Wozu braucht der Kapitalismus die Aufrüstung, Kai Koddenbrock?

Shownotes

Deutschland und Europa rüsten auf. Von ganz rechts bis tief ins linksliberale Lager hinein scheint man sich einig zu sein, dass diese Aufrüstung notwendig ist. Die gängigste Begründung dafür lautet, dass Putin die NATO angreifen werde und wir dieser Bedrohung schutzlos ausgeliefert seien, wenn wir nicht aufrüsten.

Es hat eine Weile gedauert. Doch inzwischen entwickelt sich neben einer erstarkenden Antimilitarisierungs- und Antiwehrpflichtbewegung auch eine laut werdende theoretische linke Kritik dieser vermeintlichen Aufrüstungsnotwendigkeit.

In dieser Folge von „Weltunordnung” spricht die Journalistin Pauline Jäckels mit dem politischen Ökonomen Kai Koddenbrock über die zentralen Argumentationsstränge einer linken Aufrüstungskritik. Sie sprechen darüber, ob es hier wirklich um Landesverteidigung geht oder ob hinter der Militarisierung wirtschaftliche Gründe stehen – und wenn ja, welche genau. Und darüber, was man dieser neuen deutschen Aufrüstungsaußenpolitik von links entgegensetzen kann.

Kai Koddenbrock ist Professor für Internationale Beziehungen und Politische Ökonomie an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Politischer Ökonomie, Internationalen Beziehungen und Postkolonialer Theorie. In letzter Zeit hat er sich insbesondere mit der Frage beschäftigt, wie die Aufrüstung in Deutschland und Europa mit geopolitischen bzw. ökonomischen Entwicklungen zusammenhängt.

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Intro-Musik: Charles Bradley – The World (is going up in Flames)

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Shownotes:

Transkript anzeigen

Pauline Jäckels: Deutschland und Europa rüsten auf. Und von ganz rechts bis tief ins linksliberale

Pauline Jäckels: Lager hinein scheinen sich alle einig zu sein, dass diese Aufrüstung auch notwendig ist.

Pauline Jäckels: Die gängigste Begründung dafür ist, dass Putin die NATO angreifen wird auf absehbare

Pauline Jäckels: Zeit und wenn wir nicht aufrüsten, wir dieser Bedrohung quasi schutzlos ausgeliefert sind.

Pauline Jäckels: Es hat so eine Weile gedauert, aber so langsam entwickelt sich neben einer erstarkenen

Pauline Jäckels: Antimilitarisierungs- und Anti-Wehrpflichtbewegung auch eine immer lauter werdende

Pauline Jäckels: theoretische linke Kritik an dieser vermeintlichen Aufrüstungsnotwendigkeit.

Pauline Jäckels: Dazu sind in den vergangenen Monaten und Jahren zahlreiche Bücher erschienen,

Pauline Jäckels: zum Beispiel Nein von Mitus Hanyal, das gerade erschienen ist im Hansa Verlag

Pauline Jäckels: oder Inga Soltis Innere Zeitenwende und die zwei Sammelbände Die große Militarisierung

Pauline Jäckels: und Verweigert euch, um nur ein paar zu nennen.

Pauline Jäckels: Die verlinke ich auch alle in den Shownotes. Mein Name ist Pauline Jekic und

Pauline Jäckels: ich habe für diese Folge mit dem politischen Ökonom Kai Koddenbrock über die

Pauline Jäckels: zentralen Argumentationsstränge einer linken Aufrüstungskritik gesprochen.

Pauline Jäckels: Darüber, ob es hier wirklich um Landesverteidigung geht oder eben doch wirtschaftliche

Pauline Jäckels: Gründe hinter der Militarisierung stehen.

Pauline Jäckels: Und wenn ja, was genau für wirtschaftliche Gründe?

Pauline Jäckels: Und darüber, was man dieser neuen deutschen Aufrüstungsaußenpolitik eigentlich

Pauline Jäckels: von links entgegensetzen kann. Kai Kortenbrock ist Professor für internationale

Pauline Jäckels: Beziehungen und politische Ökonomie an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld.

Pauline Jäckels: Seine Arbeit bewegt sich so an der Schnittstelle von politischer Ökonomie,

Pauline Jäckels: den internationalen Beziehungen und postkolonialer Theorie.

Pauline Jäckels: Und in letzter Zeit hat er sich eben insbesondere mit der Frage beschäftigt,

Pauline Jäckels: wie die Aufrüstung in Deutschland und Europa mit geopolitischen bzw.

Pauline Jäckels: Geoökonomischen Entwicklungen zusammenhängt.

Pauline Jäckels: Hallo, lieber Kai. Schön, dass du da bist.

Kai Koddenbrock: Hi, Pauline. Danke für die Einladung.

Pauline Jäckels: Es soll aufgerüstet werden und es wird aufgerüstet. Das steht ja aller spätestens

Pauline Jäckels: fest seit Anfang 2025, als die Schuldenbremse

Pauline Jäckels: für Militärausgaben gelockert wurde durch das alte Parlament noch.

Pauline Jäckels: Die vorherrschende Erzählung ist dabei ja, wir werden bedroht durch Putin,

Pauline Jäckels: durch Russland und deshalb muss aufgerüstet werden.

Pauline Jäckels: Die Aufrüstung wird also quasi mit der notwendigen Landesverteidigung gegen

Pauline Jäckels: eine Gefahr von außen begründet.

Pauline Jäckels: Was hältst du von dieser Begründung?

Kai Koddenbrock: Also erstmal ist eine äußere Bedrohung der älteste Trick im politischen Säckel.

Kai Koddenbrock: Also das wird immer gemacht, wenn massive Veränderungen durchgedrückt werden,

Kai Koddenbrock: sollen. Das ist erstmal so die Basis.

Kai Koddenbrock: Der äußere Feind nützt sehr gut dabei zu mobilisieren, massive Veränderungen,

Kai Koddenbrock: Investitionen und so weiter durchzudrücken.

Kai Koddenbrock: Ich glaube es ist erstmal wichtig zu sagen, wie massiv wir aufrüsten.

Kai Koddenbrock: Also 2030 wollen wir fast 200 Milliarden im Jahr ausgeben für unsere Rüstung.

Kai Koddenbrock: Dieses Jahr sind wir ungefähr bei 70 bis 80 Milliarden. Das ist eine Vervielfachung

Kai Koddenbrock: unseres Rüstungsetats.

Kai Koddenbrock: Lange Jahre war Frankreich, die Atommacht ist vorne, wir haben die eingeholt.

Kai Koddenbrock: Also wir haben unglaublich große Investitionen, die wir planen.

Kai Koddenbrock: Wir wollen auch 2039 die größte konventionelle Armee in Europa stellen.

Kai Koddenbrock: Also 100 Jahre nach dem Einmarsch in Polen, dem Überfall auf Polen,

Kai Koddenbrock: das ist dem Verteidigungsministerium und der Regierung komplett egal.

Kai Koddenbrock: Diese Ironie der Geschichte, da wurde in keiner Weise drauf Bezug genommen.

Kai Koddenbrock: Die Militärstrategie der Bundesregierung trieft von Russland.

Kai Koddenbrock: Also Russland, die revisionistische Macht, möchte greift uns an,

Kai Koddenbrock: greift Europa an, möchte die Ordnung zerstören.

Kai Koddenbrock: Wir als Deutschland haben uns immer auf eine auf dem Völkerrecht basierende

Kai Koddenbrock: Ordnung konzentriert und die auch immer vertreten und müssen uns jetzt verteidigen.

Kai Koddenbrock: Dass uns das Völkerrecht zum Beispiel in Gaza komplett egal ist und im Iran

Kai Koddenbrock: komplett egal ist und auch im Irak teilweise egal war, aber da gab es zumindest mal ein Nein.

Kai Koddenbrock: Wird dabei völlig unterschlagen. Das heißt, wir haben es hier mit massiver Propaganda zu tun und Ideologie.

Kai Koddenbrock: Gleichzeitig hat natürlich Putin die Ukraine angegriffen. Das ist die Realität.

Kai Koddenbrock: Da gibt es verschiedene Gründe für, würde ich sagen.

Kai Koddenbrock: Grundsätzlich greifen Staaten immer dann zu kriegerischen Mitteln,

Kai Koddenbrock: wenn friedliche Mittel ihre politischen Ziele nicht mehr erfüllen werden.

Kai Koddenbrock: Das sind Russen so, das macht die USA gerade so, die sich das venezianische

Kai Koddenbrock: Öl unter den Nagel gerissen hat.

Kai Koddenbrock: Das haben die USA gemacht, als der Irak angegriffen wurde, als sie Chile,

Kai Koddenbrock: den Kuh gegen Allende mitorganisiert haben und so weiter. Das hat Frankreich

Kai Koddenbrock: gemacht, als es verschiedenste westafrikanische oppositionelle Wahlsieg gehindert hat.

Kai Koddenbrock: Und die Deutschen natürlich ganz berühmt in der Nazi-Zeit, als sie sich den,

Kai Koddenbrock: Großeuropa, Mitteleuropa, Osteuropa unter den Nagel reißen wollten,

Kai Koddenbrock: sowohl nach der Lebensraumideologie und aber auch expansionistischen Interessen der eigenen Industrie.

Kai Koddenbrock: Das heißt, das machen einfach Staaten, wenn die herrschende Klasse entscheidet, das muss passieren.

Kai Koddenbrock: Und Russland hat das aus unterschiedlichen Gründen eben in Bezug auf die Ukraine gemacht.

Kai Koddenbrock: Unsere Entscheidung war verständlich, würde ich sagen, den ukrainischen Widerstandskampf

Kai Koddenbrock: zu unterstützen, weil sie wurden ja tatsächlich angegriffen.

Kai Koddenbrock: Also kurzfristig halte ich die nachvollziehbare Reaktion, die Ukraine zu unterstützen.

Pauline Jäckels: Die Frage ist aber hier natürlich, wurde das gemacht,

Pauline Jäckels: um die Ukrainer zu unterstützen, die angegriffen wurden vor einem Unrecht,

Pauline Jäckels: das ihm angetan wurde oder waren da nicht auch politische Interessen,

Pauline Jäckels: einfach deutsche politische Interessen, europäische politische Interessen dahinter, oder?

Kai Koddenbrock: Ich meine, der Kampf um die Ukraine, um die Einflusssphäre einerseits der transatlantischen

Kai Koddenbrock: Allianz und der Europäischen Union auf der einen Seite und Russland auf der

Kai Koddenbrock: anderen, der geht ja schon,

Kai Koddenbrock: seit Ende der Sowjetunion, findet der ja schon statt.

Kai Koddenbrock: Und da gibt es so ein Tit-for-Tat mit unterschiedlichen Gipfeln und unterschiedlichen

Kai Koddenbrock: Versuchen. Es gab Annäherungsversuche.

Kai Koddenbrock: Und 2022 sind diese diplomatischen Bemühungen erst mal endgültig gescheitert.

Kai Koddenbrock: Und jetzt muss ein Weg gefunden werden, in die wieder einzusteigen.

Kai Koddenbrock: Und diese massive Aufrüstung, die wir betreiben, ist natürlich nicht direkt

Kai Koddenbrock: ablesbar an einer objektiven, durch Putin geschaffenen Gefahr.

Kai Koddenbrock: Sondern es ist unsere Entscheidung, so mit der russischen Kriegsführung umzugehen.

Kai Koddenbrock: Und wir investieren massiv in offensive Waffen, nicht in defensive Waffen.

Kai Koddenbrock: Wir machen keine europäische Rüstung, sondern wir machen nationale Rüstung primär.

Kai Koddenbrock: Wir begeben uns in eine extreme Konkurrenz zur französischen Rüstungsindustrie.

Kai Koddenbrock: Das sind alles politische Entscheidungen, die überhaupt nicht zwangsläufig sind.

Kai Koddenbrock: Wie real die Gefahr von Putin ist, ob er jetzt in die baltischen Staaten einmarschiert

Kai Koddenbrock: oder nicht, kann, glaube ich, niemand seriös behaupten. Wer das behauptet,

Kai Koddenbrock: ist aus meiner Sicht komplett unseriös und unwissenschaftlich.

Kai Koddenbrock: Weil auch der Einmarsch in der Ukraine 2022 war umstritten. Es gab Leute,

Kai Koddenbrock: einige Leute gesagt haben, es wird stattfinden. Die meisten haben gesagt,

Kai Koddenbrock: es wird nicht stattfinden. Also es ist immer sehr viel Kaffeesatzleserei.

Kai Koddenbrock: Was man aber aus meiner Sicht politisch machen kann, ist eben nachvollziehbar

Kai Koddenbrock: und transparent und strategisch mit bestimmten Dingen umgehen.

Kai Koddenbrock: Und bei uns wird einfach nur verkauft, there is no alternative but massive rearmament.

Kai Koddenbrock: Was natürlich Blödsinn ist. Es gibt immer Alternativen und wir müssten aus meiner

Kai Koddenbrock: Sicht ganz klar sagen, wir sind auf einem Kontinent, wir müssen mittel- und

Kai Koddenbrock: langfristig irgendwie wieder eine Zusammenarbeit finden.

Kai Koddenbrock: Gleichzeitig muss auch diese expansionistische Politik Russlands,

Kai Koddenbrock: wird auch nicht toleriert, das kann man ja in Verbindung bringen.

Kai Koddenbrock: Das heißt jetzt nicht irgendwie zu sagen, Russland darf machen, was es will.

Kai Koddenbrock: Aber diese beiden Ebenen müssen immer gleichzeitig gefahren werden.

Kai Koddenbrock: Das fehlt halt völlig in der aktuellen Debatte.

Pauline Jäckels: Du sagst also, es kann durchaus sein, dass von Russland eine Gefahr ausgeht

Pauline Jäckels: oder dass Russland plant, wirklich gegen auch NATO-Verbündete in den Krieg einzusteigen

Pauline Jäckels: oder in den Krieg anzufangen.

Pauline Jäckels: Aber das ist nicht der wirkliche Grund für die Aufrüstung. Das sind jetzt erstmal

Pauline Jäckels: Spekulationen. aber man hat eben das als Anlass genommen, die Aufrüstung zu legitimieren.

Kai Koddenbrock: Das Ausmaß der Aufrüstung und der explizite Wunsch, dominant zu werden,

Kai Koddenbrock: ist überhaupt nicht rechtfertigbar mit der angeblichen Bedrohung durch Putin.

Kai Koddenbrock: Also ich habe noch niemanden ein ernst zu nehmen oder gut begründetes Argument

Kai Koddenbrock: dafür, außer Abschreckung machen hören, warum jetzt Russland auf plötzlichen

Kai Koddenbrock: Interesse daran haben sollte, in die baltischen Staaten einzumarschieren.

Kai Koddenbrock: Also dass er natürlich seine Einflusssphäre oder Russland seine Einflusssphäre

Kai Koddenbrock: da sichern will und möglicherweise auch ökonomische Interessen in der Ostukraine

Kai Koddenbrock: und insbesondere auf der Krim hat, ist ja irgendwie klar.

Kai Koddenbrock: Aber darüber hinausgehend habe ich noch keine gute Argumentation gefunden.

Kai Koddenbrock: Das heißt, die Bedrohungslage aus meiner Sicht steht in Frage.

Kai Koddenbrock: Aber diese massive Aufrüstung, die ist nicht in Einklang zu bringen mit dieser möglichen Bedrohung.

Pauline Jäckels: Du schreibst in einem Text, den wir auch in den Show Notes verlinken werden,

Pauline Jäckels: Bei der derzeitigen Aufrüstung spielen nicht nur die Meinungen,

Pauline Jäckels: Haltungen oder Positionen von Institutionen und Persönlichkeiten eine Rolle,

Pauline Jäckels: sondern gerade die Akkumulations- und Reproduktionsmechanismen der deutschen

Pauline Jäckels: Wirtschaft in ihren nationalen, europäischen und globalen Beziehungen sind dafür zentral.

Pauline Jäckels: Und diese sollten daher nicht vokussiviert werden.

Pauline Jäckels: Das ist jetzt einigermaßen kompliziert formuliert in deinem Text,

Pauline Jäckels: aber was du ja sagst, ist im Prinzip ein zentraler Grund, warum aufgerüstet

Pauline Jäckels: wird, ist eben nicht die Bedrohung durch Putin, sondern eben die Art und Weise,

Pauline Jäckels: wie die deutsche Wirtschaft funktioniert.

Pauline Jäckels: Was meinst du damit genau? Wie funktioniert sie denn? Und was hat das mit der Aufrüstung zu tun?

Kai Koddenbrock: Also erstmal glaube ich, haben unsere politischen Elite gerade keine Ahnung,

Kai Koddenbrock: was sie machen sollen. Also wir haben keinen wirtschaftspolitischen Plan.

Kai Koddenbrock: Also wir wissen nicht, in welche Richtung wir die deutsche Wirtschaft entwickeln sollen.

Kai Koddenbrock: Also in bestimmten Sektoren, also insbesondere Automobil, Maschinenbau,

Kai Koddenbrock: Zuliefererbetriebe, ist die chinesische Konkurrenz so massiv.

Kai Koddenbrock: Dass jetzt irgendwie sich überlegt werden muss, wo können wir Wachstumssektoren identifizieren.

Kai Koddenbrock: Also die kapitalistische Wirtschaft ist ja auf Wachstum angewiesen,

Kai Koddenbrock: auch auf Unternehmensebene. Wer keine Profite macht, langfristig stirbt.

Kai Koddenbrock: Das heißt, du bist gezwungen zu gewinnen in der Konkurrenz und dieses Konkurrenzprinzip

Kai Koddenbrock: ist einfach das Kernprinzip kapitalistischen Wirtschaften.

Kai Koddenbrock: Und wenn du keine Profite machst, dann gehst du unter.

Kai Koddenbrock: Und in bestimmten Bereichen der deutschen Wirtschaft droht diese Gefahr.

Kai Koddenbrock: Und historisch kann man sehr gut sehen, dass Kapital oder bestimmte Sektoren

Kai Koddenbrock: der Wirtschaft sich nicht notwendigerweise immer sofort auf Seite der Rechten

Kai Koddenbrock: oder militaristischer Politik,

Kai Koddenbrock: stellen, sondern oft auch dann, wenn es einfach die letzte Möglichkeit erscheint.

Kai Koddenbrock: Also so zum Beispiel Siemens hat die Nazis erstmal nicht unterstützt zu Beginn,

Kai Koddenbrock: weil sie global gut Geschäfte machen haben, waren darauf abhängig,

Kai Koddenbrock: gute Beziehungen zu den Regierungen zu haben, denen sie bei großen Staatsauftragen ihre,

Kai Koddenbrock: Produkte verkauft haben, denen waren die Nazis relativ egal.

Kai Koddenbrock: Aber Teile der deutschen Wirtschaft, die am Boden waren,

Kai Koddenbrock: die waren, das sieht man bei Alfreden Sohn-Retels Arbeiten zur Klassensstruktur

Kai Koddenbrock: des deutschen Faschismus ziemlich gut, der da so ein bisschen ethnografische

Kai Koddenbrock: Forschung gemacht hat, viel früher dabei, die Nazis auch aktiv zu unterstützen, so.

Kai Koddenbrock: Und da sieht man, glaube ich, so das Zusammenspiel zwischen Staat und Kapital

Kai Koddenbrock: ist nicht immer total mechanisch.

Kai Koddenbrock: Also das Kapital ist immer im Boot mit dem Staat, sondern es ist immer bestimmte

Kai Koddenbrock: Teile, denen es gerade besonders schwerfällt, Profite zu machen.

Kai Koddenbrock: Aber wir müssen dieses Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft da angucken, wo die Krise ist.

Kai Koddenbrock: Und diese Militarisierung ist sozusagen eine Option, die wir kennen,

Kai Koddenbrock: die wissen, das kann vielleicht was bringen.

Kai Koddenbrock: Es schafft Nachfrage. Hier das Osnabrücker VW-Werk wird jetzt von israelischen,

Kai Koddenbrock: Rüstungsunternehmen übernommen. Das heißt, da werden Arbeitsplätze gesichert.

Kai Koddenbrock: Die sind einfach da, die werden gebraucht, insbesondere in der deutschen Außenpolitik.

Kai Koddenbrock: Neue Ideen fehlen. Das heißt, wir haben keine Vorstellung davon,

Kai Koddenbrock: wo wir stattdessen investieren sollen.

Kai Koddenbrock: Dann ist sozusagen die Rüstung ein alter Kollege, den wir kennen,

Kai Koddenbrock: wo wir aber vergessen, was für Konsequenzen das sowohl innergesellschaftlich

Kai Koddenbrock: als auch zwischen den Gesellschaften international haben wird.

Pauline Jäckels: Das heißt, aus der Art, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert, der Kapitalismus,

Pauline Jäckels: da gibt es quasi einen Wachstumszwang, also den Zwang sowohl für Unternehmen

Pauline Jäckels: als auch für quasi das Kollektiv, also die nationale Wirtschaft, ständig zu wachsen.

Pauline Jäckels: Und das funktioniert gerade nicht so gut. Es gibt also eine Krise des Wachstums,

Pauline Jäckels: was ja auch ständig besprochen wird, überall den ganzen Tag erzählen Merz und

Pauline Jäckels: Co., wir brauchen mehr Wachstum.

Pauline Jäckels: Und das versucht man jetzt unter anderem, weil man keine anderen Möglichkeiten

Pauline Jäckels: mehr hat zu kompensieren, indem

Pauline Jäckels: man sagt, wir schaffen Backstum durch Aufrüstung. Richtig verstanden.

Kai Koddenbrock: Ja, also das IHK, also die Industrie- und Handelskammer, hat eine Umfrage gemacht,

Kai Koddenbrock: und jedes dritte Unternehmen, was an der Umfrage teilgenommen hat,

Kai Koddenbrock: sieht Chancen in der sogenannten Verteidigungsindustrie.

Kai Koddenbrock: Wir sollten es eher Rüstungs- oder Waffenindustrie nennen aus meiner Sicht.

Kai Koddenbrock: Also da entsteht was, ganz eindeutig.

Pauline Jäckels: Bevor wir nochmals zu diesem schönen Stichwort Wirtschaftskenternismus kommen,

Pauline Jäckels: dass er hier oft fällt in diesem Kontext und darauf eingehen, was das ist.

Pauline Jäckels: Du schreibst auch in deinem Text von einem Konkurrenzverhältnis zwischen Staaten,

Pauline Jäckels: Nationalstaaten, aber im spezifischen Fall zwischen Deutschland und Frankreich,

Pauline Jäckels: das hier eine Rolle spielt.

Pauline Jäckels: Kannst du kurz darauf eingehen, wie entsteht zwischenstaatliche Konkurrenz im

Pauline Jäckels: Kapitalismus und wie spielt sich jetzt dieses konkrete Konkurrenzverhältnis in diesem Fall

Pauline Jäckels: aus, um dann eben einen Druck zu Aufrüstung zu generieren?

Kai Koddenbrock: Wir haben einerseits einen globalen Kapitalismus und wir haben nationale Kapitalismen,

Kai Koddenbrock: die auf unterschiedliche Weise organisiert werden und die sind im Zusammenspiel.

Kai Koddenbrock: Aber wir haben ein weltweites Konkurrenzprinzip und es gibt unterschiedliche

Kai Koddenbrock: Mechanismen, die dieses Konkurrenzprinzip abschwächen.

Kai Koddenbrock: Also zum Beispiel, wenn jetzt Trump oder andere rechtsgerichtete Regierungen

Kai Koddenbrock: sogenannte merkantilistische Mechanismen oder protektionistische Mechanismen

Kai Koddenbrock: einbauen, ist das ein Versuch,

Kai Koddenbrock: sich diesem Konkurrenzbezieb, dem globalen Konkurrenzbezieb in bestimmten Bereichen zu entziehen.

Kai Koddenbrock: Also diese globale Konkurrenz kann einfach massiv Stress machen,

Kai Koddenbrock: um es ganz banal zu sagen, und es kann für bestimmte Konkurrenzbeziele,

Kai Koddenbrock: die wir in bestimmten Bereichen, die wir in,

Kai Koddenbrock: Bevölkerungsgruppen oder Interessensgruppen, die wichtig sind für Regierungen,

Kai Koddenbrock: ein Problem sein, sodass sie die Regierung bitten,

Kai Koddenbrock: sie von dieser Konkurrenz zu befreien, um ihnen wieder entspannt Profite auch

Kai Koddenbrock: im nationalen Rahmen zu machen zu können.

Kai Koddenbrock: Das heißt, dadurch, dass wir global konkurrieren, gibt es ein total umfassendes

Kai Koddenbrock: Konkurrenzprinzip. Und wir konkurrieren aber auch lokal und national.

Kai Koddenbrock: Aber das ist ein ständiges Hin und

Kai Koddenbrock: Her und die Regierung, die nationalen Regierungen und auch die regionalen.

Kai Koddenbrock: Länderregierungen und so weiter, jetzt im deutschen Föderalismus zum Beispiel,

Kai Koddenbrock: sind ständig dabei, diese Konkurrenzbeziehungen,

Kai Koddenbrock: in Kooperation, manchmal aber auch im Konflikt mit bestimmten Teilen der Wirtschaft

Kai Koddenbrock: und gleichzeitig natürlich auch mit der Wählerinnenschaft, die dann auch ein

Kai Koddenbrock: komplizierender Faktor ist,

Kai Koddenbrock: diese Beziehung so zu managen, dass

Kai Koddenbrock: der Wachstumsprozess und oder der Akkumulationsprozess einigermaßen läuft.

Kai Koddenbrock: Wenn der aber nicht läuft, also wenn nicht genug Gewinne gemacht werden,

Kai Koddenbrock: Oder auch nicht genug staatliche Investitionen für die Bevölkerung gemacht werden

Kai Koddenbrock: kann. Also wenn diese gegenseitige Abhängigkeit nicht auf eine Weise gemanagt

Kai Koddenbrock: werden kann, dass sie einigermaßen funktioniert, dann gibt es massive Krisen.

Kai Koddenbrock: Und die größte Krise ist natürlich der Ausbruch von Krieg.

Pauline Jäckels: Und jetzt sind wir natürlich in der Situation, ich glaube das beste und einfachste

Pauline Jäckels: Beispiel ist die Konkurrenz um den Automarkt mit China. Ich glaube das haben

Pauline Jäckels: alle so ein bisschen im Kopf.

Pauline Jäckels: Lange war Deutschland der Top-Auto-Exporteur und das hat einen großen Anteil

Pauline Jäckels: ausgemacht der deutschen Wirtschaft und dadurch, dass China so unfassbar gut

Pauline Jäckels: darin geworden ist, gute, günstigere,

Pauline Jäckels: teilweise auch bessere Autos herzustellen als Deutschland,

Pauline Jäckels: hat China quasi Deutschland einen Teil seines Wachstumsmaterials genommen.

Pauline Jäckels: Kann man das so zusammenfassen? Und jetzt muss Deutschland halt gucken,

Pauline Jäckels: wo kann man sonst Wachstum herbekommen?

Kai Koddenbrock: Ja, man muss aber auch bei Volkswagen zum Beispiel, die da sehr im Zentrum stehen,

Kai Koddenbrock: es ist ja so das eines der bekanntesten deutschen Unternehmen,

Kai Koddenbrock: das wissen glaube ich auch nicht alle, weil das nicht alle in der Schule gelernt

Kai Koddenbrock: haben, also ich habe das zum Beispiel nicht in der Schule gelernt,

Kai Koddenbrock: dass das von den Nazis gegründet wurde.

Kai Koddenbrock: Also das deutsche Volk sollte ein günstiges Auto haben, ähnlich wie Ford in den USA.

Kai Koddenbrock: Und Goebbels und Hitler haben da stark drauf gepusht. Wie ganz viele andere

Kai Koddenbrock: Unternehmen, Rheinmetall war auch extrem aktiv als Rüstungskonzern der Nazis,

Kai Koddenbrock: spielt auch gerade gar keine Rolle.

Kai Koddenbrock: Genau, Volkswagen und BMW und andere Automobilkonzerne waren aber extrem erfolgreich

Kai Koddenbrock: in den letzten Jahrzehnten auch den chinesischen Markt erstmal zu erobern und

Kai Koddenbrock: da super viele Autos zu verkaufen.

Kai Koddenbrock: Wir haben da Produktionsstätten hingebaut und haben die Profite mithilfe des

Kai Koddenbrock: chinesischen Marktes einigermaßen hochgehalten.

Kai Koddenbrock: Aber die Zeit hat eben China genutzt, selber sehr, sehr gute Autos zu entwickeln

Kai Koddenbrock: und insbesondere E-Autos, die eine komplett andere Technologie haben,

Kai Koddenbrock: die Deutschland verschlafen hat.

Kai Koddenbrock: Und jetzt überrollen die chinesischen Exporte den europäischen und deutschen,

Kai Koddenbrock: Automarkt und reduzieren die Marktanteile der deutschen Exportindustrie.

Pauline Jäckels: So, das heißt man versucht diesen Verlust auszugleichen, unter anderem eben über

Pauline Jäckels: Aufrüstung. Was hat das mit der Konkurrenz zu Frankreich zu tun?

Kai Koddenbrock: Also Frankreich, also da schreibe ich gerade mit einem Kollegen von der Sciences

Kai Koddenbrock: Po Bordeaux ein Paper drüber, wo wir das nochmal viel genauer analysieren.

Kai Koddenbrock: Benjamin Birbaumer, der hat auch ein super Buch zur US-China-Beziehung geschrieben,

Kai Koddenbrock: was bald auch auf Englisch rauskommt.

Kai Koddenbrock: Frankreich hat die deutsche Konkurrenz innerhalb der Europäischen Union sehr

Kai Koddenbrock: früh sehr stark gespürt.

Kai Koddenbrock: Also die Deindustrialisierung, die uns jetzt in bestimmten Sektoren droht,

Kai Koddenbrock: die hat China aufgrund der deutschen Exporterfolge in bestimmten Sektoren schon erlebt.

Kai Koddenbrock: Aber die Waffenindustrie war eine, also Frankreich mit ihren Rafale-Kampfflugzeugen

Kai Koddenbrock: und auch anderen Waffengattungen, war noch ein relativ erfolgreicher Exportschlager.

Kai Koddenbrock: Und wenn Deutschland da jetzt mit reingeht in diesen Markt, was sie ja ganz

Kai Koddenbrock: explizit wollen, also größte konventionelle Armee bis 2039,

Kai Koddenbrock: ein doppelt bis dreifach so hoher Rüstungsetat wie Deutschland und die größten

Kai Koddenbrock: Investitionen kommen ja auch von den Staaten jeweils in die jeweilige Rüstungsindustrie.

Kai Koddenbrock: Das wird die Freundschaft mit, die ja gerade mit Frankreich eh so ein bisschen

Kai Koddenbrock: auf Eis liegt und mindestens schon seit Merkel, nicht verbessern.

Kai Koddenbrock: Und historisch haben wir mit Frankreich immer wieder Krieg geführt.

Kai Koddenbrock: Ich würde jetzt nicht sagen, dass das kurzfristig passieren wird,

Kai Koddenbrock: aber auch da müssen wir in Anführungszeichen gucken oder progressive Akteure in Deutschland,

Kai Koddenbrock: dass wir eine, sagen wir mal, Beziehung zu Frankreich bauen,

Kai Koddenbrock: die nicht auf Konkurrenz ausgelegt ist, sondern eher Win-Win-Situationen baut.

Kai Koddenbrock: Also wir haben ja, der EU-Einigungsprozess war ja auch mit der gemeinsamen Stahlindustrie

Kai Koddenbrock: und so weiter, war explizit so aufgebaut, dass unterschiedliche Staaten da gemeinsam

Kai Koddenbrock: zusammenarbeiten erstmal, bevor es dann total in die neoliberale Richtung gegangen ist.

Kai Koddenbrock: Und deswegen müssen wir da sehr genau schauen, dass wir eine ganz,

Kai Koddenbrock: ganz aktive Frankreich-Politik auch betreiben und auf allen Ebenen Beziehungen aufbauen.

Kai Koddenbrock: Ich meine LFI und die Linkspartei, die haben zwar große Unterschiede,

Kai Koddenbrock: aber da sollten wir sehr gezielt gucken, wie wir da auch strategisch zusammenarbeiten können, um,

Kai Koddenbrock: die Kreativität, die wir brauchen für andere wirtschaftspolitische Lösungen

Kai Koddenbrock: als Militärkennsianismus oder Waffenindustrie auch gemeinsam zu entwickeln und

Kai Koddenbrock: auch gemeinsam neue Institutionen aufzubauen.

Kai Koddenbrock: Was gerade passiert ist, nationale Alleingänge und Mélenchon zum Beispiel hat

Kai Koddenbrock: direkt nach dem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt gesagt,

Kai Koddenbrock: wenn diese Aufrüstungspolitik, die gerade in Deutschland gefahren wird,

Kai Koddenbrock: gleichzeitig mit dem Aufstieg der radikalen Rechten verbunden ist und diese

Kai Koddenbrock: Waffen also dann mittelfristig in der Hand der radikalen Rechten sein wird,

Kai Koddenbrock: ist Deutschland wieder eine Gefahr für Europa.

Kai Koddenbrock: Und das müssen wir, glaube ich, sehr, sehr ernst nehmen.

Pauline Jäckels: Jean-Luc Mélenchon, der linke Hoffnungsträger aus Frankreich.

Pauline Jäckels: Du hast es im Prinzip schon eingeführt, was der Militärkandidismus ist.

Pauline Jäckels: Also die Idee, dass man über staatliche Ausgaben, ich nenne es mal nicht Investitionen,

Pauline Jäckels: staatliche Ausgaben für Rüstungsgüter quasi Wachstum herstellt.

Pauline Jäckels: Indem man eben, weiß nicht, irgendwelche, jetzt mal ganz schematisch irgendwelche

Pauline Jäckels: Fabriken baut und dann entsteht dadurch natürlich Arbeitsplätze und so weiter und so fort.

Kai Koddenbrock: Ja, die Grundidee von Keynes, die ja auch so zu Zeiten der Wirtschaftskrisen

Kai Koddenbrock: in Zwischenkriegsjahren und Richtung 30er, 40er entwickelt wurde, ist,

Kai Koddenbrock: dass der Staat tatsächlich eine Rolle hat, antizyklisch, also im Krisen,

Kai Koddenbrock: die Krise zu beheben, indem er investiert, indem er dafür sorgt,

Kai Koddenbrock: dass die Leute mehr Geld in der Tasche haben und mehr Geld ausgeben können.

Kai Koddenbrock: Das erhöht die Nachfrage und das stimuliert die Wirtschaft so.

Kai Koddenbrock: Das ist so die Grundidee.

Kai Koddenbrock: Und da wir in Deutschland einerseits denken, der Russe ist kurz vorm Einmarsch

Kai Koddenbrock: und andererseits keinerlei Ideen haben, wie wir sonst irgendwie unsere Wirtschaft

Kai Koddenbrock: bauen sollen, weil KI und Platform Capitalism ist auch alles in Silicon Valley und oder in China.

Kai Koddenbrock: Also riesige Ahnungslosigkeit versuchen wir jetzt über den Militärkennismus.

Kai Koddenbrock: Aber da ist extrem umstritten, wie wirksam das ist und die Grundidee ist,

Kai Koddenbrock: Also es gibt immer einen Verteilungseffekt. Also diejenigen Teile der Gesellschaft, die,

Kai Koddenbrock: wenig Kapital haben und ein Großteil des Geldes, was sie kriegen,

Kai Koddenbrock: gleich ausgeben müssen, also konsumieren müssen, wenn das Geld da landet,

Kai Koddenbrock: dann ist der Wachstumseffekt besonders groß.

Kai Koddenbrock: Es gibt zum Beispiel Studien, dass der größte Fiskalmultiplikator...

Pauline Jäckels: Das Wort müssen wir jetzt einführen, weil das ist wichtig in dieser Debatte.

Pauline Jäckels: Was ist der Fiskalmultiplikator?

Kai Koddenbrock: Da geht es um die Idee, wie viel bringt das staatliche Geld fürs Wachstum?

Kai Koddenbrock: Diese Beziehung wird mit dieser Idee studiert. Das ist ein bisschen Kaffeesatzleserei.

Kai Koddenbrock: Die einen sagen, es ist größer als eins, die anderen sagen, es ist kleiner als

Kai Koddenbrock: eins. Das heißt, es muss einfach so ein bisschen plausibel gemacht werden,

Kai Koddenbrock: was was bringt. Aber es gibt so ein paar Elemente, die da total wichtig sind,

Kai Koddenbrock: wo man das dann selber sich ein bisschen überlegen kann.

Kai Koddenbrock: Also ganz banal sollte man immer in den Blick nehmen in Situationen wie unserer,

Kai Koddenbrock: wo die Ungleichheit massiv wächst.

Kai Koddenbrock: Was bringt das der Mehrheit der Bevölkerung? Was bringt das den Menschen?

Kai Koddenbrock: Und bei der Keynesianischen Idee passt es haargenau, weil diejenigen staatlichen,

Kai Koddenbrock: Maßnahmen fürs Wachstum am allermeisten bringen, die bei den ärmsten Menschen

Kai Koddenbrock: ankommen, weil die das alles ausgeben.

Kai Koddenbrock: Weil die so wenig Geld haben, dass zum Beispiel eine Studie von Moody's,

Kai Koddenbrock: also pikanterweise eine Ratingagentur, gesagt hat, die effektivste keynesianische Maßnahme ist,

Kai Koddenbrock: das Ausmaß von Foodstamps, also Essence-Marken zu erhöhen.

Kai Koddenbrock: Erhöht sofort die Nachfrage und stimuliert damit die Wirtschaft.

Kai Koddenbrock: Das ist extrem effektiv.

Kai Koddenbrock: Wenn man sich jetzt überlegt, irgendwelche Steuersätze für die Superreichen

Kai Koddenbrock: oder Kapitalertragssteuern.

Kai Koddenbrock: Zu reduzieren und so weiter, kann man sich sofort überlegen,

Kai Koddenbrock: es hat wahrscheinlich keinen Effekt, weil die oberen 10% oder die Top 1%,

Kai Koddenbrock: die investieren ihr Geld nicht in irgendwelche Dinge, die sofort das Wachstum ankurbeln.

Kai Koddenbrock: Also wird mehr Essen gekauft, wird mehr Kleidung gekauft und so weiter,

Kai Koddenbrock: sondern wiederum in irgendwelche Assets wie Immobilien oder insbesondere Finanztitel.

Kai Koddenbrock: Das hat keinen direkten Wachstumseffekt. Und Wachstum heißt ja,

Kai Koddenbrock: es wird mehr in einer Wirtschaft produziert. Wachstum wird ja so gemessen.

Kai Koddenbrock: Also da geht es um reale Güter, ausgedrückt in Geld. Und die Waffenindustrie,

Kai Koddenbrock: die ist extrem technologieaffin, ist nicht so wahnsinnig arbeitskräfteintensiv.

Kai Koddenbrock: Also es gibt andere Bereiche der Wirtschaft, wo viel mehr Leute in Arbeit kommen

Kai Koddenbrock: würden und was auch irgendwie sozusagen breiter in die Arbeiterinnenschaft sozusagen

Kai Koddenbrock: verteilt würde als in der sehr...

Kai Koddenbrock: Spezifischen technologieintensiven Waffenindustrie. Und darum geht diese Debatte so ein bisschen.

Pauline Jäckels: Also es gibt eine Debatte, die quasi davon ausgeht, okay, der Staat rüstet auf,

Pauline Jäckels: um Wirtschaftswachstum zu generieren.

Pauline Jäckels: Und dann gibt es eine Debatte darum, die sich fragt, ist das überhaupt der richtige

Pauline Jäckels: Weg, Wirtschaftswachstum zu generieren?

Pauline Jäckels: Und oft würde ich sagen, setzt diese Debatte auch voraus, dass es das richtige

Pauline Jäckels: Ziel ist, Wirtschaftswachstum zu generieren.

Pauline Jäckels: Also so ist mein Eindruck. Also dass diese Debatte von Leuten geführt wird,

Pauline Jäckels: die sagen, ja, wir brauchen Wirtschaftswachstum, aber hier kommt unsere Kritik,

Pauline Jäckels: das ist gar nicht der richtige Weg.

Pauline Jäckels: Es ginge anders, doch besser. Und da

Pauline Jäckels: kommt dann oft irgendwie dieser Fiskalmultiplikator irgendwie ins Spiel,

Pauline Jäckels: den dann so linksliberale Aufrüstungsgegner gerne nennen, um zu sagen,

Pauline Jäckels: das funktioniert doch alles gar nicht.

Kai Koddenbrock: Ja, also jetzt muss man glaube ich erstmal festhalten, es funktioniert,

Kai Koddenbrock: es werden tatsächlich bestimmte Betriebe, die zugemacht werden,

Kai Koddenbrock: werden jetzt von der Rüstungsindustrie übernommen.

Kai Koddenbrock: Also zum Beispiel letztens haben wir Interviews gemacht in einem ehemaligen

Kai Koddenbrock: BASF-Chemiepark, der von einem ausländischen Munitionsfabrikanten übernommen wurde.

Kai Koddenbrock: Wenn der von diesem ausländischen Munitionsfabrikanten nicht übernommen worden

Kai Koddenbrock: wäre, wäre dieser Chemiepark zugemacht worden.

Kai Koddenbrock: Ähnlich das VW-Werk in Osnabrück. Wenn da jetzt nicht Raphael Systems reingekommen

Kai Koddenbrock: wäre, wäre es möglicherweise zugemacht worden.

Kai Koddenbrock: Das heißt, da gab es interessante Debatten auch darüber, ob vielleicht im VW-Werk

Kai Koddenbrock: nicht lieber so kleine, selbstfahrende Busse zum Beispiel produziert werden sollten.

Kai Koddenbrock: Also gute Produkte für auch im Land funktionierenden öffentlichen Nahverkehr.

Kai Koddenbrock: Das hat sich dann aber nicht durchgesetzt und bevor die Leute ihre Arbeit verliehen,

Kai Koddenbrock: sind dann auch die Gewerkschaften ganz klar auf der Position,

Kai Koddenbrock: dann lieber Waffen als gar keine Arbeit.

Kai Koddenbrock: Also man muss glaube ich schon jenseits von dieser linksliberalen überzeugenden

Kai Koddenbrock: Idee, lass uns doch irgendwie in progressive Sektoren investieren.

Kai Koddenbrock: Stand jetzt ist das eine Winning Strategy, weil es ist vorhanden,

Kai Koddenbrock: es ist ideologisch verankert, die Regierung unterstützt das,

Kai Koddenbrock: das findet gerade statt.

Kai Koddenbrock: Und ich meine, wir sind auch gerade dabei, das so ein bisschen zu mappen.

Kai Koddenbrock: Also andere unterschiedliche Akteure, die Informationsstelle Militarisierung

Kai Koddenbrock: hat das auch schon mal versucht oder macht das mitlaufend.

Kai Koddenbrock: An allen Ecken sprießen jetzt gerade die Konversion in die andere Richtung,

Kai Koddenbrock: also Umbau von Produktionsstätten in militärische Produktionsstätten,

Kai Koddenbrock: aber auch Startup-Szene, Elzing und so weiter, die sind ja auch bekannt,

Kai Koddenbrock: sind noch nicht mal an der Börse gegangen.

Kai Koddenbrock: Bisher haben nur die superreichen Möglichkeiten, da Anteile gehabt zu kaufen.

Kai Koddenbrock: Also Thiel hat da ja auch schon investiert.

Kai Koddenbrock: Also da entsteht so, sie nennen es so ein riesiges neues Ökosystem,

Kai Koddenbrock: dem sich die Regierung dann auch nicht entziehen wollen.

Kai Koddenbrock: Also Neubauer und Wüste und NRW zum Beispiel haben sich an den Braunkohletagebau

Kai Koddenbrock: gestellt und gesagt, hier wird unser neues NRW Technology Defense Ecosystem aufgebaut.

Pauline Jäckels: Dual Use ist ja so ein Lieblingsstichwort. Warum Dual-Use?

Kai Koddenbrock: Dual-Use heißt, dass bestimmte Technologien sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden können.

Pauline Jäckels: Und da hört man immer wieder, dass Leute sagen, wir müssen quasi Dual-Use schreiben,

Pauline Jäckels: damit wir staatliche Investitionen bekommen.

Pauline Jäckels: Oder überhaupt Investitionen. Weil das jetzt einfach funktioniert.

Pauline Jäckels: Zu sagen, das kann sowohl militärisch als auch zivil eingesetzt werden.

Kai Koddenbrock: Ja, es ist wirklich verführerisch und auch überzeugend. Also zum Beispiel die

Kai Koddenbrock: Rodenkirchener Brücke hier in Köln, wo ich ja wohne,

Kai Koddenbrock: Die ist zu marode, um Panzer potenziell gen Osten zu transportieren.

Kai Koddenbrock: Dann wird es jetzt natürlich leichter werden, dieses Geld für diese maroden

Kai Koddenbrock: Brücken locker zu machen, wenn da Panzer drüber fahren, weil davor war es Jahrzehnte

Kai Koddenbrock: eben nicht wichtig genug.

Kai Koddenbrock: Deswegen ist dieser Militär-Kaisianismus vermutlich auch erfolgreicher,

Kai Koddenbrock: als die Linke glauben will, weil es eben diese sehr, sehr massiven Nebeneffekte gibt.

Kai Koddenbrock: Und die ganze Infrastruktur dann wieder aufzubauen und so weiter.

Kai Koddenbrock: Aber es wird eben keine Debatte darüber geführt, was die Konsequenzen sein werden,

Kai Koddenbrock: wenn wir uns wieder in einem bis auf die Zähne bewaffneten große Teile unseres

Kai Koddenbrock: staatlichen Budgets für waffenausgebende Gesellschaft transformieren in den nächsten Jahren.

Pauline Jäckels: Reicht es denn wirklich aus, diese ganze Aufrüstung zu erklären,

Pauline Jäckels: indem man einfach nur sagt, hier wird Wirtschaftswachstum geschaffen?

Pauline Jäckels: Es gibt ja noch diesen anderen Erzählstrang zur Aufrüstung, nämlich Deutschland

Pauline Jäckels: müsste sich jetzt unabhängig machen von den USA.

Pauline Jäckels: Und Anlass dafür ist ja im Prinzip, diese ganzen Droge werden durch Donald Trump,

Pauline Jäckels: seine Drohungen Grönland zu annektieren.

Pauline Jäckels: Aber auch Drogen, dass Trump Europa im Ernstfall nicht mehr militärisch unterstützt.

Pauline Jäckels: Und dann sprechen selbst grüne

Pauline Jäckels: Politiker auf einmal von einer europäischen Supermacht, die man aufbaut.

Pauline Jäckels: Also hier kommt so ein bisschen nochmal was anderes ins Spiel und zwar Aufrüstung

Pauline Jäckels: als Machtfrage oder Aufrüstung für Machtaufbau.

Pauline Jäckels: Wie kann man vielleicht das so ein bisschen, also es geht um die deutsche Stellung,

Pauline Jäckels: die deutsche Machtstellung in der Welt. Wie kann man das vielleicht zusammenbringen

Pauline Jäckels: mit dieser ökonomischen Argumentation?

Kai Koddenbrock: Deutschland hat es in den letzten Jahren, in den letzten Jahrzehnten ganz gut

Kai Koddenbrock: geschafft, seinen, sagen wir mal, ökonomischen Imperialismus unter dem Radar durchzuführen.

Kai Koddenbrock: Also osteuropäische, südosteuropäische Kollegen berichten ja auch davon,

Kai Koddenbrock: wie präsent da die deutschen Unternehmen im Stadtbild sind.

Kai Koddenbrock: Also die deutschen Unternehmen haben sehr stark davon profitiert,

Kai Koddenbrock: von der EU-Integration.

Kai Koddenbrock: Das war ja auch eine der großen Sorgen von Frankreich zum Beispiel,

Kai Koddenbrock: im Prozess der Euro-Einführung, dass es Deutschland durch seine Lage und eine

Kai Koddenbrock: starke Exportindustrie und allgemeine Wirtschaftsstruktur nochmal massiv stärken

Kai Koddenbrock: wird. Das ist ökonomisch auch passiert.

Kai Koddenbrock: Deutschland konnte es sich leisten aufgrund der völligen Veränderung,

Kai Koddenbrock: aufgrund der starken Beziehung zu den USA, die die Militarisierung übernommen

Kai Koddenbrock: haben, da nicht so wahnsinnig viel zu investieren und hat die Akkumulationsbedingungen,

Kai Koddenbrock: da haben wir ja vorhin schon mehrfach drüber gesprochen, erfolgreich gemanagt.

Kai Koddenbrock: Jetzt bricht die US-Allianz zum bestimmten Punkt weg und die Absicherung dieses

Kai Koddenbrock: Akkumulationsmodells braucht im Kapitalismus auch immer zumindest die Unterstreichung

Kai Koddenbrock: oder Bedrohung durch Waffen.

Pauline Jäckels: Erklär das mal. Warum braucht die Absicherung von ökonomischer Kraft die Absicherung?

Kai Koddenbrock: Also die USA haben 800 Militärbasen auf der Welt.

Kai Koddenbrock: Gerade lässt sich sehen, dass das nicht mehr so viel bedeutet möglicherweise,

Kai Koddenbrock: weil der Iran auch in einige Schnippchen geschlagen hat in seinem Verteidigungskampf

Kai Koddenbrock: gegen die US-Israelische Aggression, die seit letztem Jahr stattfindet.

Kai Koddenbrock: Aber um wirtschaftliche Dominanz auszuführen, um die richtigen Deals zu bekommen und auch,

Kai Koddenbrock: den Unternehmenserfolg sicherzustellen, haben die USA einerseits auf die Nutzung

Kai Koddenbrock: des US-Dollars sich verlassen können und andererseits auf die Absicherung ihrer

Kai Koddenbrock: dominanten Position auch durch ihre militärische Stärke weltweit.

Kai Koddenbrock: Und Deutschland hat die aktuell natürlich gar nicht.

Pauline Jäckels: Deutschland hat quasi einfach nur Mieser von der US-Militär,

Pauline Jäckels: weltweiten US-Militär.

Kai Koddenbrock: Ja, genau. Konnten mit Made in Germany gut Geld machen,

Kai Koddenbrock: So, und jetzt ist es vorbei. Jetzt müssen sie selber hegemoniale Macht, soweit es eben geht,

Kai Koddenbrock: ausüben und müssen jetzt sehr genau schauen, dass sie das auf eine kluge,

Kai Koddenbrock: also dass Deutschland das klug managt, einerseits die eigene nationale Stärke

Kai Koddenbrock: auszubauen, andererseits das EU-Projekt nicht dabei zu zerstören.

Kai Koddenbrock: Weil wenn sie das, also die europäischen dominanten Staaten müssen ja immer

Kai Koddenbrock: rausbekommen, so was ist das richtige Maß an, sagen wir mal,

Kai Koddenbrock: nationalem Chauvinismus, wir Deutschen, wir Franzosen und was machen wir sozusagen als EU?

Kai Koddenbrock: Wir müssen die, also aus so einer Interessenspolitik, müssen wir die EU auf

Kai Koddenbrock: eine Weise nutzen, dass sie uns dann gleichzeitig als deutsche Gesellschaft

Kai Koddenbrock: und unseren Akkommunationsbedingungen dann auch irgendwie hilft.

Kai Koddenbrock: Das heißt, ein sehr schwieriger Balanceakt und Merz, der natürlich voll der

Kai Koddenbrock: Elefant im Portzondanladen ist, hat da ganz offensichtlich überhaupt gar keine Strategie.

Kai Koddenbrock: Also er torpediert einfach nur das EU-Projekt, was aus der Sicht,

Kai Koddenbrock: der nationalen Interessen Deutschlands möglicherweise langfristig gar nicht

Kai Koddenbrock: so klug ist, denn es geht um das Zusammenspiel von EU und deutscher Ebene,

Kai Koddenbrock: um zwischen dem chinesischen,

Kai Koddenbrock: Block und dem US-Block irgendwie einigermaßen bestehen zu können.

Pauline Jäckels: Und da kommt ja im Prinzip diese Debatte über eine Supermacht Europa her,

Pauline Jäckels: die aus der einen Seite in der Lage wäre, quasi militärische,

Pauline Jäckels: irgendeine Art von militärischer Hegemonie, vielleicht nicht ganz, aber irgendwie...

Pauline Jäckels: Macht auszustrahlen und um dann auf der anderen Seite ökonomisch auch bestehen

Pauline Jäckels: zu können in der Konkurrenz der Systeme zwischen China und USA.

Kai Koddenbrock: Genau. Und Frankreich zum Beispiel, es gibt ein super Buch von P.O.

Kai Koddenbrock: Hansen und Stefan Jonsson, Euroafrika, wo es so um die Vorstellung dieser geostrategischen

Kai Koddenbrock: Räume geht, wie die historisch sich entwickelt haben.

Kai Koddenbrock: Und Europa und Afrika war aufgrund der geografischen Nähe eben auch unter den

Kai Koddenbrock: Nazis so eine wichtige Vorstellungswelt.

Kai Koddenbrock: Da gab es zum Beispiel Ideen dazu, das Mittelmeer abzusenken,

Kai Koddenbrock: um die Nähe zwischen Europa und Afrika zu vergrößern und da auch die Regionen

Kai Koddenbrock: besser in Wert zu setzen.

Kai Koddenbrock: Und Frankreich zum Beispiel hat immer wieder versucht, auch die Partnerschaft,

Kai Koddenbrock: mit Nordafrika zu intensivieren, weil das sozusagen ihr Hinterhof ist.

Kai Koddenbrock: Sie haben auch ihre Waffen in Westafrika, in Mali genutzt, die sie dann gleichzeitig,

Kai Koddenbrock: weil sie da gut getestet wurden, sehr erfolgreich in die Vereinigten,

Kai Koddenbrock: Arabischen Emirate verkaufen konnten, was jetzt ein Problem war,

Kai Koddenbrock: als Iran VAE angegriffen hat, was dann auch so zur Abhängigkeitsbeziehung mit

Kai Koddenbrock: den Regimen, mit denen man dann Waffen tauscht oder an die man die verkauft, nach sich zieht.

Pauline Jäckels: Also quasi Afrika-Hinterhof-Projekt, so wie Südamerika für Trump war ein Hinterhof-Projekt.

Kai Koddenbrock: Das war und ist für Frankreich so. Es gibt immer mehr Widerstand auf der Seite

Kai Koddenbrock: der afrikanischen, diverser afrikanischer Regierungen.

Kai Koddenbrock: Und Deutschland tapst da noch so ein bisschen durch die Gegend.

Kai Koddenbrock: Also Scholz ist ja schon auch nach Senegal wegen Flüssiggas und nach Nigeria

Kai Koddenbrock: wegen Gaspipeline gefahren, die durch Algerien dann Richtung Europa fließen wollen.

Kai Koddenbrock: Genau, Deutschland hat natürlich seinen Hinterhof in Anführungszeichen eher im Osten und Südosten.

Kai Koddenbrock: Also auch bei so einem Rätel kann man schön nachlesen, wie Krupp zum Beispiel

Kai Koddenbrock: schon in den 20ern, 30ern da Separatisten im ehemaligen Jugoslawien finanziert

Kai Koddenbrock: hat. Was also auch so eine längere Geschichte hat.

Kai Koddenbrock: Die Idee damals war eben durch das Chaos, was da produziert wird in den 20ern,

Kai Koddenbrock: 30ern, auch dann schneller nach der Übernahme durch die Nazis,

Kai Koddenbrock: ist da dann auch die Rohstoffe und Unternehmen dort nutzen zu können für den eigenen Erfolg.

Kai Koddenbrock: Und Deutschland ist da, denke ich, noch nicht. Also es hat noch nicht wieder

Kai Koddenbrock: diese aktiv-chauvinistische, imperialistische Herangehensweise,

Kai Koddenbrock: die die Nazis ja ganz klar hatten mit der Lebensraumideologie.

Kai Koddenbrock: Also auch die AfD hat ja eigentlich im völkischen Flügel eher einen,

Kai Koddenbrock: sagen wir mal, magermäßig-isolationistischen Ansatz.

Kai Koddenbrock: Wir in Deutschland nur für Deutsche und die Waffen auch bei Sigmund nur für

Kai Koddenbrock: Remigration, in Anführungszeichen, nicht für Lebensraum im Osten.

Kai Koddenbrock: Also da gibt es noch nicht so eine klare imperialistische Politik,

Kai Koddenbrock: aber zum Beispiel, wenn man sieht, wie die deutsche Waffenindustrie,

Kai Koddenbrock: Drohnenproduzenten und die ukrainische Waffenindustrie dann kombiniert mit der

Kai Koddenbrock: Litauenbrigade, für die die Mobilisierung ja noch schwierig ist.

Kai Koddenbrock: Da entsteht so eine, sagen wir mal, gegenseitige Abhängigkeit,

Kai Koddenbrock: wo Profite gemacht werden können, einerseits wirtschaftlich,

Kai Koddenbrock: Andererseits aber auch die Politik da sehr stark drauf setzt.

Kai Koddenbrock: Da sehe ich so ein bisschen die Gefahren, dass es eine Eigendynamik entwickelt,

Kai Koddenbrock: die dann auch, wenn jetzt mal wieder irgendeine mit Dynamik beladene Drohne

Kai Koddenbrock: in Leipzig gefunden wird, dann da auch sozusagen.

Kai Koddenbrock: Krieg entsteht. Aber so der zentrale Unterschied, würde ich sagen,

Kai Koddenbrock: in Bezug auf den deutschen Imperialismus ist schon noch, dass es,

Kai Koddenbrock: kein territorialer Imperialismus ist, sondern stand jetzt noch einer,

Kai Koddenbrock: der sozusagen die Benutzung der Welt für die deutschen Profite ausschließlich

Kai Koddenbrock: und eher auf eine friedliche Weise organisiert hat.

Kai Koddenbrock: Dadurch, dass jetzt dieses Unterstreichen durch eine Militarisierung stattfindet,

Kai Koddenbrock: geht es aber ganz klar in die Richtung.

Kai Koddenbrock: Deswegen ist es glaube ich auch wichtig, da kommen wir vielleicht später nochmal

Kai Koddenbrock: zu, auch über Deutschland aus einer imperialismustheoretischen Perspektive nachzudenken.

Pauline Jäckels: Lass uns jetzt darüber nachdenken.

Pauline Jäckels: Du bringst dieses Wort ein, oder den Gedanken eines deutschen Imperialismus.

Pauline Jäckels: Warum scheint es dir für notwendig, die Imperialismus-Theorie ranzuziehen?

Pauline Jäckels: Man könnte auch einfach sagen, das ist halt der globale Kapitalismus,

Pauline Jäckels: wie er funktioniert. Jeder konkurriert da umeinander, Deutschland versucht es

Pauline Jäckels: halt. Warum das Wort Imperialismus?

Kai Koddenbrock: Genau, das ist immer so die klassische Reaktion. Reicht doch,

Kai Koddenbrock: so ist halt Kapitalismus. Ich meine, wir da wissen auch alle,

Kai Koddenbrock: dass da auch immer mal wieder Krieg gibt und so weiter.

Kai Koddenbrock: Ich würde sagen, es spielt immer eine Rolle, welche Begriffe wir benutzen,

Kai Koddenbrock: weil der Imperialismus hat eine stärker problematisierende Komponente.

Kai Koddenbrock: Also ähnlich wie jetzt hier bei der Debatte über Völkermord und Krieg in Gaza zum Beispiel.

Kai Koddenbrock: Wenn man Krieg in Gaza sagt, ja, dann ist es halt ein Krieg und Krieg ist Teil der, das passiert halt.

Kai Koddenbrock: Und Völkermord ist eben aktiv und ist zu problematisieren und muss beendet werden.

Kai Koddenbrock: Und bei Kapitalismus und Imperialismus finde ich das ein bisschen ähnlich.

Kai Koddenbrock: Also Kapitalismus, zwar vor 20 Jahren haben wir auch noch soziale Marktwirtschaft

Kai Koddenbrock: gesagt, jetzt ist Kapitalismus sozusagen schon ein Fortschritt,

Kai Koddenbrock: weil da kann man auch kritischer drüber reden als über soziale Marktwirtschaft.

Kai Koddenbrock: Da denkt ja kein Mensch mehr dran. Aber Imperialismus...

Kai Koddenbrock: Prägt einfach so dieses gewalttätige, kriegerische, expansionistische automatisch mit sich.

Kai Koddenbrock: Und dann sind wir uns gezwungen, darüber Gedanken zu machen,

Kai Koddenbrock: was ist denn eigentlich an unserer Gesellschaft und.

Kai Koddenbrock: An unseren Beziehungen, die wir mit anderen Gesellschaften aus Deutschland heraus

Kai Koddenbrock: eingehen, möglicherweise so gewalttätig und so problematisch,

Kai Koddenbrock: dass wir uns auch wieder als imperialistisch begreifen müssen.

Kai Koddenbrock: Und da gibt es natürlich viele Menschen, die auf der Linken sich aus einer antiempathistischen

Kai Koddenbrock: Perspektive mit der Welt und auch mit Deutschland beschäftigen.

Kai Koddenbrock: Also die Marburger haben das lange gemacht, Frank Deppe und auch Inga Solti,

Kai Koddenbrock: der hat ja auch ein gutes Buch geschrieben zu innerer Zeitenwende jüngst.

Kai Koddenbrock: Ja, also und Vanessa Thompson und Raoul Selig und so weiter.

Kai Koddenbrock: Also da gibt es viele Leute und ich habe versucht so ein bisschen mit Fiete

Kai Koddenbrock: Voss zusammen in dem Artikel, das für die akademische Debatte auch plausibel zu machen, weil,

Kai Koddenbrock: die akademische Debatte ist natürlich immer ein bisschen vorsichtiger,

Kai Koddenbrock: da muss man immer sehr genau begründen, warum man welche Begriffe benutzt.

Kai Koddenbrock: Aber wenn man eben in der Lage ist, so einen Begriff wie Imperialismus rauszuhalten,

Kai Koddenbrock: wird darüber auch keine Grundlagenforschung gemacht.

Kai Koddenbrock: Und ich glaube, dass mit dieser Militarisierung zusammenhängt und dem Chauvinismus,

Kai Koddenbrock: also Merz sagt irgendwie,

Kai Koddenbrock: Israel and the US are doing our dirty work for us in Iran, mit unserer aktiven

Kai Koddenbrock: Unterstützung der rechtsextremen Genozidalen, israelischen Regierung,

Kai Koddenbrock: scheißegal, was da passiert.

Kai Koddenbrock: Das ist nicht Kapitalismus, das ist eine Form von gewalttätiger Außenpolitik,

Kai Koddenbrock: die man, denke ich, im Zusammenhang mit diesen auch wirtschaftlichen Krisenphänomenen

Kai Koddenbrock: und Expansionsphänomenen,

Kai Koddenbrock: Bemühungen der Waffenindustrie dann möglicherweise auch eine Imperialismus-Theoriebrille betrachten muss.

Pauline Jäckels: Du machst jetzt erstmal den Vorschlag, wir müssen uns Gedanken darüber machen,

Pauline Jäckels: inwiefern wir imperialistische Mechanismen vorliegen.

Pauline Jäckels: Du sagst noch nicht, du hast jetzt deine eigene Theorie dazu entwickelt,

Pauline Jäckels: warum das ein Imperialismus ist.

Kai Koddenbrock: In unserem Text haben wir drei,

Kai Koddenbrock: Ebenen dafür aufgemacht. Also erstmal kriegerisch und gewalttätiges Verhalten nach außen.

Kai Koddenbrock: Dann eine Zusammenarbeit zwischen Regierung und Kapital in Bezug auf die Expansion

Kai Koddenbrock: gegenüber dem Weltmarkt. Und dann die Ausbeutung des globalen Südens.

Kai Koddenbrock: Weil das ist total wichtig festzuhalten, dass die Imperialismus-Theorie im globalen

Kai Koddenbrock: Süden immer und andauernd wichtig war, weil sie es eben selber erlebt haben.

Kai Koddenbrock: Sie haben den US-Imperialismus und den Imperialismus des Westens andauernd erlebt.

Kai Koddenbrock: Und bei uns wurde immer so ein bisschen getan, weil wir ja im Herzen sozusagen

Kai Koddenbrock: der US-Hegemonie selber gelebt haben, als gäbe es das nicht mehr.

Kai Koddenbrock: Im globalen Süden war es völlig klar, dass der Krieg im Irak zum Beispiel ein

Kai Koddenbrock: imperialistischer Krieg war.

Pauline Jäckels: Ja, und weil wir halt nie betroffen oder nutzliefer waren von diesem imperialistischen

Pauline Jäckels: US-imperialen Gerüst, wurde das quasi hier gar nicht richtig thematisiert.

Kai Koddenbrock: Genau, jetzt müssen wir es selber managen, jetzt müssen wir es in bestimmten

Kai Koddenbrock: Teilen, obwohl wir es nicht können werden, aber in bestimmten Teilen die Rolle

Kai Koddenbrock: der USA auch übernehmen.

Kai Koddenbrock: Und dann müssen wir auch über uns selber wieder im Begriffen der Imperialismus-Theorie nachdenken.

Kai Koddenbrock: Weil Osteuropa uns ökonomisch oder bestimmte Sektoren unter den Nagel zu reißen,

Kai Koddenbrock: Truppen mit Verpflichtung, Zwang, Wehrpflicht wieder einzuführen,

Kai Koddenbrock: irgendwie Zwangsrekrutierung zur Litauen-Brigade durchzuführen und so weiter,

Kai Koddenbrock: Tarnkappenbomber zu kaufen und gleichzeitig ganz klar den globalen Süden weiterhin,

Kai Koddenbrock: Deutschland spielt keine gute Rolle in Handelsverhandlungen hinter geschlossenen

Kai Koddenbrock: Türen, in UN-Verhandlungen über Finance for Development und so weiter.

Kai Koddenbrock: Deutschland redet ja immer so ein bisschen über sich in der Entwicklungspolitik

Kai Koddenbrock: als ein wahnsinnig progressiver Akteur, der die Interessen des globalen Südens im Blick hat. No way.

Kai Koddenbrock: Also Deutschland muss vor allen Dingen billige Inputs für seine Industrie,

Kai Koddenbrock: die er gerade Probleme hat, sicherstellen und hat überhaupt kein Interesse daran.

Kai Koddenbrock: Also CBAM zum Beispiel, dieser EU-Untertitel.

Kai Koddenbrock: Der Climate-Rekompensierungsmechanismus, der ist ein ganz klar protektionistischer

Kai Koddenbrock: Mechanismus, der es dem globalen Süden weiterhin schwer machen soll,

Kai Koddenbrock: verarbeitete Produkte in den europäischen Unionsmarkt zu verkaufen.

Kai Koddenbrock: Also sie sollen halt weiter Rohstoffe exportieren, möglichst billig.

Kai Koddenbrock: Und das ist aus meiner Sicht, klar kann man sagen, das ist einfach Kapitalismus,

Kai Koddenbrock: aber verbunden mit der Militarisierung und der aktiven Unterstützung bestimmter Unternehmen,

Kai Koddenbrock: müssen wir auch darüber nachdenken, ob wir wieder ein imperiales Deutschland

Kai Koddenbrock: sind oder zumindest werden, dabei sind es zu werden.

Pauline Jäckels: Werden wollen, ja.

Kai Koddenbrock: Wollen sogar, ja.

Pauline Jäckels: Bestimmte Leute zumindest. Das heißt, in dieser materialistischen Analyse dieses

Pauline Jäckels: deutschen und europäischen Aufrüstungshypes gibt es so zwei Komponenten.

Pauline Jäckels: Das eine ist Aufrüstung, um Wachstum anzukurbeln und das andere ist Aufrüstung

Pauline Jäckels: quasi als Vehikel, um die Machtstellung und damit eben auch

Pauline Jäckels: die Weltwirtschafts-Machtstellung Deutschlands zu sichern,

Pauline Jäckels: während eben dieser Schutz durch die USA wegfällt.

Pauline Jäckels: Und man sich auch in diesem jetzt zuspitzenden Konkurrenzverhältnis sieht zu

Pauline Jäckels: China auf der einen Seite und jetzt eben auch zu den USA nochmal vermehrt.

Kai Koddenbrock: Ja, hast du schön gesagt.

Kai Koddenbrock: Genau, also das Militär ist ja nicht nur nützlich, um einen konkreten Krieg

Kai Koddenbrock: zu führen, sondern es ist auch nützlich, um eine bestimmte Dominanzposition zu unterstreichen.

Kai Koddenbrock: Aber mit dieser Aufrüstung kann man eben zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Kai Koddenbrock: Nämlich einerseits die Wirtschaft stimulieren, andererseits die Machtprojektion

Kai Koddenbrock: gegenüber dem Rest der Welt zu unterstreichen.

Pauline Jäckels: Also irgendwie Aufrüstung für Wirtschaft und Wirtschaft für Aufrüstung.

Pauline Jäckels: Also Aufrüstung für Macht und Macht brauchst du für den Erhalt der Wirtschaft

Pauline Jäckels: und die Wirtschaft brauchst du wieder, um Macht zu halten. Es ist irgendwie

Pauline Jäckels: so ein Klüngel an diesen verschiedenen Komponenten, habe ich manchmal das Gefühl.

Pauline Jäckels: Man kann sie gar nicht richtig auseinanderhalten.

Kai Koddenbrock: Ja, man kann es auch nicht so einfach sagen.

Kai Koddenbrock: Also zum Beispiel Japan, wo es ja auch jetzt irgendwie Rüstungsdebatten gibt,

Kai Koddenbrock: hat ja auch lange sozusagen auf demilitarisierte Weise seinen ökonomischen Erfolg organisiert.

Kai Koddenbrock: Aber man muss eben immer genau gucken, wer übernimmt dann die militärische Dominanzfunktion.

Kai Koddenbrock: Und bei Japan war es ja genau wie bei Deutschland auch die starke Allianz mit den USA.

Kai Koddenbrock: Also es braucht, und das haben wir eben nicht bemerkt, also es war selbstverständlich

Kai Koddenbrock: für uns und Trump kritisiert ja auch die deutschen Regierungen dafür,

Kai Koddenbrock: dass sie das sozusagen nicht ausreichend wertschätzen.

Kai Koddenbrock: Aus der Perspektive hat er ja einen Blick für.

Pauline Jäckels: Und übrigens auch schon Biden. Also Biden hat ja auch schon kritisiert,

Pauline Jäckels: wenn auch mit weniger Vehemenz und einem anderen Ton und ohne Drohungen.

Pauline Jäckels: Aber auch Biden hat ja schon kritisiert, dass Europa nicht genug beiträgt zu

Pauline Jäckels: dieser gemeinsamen Allianz und eingefordert, dass sich das ändert.

Kai Koddenbrock: Interessant sind dann zum Beispiel Staaten wie die Schweiz.

Kai Koddenbrock: Also die Frage ist ja so ein bisschen, wie bekommen es Staaten hin und unter

Kai Koddenbrock: welchen Bedingungen, ohne massive militärische Unterstützung oder zumindest

Kai Koddenbrock: als wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Kai Koddenbrock: Und ja, die Schweiz wäre da mit Sicherheit ein interessanter Fall.

Kai Koddenbrock: Ganz gezielt sehr bestimmte Sektoren besetzt da sehr dominant.

Kai Koddenbrock: Also einerseits irgendwie Chemie, Industrie, natürlich auch Finanzsektor und Rohstoffhandel.

Kai Koddenbrock: Aber gleichzeitig sind sie eben auch mitten in der Europäischen Union gelegen

Kai Koddenbrock: und man kann da auch sagen, sie profitieren da auch von dem Schutz sozusagen,

Kai Koddenbrock: den die Europäische Union, ohne jetzt offiziell als Mitglied zu sein, ihnen bietet.

Pauline Jäckels: Und sie wollen auch nicht die drittgrößte Weltwirtschaftsmacht sein.

Pauline Jäckels: Also das ist ja die Merkplatte, das ist ja, was Deutschland erhalten will mindestens.

Pauline Jäckels: Die diese Position als dritte Wirtschaft macht, von mir aus vielleicht vierte.

Kai Koddenbrock: Und deswegen ist es, glaube ich, so wichtig, aus der Sicht von der gesellschaftlichen

Kai Koddenbrock: Linken, darüber nachzudenken,

Kai Koddenbrock: was genau in den aktuellen Bedingungen eine Form von Antikapitalismus,

Kai Koddenbrock: Sozialismus, Demokratischer Sozialismus, wie auch immer man es nennen will, sein kann.

Kai Koddenbrock: Weil um diese Reorganisation geht es jetzt.

Pauline Jäckels: Ich glaube, davor müssen wir noch kurz darüber sprechen, was das eigentlich

Pauline Jäckels: für innenpolitische Konsequenzen hat, wenn man jetzt eben diese Art von

Pauline Jäckels: Aufrüstungspolitik vorantreibt weiter, die im Prinzip einer irgendwie europäischen

Pauline Jäckels: Supermacht dienen soll oder dem

Pauline Jäckels: deutschen, aber eben auch dem europäischen Machterhalt in diesen sich verändernden

Pauline Jäckels: globalen Machtgefüge schützen soll.

Pauline Jäckels: Also was bedeutet das nach innen?

Kai Koddenbrock: Ja, also je mehr Investitionen man in Sicherheits-, in Anführungszeichen,

Kai Koddenbrock: Waffenverteidigungstechnologie steckt, desto mehr wird sie auch genutzt werden.

Kai Koddenbrock: Also die Reform der Polizeigesetze, die Technologien, die von der Polizei genutzt

Kai Koddenbrock: werden, die Drohnen, die auch im Inneren genutzt werden, all das wird natürlich

Kai Koddenbrock: die Möglichkeiten zur Repression massiv erhöhen.

Kai Koddenbrock: Und dass zum Beispiel Sigmund sagt, er hat nichts dagegen, dass in Sachsen-Anhalt

Kai Koddenbrock: jetzt israelische Waffenindustrie angesiedelt wird, weil das kann ja dann auch,

Kai Koddenbrock: bei den Remigrationsarbeiten, bei den Abschiebungsprozessen,

Kai Koddenbrock: die natürlich extrem gewalttätig sein werden, ähnlich wie in den USA,

Kai Koddenbrock: wenn sie stattfinden, helfen.

Kai Koddenbrock: Also ich glaube, da sollten wir nicht so naiv sein, dass, also Technologie,

Kai Koddenbrock: die bei uns entwickelt wird, wird auch auf irgendeine Weise bei uns genutzt werden.

Kai Koddenbrock: Das ist ganz banal, denke ich, eine massive Vergrößerung der Waffenindustrie,

Kai Koddenbrock: erhöht die Möglichkeit, diese Technologien zu benutzen, auch gegen die eigene

Kai Koddenbrock: Bevölkerung und das muss uns einfach bewusst sein.

Kai Koddenbrock: Wenn sie da ist, wird das Zeug auch genutzt.

Pauline Jäckels: Und das ist jetzt so ein bisschen die Extremvariante davon. Ich glaube,

Pauline Jäckels: diese Drohkulisse nicht nur, aber vor allem mit der AfD wird die nochmal realer,

Pauline Jäckels: dass tatsächlich irgendwie in Deutschland produzierte Waffen gegen die eigene

Pauline Jäckels: Bevölkerung eingesetzt werden könnten.

Pauline Jäckels: Natürlich haben wir jetzt schon einen sehr repressiven Staat,

Pauline Jäckels: Polizeiapparat und so weiter.

Pauline Jäckels: Aber das ist ja jetzt nochmal irgendwie außen vor. Aber was ich eher meinte

Pauline Jäckels: ist, was hat das denn mit,

Pauline Jäckels: also diese ganze Aufrüsten für Machtbestrebungen, was hat das denn zu tun mit

Pauline Jäckels: der Sozialpolitik, die wir jetzt sehen, den sogenannten Reformen,

Pauline Jäckels: was hat das damit zu tun?

Kai Koddenbrock: Achso, ja. Das ist ja wirklich faszinierend, dieses Wort Reformen,

Kai Koddenbrock: wie das so mantraartig die ganze Zeit durch die Medien geistert.

Kai Koddenbrock: Und die wissen überhaupt, ich meine, es geht natürlich nur darum,

Kai Koddenbrock: irgendwie die Arbeitskraft auf irgendeine Weise wieder billiger zu machen,

Kai Koddenbrock: die Leute weiter auszubeuten, den Arbeitstag zu verlängern.

Kai Koddenbrock: Klar, also diese massive Verschuldung, die wir jetzt dann doch durchführen,

Kai Koddenbrock: für die wir auch Zinsen bezahlen müssen, weil wir sie ja auch,

Kai Koddenbrock: wir verschulden uns ja bei privaten Banken.

Pauline Jäckels: Für die Rüstungsausgaben?

Kai Koddenbrock: Für die Rüstungsausgaben. Wir haben uns nicht verschuldet, als es negative Zinssätze

Kai Koddenbrock: gab. Also das sollte allen Menschen klar sein.

Kai Koddenbrock: Wir hatten teilweise nach der Finanzkrise, weil Deutschland eben als so sicher

Kai Koddenbrock: erschien, haben uns im Finanzkapitalismus von sicheren Hafen abhängige Investoren angeboten,

Kai Koddenbrock: Geld zu zahlen, dass sie unsere Staatsanleihen kaufen.

Kai Koddenbrock: Also negative Zinsen. Also wir hätten Geld dafür bekommen, uns zu verschulden.

Kai Koddenbrock: Da haben wir uns gar nicht verschuldet, schwarze Nullgefahr unter Schäuble und so weiter.

Kai Koddenbrock: Jetzt verschulden wir uns, wo die Zinsen überall angezogen werden.

Kai Koddenbrock: Das wird natürlich massivste soziale Konsequenzen haben, aber das wird auch

Kai Koddenbrock: Widersprüche nach sich ziehen.

Kai Koddenbrock: Ich meine, der Aufstieg der AfD ist ja relativ unaufhaltsam im Moment und hängt

Kai Koddenbrock: zwar nicht ausschließlich an der ökonomischen Situation und der Cost-of-Living-Crisis,

Kai Koddenbrock: also dass die Leute irgendwie,

Kai Koddenbrock: das Gefühl haben, bei ihnen kommt nichts mehr an, aber es ist definitiv auch ein Faktor,

Kai Koddenbrock: und das wird sich massiv verschärfen.

Pauline Jäckels: Diese Diskussion werden wir jetzt hier nicht hören.

Kai Koddenbrock: Ja, die ist natürlich sehr ausgefeilt und facettenreich.

Pauline Jäckels: Ja, das machen wir jetzt nicht.

Kai Koddenbrock: Ich wusste, der Schuldendienst wird sehr teuer werden und das wird massive Einschnitte

Kai Koddenbrock: im Sozialen und bei Bildung und so weiter nach sich ziehen, was glaube ich nicht

Kai Koddenbrock: in unserem Interesse ist.

Pauline Jäckels: Du hast jetzt schon ein paar Mal angesetzt, um

Pauline Jäckels: von einer Gegenvision zu all dem zu sprechen. Jetzt wäre der Moment,

Pauline Jäckels: was ist die Gegenvision? Was wäre denn eine...

Pauline Jäckels: Nicht nur die linke Position zum Thema Militarisierung und ob das jetzt gut

Pauline Jäckels: ist oder schlecht ist, sondern wirklich eine Gegenvision zu diesem ganzen großen

Pauline Jäckels: Gebäude, von dem wir gerade gesprochen haben.

Pauline Jäckels: Also Aufrüstung und Wirtschaftswachstum für die Stärkung der deutschen Macht

Pauline Jäckels: und der europäischen Macht im Konkurrenzverhältnis zu China,

Pauline Jäckels: USA und so weiter. Das ist eine sehr anspruchsvolle Frage.

Kai Koddenbrock: Super anspruchsvolle Frage, die aber glaube ich, wo wir jede Gelegenheit nutzen

Kai Koddenbrock: sollten, um uns da gemeinsam Gedanken drüber zu machen.

Kai Koddenbrock: Also erstmal muss aus meiner Sicht so eine politische Vision unbedingt internationalistisch

Kai Koddenbrock: sein, also in dem Sinne, dass sie die globale Dimension globaler kapitalistischer

Kai Koddenbrock: Ausbeutungsverhältnisse immer massiv mitbedenkt.

Kai Koddenbrock: Und das ist natürlich sehr, sehr anspruchsvoll. Und gleichzeitig müssen wir

Kai Koddenbrock: uns darüber Gedanken machen, wie wir,

Kai Koddenbrock: unser Wirtschaften im regionalen, lokalen Rahmen so organisieren, dass wir,

Kai Koddenbrock: uns nicht auf Profit, Konkurrenz und Wettbewerb trimmen, sondern möglicherweise

Kai Koddenbrock: mal ganz banal auf eine Idee von ausreichend wettbewerbsfähig, ausreichend.

Kai Koddenbrock: In der Lage, neue Ideen zu entwickeln. Und da ist natürlich aus meiner Sicht

Kai Koddenbrock: ein viel größerer Anteil von,

Kai Koddenbrock: vergesellschafteten und oder verstaatlichten Unternehmen in den Bereichen,

Kai Koddenbrock: wo es die Leute gerade massiv betrifft, dass sie eben nicht mehr vergesellschaftet sind.

Kai Koddenbrock: Also Wohnen, Landwirtschaft, Bildung.

Kai Koddenbrock: Die Grundbedürfnisse müssen zunächst mal irgendwie so sichergestellt sein.

Kai Koddenbrock: Und da sind wir total weit von entfernt. Also die SPD fährt ja eigentlich seit

Kai Koddenbrock: 30 Jahren eine neoliberale Austeritätspolitik und merkt gar nicht dabei,

Kai Koddenbrock: dass sie sich damit ihr eigenes Grab schaufelt.

Kai Koddenbrock: Und jetzt, in diesem Moment, reden sie immer noch über diese Reform,

Kai Koddenbrock: die Merz verfolgen will.

Kai Koddenbrock: Ja, also wir müssen sozusagen eine neue...

Kai Koddenbrock: Sozialistische Wirtschaftsweise, die

Kai Koddenbrock: gleichzeitig nicht irgendwie technologiefeindlich ist oder so entwickeln.

Kai Koddenbrock: Aber ich habe auch überhaupt, also wie du auch merkst, überhaupt kein Rezept

Kai Koddenbrock: dafür, wie wir das machen sollen.

Kai Koddenbrock: Wir haben jetzt gerade so ein Projekt gemacht, das heißt Words of Liberation,

Kai Koddenbrock: Economic Elements of Democratic Socialism, wo wir so weltweit erfolgreiche linke

Kai Koddenbrock: Wirtschaftspolitiken zusammengetragen haben.

Kai Koddenbrock: Also einerseits irgendwie Landwirtschaftspolitik in Indien, Da gab es interessante

Kai Koddenbrock: Versuche, aber auch, das ist ja auch relativ bekannt, kubanisches Gesundheitssystem und so weiter.

Kai Koddenbrock: Also wie hat Kuba das zum Beispiel hinbekommen unter Sanktionen,

Kai Koddenbrock: so ein Gesundheitssystem aufzubauen? Wie funktioniert das und wie könnte man

Kai Koddenbrock: das zum Beispiel für den deutschen Kontext übertragen?

Kai Koddenbrock: Also weil diese Idee der Ahnungslosigkeit so tief verankert ist,

Kai Koddenbrock: finde ich, dass wir alle nicht wissen, wo wollen wir eigentlich hin.

Kai Koddenbrock: Also diese klare, ökonomische, praktische Vorstellungswelt fehlt total,

Kai Koddenbrock: dass wir vielleicht auch einfach global zusammentragen müssen,

Kai Koddenbrock: was wurde da schon erfolgreich gemacht.

Kai Koddenbrock: Und eine chinesische Kollegin hat was über die Transformation in irgendwie umweltfreundliche

Kai Koddenbrock: Technologien in China beigetragen.

Kai Koddenbrock: So, also wir müssen irgendwie gucken. Weil was wir in Deutschland machen,

Kai Koddenbrock: ist ja vor allen Dingen einfach so weitermachen wie gehabt und jetzt aufs Militär setzen.

Kai Koddenbrock: Und eine kreative wirtschaftspolitische Debatte, da sollten wir sehr,

Kai Koddenbrock: sehr viel Energie reinstecken. Und da sind wir nur am Anfang.

Pauline Jäckels: Und ich glaube, da sind sich dann doch einige Linke einig.

Pauline Jäckels: Es braucht, oder vielleicht ein großer Teil der Linken, wie auch immer man das

Pauline Jäckels: Wort Linke jetzt fasst, aber man braucht irgendeine Form von postkapitalistischer Vision

Pauline Jäckels: für eine Gesellschaft, die eben nicht basiert in erster Linie auf Profitmaximierung

Pauline Jäckels: und Konkurrenz um diese Profitmaximierung.

Pauline Jäckels: Und ich glaube dann, diese Frage, was ist denn diese Vision,

Pauline Jäckels: ist auch nochmal eine Diskussion

Pauline Jäckels: für eine andere Podcast-Folge, vielleicht sogar für einen anderen Podcast.

Pauline Jäckels: Wir sind ja hier der außenpolitische Podcast, nicht der sozialistische Utopie-Podcast.

Pauline Jäckels: Auch wenn wir natürlich diese Aspekte immer wieder andiskutieren,

Pauline Jäckels: was ist denn wirklich ein anderes

Pauline Jäckels: Gesellschaftsmodell, das diese Aufrüstungsspirale etwas entgegensetzt.

Pauline Jäckels: Nicht nur der Aufrüstungsspirale, auch allen anderen Dingen,

Pauline Jäckels: die der Kapitalismus so mit sich bringt.

Pauline Jäckels: Vielen, vielen Dank, dass du deine Thesen und deine Expertise mit mir geteilt

Pauline Jäckels: hast und so ein bisschen erklärt hast, was eigentlich eine materialistische

Pauline Jäckels: Perspektive auf dieses ganze Aufrüstungsthema ist.

Kai Koddenbrock: Vielen, vielen Dank dir für die super Fragen.

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