Ist die Fußball-WM nur Propaganda, Alina Schwermer?

Shownotes

Am 11. Juni 2026 beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Mexiko und Kanada – und wieder werden wohl über eine Milliarde Menschen die Spiele verfolgen, schlicht weil sie Fußball lieben. Doch wie jedes sportliche Großereignis hat auch diese WM eine politische und wirtschaftliche Dimension: Staaten nutzen die internationale Bühne zur Selbstdarstellung, Konzerne nutzen sie zur Gewinnmaximierung.

In dieser Folge spricht Pauline Jäckels mit der Sportjournalistin Alina Schwermer über Sportswashing – und über die politischen Hintergründe der diesjährigen WM. Gemeinsam fragen sie: Welche Interessen bestimmen die Sportwelt? Wie instrumentalisieren Staaten Großereignisse für ihre eigene Propaganda? Und warum trifft der Vorwurf des Sportswashing eigentlich immer nur bestimmte Länder? Außerdem: Bringt ein persönlicher WM-Boykott überhaupt etwas – und wie sehen linke und sozialistische Perspektiven auf Sportpolitik aus?

Alina Schwermer hat Journalismus und Geschichte in Dortmund, Bochum und Sankt Petersburg studiert. Seit 2015 schreibt sie über die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Sports. Zuletzt erschien von ihr „Futopia – Ideen für eine bessere Fußballwelt" (2022), das auf der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres stand.

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Shownotes

“Wem gehört der Fußball? Die WM 2026 als Bühne von Macht, Kommerz und Widerstand”, Dossier der Rosa-Luxemburg-Stiftung

“Futopia – Ideen für eine bessere Fußballwelt”, Alina Schwermer, Die Werkstatt, 2022

Intro-Musik:

Charles Bradley – The World (is going up in Flames)

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Pauline Jäckels: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Aline Schwermer: Am 11. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada.

Aline Schwermer: Auch dieses Jahr werden wahrscheinlich über eine Milliarde Menschen die WM verfolgen,

Aline Schwermer: einfach weil sie Lust haben, Fußball zu schauen, also für den Sport an sich

Aline Schwermer: und für dieses ganze Spektakel.

Aline Schwermer: Aber natürlich hat die WM, so wie eigentlich jedes internationale Großsport-Event,

Aline Schwermer: auch eine politische Dimension und natürlich noch offensichtlicher eine wirtschaftliche.

Aline Schwermer: Die teilnehmenden Länder nutzen die internationale Bühne, um für sich und ihre

Aline Schwermer: Agenda zu werben und Privatfirmen nutzen sie, um Profite zu machen.

Aline Schwermer: Mein Name ist Pauline Jekkels, ich bin freie Journalistin und TATS-Redakteurin.

Aline Schwermer: Für diese Folge habe ich mit der Sportexpertin und Journalistin Alina Schwärmer

Aline Schwermer: über diese politische Dimension der diesjährigen Fußball-WM und ganz allgemein

Aline Schwermer: von internationalen Sportevents gesprochen.

Aline Schwermer: Darüber, welche Interessen die Sportwelt bestimmen und wie Staaten sie benutzen,

Aline Schwermer: um Propaganda für die eigene Sache zu betreiben.

Aline Schwermer: Warum der Vorwurf des Sportswashings und auch der Propaganda genau wie Boykotte

Aline Schwermer: meist nur bestimmte Länder treffen und andere nicht.

Aline Schwermer: Und darüber, was Boykotte, gerade wenn sie von Privatpersonen kommen, überhaupt bringen.

Aline Schwermer: Also ob Linke jetzt die Fußball-WM wegen Donald Trump boykottieren sollten.

Aline Schwermer: Und wir haben auch über linke sozialistische Perspektiven auf Sportpolitik gerade

Aline Schwermer: in Deutschland gesprochen.

Aline Schwermer: Alina Schwermasch studierte Journalismus und Geschichte in Dortmund,

Aline Schwermer: Bochum und St. Petersburg.

Aline Schwermer: Und sie schreibt seit 2015 vor allem für die Taz über politische und gesellschaftliche

Aline Schwermer: Sportthemen und übers Reisen.

Aline Schwermer: Sie ist Autorin verschiedener Bücher, zuletzt Futopia Ideen für eine bessere

Aline Schwermer: Fußballwelt von 2022, das auf der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres stand.

Aline Schwermer: Viel Spaß bei der Folge. Falls ihr Anmerkungen, Kritik oder Lob habt,

Aline Schwermer: dann meldet euch gerne bei uns.

Aline Schwermer: Die E-Mail-Adresse findet ihr in den Shownotes.

Aline Schwermer: Hallo Aline, schön, dass du da bist.

Pauline Jäckels: Hallo, vielen lieben Dank, dass ich da sein darf.

Aline Schwermer: Es fängt ja bald die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada an.

Aline Schwermer: Und gerade mit Blick auf die USA und Donald Trump wird es ja hier nicht nur

Aline Schwermer: um den Sport alleine gehen, sondern auch sehr viel um die politische Dimension

Aline Schwermer: der Weltmeisterschaft. Warum bzw.

Aline Schwermer: Inwiefern sind solche internationalen Großsport-Events politisch?

Pauline Jäckels: Also solche Großsport-Events sind natürlich erstmal per se dadurch politisch,

Pauline Jäckels: weil es einen großen Verband gibt, in dem Fall zum Beispiel die FIFA,

Pauline Jäckels: die ganz stark auf eine oder mehrere Staatsregierungen angewiesen ist.

Pauline Jäckels: Das heißt, Verbände wie die FIFA oder das IOC lieben ja Veranstaltungen mit

Pauline Jäckels: bombastischer Infrastruktur und irgendjemand muss diese Infrastruktur bauen.

Pauline Jäckels: Jemand muss die Bedingungen zur Verfügung stellen und das sind in aller Regel

Pauline Jäckels: Nationalstaaten, also Regierungen.

Pauline Jäckels: Und deswegen sind die Großverbände wahnsinnig angewiesen darauf,

Pauline Jäckels: mit in aller Regel wohlhabenden Staaten zu kooperieren.

Pauline Jäckels: Und das macht ziemlich automatisch solche Großereignisse auch zu politischen

Pauline Jäckels: Events, weil Regierungen diese Gelegenheit sehr gerne nutzen,

Pauline Jäckels: um sich darzustellen oder in Donald Trumps Fall auch sich selbst darzustellen.

Pauline Jäckels: Und eine starke Abhängigkeit existiert

Pauline Jäckels: der Sportverbände von staatlichen Strukturen. Das ist der eine Punkt.

Pauline Jäckels: Und der zweite Punkt ist natürlich, dass diese Ereignisse alleine dadurch,

Pauline Jäckels: dass sie so global wirken, also ein globales Publikum haben,

Pauline Jäckels: per se auch politische Ereignisse werden.

Pauline Jäckels: Es sind meistens Gelegenheiten, wo wir politische Demonstrationen erleben,

Pauline Jäckels: wo auch einzelne Personen auf den Rasen stürmen mit einer politischen Botschaft.

Pauline Jäckels: Und das per se macht diese Ereignisse zu Veranstaltungen, wo sehr,

Pauline Jäckels: sehr viel ausgehandelt wird zwischen verschiedenen Nationen,

Pauline Jäckels: aber auch zwischen Bevölkerungen und Regierungen.

Pauline Jäckels: Zum Beispiel haben wir in Mexiko vor der WM eine ganze Reihe von Protesten erlebt

Pauline Jäckels: gegen diese WM und im Spezialen Fall dieser Weltmeisterschaft in den USA kommt natürlich noch hinzu,

Pauline Jäckels: dass Donald Trump ganz extrem versucht, Einfluss auf die FIFA zu nehmen,

Pauline Jäckels: dass Trump und FIFA-Präsident Infantino eine sehr enge Beziehung pflegen und

Pauline Jäckels: die FIFA auch begonnen hat,

Pauline Jäckels: die Staaten in politische Dinge einzumischen, wie zum Beispiel diesen Trumpschen

Pauline Jäckels: Friedensratseher in Anführungsstrichen,

Pauline Jäckels: mit dem sie eine strategische Kooperation unterzeichnet hat.

Pauline Jäckels: Und das heißt, dass diese WM vielleicht für manche BeobachterInnen in Deutschland

Pauline Jäckels: nochmal gefühlt politischer ist als andere, weil sie eben gerade von der US-Regierung

Pauline Jäckels: sehr stark strategisch genutzt.

Aline Schwermer: Du hast ja gerade schon gesagt, das wird hier jetzt nochmal politischer wahrgenommen

Aline Schwermer: als andere, aber eigentlich sind ja schon alle Großsport-Events politisch.

Aline Schwermer: Warum wird hier so ein Unterschied gemacht?

Pauline Jäckels: Das ist ja nicht nur spezifisch für die US-WM, sondern das haben wir auch schon

Pauline Jäckels: bei der letzten WM in Katar erlebt, dass die Diskussion relativ groß war.

Pauline Jäckels: Sie ist nach meinem Gefühl bei Weltmeisterschaften grundsätzlich größer als

Pauline Jäckels: bei Europameisterschaften und bei Männerturnieren grundsätzlich größer als bei Turnieren der Frauen.

Pauline Jäckels: Und das hat natürlich auch mit der öffentlichen Wahrnehmung zu tun.

Pauline Jäckels: Also je mehr solche Turniere im öffentlichen Fokus stehen, umso mehr gibt es

Pauline Jäckels: auch ganz viele politische Aspekte, die sich darin spiegeln und die für Kontroversen sorgen.

Pauline Jäckels: Das heißt, politisch an und für sich ist es immer.

Pauline Jäckels: Politisch ist ja auch die Art und Weise, wie wir spielen und gegen wen wir spielen

Pauline Jäckels: und dass wir in Nationalteams spielen und so weiter und so fort.

Pauline Jäckels: Aber natürlich, wenn solche Bilder erzeugt werden, wie das von Trump und Infantino,

Pauline Jäckels: wo Infantino ihm diesen berühmten Friedenspreis überreicht, den die FIFA extra

Pauline Jäckels: kreiert hat, um Trump zu schmeicheln,

Pauline Jäckels: dann sind es auch für Menschen, die sich vielleicht sonst nicht so viel mit

Pauline Jäckels: Sportpolitik beschäftigen,

Pauline Jäckels: sehr offensichtlich politische Bilder, die da kreiert werden.

Aline Schwermer: Warum hat die FIFA das gemacht? Was für ein Interesse steht da dahinter?

Pauline Jäckels: Das ganz offensichtliche Interesse ist, sich bei Donald Trump einzuschmeicheln.

Pauline Jäckels: Es stehen aber natürlich ganz handfeste finanzielle Interessen dahinter.

Pauline Jäckels: Das heißt, die USA sind ein sehr, sehr wichtiger Markt, sowohl für die FIFA

Pauline Jäckels: als auch für viele zum Beispiel Großclubs,

Pauline Jäckels: weil man davon ausgeht, also der Fußball hat schon eine ganze Menge an Wachstumspotenzialen

Pauline Jäckels: ausgeschöpft und im Grunde der einzige Markt, wo man noch echte Wachspotenzialen hat.

Pauline Jäckels: Im Männerfußball erwartet, ist der US-Markt.

Pauline Jäckels: Und nicht umsonst hat ja auch Trump versucht, vor dem Turnier dieses Wort Soccer

Pauline Jäckels: umzubranden in Football, um sozusagen den Fußball mainstreamfähig in den USA zu machen.

Pauline Jäckels: Das heißt, es geht für die FIFA ganz stark darum, sich auf diesem US-Markt zu

Pauline Jäckels: platzieren und noch größere Gewinne zu schöpfen, was auch ganz viel zu tun hat

Pauline Jäckels: mit der Art und Weise, wie die FIFA funktioniert.

Pauline Jäckels: Weil die FIFA ist ja eine internationale Organisation, die aber nicht wie die

Pauline Jäckels: UNO zum Beispiel von den Beiträgen von Mitgliedstaaten abhängig ist,

Pauline Jäckels: sondern die FIFA verteilt Gelder.

Pauline Jäckels: Und sie verteilt Gelder maßgeblich durch die Einnahmen von dieser WM,

Pauline Jäckels: weil in allen anderen Jahren macht sie Verluste.

Pauline Jäckels: Und das heißt, für die Machtsicherung der FIFA und des FIFA-Präsidenten Es ist unglaublich wichtig,

Pauline Jäckels: mit diesen Weltmeisterschaften immer mehr Profite zu schöpfen,

Pauline Jäckels: weil man sich dadurch die Gefügigkeit der Mitgliedsverbände sichert.

Pauline Jäckels: Und deshalb liegt so ein massives Interesse in diesem US-Markt und deshalb liegt

Pauline Jäckels: aber natürlich auch ein massives Interesse daran, dieses Turnier immer weiter

Pauline Jäckels: aufzublähen, wie wir es jetzt gerade erleben.

Aline Schwermer: Was meinst du mit Gefügigkeit der Mitglieder?

Pauline Jäckels: Also es gibt ein ziemlich bewährtes Prinzip, nachdem die FIFA seit vielen Jahren funktioniert.

Pauline Jäckels: Weil grundsätzlich, also um die FIFA zu verstehen, muss man wissen,

Pauline Jäckels: dass jeder Mitgliedsstaat, also jeder

Pauline Jäckels: Mitgliedsverband, bei den Wahlen zum FIFA-Präsidenten eine Stimme hat.

Pauline Jäckels: Unabhängig davon, wie viele Menschen in diesem Staat leben oder wie bevölkerungsreich

Pauline Jäckels: er ist und was auch immer.

Pauline Jäckels: Und das heißt, dass sehr kleine Mitgliedsverbände sehr viel Machtverhältnismäßig

Pauline Jäckels: haben in diesem Konstrukt FIFA,

Pauline Jäckels: also sehr viel Einfluss und gleichzeitig sind vor allen Dingen diese kleinen

Pauline Jäckels: Verbände extrem abhängig von FIFA-Geldern,

Pauline Jäckels: weil die oft einen Großteil ihres Budgets darstellen.

Pauline Jäckels: Also die FIFA verteilt ja nicht nur Gelder an die Staaten, die an großen Turnieren

Pauline Jäckels: wie der WM teilnehmen, sondern die FIFA verteilt Gelder an alle.

Pauline Jäckels: Sehr substanzielle Summen über FIFA-Förderprojekte. Und das bedeutet,

Pauline Jäckels: dass sehr viele Verbände angewiesen sind auf die Gelder, die sie von der FIFA bekommen.

Pauline Jäckels: Und auch viele Einzelpersonen in diesen Verbänden massiv profitieren,

Pauline Jäckels: weil nicht getrackt wird, wohin diese Gelder genau fließen, also viel Geld in

Pauline Jäckels: die eigene Tasche stecken.

Pauline Jäckels: Und das ist von sehr, sehr vielen FIFA-Präsidenten der Vergangenheit ausgenutzt

Pauline Jäckels: worden, um sich Stimmen bei Wahlen zu sichern.

Pauline Jäckels: Also es ist für die Mächtigen in der FIFA ganz essentiell, diese Gelder zu verteilen,

Pauline Jäckels: weil das die Zustimmung und das Abnicken durch viele Mitgliedstaaten sichert.

Pauline Jäckels: Also nach dem Motto, beiß nicht in die Hand, die dich füttert.

Aline Schwermer: Und wie verdient die FIFA hauptsächlich ihr Geld?

Pauline Jäckels: Durch Weltmeisterschaften.

Aline Schwermer: Also durch den Verkauf von Tickets.

Pauline Jäckels: Von Streaming und TV-Rechten vor allen Dingen auch.

Pauline Jäckels: Das ist ein großer Faktor. Und Werbeverträgen natürlich.

Pauline Jäckels: Also zum Beispiel gerade steht ja Saudi Aramco als großer FIFA-Sponsor im Fokus,

Pauline Jäckels: der saudische staatliche Ölkonzern.

Pauline Jäckels: Das heißt, es gibt Partnerschaften von großen Konzernen, die der FIFA Geld bezahlen.

Pauline Jäckels: Vor allen Dingen für diese Sichtbarkeit bei Weltmeisterschaften.

Pauline Jäckels: Es gibt den massiven TV-Markt, wo eben ganz viele Sender darum konkurrieren,

Pauline Jäckels: dass sie diejenigen sein dürfen, die diese Rechte bekommen.

Pauline Jäckels: Und dann gibt es natürlich den Ticketmarkt, wo ja gerade auch total viele kontroverse

Pauline Jäckels: Diskussionen darum stattfinden, weil es eben zum ersten Mal diese dynamische

Pauline Jäckels: Dynamic Pricing auf Englisch gibt.

Pauline Jäckels: Das heißt, dass die Preise eben nicht fix sind, sondern nach Nachfrage immer weiter steigen.

Pauline Jäckels: Und das hat dazu geführt, dass die Ticketpreise bei diesem Turnier nochmal sehr,

Pauline Jäckels: sehr viel teurer sind, als sie sowieso schon sind.

Aline Schwermer: Warum wird denn die WM in den USA, Mexiko und Kanada zusammen ausgetragen?

Aline Schwermer: Wie wurde diese Entscheidung getroffen und inwiefern ist es ein Politikum,

Aline Schwermer: dass diese drei Staaten das zusammen machen?

Pauline Jäckels: Also sie wurde erst mal zusammenvergeben, auch aus rein infrastrukturellen Gründen,

Pauline Jäckels: Weil es mittlerweile so ist, dadurch, dass die FIFA zum ersten Mal die Teilnehmerzahl

Pauline Jäckels: auf 48 Teams erhöht hat, dass es eigentlich kaum einen Staat mehr gibt,

Pauline Jäckels: der das alleine stemmen kann.

Pauline Jäckels: Und natürlich ist es auch ein schönes Narrativ.

Pauline Jäckels: Also das spielt auch eine Rolle, dass Nordamerika vereint diese WM hostet.

Pauline Jäckels: Dann gibt es immer noch das Interesse an Märkten, was dahinter steht.

Pauline Jäckels: Also Großturniere dienen ja auch immer dazu, einen Markt für den Fußball entweder

Pauline Jäckels: zu erobern oder weiter zu konsolidieren.

Pauline Jäckels: Und natürlich ist zum Beispiel auch Mexiko ein wichtiger Fußballmarkt,

Pauline Jäckels: weil die Fußballbegeisterung grundsätzlich in Lateinamerika sehr,

Pauline Jäckels: sehr groß ist und man dadurch nochmal eine ganz andere Klientel mitnehmen kann,

Pauline Jäckels: als wenn man es nur in den USA ausrichten würde.

Pauline Jäckels: Aber also diese Akkumulation in verschiedenen Gastgeberstaaten,

Pauline Jäckels: die miteinander eine WM ausrichten, erleben wir mittlerweile ganz oft im Fußball.

Pauline Jäckels: Das ist ja auch bei der nächsten WM der Fall, also die in Spanien,

Pauline Jäckels: Portugal, Marokko hauptsächlich stattfinden wird, mit Uruguay noch dazu.

Pauline Jäckels: Und das kommt einfach daher, weil diese Turniere mittlerweile so groß sind,

Pauline Jäckels: Dass eben kaum ein Staat mehr alleine überhaupt in der Lage ist,

Pauline Jäckels: das infrastrukturell zu stemmen.

Aline Schwermer: Wir haben also hier verschiedene Elemente. Zum einen dienen diese Großsport-Events

Aline Schwermer: natürlich der Kapitalakkumulation, also der Profitgewinnung von großen Firmen.

Aline Schwermer: Dann eben auch Werbung, was ja im Prinzip auch wieder dem Profit dient.

Aline Schwermer: Und dann haben wir staatliche politische Interessen, weil sich Staaten bei solchen

Aline Schwermer: Events natürlich selbst darstellen können.

Aline Schwermer: Oder das ist ja eigentlich das Hauptding, dass sie sich dort politisch darstellen können.

Pauline Jäckels: Genau, wir haben Interessen von Staaten, sich politisch darzustellen,

Pauline Jäckels: aber wir haben eben auch ein System,

Pauline Jäckels: wie gerade geschildert, wo die Macht einer internationalen Organisation ganz

Pauline Jäckels: stark darauf beruht, dass sie diese Gelder verteilen kann.

Pauline Jäckels: Das heißt, es geht eben auch darum, politische Zustimmung zu sichern.

Aline Schwermer: Wenn wir jetzt die Berichterstattung,

Aline Schwermer: verfolgen werden, gerade über die politische Dimension wird mit Sicherheit zumindest

Aline Schwermer: das eine oder andere Mal auch dieses Wort Sportswashing fallen,

Aline Schwermer: gerade in Bezug auf Donald Trump, den ja eben viele als faschistisch,

Aline Schwermer: mindestens rechtsextrem wahrnehmen,

Aline Schwermer: nicht demokratisch.

Aline Schwermer: Dieses Wort hat ja ziemlich viel Konjunktur bekommen in den letzten Jahren,

Aline Schwermer: vor allem auch in Bezug auf autokratische Staaten wie Russland oder Katar,

Aline Schwermer: die eben Großsportsevent ausrichten.

Aline Schwermer: Und dann steht dieser Vorwurf im Raum, Sie betrieben Sportswashing.

Aline Schwermer: Was ist denn mit diesem Begriff gemeint?

Pauline Jäckels: Also ich muss auch zunächst mal sagen, dass ich gar kein großer Fan von diesem

Pauline Jäckels: Begriff bin und den eigentlich sehr selten benutze, weil es ein Begriff ist,

Pauline Jäckels: der im deutschen Diskurs einfach wahnsinnig schwammig verwendet wird.

Pauline Jäckels: Das heißt, es ist ein Begriff, der in aller Regel verwendet wird in Bezug auf

Pauline Jäckels: autokratische Staaten,

Pauline Jäckels: zum Beispiel oft die Golfstaaten oder Russland und wo aber im deutschen Diskurs

Pauline Jäckels: eigentlich gar nicht so richtig klar ist, was soll denn damit gemeint sein und

Pauline Jäckels: warum betreiben das denn die einen und die anderen nicht.

Pauline Jäckels: Also weil natürlich tut es jeder auf seine Art und grundsätzlich,

Pauline Jäckels: was mit Sportswashing allgemein so nach grundlegender Definition gemeint ist,

Pauline Jäckels: ist, wenn ein Staat oder ein Konzern oder eine Einzelperson in Sport investiert,

Pauline Jäckels: um damit von Missständen abzulenken.

Pauline Jäckels: Also in der Regel sind menschenrechtliche Missstände gemeint und in der Regel

Pauline Jäckels: ist es so gemeint, dass wenn es zum Beispiel gerade eine menschenrechtliche

Pauline Jäckels: Verschlechterung gibt in einem Staat oder wenn es einen Skandal gibt rund um einen Konzern,

Pauline Jäckels: dass dann der Staat oder der Konzern in Sport investiert, um sein eigenes Image

Pauline Jäckels: aufzupolieren und um ein anderes Narrativ in die Öffentlichkeit zu setzen.

Pauline Jäckels: Und weshalb ich diesen Begriff aber schwierig finde,

Pauline Jäckels: ist, weil er zum einen ja überhaupt nicht klar trennscharf ist von Begriffen

Pauline Jäckels: wie Nation Branding oder Sportdiplomatie.

Pauline Jäckels: Aber auch, weil es dann oft wahnsinnig reduziert wird auf diese Absicht.

Pauline Jäckels: Und es ist natürlich klar, also bei den Beispielen wie Qatar,

Pauline Jäckels: die du gerade genannt hast, dass da auch Sportsforsching hinter steckt.

Pauline Jäckels: Aber es geht zum Beispiel auch ganz klar darum, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren,

Pauline Jäckels: Tourismuseinnahmen zu steigern.

Pauline Jäckels: Oder ganz grundsätzlich bei Staaten wie Qatar,

Pauline Jäckels: die mittlerweile in der Welt ein ganz anderes Gewicht haben,

Pauline Jäckels: als sie das vor Jahrzehnten hatten, dieses Gewicht auch im Sport zu spiegeln

Pauline Jäckels: und es wird dann in Deutschland wahnsinnig reduziert auf diese eine Absicht

Pauline Jäckels: Sportswashing und das ist oft auch ein sehr eurozentrischer Diskurs,

Pauline Jäckels: weil es hier annimmt, dass alles nur passiert,

Pauline Jäckels: um vor den Europäern im Zweifelsfall besser auszusehen.

Pauline Jäckels: Und das entspricht einfach so nicht der Realität, aber natürlich für diese Regime

Pauline Jäckels: als auch für andere Regime sind Sportveranstaltungen ein Faktor,

Pauline Jäckels: um das Image aufzubessern, das ist auch ganz klar.

Aline Schwermer: Du hast jetzt schon zwei Begriffe genannt, eine perfekte Überleitung für mich,

Aline Schwermer: Nation Branding und Sports Diplomacy. Was ist das?

Pauline Jäckels: Also um mal mit Sportdiplomatie anzufangen, ich würde das eher als Überbegriff

Pauline Jäckels: über all diesen Dingen einordnen,

Pauline Jäckels: aber wenn man das so im öffentlichen Diskurs betrachtet, dann ist es tendenziell

Pauline Jäckels: eher so, dass Sportdiplomatie positiv bewertet wird und Sportswashing ist der negative Aspekt.

Pauline Jäckels: Also Sportwashing wäre eher, wenn man eben in Sport investiert,

Pauline Jäckels: um zum Beispiel Menschenrechtsverbrechen zu verschleiern,

Pauline Jäckels: um ein positiveres Image aufgrund eines bestehenden Skandals zu kreieren und

Pauline Jäckels: Sportdiplomatie wäre eher,

Pauline Jäckels: Wenn man versucht, den Sport als positive Kraft zu nutzen.

Pauline Jäckels: Also ein klassisches Beispiel wäre ja die Ping-Pong-Diplomatie zwischen USA und China.

Pauline Jäckels: Viel zitiert ein anderes klassisches Beispiel, was das IOC zum Beispiel ganz

Pauline Jäckels: stark versucht hat, war diese Diplomatie zwischen Nord- und Südkorea via Sport.

Pauline Jäckels: Der Sport öffnet Kanäle, die die Politik vielleicht nicht öffnen kann,

Pauline Jäckels: was ja auch teilweise stimmt.

Pauline Jäckels: Also zum Beispiel in diesem Beispiel Nord- und Südkorea ist es ja gelungen,

Pauline Jäckels: dann verschiedene Einmärsche bei Olympia unter einer Einheitsflagge zu inszenieren

Pauline Jäckels: oder ein gemeinsames Team zwischen Nord- und Südkoreanerinnen,

Pauline Jäckels: was ja tatsächlich was ist, was auf politischer Ebene, also zwischen Normalbürgerinnen

Pauline Jäckels: dieser beiden Staaten undenkbar wäre.

Pauline Jäckels: Aber gleichzeitig hat das natürlich auch enge Grenzen.

Pauline Jäckels: Also dann nach 2018 ist die Stimmung wieder abgekühlt zwischen beiden Staaten

Pauline Jäckels: und im Prinzip diese ganzen Wünsche des IOC, vielleicht irgendwann mal den Frieden

Pauline Jäckels: zur Weltpreis zu bekommen für seine Bemühungen, sind im Nichts verlaufen.

Pauline Jäckels: Und also das ist so ein bisschen der Unterschied in der öffentlichen Wahrnehmung,

Pauline Jäckels: aber ich würde sagen, rein objektiv betrachtet ist natürlich auch Sportswashing

Pauline Jäckels: ein Teil von Sportdiplomatie und auch Nation Branding ist ein Teil von Sportdiplomatie.

Aline Schwermer: Also Nation Branding als der Versuch von Staaten, sich in der Öffentlichkeit

Aline Schwermer: selbst darzustellen, ein positives Image herzustellen und ich finde,

Aline Schwermer: dass es hier eine Parallele gibt,

Aline Schwermer: also Sports Diplomacy gehört ja zu den Unterkategorien von Public Diplomacy,

Aline Schwermer: Public Diplomacy ist eben ein,

Aline Schwermer: Also ich würde sagen, es ist ein neuer Euphemismus für Auslandspropaganda auf eine Art.

Aline Schwermer: Leute, die Public Diplomacy lehren oder daran arbeiten, würden das meistens anders framen.

Aline Schwermer: Die sagen eben, es geht darum, dass man als Staat die Öffentlichkeiten von anderen

Aline Schwermer: Staaten erreicht, Dialog herstellt und so weiter.

Aline Schwermer: In vielerlei Hinsicht geht es aber, so sehe ich das zumindest ein bisschen kritischer,

Aline Schwermer: eben darum, Propaganda für die eigene Sache zu betreiben.

Aline Schwermer: Also dafür zu sorgen, dass Öffentlichkeiten in anderen Staaten ein positives

Aline Schwermer: Image vom eigenen Staat haben,

Aline Schwermer: von einer bestimmten politischen Agenda ein positives Image haben und das eben

Aline Schwermer: positive Auswirkungen auf die eigene Macht hat.

Aline Schwermer: Und für mich ist diese Trennung zwischen Sports Diplomacy und Sports Washing

Aline Schwermer: so ein bisschen ähnlich wie so eine Trennung von, wir die Guten betreiben Public

Aline Schwermer: Diplomacy und die anderen betreiben Propaganda.

Aline Schwermer: Wir die Guten betreiben Sports Diplomacy, die anderen machen Sports Washing quasi.

Pauline Jäckels: Ja, das ist richtig und mit Propaganda ist es ja nochmal deutlicher als mit Sportswashing.

Pauline Jäckels: Also Sportswashing, vielleicht unterstellt man auch nochmal Bayer,

Pauline Jäckels: so wenn es sich um eine relativ kritische Person handelt, aber ich habe zum

Pauline Jäckels: Beispiel rund um die letzte deutsche Fußballheim-EM nie gelesen,

Pauline Jäckels: dass irgendjemand geschrieben hätte, der deutsche Staat betreibt Propaganda.

Pauline Jäckels: Also bei diesem Begriff, das ist, glaube ich, völlig nur für die Blöcke gedacht,

Pauline Jäckels: die nicht dem westlichen Block zugerechnet werden.

Pauline Jäckels: Und ja, das ist, glaube ich, undenkbar, dass wir das tun könnten.

Aline Schwermer: Ja, und an der Stelle ist natürlich auch nochmal wichtig zu sagen,

Aline Schwermer: was wir meinen, wenn wir das Wort Propaganda benutzen.

Aline Schwermer: Für mich ist es einfach aus wissenschaftlicher Perspektive der Versuch von Staaten,

Aline Schwermer: ihr eigenes Image zu verbessern oder eine bestimmte Agenda voranzutreiben über

Aline Schwermer: die Beeinflussung der öffentlichen Meinung.

Aline Schwermer: Über das Aussenden von Informationen, das kann ganz vielfältig sein,

Aline Schwermer: das kann eben sein, wir geben eine Pressemitteilung raus, wir halten Rede,

Aline Schwermer: aber das kann eben auch sein,

Aline Schwermer: wir tragen ein großes Sportevent aus, wo Deutschlandflaggen überall sind und

Aline Schwermer: wir framen Deutschland als ein besonders freundliches Land und so weiter.

Aline Schwermer: Und auch das hat natürlich in diesem wissenschaftlichen Sinne propagandistische Elemente.

Aline Schwermer: Wie sehen wir das jetzt gerade in Bezug auf die USA?

Aline Schwermer: Du hast schon gesagt, es ist sehr Donald Trump zentriert.

Aline Schwermer: Kannst du das ausführen?

Pauline Jäckels: Ja, also ich denke, wir müssen zwei Dinge dabei unterscheiden.

Pauline Jäckels: Zum einen, wie es in Realität abläuft und zum anderen, wie es wahrgenommen wird.

Pauline Jäckels: Und nach meinem Eindruck ist die Wahrnehmung in Deutschland nochmal stärker

Pauline Jäckels: Donald Trump fixiert, weil es eben diese Symptomatik gibt, dass wenn man sich

Pauline Jäckels: mit verbündeten Staaten auseinandersetzt,

Pauline Jäckels: man nicht so sehr auf strukturelle Machtverhältnisse guckt und nicht so sehr

Pauline Jäckels: auf Menschenrechtsverbrechen dieses Staates, die sich durchziehen, sondern man neigt dazu,

Pauline Jäckels: dann ganz stark auf Einzelpersonen zu schauen.

Pauline Jäckels: Also zum Beispiel, ich würde behaupten, wenn diese WM unter Joe Biden stattgefunden

Pauline Jäckels: hätte, dann würde man sie überhaupt nicht problematisieren in Deutschland.

Pauline Jäckels: Und auch also trotz dessen, dass ja auch unter Biden zum Beispiel ein mutmaßlicher

Pauline Jäckels: Völkermord in Gaza mitfinanziert wurde oder trotz dessen, dass auch Biden massivst viele Menschen...

Pauline Jäckels: Abgeschoben hat in seinem letzten Jahr.

Pauline Jäckels: Also gar nicht so viel weniger als Donald Trump. Aber dann ist dieser Diskurs

Pauline Jäckels: sehr, sehr stark an so einem Habitus ausgerichtet.

Pauline Jäckels: Also Trump hat dann einen antibürgerlichen Habitus und eben auch deswegen fixiert

Pauline Jäckels: sich diese Diskussion nochmal stärker auf ihn.

Pauline Jäckels: Und also wenn wir realpolitisch uns angucken, was passiert, dann können wir

Pauline Jäckels: sehen, dass die USA grundsätzlich im globalen Fußball in den letzten Jahren

Pauline Jäckels: massiv an Einfluss gewonnen haben.

Pauline Jäckels: Das ist nicht nur Donald Trump, sondern das sind auch zum Beispiel US-Private-Equity-Konzerne,

Pauline Jäckels: die sehr, sehr stark in den europäischen Fußball angefangen haben zu investieren.

Pauline Jäckels: Also mittlerweile, wenn du dir die Top-5-Liegen der Männer anguckst in Europa,

Pauline Jäckels: Dann ist jeder dritte Club in US-Besitz oder Teil-US-Besitz,

Pauline Jäckels: also von Private Equity Konzernen.

Pauline Jäckels: Und das ist natürlich was anderes, als wenn das jetzt Cutter tut,

Pauline Jäckels: weil erstmal agieren diese Konzerne ja in einem privatwirtschaftlichen Interesse.

Pauline Jäckels: Also sie wollen eben Clubs aufkaufen, dann den Wert steigern und sie irgendwann wieder verkaufen.

Pauline Jäckels: Aber natürlich, wenn man so massiv einseitige Besitzverhältnisse hat,

Pauline Jäckels: dann bedeutet das auch, zumal wenn es sich um Milliardäre handelt,

Pauline Jäckels: die teilweise Trump-nah sind,

Pauline Jäckels: bedeutet das auch einen starken politischen Einfluss der USA, europäischen Fußball.

Pauline Jäckels: Also der sich zum Beispiel auch darin zeigt, dass dann diskutiert wird,

Pauline Jäckels: Systeme so zu gestalten, Wettbewerbssysteme, dass sie freundlicher gegenüber

Pauline Jäckels: dem US-amerikanischen Markt sind.

Aline Schwermer: Und was für Narrative sehen wir dort seitens der USA, wenn sie versuchen,

Aline Schwermer: hier Sportswashing bzw.

Aline Schwermer: Sportdiplomatie zu betreiben mit Blick auf die WM?

Pauline Jäckels: Ich empfinde es gar nicht so sehr, dass ein einneutiges Narrativ propagiert

Pauline Jäckels: wird, sondern vor allen Dingen, dass die USA sich selber extrem ins Zentrum

Pauline Jäckels: dieser Weltmeisterschaft rücken.

Pauline Jäckels: Also die Öffentlichkeit hat

Pauline Jäckels: ja schon halb vergessen, dass auch noch Mexiko und Kanada Gastgeber sind.

Pauline Jäckels: Es ist alles extrem auf die USA ausgerichtet und natürlich gibt es dann immer

Pauline Jäckels: das Narrativ, dass dieses die tollste WM aller Zeiten sein wird,

Pauline Jäckels: so wie man das üblicherweise gerne framet vor solchen Turnieren.

Pauline Jäckels: Aber ich nehme es nicht so sehr wahr,

Pauline Jäckels: als den Versuch der Trump-Regierung, ein bestimmtes Narrativ zu platzieren,

Pauline Jäckels: sondern eher dafür zu sorgen,

Pauline Jäckels: dass sie ganz extrem sichtbar sind während dieser Weltmeisterschaft und dass

Pauline Jäckels: die Bilder dieser Weltmeisterschaft mit Trump verknüpft sein werden.

Pauline Jäckels: Das ist, glaube ich, weniger eindeutig als zum Beispiel, wenn wir das mit Qatar

Pauline Jäckels: vergleichen, wo es die ganz klare Absicht gab,

Pauline Jäckels: Qatar darzustellen als einen modernen, glitzernden Staat mit toller Infrastruktur

Pauline Jäckels: und tollen Tourismusmöglichkeiten.

Pauline Jäckels: Gegengesetzt zu den Kritiken an Frauenrechten und Rechten von Homosexuellen

Pauline Jäckels: und so weiter und so fort.

Aline Schwermer: Weil die USA einfach über die letzten Jahrzehnte ein so großes Kulturkapital

Aline Schwermer: aufgebaut haben, eben über verschiedene, also sowohl über Sportsdiplomacy als

Aline Schwermer: auch über Kulturdiplomatie.

Aline Schwermer: Natürlich, wir denken an den ganzen Hollywood-Industrie-Komplex und so weiter und so fort,

Aline Schwermer: dass sie einfach da schon eine Hegemonie haben, die sie jetzt auf der See aufbauen

Aline Schwermer: können, Auch wenn natürlich das Image der USA in bestimmten Teilen und unter

Aline Schwermer: bestimmten Gruppen sehr gelitten hat,

Aline Schwermer: jetzt unter der Trump-Regierung, aber bei anderen eben wiederum nicht.

Pauline Jäckels: Genau und ich glaube, die Trump-Regierung ist auch keine, die darauf achten

Pauline Jäckels: würde, ihr Image zu glätten, sondern es geht eben einfach um Macht.

Pauline Jäckels: Also es geht darum, mehr Macht auf dem globalen Sportmarkt zu bekommen und es

Pauline Jäckels: geht natürlich auch darum, die USA zu präsentieren als ein Ort,

Pauline Jäckels: wo es spannend sein kann, für den Fußball mehr zu investieren.

Pauline Jäckels: Also es gab ja auch immer wieder Versuche, zum Beispiel reguläre Ligaspiele

Pauline Jäckels: aus Europa in den USA abzuhalten, zuletzt von der spanischen Liga der Männer,

Pauline Jäckels: was gescheitert ist letztlich.

Pauline Jäckels: Aber diese Wünsche gibt es natürlich auch seitens des US-Marktes und auch nicht

Pauline Jäckels: umsonst hat man jemanden wie Lionel Messi verpflichtet.

Aline Schwermer: Ich finde Saudi-Arabien und Katar sind ein sehr interessantes Beispiel der vergangenen

Aline Schwermer: Jahre, wenn es um das Thema Sportdiplomatie und insgesamt Public Diplomacy geht, weil genau die USA,

Aline Schwermer: auch China, Russland und so weiter, das sind Länder, die in den vergangenen

Aline Schwermer: Jahrzehnten aufgrund ihrer großen politischen Konflikte auch untereinander natürlich

Aline Schwermer: dieses Thema Public Diplomacy, also dieser Kampf um das globale Image,

Aline Schwermer: der Kampf um die Narrative,

Aline Schwermer: das haben sie total ausgebaut. Die haben im Prinzip...

Aline Schwermer: Diese Bereiche groß gemacht. Also wenn es darum geht, wie funktioniert das?

Aline Schwermer: Wie können wir ein globales Image aufbauen?

Aline Schwermer: Die Golfstaaten haben da lange gar keine große Rolle gespielt,

Aline Schwermer: so wie viele anderen Staaten das zwar machen, aber jetzt da nicht führende Rollen

Aline Schwermer: spielen. Das hat sich in den vergangenen Jahren jetzt geändert.

Aline Schwermer: Warum ist das so und kannst du da so ein bisschen drauf eingehen?

Aline Schwermer: Wie haben Saudi-Arabien und Katar sich da entwickelt? Thema Sportdiplomatie.

Pauline Jäckels: Ja, kann ich sehr gerne machen. Im Grunde, Katar ist ja der Vorreiter gewesen unter diesen dreien.

Pauline Jäckels: Und das fußt so auf drei bis vier verschiedenen Strategien.

Pauline Jäckels: Zum einen die Ausrichtung von großen Sportevents wie Handball-WM,

Pauline Jäckels: Leichtathletik-WM, Formel 1 und so fort.

Pauline Jäckels: Und natürlich als Krone die Männerfußball-WM 2022.

Pauline Jäckels: Was im Wesentlichen wichtig ist, um eben erstmal ein Image von diesem Staat

Pauline Jäckels: überhaupt zu kreieren und aber auch kontrollieren zu können,

Pauline Jäckels: welches Image der Welt erzählt wird.

Pauline Jäckels: Dann spielt es nachweislich, also das ist tatsächlich so, dass Sport groß zu

Pauline Jäckels: Niere eine Rolle spielen für

Pauline Jäckels: Tourismus, also um sich selbst als Tourismus-Destination zu platzieren.

Pauline Jäckels: Dann die zweite Strategie ist, darüber in Sportstrukturen zu investieren,

Pauline Jäckels: also zum Beispiel wie das Qatar mit seinem Staatsfonds gemacht hat,

Pauline Jäckels: die PSG gekauft haben, also Paris Saint-Germain.

Pauline Jäckels: Und da auch interessanterweise teilweise überhaupt nicht auf sportlichen Erfolg

Pauline Jäckels: in erster Linie gesetzt haben, sondern darauf Schlagzeilen zu machen.

Pauline Jäckels: Also zum Beispiel, indem sie Neymar damals gekauft haben für 222 Millionen,

Pauline Jäckels: was nicht mal ansatzweise seinen sportlichen Wert widergespiegelt hat,

Pauline Jäckels: aber jeder hat angefangen, über Katar zu sprechen.

Aline Schwermer: Also eine ganz klassische PR-Aktion einfach.

Pauline Jäckels: Was aber wiederum auch den eigenen BürgerInnen was geboten hat.

Pauline Jäckels: Also das darf man auch nicht vergessen, weil für die, also für viele BürgerInnen

Pauline Jäckels: in Katar ist ein Stück weit PSG wie ein eigenes Nationalteam gefühlt.

Pauline Jäckels: Und man ist dann stolz, dass man jetzt Fan eines Teams ist, was die Champions

Pauline Jäckels: League gewonnen hat, zum Beispiel gerade.

Pauline Jäckels: Also das heißt, es sendet auch eine Botschaft nach innen und nicht nur eine Botschaft nach außen.

Pauline Jäckels: Dann drittens die personellen Verwicklungen,

Pauline Jäckels: also im Falle Katars zum Beispiel in Form von Nasser Khalafi,

Pauline Jäckels: das ist der Mann, der gleichzeitig Clubboss ist von PSG,

Pauline Jäckels: der Boss ist des katarischen Sportsenders, B-In Sports,

Pauline Jäckels: der Vorstand ist der Europäischen Clubvereinigung und im UEFA-Exekutivkomitee sitzt.

Pauline Jäckels: Das heißt, das ist eine Person, in deren Händen wahnsinnig viel Macht gebündelt ist in Europa,

Pauline Jäckels: auch teilweise mit völlig klaren Interessenskonflikten, wenn es zum Beispiel

Pauline Jäckels: darum geht, dass die UEFA TV-Rechte aushandelt mit Be-In-Sports.

Pauline Jäckels: Und so eine Person schafft natürlich zum einen Einfluss,

Pauline Jäckels: Sorgt aber auch zum anderen ziemlich effektiv dafür, dass sich niemand,

Pauline Jäckels: fast niemand aus dem europäischen Fußball kritisch gegenüber Cutter geäußert

Pauline Jäckels: hat, weil einfach die Abhängigkeiten und die Loyalitäten so stark sind.

Pauline Jäckels: Und dann eben viertens den gerade angesprochenen Sender Be In Sports,

Pauline Jäckels: weil wenn du das auch noch hast, also einen mächtigen Sportsender,

Pauline Jäckels: der Champions League oder WM zeigt, dann kontrollierst du eben auch die Bilder, die gezeigt werden.

Pauline Jäckels: Und ich glaube, eines der mächtigsten Bilder war nach diesem Finale in Katar,

Pauline Jäckels: Also als der Emi Athani Messi dieses traditionelle Gewand, die Büsch umgehängt

Pauline Jäckels: hat, über das argentinische Nationaltrikot.

Pauline Jäckels: Also das Nationaltrikot war im Prinzip nicht mehr zu sehen, sondern es war zu

Pauline Jäckels: sehen, dieses, wenn man so will, katharische Symbol.

Pauline Jäckels: Und er war eben verewigt auf den am meisten geteilten Bildern dieses Turniers.

Aline Schwermer: Das hat den Effekt, erstens Leute nehmen ein Land wahr.

Aline Schwermer: Man denkt überhaupt erst an dieses Land. Im besten Falle hat man irgendwie positive

Aline Schwermer: Assoziationen, normalisiert vielleicht auch etwas, was man vorher für nicht

Aline Schwermer: normalisiert hielt, zum Beispiel einen autokratischen Staat.

Aline Schwermer: Dann erwägt man es vielleicht als touristisches Ziel,

Aline Schwermer: was wirtschaftliche Vorurteile bringt und natürlich auch ergeben sich dort eben

Aline Schwermer: nicht private wirtschaftliche Möglichkeiten, Zusammenarbeitsmöglichkeiten und so weiter.

Pauline Jäckels: Genau und also dieses Thema mit den Business-Deals ist ja sowieso ein ganz großes,

Pauline Jäckels: also ein großer Grund, warum viele Milliardäre zum Beispiel in den Fußball investieren,

Pauline Jäckels: weil Fußball ist notorisch ein Verlustgeschäft.

Pauline Jäckels: Du machst keine Gewinne, indem du Geld in diese Clubs pumpst,

Pauline Jäckels: aber natürlich kannst du in der VIP-Loge sehr lukrative Deals aushandeln mit

Pauline Jäckels: anderen Leuten, die in deine VIP-Loge kommen.

Pauline Jäckels: Und diese Strategie war für Katar sehr erfolgreich und manche Staaten neigen

Pauline Jäckels: dann auch dazu, das zu unterschätzen, wie viel es eigentlich kostet.

Pauline Jäckels: Zum Beispiel wie Saudi-Arabien das versucht hat, eine wirklich Konkurrenzliga

Pauline Jäckels: zur Premier League aus dem Boden zu stampfen.

Pauline Jäckels: Und dann reicht es nicht, wenn du mal Ronaldo kaufst und ein paar andere alte

Pauline Jäckels: Stars und da hinsetzt und für ein paar Jahre viele Millionen da rein investierst.

Pauline Jäckels: Und das kann eben auch zur Schlussfolgerung führen, dass finanzielles Engagement

Pauline Jäckels: in dieser Höhe letztlich die politische Rendite nicht wert war und dass man

Pauline Jäckels: es ein Stück weit wieder zurückfährt.

Aline Schwermer: Wir haben jetzt schon sehr viel darüber gesprochen, also dieses Austragen von

Aline Schwermer: Großsport-Events ist quasi die Königsklasse der Sportdiplomatie,

Aline Schwermer: weil man dann natürlich sehr viel Aufmerksamkeit auf sich richtet,

Aline Schwermer: sehr viel Kontrolle auch hat.

Aline Schwermer: Aber auch die Teilnahme an Großsport-Events, also die bloße Teilnahme einer

Aline Schwermer: Nation an einem Großsport-Events in einem anderen Land, bietet ja auch Möglichkeit

Aline Schwermer: zur Selbstdarstellung.

Aline Schwermer: Wie sieht es denn aus mit dieser Frage nach, wer darf nicht teilnehmen?

Aline Schwermer: Wie spielte Ihnen diese ganze Sportdiplomatie mit rein?

Pauline Jäckels: Ja, es ist eine sehr interessante Frage, die ja gerade in den letzten Jahren

Pauline Jäckels: wieder groß geworden ist.

Pauline Jäckels: Also die lange gar nicht so groß war, weil diese Sportausschlüsse immer so in

Pauline Jäckels: Wellen kommen, konjunkturbedingt.

Pauline Jäckels: Also meistens, wenn es einen kriegerischen Konflikt gibt, in den viele Staaten

Pauline Jäckels: involviert sind. Und richtig groß ist es wieder geworden mit dem Russland-Ausschluss

Pauline Jäckels: natürlich nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine.

Pauline Jäckels: Und im Grunde ist es aber im Sport so, dass es keine objektiven Regeln gibt,

Pauline Jäckels: also zumindest keine objektiven Regeln, die durchgesetzt werden,

Pauline Jäckels: wer ausgeschlossen wird und wer nicht, sondern das ist sehr,

Pauline Jäckels: sehr stark von Machtkonstellationen abhängig.

Pauline Jäckels: Und man muss ja auch verstehen, dass grundsätzlich Sportverbände eigentlich kein Interesse haben,

Pauline Jäckels: irgendeinen Verband oder AthletInnen eines Landes auszuschließen,

Pauline Jäckels: weil wenn sie jemanden ausschließen und sie haben ja den Anspruch,

Pauline Jäckels: einen Weltmeister zu küren und Weltmeister ist derjenige, der sich gegen alle

Pauline Jäckels: durchsetzt und natürlich je mehr Staaten du potenziell ausschließt,

Pauline Jäckels: desto mehr verliert es an Legitimität.

Pauline Jäckels: Das heißt, im Grunde, die Sportverbände haben in ihrem Geschäftsmodell eigentlich

Pauline Jäckels: gar kein Interesse daran, aber es passiert.

Aline Schwermer: Weil man ja auch einen Markt verliert dadurch, oder?

Pauline Jäckels: Genau.

Aline Schwermer: Länder, die boykottiert werden. Ich habe das jetzt nochmal bei Olympia,

Aline Schwermer: was mich ein bisschen mehr persönlich interessiert als Olympia.

Aline Schwermer: Als die WM habe ich es auch nochmal mitbekommen, dass Leute,

Aline Schwermer: die in Russland leben, dann eben sagen, also so eine starke Antipathie auch

Aline Schwermer: gegen diese ganze Veranstaltung entwickeln können, zumindest.

Pauline Jäckels: Nicht nur das, sondern du verlierst eben auch potenziell Investoren.

Pauline Jäckels: Also es gibt eben das ganz konkrete Beispiel zum Beispiel vom FC Chelsea in

Pauline Jäckels: der Premier League, der in Besitz war von Roman Abramowitsch,

Pauline Jäckels: der eben nach der Vollinvasion der Ukraine darauf gedrängt wurde,

Pauline Jäckels: diesen Club zu verkaufen.

Pauline Jäckels: Und das heißt also, du verlierst auch potenzielle Geldquellen.

Pauline Jäckels: Und deshalb haben im Grunde die Sportverbände an diesen Ausschlüssen gar nicht großes Interesse.

Pauline Jäckels: Aber es passiert eben doch immer wieder, weil es Druck gibt,

Pauline Jäckels: vor allem politischen Druck aus Staaten oder teilweise eben auch von nationalen Verbänden.

Pauline Jäckels: Und das war zum Beispiel auch der Fall, zumindest im Fußball,

Pauline Jäckels: bei diesem Russland-Ausschluss, weil im Grunde die FIFA und die UEFA überhaupt

Pauline Jäckels: keine Handhabe haben in ihren Statuten, um Russland auszuschließen.

Pauline Jäckels: Aber es gab eine Reihe von europäischen Nationalverbänden, die gesagt haben,

Pauline Jäckels: wir weigern uns, gegen Russland anzutreten.

Pauline Jäckels: Und das hat Fakten geschaffen und dementsprechend haben die Fußballverbände

Pauline Jäckels: dann eine Sprachregelung adoptiert, wo sie von Sicherheitsbedenken sprechen.

Pauline Jäckels: Also sie sprechen nicht, genau, es ist ganz interessant, sie sprechen nicht

Pauline Jäckels: von einem Menschenrechtsverbrechen oder einem Völkerrechtsbruch,

Pauline Jäckels: sondern sie sprechen von Sicherheitsbedenken, um juristisch unangreifbar zu sein.

Pauline Jäckels: Und bei Olympia ist es aber anders, weil es in der Olympischen Charta ja durchaus zwei Handhaben gibt.

Pauline Jäckels: Also das eine ist der sogenannte Olympische Frieden, also dass du eben nicht

Pauline Jäckels: während Olympia ein Land angreifen kannst.

Pauline Jäckels: Das ist natürlich jetzt auch keine juristische Linie im Sinne von,

Pauline Jäckels: dass du irgendjemanden dafür verklagen könntest.

Pauline Jäckels: Aber das war ein Argument, was man anfangs genutzt hat gegen Russland.

Pauline Jäckels: Und das zweite ist ein Teil in der Olympischen Charta, der besagt,

Pauline Jäckels: dass ein Verband nicht das Recht hat, die territoriale Integrität eines anderen

Pauline Jäckels: Verbandes zu verletzen.

Pauline Jäckels: Und das war das Argument, mit dem man letztlich Russland ausgeschlossen hat,

Pauline Jäckels: weil ab dem Punkt, als Russland offiziell Gebiete der Ukraine wie Danetsk und

Pauline Jäckels: Lugansk annektiert hat,

Pauline Jäckels: diese Klause sozusagen gezogen wurde, um den Ausschluss des russischen Verbandes zu rechnen.

Pauline Jäckels: Aber natürlich ist auch ganz klar, wenn wir uns Fälle der Vergangenheit oder

Pauline Jäckels: der Gegenwart angucken,

Pauline Jäckels: dass das völlig willkürlich angewendet wird, weil ja völlig klar ist,

Pauline Jäckels: man könnte das auch gegen Israel benutzen, um zu sagen, sie verletzen die palästinensische

Pauline Jäckels: territoriale Integrität, aber das passiert eben nicht.

Aline Schwermer: Oder die libanesische, die syrische und so weiter.

Aline Schwermer: Und warum passiert das dann nicht, ist die Frage.

Aline Schwermer: Was sind die Mechanismen, die

Aline Schwermer: dafür sorgen, dass die einen ausgeschlossen werden und die anderen nicht?

Pauline Jäckels: Verbände des, ich nenne es jetzt mal politischen Westens, enorm viel Einfluss

Pauline Jäckels: haben in diesen Sportverbänden.

Pauline Jäckels: Also es ist ja so, man muss sehen, historisch sind diese Sportverbände in Europa

Pauline Jäckels: gegründet worden und eben auch lange Zeit eine relativ rein weiße europäische

Pauline Jäckels: oder vielleicht mit US-amerikanische Elite-Veranstaltung gewesen.

Pauline Jäckels: Und erst mit der Zeit, also mit der Unabhängigkeitsbewegung in vielen ehemaligen

Pauline Jäckels: Kolonien und mit auch zunehmender Macht dieser Staaten wurden die Turniere weiter

Pauline Jäckels: ausgedehnt und sind diese Staaten dazugekommen.

Pauline Jäckels: Und man merkt schon, dass sich da Machtgleichgewichte ein Stück weit verschoben haben.

Pauline Jäckels: Und das merkt man ja auch daran, dass es zum Beispiel im Sport tatsächlich mittlerweile

Pauline Jäckels: einen relativ großen Druck für einen Ausschluss Israels gibt,

Pauline Jäckels: der bisher nicht erfolgreich war.

Pauline Jäckels: Aber es gibt diesen Druck und das sagt, dass sich durchaus da was verändert hat an Machtbalancen.

Pauline Jäckels: Aber es ist eben immer noch so, wenn man sich die Historie anguckt,

Pauline Jäckels: dass kein einziger Staat des politischen Westens jemals sanktioniert wurde für Invasion,

Pauline Jäckels: Für Völkermord, für irgendein koloniales Massaker oder sonstige Dinge.

Pauline Jäckels: Das hat einfach nicht stattgefunden, sondern Sportausschlüsse waren meistens Instrumente,

Pauline Jäckels: also zum Beispiel gegen gegnerische Mächte im Zweiten Weltkrieg oder im US-Vietnamkrieg,

Pauline Jäckels: um diese Mächte zu sanktionieren.

Aline Schwermer: Zu sanktionieren und im Prinzip aber auch dafür zu sorgen, dass sie sich eben

Aline Schwermer: nicht mehr selbst darstellen können.

Aline Schwermer: Also man nimmt ihnen quasi die Plattform, die ja zur eigenen Selbstdarstellung

Aline Schwermer: und eben zur Normalisierung und Legitimierung dienen.

Pauline Jäckels: Genau, also es ist ein Versuch der internationalen Isolation und den ja auch

Pauline Jäckels: Russland zum Beispiel interessanterweise wieder versucht hat zu brechen,

Pauline Jäckels: indem sie Alternativturniere zu Olympia versucht haben abzuhalten,

Pauline Jäckels: was aber nicht wahnsinnig gut funktioniert hat.

Pauline Jäckels: Und das gab es immer wieder. Also es gibt ja auch diese recht interessanten

Pauline Jäckels: Ganefo-Games in den 60er Jahren, wo also an der Speerspitze Indonesien stehend,

Pauline Jäckels: die Games waren der Newly Emerging Forces,

Pauline Jäckels: wo sozusagen sozialistische und neu unabhängige Kolonialstaaten sich zusammengeschlossen

Pauline Jäckels: haben, um ein Anti-Olympia zu gründen, was aber auch nicht sehr langlebig war,

Pauline Jäckels: weil die auch sanktioniert wurden für die Teilhabe.

Pauline Jäckels: Und letztlich haben diese Monopolisten wie das IOC oder die FIFA natürlich damit

Pauline Jäckels: auch eine wahnsinnige Macht in der Hand, weil niemand sich den Weg an die großen

Pauline Jäckels: Töpfe dort verbauen möchte.

Aline Schwermer: Kommen wir mal zu Deutschland. Wie betreibt denn Deutschland Sportdiplomatie?

Aline Schwermer: Welche Rolle spielt es in Deutschland und wie sieht es konkret aus?

Pauline Jäckels: Also in Deutschland können wir auf verschiedene Ebenen angucken.

Pauline Jäckels: Da ist zum einen die internationale Sportdiplomatie im Breitensport,

Pauline Jäckels: die Deutschland betreibt. Also seit den 60er Jahren finanziert ja das Auswärtige

Pauline Jäckels: Amt Breitensportprojekte in aller Welt.

Pauline Jäckels: Das heißt, das sind meistens Projekte mit einem, wie auch immer,

Pauline Jäckels: gearteten minimalpolitischen Anspruch.

Pauline Jäckels: Das heißt, in aller Regel handelt es sich um Fußball und das sind dann oft sowas

Pauline Jäckels: wie Frauenfußballprojekte zum Beispiel oder internationale, also von Discover

Pauline Jäckels: Football beispielsweise Events,

Pauline Jäckels: wo sich verschiedene weibliche Fußballerinnen treffen.

Pauline Jäckels: Das können aber auch sein Geflüchtetenprojekte oder beispielsweise in Kolumbien

Pauline Jäckels: Projekte zur Friedenssicherung durch Sport und so weiter.

Pauline Jäckels: Und das ist schon aus einem Gedanken heraus,

Pauline Jäckels: dass Deutschland eben wieder aufgebaut werden sollte als Zivilmacht und nicht

Pauline Jäckels: als Militärmacht und dadurch eben auch durch Sport sich eine gewisse Softpower sichern soll.

Pauline Jäckels: Wobei das jetzt relativ in meiner Wahrnehmung willkürliche Förderungen sind,

Pauline Jäckels: die nicht so strategisch sind,

Pauline Jäckels: wie das zum Beispiel China macht, die ganz klar auf dem afrikanischen Kontinent

Pauline Jäckels: zum Beispiel irgendjemandem ein Nationalstadion hinsetzen und dann sagen,

Pauline Jäckels: okay, aber als Gegenleistung hätten wir gerne Schürfrechte für die Rohstoffe A, B und C,

Pauline Jäckels: also das verläuft bei dieser deutschen Sportdiplomatie bei weitem nicht so transaktional und ist auch

Pauline Jäckels: ein bisschen willkürlicher und in den internationalen Sportverbänden ist es

Pauline Jäckels: recht auffällig, dass Deutschland sich eher zurückhält bei großen Konflikten

Pauline Jäckels: wie zum Beispiel dem um Russland.

Pauline Jäckels: Also Deutschland war keines von den Ländern, die gedroht haben,

Pauline Jäckels: Nicht mehr gegen Russland anzutreten.

Pauline Jäckels: Man trägt das natürlich mit, aber oft ist Deutschland da eher in einer Mitläuferposition

Pauline Jäckels: Und eine große interessante Ausnahme waren natürlich die Krater-WM,

Pauline Jäckels: die aber vor allen Dingen dadurch bedingt war, dass die Zivilgesellschaft viel

Pauline Jäckels: Druck gemacht hat in Deutschland.

Pauline Jäckels: Also das ging ja nicht in erster Linie von der Politik aus, sondern das ging

Pauline Jäckels: von der Zivilgesellschaft aus.

Pauline Jäckels: Und dann, die Ampelregierung hat sich auch, glaube ich, dann so ein bisschen

Pauline Jäckels: unter Druck gefühlt, als eine Regierung mit einem semi-progressiven Image irgendwie

Pauline Jäckels: was zu sagen, aber das wurde dann auch ganz schnell schwierig.

Pauline Jäckels: Also Annalena Baerbock hat ja als Kanzlerkandidatin einen Boykott gefordert,

Pauline Jäckels: einen Kater-Boykott und dann realpolitisch, als die Ampel an der Macht war,

Pauline Jäckels: war aber die Situation, dass mittlerweile der Ukraine-Krieg begonnen hatte und

Pauline Jäckels: dass es darum ging, die deutsche Energiesicherheit zu decken und dass man plötzlich

Pauline Jäckels: auf katarisches Gas angewiesen war und dann wurden die Töne sehr, sehr viel milder.

Pauline Jäckels: Und dann gab es nur diese seltsamen Symbolgesten wie die von Nancy Fazer,

Pauline Jäckels: die da auf der Tribüne saß mit dieser One-Love-Binde, was eigentlich alle so

Pauline Jäckels: semi-lächerlich fanden

Pauline Jäckels: Und im Grunde war diese Kata-WM der letzte große Einschnitt, was

Pauline Jäckels: das internationale Agieren Deutschlands angeht, also auf der großen Bühne,

Pauline Jäckels: weil im Prinzip alle von DFB bis Bundesregierung daraus die Lehren gezogen haben,

Pauline Jäckels: dass man sich eher die Finger verbrannt hat mit diesem Versuch.

Pauline Jäckels: Also der DFB bügelt ja seitdem jeden Versuch über Boykotte oder Ähnliches zu

Pauline Jäckels: diskutieren ab, auch jetzt rund um diese US-WM.

Pauline Jäckels: Also möchte auf jeden Fall verhindern, dass sowas wieder zum Thema wird.

Pauline Jäckels: Und von Friedrich Merz hat man jetzt auch noch nichts Großartiges vernommen

Pauline Jäckels: an kritischen Worten. Ist vielleicht auch nicht zu erwarten.

Pauline Jäckels: Bezieht sich aber auch nicht nur auf die USA, sondern Bert Neuendorf,

Pauline Jäckels: der DFB-Präsident, hat ja auch für die WM in Saudi-Arabien gestimmt und hat

Pauline Jäckels: dann als Begründung gesagt, ja, er hätte das mit Bauchschmerzen gemacht,

Pauline Jäckels: Aber es sei halt nicht anders möglich.

Pauline Jäckels: Und Deutschland hat halt schon auch erfahren, also als man sich zum Beispiel

Pauline Jäckels: um die Frauen-WM beworben hat, die Austragung, die dann an Brasilien gegangen ist,

Pauline Jäckels: gab es zumindest eine Reihe von Gerüchten, dass das auch ein Weg der FIFA war,

Pauline Jäckels: um Deutschland abzustrafen für seine Haltung in der Kata-Frage.

Pauline Jäckels: Und dementsprechend hat man offensichtlich den Schluss daraus gezogen,

Pauline Jäckels: dass es eher nachteilhaft sein kann,

Pauline Jäckels: sich da zu weit aus dem Fenster zu lehnen und versucht im Moment krampfhaft

Pauline Jäckels: jede Diskussion zu vermeiden, was aber natürlich auch eine völlig ungesunde

Pauline Jäckels: Haltung ist und wahrscheinlich auch nicht funktioniert.

Aline Schwermer: Welche Rolle spielt ganz generell diese Förderung von Spitzensport?

Aline Schwermer: Also Fußball hat natürlich nochmal eine extra Rolle in Deutschland,

Aline Schwermer: auch im Sinne des deutschen Images.

Aline Schwermer: Also wenn ich im Libanon bin, ist das Erste, was kommt, entweder wir finden

Aline Schwermer: die deutsche Fußballmannschaft toll oder irgendwelche FC Bayern oder eben auch

Aline Schwermer: die Nationalmannschaft oder BMW.

Aline Schwermer: Also das hat so eine totale Strahlkraft. Strahlkraft, aber auch bei anderen

Aline Schwermer: Spitzensport geht es ja durchaus auch um Nation Branding, oder?

Pauline Jäckels: Ja.

Pauline Jäckels: Und das erleben wir auch gerade ganz stark mit dem Versuch, wieder Olympia nach Deutschland zu holen.

Pauline Jäckels: Also bei da mein Eindruck ist, dass gar keine so klare Strategie dahinter steht,

Pauline Jäckels: sondern hauptsächlich der Wunsch.

Pauline Jäckels: So wir haben gesehen, was die Olympischen Spiele in London an Strahlkraft gebracht

Pauline Jäckels: haben und die Olympischen Spiele in Paris.

Pauline Jäckels: Und wir möchten halt jetzt mal sowas auch haben. Und wie strategisch unklar

Pauline Jäckels: das Ganze gelaufen ist, kann man ja recht gut daran sehen,

Pauline Jäckels: dass Deutschland sich zunächst darauf fokussiert hatte, Olympia 236 ausrichten

Pauline Jäckels: zu wollen, was natürlich ein super politisch problematisches Datum ist.

Pauline Jäckels: Und man war sich dessen auch so ein Stück weit bewusst und wollte das dann inszenieren

Pauline Jäckels: als nach dem Motto, wir sind jetzt ein völlig anderes Land als damals.

Pauline Jäckels: Aber sowohl in der Zivilgesellschaft gab es einen Riesenaufschrei über diese

Pauline Jäckels: Idee Olympia 36, als auch beim IOC fand man das potenziell problematisch.

Aline Schwermer: Weil dann natürlich 1936 die Olympiade unter den Nazis stattfand,

Aline Schwermer: genau, um es einmal auszusprechen.

Pauline Jäckels: Eines der ganz frühen Beispiele für Sportswashing-Events nach heutigem Verständnis der Geschichte.

Pauline Jäckels: Und das war eigentlich völlig erstaunlich, wie naiv Deutschland da reingegangen ist in diese Debatte.

Pauline Jäckels: Also zumal ja eine durchaus realistische Möglichkeit besteht,

Pauline Jäckels: dass 236 die AfD mit an der Regierung sein könnte und was das dann nochmal bedeutet

Pauline Jäckels: als Datum ist vielleicht ein bisschen ungut.

Pauline Jäckels: Und dann hat man sich jetzt darauf fokussiert, das eher für 240 zu wollen und

Pauline Jäckels: dann so unter dem Branding 50 Jahre Wiedervereinigung.

Pauline Jäckels: Aber es wirkt halt relativ willkürlich.

Pauline Jäckels: Und das ist bei diesen Fußball-Events deutlich stärker, weil es da dieses Narrativ

Pauline Jäckels: gab, zum Beispiel bei der Heim-WM 2006 zu zeigen, dass Deutschland ganz divers

Pauline Jäckels: und offen und gastfreundlich und multikulti ist und so.

Pauline Jäckels: Das war ja das tragende Narrativ zu diesem Turnier, was auch recht gut als Propaganda funktioniert hat.

Pauline Jäckels: Die Deutschen sind ja ganz anders, als man gemeinhin annimmt und mit denen kann

Pauline Jäckels: man toll feiern und eben auch dieses...

Pauline Jäckels: Dieses damals beginnende Narrativ von Multikulti-Deutschland,

Pauline Jäckels: was ja dann irgendwann wieder relativ schnell an Popularität verloren hat,

Pauline Jäckels: aber das war ja tatsächlich was, was auch die deutsche Fußballnationalelf der

Pauline Jäckels: Männer eine Zeit lang relativ erfolgreich nach außen getragen hat in die Welt.

Pauline Jäckels: Und mit der letzten Heim-EM 2024 hat man im Prinzip versucht, das zu wiederholen.

Pauline Jäckels: Am Anfang war der DFB ganz mutig und hat es sogar tituliert als EM der Menschenrechte.

Pauline Jäckels: Und dann ist einem aufgefallen, dass es vielleicht potenziell problematisch sein könnte.

Pauline Jäckels: Und dann ist der Slogan wieder ein bisschen von der Bildfläche verschwunden.

Pauline Jäckels: Also da hat man versucht, sich so als Gegenbild zu Katar zu inszenieren und

Pauline Jäckels: das ist aber natürlich völlig schief gegangen,

Pauline Jäckels: weil zum einen die innenpolitische Lage in Deutschland mittlerweile nicht mehr so ist,

Pauline Jäckels: dass man von Toleranz und Offenheit und so weiter sprechen könnte,

Pauline Jäckels: falls man das jemals konnte.

Pauline Jäckels: Und aber zum Zweiten auch 2024 natürlich ein Zeitpunkt war, wo Deutschland schon

Pauline Jäckels: wahnsinnig viel Kritik bekommen hat für seine Waffenlieferungen an Israel und

Pauline Jäckels: für seine Unterstützung des Gaza-Krieges.

Pauline Jäckels: Und da aus meiner Sicht hat es überhaupt nicht gut funktioniert,

Pauline Jäckels: da irgendein positives Gegennarrativ zu schaffen, was längerfristig gehalten hätte.

Aline Schwermer: Weil es so unglaubwürdig einfach ist, dass es nicht verfängt.

Pauline Jäckels: Ja, weil es unglaubwürdig ist, aber auch, weil die Storyline vielleicht nicht so gut war.

Pauline Jäckels: Also es gehört ja auch immer zu einem guten Sportswashing-Event dazu,

Pauline Jäckels: dass es eine gute Geschichte liefert und 2006 war das eben die Geschichte des

Pauline Jäckels: jungen deutschen Teams, was überraschend weit kommt und so weiter.

Pauline Jäckels: Und 2024 gab es im Grunde keine große Geschichte, die das Turnier umrahmt hat

Pauline Jäckels: und es war ja auch innenpolitisch eine total schwierige Situation,

Pauline Jäckels: weil kurz vor dieser Umfrage veröffentlicht wurde, wo sehr viele Deutsche gesagt haben,

Pauline Jäckels: sie würden sich weniger Nationalspieler auf Color wünschen, glaube ich.

Pauline Jäckels: Also so in etwa war die Formulierung.

Pauline Jäckels: Und das heißt, es war auch ein Narrativ, was einfach innenpolitisch nicht funktioniert

Pauline Jäckels: hat, weil die Stimmung im Land zu polarisiert war und eigentlich jeder nur gehofft hat,

Pauline Jäckels: dass es bitte nicht zu viele Fans gibt, die Hitlergrüße machen oder ähnliche Dinge.

Aline Schwermer: Welche Folgen haben denn diese

Aline Schwermer: politischen Ziele in Bezug auf so Spitzensport und Sport, Zipulantie,

Aline Schwermer: zum Beispiel im Bereich Fußball, aber auch in anderen Bereichen für den Sport

Aline Schwermer: allgemein, also nicht nur Spitzensport und profitablen Sport,

Aline Schwermer: sondern insgesamt Sport für normale Menschen?

Pauline Jäckels: Ja, am meisten eigentlich für olympische Sportarten.

Pauline Jäckels: Der Fußball ist ja ein bisschen ein

Pauline Jäckels: Sonderbereich, weil er sehr stark privatwirtschaftlich finanziert wird.

Pauline Jäckels: Das heißt, für den Fußball ist es gar nicht so wichtig. Aber natürlich,

Pauline Jäckels: wenn wir uns olympische Sportarten angucken, Deutschland, wie viele Staaten,

Pauline Jäckels: schaut sehr, sehr stark auf Medaillen.

Pauline Jäckels: Es gibt die alljährliche gefühlt Diskussion, also nach jeden olympischen Spielen,

Pauline Jäckels: dass Deutschland angeblich zu schlecht abgeschnitten habe.

Aline Schwermer: Und eigentlich will man aber Stärke zeigen dort und deshalb ist man so fixiert

Aline Schwermer: auf diese Medaillenränge.

Pauline Jäckels: Genau, also weil es ja auch das ist, was im Sport honoriert wird und man möchte

Pauline Jäckels: natürlich diese internationale Ebene nutzen, um diese Bilder zu senden,

Pauline Jäckels: weil es im Grunde ja auch die sind, die von gerade olympischen Turnieren in Erinnerung bleiben.

Pauline Jäckels: Und es spielt ja auch insbesondere im deutschen Diskurs eine enorm große Rolle,

Pauline Jäckels: weil dann schnell so dieses Verweichlichungsargument kommt, also was ja auch

Pauline Jäckels: an Friedrich Merz gerne bedient.

Pauline Jäckels: Es gibt in Deutschland ja ungefähr alle paar Jahre eine Spitzensportförderungsdiskussion

Pauline Jäckels: und eine Reform, eine erneute Reform dieses Fördersystems.

Pauline Jäckels: Aber grundsätzlich ist es so, dass dieses System sehr, sehr stark darauf guckt,

Pauline Jäckels: ob Sportarten medaillenträchtig sind und auch in den letzten zehn Jahren vermehrt

Pauline Jäckels: darauf guckt, als das früher der Fall gewesen ist.

Pauline Jäckels: Auch nicht immer unbedingt damit richtig liegt.

Aline Schwermer: Also es gibt ein quasi das Prinzip, was bestimmt, welcher Sport und welche Sportstätten

Aline Schwermer: auch werden gefördert, hängt davon ab, inwiefern man sich davon eine letztendlich

Aline Schwermer: Imageverbesserung politisch erhofft.

Pauline Jäckels: Ja, ganz genau. Also es gibt in Deutschland eine stetig wiederkehrende Diskussion

Pauline Jäckels: über das Sportfördersystem,

Pauline Jäckels: weil es auch von sehr, sehr vielen Menschen kritisiert wird als ineffizient

Pauline Jäckels: im Grunde, weil Deutschland immer mehr Geld in die Sportförderung investiert,

Pauline Jäckels: was sich aber nicht widerspiegelt in mehr Medaillen, sondern im Gegenteil,

Pauline Jäckels: in Paris waren es die wenigsten Medaillen seit 30 Jahren.

Pauline Jäckels: Aber dieses System funktioniert und auch zunehmend in den letzten zehn Jahren

Pauline Jäckels: mit Fokus auf Medaillenchancen und das ist eine Sache,

Pauline Jäckels: die viele AthletInnen kritisieren.

Pauline Jäckels: Und es führt natürlich auch dazu, dass man als Athlet oder Athletin unter sehr

Pauline Jäckels: starkem Druck steht, Medaillen zu holen, wenn man langfristig vom Sport leben können möchte.

Pauline Jäckels: Und es führt grundsätzlich dazu, dass einfach Breitensport viel zu wenig im Fokus steht.

Pauline Jäckels: Und ich finde auch infrastrukturell viel zu wenig im Fokus steht.

Aline Schwermer: Breitensport heißt Sport für normale Menschen?

Pauline Jäckels: Breitensport heißt Sport, der nicht mit einem Leistungsanspruch durchgeführt wird.

Pauline Jäckels: Also Breitensport bedeutet, ich betreibe den nicht in der Hoffnung,

Pauline Jäckels: irgendwann mal zu Olympia zu kommen, sondern ich betreibe den,

Pauline Jäckels: weil ich mich entspannen will oder mir eine Freundin treffen will. Genau.

Pauline Jäckels: Und wenn man Sportinfrastruktur betrachtet,

Pauline Jäckels: dann ist es so, das kennen wir auch gerade aus deutschen Großstädten,

Pauline Jäckels: dass es wahnsinnig fehlt an Hallen und an Sportplätzen,

Pauline Jäckels: dass teilweise Clubs gar keine Leute mehr aufnehmen können, keine Kids,

Pauline Jäckels: weil sie einfach keine Kapazitäten mehr haben.

Pauline Jäckels: Dass aber auch die Sportinfrastruktur sehr ungleich verteilt ist in Deutschland.

Pauline Jäckels: Also es gibt zum Beispiel ganz coole Konzepte in Frankreich,

Pauline Jäckels: wo sehr viele offene Sportplätze speziell in die Nähe von prekären Vierteln

Pauline Jäckels: oder in prekären Vierteln gesetzt wurden,

Pauline Jäckels: was tatsächlich dazu geführt hat, dass im französischen Fußball zum Beispiel

Pauline Jäckels: sehr, sehr viele Menschen, also sowohl bei den Männern als auch den Frauen aus

Pauline Jäckels: prekären Verhältnissen es geschafft haben. an die Spitze.

Pauline Jäckels: Und in Deutschland gibt es überhaupt keine vergleichbare Strategie.

Pauline Jäckels: Und natürlich sind solche Strategien auch nicht ganz uneigennützig,

Pauline Jäckels: weil Staaten erhoffen sich natürlich einen breiteren Talentpool davon.

Pauline Jäckels: Aber ganz grundsätzlich gibt es in Deutschland immer noch relativ wenig Verständnis

Pauline Jäckels: dafür, dass es im Grunde die Breite ist, die die Spitze erst schafft.

Pauline Jäckels: Und natürlich auch, dass es für viele Leute einfach wichtiger ist,

Pauline Jäckels: sich im Sport auszuleben oder eine schöne Zeit zu haben, als Medaillen zu holen.

Pauline Jäckels: Und das wird extrem von diesem Medaillennarrativ überschattet.

Pauline Jäckels: Und das ist eben im Fußball ein Stück weit anders.

Pauline Jäckels: Da gibt es natürlich auch aus ganz anderen Gründen ein sehr,

Pauline Jäckels: sehr starkes Leistungsnarrativ.

Pauline Jäckels: Aber da ist man eben bei weitem nicht so abhängig von staatlichen Geldern oder

Pauline Jäckels: staatlicher Förderung, wie das bei olympischen Sportarten der Fall ist.

Aline Schwermer: Was wären denn so wirklich linke Positionen dazu, wie Deutschland seine Sportpolitik

Aline Schwermer: anders gestalten müsste? Gibt es die?

Aline Schwermer: Wahrscheinlich gibt es die. Wie sehen die aus?

Pauline Jäckels: Also das Offensichtlichste ist,

Pauline Jäckels: finde ich, der innenpolitische Faktor, dass einfach mehr auf Breitensport geguckt

Pauline Jäckels: werden muss als auf Leistungs- und Spitzensport, was auch nicht so richtig verankert

Pauline Jäckels: ist in der deutschen Diskussion.

Pauline Jäckels: Also es gibt es immer mal wieder in Bezug auf die Bundesjugendspiele,

Pauline Jäckels: aber es gibt keine massentaugliche linke Position, die...

Pauline Jäckels: Das wirklich laut fordert, dass wir mehr in die Breite gehen müssen.

Aline Schwermer: Also so unter dem Slogan Sport für alle statt wie Sport für irgendwie die Spitze.

Pauline Jäckels: Ja, und es gibt auch relativ wenig Bewusstsein dafür, wie hürdenreich der Zugang zum Sport ist.

Pauline Jäckels: Das muss man auch dazu sagen, weil der deutsche Sport und da speziell wahrscheinlich

Pauline Jäckels: auch der Fußball sehr gerne die Geschichte davon erzählt, wie wahnsinnig inklusiv er ist.

Aline Schwermer: Und diese Aufsteigergeschichten und so.

Pauline Jäckels: Genau und auf eine Art stimmt es natürlich auch,

Pauline Jäckels: aber auf viele Arten stimmt es auch nicht, weil der Sportverein an sich wahnsinnig

Pauline Jäckels: ausschließend ist als Institution und es zum Beispiel bei Menschen aus prekären

Pauline Jäckels: Verhältnissen ganz nachweislich so ist,

Pauline Jäckels: dass sie deutlich weniger im Sportverein auftauchen aus ganz verschiedensten

Pauline Jäckels: Gründen und dafür gibt es aber überhaupt kein Bewusstsein.

Pauline Jäckels: Also es gibt ein Stück weit das Bewusstsein zum Beispiel bei der Frauenthematik,

Pauline Jäckels: aber bei der Klassenthematik gibt es eigentlich sowohl kein Bewusstsein als

Pauline Jäckels: auch fast keinen Diskurs dazu mit wenigen tatsächlich sehr lobenswerten Ausnahmen,

Pauline Jäckels: die auch gerade so ein bisschen als Stimmen lauter werden.

Pauline Jäckels: Das ist ganz gut. Also in dieser Richtung, glaube ich, lässt sich im bestehenden

Pauline Jäckels: System durchaus einiges machen an linken Entwürfen, die auch potenziell umsetzbar sind.

Pauline Jäckels: Aber wenn wir auf die internationale Sportdiplomatie gucken,

Pauline Jäckels: dann ist es aus meiner Sicht so, solange wir in Nationalstaaten organisiert sind,

Pauline Jäckels: dass es nicht möglich sein wird, eine linke ethische Sportdiplomatie zu schaffen.

Pauline Jäckels: Weil ja im Prinzip der Auftrag an den Nationalstaat, das sind ja im Grunde zwei implizite Aufträge.

Pauline Jäckels: Der eine ist es, Ressourcen zu sichern für ein sogenanntes Volk,

Pauline Jäckels: sehr in Anführungsstrichen.

Pauline Jäckels: Und das heißt, das impliziert zwangsläufig, dass man diese Ressourcen sichert

Pauline Jäckels: in einem Wettlauf oder Wettkampf mit anderen Nationen. Und das läuft ganz klar

Pauline Jäckels: einem ethischen Anspruch zuwider.

Pauline Jäckels: Und das sehen wir eben in der Art und Weise, wie die Katar-Debatte in der deutschen

Pauline Jäckels: Politik gelaufen ist, wo es dann ganz still wurde, als es plötzlich darum ging,

Pauline Jäckels: Gas aus Katar zu sichern.

Pauline Jäckels: Und der zweite Anspruch, den ein Nationalstaat, also zumindest ohne,

Pauline Jäckels: dass ihn irgendjemand öffentlich sich gewünscht hätte, aber den er in der Regel erfüllt,

Pauline Jäckels: ist, mehr Ressourcen für die Reichen zu sichern, also deren Macht abzusichern,

Pauline Jäckels: indem eigentlich alle Gesetze darauf ausgerichtet sind, dass die ihren Besitz

Pauline Jäckels: behalten und mehren können.

Pauline Jäckels: Und auch das bedeutet, dass es absolut kein Interesse daran gibt,

Pauline Jäckels: eine wirklich ethische Sportdiplomatie zu verfolgen,

Pauline Jäckels: weil einfach dann wiederum zu

Pauline Jäckels: viele ökonomische Interessen in diesen Sportveranstaltungen drin hängen.

Aline Schwermer: Und das heißt, für eine bessere Sportwelt müssen wir zum einen Nationalstaaten

Aline Schwermer: und zum anderen den Kapitalismus abschaffen.

Pauline Jäckels: Das ist die verkürzte Version davon.

Pauline Jäckels: Ich finde grundsätzlich zum Beispiel bei diesen Diskussionen um Sportswashing und um Gastgeber,

Pauline Jäckels: es wird zu viel auf diese Nationalstaaten geschaut, weil einfach der Fußball

Pauline Jäckels: ist oder Sportereignisse im Allgemeinen, das können ja auch olympische Spiele sein,

Pauline Jäckels: es nicht schaffen werden,

Pauline Jäckels: einen Staat grundlegend umzukrempeln, sondern viel, viel wichtiger wäre es,

Pauline Jäckels: wenn wir auf Strukturen schauen, wie diese Ereignisse stattfinden.

Pauline Jäckels: Also das zum Beispiel, es gibt ja, ich weiß nicht, ob dir das bekannt ist,

Pauline Jäckels: aber es gab ja durchaus Versuche für einen ganz anderen,

Pauline Jäckels: vom bürgerlichen Sport unabhängigen Sport, nämlich den Arbeitersport,

Pauline Jäckels: der die Idee hatte, also aus einer linken Perspektive Sport anders zu denken.

Pauline Jäckels: Und der im Grunde dann Bedeutung verloren hat, also in Deutschland erstmal durch

Pauline Jäckels: die Zerschlagung durch die Nationalsozialisten natürlich und dann aber auch,

Pauline Jäckels: weil linke Parteien sich sehr stark angefangen haben, darauf zu fokussieren,

Pauline Jäckels: den Kapitalismus zu zähmen,

Pauline Jäckels: statt sich darauf zu fokussieren,

Pauline Jäckels: Auch gegen Alternativen zu schaffen.

Pauline Jäckels: Und ich glaube, gerade in der Sportwelt wäre es total wichtig,

Pauline Jäckels: strukturell solche Gegenalternativen zu schaffen.

Pauline Jäckels: Also, dass man einen Verband schafft, der zum einen finanziell anders organisiert

Pauline Jäckels: ist als beispielsweise die FIFA.

Pauline Jäckels: Das heißt, wo es eine echte Gewaltenteilung gibt, wo zum Beispiel ein Sportgroßturnier

Pauline Jäckels: von einer Stiftung oder einer Genossenschaft verwaltet wird,

Pauline Jäckels: die die Einnahmen ausschüttet und aber das Parlament,

Pauline Jäckels: also die Exekutive, ein separates Organ ist, um diese Abhängigkeiten zu reduzieren und

Pauline Jäckels: Ein Verband, der auch mit einem ganz klaren Anspruch und einer Charta gegründet ist,

Pauline Jäckels: die schaut auf Menschenrechte und auf Klimaschäden, wo zum Beispiel solche Rechte

Pauline Jäckels: als Kollektivrechte anerkannt sind und eingeklagt werden können vor einer wirklich

Pauline Jäckels: unabhängigen juristischen Instanz, die es auch nicht gibt im aktuellen Weltsport.

Pauline Jäckels: Und aus meiner Sicht wäre es viel wichtiger, an solchen Strukturen anzusetzen,

Pauline Jäckels: als immer zu versuchen, irgendeinen Nationalstaat über ein Sportturnier zu reformieren,

Pauline Jäckels: was niemals passieren wird.

Aline Schwermer: Sollte man die WM in den USA boykottieren, was bringt es?

Pauline Jäckels: Also, was durchaus was bringen würde, wäre,

Pauline Jäckels: wenn es einen größeren Zusammenschluss von Staaten gäbe, die sich zusammen entscheiden

Pauline Jäckels: würden, die WM zu boykottieren und das heißt nicht nur zu boykottieren,

Pauline Jäckels: indem ein Staatschef nicht auf der VIP-Tribüne erscheint, sondern tatsächlich

Pauline Jäckels: durch Nicht-Erscheinen der Teams.

Pauline Jäckels: Da gibt es auch für solche Drohungen durchaus erfolgreiche Beispiele,

Pauline Jäckels: wenn man zum Beispiel guckt auf die olympische Historie,

Pauline Jäckels: wo eine Reihe von afrikanischen Staaten gedroht haben zu boykottieren,

Pauline Jäckels: falls Apartheid Südafrika teilnehmen sollte und was tatsächlich dazu geführt hat,

Pauline Jäckels: dass Apartheid Südafrika viele Jahre ausgeschlossen war aus dem olympischen

Pauline Jäckels: Wettbewerb und was wiederum einen wirklich realpolitischen Druck auf das Regime erzeugt hat.

Pauline Jäckels: Das heißt, es gibt schon Beispiele und Möglichkeiten,

Pauline Jäckels: sowas zu tun, aber es müsste eben eine größere Bewegung sein und die sehe ich

Pauline Jäckels: überhaupt nicht und erst recht nicht in einem Sport, der so lukrativ ist,

Pauline Jäckels: wie es der aktuelle Fußball ist, wo eigentlich jeder sein Stück vom Kuchen am liebsten haben möchte.

Pauline Jäckels: Aus meiner Sicht ist dieses Nicht-Erscheinen tatsächlich eine der wenigen Möglichkeiten

Pauline Jäckels: oder die Androhung des Nicht-Erscheinens,

Pauline Jäckels: Druck auszuüben, weil diese Fan-TV-Boykotte in aller Regel wenig bringen.

Aline Schwermer: Es hat keine wirklichen politischen Folgen oder einen richtigen politischen

Aline Schwermer: Druck auf Katar ausgeübt, jetzt irgendwie sich in Sachen Menschenrechten zu ändern.

Pauline Jäckels: Nein, was Druck ausgeübt hat, war eben die Boykottbewegung, die vorab stattgefunden hat.

Pauline Jäckels: Und das hat ja durchaus dazu geführt, dass Katar auf sehr niedrigem Niveau,

Pauline Jäckels: aber eben tatsächlich bestimmte Dinge für ArbeiterInnen geändert hat.

Pauline Jäckels: Wie gesagt, auf einem sehr oberflächlichen Niveau.

Pauline Jäckels: Aber mir wurde damals durchaus von migrantischen Aktivisten in Katar erzählt,

Pauline Jäckels: dass es hilfreich war, auch wenn Dinge nur auf dem Papier sind,

Pauline Jäckels: um sich dann im Zweifel zum Beispiel vor Gericht auf solche Dinge berufen zu können.

Pauline Jäckels: Aber diese Diskussion, soll man den Fernseher einschalten oder nicht,

Pauline Jäckels: die bringt überhaupt nichts.

Pauline Jäckels: Und im Zweifelsfall kann ja auch niemand überhaupt nur klar sagen,

Pauline Jäckels: warum waren jetzt die Einschaltquoten geringer.

Aline Schwermer: Das heißt, auch als linke Person kann ich ohne Charme die WM gucken?

Pauline Jäckels: Ich würde sagen, ja. Und ich würde auch sagen, dass oft historisch betrachtet

Pauline Jäckels: es sogar entscheidender war, wenn man aufgetaucht ist zu solchen Events.

Pauline Jäckels: Also das ist ja auch ganz spannend, wenn wir nochmal auf Olympia 36 zurückschauen,

Pauline Jäckels: wo das allerberühmteste Bild das von Jess Owens ist, dem schwarzen amerikanischen

Pauline Jäckels: Athleten, der erfolgreichste Athlet dieser Spiele wurde.

Pauline Jäckels: Und der damit sozusagen ganz bildlich die Nazi-Ideologie vom angeblich überlegenen Aria demontiert hat.

Pauline Jäckels: Und solche Beispiele gibt es ja ganz viele von Wirkmächtigen.

Pauline Jäckels: Ein ganz interessantes, weniger bekannt, weil es aus dem Frauenfußball ist,

Pauline Jäckels: Ist die WM 2019, wo Ada Hegerberg boykottiert hat

Pauline Jäckels: Und es ist im Grunde, also niemand hat sich ein Jahr später daran erinnert, dass das stattfand.

Pauline Jäckels: Und Megan Rapinoe gleichzeitig, die hingefahren ist, die damals viele Statements

Pauline Jäckels: gegen Donald Trump gemacht hat, ist zu einer politischen Ikone dieser WM geworden.

Pauline Jäckels: Also deren Bilder im Grunde heute noch im totalen auch politischen Gedächtnis

Pauline Jäckels: sind und auch total viele junge weibliche Fans politisch geprägt haben.

Pauline Jäckels: Und das heißt, oft kann es sogar wichtiger sein, zu sowas hinzugehen.

Pauline Jäckels: Und da sind wir wieder beim Gegennarrativ, eben ein eigenes Gegennarrativ vor

Pauline Jäckels: diese globalen Kameras zu setzen, anstatt wegzubleiben, weil dann nimmt man

Pauline Jäckels: sich natürlich auch die Möglichkeit, auf das Narrativ einzuwirken.

Aline Schwermer: Vielen, vielen Dank, Alina, dass du deine Expertise mit uns geteilt hast.

Aline Schwermer: Wir gucken die WM oder gucken sie auch nicht.

Aline Schwermer: Und danke für alle, die zugehört haben. Bis zum nächsten Mal.

Pauline Jäckels: Dankeschön, dass ich da sein durfte.

Aline Schwermer: This world Going up in flames.

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