Ist Kuba am Ende, Raúl Zelik?

Shownotes

Überschattet vom Krieg gegen den Iran durchlebt Kuba die schwerste Krise seit Jahrzehnten. Immer wieder fällt stundenlang der Strom aus, es mangelt an Treibstoff, Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Der Grund für diese Krise ist das Embargo der USA.

Obwohl die UN-Generalversammlung die Blockade immer wieder verurteilt hat, erhöhen die USA seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus den Druck. Folgt auf die Intervention in Venezuela ein weiterer US-Angriff? Wie groß ist der Rückhalt der Bevölkerung für die kubanische Regierung? Und wie reformfähig ist der kubanische Sozialismus?

In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Raúl Zelik über die Entwicklungen in Kuba. Raúl ist Politikwissenschaftler, freier Autor und Übersetzer. Er arbeitet seit den 1980er Jahren in Lateinamerika, war Professor für internationale und vergleichende Politik an der Nationaluniversität Kolumbiens und schreibt heute für die genossenschaftliche Berliner Tageszeitung ND.

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Shownotes:

Neira, Dani (2026): Schluss mit der Kuba-Blockade! Rosa-Luxemburg-Stiftung, Feature.

Zelik, Raúl (2026): Hat sich Trump verkalkuliert?, nd, Kommentar.

Schmidt, Gerold (2026): Kuba im Würgegriff, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Analyse

Gespräch mit Tobias Lambert (2026): Welchen Plan verfolgen die USA in Venezuela? Rosa-Luxemburg-Stiftung, Podcast Weltunordnung

Fotocredit Zelik: IMAGO / Sven Simon

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Felix Jaitner: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Felix Jaitner: Überschattet vom Iran-Krieg durchlebt Kuba die schwerste Krise seit Jahrzehnten.

Felix Jaitner: Immer wieder fällt stundenlang der Strom aus. Es mangelt an Treibstoff,

Felix Jaitner: Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs.

Felix Jaitner: Der Grund für diese Krise? Das Embargo der USA.

Felix Jaitner: Die ersten Maßnahmen wurden bereits 1960 unter Präsident Dwight Eisenhower verhängt.

Felix Jaitner: Damals hatte die revolutionäre kubanische Regierung Eigentum von Bürgern und

Felix Jaitner: Unternehmen der Vereinigten Staaten enteignet.

Felix Jaitner: 1992 wurde das Embargo sogar als Gesetz festgeschrieben. Die UN-Generalversammlung

Felix Jaitner: hat 33 Mal und mit überwältigender Mehrheit gegen die Blockade Kubas gestimmt.

Felix Jaitner: Doch ein Ende der US-Politik ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Felix Jaitner: Am 16. März behauptete der US-Präsident, Ich glaube wirklich,

Felix Jaitner: ich werde die Ehre haben, mir Kuba zu nehmen.

Felix Jaitner: Ob ich es befreie, es einnehme, ich glaube, ich könnte damit machen, was immer ich will.

Felix Jaitner: Der Kampf um Kuba reiht sich ein in die Versuche der USA, die eigene Vorherrschaft

Felix Jaitner: in Lateinamerika unumschränkt durchzusetzen.

Felix Jaitner: Doch wie sieht es innenpolitisch in Kuba aus?

Felix Jaitner: Und welche internationale Unterstützung gibt es eigentlich aktuell für Kuba?

Felix Jaitner: Mein Name ist Felix Jeitner und in der heutigen Folge des Podcasts Welt und

Felix Jaitner: Ordnung spreche ich mit Raoul Zillig.

Felix Jaitner: Raoul ist Politikwissenschaftler, freier Autor und Übersetzer.

Felix Jaitner: Er arbeitet seit den 1980er Jahren zu und in Lateinamerika.

Felix Jaitner: Anfang der 2000er Jahre lebte er im Rahmen eines Forschungsprojektes in Venezuela

Felix Jaitner: und schrieb ein Buch über die Bolivarianische Revolution unter Präsident Hugo Chávez.

Felix Jaitner: Er war Professor für internationale und vergleichende Politik an der Nationalen

Felix Jaitner: Universität Kolumbiens und seit 2024 schreibt er für die genossenschaftlich

Felix Jaitner: selbstverwaltete Berliner Tageszeitung ND.

Felix Jaitner: Gemeinsam sprechen wir über die Folgen der US-Blockade für Kuba,

Felix Jaitner: die Reformfähigkeit des kubanischen Sozialismus und die Frage,

Felix Jaitner: wie linke Solidarität mit Kuba heutzutage aussehen könnte. Viel Spaß!

Felix Jaitner: Hallo Raul, ich freue mich, dich im Podcast Weltumordnung grüßen zu dürfen.

Raul Zelik: Hi, schön, dass ich da sein darf.

Felix Jaitner: Raul, gegenwärtig erleben wir in Kuba eine existenzielle Krise und Expertinnen

Felix Jaitner: und Experten sagen, es sei sogar noch schlimmer als die sogenannte Sonderperiode in Friedenszeiten.

Felix Jaitner: Das war die Zeit in den 1990er Jahren nach der Auflösung der Sowjetunion und

Felix Jaitner: des Zusammenbruchs des Sozialistischen Handelsbündnisses Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe.

Felix Jaitner: Und nun sagt Francisco Pichon, der Leiter der Diplomatischen Vertretung der

Felix Jaitner: Vereinten Nationen in Kuba, Kuba läuft die Zeit davon.

Felix Jaitner: Meine Frage, was sind eigentlich die Gründe für die aktuelle Krise?

Felix Jaitner: Ist es das US-Embargo oder sind es doch innenpolitische Entwicklungen,

Felix Jaitner: die dazu geführt haben, dass wir so eine dramatische Krise in Kuba erleben?

Raul Zelik: Diese Wirtschafts- und Rohstoffblockade, die die USA gegen Kuba durchsetzen, ist ein Kriegsakt.

Raul Zelik: Eigentlich ist es ein Skandal, dass das als Angriffskrieg nicht skandalisiert

Raul Zelik: oder problematisiert wird in der Öffentlichkeit.

Raul Zelik: Und deswegen würde ich sagen, im Augenblick über irgendwelche internen Probleme

Raul Zelik: oder Fehler Kubas zu sprechen, ist völlig fehl am Platz. Also es ist ganz eindeutig.

Raul Zelik: Dieser Angriffskrieg der USA, der größten Militärmacht, die dafür gesorgt hat,

Raul Zelik: dass eben Kuba alle Handelspartner verloren hat.

Raul Zelik: Jetzt als letztes übrigens diese Woche einen kanadischen Bergbaukonzern,

Raul Zelik: der noch Nickel gefördert hat.

Raul Zelik: Also wenn man einfach systematisch alle Einkommensquellen eines Landes zerstört,

Raul Zelik: und dann noch verhindert, dass Öl ins Land kommt, dann ist kein Wunder,

Raul Zelik: dass die Wirtschaft zusammenbricht.

Raul Zelik: Und man muss sich vergegenwärtigen, dass die Bevölkerung auf Kuba nach wie vor

Raul Zelik: eigentlich sehr resilient mit der Situation umgeht.

Raul Zelik: Also ich bin mir sicher, bei uns wäre große, große Gewalt untereinander,

Raul Zelik: große Rücksichtslosigkeit.

Raul Zelik: Also insofern würde ich sagen, spricht die Situation auf Kuba gerade eigentlich

Raul Zelik: eher für dieses Gesellschaftsmodell, dass die Leute sich nämlich nicht gegenseitig

Raul Zelik: umbringen und gegenseitig ausrauben.

Felix Jaitner: Ich möchte mit dir später schon nochmal auch über die innenpolitischen Entwicklungen

Felix Jaitner: und auch Krisen in Kuba sprechen, aber vielleicht trotzdem erstmal nochmal die

Felix Jaitner: außenpolitische Lage skizzieren.

Felix Jaitner: Sind es eigentlich nur die USA, die dieses Embargo durchsetzen oder gibt es

Felix Jaitner: da auch Unterstützung aus anderen westlichen Ländern oder auch nicht westlichen Ländern?

Felix Jaitner: Und welche Länder verhalten sich denn vielleicht stärker solidarisch mit Kuba,

Felix Jaitner: auch wenn sie gegenwärtig nicht in der Lage sind, aktive Hilfe zu leisten.

Raul Zelik: Naja, man muss schon sagen, dass eigentlich Europa zwar den Embargo in Kuba

Raul Zelik: nie angeschlossen hat, aber dass natürlich auch die europäische Rechte Teil dieser Aggression ist.

Raul Zelik: Also es gab vor allem aus Spanien immer wieder politische Kampagnen gegen Kuba.

Raul Zelik: Also natürlich gibt es auch in Kuba wie in jeder anderen Gesellschaft Formen

Raul Zelik: der Repression, über die es sich lohnen würde zu reden.

Raul Zelik: Aber es ist natürlich total absurd, dass die spanische Rechte,

Raul Zelik: die ja auch schwerste Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land zu verantworten

Raul Zelik: hat, jahrzehntelang hat die Polizei da systematisch gefoltert,

Raul Zelik: dass die sich über die Menschenrechtsverletzungen auf Kuba auslässt.

Raul Zelik: Und insofern würde ich sagen, es ist natürlich eine Kooperation verschiedener

Raul Zelik: rechter Regierungen der westlichen Welt und natürlich auch der lateinamerikanischen Rechten.

Raul Zelik: Umgekehrt gibt es von progressiven Regierungen Solidaritätserklärungen.

Raul Zelik: Es gibt auch Lieferungen jetzt von Lebensmitteln zum Beispiel aus Mexiko.

Raul Zelik: Solidaritätsbekundung aus Brasilien. Aber man muss sagen, die einzigen Länder,

Raul Zelik: die jetzt wirklich, oder die einzigen Regierungen, die wirklich was gemacht

Raul Zelik: haben, so paradox das ist,

Raul Zelik: war einerseits Russland, die Öl geliefert haben und sich damit also dieser Ölblockade

Raul Zelik: der USA widersetzt haben, was mich ein bisschen überrascht hat,

Raul Zelik: weil ja die Beziehungen zwischen Trump und Putin,

Raul Zelik: politisch eigentlich gar nicht so schlecht sind, aber dass also Russland sich

Raul Zelik: trotzdem sozusagen geopolitisch da gegen die USA positioniert hat als einziges

Raul Zelik: Land in der Welt Und eben als zweites Land etwas weniger deutlich China.

Raul Zelik: Die jetzt doch einige Solarkraftwerke an Kuba verschenkt haben und aufgebaut haben.

Raul Zelik: Also man kann sagen, da ist sozusagen wirklich materielle Unterstützung gelaufen.

Raul Zelik: Aber selbst die lateinamerikanischen progressiven Regierungen,

Raul Zelik: die Kuba ja sehr, sehr viel zu verdanken haben, haben sich dieser Ölblockade nicht widersetzt.

Raul Zelik: Und zwar, weil sie Angst haben, dann eben auch von den USA sanktioniert zu werden.

Raul Zelik: Lula zum Beispiel hat ja auch persönlich Kuba durchaus einiges zu verdanken.

Raul Zelik: Der brasilianische Präsident, der kolumbianische Präsident Petro oder die mexikanische

Raul Zelik: Präsidentin Scheinbaum, die ja alles erdöl exportierende Länder sind,

Raul Zelik: dass die es nicht wagen, diese Ölblockade zu durchbrechen und damit auszulösen,

Raul Zelik: diesen Konflikt politisch und diplomatisch ein bisschen zu eskalieren.

Raul Zelik: Also es könnte schon sein, dass die Tanker beschlagnahmt würden von den US-Militärs,

Raul Zelik: aber dann hätte man natürlich einen politischen Konflikt, der vielleicht eben

Raul Zelik: auch internationalisiert werden würde.

Raul Zelik: Also ich meine, das sind nicht militärische, sondern dass man das eben politisch

Raul Zelik: deutlich macht, wer da eigentlich der Aggressor ist und wie weit diese Aggression reicht.

Raul Zelik: Das würde ich eigentlich von progressiven Regierungen auch erwarten.

Raul Zelik: Ich bin ja selber kein langjähriger Verteidiger des kubanischen Systems oder

Raul Zelik: der kubanischen Regierung.

Raul Zelik: Aber ich finde, einfach in Zeiten, wo jede Form alternativer Wirtschafts- und

Raul Zelik: Sozialpolitik in dieser Weise angegriffen wird.

Raul Zelik: Müsste es eigentlich im Interesse jeder demokratischen und progressiven Person

Raul Zelik: sein, sich dagegen zu positionieren.

Raul Zelik: Und das tun diese lateinamerikanischen Linksregierungen meiner Ansicht nach nicht.

Raul Zelik: Ganz zu schweigen von den afrikanischen Ländern, man darf ja nicht vergessen,

Raul Zelik: Angola, dass diese angolanische Regierung überhaupt überamt ist,

Raul Zelik: hat sie Kuba zu verdanken.

Raul Zelik: Die waren also damals durch das Apartheid-Regime und durch die Verbündeten des

Raul Zelik: südafrikanischen Apartheid-Regimes militärisch extrem unter Druck.

Raul Zelik: Und Kuba hat eigentlich den angolanischen Bürgerkrieg gewonnen.

Raul Zelik: Und auch das Ende der Apartheid in Südafrika geht sehr stark auf das kubanische Konto.

Raul Zelik: Ohne die militärischen Niederlagen, die Kuba den Südafrikanern in Angola zugefügt

Raul Zelik: hätte und Namibia zugefügt hätte, wäre das südafrikanische Apartheid-Regime

Raul Zelik: innenpolitisch nicht kollabiert vermutlich Ende der 80er Jahre.

Raul Zelik: Also es gibt so viele Länder, die eigentlich in der Pflicht stünden, Kuba zu helfen.

Raul Zelik: Auch die Länder, wo Kuba Ärztinnen und Ärzte hingeschickt hat.

Raul Zelik: Italien zum Beispiel in der Corona-Krise haben sie sehr gerne die kubanischen

Raul Zelik: Ärzte angenommen, als in Westafrika die Ebola ausgebrochen ist.

Raul Zelik: Die westlichen Länder haben sich zurückgezogen und Einreiseverbote verhängt.

Raul Zelik: Für Menschen aus der Region, die Kubaner haben Ärzte geschickt.

Raul Zelik: Also es gibt wirklich so viele Länder, die den Kubanerinnen und Kubanern was zu verdanken haben.

Raul Zelik: Ich finde es ein Skandal, dass da nichts passiert.

Felix Jaitner: Ich finde, du hast jetzt viele wichtige Punkte angesprochen,

Felix Jaitner: unter anderem ja auch nochmal die Frage des Internationalismus,

Felix Jaitner: auch sozusagen gelebten Internationalismus als politischer Praxis.

Felix Jaitner: Darüber würde ich später mit dir nochmal sprechen wollen.

Felix Jaitner: Nochmal vielleicht zu dem Embargo an sich.

Felix Jaitner: Wie können wir das näher verstehen? Ist es nochmal stärker zu sehen,

Felix Jaitner: im Kontext Trumps zu versuchen,

Felix Jaitner: US-Hegemonie in Lateinamerika auch nochmal stärker durch Zwang,

Felix Jaitner: also militärisch oder auch eben ökonomische Zwangsmaßnahmen durchzusetzen?

Felix Jaitner: Oder wie erklärst du dir diese Verschärfung aktuell?

Raul Zelik: Also ich glaube, erstmal ist es ganz wichtig, daran zu erinnern,

Raul Zelik: dass das kein Monopol der Republikaner ist.

Raul Zelik: Also immer diese Vorstellung, die USA sind schlimm geworden,

Raul Zelik: als Trump an die Regierung kommt, da müssen wir wirklich auch widersprechen,

Raul Zelik: dass Geschichtsklitterung die schlimmsten Aggressionen gab es zum Beispiel unter

Raul Zelik: Kennedy, ein demokratischer Präsident, der sogar als Hoffnungsträger galt,

Raul Zelik: wo Rechtsradikale und Mafia eingeschaltet worden sind, also klar.

Raul Zelik: Tatsache ist, also auch demokratische Präsidenten haben mit Ausnahme von Obama

Raul Zelik: eigentlich nichts Wesentliches dazu beigetragen zur Deeskalation.

Raul Zelik: Obama war eine Ausnahme, weil das eben auch ein besonderer historischer Moment

Raul Zelik: war. Aber das dauerte auch nicht lang.

Raul Zelik: Als Trump dann gewählt wurde 2016, ist das alles wieder zurückgenommen worden.

Raul Zelik: Und Joe Biden hat dann in der Folge nichts unternommen, um die Sanktionen gegen

Raul Zelik: Kuba abzuschwächen oder eben zu suspendieren.

Raul Zelik: Dass jetzt Trump da nochmal verschärft, diese Embargo-Politik,

Raul Zelik: hat wahrscheinlich zwei Ursachen.

Raul Zelik: Also einmal ist sein Außenminister Rubio, kommt ja aus dieser ehemaligen kubanischen weißen Elite.

Raul Zelik: Und da gibt es natürlich in Florida sehr, sehr viele Leute, die auch große ökonomische

Raul Zelik: Interessen daran haben, zurückzukehren auf Kuba und dieses Land,

Raul Zelik: die Tourismusindustrie wieder zu übernehmen, den Großgrundbesitz wieder zu übernehmen.

Raul Zelik: Und das weiß man ja auch, dass diese Momente der kapitalistischen Landnahme,

Raul Zelik: wenn Gemeindenbesitz, Almentenbesitz privatisiert wird, dass das eigentlich

Raul Zelik: die Momente des größten Reichtums sind.

Raul Zelik: Und das ist natürlich das, warum diese Exil-Mafia, ich sage Mafia,

Raul Zelik: weil die tatsächlich auch ihre Wurzeln in der Mafia hat, zumindest zu beträchtlichen Teilen.

Raul Zelik: Dass diese Exilgruppen starken Druck ausüben und die sind eben innerhalb der

Raul Zelik: amerikanischen Partei nicht unbedeutend.

Raul Zelik: Florida ist ein wichtiger Swing State und deswegen ist also diese kubanische

Raul Zelik: Rechte in Florida eine wichtige Grundlage sozusagen dieses echten US-Projekts.

Raul Zelik: Also das ist das eine und das andere ist sicherlich, dass Donald Trump ja verkündet

Raul Zelik: hat, dass er sozusagen die Monroe-Doktrin, also diese Hinterhof-Doktrin,

Raul Zelik: der amerikanische Kontinent gehört uns,

Raul Zelik: dass er die reaktivieren will.

Raul Zelik: Und er hat sie ja dann umgetauft in Donrow, damit sein Vorname Donald auch auftaucht.

Raul Zelik: Und der Anspruch ist natürlich jetzt ganz sichtbar in Lateinamerika.

Raul Zelik: Also es ist sehr, sehr deutlich, dass verschiedene Rechte aus verschiedenen

Raul Zelik: amerikanischen Ländern kooperieren, Honduras, USA, Argentinien.

Raul Zelik: Es gibt gerade so einen Skandal namens Honduras Gate,

Raul Zelik: wo also deutlich geworden ist, dass der von Trump persönlich amnistierte,

Raul Zelik: honduranischer Ex-Präsident,

Raul Zelik: der wegen Drogenhandels in den USA im Gefängnis saß, dass der jetzt freigelassen

Raul Zelik: worden, amnistiert worden.

Raul Zelik: Und er hat jetzt sein Büro aufgebaut, mit dem also Nachrichten oder ich würde

Raul Zelik: sagen Falschnachrichten, Desinformationen über die progressiven Regierungen

Raul Zelik: Lateinamerikas verbreitet werden soll.

Raul Zelik: Und das wird unterstützt zum Beispiel auch aus Argentinien und wohl auch aus Israel.

Raul Zelik: Also da sieht man, dass das durchaus eine internationale Kooperation ist,

Raul Zelik: das sich nicht nur auf USA und Trump reduzieren lässt, sondern dass das natürlich

Raul Zelik: auch gemeinsame Interessen von ökonomischen Eliten oder Oligarchien sind.

Raul Zelik: Und ja, ich denke, dass es da eben darum geht, diesen Zugriff zu den Ressourcen

Raul Zelik: auf dem ganzen Kontinent herzustellen.

Raul Zelik: Und da ist Cuba vermutlich mittlerweile nicht mehr als ein Symbol.

Raul Zelik: Aber Symbole sind eben auch wichtig, gerade für jemanden wie Trump.

Raul Zelik: In Venezuela beispielsweise würde ich sagen, dass die Entführung Maduros gar

Raul Zelik: nicht viel verändert hat an

Raul Zelik: der realen Kräfteverhältnisse und auch an der Orientierung der Regierung.

Raul Zelik: Also man hätte diese gleiche Durchdringung des Ölmarktes in Venezuela durch

Raul Zelik: US-Unternehmen auch mit einem Präsidenten Maduro erreichen können.

Raul Zelik: Das ging eher um diese Machtdemonstration der USA da.

Raul Zelik: Und dass das eben nicht immer die intelligenteste Strategie ist,

Raul Zelik: sehen wir ja gerade im Iran.

Raul Zelik: Also auch da wollte Trump beweisen, dass die US-Militärs alles können.

Raul Zelik: Und jetzt stellt man fest, sie können gar nicht alles.

Raul Zelik: Und dadurch sind die USA, zumindest im Mittleren Osten, auf einmal sehr stark geschwächt.

Raul Zelik: In Lateinamerika ist abzuwarten, ob das dazu führt, dass auch neue Bündnisse

Raul Zelik: gegen die USA sich formieren. Das wäre zu wünschen.

Raul Zelik: Aber man darf sich da auch nicht zu viel erwarten. Also eine Intervention der

Raul Zelik: USA oder ein militärischer Angriff der USA auf Kuba würde für die USA vermutlich

Raul Zelik: sehr glimpflich verlaufen, weil Kuba nicht die Ressourcen, nicht die Topografie hat,

Raul Zelik: um sich auf die Art und Weise wie der Iran gerade zur Wehr zu setzen.

Raul Zelik: Also insofern würde ich sagen, es geht darum, ein Exempel zu statuieren und

Raul Zelik: Kuba ist wahrscheinlich ein Land,

Raul Zelik: in dem gerade sehr leicht ein Exempel zu statuieren ist, weil das Land wirklich

Raul Zelik: durch die Jahrzehnte der Blockade sehr, sehr entkräftet ist.

Felix Jaitner: Ich finde es ja nochmal wichtig, dass du auch auf die Kontinuitäten in der US-Politik

Felix Jaitner: gegenüber Kuba hingewiesen hast.

Felix Jaitner: Also sozusagen massive antikubanische Politik,

Felix Jaitner: antisozialistische Politik, Embargo-Politik von auch progressiven demokratischen

Felix Jaitner: Kräften, Kennedy, bis hin eben auch zur äußersten republikanischen Rechten,

Felix Jaitner: wie wir sie aktuell sehen.

Felix Jaitner: Und das eben in einem Kontext von verschärften geopolitischen Auseinandersetzungen,

Felix Jaitner: dem Versuch der US-Regierung aktuell in Lateinamerika stärkere Kontrolle,

Felix Jaitner: Hegemonie anzuschreiben und das eben auch nochmal im Kontext rechter Netzwerke,

Felix Jaitner: die du angesprochen hast, das fand ich auch nochmal einen wichtigen und interessanten Punkt.

Felix Jaitner: Lass uns vielleicht davon ausgehend jetzt mal über die innenpolitische Entwicklung in Kuba sprechen.

Felix Jaitner: Du hast ja bereits gesagt, die kubanische Bevölkerung sei sehr resilient in

Felix Jaitner: ihrem Umgang mit der Krise und hast auch schon den Vergleich gemacht zu Deutschland,

Felix Jaitner: dass du sagtest, du würdest vermuten,

Felix Jaitner: eine vergleichbare Situation in Deutschland würde vermutlich zu viel mehr Gewalt

Felix Jaitner: und überhaupt auch Eskalation führen.

Felix Jaitner: Am 1. Mai haben ja eine halbe Million Kubanerinnen und Kubaner in Havanna,

Felix Jaitner: der Hauptstadt gegen das US-Embargo, aber auch die Drohung von Donald Trump protestiert.

Felix Jaitner: Vor dem Hintergrund habe ich mich auch noch mal gefragt, wie realistisch sind

Felix Jaitner: eigentlich die Hoffnungen der US-Regierung, dass es zu Massenprotesten kommt

Felix Jaitner: und letztendlich auch zum Regierungswechsel.

Felix Jaitner: Oder wenn ich anders vielleicht fragen würde, wie groß ist denn der Rückhalt

Felix Jaitner: aktuell in der kubanischen Bevölkerung für die Staatsführung?

Raul Zelik: Das ist total schwer zu sagen.

Raul Zelik: Mein Blick auf Kuba, das will ich mal kurz vielleicht deutlich machen,

Raul Zelik: ist, dass ich seit den 80er Jahren, seitdem ich das erste Mal in Lateinamerika

Raul Zelik: als Jugendlicher war, bin ich immer im Abstand von einigen Jahren wieder auf der Insel gewesen.

Raul Zelik: Und das waren immer relativ kurze Aufenthalte, zwei bis vier Wochen.

Raul Zelik: Insofern ist also mein Einblick auch gerade in die Regionen total beschränkt.

Raul Zelik: Aber was meinen Blick vielleicht auch unterscheidet von anderen Leuten,

Raul Zelik: die näher dran waren, ich habe eben immer einige Jahre dazwischen gehabt.

Raul Zelik: Also ich habe oft so acht Jahre zwischen den Besuchen liegen gehabt und dadurch

Raul Zelik: sind mir Veränderungen aufgefallen.

Raul Zelik: Und ich würde zum Beispiel sagen, das, was immer ein guter Grund war,

Raul Zelik: Kuba zu kritisieren, nämlich diese Kopie des sowjetischen Modells und dieser

Raul Zelik: extreme Autoritarismus, die wahnsinnige Präsenz von Polizei auf der Straße,

Raul Zelik: was in den 80er Jahren wirklich so war, ist überhaupt nicht mehr so.

Raul Zelik: Also ich bewege mich ja viel auch in Kolumbien, Venezuela, Mexiko, Brasilien.

Raul Zelik: Also die Repression in Kolumbien oder Brasilien der Polizei ist viel gewaltsamer,

Raul Zelik: viel präsenter als in Kuba.

Raul Zelik: In Kuba gibt es natürlich auch nochmal zivile Sicherheits- oder Geheimdienstkräfte,

Raul Zelik: die auch vieles kontrollieren.

Raul Zelik: Also es ist sicherlich kein Vergnügen, in Kuba ein Dissidenter,

Raul Zelik: ein Oppositioneller zu sein.

Raul Zelik: Aber jetzt die Vorstellung, dass da ein Oppositioneller mehr drangsaliert würde

Raul Zelik: als in Kolumbien ist falsch.

Raul Zelik: Also ein Linker in Kolumbien riskiert sein Leben, ein Gewerkschafter in Kolumbien, also ich habe.

Raul Zelik: Einige aus meinem Freundeskreis verloren durch Mordanschläge der Rechten und

Raul Zelik: der Militärs in Kuba, dass Leute, die ins Gefängnis gegangen sind,

Raul Zelik: zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind.

Raul Zelik: Also es gibt politische Repressionen, aber die politische Repression ist nicht

Raul Zelik: vergleichbar mit der politischen Repression, wie sie Kolumbien Jahrzehnte geprägt

Raul Zelik: hat oder wie sie in Brasilien zum Beispiel gegen die Bewohner der Armenviertel

Raul Zelik: die Regel sind. Wir vergessen das immer so.

Raul Zelik: In Rio hat es vorletztes Jahr ein Massaker an mehr als 100 Menschen aus Armfurteln

Raul Zelik: gegeben, einfach nur, weil sie arm waren.

Raul Zelik: Also sowas findet auf Kuba nicht statt. Man muss auch sagen,

Raul Zelik: also die kubanische Gesellschaft hat sich eigentlich, wenn man sagen, liberalisiert.

Raul Zelik: Ich bin nicht so ein Fan des Begriffs Liberalismus, weil der historische Liberalismus

Raul Zelik: gar nicht so freiheitlich war, wie heute immer geglaubt wird.

Felix Jaitner: Geöffnet vielleicht?

Raul Zelik: Ja, es hat eine Öffnung, ja, auch eine anti-autoritäre Entwicklung in der kubanischen

Raul Zelik: Gesellschaft gegeben, eine begrenzte.

Raul Zelik: Es ist jetzt nicht so, dass es einfach wäre, unabhängige Medien zu gründen,

Raul Zelik: aber es gibt unabhängige Online-Medien auf Kuba.

Raul Zelik: Und es gibt durchaus auch auf Kanälen, die staatsnah sind, Möglichkeiten,

Raul Zelik: über die Unzufriedenheit zu reden.

Raul Zelik: Oder es ist auch zum Beispiel überhaupt kein Problem, im Internet auf allen

Raul Zelik: Seiten zu surfen, die einen interessieren. Es gibt einige wenige,

Raul Zelik: die offiziell gesperrt sind. Das kann man relativ leicht umgehen.

Raul Zelik: Also jeder Kubaner kann sich über mobile Daten eigentlich Zugang zum Internet

Raul Zelik: mittlerweile verschaffen und kann dann auch die ausländische Presse lesen und

Raul Zelik: Berichte lesen, was die über Kuba schreiben.

Raul Zelik: Also es ist alles nicht mehr wie in den 80er Jahren.

Raul Zelik: Man muss auch sagen, dass ein weiterer Grund, der für uns als unabhängige Linke

Raul Zelik: auch immer ein Motiv war, Kuba zu kritisieren, war die wahnsinnig.

Raul Zelik: Repressive Verfolgung von sexuellen Orientierung und Identitäten.

Raul Zelik: Also es war ja echt eine schlimme, antischwule Kampagnen in den 70er Jahren

Raul Zelik: vor allen Dingen, wirklich, wo die Leute wahnsinnig malträtiert worden sind.

Raul Zelik: Das gibt es auch nicht mehr.

Raul Zelik: Also seit den 80ern hat sich da wirklich viel getan.

Raul Zelik: Die neue Verfassung, die da erarbeitet worden ist, vor allen Dingen in den wenigen

Raul Zelik: Jahren, ist wirklich breit gesellschaftlich debattiert worden.

Raul Zelik: Also ich würde sagen, der demokratische Verfassungsprozess, der muss sich nicht verstecken.

Raul Zelik: Ich glaube nicht, dass ein Verfassungsprozess in Deutschland im Augenblick so

Raul Zelik: demokratisch sein würde, wie der auf Kuba war.

Raul Zelik: Und gerade dieses Partnerschaftsgesetz und Familiengesetz, was in diesem Kontext

Raul Zelik: auch diskutiert worden ist, ist wirklich ein Beispiel für den ganzen lateinamerikanischen Kontinent.

Raul Zelik: Also da gab es Gegenwehr gegen diese, jetzt sage ich auch mal selber,

Raul Zelik: Liberalisierung dieses Familiengesetzes

Raul Zelik: und Adoptionsrechte und also bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Raul Zelik: Und da gab es Widerstand, aber der Widerstand kam interessanterweise von religiösen

Raul Zelik: Gruppen, die eher zur Opposition gezählt werden. Also das muss man auch dazu sagen.

Raul Zelik: Also das, was in Kuba dann vielleicht autoritär oder so ist oder repressiv ist,

Raul Zelik: ist gar nicht immer nur der Staatsapparat, sondern in manchen Fragen kann das

Raul Zelik: dann durchaus auch das sein, was man eher so als oppositionell warnet.

Raul Zelik: Aber auch die Unterstützung für die Regierung ist natürlich sehr,

Raul Zelik: sehr schwer einzuschätzen.

Raul Zelik: Ich glaube, dass es nicht aussagekräftig ist, dass mehrere hunderttausend Leute

Raul Zelik: auf die Straße gehen, weil es natürlich schon in Kuba auch erwartet wird,

Raul Zelik: dass du dann mit den Schulklassen dahin gehst oder das sogar organisiert wird.

Raul Zelik: Da brauchen wir uns ja nur an die DDR zu erinnern. In dem Moment,

Raul Zelik: wo sich der Wind dreht, sagen die Leute dann ganz was anderes.

Raul Zelik: Und ich glaube, es ist auch kein gutes Zeichen, dass so ein großer Teil der

Raul Zelik: jungen Bevölkerung ausgewandert ist.

Raul Zelik: An 10 Prozent schätzt man ja ungefähr. Also es steht genau der Teil der Bevölkerung,

Raul Zelik: der sozusagen auch was in Bewegung setzen kann oder auch Strukturen verändern

Raul Zelik: kann. Also das ist wirklich ein riesiges Problem.

Raul Zelik: Insofern würde ich mal sagen, also die Unterstützung ist vermutlich nicht so

Raul Zelik: groß. Also man merkt das ja immer, wenn man auch mit Leuten,

Raul Zelik: die aus Kuba ausgewandert sind, sich unterhält, wenn man auch nachvollzieht,

Raul Zelik: warum die ausgewandert sind.

Raul Zelik: Also die meisten Leute, die sich in Kuba beschweren, beschweren sich eigentlich

Raul Zelik: nicht über das politische System.

Raul Zelik: Das ist dann immer die Interpretation, die hier in den Medien stattfindet,

Raul Zelik: sondern eigentlich geht es darum, dass man sich wirtschaftlich nicht so entfalten

Raul Zelik: kann oder nicht so konsumieren kann, wie man das halt vorgeführt bekommt aus anderen Ländern.

Raul Zelik: Also im Grunde genommen geht es darum, dass der Konsumhorizont auf Kuba halt

Raul Zelik: wirklich wahnsinnig eng ist und jetzt gibt es zwar die Möglichkeit,

Raul Zelik: seit einem Jahr Unternehmen zu gründen und da sind jetzt auch tatsächlich einige

Raul Zelik: Leute als Unternehmer auch relativ erfolgreich und können sich auch ganz schön was leisten.

Raul Zelik: Und mittlerweile kann man ja auch importieren. Aber das ist halt oft auch sehr

Raul Zelik: beschwerlich. Es werden dann viele Steine im Weg gelegt.

Raul Zelik: Und wer nicht gute Kontakte in den Staatsapparat hat, der ist dann natürlich

Raul Zelik: benachteiligt oder wer nicht auch ein Startkapital mitbringt.

Raul Zelik: Und das sind die Gründe, warum Leute auswandern. Also ich würde sagen,

Raul Zelik: es gibt halt so eine Unzufriedenheit mit der Armut und der Stagnation.

Felix Jaitner: Also du hast ja nochmal sehr stark verglichen, wie ist das Verhältnis von Repressionen,

Felix Jaitner: generell politischer Entwicklung, politischen Diskurs in ganz Lateinamerika.

Felix Jaitner: In dem Kontext müssen wir ja Kuba nun mal sehen. Das ist ja ein lateinamerikanisches

Felix Jaitner: Land und eben nicht hier in Europa.

Felix Jaitner: Und in dem Zusammenhang finde ich auch nochmal wichtig, dass du sagst,

Felix Jaitner: das Level der Repression ist nicht unbedingt höher.

Felix Jaitner: Im Gegenteil. Und auch spannend deine Bemerkung, dass gerade in der Opposition,

Felix Jaitner: die ja im hegemonialen Mediendiskurs häufig als demokratisch beschrieben wird,

Felix Jaitner: selber stark autoritäre, repressive Strömungen zu finden sind.

Felix Jaitner: Also ich finde, diese Widersprüche, die nehmen wir ja hierzulande im Diskurs kaum wahr.

Felix Jaitner: Dann fand ich auch nochmal spannend, dass du ja sagst, diese strukturkonservative

Felix Jaitner: Seite des Staatssozialismus, den ich auch in der Sowjetunion ganz stark wahrgenommen

Felix Jaitner: habe, in der DDR, in anderen osteuropäischen Ländern,

Felix Jaitner: gerade jetzt in Bezug auf sexuelle Minderheiten, dass es hier eine Entwicklung

Felix Jaitner: gibt, eine Öffnung Kubas oder auch Liberalisierung, wie du sagst,

Felix Jaitner: das sind ja schon Entwicklungen,

Felix Jaitner: die hierzulande nicht ausreichend gewürdigt werden und auch wahrgenommen werden.

Felix Jaitner: Also wie wandlungsfähig oder wie reformfähig ist denn deiner Meinung nach der

Felix Jaitner: kubanische Sozialismus?

Raul Zelik: Ja, das ist natürlich auch sehr, sehr schwer von außen zu beurteilen.

Raul Zelik: Ich glaube, es ist auch sehr, sehr schwer für die Leute in der kubanischen Partei

Raul Zelik: schwer zu beurteilen. Es ist ja nicht so, dass es da nicht Leute gäbe,

Raul Zelik: die diese Probleme sehen.

Raul Zelik: Es gibt ja eigentlich durchaus auch Debatten über einen Krisenbefund.

Raul Zelik: Ich glaube, Kuba ist da auch anders als diese verknöcherten osteuropäischen

Raul Zelik: kommunistischen Parteien, wie wir sie in den 80er Jahren vielleicht noch erlebt

Raul Zelik: haben, einige von uns zumindest über Medien erlebt haben.

Raul Zelik: Ich würde sagen, das große Drama Kubas ist ähnlich wie das in anderen sozialistischen Gesellschaften.

Raul Zelik: Diese Form der Staatspartei und des Parteienstaats hat eigentlich dazu geführt,

Raul Zelik: dass es eine starke Endpolitisierung der Gesellschaft gibt.

Raul Zelik: Es ist ein zentrales Problem, würde ich sagen,

Raul Zelik: dass es eine politische Kultur gab, die sehr stark auf Top-Down gesetzt hat

Raul Zelik: und damit auch so eine Art Klakörwesen etabliert hat.

Raul Zelik: Also dass die Leute dazu erzogen wurden, zu beklatschen, was von oben kam.

Raul Zelik: Also neulich habe ich mich mit einem kubanischen Freund unterhalten.

Raul Zelik: Ein so ein Erlebnis war, sie kam zurück vom Studium aus der Ukraine, Mitte der 80er Jahre.

Raul Zelik: Damals war die Perestroika in Russland. Es gab eine kritische Auseinandersetzung

Raul Zelik: mit dem Autoritarismus.

Raul Zelik: Und einer dieser kubanischen Studierenden hat halt gesagt, naja,

Raul Zelik: wir brauchen eigentlich auch eine größere kritische Debatte und wir müssen mal aufhören.

Raul Zelik: Fidel Castro zu behandeln, als wäre er unser Gott. Also eigentlich eine Aussage

Raul Zelik: des gesunden Menschenverstandes.

Raul Zelik: Zumal dieser Studierende Philosophie studiert hatte.

Raul Zelik: Also es war wirklich das, was man eigentlich erwarten sollte,

Raul Zelik: dass wenn man sich als linker Geisteswissenschaften beschäftigt,

Raul Zelik: dass man dann irgendwann mit kritischer Theorie in Berührung kommt oder mit kritischem Denken.

Raul Zelik: Und dass man das auch einfordert von der Gesellschaft, bis sie so über sich selbst reflektiert.

Raul Zelik: Aber nachdem er diesen Satz gesagt hat, wurde er komplett aussortiert und konnte

Raul Zelik: als Philosoph auf Kuba nichts mehr machen.

Raul Zelik: Und das ist sozusagen die historische Erfahrung, die im Staatssozialismus viele

Raul Zelik: gemacht haben. Also jede Form des eigenständigen Denkens wird bestraft.

Raul Zelik: Und das setzt sich natürlich fest.

Raul Zelik: Und wenn dann irgendwann mal von oben die Anweisung kommt, lasst uns mal kritisch

Raul Zelik: über uns selbst nachdenken, dann ist natürlich sehr klar, dass dann auch nicht

Raul Zelik: mehr so viel kommen kann.

Raul Zelik: Also auch in Venezuela würde ich sagen, ist das ein zentraler Punkt gewesen.

Raul Zelik: Also Chavez war wirklich ein interessanter Politiker, der sich sehr viel eigentlich

Raul Zelik: auch angehört hat und sehr viel aufgegriffen hat.

Raul Zelik: Aber diese fast schon religiöse Verklärung dieser Führungsperson,

Raul Zelik: die hat dem Chavismus das Genick gebrochen und hat dann dazu geführt,

Raul Zelik: dass dann danach eben so eine neue Staatselite entstehen konnte,

Raul Zelik: die dann eben auch sich den Ölreichtum persönlich angeeignet hat.

Raul Zelik: Und Kuba ist etwas weniger, also zumindest diese Fälle der persönlichen Korruption

Raul Zelik: haben sie immer stoppen können auf Kuba, aber was sicherlich eben nicht gelungen

Raul Zelik: ist, ist, dass es also möglich sein muss, die Fehler zu benennen.

Raul Zelik: Widersprüche zu adressieren und dass das diese Kritik dann sozusagen die Weiterentwicklung

Raul Zelik: des Systems ermöglicht.

Raul Zelik: Im sozialistischen System gab es sowas in Betrieben, dass man die technischen

Raul Zelik: Abläufe ganz gerne auch erneuert hat durch Kritik der Beschäftigten oder der Arbeiterinnen.

Raul Zelik: Also insofern müssen wir jetzt auch nicht denken, da hätte es überhaupt keine

Raul Zelik: demokratischen Spielräume gegeben.

Raul Zelik: In Kuba zum Beispiel gibt es auch Nachbarschaftsversammlungen,

Raul Zelik: wo auch einiges stattfindet, was gar nicht so uninteressant ist.

Raul Zelik: Aber dieses etwas größere politische System, wo die etwas größeren politischen

Raul Zelik: Entscheidungen getroffen werden, da hat das eigentlich gar nicht stattgefunden.

Raul Zelik: Deswegen war dieses Partnerschaftsgesetz und Adoptionsgesetz.

Raul Zelik: Das ist ja vor einigen Jahren jetzt verabschiedet worden, ist so wichtig,

Raul Zelik: weil das eigentlich der einzige Fall war, oder der erste Fall war,

Raul Zelik: dass wirklich mal breiter gesellschaftlich und kontrovers gesellschaftlich debattiert worden ist.

Raul Zelik: Also es gibt auch Versuche jetzt in der kommunistischen Partei,

Raul Zelik: auch die politische Kultur in den eigenen Reihen zu erneuern.

Raul Zelik: In Lateinamerika gibt es ja eine lange Debatte der Befreiungspädagogik, die sagt,

Raul Zelik: emanzipatorische Bildung ist eben nicht einfach nur das Verbreiten von kritischem

Raul Zelik: Wissen, sondern auch der kritischen Methode, dass Leute sich kollektiv,

Raul Zelik: selbstständig für eigene Positionen erarbeiten, dass das der wesentliche Bestandteil

Raul Zelik: einer alternativen Pädagogik sein muss.

Raul Zelik: Und das ist in Kuba sozusagen in einer kleinen Nische auch praktiziert worden.

Raul Zelik: Also es gibt so eine kleine befreiungstheologische Linke, die für das sozialistische

Raul Zelik: System ist, aber gegenüber der Staatsführung auch durchaus kritisch war.

Raul Zelik: Und da hat sich seit den 90er Jahren, finde ich, eine kleine Debatte entwickelt,

Raul Zelik: die so ein kleiner Hoffnungsschimmer ist.

Raul Zelik: Da kann man konstatieren, dass die Staatsführung das auch anerkennt,

Raul Zelik: dass das ein wichtiger Beitrag wäre.

Raul Zelik: Also es gibt jetzt tatsächlich Versuche, diese Kaderkultur und die Ausbildung

Raul Zelik: der politischen Kader pädagogisch zu verändern.

Raul Zelik: Aber ich glaube, ich befürchte, dass diese Veränderungen zu marginal sind und

Raul Zelik: vor allen Dingen viel zu spät kommen. Also sowas hätte man vor 50 Jahren machen müssen.

Raul Zelik: Jetzt ist wahrscheinlich die Energie viel zu gering in der Gesellschaft,

Raul Zelik: um das noch durchzusetzen.

Raul Zelik: Aber es ist nicht so, dass da gar nichts gäbe. Das Einzige, was der Staatsführung

Raul Zelik: eingefallen ist, ist ja vor allen Dingen eine wirtschaftliche Öffnung.

Raul Zelik: Die ist aber jetzt überhaupt nicht förderlich für die Entwicklung einer demokratischen Kultur.

Raul Zelik: Also diese westliche Behauptung, dass Kapitalismus und Demokratie einhergehen,

Raul Zelik: das erleben wir ja selber gerade, dass das überhaupt nicht der Wahrheit entspricht,

Raul Zelik: also dass das eigentlich eher.

Raul Zelik: Eine kontingente Überschneidung war von historischen Prozessen.

Raul Zelik: Das würde ich behaupten, also Demokratie ist wesentlich durch sozialistische

Raul Zelik: und feministische und abolitionistische Bewegungen erkämpft worden.

Raul Zelik: Der Kapitalismus hatte einen ganz eigenständigen Entwicklungsprozess und dass

Raul Zelik: das zeitweise koexistiert hat, bricht auf.

Raul Zelik: Und ich würde eben auch sagen, auch nach Kuba ist es so, also die Einführung

Raul Zelik: dieser Marktwirtschaft hat vor allen Dingen dazu geführt, dass es,

Raul Zelik: jetzt eine sehr schnell wachsende soziale Ungleichheit gab.

Raul Zelik: Ich weiß nicht, wie das jetzt in der aktuellen Krise ist. Da ist vermutlich

Raul Zelik: dann die Ungleichheit auch wieder geringer geworden.

Raul Zelik: Aber eine Zeit lang war es wirklich so, dass es die Leute, die Kleinunternehmer

Raul Zelik: waren oder mittlere Unternehmer waren in Kuba, dann doch vieles leisten konnten.

Raul Zelik: Und das führt dann aber nicht unbedingt dazu, dass eben eine gesellschaftliche

Raul Zelik: und politische Öffnung stattfindet, sondern eher, dass neue Eliten entstehen,

Raul Zelik: die dann mit den Eliten des Staatsapparates irgendwie anfangen zu.

Raul Zelik: Ja, eine neue Form der politisch-ökonomischen Macht auszubilden.

Raul Zelik: Insofern ist mir gerade wirklich schleierhaft, wie also so eine Weiterentwicklung

Raul Zelik: der kubanischen Gesellschaft stattfinden könnte, die nicht destruktiv ist.

Raul Zelik: Übrigens aber auch, wenn jetzt die Übernahme durch die USA gelingt.

Raul Zelik: Also auch wenn das passiert, würde ich befürchten, dass es eine verheerende Entwicklung gibt.

Raul Zelik: Ich könnte mir vorstellen, dass eine rasant wachsende soziale Ungleichheit enorme

Raul Zelik: destruktive Prozesse in der kubanischen Gesellschaft auslösen würde und auch enorme Gewalt hat.

Raul Zelik: Und darf man nicht vergessen, wenn man die Nachbarländer guckt.

Raul Zelik: Das sind alles oder vieles Länder mit sehr hohem Gewaltniveau.

Raul Zelik: Haiti zum Beispiel, der Haitianischen Revolution hat man ja auch nie verziehen,

Raul Zelik: die Mächtigen gestürzt zu haben. Diese Parallelität zwischen Kuba und Haiti

Raul Zelik: wird eigentlich immer deutlicher.

Raul Zelik: Haiti musste ja auch über 150 Jahre lang für seine Befreiung von der Sklaverei

Raul Zelik: noch Entschädigungen zahlen.

Raul Zelik: Und so ähnlich würde ich eigentlich auch sagen, im Rückblick ist es, was Kuba passiert ist.

Raul Zelik: Man hat Kuba nicht verziehen, dass sie den Großgrundbesitz beseitigt haben und

Raul Zelik: Bildung und Gesundheitswesen eingeführt haben. Denn das ist ja eigentlich der

Raul Zelik: Kern dieses kubanischen Projekts, das so umstritten ist.

Raul Zelik: Und dass das jetzt so vernichtet wird, wird, glaube ich, in nichts Gutem enden.

Felix Jaitner: Darauf wollte ich mit dir eigentlich auch nochmal hinaus. Du hast ja jetzt mehrmals

Felix Jaitner: auch angesprochen, dass die Art des Staatssozialismus in Kuba dazu geführt hat,

Felix Jaitner: dass Leute nicht dazu befähigt wurden oder dass es zu wenig Räume gibt für kritisches Denken.

Felix Jaitner: Gleichzeitig sagst du ja, und das ist ja auch offensichtlich,

Felix Jaitner: es gibt unglaubliche Erfolge und gerade im sozialen Bereich,

Felix Jaitner: also wenn wir uns die Bildung anschauen, wenn wir uns den kostenlosen Gesundheitssektor anschauen, klar,

Felix Jaitner: im Kontext von Embargo und wirtschaftlicher Krise sind diese Dienstleistungen

Felix Jaitner: auch, nehmen sie ab, aber sie sind trotzdem noch da.

Felix Jaitner: Ich habe gelesen, dass als erstes

Felix Jaitner: lateinamerikanisches Land Kuba eigene Corona-Impfstoffe entwickelt hat.

Felix Jaitner: 60 Prozent der auf der Insel zugelassenen Arzneimittel werden in Kuba produziert

Felix Jaitner: und 80 Prozent der Impfstoffe.

Felix Jaitner: Das sind ja gewaltige Erfolge.

Felix Jaitner: Und wie steht das im Verhältnis dann zum kritischen Denken?

Felix Jaitner: Weil es braucht ja durchaus auch die Fähigkeit von Emanzipation,

Felix Jaitner: von freiheitlichen Denken, um überhaupt solche Entwicklungserfolge auch in der

Felix Jaitner: Wirtschaft zu erreichen.

Felix Jaitner: Also wo müsste da mehr an Emanzipation passieren?

Felix Jaitner: Um zu so einer Form von letztendlich ja auch freiheitlich-sozialistischen,

Felix Jaitner: auch wirtschaftlichen, sozialen Modell zu kommen, das sozusagen die Entfaltung

Felix Jaitner: von menschlichem Potenzial noch mal mehr ermöglichen würde?

Raul Zelik: Also zunächst mal muss man sagen, dass der Gesundheits- und Bildungssektor in

Raul Zelik: Kuba leider nicht mehr so vorbildlich ist, wie er das lange war.

Raul Zelik: Natürlich liegt das an der Blockade und ich würde sagen ausschließlich an der Blockade.

Raul Zelik: Aber man muss das wirklich dazu sagen, weil immer noch das so ein bisschen herumgeistert,

Raul Zelik: zumindest unter diesen älteren Linken, diese Vorstellung, dass es in Kuba ein

Raul Zelik: funktionierendes Gesundheitswesen gibt.

Raul Zelik: Es gibt Operationen, die wirklich lebensnotwendig sind, die werden oft noch

Raul Zelik: gemacht, aber viele andere Dinge, die auch wichtig sind, können nicht mehr geleistet

Raul Zelik: werden, weil die Medikamente nicht ins Land kommen. Auch die Grundversorgung

Raul Zelik: mit den Medikamenten scheint mir die Zahl sehr hoch.

Raul Zelik: Ich weiß also, dass es eine wahnsinnige Mangelversorgung mit den einfachsten Medikamenten gibt.

Raul Zelik: Also deswegen ist man ja auch immer ermahnt oder aufgerufen,

Raul Zelik: wenn man da hinfährt, dass man alles mitnimmt, von der Aspirin bis zu einfachem Spritzbesteck.

Raul Zelik: Also wirklich, es mangelt im Gesundheitssektor an allen, wenn man da im Krankenhaus ist,

Raul Zelik: muss man von der Familie mit Essen und Bettlaken versorgt werden,

Raul Zelik: weil der kubanische Staat das nicht mehr leisten kann aufgrund der Blockade

Raul Zelik: und das ist auch im Bildungswesen so.

Raul Zelik: Es ist so, dass so viele junge Leute ausgewandert sind, dass dann oft die Lehrer fehlen.

Raul Zelik: Und ja, also wirklich auch Leute, die sehr überzeugt sind von der kubanischen

Raul Zelik: Revolution, angefangen haben, ihre Kinder anderweitig auf die Schule zu schicken,

Raul Zelik: weil das Bildungswesen nicht mehr funktioniert.

Raul Zelik: Also das muss man wirklich sagen, schon seit einigen Jahren ist die Blockade

Raul Zelik: und die Krise auf Kuba so groß, dass also auch diese elementaren Bereiche nicht

Raul Zelik: mehr so funktionieren wie früher.

Raul Zelik: Man muss aber auch anerkennen, das ist wirklich etwas, was man sehr,

Raul Zelik: sehr hoch wertschätzen sollte.

Raul Zelik: Der kubanische Staat räumt dem Gesundheits- und Bildungswesen absolute Priorität ein.

Raul Zelik: Dieses Land wird die ganze Zeit militärisch bedroht und die ganze Zeit als Reaktion

Raul Zelik: kommt der Verweis auf das Gesundheits- und Bildungswesen oder auf die Ärztebrigaden.

Raul Zelik: Also das ist eigentlich auch interessant. Andere Länder würden reagieren wie

Raul Zelik: Nordkorea und große Aufmärsche machen mit Bewaffneten.

Raul Zelik: Das ist in Kuba nicht der Fall.

Raul Zelik: Kuba will eigentlich diese Auseinandersetzungen irgendwie auf einer politischen

Raul Zelik: Ebene führen und gewinnen.

Raul Zelik: Und deswegen hat man zum Beispiel dieses prestigeträchtige Projekt entwickelt,

Raul Zelik: dass man Ärzte seit über 30 Jahren zu humanitären Einsätzen in die Welt schickt.

Raul Zelik: Teilweise für Geld, teilweise aber auch unentgeltlich.

Raul Zelik: Was müsste in der kubanischen Wirtschaft passieren? Also wenn der Staatsbetrieb

Raul Zelik: nicht funktioniert, weil er zu verknöchert ist, dann müsste man halt versuchen,

Raul Zelik: mehr Genossenschaften anzuschieben.

Raul Zelik: Und das ist aber eben auch traurig.

Raul Zelik: Es gibt auf Kuba sehr, sehr wenig funktionierende Genossenschaften.

Raul Zelik: Woran liegt es? Die Genossenschaftler sagen, es liegt auch daran,

Raul Zelik: dass die kubanische Gesetzgebung nicht gut ist.

Raul Zelik: Ich kann das nicht beurteilen, aber das Problem scheint also zu sein,

Raul Zelik: dass es dann zwar ganz gute übergeordnete Gesetze gibt, aber dann gibt es zum

Raul Zelik: Beispiel eben nicht die Möglichkeit, ein Konto zu eröffnen in Dollars,

Raul Zelik: was du aber brauchst, wenn du als Unternehmen Vorprodukte einkaufen willst.

Raul Zelik: Also solche Sachen, so technische Sachen. Das andere ist sicherlich auch,

Raul Zelik: dass es eben vermutlich vom hierarchisch geführten Staatsbetrieb zum hierarchisch

Raul Zelik: geführten Privatbetrieb ein kleinerer Schritt ist, als vom hierarchisch geführten

Raul Zelik: Staatsbetrieb zum kollektiv geführten Genossenschaftsbetrieb.

Raul Zelik: Das ist ja wahrscheinlich kein Zufall, dass aus der Sowjetunion so eine Kleptokratie geworden ist.

Raul Zelik: Also das ist eigentlich möglicherweise ein naheliegender Transformationsprozess,

Raul Zelik: dass wenn es also eine politische starke Führungsperson gibt,

Raul Zelik: die unangefochten ist, dass die dann eben auch eine patrimonialen,

Raul Zelik: familiäre Unternehmenskultur entwickelt und sich auch persönlich extrem stark bereichert.

Raul Zelik: Ja, und wie sowas aufgehoben werden könnte, da weiß ich, das ist ja die große

Raul Zelik: Frage, glaube ich, jeder sozialistischen Debatte.

Raul Zelik: Dass der Aufbau von wirklich vergesellschafteten ökonomischen Strukturen ein

Raul Zelik: komplexer sozialer Prozess ist, ein Lernprozess.

Raul Zelik: Also die historischen Almenten sind über Jahrhunderte entstanden,

Raul Zelik: also die gemeinsame Verwaltung von Wäldern und Gewässern.

Raul Zelik: Das ist ein sehr austariertes System.

Raul Zelik: Ich glaube, daran kann man sehen, dass das schon funktionieren kann,

Raul Zelik: aber dass es komplexe Systeme sind,

Raul Zelik: also wo dann auch die Eigeninitiative oder der Eigennutz der Leute auch irgendwie

Raul Zelik: anerkannt werden muss und dann irgendwie denen auch ein Raum eingeräumt werden

Raul Zelik: muss, aber eben auch begrenzt werden muss.

Raul Zelik: Da geht es ja viel in der Allmende darum, dass die Höfe zwar privat sind,

Raul Zelik: aber sie haben gemeinsame Nutzung von Gewässern, Weiden und so weiter.

Raul Zelik: Und ich glaube, im Sozialismus und in sozialistischen Betrieben geht es vermutlich um ähnliche Dinge.

Raul Zelik: Also es braucht einen Prozess der gemeinsamen Verantwortung und das ist auch beschwerlich.

Raul Zelik: Also gemeinsame Verwaltung eines Betriebs oder auch eines Wohnhauses ist mehr

Raul Zelik: Arbeit oft als Mieter zu sein oder Mieterin oder Angestellter zu sein.

Raul Zelik: Und deswegen, glaube ich, sind das Dinge, die erlernt werden müssen.

Raul Zelik: Und in der Gesellschaft, die eben an hierarchische Betriebsführung gewöhnt ist,

Raul Zelik: ist das schwer einzuführen. Ich glaube, die kubanische Staatsführung wird versuchen,

Raul Zelik: wenn sie überhaupt noch Zeit hat, Vietnam oder China zu kopieren.

Raul Zelik: Das ist aber keine gute Nachricht, denn man muss zwar sagen,

Raul Zelik: China ist jetzt vermutlich im Augenblick die weniger destruktive Gesellschaft

Raul Zelik: als die US-amerikanische.

Raul Zelik: Also es geht jetzt nicht um China-Bashing, aber es ist natürlich auch in keiner

Raul Zelik: Weise ein Weg zur sozialen Emanzipation,

Raul Zelik: sondern auch erstmal nur ein Weg des nationalökonomischen Aufstiegs einer Nation

Raul Zelik: und des damit zusammenhängenden Nationalismus.

Raul Zelik: Und ob das eine gute Nachricht ist, würde ich als Linke erst mal bezweifeln.

Felix Jaitner: Zumal ich noch ergänzen wollen würde, das beruht ja auch auf zwei Faktoren.

Felix Jaitner: Der Vorteil im internationalen Maßstab, dass Arbeitskraft in Vietnam und China

Felix Jaitner: deutlich günstiger ist und auch eine spezifische Weltmarktkonstellation im Zuge

Felix Jaitner: der Globalisierung, offene Märkte.

Felix Jaitner: Liberalisierung des Handels, die so eine spezifische Form der Integration und

Felix Jaitner: so ein Entwicklungsmodell, wie du es beschreibst, für China und Vietnam ja auch erst ermöglicht hat.

Felix Jaitner: Wo die Frage wäre, ob angesichts von neuen geoökonomischen und politischen Konkurrenzen

Felix Jaitner: so ein Entwicklungsmodell überhaupt noch mal möglich wäre für Kuba.

Felix Jaitner: Das wäre jetzt vielleicht auch noch mal wirklich ein Punkt, wo ich sagen würde,

Felix Jaitner: da bin ich sehr skeptisch, ob das klappt.

Raul Zelik: Es gäbe schon Bereiche, wo Kuba nicht nur funktionieren könnte, sondern funktioniert.

Raul Zelik: Du hast ganz richtig darauf hingewiesen, also die biomedizinische Entwicklung

Raul Zelik: oder die medizinische Entwicklung,

Raul Zelik: Die ist wirklich bemerkenswert. Also das ist auch eines dieser Wunder,

Raul Zelik: für das es keine rechte Erklärung gibt.

Raul Zelik: Also ich war auf Kuba während der Corona, am Ende der Corona-Pandemie,

Raul Zelik: als sie gerade ausklang, gerade eine Woche, nachdem die kubanischen Flughäfen

Raul Zelik: wieder geöffnet worden sind, und habe mir das auch ein bisschen angeguckt und

Raul Zelik: das war wirklich unglaublich beeindruckend.

Raul Zelik: Also die hatten Probleme, Reagenzgläser einzukaufen.

Raul Zelik: Das muss man sich vorstellen. Also die einfachsten medizinischen Fachgeräte

Raul Zelik: fehlten, geschweige denn Vorprodukte, während der Corona-Pandemie.

Raul Zelik: Und trotzdem ist es Kuba gelungen, vier oder fünf eigene Corona-Impfstoffe zu

Raul Zelik: entwickeln, die vergleichbar gute Ergebnisse hatten, wie die US-amerikanischen

Raul Zelik: und deutschen Entwicklungen.

Raul Zelik: Und sie haben auch die ganze Bevölkerung erfolgreich durchgeimpft.

Raul Zelik: Da sieht man, dass das wirtschaftlich durchaus auch funktionieren kann.

Raul Zelik: Es gibt Bereiche, die absolut weltmarktkonkurrenzfähig sind.

Raul Zelik: Also insofern gäbe es schon Dinge, mit denen Kuba sich international behaupten

Raul Zelik: könnte und eben auch tatsächlich über die Jahrzehnte wahnsinniges Know-how entwickelt hat.

Felix Jaitner: Wahrscheinlich ja auch gezwungen durch das Embargo. Das ist sozusagen eine Form

Felix Jaitner: der Importsubstitution, die erzwungen wurde, aber eben dann auch in einem Zukunfts-

Felix Jaitner: und Hightech-Bereich wie Medizin einfach sehr wichtig und erfolgreich.

Felix Jaitner: Zum Schluss unserer Diskussion würde ich mit ihr noch mal gerne über Internationalismus

Felix Jaitner: sprechen, denn ich finde, das Wort hat in der linken Praxis ja eine große Bedeutung,

Felix Jaitner: aber ich finde, es gibt gerade heutzutage ja wirklich wenig gelebte internationale Solidarität.

Felix Jaitner: Ich würde auch sagen, dass viele Leute, gerade auch viele linke oder linksdenkende

Felix Jaitner: Menschen, wenig konkrete Vorstellungen

Felix Jaitner: darüber haben, wie internationale Solidarität aussehen könnte.

Felix Jaitner: Und am Beispiel Kubas zeigt sich das meines Erachtens denn sehr deutlich.

Felix Jaitner: Denn einerseits würde ich sagen, ist man sozusagen grundsätzlich solidarisch

Felix Jaitner: mit der kubanischen Revolution oder auch dem Kampf gegen den US-Imperialismus.

Felix Jaitner: Andererseits gibt es eben immer wieder den Verweis auf Kuba als autoritäre,

Felix Jaitner: eine Parteiendiktatur.

Felix Jaitner: Und ich würde sagen, dahinter verbirgt sich schon auch ein Problem,

Felix Jaitner: nämlich dass die gesellschaftliche Linke ihre eigene autoritäre Vergangenheit,

Felix Jaitner: den Stalinismus bis heute nicht richtig aufgearbeitet hat.

Felix Jaitner: Und ich spreche jetzt auch über die deutsche Linke in diesem Zusammenhang.

Felix Jaitner: Wie beeinflusst das denn unsere

Felix Jaitner: Auseinandersetzung als Linke mit Kuba hierzulande oder auch in Europa?

Raul Zelik: Also ich komme aus keiner sozialistischen Tradition, die den Stalinismus nicht

Raul Zelik: aufgearbeitet hätte oder sich mit dem Stalinismus nicht auseinandergesetzt hätte.

Raul Zelik: Ich war immer Teil der antiautoritären Linken und ich muss sagen,

Raul Zelik: ich finde das fremdlich, wenn du zu Kuba Einparteiendiktatur sagst,

Raul Zelik: weil ich habe im deutschen Diskurs eigentlich so gut wie noch nie gehört,

Raul Zelik: dass jemand darauf hinweist, dass wir in der Kapitaldiktatur leben.

Raul Zelik: Obwohl es mindestens so gute Gründe gäbe, darauf hinzuweisen,

Raul Zelik: dass wir in einer Kapitaldiktatur leben, in der alle Sphären unseres Lebens

Raul Zelik: davon durchdrungen sind, dass sich Kapital vermehren will.

Raul Zelik: Und dass es sogar so weit geht, dass

Raul Zelik: dafür auch die Zerstörung aller Lebensgrundlagen in Kauf genommen wird.

Raul Zelik: Oder auch jetzt die Aufrüstung und der Krieg. Also wenn es um Diktatur und Demokratie

Raul Zelik: geht, dann finde ich, die Leute, die jetzt wie eine Stalinismus-Debatte einfordern,

Raul Zelik: könnten erstmal anfangen,

Raul Zelik: die autoritären Verhältnisse, in denen wir im Augenblick leben, klar zu benennen.

Raul Zelik: Denn das passiert ja eigentlich so gut wie gar nicht.

Raul Zelik: Und ich würde auch sagen, dass auch einige Entscheidungen auf Kuba da auch richtig

Raul Zelik: getroffen worden sind, zum Beispiel die Priorisierung des Gesundheits- und Bildungswesens,

Raul Zelik: den Aufbau von bestimmten Infrastrukturen, das sind alles Dinge,

Raul Zelik: die auch richtig gemacht worden sind.

Raul Zelik: Aber was eben im Hätte im Zentrum stehen müssen oder auch für uns als sozialistische

Raul Zelik: Linke im Zentrum stehen muss, Es ist immer Vergesellschaftung als demokratischer Prozess von unten.

Raul Zelik: Selbstverwaltung und auch Eigenverantwortlichkeit, auch eben eine Kultur der

Raul Zelik: kritischen Theorie und der kritischen kollektiven Reflexion.

Raul Zelik: Also insofern, glaube ich, sehr deutlich, was die antistalinistischen oder die

Raul Zelik: antiautoritären Inhalte sein müssen, um zeitgemäß zu diskutieren.

Raul Zelik: Aber wie gesagt, ich würde behaupten, dass auf Kuba da in diesen Bereichen ja

Raul Zelik: durchaus auch Dinge stattgefunden haben.

Raul Zelik: Und dass das auch nicht mehr so ist wie der DDR-Sozialismus der 80er Jahre,

Raul Zelik: den ich auch noch ein bisschen erlebt habe, zumindest bei einigen Besuchen.

Raul Zelik: Zu der Frage des Internationalismus, naja, ich empfinde das schon auch als einen

Raul Zelik: Ausdruck des Scheiterns, auch der deutschen Linken gerade wieder,

Raul Zelik: dass da so wenig passiert.

Raul Zelik: Ihr kennt ja wahrscheinlich die Flotillas, die nach Gaza gefahren sind oder

Raul Zelik: versucht haben, nach Gaza zu gelangen

Raul Zelik: und dann von der israelischen Marine gewaltsam gekabert worden sind.

Raul Zelik: So eine Flotille gab es vor wenigen Wochen, auch Richtung Kuba,

Raul Zelik: die von Mexiko aufgebrochen ist. Es sind also einige kleine Schiffe gewesen,

Raul Zelik: die symbolisch diese Blockade der USA durchbrochen haben.

Raul Zelik: Man kann die Bilder auch als hilflos interpretieren, weil eben kleine Schiffe

Raul Zelik: angekommen sind, aber vielleicht eben auch als ein Zeichen.

Raul Zelik: Uns ist nicht egal, was mit euch passiert, wir stehen an eurer Seite.

Raul Zelik: Und solche Initiativen gibt es natürlich organisiert in Teilen der Deutschen

Raul Zelik: Linken schon lange und das muss man auch hervorheben.

Raul Zelik: Huber Sie macht eine Arbeitsgemeinschaft in der Linken, macht seit Jahrzehnten

Raul Zelik: gute Projekte, zum Beispiel zum Aufbau einer Milchwirtschaft,

Raul Zelik: vor allem im landwirtschaftlichen Bereich.

Raul Zelik: Oder jetzt Carrea heißt, glaube ich, die Gruppe, die also Solaranlagen nach

Raul Zelik: Kuba bringen, also mit gespendetem Geld da Solaranlagen aufbauen.

Raul Zelik: Aber ich meine, man könnte sich ja auch die Frage stellen, ob es nicht jetzt

Raul Zelik: wichtig wäre, dass viele Leute nach Kuba gehen, um einfach auf der Insel zu

Raul Zelik: sein, wenn die US-Invasion kommt, um sich der zu widersetzen.

Raul Zelik: Also ich meine, so abwägig ist das nicht.

Raul Zelik: Die Arbeiter wegen der 30er Jahre, die Leute sind nach Spanien gegangen,

Raul Zelik: weil sie gesagt haben, wir überlassen Spanien nicht dem Faschismus.

Raul Zelik: Ja, in Rojava gab es sowas auch, dass deutlich kleinerer Zahl,

Raul Zelik: dass Leute da hingegangen sind. Wir überlassen die kurdischen Selbstverwaltungsgebiete

Raul Zelik: nicht dem islamischen Fundamentalismus.

Raul Zelik: Und ich denke, so ähnlich müsste man jetzt vielleicht auch über Kuba nachdenken,

Raul Zelik: dass man eben hingeht und dort mit dem eigenen Körper dafür sorgt,

Raul Zelik: dass so eine Militärintervention scheitert oder dass man eben auch den Leuten,

Raul Zelik: die da sind, noch in Kuba geblieben sind, das Gefühl vermittelt,

Raul Zelik: man baut da was auf, man bringt was mit, weil ich denke,

Raul Zelik: es liegt auf der Hand.

Raul Zelik: Und ich glaube, man muss nicht den Weg darüber gehen, dass man dann sagt,

Raul Zelik: Man unterstützt hier den Staatsapparat.

Raul Zelik: Man kann auch einfach in Dörfern solche Projekte aufbauen und sagen,

Raul Zelik: man macht das für die Menschen und für die Demokratie und die Selbstverwaltung von Menschen auf Kuba.

Raul Zelik: Also ich wäre sehr dafür, dass man so einen Internationalismus hat,

Raul Zelik: der sich auch von der Vorstellung löst, dass man solidarisch wäre mit einem Nationalstaat.

Raul Zelik: Ich glaube, wir brauchen eine Solidarität zwischen Unterdrückten,

Raul Zelik: zwischen Leuten, die den Kapitalismus überwinden wollen, zwischen Leuten,

Raul Zelik: die Gemeinwohlstrukturen aufbauen wollen,

Raul Zelik: die Almende-Systeme verteidigen und aufbauen wollen, also ein Begriff der kommunistischen

Raul Zelik: oder der Commons-Ökonomie von unten.

Raul Zelik: Da gäbe es viele Möglichkeiten, was man machen kann. Ich bin mir sicher,

Raul Zelik: dass das auch auf Kuba möglich wäre, solche Projekte anzuschieben und aufzubauen.

Raul Zelik: Das ist, glaube ich, die internationalistische Aufgabe. Und natürlich auch hier

Raul Zelik: in Europa wäre die Aufgabe, die USA als die größte Gefahr für den Weltfrieden zu benennen.

Raul Zelik: Also auch da, man kann sagen, Russland ist autoritärer geführt gewesen als die USA lange Jahre.

Raul Zelik: Inzwischen vielleicht ist es fraglich, aber man kann sicherlich über Putins

Raul Zelik: Russland viele Sachen sagen. Es ist sicherlich ein Angriffskrieg auf die Ukraine

Raul Zelik: gewesen, es ist völkerrechtswidrig und, und, und.

Raul Zelik: Aber man muss sagen, die größere Gefahr für den Weltfrieden geht heute ganz

Raul Zelik: eindeutig von den USA aus.

Raul Zelik: Und das ist nicht nur ein Ausdruck von Trump, sondern es ist auch ein Ausdruck

Raul Zelik: dieser ökonomischen und politischen Struktur, die dahinter steht und die auch

Raul Zelik: von demokratischen Präsidenten mit aufgebaut worden ist.

Raul Zelik: Also man muss wirklich sagen, die USA haben zwar vielleicht noch etwas mehr

Raul Zelik: funktionierende Demokratie als die Volksrepublik China, aber die größere Gefahr

Raul Zelik: für den Weltfrieden und für uns alle sind heute eindeutig die USA und eben nicht China.

Raul Zelik: Und das müsste man in der politischen Debatte wieder etablieren.

Raul Zelik: Das würde auch dazu führen, dass wir uns ganz anders verhalten über die Pläne

Raul Zelik: der Aufrüstung in Deutschland selber.

Raul Zelik: Also diese Vorstellung, wir würden hier mit der Verteidigung des Westens,

Raul Zelik: würde irgendwas Progressives einhergehen.

Raul Zelik: Das sind ja Ideen, die auch von den Grünen mitgetragen werden,

Raul Zelik: von der Wählerschaft, auch von Teilen der Linken.

Raul Zelik: Dem müsste man sich viel schärfer entgegensetzen und viel deutlicher machen,

Raul Zelik: was eigentlich die große Gewaltstruktur der Weltgesellschaft im Augenblick ist.

Raul Zelik: Und das ist eben nach wie vor der Westen mit seinem historischen,

Raul Zelik: kolonialen und dann später imperialistischen Projekt und eben.

Raul Zelik: Seine eigene Krise. Also gerade diese Abstiegstendenzen des Westens sind das,

Raul Zelik: was heute die Kriegsdynamik global so stark antreibt.

Raul Zelik: Und es ist wirklich höchste Zeit, wenn wir Internationalisten sein wollen,

Raul Zelik: dass wir uns mit diesem faschistoiden Kern der bürgerlichen Gesellschaft beschäftigen.

Raul Zelik: Das ist nicht nur ein Ergebnis davon, dass Rechte gewählt werden,

Raul Zelik: sondern das hat was mit dem politisch-ökonomischen System zu tun,

Raul Zelik: in dem wir leben und als Internationalisten müssen wir das adressieren.

Felix Jaitner: Raoul, ich finde das nochmal einen wichtigen Zusammenhang am Schluss,

Felix Jaitner: dass du die sich verschärfende Militarisierung hierzulande auch im Kontext des

Felix Jaitner: Abstiegs des Westens benennst und eben auch da nochmal die Bedeutung des Internationalismus

Felix Jaitner: als demokratisches Projekt von unten,

Felix Jaitner: dem das gegenüber setzt. Das finde ich ist ein schönes Schlusswort.

Felix Jaitner: Ich danke dir ganz herzlich für dieses spannende Interview, für deine Überlegungen

Felix Jaitner: zu Kuba und wünsche dir alles Gute.

Raul Zelik: Ja, ich danke euch.

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