Wird Kanada EU-Mitglied, Stefan Liebich?

Shownotes

Ursula von der Leyen möchte Kanada zum ersten „assoziierten Mitglied“ der EU machen. Der kanadische Ministerpräsident Mark Carney schlägt ein Bündnis der Mittelmächte vor, um sein Land unabhängiger von den USA zu machen. Der Westen sortiert sich neu und die USA scheinen dabei außen vor zu sein.

Grund für die Neuausrichtung der kanadischen Politik ist der Zollstreit mit den USA. Trump überzieht das Land mit immer neuen Abgaben auf Importe. Doch ökonomisch und sicherheitspolitisch bleiben die USA das mit Abstand wichtigste Land für Kanada. Welche Chancen haben da Carneys Bündnispläne?

In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Stefan Liebich über die Neuordnung des transatlantischen Bündnisses. Stefan leitet das New Yorker Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung, das für die USA, Kanada und die Vereinten Nationen zuständig ist. Davor war er zwölf Jahre lang als Außenpolitiker Mitglied des Deutschen Bundestages.

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Intro-Musik: Charles Bradley – The World (is going up in Flames)

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Shownotes:

Transkript anzeigen

Felix Jaitner: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Stefan Liebich: Wird Kanada das nächste Mitglied der Europäischen Union? Ursula von der Leyen

Stefan Liebich: hätte sicherlich nichts dagegen.

Stefan Liebich: Am 16. September 26 schlug die Kommissionspräsidentin vor, das Land zum ersten

Stefan Liebich: assoziierten Mitglied der EU zu machen.

Stefan Liebich: Denn beide Seiten säen die Welt mit denselben Augen.

Stefan Liebich: In Kanada werden die Avancen mit Freude aufgenommen. Ministerpräsident Mark

Stefan Liebich: Carney, ehemaliger Investmentbanker bei Goldman Sachs und Präsident der britischen

Stefan Liebich: Zentralbank, hat die Idee ausdrücklich begrüßt.

Stefan Liebich: Sein Land durchlebt seit der Wiederwahl Donald Trumps zum US-Präsidenten schwere Zeiten.

Stefan Liebich: Die USA erheben inzwischen 50% Zöller auf kanadischen Stahl- und Aluminiumimporte.

Stefan Liebich: Auf eingeführte Autos und Autoteile entfallen 25%.

Stefan Liebich: Ein wichtiges Ziel der Trump-Administration besteht darin, den kanadischen Agrargütermarkt

Stefan Liebich: weiter für US-Produzenten zu öffnen.

Stefan Liebich: Denn der ist streng reguliert.

Stefan Liebich: Auch andere kanadische Industriezweige stehen unter Druck. Da kommt ein Bündnis mit der EU gerade recht.

Stefan Liebich: In einer Grundsatzrede, ausgerechnet auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos,

Stefan Liebich: im Januar 26, kritisierte Carney die aggressive Politik der Großmächte und forderte ein Umdenken.

Stefan Liebich: Die bisherige internationale Ordnung der Globalisierung zerfalle,

Stefan Liebich: beklagte sich der ehemalige Banker.

Stefan Liebich: Es entstehe eine Welt, die von Großmachtrivalität und Machtpolitik geprägt sei.

Stefan Liebich: Um dann zu dem Schluss zu kommen, Mittelmächte müssen gemeinsam handeln,

Stefan Liebich: denn wer nicht mit am Tisch sitzt, landet auf dem Speiseplan.

Stefan Liebich: Seitdem forciert die kanadische Regierung eine Annäherung an die EU,

Stefan Liebich: Australien, Japan und Südkorea.

Stefan Liebich: All diese Länder sind eigentlich enge Verbündete der USA und fest integriert in das US-Empire.

Stefan Liebich: Wirtschaftlich können sie zum Teil mit den USA konkurrieren,

Stefan Liebich: aber in der Sicherheitspolitik sind sie von den USA abhängig.

Stefan Liebich: Sortiert sich der Westen neu und führen die EU und Kanada das transatlantische

Stefan Liebich: Bündnis in abgespeckter Form fort?

Stefan Liebich: Hallo, ich bin Felix Jeitner und in der heutigen Folge des Podcasts Welt und

Stefan Liebich: Ordnung spreche ich über diese Fragen mit Stefan Liebig.

Stefan Liebich: Stefan leitet das New Yorker Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung,

Stefan Liebich: die für die USA, Kanada und die Vereinten Nationen zuständig ist.

Stefan Liebich: Bevor er 2023 zur Stiftung kam, war er zwölf Jahre lang als Außenpolitiker Mitglied

Stefan Liebich: des Deutschen Bundestags.

Stefan Liebich: Ich möchte von Stefan wissen, welche Interessen Kanada und die EU mit ihrer Annäherung verfolgen.

Stefan Liebich: Sind es gemeinsame Vorstellungen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit oder

Stefan Liebich: doch eher ökonomische Interessen?

Stefan Liebich: Und wie sehen eigentlich linke

Stefan Liebich: Perspektiven auf das transatlantische Verhältnis aus? Viel Spaß! Musik

Stefan Liebich: Hallo Stefan, willkommen im Podcast Weltunordnung.

Felix Jaitner: Hallo Felix.

Stefan Liebich: Stefan, die EU bereitet gegenwärtig ja eine neue Erweiterungsrunde vor,

Stefan Liebich: und zwar Richtung Osten, und führt dazu Verhandlungen mit einigen Westbalkanstaaten,

Stefan Liebich: aber auch mit der Ukraine.

Stefan Liebich: Wenn ich jetzt allerdings die Entwicklungen in den letzten Wochen und Monaten

Stefan Liebich: verfolge, habe ich den Eindruck, die EU wird eher demnächst im Westen erweitert.

Stefan Liebich: Jetzt hier die vielleicht etwas blasphemische Frage, wird Kanada das nächste

Stefan Liebich: Mitglied der Europäischen Union?

Felix Jaitner: Das ist schon ein interessantes Gedankenspiel. Die EU wäre dann auf einen Schlag

Felix Jaitner: das zweitgrößte Land der Erde, wenn man die mal als Land bezeichnen würde,

Felix Jaitner: von Platz sieben auf Platz zwei,

Felix Jaitner: wäre eine echte arktische und atlantische Macht und es würde das Gefüge in der

Felix Jaitner: Welt ziemlich verschieben.

Felix Jaitner: Aber nee, ich glaube nicht.

Felix Jaitner: Also du hast es ja gesagt, die Verhandlungen laufen schon mit anderen Staaten.

Felix Jaitner: Ich würde ja eher auf Montenegro tippen als nächstes EU-Mitgliedsland und dann

Felix Jaitner: gibt es Albanien, dann gibt es die Ukraine.

Felix Jaitner: Und jetzt gibt es auch noch den neuen Vorstoß aus Großbritannien.

Felix Jaitner: Also ich sehe da andere, die da weiter vorne in der Reihe stehen. Schlange ist lang.

Felix Jaitner: Und es gibt auch Leute, die nicht mitmachen wollen. Das haben wir auch gerade

Felix Jaitner: erlebt. Island, das sich entschieden hat, nicht mitmachen zu wollen.

Felix Jaitner: Also, nee, Kanada als EU-Mitglied sehe ich nicht.

Felix Jaitner: Aber der Vorstoß von Ursula von der Leyen, der ja offenkundig mit Mark Carney

Felix Jaitner: abgesprochen war, Kanada anzubieten, assoziiertes Mitglied der Europäischen

Felix Jaitner: Union zu werden, jetzt am 16.

Felix Jaitner: September und die positive Antwort von ihm vor dem Europäischen Parlament,

Felix Jaitner: das war schon ein Knaller. Also das kann man nicht einfach beiseite legen.

Felix Jaitner: Das war schon eine wichtige politische Nachricht.

Felix Jaitner: Und was das heißen soll, gibt es ja eigentlich gar nicht. Assoziierte Mitglieder

Felix Jaitner: und was das bedeutet für das Verhältnis.

Felix Jaitner: Zwischen Kanada und den USA, wo ich ja gerade bin, und den EU,

Felix Jaitner: das können wir jetzt besprechen.

Stefan Liebich: Genau, also die Frage umreißt eigentlich auch schon so ein bisschen das Thema,

Stefan Liebich: über das wir heute sprechen wollen, nämlich die Annäherung zwischen Kanada

Stefan Liebich: und der EU, das hast du ja jetzt auch gerade bereits erwähnt,

Stefan Liebich: Stichwort assoziierte EU-Mitgliedschaft oder aus kanadischer Perspektive wird

Stefan Liebich: es ja glaube ich als Allianz bezeichnet, eben ganz bewusst diese assoziierte

Stefan Liebich: EU-Mitgliedschaft nicht erwähnt.

Stefan Liebich: Ich glaube, dahinter steht ja auch die Entfremdung von Kanada und auch der EU mit den USA.

Stefan Liebich: Jetzt gerade auch nochmal im Kontext der Neujustierung der US-Politik aufgrund

Stefan Liebich: des sich verschärfenden Konkurrenzverhältnisses mit China.

Stefan Liebich: Und in diesem Zusammenhang definieren die USA ihre Außenpolitik neu und eben

Stefan Liebich: gerade auch im Verhältnis zu den engsten Alliierten.

Stefan Liebich: Das sind eben nun mal die EU-Staaten und Kanada. Man könnte auch sagen,

Stefan Liebich: die Semi-Peripherien des US-Empires.

Stefan Liebich: Was mich nochmal interessieren würde, was sind denn die Ursachen für die Verschlechterung

Stefan Liebich: des kanadisch-US-amerikanischen Verhältnisses? Was motiviert die kanadische

Stefan Liebich: Politik auf Distanz zu den USA zu gehen?

Felix Jaitner: Das kann man auf zwei Wörter reduzieren, Donald und Trump, weil tatsächlich

Felix Jaitner: steckt dahinter keine große Strategie in den USA.

Felix Jaitner: Es gab keine Debatte in den USA in den letzten Jahrzehnten darüber,

Felix Jaitner: dass man sich von Kanada ablösen soll.

Felix Jaitner: Das ging eigentlich im Wahlkampf, jetzt im letzten Wahlkampf von Donald Trump los.

Felix Jaitner: Wir müssen uns ja erinnern, dass Trump in seiner ersten Amtszeit neben vielem

Felix Jaitner: Schlechten auch was Gutes gemacht hat. Also Kanada und die USA sind eng verflochten,

Felix Jaitner: schon seit Jahrzehnten.

Felix Jaitner: Und es gab das NAFTA-Abkommen. Das NAFTA war eines der ersten Freihandelsabkommen

Felix Jaitner: und zwar Freihandel im schlechtestmöglichen Sinne.

Felix Jaitner: Damals, als die neoliberale Ära so richtig losging, Verklagen von Regierungen

Felix Jaitner: und exportorientierte Unternehmen drücken ihre Interessen durch.

Felix Jaitner: Dieses NAFTA-Abkommen ist unter der Trump-Regierung neu verhandelt worden.

Felix Jaitner: In ein Abkommen, das je nach Territorium, wo du bist, einen unterschiedlichen Namen hast.

Felix Jaitner: In Kanada nennen sie es CUSMA, C-U-S-M-A, für Kanada, USA, Mexiko.

Felix Jaitner: Dieses Abkommen war tatsächlich besser als das davor.

Felix Jaitner: Es hat die Rechte von Arbeitern gestärkt, hat diese aberwitzigen Schiedsgerichtsverfahren eingeschränkt.

Felix Jaitner: Das heißt, es war nicht immer so, dass Donald Trump gesagt hat,

Felix Jaitner: ich hasse meinen Nachbarn im Norden und zettle da unsinnige Streits an.

Felix Jaitner: Aber er hat das jetzt getan. Also es ging im Wahlkampf los mit dem Gequatsche

Felix Jaitner: vom 51. Bundesstaat, dass er Justin Trudeau als Gouverneur bezeichnet hat.

Felix Jaitner: Und das hat dazu beigetragen, dass Mark Carney überhaupt Ministerpräsident des Landes wurde.

Felix Jaitner: Denn über eine lange, lange Zeit war der konservative Herausforderer Pierre Poliev vorne im Rennen.

Felix Jaitner: Und Justin Trudeau war auch wirklich unbeliebt im Land.

Felix Jaitner: Aus europäischer Sicht denken Leute ja manchmal, das ist ein Linker.

Felix Jaitner: Er ist halt für Feminismus und

Felix Jaitner: nicht gegen Schwule und so. Aber er ist wirtschaftspolitisch kein Linker.

Felix Jaitner: Und hat eine Politik gemacht, die zwar von unserer Partnerpartei NDP toleriert

Felix Jaitner: wurde, die versucht hat, ein paar soziale Sachen festzuhalten,

Felix Jaitner: aber im Großen und Ganzen war es neoliberale Politik.

Felix Jaitner: Und das haben die Menschen in Kanada gespürt. Es gab eine Wohnungskrise,

Felix Jaitner: die Leute sind ärmer geworden.

Felix Jaitner: Und sie wollten Justin Trudeau weghaben. Und er hat sich dann entschieden, sich zurückzuziehen.

Felix Jaitner: Mark Carney als Zentralbanker erst aus Kanada und dann aus Großbritannien wurde

Felix Jaitner: Kandidat. Der steht also wirtschaftspolitisch rechts von Justin Trudeau.

Felix Jaitner: Er hat gesagt, ich trete an und ich trete vor allen Dingen mit der Botschaft

Felix Jaitner: an, wir lassen uns das nicht länger bieten, was der Trump hier im Süden von uns veranstaltet.

Felix Jaitner: Und dann bekamen die Konservativen ein richtiges Problem, Weil die haben sich

Felix Jaitner: natürlich, wie die Rechten, die Konservativen sind, so an Trump rangeheftet

Felix Jaitner: und deshalb gewann Mark Carney.

Felix Jaitner: Und das hat natürlich Trump weiter provoziert. Und der hat damit nicht aufgehört.

Felix Jaitner: Also ein paar sind alles absurde Beispiele, aber man muss es ja illustrieren

Felix Jaitner: für die, die das nicht so verfolgen.

Felix Jaitner: Als die USA in den Olympischen Spielen im Eishockey-Finale gegen Kanada gewonnen

Felix Jaitner: haben, hat Trump eines dieser AI-erstellten Videos hochgeladen,

Felix Jaitner: wo er im Anzug, also er persönlich kanadische Spieler verprügelt oder in einem

Felix Jaitner: anderen, wo er sich über den,

Felix Jaitner: am Boden liegenden Premierminister von Kanada stellt.

Felix Jaitner: Und nun ist Eishockey für die kanadische Nation, das ist was ganz Wichtiges,

Felix Jaitner: was Identitätsstiftendes.

Felix Jaitner: Also der hat die ins Mark getroffen.

Felix Jaitner: Und jetzt hat er gerade noch, kann er ja gar nicht, aber er hat für die US-Behörden

Felix Jaitner: angewiesen, dass der Lake Ontario, der Ontario-See nicht mehr so heißen darf, sondern Lake America.

Felix Jaitner: Der See grenzt ja hier an unseren Bundesstaat, in dem ich lebe, New York an.

Felix Jaitner: Unsere Gouverneurin hier in New York hat gesagt, wir benennen ihn natürlich nicht um.

Felix Jaitner: In Ontario selbst, der Provinz, die so heißt wie der See, sind jetzt die Pullover,

Felix Jaitner: Lake Ontario, voll populär geworden.

Felix Jaitner: Aber da merkt man, das wird ja auch als total absurd empfunden,

Felix Jaitner: dass zwei Länder, die seit Jahrzehnten friedlich miteinander leben,

Felix Jaitner: die hatten natürlich auch ihre Konflikte.

Felix Jaitner: Aber da war Frieden, da ist eine riesengroße offene Grenze.

Felix Jaitner: Da zettelt er ohne Not einen Streit an.

Felix Jaitner: Ja, und mit dem haben wir es jetzt zu tun. Und deshalb glaube ich,

Felix Jaitner: dass die Argumente, die Zollargumente, die hier genannt werden,

Felix Jaitner: dass die vorgeschoben sind.

Felix Jaitner: Was mir auch noch wichtig ist, ist zu sagen, als ich noch nicht hier gelebt

Felix Jaitner: habe, habe ich kanadische Politik auch nicht verfolgt.

Felix Jaitner: Und aus der Ferne kennt man sich da nicht so gut aus. Aber ich glaube,

Felix Jaitner: es ist wichtig zu umreißen, wie die kanadische Politik funktioniert.

Felix Jaitner: Das heißt, wir haben hier, das ist eines der wenigen Länder,

Felix Jaitner: eine sehr starke liberale Partei.

Felix Jaitner: Die liberale Partei konkurriert mit der konservativen Partei.

Felix Jaitner: Und dann gibt es noch eine sozialdemokratische Partei, New Democratic Party.

Felix Jaitner: Das sind die, mit denen wir arbeiten. Diese sozialdemokratische Partei steht

Felix Jaitner: rechts von der deutschen Linken und links von der deutschen Sozialdemokratie

Felix Jaitner: mit so ein paar Überlappungen.

Felix Jaitner: Und die hat jetzt gerade einen neuen Vorsitzenden gewählt, Avi Lewis.

Felix Jaitner: Das bedeutet ein Linksschwenk. Avi

Felix Jaitner: Lewis ist auch der Ehemann von der in Deutschland bekannten Naomi Klein.

Felix Jaitner: Also es gibt sozusagen hier einen Schwenk nach links.

Felix Jaitner: Die opponieren gegen die Inhalte von Mark Karnis Politik.

Felix Jaitner: Und dann hast du die Konservativen, die opponieren gegen die Annäherung an die

Felix Jaitner: EU. Und das führt mich zu deiner Frage zurück.

Felix Jaitner: Deshalb nennt er es eben Allianz und sagt nicht assoziierte Mitgliedschaft,

Felix Jaitner: um ihnen nicht weiteres Futter zu geben.

Stefan Liebich: Ja, das ist ja auch nochmal ein wichtiger Kontext, weil wir,

Stefan Liebich: glaube ich, hier wirklich wenig wissen über Kanada.

Stefan Liebich: Wir wissen mehr über die USA, aber es ist tatsächlich so, dass Kanada immer

Stefan Liebich: im Schatten der USA verschwindet.

Stefan Liebich: Und deswegen umso interessanter, dass es auf einmal hier ja auch zu einer Annäherung

Stefan Liebich: kommt zwischen EU und Kanada. Was ich übrigens auch nochmal wichtig von dir

Stefan Liebich: finde zu unterstreichen, ist, dass diese...

Stefan Liebich: Wirtschaftlichen Konflikte zwischen Kanada und den USA ja auch eine Kontinuität

Stefan Liebich: haben bereits unter Trump 1.

Stefan Liebich: Du hast es ja angesprochen, das Neuverhandeln von NAFTA, dem Freihandelsabkommen,

Stefan Liebich: und das Ersetzen von NAFTA 2020 dann mit dem, ich glaube, die US-Variante ist...

Felix Jaitner: USMCA.

Stefan Liebich: USMCA, genau. Das ist ja auch ein bisschen ulkig, dass es immer so eine nationale

Stefan Liebich: Konnotation dann jeweils hat.

Stefan Liebich: Genau, also es gibt offensichtlich hier bereits Auseinandersetzungen.

Stefan Liebich: Jetzt aber würde ich trotzdem gerne nochmal fragen, was steht denn dann hinter

Stefan Liebich: dem aktuellen Zollstreit zwischen Kanada und den USA? Warum ist das Thema wieder aufgekommen?

Felix Jaitner: Ja, also Trump und die Kanadier haben miteinander über die Verlängerung von

Felix Jaitner: USMCA oder KUSMA verhandelt.

Felix Jaitner: Und während sie diese Verhandlungen geführt haben, gab es eine Auseinandersetzung

Felix Jaitner: zu verschiedenen einzelnen Fragen.

Felix Jaitner: Da gibt es schon länger ein paar Konflikte. Also ein Konflikt war zum Beispiel,

Felix Jaitner: es gibt in Quebec eine große Milch- und Käseproduktion und die ist planwirtschaftlich organisiert.

Felix Jaitner: Das mag für deutsche Ohren seltsam klingen, aber da wird es eben so gemacht,

Felix Jaitner: dass man sagt, wie viel Milch brauchen wir?

Felix Jaitner: Dann gibt es Produktionsquoten und gesicherte Preise für die Produzenten,

Felix Jaitner: das heißt, es gibt keine Überproduktion.

Felix Jaitner: Und wenn man so ein System hat, das passt dann nicht so richtig in die neoliberale

Felix Jaitner: Freihandelswelt, dann sagt die US-Seite, aber das ist ja ein.

Felix Jaitner: Non-tarifärer, also ein quasi willkürlicher politischer Eingriff in die freie

Felix Jaitner: Marktwirtschaft. So, das wollten die verändern.

Felix Jaitner: Dann gab es, das hat die Kanadier besonders aufgeregt, auch Eingriffe in die,

Felix Jaitner: Sprach- und Kulturpolitik.

Felix Jaitner: Es gab den Vorstoß, es gibt ja eine starke französischsprachige Minderheit in

Felix Jaitner: Kanada, dass man die Rolle der französischen Sprache, die in Kanada geschützt

Felix Jaitner: ist, dass das eingeschränkt wird zugunsten der englischen Sprache.

Felix Jaitner: Da sind natürlich die Kanadier extra ausgeflippt.

Felix Jaitner: Es gab eine Reihe von einzelnen Punkten und am Schluss war der größte Streitpunkt,

Felix Jaitner: wo Carney dann auch ausgestiegen ist, als die USA sagten, Ja,

Felix Jaitner: wir wollen auch Sonderzugriffsrechte auf eure Rohstoffe bekommen.

Felix Jaitner: Und wir wollen einschränken, dass ihr Handelsabkommen mit anderen Teilen der Welt schließt.

Felix Jaitner: Und da hat Kanada dann gesagt, so jetzt reicht es, wir machen wir nicht mehr mit.

Felix Jaitner: Man muss dazu sagen, sie haben zuvor auch Zugeständnisse gemacht.

Felix Jaitner: Also es gibt ja so ein bisschen das Bild von dem starken Carnay und das ist

Felix Jaitner: auch berechtigt, weil er ein paar Punkten stärker geblieben ist als beispielsweise

Felix Jaitner: die EU, die ja so schnell eingeknickt ist, wie man gar nicht gucken konnte.

Felix Jaitner: Aber sie haben zum Beispiel bei der Digitalsteuer auf Druck der USA einen Rückzieher

Felix Jaitner: gemacht. Also es gab durchaus auch ein Zugehen auf die USA.

Felix Jaitner: Am Ende hat Carney und das Verhandlungsteam gesagt, wir können das nicht fortsetzen.

Felix Jaitner: Wir gehen das Risiko ein, dass es Strafzölle gibt, die es ja dann auch umgehend

Felix Jaitner: gab und die dann mit Gegenzöllen beantwortet wurden.

Felix Jaitner: Das hat auch sofort unmittelbare Konsequenzen. Also es gibt Regionen,

Felix Jaitner: da muss man sich vorstellen, da gibt es Orte, die haben einen Ortsteil in Kanada

Felix Jaitner: und einen Ortsteil in den USA. Und die Grenze ist ja offen.

Felix Jaitner: Und plötzlich verteuern sich die Produkte auf der einen Seite.

Felix Jaitner: Möglicherweise kennen die Hörerinnen und Hörer das große Unternehmen Bombardier,

Felix Jaitner: ein Flugzeughersteller aus Kanada, der hat Werke in den USA.

Felix Jaitner: Ja, mit diesem Zollstreit vernichtet

Felix Jaitner: Trump eben auch Arbeitsplätze in den USA und alles das ohne Not.

Felix Jaitner: Also ich glaube, es wäre möglich gewesen, dort Kompromisse zu allem zu finden,

Felix Jaitner: aber ich glaube, Trump geht es nicht um Wirtschaftspolitik.

Felix Jaitner: Ich mache mal noch eine Illustration, weil ich finde immer Illustrationen gut,

Felix Jaitner: die beschreiben, wie der Zustand ist.

Felix Jaitner: Es gibt eine Brücke zwischen USA und Kanada, in der jetzt seit langer Zeit gebaut,

Felix Jaitner: wurde und die jetzt fertig geworden ist.

Felix Jaitner: Diese Brücke ist von Kanada finanziert worden. Trump hat dann.

Felix Jaitner: Den Kanadiern abgerungen, dass die Einnahmen für die Brückennutzung auch an

Felix Jaitner: die USA gehen, obwohl sie daran gar nicht an der Finanzierung beteiligt waren.

Felix Jaitner: Und das ist dann so eskaliert, dass die Brücke zwar jetzt offen ist,

Felix Jaitner: aber die Feiern, die stattfinden sollten, alle abgeblasen wurden.

Felix Jaitner: Das ist alles so traurig, wenn man sich das überlegt und so unnötig.

Felix Jaitner: Aber das ist der Zustand.

Felix Jaitner: Wichtig ist zu wissen, dass Mark Carney hier in dieser Frage die riesengroße

Felix Jaitner: Unterstützung der Bevölkerung hinter sich hat.

Felix Jaitner: Die wissen schon, die wissen, es wird was kosten.

Felix Jaitner: Sie wissen, das ist ein wirtschaftspolitisch großes Problem.

Felix Jaitner: Aber die große Mehrheit der Kanadier hat wirklich die Schnauze voll davon.

Felix Jaitner: Und sie haben schon, ohne dass die Regierung irgendwie, wie wir das von ihnen

Felix Jaitner: erwartet haben, begonnen mit Buy-Canadian-Kampagnen.

Felix Jaitner: Als ich das letzte Mal in Montreal war, vor einem Vierteljahr,

Felix Jaitner: das ist in Québec, in der französischen Sprache in Québec, da habe ich unsere

Felix Jaitner: Partnerpartei Québec Solidaire, die.

Felix Jaitner: Die Trump-Politik auch sehr kritisch sehen und beispielsweise vorgeschlagen

Felix Jaitner: haben, dass die Energielieferungen aus Quebec, das an New York,

Felix Jaitner: an den Staat New York grenzt, dass die verteuert werden quasi,

Felix Jaitner: als Druckmittel, um zu zeigen, wir haben ja auch was in der Hand.

Felix Jaitner: Da bin ich abends in die Bar gegangen, um meinen wohlverdienten Old Fashioned,

Felix Jaitner: ein sehr schöner Drink mit Bourbon Whisky, den ich sehr mag, zu trinken.

Felix Jaitner: Dann fragen die Barkeeper immer, welchen Whisky man möchte. Ich habe so automatisch

Felix Jaitner: Woodford gesagt, weil Woodford ist so mein Lieblings-Whisky.

Felix Jaitner: Der ist nun leider dummerweise ein US-amerikanischer Whisky.

Felix Jaitner: Den Blick musst du dir vorstellen. Gar nur, wir verkaufen hier keine US-Whiskys.

Felix Jaitner: Und das ist der Zustand. Also da sind wir jetzt. Leider.

Stefan Liebich: Ist ja die Frage, wie kommt man da eigentlich wieder raus? Andererseits ist

Stefan Liebich: es ja auch so, dass Kanada und die USA sicherheitspolitisch extrem eng verbunden sind.

Stefan Liebich: Also es gibt eine gemeinsame Luftraumüberwachung.

Stefan Liebich: Eine geheimdienstliche Zusammenarbeit im Rahmen des sogenannten Five Eyes Abkommens.

Stefan Liebich: Und beide Länder, Kanada und die USA, sind ja auch Gründungsmitglieder der NATO.

Stefan Liebich: Und das heißt, wir haben eine enge sicherheitspolitische Verzahnung und das

Stefan Liebich: schafft militärische Strukturen, die gemeinsam funktionieren.

Stefan Liebich: Das schafft eine integrierte Rüstungsindustrie.

Stefan Liebich: Generell, du hast die Industrie angesprochen, Bombardier.

Stefan Liebich: Und wir haben auch eine gemeinsame kontinentale Verteidigungsplanung beider Länder.

Stefan Liebich: Und jetzt frage ich mich, Stefan, ist denn unter solchen Bedingungen

Stefan Liebich: sehr starken ökonomischen und sicherheitspolitischen Abhängigkeit Kanadas von

Stefan Liebich: den USA diese Abwendung von Mark Carney von den USA wirklich realistisch oder

Stefan Liebich: ist es vor allem eine rhetorische, vielleicht auch temporäre Phase, die sich

Stefan Liebich: mit einer anderen Regierung auch wieder einrenken wird? Wie schätzt du das ein?

Felix Jaitner: Ich würde sagen, es ist mehr als Rhetorik, weil bestimmte Dinge haben jetzt

Felix Jaitner: bereits Konsequenzen. Es gibt ja nicht nur die Assoziierungsdebatte mit der

Felix Jaitner: EU, sondern es gibt auch eine stärkere Hinwendung beispielsweise zur Volksrepublik

Felix Jaitner: China, zwischen Kanada und China. Es gibt.

Felix Jaitner: Rüstungsvereinbarungen mit der EU, mit Schweden, Polen, die früher so nicht stattgefunden haben.

Felix Jaitner: Aber das ist natürlich bei weitem keine militärpolitische Abwendung von den USA.

Felix Jaitner: Da gab es den rhetorischen Hinweis, dass Makani auch prüfen lässt,

Felix Jaitner: wie man mit einer militärischen Bedrohung durch die USA umgeht.

Felix Jaitner: Aber all die Dinge, die du genannt hast, stehen natürlich überhaupt nicht in Frage.

Felix Jaitner: Also NORAD, das ist für die Weihnachtsexperten, da wird immer am 24.

Felix Jaitner: Dezember wird immer so eine Karte auf Google Maps gezeigt, wo der Weihnachtsmann

Felix Jaitner: angeblich gerade langfliegt.

Felix Jaitner: Und NORAD ist ja keine Weihnachtsorganisation, sondern eine Militärorganisation.

Felix Jaitner: Die ist eng verflochten und da schlägt auch keiner vor, die zu entflächten.

Felix Jaitner: Das findet weiter statt.

Felix Jaitner: Und das wird jetzt auch kritisiert. Also der vorhin erwähnte Avi Lewis von der

Felix Jaitner: NDP sagt, dass ausgerechnet die Aufrüstung ja weitergeht.

Felix Jaitner: Dass das Fünf-Prozent-Ziel der NATO, das ja auch für Kanada gilt,

Felix Jaitner: das hält er für total willkürlich. Und ein Großteil, auch wenn es da jetzt ein

Felix Jaitner: paar Veränderungen gibt, ein Großteil der Aufträge gehen natürlich in die Vereinigten Staaten.

Felix Jaitner: Und Avi Lewis sagt, sollten wir nicht lieber in eine nationale Löschflotte für

Felix Jaitner: die Waldbrände investieren, die sie nämlich nicht haben.

Felix Jaitner: Und diese Waldbrände haben hier irgendwie kontinentale Konsequenzen.

Felix Jaitner: Also hier in New York ist dann der Himmel plötzlich orange für eine Woche.

Felix Jaitner: Also da wird gesagt, diese Verflechtung, die packt Makane nicht an.

Felix Jaitner: Ich würde jetzt nicht sagen, dass das eine breite Massenbewegung ist, die das kritisiert.

Felix Jaitner: Die NDP, so sehr ich sie mag, ist eine kleine

Felix Jaitner: Partei. Also sie haben zwei Provinzministerpräsidenten, das ist wichtig.

Felix Jaitner: Im kanadischen Parlament sind sie eine kleine Oppositionspartei.

Felix Jaitner: Und die meisten Menschen in der kanadischen Bevölkerung schauen jetzt auch nicht

Felix Jaitner: in erster Linie auf die militärische Verflechtung.

Felix Jaitner: Aber wir als Linke tun das natürlich und legen da auch den Finger in die Wunde

Felix Jaitner: und sagen, Da an der Stelle ist die Abwendung von den USA,

Felix Jaitner: wenn überhaupt irgendwas kommt, rhetorisch und nicht real.

Stefan Liebich: Jetzt hast du ja bereits auch schon China erwähnt, was ja nochmal eine ganz

Stefan Liebich: andere geopolitische Sprengkraft hätte.

Stefan Liebich: Ich finde, da sollten wir gleich unbedingt nochmal drüber sprechen.

Stefan Liebich: Ich würde jetzt nochmal ganz kurz das Verhältnis Kanada-EU versuchen näher wollen zu verstehen.

Stefan Liebich: Weil wir sehen ja schon, also eine rhetorische Annäherung, aber durchaus auch

Stefan Liebich: auf wirtschaftlicher Ebene entwickeln sich Dinge zwischen Kanada und der EU.

Stefan Liebich: Und es ist ja eben die Antwort, wie du bereits sagtest, der kanadischen Regierung

Stefan Liebich: um Mark Carney auf die Politik der US-Administration.

Stefan Liebich: Was erhofft sich denn die kanadische Regierung von der EU und auch von konkreten

Stefan Liebich: Partnerschaften mit einzelnen EU-Mitgliedsländern?

Felix Jaitner: Er sagt, und ich finde, da hat er auch einen Punkt,

Felix Jaitner: dass wenn jedes Land einzeln mit der Trump-Regierung in den Zollauseinandersetzungen

Felix Jaitner: verhandelt, dann gilt das schöne

Felix Jaitner: Motto, Teile und Herrsche, und dann verlieren die einzelnen Gruppen.

Felix Jaitner: Und deswegen sagt er, und er hat ja in Davos eine Rede gehalten,

Felix Jaitner: die damals auch viele der dort anwesenden Wirtschaftsführer so ein bisschen,

Felix Jaitner: gesagt hat. das ist ja keine langsame Veränderung, das ist ein echter Bruch,

Felix Jaitner: und wir müssen darauf reagieren.

Felix Jaitner: Und er sagt, wenn die EU und Kanada gemeinsam verhandeln, dann haben sie eine

Felix Jaitner: größere Verhandlungsmacht.

Felix Jaitner: So, das finde ich erstmal kein falsches Argument.

Felix Jaitner: Dann schaut er auf die Punkte, die Kanada im Angebot hat und die EU im Angebot

Felix Jaitner: hat und sieht dort bestimmte Kompatibilitäten, wo man sich gegenseitig ergänzen kann.

Felix Jaitner: Das ist zum einen die Frage der Rohstoffe und der Energie,

Felix Jaitner: die Kanada einbringen kann und auf der europäischen Seite gibt es Industrie und Technik,

Felix Jaitner: und wenn man dann auf so wichtige Punkte schaut wie Halbleiter,

Felix Jaitner: AI, Satelliten, Rohstoffverarbeitung und auch wenn wir das falsch finden,

Felix Jaitner: aus deren Sicht Rüstungsproduktion, dann gibt es dort.

Felix Jaitner: Synergien, die er nutzen möchte.

Felix Jaitner: Wenn er bestimmten europäischen Märkten einen besseren Zugang bekommt,

Felix Jaitner: dann kann er kanadische Produkte besser verkaufen.

Felix Jaitner: Rüstung. Also wenn er den Zugang zum europäischen Rüstungsprogramm hat,

Felix Jaitner: dann kann er mehr Rüstungsgüter aus Kanada verkaufen.

Felix Jaitner: Und er sagt, es ist auch ein Signal, die Kanadier leben hier so ein bisschen

Felix Jaitner: oder lebten so ein bisschen in der Vergangenheit.

Felix Jaitner: Wir sind diejenigen, die zwischen dem Nordpol und den USA sind,

Felix Jaitner: dann ist links und rechts der Ozean.

Felix Jaitner: Aber hier hat er ein Signal, wir haben auch Freunde. Wir haben Freunde auf der

Felix Jaitner: anderen Seite der Welt, die eben nicht wie Bullys uns behandeln und die mit

Felix Jaitner: uns über gemeinsame Interessen reden.

Felix Jaitner: Hier gibt es aber trotzdem auch Kritik auf beiden Seiten.

Felix Jaitner: Die Linksfraktion im Europäischen Parlament hat gesagt,

Felix Jaitner: dass Ursula von der Leyen nicht das Mandat hat, solche Verhandlungen zu führen,

Felix Jaitner: dass es hier eine Beteiligung des Europäischen Parlaments geben muss.

Felix Jaitner: Und da hat sie auch recht. Auch die EU-Mitgliedstaaten wurden im Vorfeld nicht

Felix Jaitner: einbezogen. Das war eher eine von der Leyen-Marc-Carney-Aktion.

Felix Jaitner: Also es war ein erster Vorstoß, aber wenn der ernst gemeint ist,

Felix Jaitner: muss man schon eine demokratische Beteiligungsmöglichkeiten aller Institutionen schaffen.

Felix Jaitner: Und in Kanada sagt die NDP dasselbe. Also die sagt, ja, wir sind gar nicht dagegen,

Felix Jaitner: dass Kanada schaut, ob es bessere Kooperationsmöglichkeiten mit der EU gibt,

Felix Jaitner: um uns auch vor Trump zu schützen.

Felix Jaitner: Aber wir wollen beteiligt werden. Und da gibt es Kritik.

Stefan Liebich: Das finde ich jetzt ja nochmal einen wichtigen Punkt, dass du hier ein demokratiepolitisches

Stefan Liebich: Argument stark machst, weil die Argumentation von Carney und auch der EU gegen

Stefan Liebich: Trump ist ja eben immer das Demokratiemoment.

Stefan Liebich: Also wir sind die Verteidiger der Demokratie gegen die autoritäre US-Administration.

Felix Jaitner: Und da muss man es gerade in solchen Momenten eben auch zeigen.

Felix Jaitner: Ich würde jetzt nicht sagen, man muss gleich ausflippen, weil die einen medialen Vorstoß gemacht haben.

Felix Jaitner: Aber wenn sie es ernst meinen, dann müssen sie Verfahren entwickeln,

Felix Jaitner: in denen die demokratischen Kräfte mit einbezogen werden. Und das kann nicht

Felix Jaitner: in Hinterzimmerverhandlungen, wie es leider bei diesen Freihandelsabkommen zu

Felix Jaitner: häufig passiert ist, geschehen.

Felix Jaitner: Sondern es muss eine demokratische Beteiligung geben. Ich sage auch als Linker,

Felix Jaitner: Ich habe ja damals mit vielen anderen gegen das Freihandelsabkommen TTIP und

Felix Jaitner: auch gegen das Freihandelsabkommen CETA gekämpft. Und wir haben gesagt,

Felix Jaitner: da gibt es gute Gründe, warum man das so nicht machen soll.

Felix Jaitner: Aber das bedeutet zumindest für mich nicht, dass ich gegen internationalen Handel bin.

Felix Jaitner: Die Frage ist nur, wie organisiert man den und wie definiert man den?

Felix Jaitner: Ich glaube, es gibt schon gute Argumente dafür zu sagen, dass man eine internationale

Felix Jaitner: Aufgabenteilung macht.

Felix Jaitner: Aber dann muss es Regeln geben, die eben nicht von den exportorientierten Unternehmen

Felix Jaitner: geschrieben werden, sondern die beinhalten, dass man sich nicht mit Umweltstandards,

Felix Jaitner: mit ökologischen Standards, mit anderen Fragen nach unten konkurriert.

Felix Jaitner: Und das ist nicht unmöglich. Das scheint unmöglich, weil die sogenannten Freihandelsabkommen

Felix Jaitner: der Vergangenheit sowas alles nicht gemacht haben.

Felix Jaitner: Aber ich glaube, das ist durchaus eine Mühe wert, wenn man das auf demokratischem Wege tut.

Stefan Liebich: Es sind auch noch ein paar Punkte erwähnt worden, die ich nochmal aufgreifen möchte.

Stefan Liebich: Du hattest von dem Zugang Kanadas zum europäischen Rüstungsmarkt gesprochen.

Stefan Liebich: Das ist ja tatsächlich so, dass Kanada Teil des EU-Programms SAFE geworden ist.

Stefan Liebich: SAFE ist ein wichtiger EU-Mechanismus zur Finanzierung der Militarisierung in

Stefan Liebich: der EU und dafür werden Kredite bereitgestellt, die eben auch an

Stefan Liebich: transnationale Konsortien gehen können und kanadische Firmen können eben Teil

Stefan Liebich: dieser Konsortien werden und haben damit eben Möglichkeit,

Stefan Liebich: EU-Mittel zur Aufrüstung in Anspruch zu nehmen.

Stefan Liebich: Das finde ich einen wichtigen Punkt, den du genannt hast. Und zweitens,

Stefan Liebich: genau CETA, das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada,

Stefan Liebich: ist ja schon interessant, weil sich der Warenhandel zwischen beiden extrem entwickelt hat.

Stefan Liebich: Also wenn wir schauen, ein Jahr vor dem Abschluss von CETA, 2016 bis 2025,

Stefan Liebich: in diesem Zeitraum ist der Warenhandel um 76 Prozent gestiegen.

Stefan Liebich: Und wie du sagst, Kanada liefert vor allem Rohstoffe, also Energie,

Stefan Liebich: Erdöl, landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Stefan Liebich: Die EU wiederum liefert vor allem Industrie- und Konsumgüter,

Stefan Liebich: Maschinen, Anlagen, Elektronik, PKWs und so weiter.

Stefan Liebich: Die Entwicklung bei Rohstoffen, die finde ich besonders interessant.

Stefan Liebich: Die EU-Kommission sagt, dass zwischen 2017 und 2022 die EU-Importe aus Kanada von Basismetallen

Stefan Liebich: um 143 Prozent gestiegen sind, von Mineralien um 131 Prozent und Energie um 70 Prozent.

Stefan Liebich: Also Kanada wird ökonomisch wichtiger und es ist vor allem ein Rohstoffdepot

Stefan Liebich: für die EU. Das finde ich ist eine wichtige Entwicklung, die wir hier sehen.

Felix Jaitner: Felix, darf ich zu diesem Punkt, weil der mir wichtig ist, was sagen? Unbedingt.

Felix Jaitner: Es gibt ein Argument, das plausibel klingt, aber auch gleichzeitig ein Dilemma aufwirft.

Felix Jaitner: Das Argument ist, ist es nicht sinnvoll, aus einem demokratischen Land,

Felix Jaitner: das Kanada ja ist, Rohstoffe zu beziehen, damit wir die Abhängigkeit von undemokratischen

Felix Jaitner: Ländern, Russland, China,

Felix Jaitner: Saudi-Arabien, reduzieren.

Felix Jaitner: Und da sagt man natürlich gefühlsmäßig erstmal ja.

Felix Jaitner: Nun heißt aber demokratisch nicht automatisch, dass der Abbau dieser Rohstoffe dort deshalb gut ist.

Felix Jaitner: Das Problem, was hier in Kanada diskutiert wird, von der Linken in Kanada und

Felix Jaitner: von den indigenen Völkern, von denen es in Kanada viele gibt, ist,

Felix Jaitner: dass der Rohstoffabbau erstens natürlich einen Eingriff in die Natur ist und

Felix Jaitner: Klimaschäden produziert wie woanders auch.

Felix Jaitner: Und deswegen sagen die Linken und die Umweltbewegung hier in Kanada,

Felix Jaitner: könnt ihr das bitte reduzieren und hören natürlich auf dem Ohr,

Felix Jaitner: dass jetzt Europa kommt und sagt, aber wir haben das lieber von euch als aus

Felix Jaitner: Russland, China oder Saudi-Arabien, nicht so gut.

Felix Jaitner: Und es kommt noch hinzu, dass das häufig gerade in den Territorien stattfindet,

Felix Jaitner: in denen die indigene Bevölkerung Kanadas lebt.

Felix Jaitner: Deswegen fordern wir, oder fordern die Linken in Kanada und in Europa,

Felix Jaitner: dass so ein Abbau nicht ohne die Zustimmung und Einbeziehung der indigenen Bevölkerung funktioniert.

Felix Jaitner: Hier mache ich es jetzt noch komplizierter, denn der Kapitalismus ist ja nicht dumm.

Felix Jaitner: Der bezieht die nämlich mit ein. Und es gibt jetzt einen Fall,

Felix Jaitner: wo ein indigenes Volk Miteigentümer eines Flüssiggasterminals in British Columbia ist und damit,

Felix Jaitner: Geld verdienen wird, dass sie daran beteiligt sind. Und die sind demzufolge auch dafür.

Felix Jaitner: Also man sagt ja manchmal aus linker Sicht, wir wollen die Zustimmung der indigenen

Felix Jaitner: Bevölkerung und hat so im Kopf, weil das bedeutet, das machen ja nicht.

Felix Jaitner: Das ist leider nicht so einfach. Also darauf wollte ich nochmal hinweisen.

Felix Jaitner: Also der Rohstoffbezug aus Kanada mag den Vorteil bringen, dass er aus einem

Felix Jaitner: Land erfolgt, das eine Demokratie ist, aber er kommt trotzdem mit Problemen.

Stefan Liebich: Ja, sehr wichtig. Und interessanterweise ist es aber gerade so,

Stefan Liebich: dass Deutschland diese Annäherung an Kanada ja auch extrem forciert.

Stefan Liebich: Also im Juli 2026 sind Verhandlungen initiiert worden über ein Canada-Germany

Stefan Liebich: Strategic Partnership Agreement, also ein strategisches Partnerschaftsabkommen

Stefan Liebich: zwischen Deutschland und Kanada.

Stefan Liebich: Das soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.

Stefan Liebich: Und es gibt fünf Schwerpunktbereiche. Erstens Sicherheit und Verteidigung.

Stefan Liebich: Zweitens Technologie, KI und Raumfahrt.

Stefan Liebich: Drittens Lieferketten und kritische Mineralien. Viertens Energie.

Stefan Liebich: Fünftens Investitionsregelung.

Stefan Liebich: Das heißt, wir sehen hier eine ganze Menge, es passiert was.

Stefan Liebich: Aber die Frage steht trotzdem im Raum. Was macht Kanada denn aus deutscher Sicht

Stefan Liebich: denn eigentlich so interessant, wenn es jetzt nicht nur Rohstoffe sind?

Stefan Liebich: Klar, das ist ein wichtiger Punkt und ein demokratisch vermeintlich verlässlicher Verbündeter.

Stefan Liebich: Aber was sind die deutschen Motive, die Triebkräfte, die hier diese Annäherung auch stark forcieren?

Felix Jaitner: Also die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat in Kanada kein Büro. Wir machen unsere

Felix Jaitner: Kanada-Arbeit von hier in New York aus. Das heißt,

Felix Jaitner: Meine Kolleginnen und Kollegen und ich reisen dort hin und wann immer ich im

Felix Jaitner: letzten Jahr da war und dann natürlich auch mit Vertretern Deutschlands,

Felix Jaitner: der Deutschen Botschaft und

Felix Jaitner: so weiter gesprochen haben, die drehten sich nur um ein einziges Thema.

Felix Jaitner: Und das wird die linken Hörerinnen und Hörer jetzt nicht erfreuen.

Felix Jaitner: Das ist der U-Boot-Auftrag an TKMS in Kiel, den sie höchstwahrscheinlich bekommen.

Felix Jaitner: Also das Signal ist, dass der an die gehen soll.

Felix Jaitner: Das ist ein Interesse Deutschlands. Das können wir jetzt finden,

Felix Jaitner: wie wir wollen. Also wir, was ist Deutschland? Also das Interesse derjenigen,

Felix Jaitner: die jetzt in Deutschland regieren. Deren Interesse ist das.

Felix Jaitner: Und darauf haben die hinlobbiert. Und das ist für diese Werft dort ein langfristiger

Felix Jaitner: Auftrag, schafft viele Arbeitsplätze, riesenhohes Investitionsvolumen.

Felix Jaitner: Und darum hat es sich gedreht. Also das war im letzten Jahr sozusagen deren Haupteinsatz.

Stefan Liebich: Ich glaube, Teil dieses Deals ist ja unter anderem auch, dass das Münchner Raumfahrtunternehmen

Stefan Liebich: Isar Aerospace jetzt einen eigenen Startkomplex für die sogenannte Spectrum-Rakete

Stefan Liebich: bauen wird am Spaceford Nova Scotia.

Stefan Liebich: Also das geht auch sehr weit in diese ganze Rüstungszusammenarbeit,

Stefan Liebich: Weltraumzugang hinein.

Stefan Liebich: Also wir haben richtig verschiedene Komplexe, verschiedene Bündel,

Stefan Liebich: die wir sehen. Also einmal die Bedeutung Kanadas im Rohstoffsektor,

Stefan Liebich: dann Kanada als Raum in der Arktis, du hattest es erwähnt.

Stefan Liebich: Kanada als möglicher Zugang in den Weltraum, der immer wichtiger wird und gleichzeitig militarisiert.

Stefan Liebich: Auch noch interessant, im Rahmen der Sovereign Technology Alliance,

Stefan Liebich: hat dann auch immer so hochtrabende Namen, soll die Abhängigkeit von US-amerikanischen

Stefan Liebich: und auch chinesischen Plattformen im Bereich digitaler Technologie reduziert werden.

Stefan Liebich: Und das deutsche KI-Startup Aleph Alpha wurde ja von einer kanadischen Firma

Stefan Liebich: Cuhier aufgekauft, um eine Alternative zu bilden zu den US-Unternehmen.

Stefan Liebich: Also wir haben wirklich weitreichende Kooperationen in vielfältigen Bereichen.

Stefan Liebich: Entstehen denn hier jetzt tatsächlich so eine Art strategische deutsch-kanadische

Stefan Liebich: Wertschöpfungs- und Sicherheitsgemeinschaften oder ist das zu viel?

Felix Jaitner: Ich glaube, der Versuch ist schon da, dass man hier eine neue von den USA unabhängige

Felix Jaitner: Handelsbeziehung aufbaut.

Felix Jaitner: Ob das jetzt ausreicht, um zu sagen, wir haben eine deutsch-kanadische Beziehung

Felix Jaitner: oder ob das tatsächlich eher eingebunden wird in eine kanadisch-europäische

Felix Jaitner: Beziehung, würde ich jetzt mal offen lassen.

Felix Jaitner: Also mein Gefühl ist, dass Deutschland ja nicht das einzige Land ist.

Felix Jaitner: Es gucken ja jetzt alle auf der Welt, wie gehen wir jetzt damit um,

Felix Jaitner: dass sich die USA so verändert haben. Wo sind Alternativen?

Felix Jaitner: Und unter den demokratischen Staaten ist dann Kanada logischerweise immer irgendwie

Felix Jaitner: der nette Lieblingspartner.

Felix Jaitner: Die sind ja irgendwie so wie wir, sprechen Englisch, sind irgendwie eine Demokratie.

Felix Jaitner: Und da kommt jetzt nicht nur Deutschland auf die Idee, das zu tun.

Felix Jaitner: Kanada nutzt diese Möglichkeit auch und versucht zu diversifizieren,

Felix Jaitner: was aus ihrer Rolle heraus richtig ist.

Felix Jaitner: Wir müssen allerdings hier auch immer wieder sagen, wir sind da ganz am Anfang. Also wenn wir vom...

Felix Jaitner: Handelsvolumen sprechen, es ist ein ganz, ganz kleiner Bruchteil.

Felix Jaitner: Es ist immer noch so, dass der riesengroße Anteil des Handels zwischen Kanada

Felix Jaitner: und den USA stattfindet.

Felix Jaitner: Sowas lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen, nur weil hier so ein seltsamer

Felix Jaitner: Präsident ist, verändern.

Felix Jaitner: Und, sage ich mal hinzu, sollte man vielleicht auch nicht.

Felix Jaitner: Weil auch wenn wir im Moment das Gefühl haben und ich hier besonders,

Felix Jaitner: dass diese Regierung von Donald Trump endlos ist, es sind jetzt zwei Jahre seiner

Felix Jaitner: zweiten und auch letzten Amtszeit.

Felix Jaitner: Natürlich, er läuft immer noch mit diesem Hut rum, auf dem er 2028 sagt,

Felix Jaitner: aber damit rechnet eigentlich keiner. Und wir wissen nicht, wie die politischen

Felix Jaitner: Verhältnisse hier im Land in der Zukunft aussehen werden. Wir haben ja in Kürze

Felix Jaitner: hier Midterm Elections.

Felix Jaitner: Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die Republikaner hier eine schlimme Niederlage erleiden werden.

Felix Jaitner: Innerhalb der demokratischen Partei gibt es eine Linksverschiebung,

Felix Jaitner: also die Kräfte, mit denen wir zusammenarbeiten, die entweder aus den Democratic

Felix Jaitner: Socialists of America kommen, das ist die Organisation,

Felix Jaitner: in der der New Yorker Bürgermeister Soran Mamdani Mitglied ist oder beispielsweise

Felix Jaitner: Alexandria Ocasio-Cortez, die ja auch eine der bekannteren Linken hier ist.

Felix Jaitner: Diese Kräfte aus der DSE, mit der DSE verbunden oder unabhängig von der DSE,

Felix Jaitner: aber auch links, die werden im kommenden Kongress sich verdoppeln oder verdreifachen.

Felix Jaitner: Sie werden jetzt keine Mehrheit innerhalb der demokratischen Partei sein,

Felix Jaitner: aber die werden eine meinungsbestimmende Minderheit werden.

Felix Jaitner: Und deswegen warne ich auch davor, jetzt immer so in Länderkategorien zu denken.

Felix Jaitner: Für oder gegen die USA, für oder gegen Kanada. Es kommt ja immer darauf an.

Felix Jaitner: Was wissen wir denn, wer in der Europäischen Union künftig das Sagen hat?

Felix Jaitner: Was passiert denn, wenn plötzlich Le Pen gewählt wird oder wenn es eine AfD mit Regierung gibt?

Felix Jaitner: Also wir als Linke sollten da weniger in geopolitischen Länderkategorien denken,

Felix Jaitner: sondern auf politische Kräfte setzen. Und die sind in allen Ländern und auch

Felix Jaitner: in Kanada sehr unterschiedlich.

Felix Jaitner: Kanada würde jetzt ganz anders dastehen, wenn Mark Carney nicht gewonnen hätte.

Felix Jaitner: Wenn Pierre Poliev gewonnen hätte, das sah ja ganz lange so aus,

Felix Jaitner: dann hätten wir einen Trump-Verbündeten im Norden.

Felix Jaitner: Das ist so nicht gekommen. Und deswegen halte ich nichts davon,

Felix Jaitner: jetzt langfristige Entscheidungen darauf basieren zu lassen,

Felix Jaitner: wer gerade in dem Moment regiert.

Stefan Liebich: Wichtiges Argument und über die Kräfteverhältnisse, gerade auch nochmal in der

Stefan Liebich: nordamerikanischen und der EU-europäischen Linken, sollten wir gleich auch nochmal sprechen.

Stefan Liebich: Davor würde ich aber noch einmal auf China zu sprechen kommen wollen.

Stefan Liebich: Du hattest erwähnt, es gibt eine Hinwendung Kanadas zu China.

Stefan Liebich: Kannst du das nochmal genauer sagen? Was für Partnerschaften werden da forciert

Stefan Liebich: und was für Auswirkungen hat das wiederum auf die chinesisch-US-amerikanische

Stefan Liebich: Konkurrenz, die die US-Politik unter Trump ja so stark prägt?

Felix Jaitner: Na, Trump hat ja einen Handelskrieg mit allen gleichzeitig begonnen.

Felix Jaitner: Und was Kanada und China gemacht haben, ist zu sagen, na, dann gucken wir eben,

Felix Jaitner: wo wir miteinander Vereinbarungen treffen können.

Felix Jaitner: Und ich habe jetzt die wirtschaftspolitischen Abkommen nicht im Kopf,

Felix Jaitner: aber es war ein wichtiges politisches Signal, dass Carney und Xi Jinping gesagt

Felix Jaitner: haben, wir starten eine neue Form der Kooperation. Und natürlich starten,

Felix Jaitner: flippten die im Weißen Haus aus und haben dann irgendwie rumgeschimpft,

Felix Jaitner: wie man das irgendwie mit einem Gegner tun kann.

Felix Jaitner: Aber mal ganz ehrlich, Trump ist ja auch nicht so ideologisch,

Felix Jaitner: wenn es ihm in den Kram passt.

Felix Jaitner: Also der hat Regeln gefunden, dass China Chips von Nvidia bekommen hat,

Felix Jaitner: die sie lange Zeit nicht bekommen durften, hat im Gegenzug dann Anteil des Staates an Nvidia bekommen.

Felix Jaitner: Ihm war wichtig, dass TikTok in den USA nicht abgeschaltet wird,

Felix Jaitner: weil er darauf so populär ist. Das ist manchmal so klein, man kann das sich

Felix Jaitner: gar nicht anders vorstellen. Aber es ist tatsächlich so.

Felix Jaitner: Ganz früher war er derjenige, der gesagt hat, wir müssen TikTok in den USA verbieten.

Felix Jaitner: Dann merkte er, es ist sehr populär, hat dann eine Regelung durchgesetzt.

Felix Jaitner: Aber eben in Absprache mit China.

Felix Jaitner: Das heißt, er macht selber Zugeständnisse, wenn es ihm passt.

Felix Jaitner: Aber was er nicht haben kann, ist, wenn das andere tun, ohne ihn um Erlaubnis

Felix Jaitner: zu fragen. Aber so ist die Welt eben nicht.

Felix Jaitner: Und Kanada und China haben signalisiert, wir suchen selbst nach Kooperationen,

Felix Jaitner: ohne im Weißen Haus um Erlaubnis zu fragen. Und das war ein wichtiges Signal.

Felix Jaitner: So würde ich das beschreiben.

Stefan Liebich: Also auch das mündet bisher nicht in konkrete politische Bündnisse oder Abkommen.

Stefan Liebich: Es bleibt erstmal eine diplomatische Annäherung.

Felix Jaitner: Ja, und ein wirtschaftspolitischer Suchen nach gemeinsamen Interessen ist jetzt

Felix Jaitner: nicht so, dass Kanada und China eine gemeinsame ideologische Allianz bilden würden. Wir auch.

Felix Jaitner: Aber Sie sagen, da, wo sich pragmatisch zum gegenseitigen Vorteil was erreichen lässt, warum nicht?

Felix Jaitner: Und China ist ja in ganz vielen Fragen, wenn wir über seltene Erden reden, da ist China...

Felix Jaitner: Das Land, das den Weltmarkt bestimmt. Und da muss man halt mit denen reden,

Felix Jaitner: die zuständig sind. Und da braucht man nicht den Umweg über das Weiße Haus gehen.

Felix Jaitner: Das ist, glaube ich, für Donald Trump eine bittere Erkenntnis.

Felix Jaitner: Er ist ja jemand, der gegen verabredete und vertraglich abgesicherte Bündnisse ist.

Felix Jaitner: Er findet die NATO blöd und die EU.

Felix Jaitner: Und in der UN stimmen die USA jetzt andauernd oft sogar als einziges Land gegen UN-Entscheidungen.

Felix Jaitner: Aber das bedeutet nicht, dass er nicht weiß, dass es eine internationale Kooperation braucht.

Felix Jaitner: Aber er geht von der Illusion aus, dass es ein Weltsystem geben kann,

Felix Jaitner: wo ohne Verabredung, ohne Verträge und ohne Allianzen,

Felix Jaitner: er und die USA entscheiden und der Rest der Welt folgt.

Felix Jaitner: Und diese Zeit, wenn es jemals gegeben hat, ist definitiv vorbei.

Stefan Liebich: Ich würde jetzt zum Abschluss unseres Gesprächs gerne nochmal über das sich

Stefan Liebich: wandelnde transatlantische Verhältnis sprechen wollen und auch über eine linke

Stefan Liebich: Perspektive auf dieses transatlantische Verhältnis und dazu in einem ersten

Stefan Liebich: Schritt nochmal über die Frage von EU-Autonomie sprechen.

Stefan Liebich: EU-Autonomie bezeichnet ja im Grunde die Verlagerung von Kompetenzen von der

Stefan Liebich: nationalstaatlichen Ebene im Bereich Außenpolitik und Sicherheitspolitik auf EU-Level.

Stefan Liebich: Und aktuell wird diese Diskussion um EU-Autonomie ja ganz stark forciert von

Stefan Liebich: den Eliten, von dem Mainstream-Diskurs.

Stefan Liebich: Also Bundeskanzler Friedrich Merz, der selber wirklich ein eingefleischter Transatlantiker

Stefan Liebich: ist, hat ja noch am Wahlabend im vergangenen Jahr gesagt, dass er von den USA

Stefan Liebich: sich unabhängiger machen möchte.

Stefan Liebich: Und es sind dann ja auch immer wieder jetzt starke rhetorische Aussagen auf EU-Ebene gekommen.

Stefan Liebich: Meines Erachtens zeigt sich aber am Beispiel Kanada, dass dann doch relativ wenig passiert.

Stefan Liebich: Also wenn wir uns gerade das Freihandelsabkommen CETA angucken,

Stefan Liebich: das wir bereits diskutiert haben,

Stefan Liebich: dann stellen wir fest, dass Stand September 2026 zehn Staaten der EU das Abkommen

Stefan Liebich: nicht ratifiziert haben und darunter eben wirklich gewichtige Länder Frankreich,

Felix Jaitner: Italien und Polen.

Stefan Liebich: Und es gibt es, und das hast du ja

Stefan Liebich: auch bereits gesagt, viele gute Gründe Freihandelsabkommen zu kritisieren,

Stefan Liebich: aber ich glaube, es ist nochmal so ein Ausdruck dessen, dass diese Diskussion

Stefan Liebich: um EU-Autonomie dann doch häufig stark auf so einer rhetorischen Ebene verharrt, oder?

Stefan Liebich: Also wie groß ist denn deiner Meinung nach eigentlich die Notwendigkeit nach

Stefan Liebich: einer stärkeren EU-Autonomie von den USA und wie sollte das vielleicht auch

Stefan Liebich: von links gefüllt werden?

Felix Jaitner: Die Begründung für das enge transatlantische Verhältnis, die wir als Linke natürlich

Felix Jaitner: hinterfragt und kritisiert haben, war ja in der Vergangenheit,

Felix Jaitner: dass man gemeinsame Werte teilen würde.

Felix Jaitner: So und das können wir weit zurückgehen, berührt daher, dass es den Kalten Krieg

Felix Jaitner: gab und die Sowjetunion den Ostblock und die USA,

Felix Jaitner: sich Märkte in der Europäischen Union gesichert hat und im Gegenzug aber auch

Felix Jaitner: gesagt hat, wir schützen euch militärisch vor dem Osten.

Felix Jaitner: Dann ist die Mauer gefallen, der eiserne Vorhang war weg und leider wurde damals

Felix Jaitner: die Chance vertan, einen gemeinsamen europäischen Sicherheitsraum zu schaffen.

Felix Jaitner: Es gab dafür Diskussionen, aber das ist von Seiten des Westens nicht gewollt gewesen.

Felix Jaitner: Und dann hat man so ein bisschen an den Haaren herbeigezogen,

Felix Jaitner: dass wir dieses Wertebündnis weiterführen müssen, bis Trump 1 auftrat und jetzt

Felix Jaitner: haben wir es nochmal mit voller Breitseite bei Trump 2 bekommen,

Felix Jaitner: dass man jetzt kaum noch irgendwas über diese Werte hört.

Felix Jaitner: Also hier in den USA ist beispielsweise die Verwendung des Begriffes Demokratie.

Felix Jaitner: Da fällt man schon fast in die von der Trump kritisierten DEI-Debatte.

Felix Jaitner: Also wenn du irgendwo Demokratie sagst oder wenn du Klimawandel sagst.

Felix Jaitner: Hier in den USA haben wir eine Situation, dass...

Felix Jaitner: Die Pressefreiheit ist ja gerade in den letzten Tagen deutlich geworden,

Felix Jaitner: wo Trump Reporter, die nicht so berichtet haben, wie er es wollte,

Felix Jaitner: aus dem Weißen Haus geschmissen hat.

Felix Jaitner: Oder Gerichtsentscheidungen. Immer wieder kommt es dazu, dass die Trump-Regierung

Felix Jaitner: sagt, wir setzen Beschlüsse von Gerichten nicht um.

Felix Jaitner: Oder Wahlergebnisse. Wir erkennen das Wahlergebnis nur an, wenn es uns passt.

Felix Jaitner: Donald Trump erzählt ja bis heute, dass er die Wahlen gegen Joe Biden nicht verloren hat.

Felix Jaitner: Das ganze Argument, dass der Westen auf gemeinsamen Werten basiert,

Felix Jaitner: wo wir schon früher gesagt haben, naja, aber was war denn mit Franco?

Felix Jaitner: Was war denn mit Portugal?

Felix Jaitner: Wo waren denn die gemeinsamen Werte? Was ist denn mit Erdogan?

Felix Jaitner: Wo sind denn da die gemeinsamen Werte?

Felix Jaitner: Das wird jetzt in so großer Deutlichkeit vor Augen geführt, dass dieses Argument

Felix Jaitner: einfach nicht mehr gebracht wird.

Felix Jaitner: Und wenn man dann aber sagt, es geht nur noch um Interessen und nicht mehr um

Felix Jaitner: Werte, dann kann man die Debatte auch anders aufziehen.

Felix Jaitner: Und ich finde, wir sind in einer Situation, wo man das, ich sage dazu, leider muss.

Felix Jaitner: Und deshalb sage ich ja, die Europäische Union wäre gut beraten,

Felix Jaitner: für sich eine von den USA unabhängige Rolle zu entwickeln, was keinen totalen Bruch bedeuten muss.

Felix Jaitner: Vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine Welt, wo in den USA eine nach links

Felix Jaitner: gerückte demokratische Partei regiert, Wo Kräfte wie die, die jetzt in Spanien

Felix Jaitner: regieren oder andere progressive Kräfte auch in der Europäischen Union eine

Felix Jaitner: dominante Position haben.

Felix Jaitner: Also wie ich vorhin sagte, ich bin nicht für oder gegen Länder.

Felix Jaitner: Wir müssen immer gucken, was sind die jeweiligen Interessen.

Felix Jaitner: Wir als Linke sind an der Seite derjenigen, die unterdrückt sind.

Felix Jaitner: Es gibt Millionäre und Milliardäre, die furchtbar sind, überall auf der Welt.

Felix Jaitner: Es gibt die in den USA, es gibt die in Russland, es gibt die in China.

Felix Jaitner: Und es gibt unterdruckte Leute überall auf der Welt. Und wenn die Linke den Schritt.

Felix Jaitner: Macht zu sagen, wir beenden die geopolitische Auseinandersetzung des Kalten

Felix Jaitner: Kriegs, der seit 36 Jahren vorbei ist und,

Felix Jaitner: so rum ihre Interessen definiert und dann sagt, wir kämpfen um die Inhalte von

Felix Jaitner: internationalen Abkommen.

Felix Jaitner: Wir sind nicht per se gegen Handelsabkommen, aber wir setzen uns beispielsweise

Felix Jaitner: im Europäischen Parlament dafür ein, dass nur Abkommen geschlossen werden,

Felix Jaitner: die bestimmte Kriterien erfüllen, die gegen Aufrüstung sind,

Felix Jaitner: die die indigenen Völker berücksichtigen,

Felix Jaitner: die sozialpolitische und ökologische Kriterien beinhalten und so weiter.

Felix Jaitner: Dann finde ich, ist das eine progressive Position, aber die muss man aus einer

Felix Jaitner: Position der eigenen Stärke und Unabhängigkeit verfolgen.

Felix Jaitner: Und das bedeutet dann aber auch leider eine unangenehme Debatte,

Felix Jaitner: nämlich wie man damit umgeht, dass die,

Felix Jaitner: bisherige militärische Sicherheitsgarantie zu großen Teilen durch die USA erledigt

Felix Jaitner: wurde. Und ich weiß, das ist eine Debatte.

Felix Jaitner: Daran möchte sich eigentlich keiner, der links ist, die Finger verbrennen,

Felix Jaitner: aber da wird man nicht drum rum kommen.

Stefan Liebich: Ja, es ist auf jeden Fall eine Debatte, die sich auch neu stellt,

Stefan Liebich: vor dem Hintergrund von sich verschärfenden

Stefan Liebich: geopolitischen Konfrontationen bis hin zur Rückkehr von Krieg in der Ukraine

Stefan Liebich: und der zunehmend militarisierten EU-NATO-Ostgrenze mit Russland und Belarus und der Ukraine.

Stefan Liebich: Und gleichzeitig geht die Richtung, wie sie die Herrschenden vorschlagen,

Stefan Liebich: ja dahin zu sagen, EU-Autonomie ist eben

Stefan Liebich: vor allen Dingen möglich, indem wir uns selber aufrüsten und die EU selber als

Stefan Liebich: militärische Macht etablieren.

Stefan Liebich: Ich glaube, dieses Spannungsverhältnis ist in der Linken auch noch nicht gelöst, oder?

Felix Jaitner: Absolut nicht. Ich sehe in der neuen Linken, dass die Debatten Linien etwas

Felix Jaitner: anders verfolgen als in der alten Linken, in der ich noch aktiv war.

Felix Jaitner: Aber es ist ja auch objektiv gesehen eine komplizierte Frage.

Felix Jaitner: Man kann den Krieg, der von der russischen Regierung gegen die Ukraine geführt

Felix Jaitner: wurde, den kann man nicht ignorieren. Der findet ja statt.

Felix Jaitner: Man kann aber auch umgekehrt nicht wie die Europäische Union sagen,

Felix Jaitner: wir lösen alles durch Aufrüstung. Früher ist Sicherheitspolitik anders diskutiert

Felix Jaitner: worden als nur durch Aufrüstung.

Felix Jaitner: Vielleicht muss man die Debatte nochmal neu aufmachen.

Felix Jaitner: Was könnte denn ein sicherheitspolitisches Agreement auch mit denen sein,

Felix Jaitner: mit denen man gerade in Gegnerschaft ist?

Felix Jaitner: Das sind Fragen, denen man sich auf europäischer Ebene widmen sollte,

Felix Jaitner: ohne immer mit einem Auge darauf zu schielen, was die USA sagen.

Felix Jaitner: Denn ich sage mal, egal wer hier demnächst Präsident wird, wir müssen uns darauf

Felix Jaitner: einstellen, dass die Zeit nach dem Kalten Krieg auch insoweit ausklingt,

Felix Jaitner: als dass in der US-amerikanischen Bevölkerung die Bereitschaft,

Felix Jaitner: sich finanziell und militärisch auf dem europäischen Kontinent zu engagieren,

Felix Jaitner: die Bereitschaft hat hier dramatisch abgenommen.

Felix Jaitner: Und auch bei jungen Demokraten und Demokraten, die Bevölkerung hier ist nicht

Felix Jaitner: mehr so sehr europäisch geprägt. Viele Menschen hier in diesem Land kommen aus

Felix Jaitner: ganz anderen Teilen der Erde, vor allen Dingen aus dem Süden des Kontinents hier.

Felix Jaitner: Und die haben ganz andere Debatten. Deswegen bin ich nicht für eine Abwendung.

Felix Jaitner: Ich bin für Beziehungen zwischen allen möglichen Ländern überall.

Felix Jaitner: Und wenn du aus linker Sicht eine Kooperation bekommst, dann sollen wir die machen.

Felix Jaitner: Aber wir müssen das in Europa aus einer Position der Unabhängigkeit machen,

Felix Jaitner: die wir noch lange nicht haben.

Stefan Liebich: Jetzt ist es ja so, dass Karnis Aufruf für ein Bündnis der Mittelmächte sich

Stefan Liebich: ja nicht nur an die EU richtet, sondern auch an Australien, Japan und Südkorea.

Stefan Liebich: Und diese Länder haben ja vor allem gemeinsam, dass sie Teil des US-Empires

Stefan Liebich: sind oder man könnte auch sagen Verbündete der USA.

Stefan Liebich: Und diese Länder haben auch gemeint, dass der außenpolitische Einfluss,

Stefan Liebich: den diese Länder haben und ja vor allen Dingen auch die EU-Mitgliedstaaten haben,

Stefan Liebich: stark durch die USA ermöglicht worden ist.

Stefan Liebich: Also gerade im europäischen Kontext sehen wir das ja sehr stark,

Stefan Liebich: du hast es angesprochen, dass US-Militär ganz wesentlich ist für die Durchsetzung

Stefan Liebich: von bestimmten Interessen, die auch die EU verfolgen.

Stefan Liebich: Insofern frage ich mich jetzt, wie linke Kräfte eigentlich diesseits und jenseits

Stefan Liebich: des Atlantiks auf diese außenpolitischen Umbrüche und auch die Bündnispläne

Stefan Liebich: von Kani reagieren sollten.

Stefan Liebich: Was nehmen wir jetzt eigentlich davon mit, was Kani hier alles vorschlägt?

Felix Jaitner: Ich glaube, die Linke auf beiden Seiten des Atlantik wäre gut beraten,

Felix Jaitner: wenn sie sich auf die inhaltlichen Anforderungen fokussiert,

Felix Jaitner: die Bündnisse haben sollten.

Felix Jaitner: Und da kommt für mich, wie ich

Felix Jaitner: es vorhin schon nannte, die Frage der demokratischen Prozesse nach vorne.

Felix Jaitner: Mitentscheidung von Parlamenten, keine exekutiven Entscheidungen,

Felix Jaitner: keine Hinterzimmerdiplomatie.

Felix Jaitner: Wenn es um Rohstoffpartnerschaften geht, Einbeziehung derjenigen,

Felix Jaitner: in deren Territorium die Rohstoffe gefunden und abgebaut werden.

Felix Jaitner: Arbeitsumwelt und Gewerkschaftsrechte in jedem Abkommen und keine Bündnisse,

Felix Jaitner: die sich allein auf Aufrüstung definieren.

Felix Jaitner: Es kann sein, dass man sich damit nicht durchsetzt, aber das wäre etwas,

Felix Jaitner: wie ich in solche Gespräche reingehen würde, wovon ich abraten würde,

Felix Jaitner: ist zu sagen, wir machen keine Abkommen mit anderen Ländern,

Felix Jaitner: weil die Regierungen dort nicht sozialistisch sind.

Felix Jaitner: Weil es gibt bedauerlicherweise gerade nicht so viele sozialistische Länder,

Felix Jaitner: mit denen wir das machen können und deshalb isolationistisch zu werden,

Felix Jaitner: ist aus meiner Sicht keine kluge Strategie.

Felix Jaitner: Ich finde, die Linke muss die Inhalte definieren und sich für diese Inhalte

Felix Jaitner: einsetzen und daran dann auch messen, ob sie sich an solchen Abkommen beteiligt oder nicht.

Stefan Liebich: Stefan, das war ein sehr interessantes und aufschlussreiches Gespräch.

Stefan Liebich: Vielen Dank auch nochmal für die Einsichten in die Entwicklung in den USA und

Stefan Liebich: in Kanada. Ich bedanke mich recht herzlich und wünsche dir alles Gute.

Felix Jaitner: Vielen Dank für euer Interesse.

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