Ist China die neue Weltmacht, Merle Groneweg?
Shownotes
Wir können uns die Welt nicht mehr ohne China vorstellen. Das „Reich der Mitte“ ist die größte Exportnation und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Es ist auch für knapp 30 Prozent des globalen CO₂-Ausstoßes verantwortlich und hat nach den USA den zweitgrößten Militäretat der Welt. Die großen Herausforderungen der Menschheit – die Abwendung der Klimakatastrophe, der Kampf gegen Armut oder Abrüstung – können nur gemeinsam mit China gelöst werden.
Doch wie sieht China die globalen Umbrüche? Welche Rolle beansprucht China in der Welt? Und welche inneren Widersprüche prägen Politik und Gesellschaft?
In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Merle Groneweg über Chinas Außenpolitik. Merle ist Mitarbeiterin am Seminar für Ostasienstudien der HU Berlin. Sie hat Chinesisch, globale politische Ökonomie sowie chinesische Wirtschafts- und Außenpolitik in Berlin, Kassel und London studiert und dabei ein Auslandssemester in Peking absolviert.
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Shownotes:
Merle Groneweg (2026): USA vs. China: Machtkampf mit Mikrochips und Seltenen Erden, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Februar.
The Chicago Council on Global Affairs (2025): Chinese Public Values Global Leadership More than Americans Do, Public Opinion Survey.
Ralf Ruckus/Daniel Reineke/Jule Pfeffer/Kevin Lin (Hrsg.) (2023): China von unten. Kritische Analyse & Soziale Kämpfe, gongchao.org, Berlin.
Rosa-Luxemburg-Stiftung (2025): Was ist eigentlich eine multipolare Welt? – Damit sich die globalen Machtverhältnisse ändern, braucht es mehr als neue Machtzentren.
Intro-Musik:
Charles Bradley – The World (is going up in Flames)
Transkript anzeigen
Felix Jaitner: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Felix Jaitner: China ist die größte Exportnation und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Felix Jaitner: Es ist auch verantwortlich für knapp 30 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes.
Felix Jaitner: Und China hat nach den USA die zweitgrößten Militäretat.
Felix Jaitner: Wenn also in Politik und Medien von der multipolaren Welt die Rede ist,
Felix Jaitner: dann steht dahinter vor allem eins. der Aufstieg Chinas.
Felix Jaitner: Heutzutage können wir die Welt nicht mehr ohne China denken.
Felix Jaitner: Die großen Herausforderungen der Menschheit, die Abwendung der Klimakatastrophe,
Felix Jaitner: der Kampf gegen Armut oder Abrüstung, sie alle können nur gemeinsam mit China gelöst werden.
Felix Jaitner: Diese Erkenntnis ist auch langsam in der deutschen Politik angekommen.
Felix Jaitner: Bei seinem Staatsbesuch im Februar 2026 sagte Bundeskanzler Friedrich Merz,
Felix Jaitner: China ist in die Riege der Großmächte aufgestiegen.
Felix Jaitner: Dem muss unsere China-Politik Rechnung tragen.
Felix Jaitner: Doch in der öffentlichen Berichterstattung, in der politischen Diskussion oder
Felix Jaitner: auch in der Wissenschaft bleibt China bis heute oft nur ein Randphänomen.
Felix Jaitner: Und gemeinsam mit der EU verschärft Deutschland sogar seit Jahren den Ton gegenüber dem Land.
Felix Jaitner: In der aktuellen China-Strategie bezeichnet die Bundesregierung das Land als
Felix Jaitner: Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale.
Felix Jaitner: Besteht damit die Gefahr, dass Deutschland in den Konflikt zwischen China und
Felix Jaitner: den USA hineingezogen wird?
Felix Jaitner: Oder könnten die engen Beziehungen zu beiden Ländern vielleicht dabei helfen,
Felix Jaitner: zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln?
Felix Jaitner: Hallo, ich bin Felix Jaidner und in der heutigen Folge des Podcasts Weltunordnung
Felix Jaitner: spreche ich mit Merle Gronewig.
Felix Jaitner: Merle ist Mitarbeiterin am Seminar für Ostasien-Studien der HU Berlin.
Felix Jaitner: Sie hat Chinesisch, globale politische Ökonomie und chinesische Wirtschaft und
Felix Jaitner: Außenpolitik studiert.
Felix Jaitner: Gemeinsam mit Merle führe ich die Diskussion über China fort,
Felix Jaitner: die wir in der zehnten Folge unseres Podcasts bis die US-Hegemonie am Ende mit
Felix Jaitner: Stefan Schmalz begonnen haben.
Felix Jaitner: Wir sprechen über den Blick Chinas auf die globalen Umbrüche und die Rolle,
Felix Jaitner: die es in der Weltpolitik anstrebt.
Felix Jaitner: Wir sprechen auch über die chinesische Gesellschaft, ihre Widersprüche und Konflikte.
Felix Jaitner: Und natürlich sprechen wir darüber, was all das für linke Kräfte in Deutschland zu bedeuten hat.
Felix Jaitner: Musik Musik Musik
Felix Jaitner: Musik Hallo Merle, willkommen im Podcast Weltunordnung.
Merle Groneweg: Hallo Felix, vielen Dank für die Einladung.
Felix Jaitner: Merle, wenn wir den Podcast vor fünf Jahren aufgenommen hätten,
Felix Jaitner: dann wäre es uns wahrscheinlich nicht in den Sinn gekommen, eine Folge speziell
Felix Jaitner: zur chinesischen Außenpolitik zu machen.
Felix Jaitner: Und ich würde sagen, heutzutage kommen wir aber an dem Thema gar nicht mehr vorbei.
Felix Jaitner: Und das zeigt sich, finde ich, sehr deutlich an aktuellen Kriegen wie in Iran
Felix Jaitner: oder auch in der Ukraine, wo wir die chinesische Rolle immer wieder mitbedenken müssen.
Felix Jaitner: Und wir sehen in diesem Kontext ja auch eine immer aktivere chinesische Diplomatie.
Felix Jaitner: Und ich würde das nochmal gerne vertiefen mit dem Schwerpunkt Nahe Osten,
Felix Jaitner: weil ich finde, hier sehen wir, wie der chinesische Einfluss sukzessive in den
Felix Jaitner: vergangenen Jahren immer deutlicher geworden ist.
Felix Jaitner: Das beginnt spätestens 2023, als China die Wiederannäherung zwischen Saudi-Arabien
Felix Jaitner: und Iran vermittelt hat.
Felix Jaitner: 2024 gab es dann ja die Beijing Declaration.
Felix Jaitner: Es war ein Vermittlungsversuch zwischen palästinensischen Fraktionen,
Felix Jaitner: unter anderem auch der Fatah und der Hamas
Felix Jaitner: und seit Beginn der US-amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran wird
Felix Jaitner: Chinas Rolle ja nochmal deutlicher, indem es einerseits Friedensgespräche unterstützt
Felix Jaitner: und gleichzeitig aber auch Irans Gegenwehr unterstützt.
Felix Jaitner: Also zum Beispiel mit der Lieferung von Dual-Use-Technologie,
Felix Jaitner: der Bereitstellung von Satellitendaten an die iranische Armee,
Felix Jaitner: aber eben auch dem Import von iranischem Öl und damit den US-Sanktionen ja auch etwas entgegensetzt.
Felix Jaitner: Meine Frage an dich, Merle, erleben wir gerade den Beginn einer neuen Rolle
Felix Jaitner: Chinas in der Weltpolitik oder ist es vielleicht eher eine kontinuierliche Entwicklung,
Felix Jaitner: die in gewisser Weise auch vielleicht eine logische Entwicklung darstellt?
Merle Groneweg: Ja, vielen Dank für die Frage. Ich finde das interessant, dass du das so sagst.
Merle Groneweg: Vor fünf Jahren hätten wir vielleicht keine China-spezifische Folge gemacht,
Merle Groneweg: zur Rolle Chinas in der Außenpolitik.
Merle Groneweg: Ich muss natürlich sagen, als Person, die sich seit längerem mit China beschäftigt,
Merle Groneweg: ich glaube, man hätte da auch vor fünf Jahren sehr viel darüber sagen können.
Merle Groneweg: Es gab natürlich schon lange die Seidenstraßeninitiative als ein großes Projekt.
Merle Groneweg: Auch wenn das ein außenwirtschaftspolitisches Projekt ist, hat das natürlich
Merle Groneweg: auch viele andere Implikationen.
Merle Groneweg: Genau, meine ich natürlich null als Kritik, sondern es spiegelt natürlich wieder
Merle Groneweg: diese Wahrnehmung, die du beschreibst.
Merle Groneweg: Schiener spielt eine aktivere Rolle, würde ich absolut unterstreichen.
Merle Groneweg: Und ich würde es aber eher so einordnen, wie du jetzt zuletzt geändert bist,
Merle Groneweg: nämlich als Kontinuität. Und natürlich als Kontinuität, in der Veränderung stattfindet,
Merle Groneweg: aber die erlebe ich als graduell sozusagen, also Stück für Stück.
Merle Groneweg: Und nicht jetzt als einen starken Bruch. Ich glaube, Barack Obama war das vor
Merle Groneweg: allen Dingen oder so, die Schiener lange als so Freerider beschrieben haben.
Merle Groneweg: Ja, also sie profitieren irgendwie von vielen Wirtschaftsbeziehungen in vielen
Merle Groneweg: Regionen der Welt. Aber wer kümmert sich um die Sicherheit? Jetzt mal in so
Merle Groneweg: einem militaristischen Sinn gesprochen. Diese Kritik gab es auch.
Merle Groneweg: Und das ist, glaube ich, ein Puzzleteil in der Frage, warum China da sozusagen
Merle Groneweg: jetzt eine größere Rolle spielt, weil es eben auch von China erwartet wird,
Merle Groneweg: vor allen Dingen in Bezug auf die wirtschaftliche Relevanz des Landes.
Merle Groneweg: Ich glaube, in Bezug auf Iran konkret lässt sich natürlich auch da sagen.
Merle Groneweg: Das ist jetzt ja nicht so, dass die chinesische Regierung geschrien hat,
Merle Groneweg: juhu, der Iran wurde angegriffen, darauf haben wir gewartet und jetzt können
Merle Groneweg: wir endlich mal zeigen, dass wir da irgendwie auch eine Rolle spielen wollen,
Merle Groneweg: sondern eher so, dass China und Iran seit langem gute Beziehungen pflegen,
Merle Groneweg: und diese guten Beziehungen aber interessensgeleitet sind auf beider Seiten eben.
Merle Groneweg: Also vor allen Dingen würde ich sagen, sind sie stark gespeist,
Merle Groneweg: so wie auch die Russland-China-Beziehungen aus so einer Anerkennung der negativen
Merle Groneweg: Rolle, die die USA spielt für beide Staaten. Natürlich USA und Russland viel
Merle Groneweg: verfeindeter, USA und Iran sowieso.
Merle Groneweg: Aber wir wissen auch, dass das Verhältnis zwischen China und den USA nicht das
Merle Groneweg: leichteste ist, sondern sehr belastet und dass dann für beide da eben es eine
Merle Groneweg: Möglichkeit gibt, Kooperation zu machen.
Merle Groneweg: Man muss dazu sagen, für den Iran ist China deutlich wichtiger als andersherum.
Merle Groneweg: Also 90 Prozent des iranischen Öls gehen eben nach China seit langem und die
Merle Groneweg: chinesischen Raffinerien, vor allem in der Provinz Shandong,
Merle Groneweg: umgehen da eben die US-Sanktionen.
Merle Groneweg: Aber umgekehrt hat jetzt sozusagen das, was da an Öl aus dem Iran nach China
Merle Groneweg: kommt, für die Energiesicherheit Chinas eine vergleichsweise geringere Rolle.
Merle Groneweg: Long story short, was möchte ich damit sagen? Also es ist, genau,
Merle Groneweg: es ist keine große Veränderung.
Merle Groneweg: Es ist aber so, dass dieses Bild von China hält sich so ein bisschen zurück
Merle Groneweg: und mischt da nicht mit, sich eben verändert hat in den letzten Jahren.
Merle Groneweg: Aber, und du hast ja auch ein paar Sachen genannt, das ist der chinesischen
Merle Groneweg: Regierung total wichtig, vor allen Dingen als Vermittler dargestellt zu werden
Merle Groneweg: und als jemand, die eben die Parteien an den Tisch zwingen und sagen,
Merle Groneweg: ihr soll miteinander reden, ihr soll miteinander reden, ihr soll miteinander
Merle Groneweg: verhandeln und dann gibt es,
Merle Groneweg: in geringem Maße Unterstützung militärischer Art, wirtschaftlicher Art,
Merle Groneweg: technologischer Art und da zieht man sich natürlich so ein bisschen zurück auf,
Merle Groneweg: ja, macht es sich vielleicht ein bisschen leicht mit eben Dual-Use-Gütern oder
Merle Groneweg: eben dem Liefern von Satellitendaten, wo ja klar ist, okay, letztendlich ist
Merle Groneweg: das eine Unterstützung auch für militärische Aktionen, aber es bleibt unter
Merle Groneweg: dem Level von Waffenlieferung.
Felix Jaitner: Interessant, wie du diese Entwicklung beschreibst, vom Freerider zum Vermittler,
Felix Jaitner: also sozusagen von dem Land, das lange profitiert hat von der neoliberalen Globalisierungsordnung
Felix Jaitner: und zunehmend eben eine eigene
Felix Jaitner: eigenständige und aktive außenpolitische Rolle wahrnimmt.
Felix Jaitner: Und mich würde jetzt nochmal interessieren, wie hängt denn diese spezifische
Felix Jaitner: Veränderung in der chinesischen Außenpolitik mit der inneren Entwicklung Chinas zusammen?
Felix Jaitner: Wir haben ja in der Corona-Pandemie immer wieder auch gehört,
Felix Jaitner: gelesen von massiven Protesten gegen die restriktive Politik des chinesischen
Felix Jaitner: Staates. Und auch davor gab es ja dann anhaltende Proteste in Hongkong.
Felix Jaitner: Und abgesehen davon gibt es
Felix Jaitner: ja auch landesweit immer wieder Proteste für bessere Arbeitsbedingungen.
Felix Jaitner: Also in der chinesischen Gesellschaft gibt es offensichtlich sich verschärfende
Felix Jaitner: Widersprüche und ich frage mich, inwiefern diese aktivere chinesische Außenpolitik
Felix Jaitner: auch eine Antwort auf die sich verschärfenden Krisen in China selber sind. Was würdest du da sagen?
Merle Groneweg: Bin da ehrlich gesagt etwas vorsichtiger oder zurückhaltender in der Einordnung.
Merle Groneweg: Das hast du jetzt nicht so gesagt, aber wenn man dieses Argument zu Ende führt,
Merle Groneweg: dann gibt es ja manchmal so ein bisschen diese Behauptung, okay, da,
Merle Groneweg: fängt jetzt jemand einen Krieg an und von der innenpolitischen Krise sozusagen
Merle Groneweg: abzulenken und will dann alle Kräfte bünden, alle nationalen Interessen und
Merle Groneweg: sagen, okay, hey, aber wir sind gerade im Krieg und jetzt können wir X und Y
Merle Groneweg: und Z gar nicht mehr machen.
Merle Groneweg: Und das lenkt die Bevölkerung vermeintlich eben von anderen Fragen ab.
Merle Groneweg: Also ich glaube, dass das nicht so zutrifft.
Merle Groneweg: Es gibt ja das berühmte Ziel der Rejuvenation, des großen Wiederaufstiegs oder
Merle Groneweg: Wiederbelebung der chinesischen Nationen bis 2049. Das ist genau 100 Jahre nach
Merle Groneweg: Gründung der Volksrepublik.
Merle Groneweg: Und das sagt eben ganz explizit, okay, China soll eine bestimmte wirtschaftliche
Merle Groneweg: Rolle spielen, ein bestimmtes Level auch in wirtschaftlicher Entwicklung im
Merle Groneweg: Land erreicht haben und soll aber auch wieder zurückkehren sozusagen an,
Merle Groneweg: den internationalen Platz, der eben der Größe und der Stärke dieses Landes angemessen ist.
Merle Groneweg: Und ich würde sagen, das hängt insofern vielleicht mit Innenpolitik zusammen,
Merle Groneweg: als dass es sich speist aus dem Wirtschaftswachstum und eben so einem Gefühl
Merle Groneweg: von, hey, wir sind ein Land auch mit 1,4.
Merle Groneweg: Milliarden Menschen und wir waren auch früher eben das Reich der Mitte und eben
Merle Groneweg: großes Imperium und so weiter.
Merle Groneweg: Und warum sollen wir nicht diesen Platz wieder anstreben? Und das ist natürlich
Merle Groneweg: verbunden mit nicht nur Krise, sondern einem Tädel für Nationalismus sozusagen.
Merle Groneweg: Was aber manchmal untergeht, oder ich erzähl's jetzt einfach nur,
Merle Groneweg: weil's vielleicht auch nochmal so ein nuancierteres Bild irgendwie vermittelt.
Merle Groneweg: Dass auch die chinesische Partei, die kommunistische Partei,
Merle Groneweg: manchmal getrieben ist von einem bestimmten Nationalismus in einigen Teilen von ihrer Bevölkerung.
Merle Groneweg: Ein bekanntes Beispiel, Nancy Pelosi, ja damals Sprecherin des US-Repräsentantin-Haus,
Merle Groneweg: ist nach Taiwan geflogen, was aus chinesischer Regierungssicht sozusagen das
Merle Groneweg: Ein-China-Prinzip massiv untergräbt und da irgendwie viel zu viel Bedeutung an Taiwan gibt.
Merle Groneweg: Und dann ist es halt so, dass, sagen wir mal, chinesischen, in den sozialen
Merle Groneweg: Medien auch durchaus Leute, die chinesische Regierung quasi dazu auffordern,
Merle Groneweg: dass man jetzt so ein Flugzeug auch mal abschießen sollte und so weiter.
Merle Groneweg: Und was ich damit sagen will, ist, es gibt auch eine sehr starke oder es gibt
Merle Groneweg: zumindest Elemente in der chinesischen Bevölkerung, die einen deutlich stärkeren
Merle Groneweg: Kurs einfordern, sowohl in Richtung Taiwan als auch insgesamt außenpolitisch,
Merle Groneweg: dem die chinesische Regierung selber gar nicht unbedingt nachkommen möchte,
Merle Groneweg: aber sie muss sozusagen auch auf diese Teile der Bevölkerung und auf diese Segmente
Merle Groneweg: irgendwie reagieren und sie so ein bisschen sozusagen beruhigen oder befriedigen
Merle Groneweg: oder wie auch immer man das nennen will.
Merle Groneweg: Entgegen dem, was ich vorher gesagt habe, stimmt es da an dieser Stelle,
Merle Groneweg: dass sie vor allen Dingen nach der Niederstärkung der Proteste in Tiananmen
Merle Groneweg: 1989 und so selber so ein bisschen neben Wirtschaftswachstum auch diesen Nationalismus
Merle Groneweg: zu einem gewissen Grad gefördert haben, um eben abzulenken von bestimmten Sachen.
Felix Jaitner: Das ist jetzt wirklich, glaube ich, nochmal ein wichtiger Beitrag zum nuancierteren
Felix Jaitner: Verständnis von China, weil du ja eben nicht von diesem monolithischen Parteienstaat
Felix Jaitner: sprichst, sondern die Partei ja wirklich eher auch als ihr
Felix Jaitner: Aushandlungsplattform darstellt, wenn ich dich richtig verstehe.
Felix Jaitner: Also eben auch einerseits, klar, ist die Partei Treiber von einem gewissen Nationalismus,
Felix Jaitner: schaut aber gleichzeitig auch, dass der nicht überschäumt.
Felix Jaitner: Im Hinblick auf Taiwan würde ich ja gerne nochmal mit dir später darüber sprechen,
Felix Jaitner: Ich würde jetzt noch mal gerne zu dieser Frage von Nationalismus und Rolle Chinas
Felix Jaitner: in der Bevölkerung sprechen wollen.
Felix Jaitner: Ich habe eine Umfrage gefunden des Chicago Council on Global Affairs und des
Felix Jaitner: Carter-Zentrums von November 2025.
Felix Jaitner: Und die zeigt, dass 90 Prozent der chinesischen Befragten dafür sind,
Felix Jaitner: dass China eine aktivere Rolle in internationalen Angelegenheiten spielen sollte.
Felix Jaitner: Jetzt hast du da ja schon ein bisschen drüber gesprochen, aber wie werden denn
Felix Jaitner: in der chinesischen Gesellschaft die globalen Umbrüche diskutiert und welche
Felix Jaitner: Rolle beansprucht China in diesen Umbrüchen?
Merle Groneweg: Ich finde diese Frage, welche Rolle oder sozusagen wie bestimmte Sachen diskutiert
Merle Groneweg: werden, ist natürlich immer groß, weil wie du schon gesagt hast,
Merle Groneweg: es gibt wahnsinnig viele Akteure, es gibt wahnsinnig viele Interessen.
Merle Groneweg: Das ist ein Land mit eben, wie schon gesagt, 1,4 Milliarden Menschen Und gleichzeitig,
Merle Groneweg: das darf man ja dann sozusagen trotzdem nicht vergessen, gibt es eben Zensur.
Merle Groneweg: Und das ist eine ganz wichtige Einschränkung, die man nicht vergessen darf,
Merle Groneweg: wenn man irgendwie versucht, sich so ein Bild von der öffentlichen Meinung zu
Merle Groneweg: machen oder auch bei solchen Umfragen eben, ja, weil es sehr schwierig ist sozusagen
Merle Groneweg: zu verstehen teilweise, was, wie, wer denkt, was, wie diskutiert wird.
Merle Groneweg: Und das gilt eben sowohl für online als auch, was in den Unis beispielsweise
Merle Groneweg: besprochen wird oder so.
Merle Groneweg: Also wenn wir sagen, aktive Außenpolitik oder eine größere Rolle daran spielen,
Merle Groneweg: ich würde da sagen, ja, auf der Rolle der Vereinten Nationen beispielsweise total.
Merle Groneweg: Und das passiert ja auch. Also es gibt, kann ich auch nachher sonst nochmal
Merle Groneweg: was zu sagen, aber diese vier Initiativen, die die chinesische Regierung beispielsweise vorgestellt hat.
Merle Groneweg: Ja, sie möchte dort bestimmte Normen prägen und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Sie möchte mitreden bei bestimmten Fragen. Sie möchte an wichtigen institutionalen
Merle Groneweg: Institutionen, wie auch mit dem Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank
Merle Groneweg: eine wichtigere Rolle spielen
Merle Groneweg: und baut gleichzeitig alternative Institutionen dazu auf, sei es die Asian Infrastructure
Merle Groneweg: Investment Bank oder es gibt eben,
Merle Groneweg: die Shanghai Corporation Organisation, ich glaube ich vergesse, E International.
Merle Groneweg: Für ein paar außenpolitische Fragen und so weiter. Das will man alles,
Merle Groneweg: aber ich habe jetzt überhaupt nicht das Gefühl, dass die chinesische Regierung
Merle Groneweg: kurz davor ist, in irgendeinem Land auch irgendeine Art von militärische Intervention zu starten.
Merle Groneweg: Noch würde sie sich auf absehbare Zeit je in irgendeine militärische Allianz
Merle Groneweg: sozusagen hereinziehen.
Merle Groneweg: Sie hat sozusagen ja auch mit Russland oder so oder eben auch mit dem Iran jetzt
Merle Groneweg: keine Allianz, wo klar ist, sie muss da offiziell irgendjemandem beistehen oder
Merle Groneweg: sie muss da irgendwo Soldaten hinschicken oder so.
Merle Groneweg: Und da sehe ich überhaupt nicht, dass sich das ändern wird.
Merle Groneweg: Es gibt keine Tradition dazu und warum sollte man das machen aus so einem Eigenverständnis heraus?
Merle Groneweg: Also es gibt diese berühmten fünf außenpolitischen Prinzipien,
Merle Groneweg: die es schon zu Mao-Zeiten gab, die sogenannten Prinzipien der friedlichen Koexistenz.
Merle Groneweg: Und da zählt ja eben auch zu gegenseitiger Achtung der Souveränität und territorialen,
Merle Groneweg: Integrität und aber auch die Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des jeweils anderen.
Merle Groneweg: Und das kann man natürlich nicht so komplett 100 Prozent behaupten,
Merle Groneweg: dass sie das bei allem so machen, weil was ist letztendlich Einmischung in innere Angelegenheiten?
Merle Groneweg: Gehört da schon irgendwie so ein Cyberangriff und so weiter und so fort dazu?
Merle Groneweg: Oder wenn man versucht, bestimmte Akteure irgendwo zu beeinflussen etc.
Merle Groneweg: Pp. Also das wird natürlich total verwässert.
Merle Groneweg: Aber auf so einer Ebene von klarer militärischer Intervention würde ich sagen, no way.
Felix Jaitner: Weil ich glaube einfach, dass hierzulande immer wieder ja auch darauf verwiesen
Felix Jaitner: wird, dass ein chinesischer Angriff auf Taiwan möglich ist, auch begründet durch
Felix Jaitner: die chinesischen Ansprüche auf Taiwan.
Felix Jaitner: Und man muss ja auch sagen, China rüstet tatsächlich ja auch auf.
Felix Jaitner: Und in der Linken gibt es dann, finde ich, so ein bisschen die Gegenposition.
Felix Jaitner: Da neigt man vielleicht eher dazu, diese Gefahr als überzogen darzustellen.
Felix Jaitner: Welcher Perspektive würdest du denn zuneigen? Gibt es eine reale Gefahr,
Felix Jaitner: dass es zu einem Angriff auf Taiwan kommt und damit eine gesamte Eskalation in Südostasien?
Merle Groneweg: Die Taiwan-Frage. Eine komplizierte, wie alles. Aber wie kam es überhaupt zu
Merle Groneweg: diesem Konflikt? Also die kommunistische Partei hat, nachdem die Japaner den
Merle Groneweg: Zweiten Weltkrieg verloren haben, ja, gab es Bürgerkrieg in China.
Merle Groneweg: Kommunisten haben gegen die sogenannten Republikaner gekämpft, die Kuomintang.
Merle Groneweg: Die Kommunisten haben gewonnen. Die Kuomintang ist übergesiedelt nach Taiwan ins Ex-Ziel.
Merle Groneweg: Nicht mit dem Plan, in Taiwan einen neuen Staat zu gründen, sondern eigentlich
Merle Groneweg: mit dem Gedanken, dass mit Unterstützung der USA die Kuomintang,
Merle Groneweg: also China, zurückerobern werden. Und deswegen hieß die Regierung auf Taiwan
Merle Groneweg: auch und heißt sie bis heute offiziell Republic of China.
Merle Groneweg: Das ist nicht die People's Republic of China, das ist die Republik China.
Merle Groneweg: Und die USA hat ja theoretisch das auch sozusagen noch über 20 Jahre mitgeführt.
Merle Groneweg: Bis 1971 hatte diese Exilregierung, die in Taiwan war, ja eigentlich den Chinasitz
Merle Groneweg: in der UN unter. Das heißt, ja, faktisch wurden es nicht als zwei verschiedene Staaten lange gedacht.
Merle Groneweg: Und das hat sich eben verändert sozusagen, weil es sind inzwischen viele Jahrzehnte
Merle Groneweg: ins Land gegangen und viele Generationen sind auf Taiwan geboren,
Merle Groneweg: die meinetwegen noch nachfolgend sind.
Merle Groneweg: Es gibt eine indigene Bevölkerung und so weiter und es gab auch Migration vom
Merle Groneweg: Festland Chinas nach Taiwan seit mehreren hundert Jahren.
Merle Groneweg: Aber es gibt ja auch eine Bevölkerung, die bezeichnet sich heutzutage primär
Merle Groneweg: als Taiwaner und nicht als Chinesin. Das ist der überwiegende Großteil sozusagen.
Merle Groneweg: Und trotzdem ist sozusagen eins der wichtigen Prinzipien, an der die chinesische
Merle Groneweg: Regierung festhält, Taiwan gehört offiziell zu China und Taiwan darf niemals
Merle Groneweg: unabhängig halt offiziell erklären und sich als Taiwan bezeichnen.
Merle Groneweg: Und das macht die taiwanische Regierung nicht, weil sie eben Angst vor einer
Merle Groneweg: Eskalation hat. Aber genau, sie wollen eben auch nicht...
Merle Groneweg: Sich mit China zusammenschließen. Aber ich will nur damit sagen,
Merle Groneweg: ich finde die Territorialentsprüche Chinas trotzdem nicht legitim sozusagen
Merle Groneweg: in Bezug auf Taiwan, auch wenn man historisch betrachtet sagen kann, ja okay, da,
Merle Groneweg: gab es mal vielleicht irgendwie was Gemeinsames, aber ultra kompliziert,
Merle Groneweg: weil Taiwan war auch von Japan kolonialisiert und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: In Bezug auf diese Angriffsdiskussion, ich glaube, dass die Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist.
Merle Groneweg: Ich hätte das vor sieben, acht, neun Jahren total anders, Nicht total anders,
Merle Groneweg: aber da hätte ich eben stärkeren Fokus darauf gelegt, zu sagen, naja,
Merle Groneweg: das wird mir hier doch ganz schön so aufgebläht manchmal medial und jetzt muss man sagen,
Merle Groneweg: ich finde das schon auch beängstigend, auch biografisch muss man dazu wissen,
Merle Groneweg: Xi Jinping ist ja noch ein Sohn von den Leuten, die damals für die kommunistische
Merle Groneweg: Partei sozusagen gegen die Kuomintang eben gekämpft haben.
Merle Groneweg: Also er ist ein roter Prinzling, nennt man das. Das ist so die Generation von
Merle Groneweg: Leuten, die eben direkt nach Mao Zedong und den Zhou Enlai und so weiter und so fort kamen.
Merle Groneweg: Das heißt, er hat das so richtig noch in seiner DNA drin sozusagen,
Merle Groneweg: dass also dieser verhasste Kuomintang da nach Taiwan gegangen ist und mit Unterstützung
Merle Groneweg: der USA, solange dort irgendwie diese Regierung aufrechterhalten konnte.
Merle Groneweg: Und jetzt ist Taiwan heutzutage auch das Gegenteil von China,
Merle Groneweg: nämlich eine liberale Demokratie und so.
Merle Groneweg: Das ist schon für China alles irgendwie insgesamt nicht so schön oder für die
Merle Groneweg: kommunistische Partei Chinas, für die Regierung.
Merle Groneweg: Das heißt, ich würde nicht sagen, dass das alles von der Hand zu weisen ist.
Merle Groneweg: Es ist aber auch so, dass die chinesische Regierung weiß, dass jetzt,
Merle Groneweg: wenn sie Taiwan angreifen würden militärisch, das extreme Konsequenzen hätte für sie.
Merle Groneweg: Also dessen sind sie sich ja bewusst in Bezug auf die USA, aber auch mit der
Merle Groneweg: EU und vielleicht auch mit einigen anderen Staaten in der Region.
Merle Groneweg: Also noch ist es ja so, dass es große US-Militärbasen gibt in Südkorea und in Japan.
Merle Groneweg: Japan und Südkorea fliegen recht gute Beziehungen nach Taiwan und so weiter.
Merle Groneweg: Das heißt, es ist nicht etwas, was man leichtfertig machen würde und auch nicht
Merle Groneweg: mit so einem Kalkül von, oh, wir sind jetzt militärisch stark genug sozusagen.
Merle Groneweg: Was ein viel realistisches Szenario ist und auch etwas, was passiert immer mehr,
Merle Groneweg: sind halt die sogenannten Grauzonen-Aktivitäten, dass die chinesische Regierung
Merle Groneweg: eben sehr viel macht, um Taiwan, man könnte sagen, so ein bisschen den Hahn abzudrehen.
Merle Groneweg: Und das passiert immer mehr. Ja, ich kann ein ganz simples Beispiel geben.
Merle Groneweg: Jetzt war Ministerkonferenz der WTO. Alle zwei Jahre findet die statt.
Merle Groneweg: Die war in Kamerun dieses Jahr.
Merle Groneweg: Und die taiwanische Delegation, die hat erstmal keine Visa bekommen.
Merle Groneweg: Und dann wurden ihnen nochmal irgendwie Visa ausgestellt, die aber alle so ein
Merle Groneweg: bisschen falsch waren. Da war mal das Geschlecht falsch eingetragen,
Merle Groneweg: dann waren die Namen falsch geschrieben und dann hatte man irgendwie doch so
Merle Groneweg: ein bisschen das Gefühl, dass es vielleicht der Einfluss Chinas war.
Merle Groneweg: Auf die Regierung Kameruns, die dazu geführt hat, dass das erste Mal,
Merle Groneweg: seitdem Taiwan der WTO beigetreten ist, die taiwanische Delegation nicht teilnehmen konnte.
Merle Groneweg: Oder dass bestimmte afrikanische Länder in Südostafrika haben Überflugsrechte
Merle Groneweg: verweigert für den taiwanischen Präsidenten.
Merle Groneweg: Der wollte Espartini besuchen, also eben das Land, was noch diplomatische Beziehungen
Merle Groneweg: aufrecht erhält, ging nicht.
Merle Groneweg: Also man sozusagen macht alles, um international die Partizipation zu erschweren,
Merle Groneweg: und gleichzeitig, was sind andere Grauzonenaktivitäten, es gibt super viele
Merle Groneweg: Cyberangriffe, Es gibt viel Einmischung in sogenannten, also taiwanische innere
Merle Groneweg: Angelegenheiten sozusagen, in den politischen Wahlkampf dort,
Merle Groneweg: ja, in alle möglichen anderen Sachen.
Merle Groneweg: Ganz viel, wie nennt man das, Fake News und so weiter, die gestreut werden,
Merle Groneweg: die man dezentriert zurückverfolgen kann aufs chinesische Festland.
Merle Groneweg: Und ich glaube, mit dieser Ausweitung von den ganzen Grauzonen-Aktivitäten,
Merle Groneweg: ja, die Frage ist, also du hast mal ganz am Anfang des Interviews gesagt,
Merle Groneweg: China spielt so eine langfristige Strategie und die wäre da eben so darauf angelegt,
Merle Groneweg: dass man die Bevölkerung so zermürbt,
Merle Groneweg: und so sehr verunmöglich sozusagen international zu partizipieren,
Merle Groneweg: dass immer mehr Leute vielleicht sagen, ja, ganz ehrlich,
Merle Groneweg: sollten wir nicht doch mit China, die sprechen doch irgendwie die gleiche Sprache
Merle Groneweg: und sind international recht stark und man könnte auch mal mit diesem Pass irgendwie
Merle Groneweg: anders durch die Welt kommen, so ungefähr.
Felix Jaitner: Was ich spannend finde, ist, dass du ja die chinesische Außenpolitik wirklich
Felix Jaitner: erstmal darstellst als eine kontinuierliche Entwicklung.
Felix Jaitner: Also es hat sozusagen korrespondierend mit dem wachsenden ökonomischen Einfluss
Felix Jaitner: eine Zunahme an diplomatischen Initiativen gegeben.
Felix Jaitner: Und gleichzeitig aber beschreibst du die chinesische Außenpolitik ja als eine,
Felix Jaitner: die sich eben stark auf Vermittlung konzentriert.
Felix Jaitner: Hier haben wir eine ganz starke Lagerbildung, die aus Europa und gerade auch
Felix Jaitner: von Deutschland heraus forciert wird.
Felix Jaitner: Also gerade auch mit dem Krieg in der Ukraine und der neuen Konfliktlage gegenüber Russland.
Felix Jaitner: Und ich finde das in dem Zusammenhang nochmal interessant, dass China ja sowohl
Felix Jaitner: zur Ukraine als auch zu Russland weiter intensive Beziehungen pflegt und auch
Felix Jaitner: wirtschaftliche Beziehungen.
Felix Jaitner: Also auch die Ukraine könnte ihre Kriegsanstrengungen ja nicht aufrechterhalten
Felix Jaitner: ohne chinesische Technologie.
Felix Jaitner: Das belastet aber nicht unbedingt das Verhältnis zu Russland.
Felix Jaitner: Also wir haben hier eine wirklich eigenständige Außenpolitik,
Felix Jaitner: die sich sehr unterscheidet von der europäischen, von der deutschen.
Felix Jaitner: Das finde ich nochmal wichtig festzuhalten.
Felix Jaitner: Ich würde jetzt gerne mit dir aber nochmal über Chinas Position,
Felix Jaitner: Chinas Rolle in der globalisierten und eben zunehmend ja auch multipolaren Weltordnung sprechen.
Felix Jaitner: Und ich finde das deshalb wichtig, weil Chinas Aufstieg ja beruht hat auf der
Felix Jaitner: Integration als internationale Werkbank.
Felix Jaitner: Also man hat ganz erfolgreich systematisch ausländische Direktinvestitionen
Felix Jaitner: angelockt und internationale, vor allem westliche Firmen haben in China produziert.
Felix Jaitner: Aber anders als viele andere Länder des globalen Südens hat China ja eine technologische
Felix Jaitner: Entwicklung unternommen.
Felix Jaitner: Und heute ist das Land ja nicht nur die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt,
Felix Jaitner: sondern auch führend bei der Produktion von E-Autos, von grüner Energie und
Felix Jaitner: IT-Produkten, also wirklich Hochtechnologie.
Felix Jaitner: Und in dem Zusammenhang möchte ich nochmal kurz erinnern, der britische Historiker
Felix Jaitner: Adam Tooze hat konstatiert, Die Bedeutung des chinesischen Aufstiegs sei gleichzusetzen
Felix Jaitner: mit der industriellen Revolution.
Felix Jaitner: Also wir sehen hier wirklich einen Epochenbruch, eine grundlegende Entwicklung
Felix Jaitner: in der Menschheitsgeschichte, die unsere kommenden Jahrhunderte prägen wird.
Felix Jaitner: Ich frage mich jetzt aber, besteht eigentlich nicht die Gefahr,
Felix Jaitner: dass sozusagen die Fragmentierung der Weltwirtschaft, wie wir sie gerade erleben,
Felix Jaitner: durch Zölle, durch Kriege, dem chinesischen Entwicklungsmodell die Grundlage entzieht?
Felix Jaitner: Also kann China seine erfolgreiche Rolle in Zukunft auch so weiterspielen oder muss es sie überdenken?
Merle Groneweg: Ja, muss sie überdenken, aber ich würde sagen, tut sie bereits seit vielen Jahren.
Merle Groneweg: Weil sozusagen diese Analyse, dass man die Werkbank der Welt war und dann das
Merle Groneweg: verändern möchte, das ist ja geschehen.
Merle Groneweg: Und das ist sozusagen Anlass gewesen, schon 2015 bekanntermaßen,
Merle Groneweg: für diese große Strategie Made in China 2025, die eben gesagt hat,
Merle Groneweg: wir wollen der Spitzenreiter werden bei verschiedenen Technologien.
Merle Groneweg: Und dann zehn Jahre später kann man sagen, ist gelungen.
Merle Groneweg: Und wie bereitet sie sich darauf vor? Sie stärkt die eigene Unabhängigkeit letztendlich.
Merle Groneweg: Das ist ja der Begriff, der immer wieder diskutiert wird, inzwischen auch hier,
Merle Groneweg: Autonomie, strategische Autonomie.
Merle Groneweg: Autarkie, wie auch immer man das nennen möchte, aber das ist etwas,
Merle Groneweg: wo die chinesische Regierung verstanden hat.
Merle Groneweg: Es ist nach nationaler Sicherheit die zweitwichtigste Priorität eigentlich der
Merle Groneweg: chinesischen Regierung, Energiesouveränität zu haben. Und das sehen wir setzt
Merle Groneweg: sich fort bei bestimmten Sachen, dass man verstanden hat, okay, 2022 war das im Herbst.
Merle Groneweg: Die US-Regierung unter beiden verhängt da diese Exportkontrollen für Halbleiter
Merle Groneweg: und man versteht, wir müssen jetzt richtig schnell diese Advanced-Chips auch
Merle Groneweg: in China produzieren können, auch entwickeln können. um unabhängig zu werden
Merle Groneweg: technologisch von den USA.
Merle Groneweg: Jetzt gibt es einen großen Fokus auch auf Ernährungssicherheit. Das heißt,
Merle Groneweg: es gibt diese starken Bemühungen, um zu verstehen, okay, in Zeiten,
Merle Groneweg: in denen sich irgendwie die Weltlage so verändert, möchten wir alles tun,
Merle Groneweg: um unsere eigene Unabhängigkeit wirklich in allen Bereichen maximal auszubauen.
Merle Groneweg: Und gleichzeitig ist ja sozusagen, ich will nicht sagen, das Paradoxe daran,
Merle Groneweg: sondern es ist eine wechselseitige Beziehung.
Merle Groneweg: Die Ausweitung dieser Unabhängigkeit besteht durch die ungleiche Integration
Merle Groneweg: von anderen Ländern und eben auch anderen, ja, wenn man so will,
Merle Groneweg: Unternehmen, Zulieferern etc.
Merle Groneweg: In die chinesischen globalen Produktionsnetzwerke. Und das sind eben vor allen
Merle Groneweg: Dingen Länder des globalen Südens, da spielt die Seidenstraßeninitiative eine
Merle Groneweg: große Rolle, aber auch alle möglichen anderen Sachen.
Merle Groneweg: Und das haben sie eben seit langem verstanden, dass sie sagen,
Merle Groneweg: wie können wir unsere eigene Macht und unsere Unabhängigkeit da ausweiten,
Merle Groneweg: indem wir möglichst diversifizieren und indem wir möglichst viele andere Akteure damit einbinden.
Merle Groneweg: Und das andere ist, es sind aber ja nicht nur jetzt die sogenannten Länder des
Merle Groneweg: globalen Südens, sondern wir sehen diese Bemühungen ja auch.
Merle Groneweg: Beispielsweise indem chinesische Unternehmen Fabriken hier in Europa bauen.
Merle Groneweg: Also da muss man mal überlegen, was ist denn eigentlich der Incentive dahinter?
Merle Groneweg: Wenn man aus der Logik von so einer neoliberalen Globalisierung denkt und wie
Merle Groneweg: globale Produktionsnetzwerke sich da verändert haben, dann würde man sagen,
Merle Groneweg: man geht an den Ort, wo man am günstigsten produzieren kann.
Merle Groneweg: Niedrige Arbeitsstandards, niedrige Sozialstandards, niedrige Umweltstandards.
Merle Groneweg: Und ja, so ein paar andere Faktoren müssen da auch passen. Es muss irgendwie
Merle Groneweg: einigermaßen stabil sein und ein vernünftiges Investitionsklima etc.
Merle Groneweg: Aber trotzdem ist es, wenn man diese Prinzipien in den Vordergrund stellt,
Merle Groneweg: total unlogisch, dass man in Europa anfängt, Auto- und Batteriefabriken zu bauen,
Merle Groneweg: weil es ist teurer. Es ist teurer als ungefähr sozusagen auf dem gesamten Rest der Welt.
Merle Groneweg: Warum macht man das? Um sich vorzubereiten auf noch mehr Zölle oder gegebenenfalls
Merle Groneweg: sogar geschlossene Märkte.
Merle Groneweg: In Anführungszeichen. Was wäre denn, wenn die EU-Kommission nicht nur Zölle
Merle Groneweg: erhängen würde auf chinesische E-Autos, sondern es tatsächlich zu dem Punkt,
Merle Groneweg: ich sehe das jetzt nicht kommen, aber zu dem Punkt kommen würde.
Merle Groneweg: Dass bestimmte Güter aus China gar nicht mehr importiert werden dürfen.
Merle Groneweg: Wir haben das bei den Wechselrichtern mit Solarzellen beispielsweise aktuell.
Merle Groneweg: Naja, dann sagt man halt, die sind in der EU produziert. Und das ist das jetzt
Merle Groneweg: in den Theorien der internationalen politischen Ökonomie, beziehungsweise in
Merle Groneweg: dieser Logik von globalen Produktionsnetzwerken, würde man sagen,
Merle Groneweg: das ist der Market Imperative.
Merle Groneweg: Man folgt dann also da, Man produziert dort, wo der Markt ist sozusagen,
Merle Groneweg: aber darauf bereiten die sich ja total vor und deswegen produzieren oder expandieren
Merle Groneweg: die Firmen in so viele Bereiche auf der ganzen Welt, weil sie wissen,
Merle Groneweg: naja, sollte sozusagen der Zugang zu Märkten noch weiter gebrochen werden,
Merle Groneweg: dann sind wir vor Ort mit den Firmen.
Merle Groneweg: Und dann müsste man es ja erstmal schaffen, dass dann noch eine Regierung sagt,
Merle Groneweg: okay, wir schließen jetzt die Firmen, die in Chinese Ownership sind,
Merle Groneweg: Besitztum von Chinesen oder Chinesen aus.
Merle Groneweg: Also selbst wenn wir jetzt so weit gehen würden, dass es in den USA so wäre
Merle Groneweg: und dann in der EU, was ich wirklich nicht glaube, dann gibt es ja immer noch
Merle Groneweg: ein paar andere Kontinente und Länder, auf denen man Geschäfte machen kann.
Felix Jaitner: Irgendwie alles in allem, habe ich immer den Eindruck, es ist eine sehr vorausschauende
Felix Jaitner: Politik, die China betreibt. Also man denkt in langfristigen Zyklen und Kategorien.
Felix Jaitner: Ich fand aber sehr interessant, dass du ja auch von einer peripheren Integration
Felix Jaitner: des globalen Südens in chinesische Produktionsketten sprichst.
Felix Jaitner: Gleichzeitig zeigt sich, finde ich, gerade auch im Verhältnis zum globalen Süden,
Felix Jaitner: wie sehr China an der Globalisierungsordnung festhält.
Felix Jaitner: Und übrigens auch sozusagen mit so Appellen zur Rettung des Freihandels.
Felix Jaitner: Es gibt in der aktuellen Erklärung des China-Afrika-Forums aus dem Jahr 2025
Felix Jaitner: einen interessanten Satz, den ich gerne vorlesen würde.
Felix Jaitner: Da wird gesagt, das gemeinsame Ziel ist die autarke Entwicklung des globalen
Felix Jaitner: Südens, eingebettet in eine inklusive, allnutzende Globalisierung.
Felix Jaitner: Welche Politik verfolgt China gegenüber den Ländern des globalen Südens?
Felix Jaitner: Du hast bereits gesagt, es wird eine periphere Integration betrieben.
Felix Jaitner: Gleichzeitig sind das wichtige Absatzmärkte.
Felix Jaitner: Aber zumindest in der Rhetorik hat China ja auch immer wieder die Entwicklung,
Felix Jaitner: die Befreiung des globalen Südens, antiimperialistische Rhetorik gestärkt.
Felix Jaitner: Wie sieht das in der Realität aus?
Merle Groneweg: Ja, coole Frage. Ich würde mir jetzt mal selber erlauben, noch einen Tag zurückzugehen
Merle Groneweg: und in Bezug auf die Langfristigkeit etwas zu sagen,
Merle Groneweg: weil das Spannende ist, wenn man über chinesische Außenpolitik spricht und sozusagen
Merle Groneweg: die Strategien dahinter stehen, dann wird ganz häufig eine berühmte Phrase in
Merle Groneweg: den Vordergrund gestellt.
Merle Groneweg: Das ist Tao Wang Yanghui von Dong Xiaoping, also der sozusagen nach Mao Zedong,
Merle Groneweg: das Ruder übernommen hat, 76 nach Mao Zedong.
Merle Groneweg: Und dann bis Anfang der 90er sozusagen das Land geleitet hat,
Merle Groneweg: wenn man so will. Und der hat eben diese berühmte Phrase geprägt,
Merle Groneweg: die so viel übersetzt bedeutet.
Merle Groneweg: Wir verstecken unsere eigene Stärke und wir lassen so ein bisschen Zeit vergehen.
Merle Groneweg: Uns ist ein bisschen unklar, wie wir uns verhalten wollen.
Merle Groneweg: Und das war das große außenpolitische Paradigma, was irgendwann offiziell,
Merle Groneweg: ich glaube, in den 2010er Jahren über den Haufen geworfen wurde.
Merle Groneweg: Man hat gesagt, das ist jetzt nicht mehr angemessen für die Rolle,
Merle Groneweg: die sozusagen China spielt.
Merle Groneweg: Der Nachfolger eben nach Dong-Zioping, Jiang Zemin, der hat bereits 1992,
Merle Groneweg: also eigentlich mehr oder weniger zu der gleichen Zeit, wo dieses Paradigma
Merle Groneweg: prägen war, hat er das erstmal diesen Begriff der multipolaren Weltordnung geprägt.
Merle Groneweg: 1992, also im chinesischen Diskurs.
Merle Groneweg: Und hat also gesagt, okay, das sollte das Ziel sein der chinesischen Regierung.
Merle Groneweg: Wir möchten eine multipolare Weltordnung. Ja.
Merle Groneweg: Da hat man jetzt sozusagen nicht schon 1990 offiziell darauf hingearbeitet,
Merle Groneweg: aber jetzt ist das eben der offizielle Diskurs. Und du hast auch zitiert ja
Merle Groneweg: von dem China-Afrika-Forum.
Merle Groneweg: Das hat dann hier und da mal andere Ausprägungen. Dann heißt das eben eine inklusive
Merle Groneweg: einnutzende Globalisierung. Es heißt Win-Win, das sind strategische Partnerschaften.
Merle Groneweg: Auch etwas, was immer wieder vorkommt. Jetzt also vor allen Dingen eines dieser
Merle Groneweg: Slogans, die Xi Jinping sehr stark geprägt hat, oder halt die Leute, die für ihn arbeiten.
Merle Groneweg: The new type of international relations, der neue Typus von internationalen Beziehungen.
Merle Groneweg: Und dann sagt er sowas wie, der Aufstieg der Länder des globalen Südens ist
Merle Groneweg: eine unveränderliche Tatsache, die das 21. Jahrhundert prägen und sozusagen,
Merle Groneweg: die Zeit der US-Hegemonie ist vorbei.
Merle Groneweg: Das prägt den Diskurs total. Und dann hast du so ein paar andere Sachen gesagt.
Merle Groneweg: Ja, also es gibt so ein Narrativ von Antikolonialismus letztendlich.
Merle Groneweg: Also China bezieht sich auf zwei verschiedene koloniale Erfahrungen,
Merle Groneweg: die auch real sind, die man nicht absprechen kann.
Merle Groneweg: Das eine sind die Opiumkriege und dann eben die ganzen Städte,
Merle Groneweg: die da letztendlich Kolonialmächten zugewiesen wurden. Wir hatten französische
Merle Groneweg: Konzessionen in Shanghai, nicht wir, es gab die. Und es gab Qingdao,
Merle Groneweg: ja, in deutscher Hand und Hongkong natürlich bekanntermaßen.
Merle Groneweg: Gehörte den Briten lang, oder es gab diesen 99-jährigen Lease-Vertrag.
Merle Groneweg: Und dann gab es die Japaner, also das japanische Kaiserreich,
Merle Groneweg: das China überfallen hat und wirklich auch kolonialisiert oder Teile von China.
Merle Groneweg: Daraus speist man eine gemeinsame Erzählung, verbunden mit dieser Frage von
Merle Groneweg: Entwicklung und sagt, okay, wir haben eine Historie als Entwicklungsland und
Merle Groneweg: auch das kann man ja sozusagen gar nicht widerlegen.
Merle Groneweg: Wir sind auch ein Land, das es
Merle Groneweg: geschafft haben, da wirklich eine große Veränderung sozusagen zu erzielen.
Merle Groneweg: Also bekanntermaßen das Erreichen der, was waren das, Millennium Goals der Vereinten
Merle Groneweg: Nationen, dass man eine bestimmte Anzahl an Millionen Menschen,
Merle Groneweg: 100 Millionen Menschen aus der untersten Armutsgrenze heben will oder nur aufgrund
Merle Groneweg: des chinesischen wirtschaftlichen Aufstiegs erreicht.
Merle Groneweg: Jetzt mal, wenn man solche quantitativen Indikatoren überhaupt nutzen möchte.
Merle Groneweg: Das ist eine sehr wirkmächtige Erzählung und gleichzeitig ist es auch so,
Merle Groneweg: dass die chinesische Regierung anfängt, diesen Diskurs so ein bisschen zu verändern
Merle Groneweg: und auch zu sagen, naja, wir sehen schon auch, dass wir da so ein bisschen so
Merle Groneweg: ein anderer Akteur sind.
Merle Groneweg: Also weil man ist vielleicht, wie heißt das, prima inter pares,
Merle Groneweg: der erste Untergleichen oder so, so kann man das vielleicht sehen.
Merle Groneweg: Ich kann da relativ konkrete Beispiele, glaube ich, sogar geben.
Merle Groneweg: Das eine ist zum Beispiel auf einem der letzten China-Afrika-Foren,
Merle Groneweg: FOKAK, da wurde ja beschlossen, dass afrikanische Länder jetzt zollfrei nach
Merle Groneweg: China exportieren können.
Merle Groneweg: Das heißt, alle afrikanischen Staaten, bis auf, ich glaube, Eswatini war das,
Merle Groneweg: das noch diplomatische Beziehungen zu Taiwan,
Merle Groneweg: unterhält, die dürfen das natürlich nicht, aber die anderen,
Merle Groneweg: ich glaube, 53 Länder waren das, die können zollfrei ihre Güter nach China exportieren.
Merle Groneweg: Und die können trotzdem weiterhin Zölle auf chinesische Güter erheben, wenn sie möchten.
Merle Groneweg: Und das zeigt, dass da ja letztendlich anerkannt wird, hey, okay,
Merle Groneweg: wir sind da sozusagen nicht genau auf Augenhöhe, auch in unseren Wirtschaftsbeziehungen.
Merle Groneweg: Und die Wahrheit ist auch, ja, das mit jetzt dieses Handelsungleichgewicht,
Merle Groneweg: das da besteht, nicht total ausheben, diese Zollpolitik.
Merle Groneweg: Ein anderes Beispiel ist bei der WTO, da hat die chinesische Regierung gesagt.
Merle Groneweg: Ich glaube, letztes Jahr im Herbst angekündigt, dass sie auf die sogenannten
Merle Groneweg: Special and Differential Treatment Maßnahmen verzichten wollen zukünftig.
Merle Groneweg: Das sind bestimmte Ausgleichsmechanismen, die Entwicklungs- und Schwellenländer
Merle Groneweg: nutzen können, damit sie bestimmte Liberalisierungsprinzipien nicht so schnell
Merle Groneweg: umsetzen müssen innerhalb der WTO.
Merle Groneweg: Das heißt, es sind alles erste Schritte und wir sehen das bei der internationalen
Merle Groneweg: Klimapolitik genauso, wo die chinesische Regierung anerkennt,
Merle Groneweg: naja, wir sind jetzt eigentlich nicht mehr so ein Entwicklungsland wie die anderen
Merle Groneweg: in Anführungszeichen und wir sind aber eben auch kein Industriestadt.
Merle Groneweg: Das wird auch immer total wichtig.
Merle Groneweg: War jetzt eine sehr lange Ausrunde Antwort auf deine Frage, aber ich möchte
Merle Groneweg: vielleicht damit noch enden, um zu sagen,
Merle Groneweg: darin sind ja Handlungsspielräume für Regierungen, für Unternehmen,
Merle Groneweg: für meinetwegen wirtschaftliches Wachstum und es ist zu einem gewissen Grad
Merle Groneweg: politisch konditionsfrei und gleichzeitig bleibt es ein,
Merle Groneweg: Abhängigkeitsverhältnis, das geprägt ist vom globalen Kapitalismus.
Merle Groneweg: Es gibt da jemanden, der ist stärker und es gibt jemanden, der ist schwächer
Merle Groneweg: und das prägt diese Beziehung total klar.
Felix Jaitner: Ja, letztlich ist es eine nationalkapitalistische Entwicklung und dadurch entstehen
Felix Jaitner: dann auch die Widersprüche, von denen du gerade gesprochen hast.
Felix Jaitner: Ich finde, diese Widersprüche zeigen sich auch im Verhältnis zu den anderen BRICS-Staaten.
Felix Jaitner: Vielleicht nur noch mal kurz zur Erklärung für alle.
Felix Jaitner: Die BRICS sind ein Staatenbündnis, ist 2009 von Brasilien, Russland,
Felix Jaitner: Indien und China gegründet worden und die Anfangsbuchstaben dieser Länder stehen
Felix Jaitner: dann eben für das Akronym BRICS.
Felix Jaitner: Zwei Jahre später ist Südafrika dem Bündnis beigetreten und dann in einer regelrechten
Felix Jaitner: Beitrittswelle 2024, 2025 Ägypten, Äthiopien, Iran, die Vereinigten Arabischen
Felix Jaitner: Emirate und Indonesien.
Felix Jaitner: Und was ich mit Widersprüchen innerhalb der BRICS meine, ist,
Felix Jaitner: dass der chinesische Aufstieg zur ökonomischen Großmacht die Ambition der anderen
Felix Jaitner: Mitgliedstaaten und ich meine jetzt hier vor allem die Gründungsmitglieder zunehmend ausbremst.
Felix Jaitner: Also ich kenne das stark aus der russischen Diskussion, ich würde aber auch
Felix Jaitner: nochmal auf die brasilianische Diskussion verweisen, die glaube ich in eine
Felix Jaitner: ähnliche Richtung geht.
Felix Jaitner: In Russland wird das Verhältnis zu China zunehmend kritisch betrachtet,
Felix Jaitner: aufgrund der Tatsache, dass man sich in eine zunehmende Abhängigkeitsbeziehung zu China begibt.
Felix Jaitner: Man exportiert Rohstoffe nach China, vor allem Energierohstoffe und importiert
Felix Jaitner: Industrieprodukte, zunehmend eben auch Hochtechnologie-Güter.
Felix Jaitner: Für Brasilien gilt das ähnlich und es führt dazu, dass es zu so einer Reprimarisierung
Felix Jaitner: der russischen Wirtschaft weiterkommt.
Felix Jaitner: Also die russische Wirtschaft wird eben immer stärker auf Rohstoffexport ausgerichtet
Felix Jaitner: und die eigene Industrie wird eben zunehmend weniger konkurrenzfähig.
Felix Jaitner: Ich glaube, dass diese Wirtschaftsbeziehungen mit China das Potenzial der BRICS
Felix Jaitner: als solche hemmen, stärker auch im Gegenpol zu bilden, stärker einheitlich zu
Felix Jaitner: agieren auf internationaler Bühne.
Felix Jaitner: Mich würde jetzt mal interessieren, ob das in China auch so diskutiert wird.
Felix Jaitner: Oder wenn ich es anders fragen würde, welchen Stellenwert haben denn die Beziehungen
Felix Jaitner: zu aufstrebenden Ländern wie den BRICS-Staaten in China, in der chinesischen Außenpolitik?
Merle Groneweg: Ich würde sagen, die werden genau in dieser Ambivalenz, die du beschreibst, verstanden.
Merle Groneweg: Aber natürlich mit einem Bewusstsein darüber, dass China aktuell im Verhältnis
Merle Groneweg: zu einigen dieser Länder in einer besseren Position ist, je nachdem,
Merle Groneweg: wie man betrachtet jetzt innerhalb der BRICS oder BRICS Plus.
Merle Groneweg: Also besser im Sinne von vor allen Dingen wirtschaftlich vielleicht stärker,
Merle Groneweg: militärisch stärker, politisch unterschiedlich.
Merle Groneweg: Also ich glaube, es ist ja auch so, also Russland kann man da rausnehmen.
Merle Groneweg: Aber im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, die da genannt werden.
Merle Groneweg: Ist China halt so ein bisschen auch das Feindbild der USA sozusagen und auch
Merle Groneweg: bei bestimmten Regierungen innerhalb der EU meinetwegen.
Merle Groneweg: Also ich glaube halt, was ja schon stimmt, ist, dass es für die chinesische
Merle Groneweg: Regierung jetzt nicht nur toll ist und auch nicht für chinesische Unternehmen,
Merle Groneweg: dass sie häufig unter Generalverdacht gestellt werden, dass,
Merle Groneweg: insbesondere ihre Exporte, ihre Direktinvestitionen so stark beäugt werden,
Merle Groneweg: alle Dinge, die sie global machen und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Also genau, das nur kurz als Klammer auf, im Sinne von, das ist jetzt nicht
Merle Groneweg: nur alles sozusagen automatisch besser, in Anführungszeichen,
Merle Groneweg: in China für Verhältnisse zu diesen anderen Ländern.
Merle Groneweg: Ansonsten nehmen wir Indien sozusagen, ist ja auch ein großer Konkurrent,
Merle Groneweg: also es wird ja auch immer wieder diskutiert, ganz plakativ,
Merle Groneweg: teile ich so nicht, aber ist Indien das nächste China-Jahr, also jetzt inzwischen
Merle Groneweg: ein bevölkerungsreiches Land und so stark im IT-Sektor und sozusagen die junge
Merle Groneweg: Bevölkerung und noch viel Wachstumspotenzial und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Da gibt es ja in China viele Diskussionen rund um so Peak, also der GDP-Wachstumspeak
Merle Groneweg: ist hinter sich und wie geht man jetzt mit so einer, es ist überhaupt keine
Merle Groneweg: schwächende Wirtschaft, weil die Wachstumsraten sind nicht mehr so hoch wie
Merle Groneweg: früher, die Leute finden nicht mehr so leicht Arbeitsplätze, auch die gebildet,
Merle Groneweg: also gebildet, formell gebildet, die von den Unis kommen und so weiter,
Merle Groneweg: sind alles viele Probleme.
Merle Groneweg: Und es gibt, also bei Russland finde ich spannend, diese Ambivalenz sozusagen,
Merle Groneweg: die hat China total in einer anderen Position natürlich.
Merle Groneweg: Aber das ist etwas, was hier manchmal, glaube ich, so ein bisschen untergeht,
Merle Groneweg: weil dann so simpel dargestellt wird, China unterstützt Russland.
Merle Groneweg: Du hast es, glaube ich, schon gesagt, China ist ganz gut darin,
Merle Groneweg: sozusagen auch zur Ukraine eine gute Beziehung aufrechtzuerhalten.
Merle Groneweg: Für die chinesische Regierung ist es total ambivalent, dass sie da mehrere tausend
Merle Groneweg: Kilometer lange Grenze teilen. Das darf man ja nicht vergessen.
Merle Groneweg: Mit Russland, und da können sie ja nicht einfach mal sagen, wir üben da jetzt
Merle Groneweg: total Druck auf aus die russische Regierung.
Merle Groneweg: Und ja auch mit so einer Frage von, wenn man das jetzt zu Ende denken würde, was ist, wenn.
Merle Groneweg: Die Regierung in Russland sowieso aktuell zerfällt oder mal sozusagen wirklich
Merle Groneweg: es da zu einer großen Krise kommen würde und dann unklar ist,
Merle Groneweg: wer der Nachfolger ist, all das ist für die chinesische Regierung,
Merle Groneweg: die ja auf internationale Stabilität ausgelegt ist und auf gute wirtschaftliche
Merle Groneweg: Beziehungen, das wäre für die eine Katastrophe.
Merle Groneweg: Wenn da dann jetzt, also steht aktuell überhaupt nicht zur Diskussion oder ist
Merle Groneweg: kein Szenario, aber China möchte natürlich nicht, dass irgendwie dann in Russland plötzlich jemand,
Merle Groneweg: die Geschäfte führt, der die total gute Beziehung zu den USA pflegt und in den
Merle Groneweg: westlichen Block integriert wird, muss man auch ganz klar sagen.
Merle Groneweg: Also das prägt dieses Verhältnis total stark und gleichzeitig will man sich
Merle Groneweg: überhaupt nicht wirtschaftlich weiter abhängig machen von Russland.
Merle Groneweg: Ich habe jetzt interessant, was du gesagt hast, dass es auch kritisch diskutiert
Merle Groneweg: wird, ja so eine weitere Pipeline zu bauen für Gas zum Beispiel,
Merle Groneweg: wo ich das eher beobachtet habe, dass die chinesische Regierung da sehr zurückhaltend
Merle Groneweg: ist, weil sie das Gefühl haben, naja, ich glaube so 20 Prozent des Gases,
Merle Groneweg: das sie beziehen, kommt schon aus Russland und viel mehr will man da eigentlich nicht sozusagen.
Merle Groneweg: Also diese Ambivalenz Das gibt es total.
Merle Groneweg: Und das zieht sich dann eben durch all die Staaten durch, dass man halt bestimmte
Merle Groneweg: gemeinsame Interessen teilt.
Merle Groneweg: Und ich würde sagen, das vorderste Interesse, das die chinesische Regierung
Merle Groneweg: mit vielen Regierungschefs in diesen anderen Ländern teilt, ist natürlich einerseits
Merle Groneweg: gute wirtschaftliche Beziehung und zweitens ja
Merle Groneweg: eher multipolare oder multipolarere Weltordnung, als sie aktuell der Fall ist.
Merle Groneweg: Also weniger Fokus auf die USA und auch auf die EU letztendlich.
Felix Jaitner: Spannend zu hören, dass auch nochmal aus der chinesischen Sicht die BRICS ja
Felix Jaitner: ein sehr inkohärenter Akteur sind.
Felix Jaitner: Und ich glaube, das führt ja letztendlich auch dazu, dass wir vielleicht in
Felix Jaitner: dieser sich entstehenden multipolaren Welt gar nicht unbedingt feste
Felix Jaitner: Allianzen sehen werden, sondern vermutlich immer so schiftende Bündnisse zu
Felix Jaitner: unterschiedlichen Fragen, die dann aber auch in anderen Fragen wieder völlig
Felix Jaitner: neue Allianzen bilden können.
Felix Jaitner: Also du hast ja beschrieben, Indien und China haben ja selber Grenzdispute,
Felix Jaitner: in anderen Fragen haben sie wiederum gemeinsame Interessen, ökonomische Entwicklung,
Felix Jaitner: vielleicht auch ein Zurückdrängen der westlichen Hegemonie.
Felix Jaitner: Also ich finde das, oder eben auch Gleiches sehen wir mit Russland.
Felix Jaitner: Ich finde, da sehen wir eben, wie fragil das alles letztendlich ist und irgendwie
Felix Jaitner: gar nicht sozusagen getragen vielleicht von einer gemeinsamen ideologischen Komponente oder so.
Felix Jaitner: Nochmal finde ich eine sehr wichtige Ergänzung von dir.
Felix Jaitner: Ich würde vorschlagen, dass wir vom globalen Süden vielleicht zum globalen Norden
Felix Jaitner: uns zuwenden und konkret auch zu Deutschland.
Felix Jaitner: Das würde ich schon nochmal gerne mit dir besprechen wollen,
Felix Jaitner: wie eigentlich sich das deutsche Verhältnis zu China entwickelt hat.
Felix Jaitner: Und mein Eindruck ist immer, das ist sehr spiegelbildlich zu den Wirtschaftsbeziehungen.
Felix Jaitner: Ich möchte das kurz illustrieren. Also in den 90er und 2000er Jahren herrschten,
Felix Jaitner: so wie ich das wahrnehme, überwiegend gute Beziehungen zwischen Deutschland
Felix Jaitner: und China und das wurde auch stark getragen von der
Felix Jaitner: Scheinbar unaufhörlich wachsenden chinesischen Wirtschaft und der Tatsache,
Felix Jaitner: dass gerade die exportorientierte deutsche Wirtschaft China als Absatzmarkt entdeckt hat.
Felix Jaitner: Und bis heute ist ja für gerade die Autoindustrie der chinesische Markt zentral.
Felix Jaitner: Ich finde jetzt aber auch interessant, dass die Integration Chinas in den kapitalistischen
Felix Jaitner: Weltmarkt ja nicht einhergegangen ist mit der Erwartung, die es hier im Westen
Felix Jaitner: gab, China wird sich liberalisieren, wird rechtsstaatliche Normen übernehmen und so weiter.
Felix Jaitner: Also die gleiche Hoffnung, die ja auch in Bezug auf Russland und andere post-sowjetische
Felix Jaitner: Staaten und Osteuropa geäußert wurden.
Felix Jaitner: Also die ehemals sozialistischen Staaten nähern sich an und überwinden ihre
Felix Jaitner: autoritäre Vergangenheit. Das war ja so der liberal herrschende Diskurs.
Felix Jaitner: Und wir sehen ja, heute sieht es ganz anders aus. Es gibt die aktuelle China-Strategie
Felix Jaitner: der Bundesregierung und in der wird
Felix Jaitner: das Land als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale bezeichnet.
Felix Jaitner: Und ich finde das jetzt nochmal relevant vor dem Hintergrund des sich ja immer
Felix Jaitner: stärker abzeichnenden Konfliktes zwischen China und den USA.
Felix Jaitner: Besteht die Gefahr, dass Deutschland und auch die EU sich in diesen Konflikt
Felix Jaitner: hineinziehen lassen oder würdest du sagen, eine kritischere Haltung gegen China
Felix Jaitner: ist eigentlich notwendig?
Merle Groneweg: Ich würde da, glaube ich, einmal kurz zurückfragen. Meine kritische Haltung
Merle Groneweg: gegenüber China, wenn die notwendig wäre, würde ja eigentlich bedeuten,
Merle Groneweg: dem aktuellen US eher zu folgen, oder?
Felix Jaitner: Vermutlich. Also zumindest gibt es ja immer wieder diese Forderung,
Felix Jaitner: dass die deutschen Bundesregierungen nicht stark genug Menschenrechtsverletzungen,
Felix Jaitner: autoritäre Entwicklungen in China anprangern.
Merle Groneweg: Also erstmal würde ich dir zustimmen, dass die Position, die in der Bundesregierung
Merle Groneweg: oder sagen wir mal in Deutschland, wenn man das so abstrakt sagen möchte und
Merle Groneweg: auch in der EU prägend ist, total gekennzeichnet ist von der Frage,
Merle Groneweg: wie die Wirtschaftsbeziehungen aussehen.
Merle Groneweg: Und dieser Dreiklang, den du da erwähnt hast, ja, Wettbewerber,
Merle Groneweg: systemische Rivale und Partner, das ist einer, der schon lange
Merle Groneweg: kursiert, das weißt du sicherlich auch, 2019 EU-Kommission hat ein China-Strategie-Papier
Merle Groneweg: veröffentlicht und da sozusagen wurde der das erste Mal formal festgehalten
Merle Groneweg: für eben die EU und ist sozusagen toneangebend seitdem und das ist halt wie so,
Merle Groneweg: ja, das rhetorische Ding, was man immer wieder herausholt, was in China aber
Merle Groneweg: auch wirklich nicht mit Begeisterung wahrgenommen wurde, weil man möchte nicht
Merle Groneweg: als systemischer Rivale verstanden werden sozusagen.
Merle Groneweg: Und diese systemische Rivalität, naja, worauf bezieht die sich?
Merle Groneweg: Das ist eine Frage, wo man da den Schwerpunkt hinlegt und wem man so glaubt.
Merle Groneweg: Die einen würden halt das sagen, was du gerade am Ende nochmal gesagt hast,
Merle Groneweg: also Autoritarismus, Menschenrechte.
Merle Groneweg: Will ich gar nicht kleinreden, massive Fragen, massive Probleme,
Merle Groneweg: aber ja trotzdem immer spannend zu sehen, wo das in den Vordergrund gestellt wird und wo nicht.
Merle Groneweg: Also das plakativste Beispiel, das da immer kommt, aber auch nicht ganz zu Unrecht,
Merle Groneweg: ist Saudi-Arabien sozusagen.
Merle Groneweg: Gar nicht so ein Problem sozusagen, wird nicht ständig hervorgehoben. Von den USA auch nicht.
Merle Groneweg: Und dann gibt es die anderen, die die systemische Rivalität zunehmend bei dem
Merle Groneweg: wirtschaftlichen System sozusagen sehen würden.
Merle Groneweg: Und wie du schon gesagt hast, diese große Hoffnung, dass sich das da liberalisieren
Merle Groneweg: wird, politisch, aber eben auch ökonomisch, dass die Staatsunternehmen perspektivisch
Merle Groneweg: privatisiert werden, dass einfach der Staat insgesamt eine weniger starke Rolle
Merle Groneweg: in der Wirtschaft spielt, das hat sich alles nicht so bewahrheitet.
Merle Groneweg: Und stattdessen ist es eben weiterhin ein staatskapitalistisches Modell,
Merle Groneweg: so würde ich das einordnen.
Merle Groneweg: Und daraus entfaltet sich eben diese massive Wettbewerbsdynamik.
Merle Groneweg: Und ich würde darauf immer den Fokus legen persönlich und glaube auch,
Merle Groneweg: dass sie alles andere speist.
Merle Groneweg: Ich will nicht abstreiten, dass es auch Leute gibt in der Regierung oder in
Merle Groneweg: anderen politischen Entscheidungs- und Machtpositionen, denen wirklich die Menschenrechte
Merle Groneweg: sozusagen ganz doll am Herzen liegen.
Merle Groneweg: Aber ich glaube, dass was diesen Diskurs jetzt als Linke, sage ich das natürlich,
Merle Groneweg: massiv vorantreibt, sind Profitinteressen und eben die,
Merle Groneweg: nicht nur Bedrohung, sondern die reelle Tatsache, dass eben,
Merle Groneweg: naja, dass bestimmte Akkumulationsregime gefährdet sind, dass bestimmte,
Merle Groneweg: ja, Technologien, dass man da nicht mehr irgendwie auf dem vordersten Platz
Merle Groneweg: mitspielt und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Und ich glaube, dass sozusagen diese Frage, wie Deutschland oder die EU sich
Merle Groneweg: in dieser Gemengelage zwischen China und USA verhalten soll,
Merle Groneweg: dass es nicht nur jetzt irgendwie droht, dass sie da sozusagen mit reingezogen
Merle Groneweg: werden, sondern dass sie es ja faktisch schon sind.
Merle Groneweg: Also dass es sozusagen manchmal, naja, Fragen gibt von Positionierung,
Merle Groneweg: wo man überlegen muss, okay.
Merle Groneweg: Mit welchen Unternehmen können wir noch sozusagen Handel treiben,
Merle Groneweg: welche Investitionen lassen wir noch zu und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Und ich glaube aber, dass dieser Diskurs nicht nur von den USA stark geprägt
Merle Groneweg: wird, sondern dass es den ja hier auch gibt und zwar immer aus dieser doppelten
Merle Groneweg: Überlegung heraus. Das eine ist eben, nicht 100 Prozent von der Hand zu weisen,
Merle Groneweg: der sicherheitspolitische Fragen.
Merle Groneweg: Ich fände es immer besser, die, das heißt Länder agnostisch,
Merle Groneweg: zu diskutieren, also nicht nur anhand von China, sondern vielleicht insgesamt
Merle Groneweg: so ein bisschen zu überlegen, naja, wenn wir bei bestimmten Technologien oder
Merle Groneweg: bei bestimmten Rohstoffen,
Merle Groneweg: abhängig sind zu einem Grad, der irgendwie nicht gesund erscheint,
Merle Groneweg: in Anführungszeichen, dann sollten wir halt versuchen, das zu reduzieren und
Merle Groneweg: eine stärkere Autonomie hinzubekommen.
Merle Groneweg: Und das gilt aber aus meiner Perspektive nicht nur für China,
Merle Groneweg: sondern für alle Länder.
Merle Groneweg: Und vor allen Dingen, finde ich, gilt das, naja, also wenn wir diese Diskussion
Merle Groneweg: haben, ob chinesische Unternehmen in die kritische Infrastruktur in Deutschland
Merle Groneweg: investieren können, dann würde ich halt sagen, ja, kritische Infrastruktur gehört
Merle Groneweg: nicht in Privatunternehmen, sondern sollte in die öffentliche Hand investieren.
Merle Groneweg: Genau, und dann haben wir eben die andere, also nicht nur die sicherheitspolitische,
Merle Groneweg: sondern die industriepolitische Komponente, die die Diskussion sehr stark prägen.
Merle Groneweg: Also es gibt ja jetzt eine China-Kommission im Bundestag sozusagen,
Merle Groneweg: nicht von Abgeordneten, sondern ExpertInnen, die zukünftig den Bundestag und
Merle Groneweg: dann auch die Bundesregierung beraten sollen und jetzt ganz genau analysieren,
Merle Groneweg: wo besteht eigentlich diese kritische Abhängigkeit, insbesondere von chinesischen,
Merle Groneweg: Gütern und Technologien und wo ist da irgendwie notwendig zu reduzieren.
Merle Groneweg: Und das, glaube ich, kann man machen. Und dann ist eben die andere Frage,
Merle Groneweg: dass es am Ende eine politische Entscheidung sein wird, wo man sagt,
Merle Groneweg: okay, gibt es bestimmte Industrien und bestimmte Entwicklungen,
Merle Groneweg: die möchten wir hier in diesem Land oder auch in der EU sozusagen gemeinsam total stark halten.
Merle Groneweg: Und dann sind wir auch bereit, da richtig viel Geld sozusagen in die Hand zu
Merle Groneweg: nehmen oder auch wirklich politisch unliebsame Instrumente zum Schutz dieser
Merle Groneweg: Industrien zu entwickeln.
Merle Groneweg: Oder schon Adam Tuss erwähnt, ja, der hat das auch gesagt, warum kaufen wir
Merle Groneweg: eigentlich jetzt nicht alle Solarpanele?
Merle Groneweg: Ist doch total toll, die sind so günstig, so wahnsinnig günstig.
Merle Groneweg: Es ist einfach eine verpasste Chance, das kriegt man mit Katharina Reiche natürlich
Merle Groneweg: überhaupt nicht hin. Aber das sollte der Moment sein, in dem die Bundesregierung
Merle Groneweg: und auch insgesamt in der EU alle sagen, lass uns doch jetzt mal,
Merle Groneweg: wo das Angebot so ist, wie es ist, einfach mal zuschlagen und ganz viele von
Merle Groneweg: diesen chinesisch produzierten Solarpaneelen kaufen.
Felix Jaitner: Ich finde das extrem hilfreich, dass du diesen Diskurs nochmal so kritisch aufrollst
Felix Jaitner: und auch zeigst, wie unverhältnismäßig eigentlich diese Sicherheitsdebatte ist.
Felix Jaitner: Also ich meine, wir könnten das Ganze ja auch in Bezug auf US-Software-Unternehmen
Felix Jaitner: führen. Diese Diskussion wird ja mittlerweile schon auch stärker geführt als noch vor fünf Jahren.
Felix Jaitner: Aber trotzdem ist ja die Abhängigkeit von US-Software ein weiteres höher und
Felix Jaitner: auch alltagsrelevant für die Arbeit von ganzen staatlichen Apparaten und so
Felix Jaitner: weiter als jetzt im Verhältnis von China.
Felix Jaitner: Auch nochmal spannend fand ich, was du jetzt sagtest zu dieser widersprüchlichen
Felix Jaitner: Rolle Chinas in Bezug auf die Klimakrise.
Felix Jaitner: Weil ich finde, im Gegensatz zu den USA wird ja deutlich, für die chinesische
Felix Jaitner: Regierung hat der Kampf gegen die Klimakrise Priorität
Felix Jaitner: und gleichzeitig können wir ohne chinesische Technologie, du hast es ja gesagt,
Felix Jaitner: erneuerbare Energien, nicht
Felix Jaitner: Erfolgreich unsere Ökonomien dekarbonisieren.
Felix Jaitner: Und andererseits entstehen aber auch wieder dadurch massive technologische und
Felix Jaitner: industrielle Abhängigkeiten.
Felix Jaitner: Und jetzt hast du ja gesagt, du wärst dafür, Abhängigkeiten zu reduzieren.
Felix Jaitner: Gleichzeitig ist es aber so, dass die deutsche Wirtschaft ja extrem abhängig
Felix Jaitner: ist vom chinesischen Markt.
Felix Jaitner: Und ich habe das Gefühl, in diesem Dilemma befindet sich die ganze Zeit auch
Felix Jaitner: unsere Bundesregierung.
Felix Jaitner: Was wäre denn da deine Antwort drauf? Also wie geht man da auch mit einer kritischen
Felix Jaitner: linken Perspektive an dieses Problem ran? Weil mein Eindruck ist,
Felix Jaitner: die Linke drückt sich so ein bisschen vor dieser Frage ab.
Merle Groneweg: Also das ist ja so ein bisschen die Kernfrage, die eigentlich gerade alle umtreibt.
Merle Groneweg: Nicht nur Linke, sondern eben tatsächlich auch liberale, konservative, wie auch immer.
Merle Groneweg: Die EU-China-Politik, die Industrie- und Wirtschaftspolitik dreht sich komplett
Merle Groneweg: um diese Frage, Abhängigkeiten reduzieren und gleichzeitig sind die Abhängigkeiten
Merle Groneweg: vom chinesischen Markt so groß und so weiter.
Merle Groneweg: Von daher kann ich, glaube ich, was diesen großen Diskurs angeht,
Merle Groneweg: gar nicht so viel Neues dazu beitragen.
Merle Groneweg: Also ich glaube, so eine ganz pauschale Antwort in Zeiten der internationalen
Merle Groneweg: Arbeitsteilung werden wir auch diese Frage nicht bekommen und wir werden auch
Merle Groneweg: die internationale Arbeitsteilung in der Form, wie sie da ist,
Merle Groneweg: nicht zurückrudern können und auch nicht wollen, auch als Linke nicht,
Merle Groneweg: glaube ich, ehrlich gesagt.
Merle Groneweg: Es wäre mal total wichtig zu schauen, okay, bei den Technologien eben,
Merle Groneweg: wo bestehen Abhängigkeiten, von China jetzt meinetwegen konkret,
Merle Groneweg: und mit welchen Abhängigkeiten sind wir aber d'accord?
Merle Groneweg: Und bei welchen Technologien sagen wir, da ist der Zug jetzt abgefahren und
Merle Groneweg: da versuchen wir nicht mehr deutsche oder europäische Champions oder was auch
Merle Groneweg: immer sozusagen hochzuziehen.
Merle Groneweg: Und wir können da meinetwegen die Wechselrichterdiskussion sozusagen nehmen.
Merle Groneweg: Also es gibt Wechselrichter, die da rankommen an die Solarpaneele und da sagt
Merle Groneweg: man, okay, die müssen in der EU weiterhin produziert werden und die Solarpaneele
Merle Groneweg: können aber aus China kommen.
Merle Groneweg: Und wenn dann jetzt Leute sagen, okay, aber wird die chinesische Regierung oder
Merle Groneweg: werden die chinesischen Unternehmen sich dann darauf einlassen,
Merle Groneweg: weil es gibt den chinesischen Markt und was machen die dann und fliegen dann die.
Merle Groneweg: Unternehmen raus, jetzt mal so salopp formuliert, dann würde ich schon sagen,
Merle Groneweg: dass man nicht unterschätzen darf, dass der EU-Binnenmarkt jetzt auch keine Kleinigkeit ist.
Merle Groneweg: Und der ist auch keine Kleinigkeit für China und für chinesische Unternehmen.
Merle Groneweg: Und das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht verändern.
Merle Groneweg: Also ja, BRICS und globaler Süden nichtsdestotrotz sozusagen,
Merle Groneweg: gerade auch in Bezug auf die Unsicherheit, die für China immer da bleiben wird
Merle Groneweg: im Auslandungsprozess mit den USA und dieses wackelige Nachbarland Russland.
Merle Groneweg: Also sozusagen darf man nicht vergessen, dass die EU für die chinesische Regierung,
Merle Groneweg: eine oder halt die europäischen Mitgliedstaaten, das ist ihnen eigentlich lieber,
Merle Groneweg: da so ein bisschen separat zu verhandeln.
Merle Groneweg: Aber das sozusagen, dass eine total wichtige Relevanz weiterhin haben wird und
Merle Groneweg: da geht es um, ja, da geht es um Marktzugang sozusagen.
Merle Groneweg: Also und da ist schon, ich will jetzt als Linke mich nicht aussprechen,
Merle Groneweg: dass wenn die einen das als Waffe einsetzen und instrumentalisieren,
Merle Groneweg: wir das genauso machen müssen, aber positiver formuliert würde ich sagen,
Merle Groneweg: naja, der EU-Binnenmarkt, ich bin halt ein Fan davon, den noch stärker zu regulieren,
Merle Groneweg: als er aktuell reguliert ist.
Merle Groneweg: Und zwar nicht nur jetzt in einem simpel protektionistischen Sinne,
Merle Groneweg: dass man sagt, hier müssen bestimmte Zölle hochgefahren werden,
Merle Groneweg: sondern das kann man ja genauso gut sagen in Bezug auf arbeitsrechtliche Umwelt-
Merle Groneweg: und Sozialstandards und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Also welche Güter dürfen hier eigentlich verkauft werden und wie müssen diese
Merle Groneweg: Güter produziert sein? Und dann kann man gucken, wer produziert die und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Und das sind Diskussionen, die man führen muss und die muss man eben sehr konkret führen.
Merle Groneweg: Und einen Teil davon sehen wir jetzt nicht so sehr in Bezug auf vielleicht Umwelt-
Merle Groneweg: und Sozialstandards, aber sehen wir auch in der EU mit den Diskussionen um den
Merle Groneweg: Industrial Accelerator Act, IAA, wo es genau um diese Fragen geht.
Merle Groneweg: Okay, welche Wertschöpfung soll jetzt eigentlich hierbleiben?
Merle Groneweg: Wie können wir die fördern?
Merle Groneweg: Wie machen wir das mit Vorgaben für lokale Produktion? Wie machen wir das mit
Merle Groneweg: öffentlicher Beschaffung, die da vielleicht einen Tanken zu groß drinsteckt in der Diskussion?
Merle Groneweg: All diese Sachen sozusagen werden auf jeden Fall diskutiert.
Merle Groneweg: Und ich glaube, vielleicht noch ein Gedanke zur Abhängigkeit von deutschen Unternehmen,
Merle Groneweg: von dem chinesischen Markt.
Merle Groneweg: Da muss man natürlich auch sagen, das ist ja innerhalb der EU betrachtet schon
Merle Groneweg: noch eine extrem von Deutschland geprägte Debatte. Also weil es halt viele deutsche
Merle Groneweg: Unternehmen sind, die da sind. Spanien beispielsweise geht da einen ganz anderen
Merle Groneweg: Kurs und sagt, okay, sollen die chinesischen Unternehmen kommen,
Merle Groneweg: hier investieren, wir kriegen Arbeitsplätze, total super.
Merle Groneweg: Weil sie im Verhältnis sozusagen natürlich jetzt auch nicht so groß sind in
Merle Groneweg: der Autoindustrie, in der Maschinenbauindustrie, in der Chemieindustrie,
Merle Groneweg: wo wirklich viel Wertschöpfung drinsteckt und eben Profite, die man Gefahr geläuft zu verlieren.
Merle Groneweg: Es ist aber auch so, dass so ein Diskurs nicht gekapert werden sollte von irgendwie,
Merle Groneweg: fünf, sechs, sieben großen Unternehmen.
Merle Groneweg: Und das ist etwas interessanterweise, das ist gar nicht nur eine linke Position,
Merle Groneweg: wenn man so ein bisschen hört, was die Industrieverbände sagen und da irgendwie
Merle Groneweg: auch so ein paar Veranstaltungen herum springt, dann leihen die auch darunter,
Merle Groneweg: dass sie sagen, boah, also es gibt viele kleine und mittelständische Unternehmen
Merle Groneweg: und andere, die wünschen eigentlich so ein bisschen mehr,
Merle Groneweg: beispielsweise Schutz, Ausgleichsmaßnahmen vor chinesischem Wettbewerb.
Merle Groneweg: Aber dann kommt hier BMW und VW und meinetwegen noch BASF und sagen,
Merle Groneweg: geht nicht, weil wir haben Angst um unsere großen Anlagen in China.
Merle Groneweg: Und das betrifft aber ja einen großen Teil der deutschen Unternehmen überhaupt nicht.
Merle Groneweg: Und das wäre, glaube ich, in der Debatte wichtig, so ein bisschen mehr mit einzuführen.
Felix Jaitner: Jetzt haben wir ja stark auf so einer staatlichen Ebene diskutiert.
Felix Jaitner: Ich würde jetzt nochmal gerne von dir erfahren, wie denn dein Blick auch im
Felix Jaitner: Verhältnis China und gesellschaftliche Linke hierzulande ist.
Felix Jaitner: Also es gibt ja die Frage, ist China ein potenzieller Bündnispartner,
Felix Jaitner: gerade bei zentralen Herausforderungen, Klimawandel, Abrüstung,
Felix Jaitner: Kampf gegen Armut oder verfolgt es vielleicht auch stärker selber imperiale Interessen?
Felix Jaitner: Und wie gesagt, ich finde, so eine Perspektive nimmt weniger soziale Bewegungen,
Felix Jaitner: die Arbeiterinnenklasse oder auch Minderheiten in den Blick.
Felix Jaitner: Deswegen, also welche Beziehungen sollten Linke hierzulande mit China pflegen
Felix Jaitner: und welche Beziehungen sind auch im Kontext von verschärfenden zwischenstaatlichen
Felix Jaitner: Konflikten und auch innerstaatlicher Repression, über die wir sprechen müssen, überhaupt möglich?
Felix Jaitner: Also wie können Beziehungen jenseits des Staates gepflegt werden?
Merle Groneweg: Es ist nicht so leicht. Also ich würde natürlich schon sagen,
Merle Groneweg: dass die Herausforderung oder die Aufgabe auch als Linke grundsätzlich sein
Merle Groneweg: sollte, aus diesem Blockdenk herauszukommen und eben nicht,
Merle Groneweg: in sowas zu verfallen von der Feind von meinem Feind ist mein Freund.
Merle Groneweg: Und das ist ja das, was so eine grundlegende antiimperialistische Haltung häufig
Merle Groneweg: mit sich bringt, dass man dann irgendwie sagt, oh,
Merle Groneweg: Da gibt es die USA und das ist der Imperialist erster Klasse und die Leute,
Merle Groneweg: die die USA herausfordern, also die Länder in dem Fall, die finden wir dann
Merle Groneweg: irgendwie gut sozusagen.
Merle Groneweg: Und das halte ich für einen verkürzenden Impuls, genauso wie man ganz simpel
Merle Groneweg: sozusagen in so postkolonialen Debatten oder so, manchmal finde ich,
Merle Groneweg: eine etwas vereinfachte Solidarität hat.
Merle Groneweg: Ich würde sagen, Solidarität sollte in erster Linie eben niemals mit Staaten
Merle Groneweg: gelten und auch nicht mit den Regierungen, die diese Staaten anführen,
Merle Groneweg: sondern, und darauf zählt ja deine Frage letztendlich hinab.
Merle Groneweg: Mit Bewegungen, mit Gewerkschaftern, mit den ArbeiterInnen, die diese Gewerkschaften
Merle Groneweg: vertreten oder eben vielleicht auch nicht vertreten können und so weiter und so fort.
Merle Groneweg: Und ja, die Frage legt dann trotzdem den Finger in die Wunde,
Merle Groneweg: weil das kann man so schön rhetorisch vor sich hertragen und da dann irgendwie
Merle Groneweg: so ein bisschen analytisch sauber bleiben.
Merle Groneweg: Und was bedeutet das sozusagen in der praktischen Umsetzung?
Merle Groneweg: Es ist durchaus möglich, ja, nach China zu reisen und dort Gespräche zu führen.
Merle Groneweg: Es gibt auch in China zivilgesellschaftliche Organisationen.
Merle Groneweg: Ich glaube, man muss sich dann dessen bewusst sein, dass sie in einem ganz anderen
Merle Groneweg: Handlungsspielraum sind oder Spielraum sind und sich bewegen,
Merle Groneweg: als wir das hier tun und dass diese Gespräche dann anders ablaufen.
Merle Groneweg: Es gibt viele Anküpfungspunkte, wenn man sie sucht.
Merle Groneweg: Und ich glaube, man muss sie in Bereichen suchen, die jetzt halt nicht an erster
Merle Groneweg: Stelle nach Aktivismus aussehen, sondern halt in der Kunst vielleicht stattfinden.
Merle Groneweg: Da gibt es viel, was passiert oder eben genau zu einem gewissen Grad im wissenschaftlichen
Merle Groneweg: Bereich, im klima- und umweltpolitischen Bereich passiert nach wie vor total
Merle Groneweg: viel, weil das eben einer ist, den die chinesische Regierung auch fördert.
Merle Groneweg: Also da gibt es auch viel, was man machen kann.
Merle Groneweg: Und sich zur Kreislaufwirtschaft oder was auch immer austauschen.
Merle Groneweg: Ja, und dann vielleicht sage ich noch kurz was zur Arbeiterinnenbewegung oder
Merle Groneweg: so, weil du hast das schon ein paar Mal erwähnt.
Merle Groneweg: Es stimmt ja, dass in China wahnsinnig viele Streiks sozusagen stattfinden.
Merle Groneweg: Und was aber auch da tatsächlich leider stimmt, ist, dass das halt extrem repressiv ist.
Merle Groneweg: Und dass so die, wenn wir jetzt dieses Interview vor zwei Jahren geführt hätten,
Merle Groneweg: hätte es so eine Organisation gegeben, die hätte ich noch hervorgehoben und
Merle Groneweg: gesagt, hier China Labor Watch, die sitzen in Hongkong und beobachten diese
Merle Groneweg: Streiks seit den 90ern und mappen die und analysieren das ganz genau und machen richtig tolle Arbeit.
Merle Groneweg: Und auch diese Organisation wurde leider in Hongkong jetzt geschlossen.
Merle Groneweg: Ich glaube, das war Sommer oder Frühjahr letzten Jahres.
Merle Groneweg: Genau, das heißt, es ist nicht so leicht, aber man kann sich bemühen,
Merle Groneweg: man kann Kontakte pflegen und vor allen Dingen kann man sich damit auseinandersetzen diskursiv.
Merle Groneweg: Und ich bin eigentlich ganz froh, dass ich das Gefühl habe, da passiert immer
Merle Groneweg: mehr. Also es gab ja im Frühjahr auch,
Merle Groneweg: ausgerichtet von Attac zum Beispiel diese recht große Konferenz,
Merle Groneweg: wo ja schon unter einem dezidiert linken Framing sich viele
Merle Groneweg: interessante Akteure mit China beschäftigt haben und ich erlebe da auch einen
Merle Groneweg: großen Wissensbedarf, ehrlich gesagt, oder viel Hunger nach so einem Verständnis
Merle Groneweg: von, genau, wie ist das da eigentlich?
Merle Groneweg: Ja, und ich glaube, da kann ich abschließend immer nur sagen,
Merle Groneweg: es ist kompliziert und es ist ein extrem autoritäres System und es gibt darin
Merle Groneweg: total viele spannende Sachen, die passieren und es gibt extrem viele spannende
Merle Groneweg: Menschen, die sich da einsetzen für verschiedene Sachen.
Felix Jaitner: Merle, ich danke dir ganz herzlich für diese spannenden Einsichten zu China.
Felix Jaitner: Ich finde, du hast nochmal sehr präzise die verschiedenen Entwicklungen in China
Felix Jaitner: dargestellt, die verschiedenen Strategien im Hinblick auf Außenpolitik,
Felix Jaitner: das Verhältnis zum globalen Süden, zu den BRICS-Staaten,
Felix Jaitner: aber dann ja eben auch zu Deutschland.
Felix Jaitner: Wir haben auch diskutiert letztendlich über die Frage von Eskalation im Kontext von
Felix Jaitner: sich verauflösender Globalisierungsordnung hin zur multipolaren Ordnung und
Felix Jaitner: natürlich auch der Frage, was China für eine Position in der Welt heute anstrebt.
Felix Jaitner: Nochmal herzlichen Dank und alles Gute.
Merle Groneweg: Ja, vielen Dank dir Felix, war sehr interessant und hat viel Spaß gemacht.
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