also das ist jetzt ein Beispiel,
Lea Fauth: natürlich gibt es die meisten Leute, die Rassemblement National wählen,
Lea Fauth: dann auch nicht unbedingt auf der Straße und sehen das und.
Lea Fauth: Gucken ihre rechtsextremen Sender wie CNews und BFMTVs, leider auch ein sehr
Lea Fauth: rechter Sender, also solche Sender, und glauben das, was sie glauben.
Lea Fauth: Aber es ist auf jeden Fall, es ist eine interessante Position,
Lea Fauth: in die sich dann irgendwie der Rassemblement National damit bringt,
Lea Fauth: weil er eben sehr, sehr Establishment-befürwortend damit rüberkommt und die
Lea Fauth: Sozialproteste gerade komplett in der Hand der Linken sind.
Lea Fauth: Und die tatsächlich spannende Frage, die ich mir auch stelle,
Lea Fauth: ich habe keine Antwort darauf, ist, kippt es denn dann irgendwann um und kippt
Lea Fauth: es in diese nur noch Ablehnung von Gewalt?
Lea Fauth: Und es ist zu hoffen, dass da vielleicht der Diskurs dann erstens diese Gewaltausbrüche
Lea Fauth: einordnen kann, also dass es Leute geben wird, die das einordnen können und
Lea Fauth: dass der Diskurs trotzdem noch bei den Forderungen bleibt und,
Lea Fauth: bei den Anliegen der Sozialproteste bleibt. Und das wird sich zeigen.
Pauline Jäckels: Und auch nochmal mit Blick auf die Wahlen nächstes Jahr.
Pauline Jäckels: Was wir sehen ist im Prinzip, haben wir schon drüber gesprochen,
Pauline Jäckels: eine schwächelnde Mitte der Macronisten.
Pauline Jäckels: Dann haben wir eine erstarkende Rechte unter Le Pen, von der nicht sicher ist,
Pauline Jäckels: ob sie überhaupt zur Wahl antreten darf.
Pauline Jäckels: Aber sie kandidiert. Vielleicht kannst du das gerade nochmal einordnen.
Pauline Jäckels: Warum darf sie nicht antreten oder warum ist das noch nicht sicher?
Lea Fauth: Also genau, sie hat Gelder veruntreut, mutmaßig oder zumindest nach den Urteilen,
Lea Fauth: die bisher gefallen sind.
Lea Fauth: EU-Gelder veruntreut und zwar in großen Summen und eigentlich hat ein Gericht
Lea Fauth: dann schon entschieden, dass
Lea Fauth: sie nicht wählbar ist oder dass sie sich die nächsten fünf Jahre nicht,
Lea Fauth: für ein politisches Höheresamt bewerben darf.
Lea Fauth: Sie hat dagegen Berufung eingelegt und dem wurde erst mal stattgegeben,
Lea Fauth: sodass dieses Urteil erst mal wieder aufgehoben ist.
Pauline Jäckels: Also wir haben eine schwächelnde Mitte, wir haben eine erstarkende Rechte mit
Pauline Jäckels: einer Kandidatin, von der jetzt zumindest nicht ganz klar ist,
Pauline Jäckels: unter welchen Umständen und ob sie antreten darf.
Pauline Jäckels: Das ist noch Teil eines Rechtsstreites, von dem auch nicht klar ist,
Pauline Jäckels: wann er beiseite gelegt ist.
Pauline Jäckels: Und ob er vor den Wahlen beiseite gelegt ist. Und dann haben wir jetzt gerade
Pauline Jäckels: eine erstarkende linke Partei unter Jean-Luc Mélenchon,
Pauline Jäckels: der zumindest unter manchen Linken als so ein großer Hoffnungsträger der Linken gehandelt wird.
Pauline Jäckels: Und von dem kürzlich in einem Jacobin-Artikel von Raphael Schmeller auch stand,
Pauline Jäckels: er könnte der nächste französische Präsident werden.
Pauline Jäckels: Wer ist Jean-Luc Mélenchon und könnte er wirklich der nächste britische Präsident werden?
Lea Fauth: Also ich würde nicht ausschließen, dass es wird. Ich glaube gerade in dieser Zuspitzung eben von,
Lea Fauth: Linken und rechtsextremer Partei könnte das darauf hinauslaufen,
Lea Fauth: dass eben auch Macron mit seinem Allzeit-Joker, den er immer hatte,
Lea Fauth: nämlich er ist irgendwie die letzte Bastion gegen die Rechtsextreme,
Lea Fauth: dass das einfach nicht mehr aufgeht.
Lea Fauth: Weil jetzt haben schon so viele Leute immer wieder Macron nur in der Stichwahl
Lea Fauth: gewählt, um die Rechtsextremen zu verhindern.
Lea Fauth: Vielleicht geht das einfach nicht mehr auf. Das ist die eine Chance.
Lea Fauth: Und die andere Chance ist eben, dass Mélenchon doch, oder seine Partei doch
Lea Fauth: hohe Beliebtheitswerte hat und dass sie es in die Stichwahl schaffen könnten.
Lea Fauth: Was dann passiert, wir wissen es nicht.
Lea Fauth: Also da wird sich dann auch nochmal alles neu sortieren. Da wird sich auch die
Lea Fauth: Mitte neu sortieren, weil auch viele Leute aus der Mitte, aus den mitten neoliberalen
Lea Fauth: Parteien, sich, glaube ich, nicht ganz sicher sind, ob sie dann eher Le Pen
Lea Fauth: oder eher Mélenchon unterstützen würden, wenn die in der Stichwahl nehmen.
Lea Fauth: Im Überstünden. Wer ist Mélenchon? Also, oder die LFI,
Lea Fauth: die Partei, die er gegründet hat, ich glaube, es ist auf jeden Fall jemand,
Lea Fauth: der schon eine besondere Kapazität gerade hat, Leute zu vereinen.
Lea Fauth: Ich finde es ein total interessantes Konzept. Es gibt viele der LFI Die Abgeordneten,
Lea Fauth: laufen immer mit so einer Tricolore rum, mit so einer Scherpe in Frankreichfarben,
Lea Fauth: das irgendwie sehr nationalistisch anmutet.
Lea Fauth: Gleichzeitig gibt es eben so Figuren wie Bali Bagayoko, der schwarz ist,
Lea Fauth: der malische Eltern hat, der also wirklich für ein migrantisches Frankreich steht.
Lea Fauth: Und Mélenchon selber hat mal den Begriff der Kriolisation genannt,
Lea Fauth: womit er sich bezieht auf den Begriff eines, ich glaube, Soziologen Édouard Nisson.
Lea Fauth: Und da geht es eigentlich darum zu sagen, okay, Frankreich ist ein Einwanderungsland
Lea Fauth: und statt dass wir jetzt sagen, es sollen die Leute nach Frankreich kommen und
Lea Fauth: sich integrieren, wie es dann immer so heißt,
Lea Fauth: oder wie dann wiederum die Austauschtheorie der Rechtsextremen sagt,
Lea Fauth: die übernehmen hier alles, spricht mir noch schon eben von einer Kreolisation
Lea Fauth: und sagt eben, nee, es muss eine Begegnung der Kulturen geben und es muss was
Lea Fauth: Neues daraus entstehen.
Lea Fauth: So wie das, also Kreol kommt natürlich aus einem kolonialen Kontext,
Lea Fauth: aber es gab eben diese Beispiele, wo kreotische Sprachen entstanden sind,
Lea Fauth: die dann eine Mischung sind aus beispielsweise einer afrikanischen Sprache mit der Kolonialsprache.
Lea Fauth: Und er sieht das eben umgekehrt. Und ich glaube, mit diesem Begriff vereint
Lea Fauth: er viel. Er hat auch immer noch Zugang zur Arbeit in Klasse.
Lea Fauth: Er hat großen Support bei verschiedenen,
Lea Fauth: Bildungsübergaben, sage ich jetzt mal, und im urbanen Milieu.
Lea Fauth: Das heißt, da gibt es auf jeden Fall eine vereinende Kraft.
Pauline Jäckels: Und er hat eine sehr klare Position zu dem Thema Gaza, Israel, Palästina, Libanon.
Pauline Jäckels: Da positioniert er sich sehr klar auf der Seite derjenigen, die das,
Pauline Jäckels: was Israel macht, einen Genozid nennen
Pauline Jäckels: und eben auf der Seite eher der pro-palästinensischen Aktivistinnen.
Lea Fauth: Genau, wobei das auch natürlich ein Punkt ist, wo manchmal so ein bisschen unklar
Lea Fauth: ist, wie gut oder schlecht das jetzt für seine Umfragen gewährte ist.
Lea Fauth: Also ich glaube, dafür wird er, das ist dann so ähnlich wie in Deutschland auch,
Lea Fauth: dafür kann man dann irgendwie sehr gefeiert werden oder auch gerade nicht.
Lea Fauth: Genau, ich würde sagen, also ich sehe ihn auch ein bisschen kritisch und ich
Lea Fauth: komme gleich auch dazu, warum.
Lea Fauth: Ich würde sagen, ihm wird viel vorgeworfen, ihm werden viele Vorwürfe gemacht,
Lea Fauth: die gar nicht so viel Substanz haben. Und ich glaube, ihm wurde jetzt auch,
Lea Fauth: also in den letzten Jahren wurde ihm häufig Antisemitismus vorgeworfen.
Lea Fauth: Da würde ich sagen, das kommt dann manchmal so in der verkürzten Berichterstattung
Lea Fauth: dann auch tatsächlich so rüber.
Lea Fauth: Und wenn man sich dann aber doch nochmal anguckt, was er genau gesagt hat,
Lea Fauth: in den allermeisten Fällen fällt das dann doch in sich zusammen.
Lea Fauth: Also es gab ein Beispiel, ich erzähle jetzt ein kurzes Beispiel,
Lea Fauth: wo er auf irgendeiner Rede über Epstein gesprochen hat und dann irgendwie so.
Lea Fauth: Gesagt hat, warum sagen wir denn eigentlich alle Epstein?
Lea Fauth: Und ah, das klingt wohl russischer, ja, warum sagen wir nicht Epstein,
Lea Fauth: der heißt ja wohl so und wir sagen doch auch nicht Albert Einstein und so.
Lea Fauth: Und er hat eigentlich einen Fehler gemacht, er dachte irgendwie,
Lea Fauth: dass man Epstein sagt, weil das russisch klingt, er wusste nicht,
Lea Fauth: dass das einfach die US-amerikanische Aussprache ist.
Lea Fauth: Was daraus aber getrieben wurde in den Medien ist, oh, er wollte Epstein sagen,
Lea Fauth: um die jüdische Herkunft von Epstein deutlich zu machen.
Lea Fauth: Und da würde ich sagen, also es war ein dummer Kommentar irgendwo,
Lea Fauth: weil er was so geschrien wollte mit irgendwie Russlandfeindlichkeit,
Lea Fauth: die nicht gegeben war und also sowohl er sich einfach wirklich geirrt hat.
Lea Fauth: Aber ich würde ihm dafür keinen Antisemitismus vorwerfen, weil das war wirklich nicht der Punkt.
Lea Fauth: Und ich glaube, da gibt es einige solche Fälle, wo ihm sehr vehement Dinge vorgeworfen
Lea Fauth: werden, die, wenn man sie mal auseinanderdröselt.
Lea Fauth: Dann doch gar nicht mehr ganz so extrem dastehen, wie es im ersten Moment scheint.
Lea Fauth: Und kurz noch zu diesem Thema Antisemitismus. Ich meine, wir haben ähnliche
Lea Fauth: Debatten in Deutschland.
Lea Fauth: Es ist in vielerlei Hinsicht, also ich würde nicht sagen, dass es das nicht
Lea Fauth: gibt in der LFI, genauso wie es Antisemitismus auch in der Linken gibt.
Lea Fauth: Und so, das könnte man mal angehen.
Lea Fauth: Ich glaube aber, die Art, wie das in Frankreich diskutiert wird,
Lea Fauth: das ist ein Vorschub von den Mitte-Parteien.
Lea Fauth: Und ich glaube, das zeigt sich gerade ganz besonders deutlich auch an einem
Lea Fauth: Beispiel, das Investigativmagazin Mediapart hatte herausgefunden,
Lea Fauth: dass der rechtsextreme Jordan Bavela,
Lea Fauth: da haben die Tats geliegt bekommen, wo er eben vor ein paar Jahren mal gesagt
Lea Fauth: hat, die Banken werden von den Juden kontrolliert und also lauter so antisemitische Sachen gesagt.
Lea Fauth: Wie denn die jüdische Weltverschwörung und so weiter, also wirklich pure antisemitische Aussagen gemacht hat.
Lea Fauth: Und es war kein nationaler Skandal, also wirklich nicht annähernd wie diese,
Lea Fauth: andere Geschichte, die ich eben erzählt habe.
Lea Fauth: Und da zeigt sich dann doch, also, naja, worüber reden wir hier denn?
Lea Fauth: Da sind also wirklich, da werden wirklich viele Vorwürfe gemacht,
Lea Fauth: die in meinen Augen dann oft keine Substanz haben.
Lea Fauth: Ich finde, man kann Mélenchon trotzdem auch als Linke kritisch sehen.
Lea Fauth: Also, ja, er wird ja auch immer dann als autoritär beschrieben,
Lea Fauth: also auch in deutschen Medien und als Deutschlandhasser und als autoritär.
Lea Fauth: Und ich glaube, das mit dem Autoritarismus ist für mich mal so ein bisschen
Lea Fauth: mehrdeutig, weil ich würde sagen, naja, also jetzt so in der Gesamtpolitiklandschaft
Lea Fauth: in Frankreich sticht er da jetzt nicht sonderlich heraus.
Lea Fauth: Also Macron ist ein ultra-autoritärer Typ, der irgendwie eben Proteste nur mit
Lea Fauth: Gewalt beantwortet, der wirklich so viel per Dekret regiert,
Lea Fauth: wie keine andere Regierung vor ihm.
Lea Fauth: Das ist wirklich nicht demokratisch, was er da macht. während Mélenchon und
Lea Fauth: die France Insoumise zumindest vorhaben, die Sechste Republik auszurufen,
Lea Fauth: die Präsidents, also sie nennen das die präsidentielle Monarchie abzuschaffen.
Lea Fauth: Also sie wollen den Präsidenten auch entmachten.
Lea Fauth: Das heißt, ich finde diesen Vorwurf des Autoritarismus, wenn er aus der politischen
Lea Fauth: Mitte kommt, wirklich scheinheilig.
Lea Fauth: Aber wenn wir es aus linker Perspektive ihn mal betrachten, dann greift dieser
Lea Fauth: Vorwurf des Autoritarismus doch auch.
Lea Fauth: Also es gab den Fall 2022 von Adrien Quintenin, das war irgendwie sein Vertrauter
Lea Fauth: und eben auch ein Abgeordneter.
Lea Fauth: Der eine wichtige Stellung hatte in der Partei und dem wurde vorgeworfen,
Lea Fauth: seine Frau geschlagen zu haben.
Lea Fauth: Da gab es einen Prozess, da gab es auch eine Verurteilung und Mélenchon wollte
Lea Fauth: und wollte sich nicht von diesem...
Lea Fauth: Von diesem Adrian Ketner distanzieren und hat dafür auch Kritik geerntet aus den eigenen Reihen.
Lea Fauth: Und das hat aber dann dazu geführt, nicht zu einer Aufarbeitung dieses Falls,
Lea Fauth: sondern im Endeffekt zum Ausschluss verschiedener Leute aus der France Assumise.
Lea Fauth: Und das war wirklich ein sehr autoritärer Umgang mit der Gesamtlage und auch
Lea Fauth: mit einem solchen problematischen Fall in den eigenen Reihen.
Lea Fauth: Und ich glaube, da zeigt sich eine gewisse Form des Autoritarismus, die ich kritisch sehe.
Lea Fauth: Und das sieht man auch immer mal wieder daran, wie Mélenchon so auf verschiedene
Lea Fauth: Berichterstattungen reagiert. Also der hatte auch schon mal Journalisten von
Lea Fauth: Le Monde beleidigt und so.
Lea Fauth: Und das ist unsouverän. Also es ist schlimmer als unsouverän.
Lea Fauth: Es ist daneben und es ist wild natürlich auch unsouverän.
Pauline Jäckels: Wie ein Mann mit einem sehr großen Ego.
Lea Fauth: Genau, das ist halt definitiv. Und da denke ich mir manchmal, bei aller,
Lea Fauth: einigenden Kraft, die er so hat, frage ich mich dann, ob nicht,
Lea Fauth: also und er ist 75, ob da nicht irgendwie auch ein jüngeres Gesicht hätte gefunden
Lea Fauth: werden können und vielleicht auch jemand, der oder die, wie auch mal was Neues reinbringt.
Lea Fauth: Weil es ist sein dritter Anlauf, ne? Also es ist auch kein neues Gesicht in
Lea Fauth: Frankreich. Das ist für manche dann auch ein bisschen ausgelutscht.
Lea Fauth: Und es gibt viele Menschen in Frankreich, die ihn auch wahnsinnig und abgrundtief hassen.
Lea Fauth: Und genau, vielleicht wäre es auch schlauer gewesen, da wirklich mal jemand
Lea Fauth: anderes irgendwie ranzulassen.
Lea Fauth: Nichtsdestotrotz ist es im Moment so, Frankreich ist kurz vor den Wahlen,
Lea Fauth: also im April und im Mai 2027 wird gewählt.
Lea Fauth: Und ja, es ist tatsächlich gerade so,
Lea Fauth: Kann ich nicht anders sagen, dass das ein bisschen die einzige Hoffnung gerade
Lea Fauth: ist, weil also noch eine Macron-Regierung.
Lea Fauth: Dann geht es so weiter wie jetzt und dann stärkt das weiterhin,
Lea Fauth: also das macht dann nur den Nährboden für Rechtsextremismus eigentlich noch reifer, sage ich mal.
Lea Fauth: Also das wäre nur ein Zeitpunkt, also Macron wird eh nicht mehr antreten,
Lea Fauth: aber wenn es jetzt nochmal so eine neoliberale Mitte-Regierung gibt,
Lea Fauth: dann wird es einfach in dieselbe Richtung weitergehen.
Lea Fauth: Und das andere ist, und das ist die Corvette-Katastrophe, das wäre eben Le Pen
Lea Fauth: als Präsidentin. Und da denke ich dann, okay, trotz all der Kritik,
Lea Fauth: die ich eben auch geäußert habe, ist das dann trotzdem gerade die Hoffnung, die man da haben kann.
Pauline Jäckels: Abgesehen von Mélenchon als charismatische Figur, aber eben wie du auch erklärt
Pauline Jäckels: hast, kontroverse Figur an
Pauline Jäckels: der Spitze, was macht denn den Erfolg der LFI als Partei sonst noch aus?
Pauline Jäckels: Und inwiefern können wir davon vielleicht auch in der deutschen Linken lernen?
Lea Fauth: Also ich glaube, ich habe eben den Bali Bagayoko ja schon auch erwähnt und wie
Lea Fauth: er eben nicht zurückgerudert ist, obwohl er wirklich den medialen Shitstorm
Lea Fauth: und auch politischen Shitstorm schlecht hinbekommen hat.
Lea Fauth: Und trotzdem ist er irgendwie nicht so verzagt damit umgegangen,
Lea Fauth: sondern ist relativ ruhig in den Talkshows gewesen und hat gesagt,
Lea Fauth: ja, die und die Aussage habe ich gemacht aus den und den Gründen.
Lea Fauth: Und da denke ich manchmal, das ist irgendwie, das ist souverän und ich glaube,
Lea Fauth: das ist auch bei Mamdanie in Teilen so gewesen, dass man da irgendwie auch auf
Lea Fauth: verschiedene, wirklich vorhersehbare Shitstorms dann nicht so einsteigen braucht.
Lea Fauth: Und dafür ist dann vielleicht die deutsche Linke doch sehr getrieben.
Lea Fauth: Es hat aber auch ja seine Gründe. Und ich glaube auch, ich will damit jetzt
Lea Fauth: nicht sagen, man soll Antisemitismus nicht ernst nehmen, auf keinen Fall.
Lea Fauth: Aber diese ganze Berliner Debatte jetzt zuletzt hat ja auch gezeigt, da ging es nicht darum.
Lea Fauth: Da ging es darum, Vergesellschaftung zu verhindern und andere progressivere Politik zu verhindern.
Lea Fauth: Und ich glaube, da gibt es zumindest diskursiv vielleicht so bei der France Insoumise irgendwie,
Lea Fauth: mehr Selbstbewusstsein, würde ich jetzt mal sagen, sich davon nicht abbringen
Lea Fauth: zu lassen, wie sie es am Ende machen würden. Wenn sie denn an die Macht kämen, wird es sich ja zeigen.
Lea Fauth: Aber genau, da sehe ich irgendwie einen kleinen Unterschied,
Lea Fauth: dass man da sich nicht so treiben lässt vielleicht.
Pauline Jäckels: Und inwiefern stellt die France Insoumise auch in Sachen Sozialpolitik eine
Pauline Jäckels: Alternative dar zu dem, was gerade so viele Leute ablehnen in Frankreich,
Pauline Jäckels: also zu der Regierungspolitik der Mitte?
Lea Fauth: Genau, also im Grunde ist das so ähnlich wie mit der Linken.
Lea Fauth: Im Grunde sind das irgendwie sozialdemokratische Basics, würde ich mal sagen.
Lea Fauth: Es geht darum, der Austeritätspolitik ein Ende zu setzen und irgendwie verschiedene
Lea Fauth: Unternehmen entweder zu verstaatlichen oder eben den öffentlichen Sektor weiter
Lea Fauth: zu stärken und die Infrastruktur auszubauen.
Lea Fauth: Also wirklich einen öffentlichen Sektor zu haben und es gab dann auch so ein
Lea Fauth: Versprechen wie, oder Versprechen nicht, aber eine Idee von,
Lea Fauth: keiner Arbeitslosigkeit, also dass im Zweifel der Staat immer einen Job anbietet und dass,
Lea Fauth: es nicht die Situation geben soll, dass jemand keinen Job finden kann,
Lea Fauth: weil es in der Privatwirtschaft keinen Job gibt, sondern es würde immer den Staat geben.
Lea Fauth: Also es wäre ein starker sozialer Staat, der da stark gemacht wird.
Lea Fauth: Das ist jetzt so das Programm.
Lea Fauth: Und es ist ja immer die Frage, wie viel davon umsetzbar ist.
Lea Fauth: Es ist auf jeden Fall eine Abwendung der Sparpolitik und der Austeritätspolitik
Lea Fauth: und eine Stärkung vom Sozialstaat, sage ich mal.
Pauline Jäckels: Und auch hier sind wir ja wieder irgendwie bei der Parallele zu Deutschland.
Pauline Jäckels: Auch da sieht es ja so aus, als würde es sich...
Pauline Jäckels: Zuspitzen zu einer Situation, wo wir entweder als nächste Regierung blau-schwarz
Pauline Jäckels: haben oder irgendeine Art
Pauline Jäckels: rechtskonservative Koalition oder wir haben ein Rot-Rot-Grün-Konstrukt,
Pauline Jäckels: also ein sozialdemokratisches am Ende Konstrukt, was eher auf Umverteilung setzt, auf eine
Pauline Jäckels: sozialdemokratische Wirtschaftspolitik oder eine kensianische Wirtschaftspolitik.
Pauline Jäckels: Und die Mitte scheint als Konstrukt gerade zumindest
Pauline Jäckels: sich aufzulösen irgendwie oder einfach nicht mehr mit ihrem Programm,
Pauline Jäckels: mit ihrer Erzählung, mit ihrer Wirtschaftspolitik nicht mehr angenommen zu werden,
Pauline Jäckels: nicht mehr zu funktionieren.
Pauline Jäckels: Und die Frage, die sich ja sowohl in Frankreich als auch in Deutschland dann
Pauline Jäckels: zuspitzt ist, wird das Land quasi linksliberal regiert oder rechtsextrem?
Lea Fauth: Ich glaube, in Deutschland sind wir noch weit davon entfernt,
Lea Fauth: dass die Linke jetzt irgendwie so viel Anhängerschaft hat. In Berlin hat sie
Lea Fauth: das, aber auch erst neuerdings.
Lea Fauth: Es bleibt noch spannend, ob sich da überhaupt eine ähnliche Dynamik entwickeln kann.
Lea Fauth: Aber ja, es ist auf jeden Fall, glaube ich, auch nicht nur in Frankreich und
Lea Fauth: auch nicht nur in Deutschland zu beobachten, dass sich da die Lage sehr zuspitzt.
Lea Fauth: Also dass die Politik der sogenannten Mitte eigentlich eine von,
Lea Fauth: Kapitalinteressen geleitete Politik ist und dass sich daraus dann entweder Befürwortung
Lea Fauth: von Rechtsextremismus irgendwie entwickelt oder eben etwas radikaler.
Lea Fauth: Wobei ich will das gar nicht sagen, dass das radikaler ist.
Lea Fauth: Also es gibt auf jeden Fall eine Zuspitzung zwischen Rechten und Linken und
Lea Fauth: die, sage ich mal, traditionellen Parteien der Mitte, das sieht man ja überall,
Lea Fauth: die verlieren da auf jeden Fall an Rückhalt gerade und gehen irgendwie so ein bisschen unter.
Pauline Jäckels: Vielen, vielen Dank, dass du über all diese Dinge mit mir gesprochen hast,
Pauline Jäckels: dass du deine Expertise mit uns geteilt hast und dein Wissen über Frankreich.
Pauline Jäckels: Wir sind gespannt, wie diese Zuspitzung ausgeht, sowohl in Frankreich als auch
Pauline Jäckels: in Deutschland und wir sind gespannt, wie sich auch jetzt gerade die Proteste
Pauline Jäckels: natürlich und die Situation dort weiterentwickelt.
Pauline Jäckels: Es bleibt es abzuwarten. Schön, dass du da warst.
Lea Fauth: Ja, danke für die Einladung. Ich bin auch gespannt, wie es weitergeht.
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