Wer profitiert vom Iran-Krieg, Diba Mirzaei?
Shownotes
Im Februar starteten die USA und Israel einen Angriff auf den Iran, der von vielen als Verstoß gegen das Völkerrecht gewertet wird. Zwar gilt mittlerweile eine Art Waffenstillstand und die USA und der Iran verhandeln in Pakistan. Gleichzeitig bleibt aktuell die Straße von Hormus weiterhin blockiert, das Mullah-Regime wirkt zumindest nach außen hin gestärkt – und Israel setzt seine Invasion im Libanon ungehindert fort.
In dieser Folge spricht Pauline Jäckels mit der Politikwissenschaftlerin und Iran-Expertin Diba Mirzaei. Sie diskutieren, warum Donald Trump einen Krieg begonnen hat, aus dem er sich nun nur schwer wieder befreien kann, welche Rolle und Interessen die Golfstaaten in diesem Konflikt verfolgen und was der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC für die Region bedeutet. Und wie steht es heute um das iranische Regime: Wo hat der Krieg es gestärkt – und wo tatsächlich geschwächt? Mirzaei glaubt nicht daran, dass das Regime kurzfristig zu Fall gebracht werden kann. Unter bestimmten Umständen aber, so ihre Einschätzung, könnte es von innen heraus gelingen.
Diba Mirzaei ist eine iranisch-deutsche Politikwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten iranische Außenpolitik und die Beziehungen zwischen dem Iran und den Golfstaaten. Sie forscht am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg. Erst seit Kurzem ist sie mit ihren Analysen öffentlich präsent – und bringt neue, kritische Perspektiven in den deutschen Diskurs über den Iran.
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Shownotes:
Iran-Forscherin Mirzaei: Das Regime ist massiv geschwächt, NDR, Januar 2026
Was hält das Mullah-Regime an der Macht, Tareq Sydiq?
Hamid Mohseni, Krieg gegen den Iran, Die Eskalation eines lange vorbereiteten Konflikts, Rosa Luxemburg-Stiftung, März 2026
Transkript anzeigen
Pauline Jäckels: Der Internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Diba Mirzaei: Vor zwei Monaten haben die USA und Israel ihren völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran begonnen.
Diba Mirzaei: Mittlerweile herrscht zwar seit ein paar Wochen Waffenstillstand,
Diba Mirzaei: aber eine langfristige Einigung zwischen der iranischen Regierung und den USA
Diba Mirzaei: ist noch nicht so richtig in Sicht.
Diba Mirzaei: Die Straße von Hormuz ist immer noch blockiert. Das Mullah-Regime wirkt zumindest
Diba Mirzaei: auf den ersten Blick mehr gestärkt als geschwächt und Israel setzt seine Invasion
Diba Mirzaei: des Libanons ungehindert fort, was ja auch mit den Verhandlungen zu tun hat.
Diba Mirzaei: Mein Name ist Pauline Jekylls, ich bin freie Journalistin und Redakteurin der Taz.
Diba Mirzaei: Für diese Folge habe ich mit der Politikwissenschaftlerin und Iran-Expertin
Diba Mirzaei: Dibamilzai gesprochen.
Diba Mirzaei: Darüber, warum Donald Trump eigentlich einen Krieg begonnen hat,
Diba Mirzaei: aus dem er jetzt ja zu seinem Nachteil nur noch sehr schwer rauskommt.
Diba Mirzaei: Über die Rolle und die Interessen der Golfstaaten im Krieg und darüber,
Diba Mirzaei: was der Ausstieg der Vereinigten Arabischen Emirate aus OPEC jetzt für die Region bedeutet.
Diba Mirzaei: Und natürlich haben wir auch ganz ausführlich darüber gesprochen,
Diba Mirzaei: wie es heute um das iranische Regime steht, an welchen Stellen das Regime durch
Diba Mirzaei: den Krieg gestärkt wurde und an welchen Stellen es tatsächlich geschwächt ist.
Diba Mirzaei: Dass das Regime schnell zum Fall gebracht werden kann, daran glaubt Diba nicht,
Diba Mirzaei: aber daran, dass es unter bestimmten Umständen von innen heraus gelingen kann.
Diba Mirzaei: Diba Mirzai ist eine iranisch-deutsche Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt
Diba Mirzaei: auf iranische Außenpolitik und den Beziehungen zwischen dem Iran und den Golfstaaten.
Diba Mirzaei: Sie forscht am German Institute for Global and Area Studies in Hamburg und in
Diba Mirzaei: ihrer Dissertation hat sich Diba mit den Beziehungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien
Diba Mirzaei: vor der iranischen Revolution befasst.
Diba Mirzaei: Dibar ist erst seit relativ kurzer Zeit mit ihren Analysen zum Iran in der Öffentlichkeit
Diba Mirzaei: präsent und bringt damit, wie ich finde, sehr interessante, neue und immer kritische
Diba Mirzaei: Perspektiven in den deutschen Diskurs.
Diba Mirzaei: Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei dem Gespräch. Wenn ihr Feedback und Fragen
Diba Mirzaei: habt, findet ihr den Kontakt der Redaktion in den Shownotes,
Diba Mirzaei: wo ihr uns erreichen könnt.
Diba Mirzaei: Und wenn ihr diesen Podcast gut findet, dann folgt uns sehr gerne,
Diba Mirzaei: gebt uns eine gute Bewertung und teilt die Folge mit anderen Leuten.
Diba Mirzaei: Hallo Diba, schön, dass du da bist.
Pauline Jäckels: Danke, dass ich da sein darf.
Diba Mirzaei: Die USA und Israel haben vor zwei Monaten, vor etwa zwei Monaten,
Diba Mirzaei: ihren völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran begonnen.
Diba Mirzaei: Warum hat sich Trump darauf eingelassen, in diesen Krieg einzusteigen,
Diba Mirzaei: aus dem er jetzt offenbar nicht mehr so einfach rauskommt? Was denkst du,
Diba Mirzaei: hat er sich davon erhofft und was ist das Ergebnis, was wir jetzt sehen?
Pauline Jäckels: Zuerst einmal finde ich das wirklich gut, dass du in dieser Frage auch direkt
Pauline Jäckels: sagst, dass es ein völkerrechtswidriger Angriff ist.
Pauline Jäckels: Das trauen sich viele Journalistinnen und Journalisten nicht und das finde ich
Pauline Jäckels: gut, dass du das machst, weil es ein völkerrechtswidriger Angriff ist.
Pauline Jäckels: Um jetzt auf deine Frage zurückzukommen, warum hat er sich darauf eingelassen?
Pauline Jäckels: Also relativ am Anfang haben ja bereits viele Expertinnen und Experten gesagt,
Pauline Jäckels: das ist Israelskrieg und nicht der Krieg der USA.
Pauline Jäckels: Und dass Donald Trump sich da eigentlich hat verleiten lassen dazu,
Pauline Jäckels: diesen Krieg auch mitzugeben bei diesem Krieg, vor allem durch Netanyahu.
Pauline Jäckels: Und es gibt ja eine ganz gute oder zwei mittlerweile ganz gute Investigativrecherchen
Pauline Jäckels: der New York Times, die eben rekonstruiert haben, bis zu dieser Entscheidung kam.
Pauline Jäckels: Und es scheint durchaus so zu sein, dass Donald Trump geglaubt hat,
Pauline Jäckels: durch eben die Dinge, die Netanyahu gesagt hat, dass es ein sehr schneller Krieg wird.
Pauline Jäckels: Also dass es wirklich ein paar Tage Heavy Bombardments sind.
Pauline Jäckels: Und dann kommt die Menschen im Iran, die ja durchaus wirklich dieses Regime
Pauline Jäckels: eben nicht wollen, dann kommen die auf die Straße und erledigen den Rest.
Pauline Jäckels: Das war die Idee und wenn man dann so vielleicht ein paar sichtbare Führungspersonen
Pauline Jäckels: tötet, dass man dann eben eigentlich schon genug getan hat, dann kommen die
Pauline Jäckels: Menschen raus und dann ist das Ganze geklärt und dieses Regime ist dann weg.
Pauline Jäckels: Und es scheint durchaus zu sein, als hätte Donald Trump geglaubt,
Pauline Jäckels: dass das so einfach wäre und er hatte ja auch gewisse schnelle Erfolge gehabt
Pauline Jäckels: Anfang des Jahres zum Beispiel in Venezuela,
Pauline Jäckels: wo ja auch in der von wenigen Tagen dann Maduro losgeworden ist und da jetzt
Pauline Jäckels: eben eine Regierung hat, die bereit ist, mit den USA zusammenzuarbeiten.
Pauline Jäckels: Zu denen gab es wahrscheinlich auch davor bereits gewisse Beziehungen im Hintergrund.
Pauline Jäckels: Und das hat eben zur Annahme geführt, dass es im Iran auch so sein könnte.
Diba Mirzaei: Was ist denn das israelische Interesse daran gewesen, gegenüber den USA zu suggerieren,
Diba Mirzaei: man kann hier jetzt schnell einen Regime-Change voranbringen?
Diba Mirzaei: Hat Israel selbst daran geglaubt oder war es eben einfach aus einem anderen
Diba Mirzaei: Interesse heraus daran interessiert, jetzt die USA in diesen Krieg zu verwickeln?
Pauline Jäckels: Also es ist ja recht gut belegt, dass Israel, vor allem auch unter Netanyahu,
Pauline Jäckels: jetzt schon seit Jahren, Jahrzehnten versucht, die USA zu überzeugen von einem Krieg gegen Iran.
Pauline Jäckels: Und jeder Präsident hat bisher eben abgelehnt, im Wissen, dass es eben nicht
Pauline Jäckels: so einfach ist, gegen den Iran Krieg zu führen. Und in Donald Trump hat die
Pauline Jäckels: israelische Regierung endlich einen US-Präsidenten gefunden,
Pauline Jäckels: der gewillt war, diesen Krieg zu führen.
Pauline Jäckels: Das ist so das eine. Das andere ist, und Israel sagt ja viel,
Pauline Jäckels: es gibt nur das iranische Atomprogramm, man muss verhindern,
Pauline Jäckels: dass der Iran eine Atomwaffe hat, aber das ist natürlich Hanebüchen.
Diba Mirzaei: Warum ist das Hanebüchen?
Pauline Jäckels: Das ist Hanebüchen, weil der letzte Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde
Pauline Jäckels: vom, ich meine, Mai 2025 ja recht gut belegt hat, der Iran verfügt nicht über
Pauline Jäckels: ein strukturiertes Waffenprogramm.
Pauline Jäckels: Hat der Iran sehr hoch angereichertes Uran?
Pauline Jäckels: Ja, hat es auf jeden Fall. Das brauchen wir nicht leugnen, aber es hat kein
Pauline Jäckels: strukturiertes Waffenprogramm.
Pauline Jäckels: Und Netanjahu hat ja schon seit Jahrzehnten, sagt er eigentlich,
Pauline Jäckels: Innerhalb wenigster Zeit, innerhalb von ein paar Tagen, ein paar Wochen,
Pauline Jäckels: ein paar Monaten hat der Iran bereits eine Bombe.
Pauline Jäckels: Und das haben ja wirklich Expertinnen und Experten eher sehr kritisch gesehen,
Pauline Jäckels: dass das überhaupt der Fall ist.
Pauline Jäckels: Und auch die US-Geheimnisberichte haben sehr klar gesagt, auch noch im vergangenen
Pauline Jäckels: Jahr, diese Entscheidung überhaupt, diesen Gang zur Atomwaffe zu gehen,
Pauline Jäckels: wurde im Iran noch gar nicht getroffen.
Pauline Jäckels: Also deswegen, der Iran stand nicht kurz davor, eine Atomwaffe zu haben.
Diba Mirzaei: Das ist also ein Propagandanarrativ, das Netanyahu ja seit Jahrzehnten wirklich
Diba Mirzaei: quasi verwendet, um Angriffe auf den Iran zu rechtfertigen.
Pauline Jäckels: Das würde ich so sagen und das macht er schon seit den 90ern.
Pauline Jäckels: Also wie glaubwürdig ist das? Er hat das schon in den 90ern gesagt,
Pauline Jäckels: dann alle Jahre wieder, zuletzt dann eben immer, immer wieder.
Pauline Jäckels: Und mit Donald Trump hat er eben einen gehabt, der das auch geglaubt hat,
Pauline Jäckels: selbst obwohl US-Geheimdienste eben nicht das bestätigt haben,
Pauline Jäckels: was Netanyahu gesagt hat. Das andere ist, und das halte ich für sehr wichtig,
Pauline Jäckels: wir sehen vor allem zu dem 7.
Pauline Jäckels: Oktober 2023, dass wir durchaus Hegemonialbestrebungen Israels sehen im Nahen
Pauline Jäckels: Osten. Und es haben viele Expertinnen und Experten gesagt, dass Israel vor allem
Pauline Jäckels: ein Interesse an so einem Failed-State-Szenario im Iran hat.
Pauline Jäckels: Also quasi, dass dieses Regime vielleicht fällt, dass sie wirklich bürgerkriegsähnliche
Pauline Jäckels: Szenarien im Iran sehen, bewaffneten Widerstand im Iran.
Pauline Jäckels: Also dass dieses Land auf Jahre, Jahrzehnte eigentlich mit sich selbst beschäftigt
Pauline Jäckels: sein wird und durch diese inneren Unruhen,
Pauline Jäckels: dass es dann zu einer großen Fluchtbewegung in dieser Region kommt,
Pauline Jäckels: vielleicht auch zu Protestbewegungen in anderen Staaten in der Umgebung,
Pauline Jäckels: sodass kein Staat mehr wirklich eine Gefahr für Israel sein kann und kein Staat
Pauline Jäckels: oder alle Staaten so sehr mit sich
Pauline Jäckels: selbst beschäftigt sind, dass Israel da eigentlich frei regieren kann.
Pauline Jäckels: Und unter der aktuellen US-Regierung ist das ja auch durchaus so,
Pauline Jäckels: dass Israel tun und lassen kann, was es möchte. Wir sind das ja im Gaza.
Diba Mirzaei: Warum steht denn die USA jetzt so unter Druck, den Krieg zu beenden,
Diba Mirzaei: obwohl ihr wichtigster Partner in der Region Israel eben den Krieg nicht beenden will?
Pauline Jäckels: Ich glaube, da gibt es einige Gründe. Das eine ist, dass die Kriegsziele,
Pauline Jäckels: die man sich ja gesetzt haben, und es scheint ja wirklich, dass Regime-Change
Pauline Jäckels: zumindest am Anfang so ein Kriegsziel war, das hat dann alles nicht erreicht.
Pauline Jäckels: Also auch, dass zum Beispiel man das komplette Lager an Drohnen und Raketen
Pauline Jäckels: des Iran zunächst zerstört. Sieht man ja, es hat nicht geklappt.
Pauline Jäckels: Man hat ja eigentlich dann gemerkt, dass Iran über deutlich mehr Drohnen und
Pauline Jäckels: Raketen verfügt, als man eben sogar dachte.
Pauline Jäckels: All das, diese Krise, die man hatte, hat man nicht erreicht und vor allem hat
Pauline Jäckels: man sie auch nicht schnell erreicht.
Pauline Jäckels: Und dann, und das ist ein großer, großer Faktor in diesem gesamten Krieg gewesen,
Pauline Jäckels: war ja auch die Straße, die Blockade der Straße von Hohenbuss von iranischer Seite.
Pauline Jäckels: Es ist eben ein großes Druckmittel, was der Iran hat, was für die USA natürlich
Pauline Jäckels: auch langfristig große wirtschaftliche Probleme mit sich zieht.
Pauline Jäckels: Die USA hat ein paar Monate die Mittürmwahlen, also im Herbst.
Pauline Jäckels: Das Letzte, was sie jetzt brauchen, ist eine Wirtschaftskrise im Land,
Pauline Jäckels: die eben dazu führt, dass die Republikaner wahrscheinlich die Mehrheit verlieren
Pauline Jäckels: werden bei diesen Wahlen.
Pauline Jäckels: Und das andere, und ich weiß nicht so wirklich, ob das etwas ist,
Pauline Jäckels: was in Donald Trumps Kosmos so wichtig ist, aber es ist natürlich für die USA
Pauline Jäckels: wichtig grundsätzlich. Und es ist dieses Ansehensverlust, was die USA jetzt eben erlitten haben.
Pauline Jäckels: Also grundsätzlich würde ich sagen, seitdem Donald Trump wieder Präsident ist,
Pauline Jäckels: sieht man eh einen gewissen Ansehensverlust auf der Welt und auch einen Machtverlust der USA.
Pauline Jäckels: Aber wir haben in diesem Krieg eben gesehen, dass die USA, also diese überlegene
Pauline Jäckels: Streitmacht, die Streitmacht der Welt es nicht geschafft hat gegen den Iran,
Pauline Jäckels: der wirklich gar nicht die Kapazitäten, also auf konventionellem Wege zum Beispiel,
Pauline Jäckels: gar nicht die Kapazitäten hätte,
Pauline Jäckels: gegen so eine Streitmacht standzuhalten, dass die es geschafft haben durchzuhalten,
Pauline Jäckels: es geschafft haben, die gesamte Sicherheitsarchitektur, die die USA eben seit
Pauline Jäckels: Jahrzehnten aufgebaut hat, die massiv zu beschädigen, Teile zu zerstören.
Pauline Jäckels: Das macht was, auch mit Staaten in dieser Region, die ja sich in dieser US-amerikanischen
Pauline Jäckels: Sicherheitsachse verortet haben.
Diba Mirzaei: Selbst Friedrich Merz hat ja inzwischen gesagt, die USA wurden,
Diba Mirzaei: ein ganzes Land wurde gedemütigt durch das Verhandlungsgeschick des Irans.
Diba Mirzaei: Ganz interessant, dass er das jetzt sagt, obwohl er vor ein paar Wochen noch
Diba Mirzaei: im Prinzip diesen Krieg bejubelt hat.
Diba Mirzaei: Vor ein paar Monaten gesagt hat, Israel betreibe dort, erledige dort unsere Drecksarbeit quasi.
Diba Mirzaei: Hier finde ich auch interessant, oder hier wird klar, dass offenbar selbst Friedrich
Diba Mirzaei: Merz geglaubt hat, am Anfang man könnte den Iran so schnell destabilisieren, dass das Regime fällt.
Diba Mirzaei: Warum ist das nicht so?
Diba Mirzaei: Warum hat man es nicht geschafft, wie zum Beispiel in Venezuela im Iran,
Diba Mirzaei: so ein Regime-Change hinzubekommen?
Pauline Jäckels: Wenn man sich jetzt nur mal die so Verteidigungsstrategien anschaut Irans,
Pauline Jäckels: da sieht man vor allem seit der US-Invasion im Irak, seit 2003.
Pauline Jäckels: Dass da so eine Dezentralisierung stattgefunden hat.
Pauline Jäckels: Also wenn man bei Saddam Hussein zum Beispiel gemerkt hat im Irak,
Pauline Jäckels: das gesamte System Saddam ist ja gestanden und ist dann auch gefallen mit Saddam.
Pauline Jäckels: Und das wollte man eben im Iran verhindern, also dass diese Islamische Republik
Pauline Jäckels: auch bestehen bleiben kann, selbst wenn da wichtige Führungspersonen und selbst
Pauline Jäckels: wenn das eben der Revolutionsführer ist, selbst wenn die weg sind,
Pauline Jäckels: dass dieses System bestehen bleiben kann. Und darauf hat man sich eben vorbereitet.
Pauline Jäckels: Und ein Unterschied jetzt auch zum Krieg im Juni, diese Anschläge im Juni haben
Pauline Jäckels: den Iran wirklich kalt erwischt.
Pauline Jäckels: Die sind nicht davon ausgegangen, dass es die Angriffe geben wird,
Pauline Jäckels: weil es ja auch Verhandlungen gab mit den USA.
Pauline Jäckels: Es schnallt ja die nächste Tatmusswunde mit den USA auch an.
Pauline Jäckels: Und dann gab es eben diese Angriffe von Israel, sodass das einen kalt erwischt
Pauline Jäckels: hat. Und seitdem aber wussten sie, okay, da gibt es eine konkrete Strategie,
Pauline Jäckels: jetzt müssen wir uns darauf vorbereiten.
Pauline Jäckels: Und anscheinend gibt es eben auch die Strategie, den Religionsführer,
Pauline Jäckels: also Khamenei Senior, zu töten und auch auf so ein Szenario müssen wir uns vorbereiten.
Pauline Jäckels: So dass der Iran da recht vorbereitet in so ein Kriegsszenario gegangen ist
Pauline Jäckels: und ja auch die Proteste, die wir im Januar gesehen haben, die dann ja brutal
Pauline Jäckels: niedergeschlagen worden sind, auch als Weiterführung dieses Zwölftagekrieges
Pauline Jäckels: im Juni gesehen hat. Also es hieß dann, das ist der 13.
Pauline Jäckels: Tag, die sind jetzt im 13. Tag des Krieges, sodass man quasi eigentlich in so
Pauline Jäckels: einem Dauerkriegszustand sich befunden hat und eben darauf vorbereitet war,
Pauline Jäckels: dass genau das passiert, was dann am ersten Tag auch passiert ist,
Pauline Jäckels: nämlich die gesamte politische und militärische Führung, unter anderem auch Hormone,
Pauline Jäckels: wurden ja getötet, aber das hat dieses Regime eben nicht zum Wanken gebracht,
Pauline Jäckels: weil sie davon ausgegangen sind, dass genau das passieren wird.
Diba Mirzaei: Eine Sache, die das Regime ja direkt gemacht hat, ich weiß nicht,
Diba Mirzaei: ob Analysten das so erwartet haben oder nicht, aber ich habe zum ersten Mal
Diba Mirzaei: irgendwie das wahrgenommen als so eine Taktik,
Diba Mirzaei: dass die dann direkt angefangen haben, die Golfstaaten anzugreifen.
Diba Mirzaei: Also dass die Ziele in den Golfstaaten, teilweise eben Sicherheitsarchitektur
Diba Mirzaei: durch die USA, aber auch Datenzentren und so weiter angegriffen haben.
Diba Mirzaei: Was steckt da dahinter? Was war das Kalkül?
Pauline Jäckels: Zum einen, rein rhetorisch gesehen, haben die das ja die ganze Zeit gesagt.
Pauline Jäckels: Also seit Januar hieß es, wenn wir nochmal angegriffen werden,
Pauline Jäckels: werden wir uns nicht so mäßigen wie noch im vergangenen Juni,
Pauline Jäckels: sondern diesmal schlagen wir zurück und wir werden alle, alle Verbündeten der
Pauline Jäckels: USA sind für uns dann legitime Ziele, sodass die meisten Analystinnen und Analysten, vor allem die.
Pauline Jäckels: Vor allem jetzt nach Januar, also nach dieser Protestbewegung,
Pauline Jäckels: die ja auch zumindest von Regimelogik von außen organisiert worden waren,
Pauline Jäckels: eben dazu geführt hat, dass die meisten gesagt haben, dieses Regime sieht das
Pauline Jäckels: jetzt als existenziellen Kampf.
Pauline Jäckels: Das ist kein einfach, hier sieht ein paar Schläge und dann werden die deeskalieren,
Pauline Jäckels: sondern die sehen das als existenziellen Kampf und die werden jetzt wirklich alle Mittel nutzen.
Pauline Jäckels: Und da macht es durchaus Sinn zu sagen, dieser Krieg muss ausgeweitet werden.
Pauline Jäckels: Also, dass er eben nicht nur auf iranischem Territorium stattfindet oder auf
Pauline Jäckels: israelischem Territorium, sondern dass man diese gesamte Sicherheitsinfrastruktur der USA angreift.
Pauline Jäckels: Und das bedeutet eben auch, dass man diese Golfstaaten angreift.
Pauline Jäckels: Und dazu muss ich auch sagen, dass die Golfstaaten ja genau vor diesem Szenario gewarnt hatten.
Pauline Jäckels: Also die meisten Golfstaaten, und ich sage die meisten, weil ich mir nicht sicher
Pauline Jäckels: bin, ob alle dazu zählen, aber die meisten Golfstaaten haben ja vor genau diesem
Pauline Jäckels: Krieg gewarnt, weil sie eben gesagt haben, wir sind die Opfer dieses Krieges,
Pauline Jäckels: wir werden jetzt massiv dann bombardiert werden.
Pauline Jäckels: Das haben aber die US-Amerikaner, glaube ich, auch wirklich unterschätzt, dass der Iran das macht.
Pauline Jäckels: Für die meisten, die sich mit diesem Regime beschäftigen, seit Jahren,
Pauline Jäckels: Jahrzehnten, war es klar, das ist diesmal eine ganz andere Dynamik für dieses Regime.
Pauline Jäckels: Das ist wirklich, hier geht es ums Überleben und dann kann man alles machen,
Pauline Jäckels: was man machen muss, um zu überleben.
Diba Mirzaei: Vielleicht kannst du kurz mal so ein bisschen aufdröseln, was machen eigentlich
Diba Mirzaei: US-Basen, was macht US-Sicherheitsinfrastruktur in den Golfstaaten?
Diba Mirzaei: Warum ist es so, dass sie da überhaupt so präsent sind?
Pauline Jäckels: Das ist eine gute Frage, weil es ist gar nicht so, dass es immer so war.
Pauline Jäckels: Tatsächlich ist das eher eine Bewegung, die wir sehen, vor allem seit der Gründung
Pauline Jäckels: der Islamischen Republik,
Pauline Jäckels: weil in den 70ern war die Prämisse der damaligen US-Regierung,
Pauline Jäckels: vor allem unter Nixon, der 69 Präsident wurde,
Pauline Jäckels: dass die USA sich eben nicht mehr militärisch, also keine militärische Präsenz
Pauline Jäckels: mehr in diesen verschiedenen Ländern und Regionen hatten, weil sie eben im Vietnamkrieg
Pauline Jäckels: so viel Verlust erlitten hatten.
Pauline Jäckels: Und auch gar nicht in der Lage mehr waren, so viele Truppen in anderen Orten zu haben.
Pauline Jäckels: Und da war der Gedanke, anstatt, dass die USA, der jetzt wirklich selbst präsent
Pauline Jäckels: ist in diesen Regionen, dass sie eben dann Verbündete haben in diesen Regionen,
Pauline Jäckels: die diese, mehr als würde das jetzt Drecksarbeit nennen,
Pauline Jäckels: aber quasi diese Arbeit für die USA machen oder eben auch die Interessen der
Pauline Jäckels: USA in dieser Region, in diesen verschiedenen Regionen dann durchsetzen.
Pauline Jäckels: Und in der Golfregion zum Beispiel waren das vor allem Iran und Saudi-Arabien.
Pauline Jäckels: Also dass hier die Politik, diese beiden Staaten müssen miteinander zusammenarbeiten, um eben...
Diba Mirzaei: Vor der iranischen Revolution.
Pauline Jäckels: Genau, genau. Also vor 1979, also von dieser Nixon-Doktrin geht auf 1969 zurück
Pauline Jäckels: und hat dann eben bis 1979 auch gehalten.
Pauline Jäckels: Und es hat sich in der Islamischen Republik dann verändert, vor allem durch
Pauline Jäckels: Kata, der dann seine eigene Doktrin hatte, wo es eben hieß, nein,
Pauline Jäckels: nein, wir müssen in dieser Region, müssen wir vertreten sein,
Pauline Jäckels: weil unsere Interessen werden bedroht.
Pauline Jäckels: Und dieser Staat, der davor eigentlich dafür irgendwo auch gesorgt hat,
Pauline Jäckels: dass unsere Interessen gewahrt werden, der ist jetzt weggefallen,
Pauline Jäckels: also müssen wir da selbst vertreten sein.
Pauline Jäckels: Und dann über die Jahre, also über die 80er, dann vor allem auch 90er,
Pauline Jäckels: wurden vor allem US-Basen in dieser Region aufgebaut und dann eben auch so eine
Pauline Jäckels: gesamte Verteidigungsinfrastruktur innerhalb dieser Region.
Pauline Jäckels: Und diese Golfstaaten haben sich jetzt eben jahrzehntelang schon darauf verlassen,
Pauline Jäckels: dass im Notfall sie eben auch diese Verteidigungsarchitektur bauen können und
Pauline Jäckels: sehen ja jetzt eben das nicht so.
Diba Mirzaei: Dass also die USA sie auch schützen würde in einem Angriffsfall.
Diba Mirzaei: Ja. Und genau das nehmen sie jetzt nicht so wahr.
Diba Mirzaei: Es gibt ja unterschiedliche Beziehungen der einzelnen Golfstaaten.
Diba Mirzaei: Die Emirate haben eine andere Beziehung zum Iran als Saudi-Arabien, als Oman, als Katar.
Diba Mirzaei: Aber was bedeutet denn jetzt diese Situation, dass diese Sicherheitsinfrastruktur
Diba Mirzaei: eben infrage gestellt wird? Was bedeutet das innerhalb der Golfstaaten und für
Diba Mirzaei: die Zukunft dieses Verbundes?
Pauline Jäckels: Es ist sehr unterschiedlich. Also ich kann ja sagen, was die iranische Logik war.
Pauline Jäckels: Eben zeigen, wenn ihr euch, dass diese US-Basen eben nicht zur Sicherheit dieser Staaten führt,
Pauline Jäckels: sondern eben zur Unsicherheit dieser Staaten und dass solange sie sich eben
Pauline Jäckels: darauf verlassen, also auf die USA verlassen, auf dieses Sicherheitssystem verlassen,
Pauline Jäckels: dass sie eben nicht sicher sein können.
Pauline Jäckels: Das war das Kalkül des iranischen Regimes, in der Hoffnung eben,
Pauline Jäckels: dass das dazu führt, langfristig, dass es keine US-Präsenz mehr an hessischen Golf gibt.
Pauline Jäckels: So, jetzt müssen wir uns mal die Golfstaaten anschauen, weil da sieht es dann
Pauline Jäckels: durchaus differenzierter aus, würde ich sagen.
Pauline Jäckels: Also was viele gedacht haben, ich habe wirklich am Anfang, ganz am Anfang des
Pauline Jäckels: Krieges so ein paar Analysen gelesen, wo dann eben einige Expertinnen und Experten,
Pauline Jäckels: die zum Golf arbeiten, gesagt haben,
Pauline Jäckels: das ist jetzt der Moment, die Golfstaaten werden endlich ein eigenes Bündnis
Pauline Jäckels: haben oder es wird sie einen.
Pauline Jäckels: Und ich habe das damals schon sehr kritisch gesehen, weil ich mir dachte,
Pauline Jäckels: die haben so viele Differenzen untereinander, so viele unterschiedliche Positionen
Pauline Jäckels: und auch teilweise gewisse Machtkämpfe, also Saudi-Arabien und die Emirate zum
Pauline Jäckels: Beispiel, da sind da ein Beispiel, die haben so krasse Machtkämpfe.
Diba Mirzaei: Auch jeweils um so einen hegemonialen Status innerhalb der Golf-Regionen kämpfen.
Pauline Jäckels: Genau, dass ich dachte, ich glaube nicht, dass es diese Staaten näher bringt,
Pauline Jäckels: weil diese ganzen anderen Konflikte, sie sind noch gar nicht gelöst.
Pauline Jäckels: Und es reicht dann eben auch nicht zu sagen, wir haben jetzt einen gemeinsamen
Pauline Jäckels: Feind und deswegen sind wir Freunde. Das hält vielleicht ein paar Wochen,
Pauline Jäckels: ein paar Monate, aber nicht langfristig.
Diba Mirzaei: Was sind denn die Konflikte untereinander, wenn du da vielleicht noch kurz drauf
Diba Mirzaei: einlegen kannst? Es sind viele, aber vielleicht kannst du auch so ein paar Hauptsachen.
Pauline Jäckels: Ja, ich würde also sagen, so
Pauline Jäckels: ein sehr wichtiger Konflikt ist zwischen den Emiraten und Saudi-Arabien.
Pauline Jäckels: Die haben wirklich ganz andere Positionen, wenn es in Jemen eben geht.
Pauline Jäckels: Da kämpfen sie auch auf unterschiedlichen Seiten, auch wenn wir uns anschauen,
Pauline Jäckels: wie sie sich positionieren im Sudan.
Pauline Jäckels: Die Saudis unterstützen die sudanesische Regierung, die Emirate unterstützen
Pauline Jäckels: die Rebellenmilits, die Rapid Support Forces.
Pauline Jäckels: Also das sind ganz andere Dinge, die die da wollen. Und dann wollen beide eben
Pauline Jäckels: auch die Macht am Persischen Golf sein, also quasi auch die Führungsrolle haben
Pauline Jäckels: innerhalb dieser arabischen Welt.
Pauline Jäckels: Und das geht nicht von heute auf morgen weg. Also da gab es einfach viel zu
Pauline Jäckels: viele Diskrepanz in diesen letzten Jahren, auch wenn sie sich immer als Brüderstaaten sehen.
Pauline Jäckels: Das ist dann eher Rhetorik und im Hintergrund läuft das ganz anders ab.
Pauline Jäckels: Und ich finde, wenn man sich jetzt eben anschaut, wie sich das Ganze gerade
Pauline Jäckels: entwickelt, also wie die Positionen
Pauline Jäckels: sich unterscheiden oder Ansätze auch unterscheiden in diesen Golfstaaten,
Pauline Jäckels: dann denke ich, dass ich mit meiner Annahme recht hatte, dass es eben nicht
Pauline Jäckels: zu einer Einheit kommt, sondern wir eben sehen, da geht mehr auseinander.
Pauline Jäckels: Und vielleicht um da so ein paar Sachen jetzt zu sagen. Also die Emirate wurden
Pauline Jäckels: ja am meisten getroffen vom Iran.
Pauline Jäckels: Es gab ungefähr knapp 3000 Angriffe auf die Emirate.
Pauline Jäckels: Und der Emirate wird eben auch nachgesagt, dass sie selbst in diesem Krieg nicht
Pauline Jäckels: mehr neutral waren, sondern auch ihre Basen zur Verfügung gestellt haben und
Pauline Jäckels: teilweise selbst auch den Iran angegriffen haben.
Pauline Jäckels: Sodass man verstehen kann, warum die Emirate da am meisten angegriffen wurden.
Pauline Jäckels: Und wenn man sich jetzt aber auch noch anschaut, wie Saudi-Arabien aber sich
Pauline Jäckels: verhält zu diesem Krieg, die haben schon von vornherein versucht,
Pauline Jäckels: sich sehr neutral zu halten,
Pauline Jäckels: haben versucht, sich da wirklich rauszuhalten, haben diese Angriffe auf US-Seite ja auch verurteilt.
Pauline Jäckels: Wir sehen Katar, Katar wurde zwar auch angegriffen, also teilweise ja auch dieses
Pauline Jäckels: Gasfeld, was jetzt, so ein Teil davon fällt jetzt auf Jahre zumindest aus.
Pauline Jäckels: Und selbst Katar hat immer noch so eine neutrale Rolle versucht zu vermitteln.
Pauline Jäckels: Und bei den Emiraten zum Beispiel sehen wir jetzt eher genau das Gegenteil.
Pauline Jäckels: Ich habe jetzt letztens noch ein Interview gesehen mit einem wichtigen Berater
Pauline Jäckels: der Herrscherfamilie in den Emiraten, der eben sehr klar gesagt hat,
Pauline Jäckels: wir müssen jetzt sogar noch mehr mit den USA zusammenhalten,
Pauline Jäckels: weil die unsere Sicherheit garantieren können.
Pauline Jäckels: Und wir sehen ja in den anderen Staaten eher, dass sie versuchen,
Pauline Jäckels: dieses Verbündeten-Netzwerk auszuweiten.
Pauline Jäckels: Also Saudi-Arabien hat jetzt seit vergangenen Herbst eine Kooperation,
Pauline Jäckels: ein Verteidigungsbündnis mit Pakistan, die nähern sich der Türkei an,
Pauline Jäckels: wir sehen das aber auch in Katar.
Pauline Jäckels: Sodass da einfach Unterschiede sind und wir eben nicht sehen,
Pauline Jäckels: dass da eine Einheit ist, sondern eher, dass das weiter auseinander geht.
Pauline Jäckels: Und jetzt, die neue Entwicklung ist ja auch, dass die Emirate aus OPEC und OPEC
Pauline Jäckels: Plus ausgestiegen sind, was ja auch ein massives Zeichen ist einfach,
Pauline Jäckels: dass man sich nicht mehr Teil dieser Golfstaaten eigentlich sieht.
Diba Mirzaei: Kannst du diesen Schritt einmal erklären, was ist da passiert?
Diba Mirzaei: Was haben die Emirate dort gemacht und warum?
Pauline Jäckels: Ich muss dazu sagen, für mich war das Kanus überraschend. Ich habe mich aber
Pauline Jäckels: auch jetzt nicht so wirklich mit den Entwicklungen in OPEC in den letzten Jahren
Pauline Jäckels: beschäftigt, um überhaupt in der Lage gewesen zu sein, das so von vornherein vorauszusehen.
Pauline Jäckels: Aber ein Grund tatsächlich ist, dass die Emirate eben sagen,
Pauline Jäckels: sie werden irgendwo ja auch in ihrer Macht gestrottelt in OPEC,
Pauline Jäckels: weil sie mehr produzieren wollen, können sie eben nicht.
Pauline Jäckels: Vor allem auch, weil Saudi-Arabien eine ganz andere Politik hat und eine andere
Pauline Jäckels: Erklärung ist, das haben die dann auch gesagt jetzt bei der Begründung.
Diba Mirzaei: Vielleicht nochmal kurz zur Erklärung. Also OPEC ist ein Verbund an ölproduzierenden
Diba Mirzaei: Staaten, die sich gegenseitig eine bestimmte Menge an wie viel Öl wird gefördert haben.
Diba Mirzaei: Vorschreiben und das dient auch dazu, dass man quasi eine Art Kartellposition dadurch erreicht.
Pauline Jäckels: Genau, also dass man mitentscheidet, wie viel wird produziert und wie teuer wird Öl verkauft.
Pauline Jäckels: Das ist auch etwas, das war eine recht historische Entwicklung,
Pauline Jäckels: weil das eben lange Zeit ja nicht so war, dass diese ölfördernden Länder gar
Pauline Jäckels: keine Macht darüber hatten, wie viel produzieren sie eigentlich und zu welchen
Pauline Jäckels: Preisen wird das Öl verkauft.
Pauline Jäckels: 1960, glaube ich, wurde OPEC gegründet und erst in den 70ern hat OPEC aber so
Pauline Jäckels: eine wirkliche Macht bekommen und hat dieses Jahr eigentlich Konglomerat an
Pauline Jäckels: internationalen Firmen, die davor eben alles entschieden haben, damit abgelöst.
Diba Mirzaei: Man hat also gesagt, wenn wir uns alle hier zusammentun und uns auf Preise und
Diba Mirzaei: quasi die Mengen an Öl, die gefördert werden, einigen, dann haben wir irgendwie
Diba Mirzaei: so eine Vormachtstellung,
Diba Mirzaei: also so eine Macht über die Ölproduktion, den Ölverkauf, von der wir alle profitieren.
Diba Mirzaei: Und jetzt sagen aber die Vereinigten Arabischen Emirate, wir profitieren davon
Diba Mirzaei: nicht mehr genug oder wir könnten uns eigentlich mehr rausholen für uns selbst
Diba Mirzaei: und deshalb gehen wir jetzt aus dieser Vereinbarung raus.
Pauline Jäckels: Genau und das wird, zumindest wenn ich jetzt Berichte sehe,
Pauline Jäckels: wirklich große Auswirkungen haben auf den Ölpreis, auf den Ölmarkt und eben
Pauline Jäckels: auch auf die Rolle von OPEC, weil mit diesem Wegfall von den Emiraten fallen
Pauline Jäckels: glaube ich 10-15% weg. Das ist ziemlich viel.
Pauline Jäckels: Aber eine Begründung, die sie ja eben auch genannt haben, und das ist,
Pauline Jäckels: finde ich, nochmal aus politischer Perspektive sehr interessant, ist ja auch zu sagen,
Pauline Jäckels: als wir so massiv angegriffen wurden während dieses Krieges,
Pauline Jäckels: haben diese Golfstaaten uns eben nicht zur Seite gestanden und haben das eigentlich geduldet.
Pauline Jäckels: Und das will man eben nicht hinnehmen und deswegen gab es dann jetzt eben diesen Schritt.
Pauline Jäckels: Ich würde jetzt nicht sagen, dass das der Hauptgrund war, aber es wurde auf
Pauline Jäckels: jeden Fall rhetorisch zumindest genutzt, was ja eben auch nochmal zeigt,
Pauline Jäckels: wie tief der Graben geworden ist eigentlich zwischen diesen Staaten.
Pauline Jäckels: Und dass es zumindest jetzt aktuell nicht danach aussieht, als würden sie so
Pauline Jäckels: bald wieder zueinander finden.
Diba Mirzaei: Was bedeutet es geopolitisch aus Sicht der USA, aber auch aus Sicht des Irans,
Diba Mirzaei: wenn jetzt quasi die Golfregion sich eher auseinanderbewegt und es da eher so
Diba Mirzaei: eine Zersplitterung gibt?
Pauline Jäckels: Für den Iran dann das gute Nachrichten, weil wenn es da eben kein Bündnis gibt,
Pauline Jäckels: keine Einheit, dann kann man eben auch nicht geschlossen gegen Iran vorgehen.
Pauline Jäckels: Also das sind sehr gute Nachrichten für den Iran.
Pauline Jäckels: Für die wäre es schwierig gewesen, wenn die Golfstaaten sich jetzt zusammen
Pauline Jäckels: gegen den Iran gestellt hätten.
Pauline Jäckels: Und somit geht ja so ein bisschen ein Kalkül der Iraner auf,
Pauline Jäckels: dass sie eben mit diesen Angriffen schon auch das erreicht hatten,
Pauline Jäckels: was sie wollten, nämlich auch ein bisschen Chaos zu stiften.
Pauline Jäckels: Und das haben sie eben jetzt geschafft.
Pauline Jäckels: Von US-amerikanischer Seite würde ich sagen, sind das keine guten Nachrichten,
Pauline Jäckels: weil wenn es da jetzt eben so Unterschiede gibt, also bereits schon die ersten
Pauline Jäckels: Anzeichen bestehen, dass eben einige versuchen, aus diesem Bündnis rauszugehen,
Pauline Jäckels: langfristig zumindest versuchen, da sich neue Bündnisse zu suchen oder andere Verbündete zu finden,
Pauline Jäckels: die eben diese Sicherheit gewähren können.
Pauline Jäckels: Das sind natürlich schlechte Nachrichten für die USA, weil das eben auch bedeuten
Pauline Jäckels: würde, sie hätten weniger Einfluss innerhalb dieser Region.
Pauline Jäckels: Nun muss man aber sagen, dass Bahrain weiterhin sehr stark hinter den USA steht, die Emirate eben auch.
Pauline Jäckels: Also es ist nicht so, dass alle sich diesem Sicherheitsbündnis jetzt entfernt
Pauline Jäckels: haben oder entfernen wollen, aber eigentlich basiert es schon,
Pauline Jäckels: dieses Sicherheitsverständnis jetzt auf Jahrzehnte, dass man all diese Golfstaaten
Pauline Jäckels: quasi hat, auf der eigenen Seite hat und sich davon überzeugen konnte,
Pauline Jäckels: dass im Notfall man sich auf die USA verlassen kann.
Pauline Jäckels: Also dieser Ansehensverlust, den ich am Anfang auch erwähnt habe,
Pauline Jäckels: den sieht man hier eben. Der hat wirklich, das hat groß, ich glaube, langfristig.
Pauline Jäckels: Bringt das sehr, sehr viele große Veränderungen für die USA mit innerhalb dieser Region.
Diba Mirzaei: Wie könnte denn eine andere Sicherheitsarchitektur im Golf nach deiner Vorstellung aussehen?
Diba Mirzaei: Das ist ja eine Frage, mit der du dich beschäftigst, die total wichtig eigentlich ist.
Diba Mirzaei: Und was müsste passieren, damit diese Art von anderer Sicherheitsarchitektur möglich ist?
Pauline Jäckels: Was ich mir wünschen würde, das ist enormativ natürlich, Was ich mir wünschen
Pauline Jäckels: würde, wäre, dass wir eine autonome Sicherheitsarchitektur in dieser Region hätten.
Pauline Jäckels: Und dazu gehört für mich auch, dass es eine Sicherheitsorganisation am Persischen Golf gibt.
Pauline Jäckels: Das ist die einzige Region auf der Welt, die keine Sicherheitsorganisation hat.
Pauline Jäckels: Und da frage ich mich schon, wie kann das sein, in einer Region,
Pauline Jäckels: in der so viele Konflikte sind, so viel Spannung, so viele Kriege,
Pauline Jäckels: wie kann es sein, dass es da keine Sicherheitsorganisation gibt? Und das ist wichtig.
Diba Mirzaei: Also so wie ein Exivalent der NATO zum Beispiel.
Pauline Jäckels: So was, also man muss ja nicht direkt mit der NATO anfangen,
Pauline Jäckels: aber dass es zumindest ein Forum gibt, wo all diese Staaten zusammenkommen können,
Pauline Jäckels: wenn es brenzlig wird, wie jetzt gerade, dass man zusammenkommt und Differenzen ausräumen kann.
Pauline Jäckels: Was wir jetzt ja sehen, sind immer so bilaterale Gespräche.
Pauline Jäckels: Das ist ja auch gut besser als nichts, aber das löst ja dann nichts am Ende.
Pauline Jäckels: Und wenn man sich jetzt mal anschaut, die Geschichte persischen Golf,
Pauline Jäckels: es gibt ja seit Jahrzehnten, also auch schon unter dem Schar,
Pauline Jäckels: Bemühungen, eben so etwas zu ermöglichen, dass es so ein Verteidigungsabkommen
Pauline Jäckels: gibt, ein multilaterales Verteidigungsabkommen, dass es ein Verteidigungsbündnis
Pauline Jäckels: gibt, irgendeine Organisation.
Pauline Jäckels: Das haben die über Jahre, Jahrzehnte nicht geschafft. Und wenn man dann natürlich
Pauline Jäckels: dann so eine Präsenz hat, so eine externe Präsenz hat, wie das bei den USA ist,
Pauline Jäckels: dann sehen das eben viele Staaten ja auch gar nicht als notwendig,
Pauline Jäckels: sowas zu haben, wenn man eben denkt, naja, aber wir haben doch die USA,
Pauline Jäckels: die uns eben unterstützen.
Pauline Jäckels: Meine Hoffnung wäre schon, dass man langfristig irgendwo auch merkt,
Pauline Jäckels: diese externen Staaten, ob sie da sind oder nicht, das ersetzt eben nicht, dass es.
Pauline Jäckels: Irgendein Forum gibt, wo all diese Staaten wirklich mal am Tisch sitzen können
Pauline Jäckels: und miteinander reden können.
Pauline Jäckels: Und ein großes Problem, was wir in dieser Region sehen, ist Vertrauensverlust.
Pauline Jäckels: Über Jahre, Jahrzehnte.
Pauline Jäckels: Und es ist ja nicht so, dass diese Golfstaaten dem Iran nicht nur vertrauen.
Pauline Jäckels: Die vertrauen sich ja untereinander auch nicht.
Pauline Jäckels: Gerade dafür brauche ich viel mehr Gespräche, viel mehr Gesprächskanäle,
Pauline Jäckels: auch zusammen, wo alle an einem Tisch sind und mal reden, als weniger davon.
Pauline Jäckels: Und das ist etwas, was ich mir langfristig wünschen würde, weil ich glaube,
Pauline Jäckels: langfristig würde das dazu führen, dass man schneller deeskalieren kann.
Pauline Jäckels: Langfristig würde es dazu führen, dass man näher miteinander kooperiert.
Pauline Jäckels: Also auch schon so Sachen wie, dass die Bevölkerung auch viel mehr miteinander,
Pauline Jäckels: dadurch vernetzt werden kann. Das sehen wir auch nicht.
Pauline Jäckels: Sowas wäre, was ich mir langfristig wünschen würde und irgendwo auch erhoffen
Pauline Jäckels: würde. Aber ich sehe das als etwas sehr, sehr, sehr Schwieriges.
Pauline Jäckels: Ein bisschen utopisch. Aber ich glaube, viele gute Ideen haben als Utopie begonnen,
Pauline Jäckels: und sind jetzt quasi ein gutes Beispiel dafür, dass es tatsächlich irgendwann auch klappen kann.
Diba Mirzaei: Und dafür, wenn ich dich richtig verstehe, müsste eigentlich die Präsenz der
Diba Mirzaei: USA in der Region sehr stark abnehmen, oder?
Pauline Jäckels: Zumindest müsste man das mal diskutieren können. Das ist ja nicht mal möglich.
Pauline Jäckels: Also ein Grund, warum diese Gespräche auch scheitern ist ja auch,
Pauline Jäckels: weil der Iranin sagt, die USA kann nicht Teil dieser Sicherheitsarchitektur sein.
Pauline Jäckels: Die Golfstaaten sagen, wir brauchen aber die USA, weil wir sollen uns sonst verteidigen.
Pauline Jäckels: Aber so finden dann eben keine wirklichen Gespräche statt. Und ein Grund ist
Pauline Jäckels: ja auch, weil es kein Vertrauen gibt. Also es gibt kein Vertrauen,
Pauline Jäckels: aber irgendwo ja auch nicht in sich selbst.
Pauline Jäckels: Also wenn ich jetzt die Golfstaaten anschaue, dass man denkt,
Pauline Jäckels: man kann da auch allein etwas schaffen, dass man eben sich so auf diese USA verlässt.
Pauline Jäckels: Aber diese Gespräche müssen über, also es muss man zumindest ein Forum geben,
Pauline Jäckels: wo man überhaupt das bespricht.
Pauline Jäckels: Was könnte denn ein Ersatz für die USA sein? Könnte es nicht sein,
Pauline Jäckels: dass man vielleicht dann noch mehr, und das sind wirklich nur so ein paar Ideen,
Pauline Jäckels: ich habe noch mehr externe Akteure braucht, damit eben nicht nur ein Akteur so groß ist?
Pauline Jäckels: Oder will man nicht langfristig doch eher eine Region haben,
Pauline Jäckels: die ohne die Präsenz dieser Akteure ist?
Pauline Jäckels: Oder selbst wenn es diese US-Präsenz gibt und auch auf Dauer geben sollte,
Pauline Jäckels: wie kann man es so machen, dass der Iran sich nicht dadurch bedroht fühlt?
Pauline Jäckels: Also alle fühlen sich irgendwie bedroht, niemand redet so wirklich miteinander,
Pauline Jäckels: aber eigentlich brauchen wir genau das, um auch diese Bedrohungsszenarien mal
Pauline Jäckels: wirklich auszudiskutieren, um zu sehen, wie kann man es schaffen,
Pauline Jäckels: dass jeder Staat sich da sicher fühlt, selbst wenn eben ein externer Akteur
Pauline Jäckels: noch recht präsent ist innerhalb dieser Region.
Diba Mirzaei: Kommen wir nochmal zurück zu der jetzigen Situation, zu den Verhandlungen,
Diba Mirzaei: die ja gerade stattfinden zwischen den USA oder mehr oder weniger stattfinden
Diba Mirzaei: zwischen den USA und dem Iran.
Diba Mirzaei: Und da geht es natürlich darum, wie geht es jetzt nach der Waffenruhe weiter?
Diba Mirzaei: Warum spielt Pakistan da eigentlich so eine große Rolle?
Pauline Jäckels: Ja, ist ziemlich interessant, weil eigentlich ja bisher Oman und Katar überwiegend mediiert haben.
Pauline Jäckels: Das waren jetzt natürlich schwierig, weil beide Staaten eben vom Iran angegriffen
Pauline Jäckels: wurden, sodass man einen Akteur gebraucht hat, der eben nicht angegriffen wurde,
Pauline Jäckels: aber auch als neutral angesehen wurde und ein gewisses Standing sowohl in den
Pauline Jäckels: Golfstaaten hat, aber auch im Iran und USA.
Pauline Jäckels: Und da war Pakistan eben der perfekte Partner.
Pauline Jäckels: Also zum einen hat Pakistan direkt zu Beginn des Krieges die US-Angriffe und
Pauline Jäckels: israelischen Angriffe verurteilt, was natürlich ein gewisses Vertrauen auch im Iran geschaffen hat.
Pauline Jäckels: Aber gleichzeitig haben sie dann auch die Angriffe Irans auf die Golfstaaten
Pauline Jäckels: bloß, also zum Beispiel auch auf Saudi-Arabien, was natürlich bei den Golfstaaten
Pauline Jäckels: das dann auch nochmal eine gewisse Neutralität signalisiert hat.
Pauline Jäckels: Und das machte dann Pakistan eben zu einem guten Akteur, der vermitteln konnte,
Pauline Jäckels: so eine gewisse Neutralität hatte und dem dann alle Seiten vertrauen konnten.
Pauline Jäckels: Und so ist jetzt Pakistan eben sehr unerwartet, würde ich sagen,
Pauline Jäckels: diese Rolle gerutscht, weil Pakistan ja eigentlich, ich würde mal sagen,
Pauline Jäckels: international jetzt nicht so wirklich als friedlicher Staat wahrgenommen wird,
Pauline Jäckels: selbst ja Kriege gegen Afghanistan, Indien führt.
Pauline Jäckels: Auch als sehr autoritär und so eine Militärdiktatur eigentlich auch ist.
Pauline Jäckels: Also eigentlich hat Pakistan jetzt nicht so ein Standing gehabt,
Pauline Jäckels: als die Mediationsmacht,
Pauline Jäckels: aber hat natürlich jetzt ein gewisses Ansehen auch dadurch bekommen,
Pauline Jäckels: dass es eben in der Lage war, diese Seiten an den Tisch zu bringen und Pakistan
Pauline Jäckels: ist der erste Staat, der es jetzt geschafft hat,
Pauline Jäckels: direkte Gespräche zwischen Iran und USA zu ermöglichen.
Pauline Jäckels: Das ist schon ein krasser Gewinn für Pakistan.
Diba Mirzaei: Ein sehr interessanter Nebenaspekt, finde ich, an dieser ganzen Sache.
Diba Mirzaei: Vielleicht kannst du mal erklären, an welchen Punkten es gerade hakt?
Diba Mirzaei: Also auf welche gegenseitigen Forderungen kann man sich schon einigen und wo ist man sich ohne einig?
Pauline Jäckels: Es scheint, also es ist wirklich sehr wenig nach außen gesickert, muss man sagen.
Pauline Jäckels: Also was da genau diskutiert wurde, was sind die Knackpunkte,
Pauline Jäckels: aber so ein paar Sachen, die wir jetzt gehört haben, sind zum einen,
Pauline Jäckels: dass die USA, also der große Faktor für die USA ist natürlich,
Pauline Jäckels: dass der Iran einfach nie eine Atomwaffe hat und dazu gehört eben auch,
Pauline Jäckels: dass der Iran kein Uran anreichert.
Pauline Jäckels: Das ist für den Iran etwas, worauf er sich nicht einlassen wird,
Pauline Jäckels: weil das Recht auf Anreicherung auch als ein nationales Recht gesehen wird auf
Pauline Jäckels: iranischer Seite und im Übrigen auch schon unter dem Schah ein großer Diskussionspunkt
Pauline Jäckels: war zwischen damals dem Schah,
Pauline Jäckels: der ja durchaus provestlich war und auch dem US-Amerikaner.
Pauline Jäckels: Das ist wirklich der Punkt, den wir jetzt über Jahrzehnte sehen,
Pauline Jäckels: selbst vor dieser islamischen Publikum.
Pauline Jäckels: Was jetzt aber anscheinend gesagt wurde, ist, dass die Amerikaner gesagt haben,
Pauline Jäckels: die Iran so sich verpflichten, 20 Jahre lang kein Uran anzureichern.
Pauline Jäckels: Iran hat wohl gesagt, sie wären bereit, fünf Jahre auf Urananreicherung zu verzichten,
Pauline Jäckels: was ja schon wirklich was Historisches wäre, wenn der Iran das wirklich machen würde.
Pauline Jäckels: Also das scheint zumindest für mich so zu sein, als wäre das etwas,
Pauline Jäckels: worauf man sich einigen kann.
Pauline Jäckels: Ein anderer sehr wichtiger Punkt, wenn es um das Atomprogramm geht,
Pauline Jäckels: ist, dass der Iran ja über 400 Kilogramm hoch angereichertes Uran hat.
Pauline Jäckels: Die USA sagt, der Iran muss das komplett abgeben und zwar an die USA abgeben.
Pauline Jäckels: Der Iran sagt, nee, wir werden das in unserem eigenen Staat,
Pauline Jäckels: also in unserem eigenen Territorium, werden wir uns damit darum kümmern und
Pauline Jäckels: sie wollen, ich weiß nicht, wie man das auf Deutschland, aber downblenden,
Pauline Jäckels: also dieses hoch angereicherte Uran reduzieren, bis es quasi.
Diba Mirzaei: Nicht so hoch angereichert ist.
Pauline Jäckels: Genau, oder bis es einfach komplett weg ist. Aber das wollen sie auf iranischem
Pauline Jäckels: Territorium machen. Und das will die USA eben nicht.
Pauline Jäckels: Dann, jetzt gab es zuletzt...
Diba Mirzaei: Weil sie nicht vertrauen, dass sie das wirklich machen. Ja.
Pauline Jäckels: Ich weiß nicht, Vertrauen haben, dass sie es wirklich machen,
Pauline Jäckels: dass es dann vielleicht nicht doch irgendwelche Schlupflöcher gibt.
Pauline Jäckels: Aber aus iranischer Seite, muss ich sagen, verstehe ich schon,
Pauline Jäckels: warum sie da so zögern, weil das ist ja etwas, was sie nach dem Atomabkommen
Pauline Jäckels: von 2015 auch gemacht haben.
Pauline Jäckels: Damals haben sie dieses hoch angereicherte Uran an Russland gegeben,
Pauline Jäckels: direkt, und haben dafür gar nichts im Gegenzug bekommen.
Pauline Jäckels: Sodass sie jetzt natürlich sagen, also wenn wir das schon auch abgeben sollten
Pauline Jäckels: oder downblenden, dann nur schrittweise, weil sonst geben wir ja alles ab,
Pauline Jäckels: was wir haben. und damit keine Macht mehr, auch in späteren Verhandlungen oder so.
Pauline Jäckels: Und jetzt aber vergangenes Wochenende hatte der iranische Außenminister Adolf
Pauline Jäckels: Tschi, der hat eine ganze Tour gemacht, der war zum Beispiel auch in Russland,
Pauline Jäckels: wo es anscheinend auch um diese Frage ging, was macht man mit diesem hoch angereicherten Uran?
Pauline Jäckels: Und die Iraner sagen, also wenn wir uns schon nicht auf unserem Territorium
Pauline Jäckels: darum kümmern, dann gehen wir zu einem Staat, zu dem gewisse Beziehungen bestehen
Pauline Jäckels: oder ein gewisses Vertrauen und das wäre dann in Russland.
Pauline Jäckels: Und da Putin jetzt auch nicht so schlecht angesehen wird von Donald Trump,
Pauline Jäckels: könnte man sich eben vorstellen, dass das etwas wäre, was jetzt die US-Amerikaner
Pauline Jäckels: auch, womit sie mitgehen würden, also dass das dann doch an Russland abgegeben wird.
Pauline Jäckels: Ob das dann wirklich die sicherste Option ist, I don't know,
Pauline Jäckels: aber es scheint zumindest eine zu sein, auf die man sich vielleicht verständigen kann.
Pauline Jäckels: Das Problem ist ja aber, es kommen ja gerade gar keine Gespräche zustande.
Pauline Jäckels: Und das ist eigentlich das Wichtigste.
Pauline Jäckels: Es kommen keine Gespräche zustande. Und das ist eben, weil der Iran sagt,
Pauline Jäckels: Gespräche kommen erst zustande, wenn...
Pauline Jäckels: Die USA ihre Blockade iranischer Hilfen aufhebt.
Pauline Jäckels: Und die USA sagt, nee, nee, das machen wir erst, wenn wir einen Deal mit euch haben.
Pauline Jäckels: Und das sind wirklich zwei, also die sind auf komplett gegensätzlichen Polen.
Pauline Jäckels: Und da frage ich mich schon, wer gibt jetzt nach?
Pauline Jäckels: Und wer hält länger an? Und das
Pauline Jäckels: ist gerade so, ich glaube, mit einer der größten Fragen, die wir haben.
Pauline Jäckels: Wer wird jetzt eigentlich früher nachgeben? Und für wen sind die Kosten,
Pauline Jäckels: wenn die Kosten am Ende zu hoch seien, sodass man eben nicht auf der eigenen
Pauline Jäckels: Position beharren kann und doch vielleicht verhandeln muss.
Diba Mirzaei: Hast du eine Ahnung, bei wem das der Fall sein wird oder sagst du,
Diba Mirzaei: es ist einfach ganz offen?
Pauline Jäckels: Es ist offen. Ich muss ehrlich sagen, dass es überhaupt ja Verhandlungen gab,
Pauline Jäckels: also dass es diese Waffenruhe gab, ist durchaus auch ein Gewinn für das iranische Regime,
Pauline Jäckels: weil Donald Trump ja irgendwie, ich glaube, viele Stunden vorher mit der Auslösung
Pauline Jäckels: der gesamten islamischen, iranischen Zivilisation gedroht hat.
Pauline Jäckels: Und dann gab es auf einmal diese Waffenruhe, was auch als Gewinn im Iran selbst gewertet wurde.
Pauline Jäckels: Das andere ist aber, egal wie siegessicher die Islamische Republik sich gerade
Pauline Jäckels: gibt, sie brauchen einen wirtschaftlichen Aufschwung im Land.
Pauline Jäckels: Und das geht eben nur mit Verhandlungen, die zu einer, zur Aufhebung der Sanktionen führt,
Pauline Jäckels: die dazu führt, dass vielleicht auch Investment von außen getätigt werden kann,
Pauline Jäckels: auch diese marode Gas- und Ölinfrastruktur quasi angekurbelt werden kann.
Pauline Jäckels: Und das geht ja nur durch Verhandlungen.
Pauline Jäckels: Also das kriegen sie gar nicht hin, wenn sie jetzt weiter militärisch eskalieren
Pauline Jäckels: oder eben weiter darauf beharren, dass sie am längeren Hebel sitzen.
Pauline Jäckels: Dass ich manchmal wirklich nicht glaube, ob sich da nicht gerade auch verkalkulieren
Pauline Jäckels: und langfristig, dass auch diesem Regime selbst nicht eigentlich eher schadet,
Pauline Jäckels: wenn man sich nicht mal bald auf Verhandlungen einlässt.
Diba Mirzaei: Was ja zu diesem Zeitpunkt eigentlich ganz eindeutig ist, das iranische Regime
Diba Mirzaei: ist noch nicht gestürzt.
Diba Mirzaei: Du und ganz viele andere Expertinnen haben ja schon vor, so im Februar noch
Diba Mirzaei: gesagt, das Regime ist extrem geschwächt.
Diba Mirzaei: Und auch in unserer letzten Folge zum Iran gab es noch so eine leise Hoffnung,
Diba Mirzaei: das war noch bevor der US-Israelische Krieg jetzt auf den Iran begonnen hat,
Diba Mirzaei: Ich habe so eine leise Hoffnung, dass das Regime jetzt so schwach ist,
Diba Mirzaei: dass es stürzen könnte, auch einfach durch die Massenproteste,
Diba Mirzaei: die intern ausgebrochen sind.
Diba Mirzaei: Heute siehst du das wahrscheinlich anders als noch vor ein paar Wochen, richtig?
Diba Mirzaei: Also das iranische Regime geht nicht als irgendwie massiv geschwächte Einheit dort rauf.
Pauline Jäckels: Das, was ich im Januar gesagt habe, also dass dieses Regime geschwächt ist,
Pauline Jäckels: das würde ich auch heute sagen.
Pauline Jäckels: Aber es ist natürlich kontextabhängig, das muss man, glaube ich,
Pauline Jäckels: auch mal wieder sagen. Und das waren ja auch immer so Headlines,
Pauline Jäckels: die genommen werden dann von irgendwelchen Medien.
Pauline Jäckels: Wenn man da mal in das Interview reinschaut, merkt man, das ist doch ein bisschen
Pauline Jäckels: differenzierter. Also sie waren im Januar massiv geschwächt.
Pauline Jäckels: Sie waren quasi von außen bedroht. Es gab jetzt zwar noch keinen Krieg,
Pauline Jäckels: aber sie waren eben von außen bedroht. Sie waren ja auch durch diesen Krieg
Pauline Jäckels: im Juni massiv, außenpolitisch massiv geschwächt.
Pauline Jäckels: Dann hat man natürlich auch diese Achse des Widerstands, die auch sehr stark
Pauline Jäckels: dezimiert worden ist seit dem 7.
Pauline Jäckels: Oktober 2023, sodass man in einer sehr volatilen Situation war.
Pauline Jäckels: Und dann hatte man eben noch diese Proteste, diese massiven Proteste im Land
Pauline Jäckels: selbst und ein massives Legitimationsproblem, sodass dieses Regime eben sehr,
Pauline Jäckels: sehr, sehr, sehr geschwächt war.
Pauline Jäckels: Also daran hat sich auch jetzt nichts geändert. Also das eine ist,
Pauline Jäckels: zu schauen, wie haben sie diesen Krieg geführt und da kann man durchaus sagen,
Pauline Jäckels: dass die Tatsache, dass sie weiterhin stehen, dass sie weiterhin agieren können.
Pauline Jäckels: Angriffe immer noch auch starten können, zeigt eben eine gewisse Standhaftigkeit
Pauline Jäckels: und zeigt auch, dass alle Strategien, die man jetzt aufgebaut hat über Jahrzehnte,
Pauline Jäckels: am Ende dann wirklich gereicht haben oder, ich sag mal, klug genug waren,
Pauline Jäckels: um die Gegenseite, die ja auf konventionellem Wege gar nicht zu schwächen gewesen
Pauline Jäckels: wäre, dann doch am Ende aufzunehmen.
Pauline Jäckels: Geschwächt hat und eben auch dazu bewegt hat, diese Verhandlungen dann zu führen
Pauline Jäckels: und einer Waffenruhe zuzustimmen. Das andere ist aber intern und das ist ein sehr wichtiger Faktor.
Pauline Jäckels: Deswegen habe ich auch von diesen Sanktionen gesprochen oder diesem Wirtschaftsausschwung,
Pauline Jäckels: der sehr wichtig ist für dieses Regime, weil die Legitimation,
Pauline Jäckels: das Legitimationsproblem gibt es weiterhin in der Bevölkerung. Das ist nicht jetzt weg.
Pauline Jäckels: Vielleicht sehen wir, dass die eigene Basis nochmal stärker mobilisiert worden sind.
Pauline Jäckels: Also die, die sowieso dieses Regime gut fanden, dass die jetzt da weiterhin
Pauline Jäckels: noch mehr hinter diesem Regime sind Oder wir sehen es auch in gewissen Teilen
Pauline Jäckels: zumindest, dass die, die vielleicht davor eine sehr pro-westliche Einstellung
Pauline Jäckels: hatten und wirklich dachten,
Pauline Jäckels: dass westlich, dass jetzt Eingriffe der USA und Israel zu Freiheit in Iran führen,
Pauline Jäckels: dass die jetzt deutlich kritischer dem Westen gegenüber sind.
Pauline Jäckels: Das ist vielleicht etwas, was die da jetzt gewonnen haben.
Pauline Jäckels: Aber das heißt nicht, dass sie eine große Legitimationswelle in der iranischen
Pauline Jäckels: Bevölkerung sehen. Das sehe ich überhaupt nicht.
Pauline Jäckels: Also diese Massaker vom Januar, das hat wirklich was gemacht mit diesen Menschen,
Pauline Jäckels: die davor ja auch schon nicht großes Vertrauen hatten in die Regierung oder dieses System.
Pauline Jäckels: Aber jetzt sehen Sie eben, sie werden einfach massakriert von denen,
Pauline Jäckels: die sie ja eigentlich schützen sollten, selbst wenn es keinen Krieg gibt.
Diba Mirzaei: Kannst du die Massaker vielleicht nochmal einordnen, was ist da passiert?
Pauline Jäckels: Also es gab Ende Dezember, fingen Proteste im Iran an, die vor allem zuerst
Pauline Jäckels: einmal wirtschaftlicher Natur war.
Pauline Jäckels: Also es gab diesen großen Währungszerfall, die sehr große Inflation im Land,
Pauline Jäckels: sodass eben vor allem diese Händlerschicht, die wir im Iran haben,
Pauline Jäckels: dann einfach eben geschlossen haben, was ja auch schon was sehr Historisches
Pauline Jäckels: war, weil die eigentlich eher pro-islamische Publikum sind, wenn man sich das
Pauline Jäckels: geschichtlich anschaut.
Pauline Jäckels: Und damit fingen einfach Proteste an, die anfangs noch, würde ich sagen,
Pauline Jäckels: recht ruhig waren und jetzt auch nicht wirklich groß waren.
Pauline Jäckels: Aber schon recht schnell, auch am Anfang schon, wurde immer wieder diese Systemfrage
Pauline Jäckels: gestellt. Also wir wollen die islamische Republik nicht.
Pauline Jäckels: Tod dem Diktator, Tod dem Führer und so weiter und so fort.
Pauline Jäckels: Und wirklich groß wurden sie dann erst am 7.
Pauline Jäckels: Und 8. Januar, als dann eben wahrscheinlich, und wir haben keine Zahlen,
Pauline Jäckels: aber es sieht schon so aus, als wären da mindestens mehrere hunderttausend,
Pauline Jäckels: wenn nicht sogar Millionen von Menschen auf die Straße gegangen,
Pauline Jäckels: um dann nicht nur wirtschaftliche Forderungen zu stellen, sondern vor allem
Pauline Jäckels: wirklich, sich gegen dieses gesamte System der Islamischen Republik zu stellen.
Pauline Jäckels: Und im Zuge dessen wurden sehr, sehr viele Menschen getötet.
Pauline Jäckels: Die Zahlen des Regimes selbst liegen bei, ich glaube, 3.200 Menschen,
Pauline Jäckels: die getötet worden sind.
Pauline Jäckels: Und wenn wir uns mal so anschauen, was internationale Organisationen sagen,
Pauline Jäckels: dann sind wir da, glaube ich, eher bei 7.000 bis 9.000 aktuell.
Pauline Jäckels: Aber es werden noch ein paar tausend Fälle auch verifiziert weiterhin,
Pauline Jäckels: sodass es durchaus die Möglichkeit gibt, dass sie am Ende bei 15.000 oder 20.000 sind.
Pauline Jäckels: Aber gehen wir mal nur davon aus, nehmen wir mal diese Regimezahlen,
Pauline Jäckels: nehmen wir jetzt mal nur diese Regimezahlen, 3200 Tote, in zwei Tagen.
Pauline Jäckels: Das ist wirklich ein historisches Ausmaß, auch im Iran und global gesehen.
Pauline Jäckels: Also selbst wenn man jetzt diese niedrigste Zahl nimmt, das ist massiv,
Pauline Jäckels: wie viele Menschen da getötet worden sind.
Pauline Jäckels: Und wir sehen schon, dass diese Bevölkerung seitdem in einem Trauerzustand ist. Also.
Pauline Jäckels: Sich nicht mehr sicher fühlt, im eigenen Land nicht sicher fühlt,
Pauline Jäckels: auch sehr hoffnungslos ist.
Pauline Jäckels: Also allein die Tatsache, dass es Menschen gab im Iran, die sich wirklich einen
Pauline Jäckels: Krieg gewünscht haben, also Bombardements gewünscht haben, zeigt ja wirklich,
Pauline Jäckels: was für eine Hoffnungslosigkeit in Teilen dieser Bevölkerung herrscht.
Pauline Jäckels: Und vielleicht sind die jetzt etwas desillusionierter, zumindest wenn es darum
Pauline Jäckels: geht, dass eben Befreiung doch nicht durch Bomben kommt.
Pauline Jäckels: Aber das heißt nicht, dass sie für dieses Regime sind. Das heißt nicht,
Pauline Jäckels: dass sie denken, dass jetzt Freiheit durch dieses Regime kommt und wir sehen
Pauline Jäckels: weiterhin sehr, sehr viel Angst in diesem Land.
Pauline Jäckels: Wir sehen eine Militarisierung der Straßen, wir sehen ja sehr viele Checkpoints,
Pauline Jäckels: wie sehr es die Revolutionsgarden massiv an Macht gewonnen haben.
Diba Mirzaei: Also das Regime hat offensichtlich auch Angst vor einem oder vor weiteren Aufständen
Diba Mirzaei: von innen heraus, die das Regime zusätzlich zu der Zerstörung von Infrastruktur
Diba Mirzaei: durch die Bombardierung schwächen könnte.
Pauline Jäckels: Ich würde sagen sogar, dass sie viel mehr Angst haben davor,
Pauline Jäckels: was passiert nach so einem Krieg.
Pauline Jäckels: Und das ist ja eben die Situation, die wir jetzt haben, dass es gar keinen Deal gibt,
Pauline Jäckels: ist mit die schlimmste Situation, eigentlich mit das schlimmste Szenario für
Pauline Jäckels: dieses Regime, weil es eben weiß, das wird langfristig dazu führen,
Pauline Jäckels: dass sie eben nicht die Wirtschaft ankurbeln können, dass sie das Land nicht
Pauline Jäckels: aufbauen können und das führt dann früher oder später zu Protesten.
Pauline Jäckels: Ob man diese Proteste dann unterschlagen kann, weiß man nicht,
Pauline Jäckels: ob das Regime dann wirklich zusammenhält oder es nicht doch die Ersten gibt,
Pauline Jäckels: die sich vielleicht doch auf Seiten des Volkes stellen, weiß man eben nicht.
Pauline Jäckels: Es ist also eine sehr unsichere Situation auch für dieses Regime,
Pauline Jäckels: unabhängig von der Rhetorik, die sie nutzen.
Pauline Jäckels: Aber sie brauchen eine gewisse Legitimation, um weiter herrschen zu können,
Pauline Jäckels: auch sicher herrschen zu können.
Pauline Jäckels: Und da würde auf jeden Fall ein Wirtschaftsausschwung helfen.
Diba Mirzaei: Und dann ist ja die Frage, entsteht dann dadurch so ein,
Diba Mirzaei: wir haben ja vorhin schon über so ein Chaos-Szenario gesprochen,
Diba Mirzaei: dass sich Israel wünscht, dass dann eben so ein Machtvakuum da ist und das wird
Diba Mirzaei: gefüllt mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen oder so?
Diba Mirzaei: Oder gibt es eben einen organisierten Gegenpol, der tatsächlich dieses Machtvakuum füllen kann?
Diba Mirzaei: Siehst du da irgendwas in die Richtung? Vor allem im Iran selbst.
Pauline Jäckels: Sehe ich nicht. Also ich sehe da keine organisierte Opposition.
Pauline Jäckels: Das ist ja auch etwas, was das Regime seit Jahrzehnten jetzt eben verhindert
Pauline Jäckels: hat, dass sowas entsteht.
Pauline Jäckels: Was aber nicht heißt, dass wir nicht weiterhin Menschen sehen,
Pauline Jäckels: die eben seit Jahren, Jahrzehnten für Freiheit kämpfen, für Rechte kämpfen und so etwas.
Pauline Jäckels: Viele von denen sind aber in Gefängnissen, viele haben das Land auch schon verlassen,
Pauline Jäckels: viele wurden auch einfach schon getötet, sodass es sehr schwierig ist.
Pauline Jäckels: Ich muss aber dazu eine Sache sagen und ich weiß, dass das etwas ist,
Pauline Jäckels: was Menschen nicht so gerne hören, weil sie schnelle Lösungen finden, was ich verstehe,
Pauline Jäckels: sich schnelle Lösungen wünschen, was ich auch verstehen kann,
Pauline Jäckels: dass man einfach jetzt nicht noch Jahre, Jahrzehnte mit diesem Regime aushalten möchte.
Pauline Jäckels: Aber weißt du, wenn man sich dieses Land mal anschaut, und ich war ja selbst
Pauline Jäckels: mehrere Male schon in Iran.
Pauline Jäckels: Das letzte Mal liegt zwar ein bisschen länger zurück, aber eine Sache,
Pauline Jäckels: die mir damals auch schon als Kind, als Jugendlicher aufgefallen ist,
Pauline Jäckels: wie sich die Menschen ihre Rechte zurückerkämpfen. Also wie sie schaffen...
Pauline Jäckels: Immer wieder sich durchzusetzen und nicht klein beigeben.
Pauline Jäckels: Also für mich liegt die größte Hoffnung in diesem Land, das größte Potenzial
Pauline Jäckels: auch in diesen Menschen selbst, die immer wieder eben geschafft haben,
Pauline Jäckels: sich Dinge zurückzukämpfen.
Pauline Jäckels: Also die Tatsache, dass wir jetzt im Iran, dass es so normal geworden ist,
Pauline Jäckels: dass Frauen eben kein Kopftuch mehr tragen.
Pauline Jäckels: Dass sie anziehen, also wenn du dir mal Bilder anschaust, und nicht nur in Teheran,
Pauline Jäckels: sondern auch so in kleineren Städten, wieder Frauen rumlaufen und denkst,
Pauline Jäckels: teilweise ist es ein europäisches Land.
Pauline Jäckels: So sehr haben sie sich dieses Recht auf ihren eigenen Körper quasi zurückerkämpft,
Pauline Jäckels: dass ich immer wieder die Hoffnung habe, dass es am Ende genau diese Menschen
Pauline Jäckels: sind, die weiter kämpfen werden und nicht klein beigeben werden.
Pauline Jäckels: Heißt das, dass wir jetzt morgen eine Demokratie im Iran haben?
Pauline Jäckels: Nein, aber heißt es, dass wir langfristig uns auf diese Menschen verlassen können
Pauline Jäckels: oder darauf, dass wir diese Menschen viel stärker befähigen müssen?
Pauline Jäckels: Da ist die Antwort für mich ja. Und das ist das, was mir Hoffnung gibt,
Pauline Jäckels: auch als eine Person mit iranischen Wurzeln, die sich das eben wünscht,
Pauline Jäckels: dass diese Menschen selbstbestimmt leben können.
Pauline Jäckels: Ich habe da unfassbar großen Respekt und wirklich sehr große Achtung davor,
Pauline Jäckels: vor dem, was diese Menschen geschafft haben seit Jahren, Jahrzehnten,
Pauline Jäckels: wie stark diese junge Bevölkerung ist.
Pauline Jäckels: Und das gibt mir Hoffnung, auch wenn das nicht bedeutet, dass ich glaube,
Pauline Jäckels: dass wir morgen ein ganz anderes Iran sehen werden.
Diba Mirzaei: Die eine Gruppe, die sich natürlich als Alternative jetzt ins Spiel bringt,
Diba Mirzaei: schon seit längerem, sind natürlich die Leute, die Reza Pahlavi unterstützen
Diba Mirzaei: oder Reza Pahlavi selbst, der sagt,
Diba Mirzaei: er möchte quasi das Land nach einem Regimewechsel dann übernehmen.
Diba Mirzaei: Wie siehst du das heute? Hat er eine Machtbasis innerhalb des Landes?
Diba Mirzaei: Das ist ja am Ende irgendwie die relevante Frage.
Pauline Jäckels: Ich denke, er hatte nie eine Machtbasis im Iran und das sehen wir schon darin,
Pauline Jäckels: dass sobald, wenn das Internet weg ist, hat er eben gar keinen Zugang mehr zu diesen Menschen.
Pauline Jäckels: Was einen nicht wundern sollte, weil diese Pahlavi-Dynastie ja auch schon,
Pauline Jäckels: als sie noch geherrscht hat, keinen Zugang zu der überwiegenden Bevölkerung
Pauline Jäckels: hatte. Warum soll sich das jetzt ändern, wenn der seit 50 Jahren nicht im Land ist?
Pauline Jäckels: Dass ich das nicht glaube. Und ich glaube aber, dass es durchaus,
Pauline Jäckels: zumindest auf israelischer Seite, die Überlebung gab, ihn danach als Marionette
Pauline Jäckels: quasi dazu errichten im Iran.
Pauline Jäckels: Und selbst da sieht man ja jetzt von Geheimdienstberichten, die rausgesickert
Pauline Jäckels: sind, dass selbst die jetzt nicht mehr davon ausgehen, dass es sich überhaupt
Pauline Jäckels: noch lohnt, ihn zu unterstützen. Also da wurde ja auch wirklich für so eine
Pauline Jäckels: heiße Kartoffel fallen gelassen, sodass er für mich überhaupt keine Option ist.
Pauline Jäckels: Und weißt du, was mich eigentlich am meisten auch enttäuscht an dieser ganzen
Pauline Jäckels: Monarchistenbewegung?
Pauline Jäckels: Das ist für mich kein Problem, dass sie eine Monarchie wollen,
Pauline Jäckels: dass sie für der Saparavi sind.
Pauline Jäckels: Also da bin ich demokratisch genug, glaube ich, um Menschen,
Pauline Jäckels: dass Menschen eben unterschiedliche Meinungen haben.
Pauline Jäckels: Was ich aber schade finde, ist, dass man nicht mal die Vorstellungskraft hat,
Pauline Jäckels: sich was komplett Neues vorzustellen, dass man wieder zu etwas Alten greift,
Pauline Jäckels: was schon davor nicht funktioniert hat.
Pauline Jäckels: Und das finde ich ist so schade. Und ich glaube mir, die Menschen im Iran verdienen
Pauline Jäckels: viel, viel mehr als das, als ob man einfach denkt, weniger autoritär ist auch gut für euch Leute.
Pauline Jäckels: Weniger autoritär, das ist doch schon mal besser und damit könnt ihr erleben.
Pauline Jäckels: Das ist so schade, dass sich diese gesamte Monarchistenbewegung ausfällt,
Pauline Jäckels: nicht mal versucht hat zu organisieren mit den Menschen im Land selbst,
Pauline Jäckels: mit denen, die seit Jahren, Jahrzehnten unter diesem System leiden und verhaftet
Pauline Jäckels: worden sind, die halt für ihre Rechte kämpfen, dass man nicht mal versucht hat,
Pauline Jäckels: da ein Bündnis zu schaffen,
Pauline Jäckels: teilweise ja wirklich sogar verbal zu organisieren.
Pauline Jäckels: Gegen einige von denen vorgegangen ist, das sagt schon viel aus.
Pauline Jäckels: Und das ist, was ich schade finde. Man hatte jetzt fast 50 Jahre Zeit,
Pauline Jäckels: eine geeinte Opposition zu schaffen, mal diese ganzen Differenzen beiseite zu
Pauline Jäckels: schieben, sich wirklich mal damit zu beschäftigen, was kann man konkret machen,
Pauline Jäckels: um den Menschen im Land zu helfen.
Pauline Jäckels: Und stattdessen gibt es irgendwelche Grabenkämpfe, diese Monarchisten,
Pauline Jäckels: die dann wirklich jede Person, die nicht für den Krieg war zum Beispiel,
Pauline Jäckels: direkt als Iran-Lobby bezeichnet. Also das sind die Zustände, die wir haben.
Pauline Jäckels: Das ist unfassbar schade, weil das ist das Letzte, was die Menschen im Iran brauchen.
Pauline Jäckels: Und das ist das, wovon die islamische Publikum letzten Endes profitiert.
Pauline Jäckels: Dass es eben so eine zersplitterte Opposition gibt, die nicht in der Lage ist,
Pauline Jäckels: da diese verschiedenen Positionen an einen Tisch zu bringen und die sich wirklich
Pauline Jäckels: weiterhin an irgendeinen Typ festhalten,
Pauline Jäckels: der schon damals keine Rolle im Iran gespielt hat und es jetzt eben auch nicht tut.
Diba Mirzaei: Ich glaube, ich meine, du hast da
Diba Mirzaei: natürlich mehr Einblicke, aber genau den Eindruck habe ich auch gewonnen.
Diba Mirzaei: In den vergangenen Wochen, da er ja, wie du es schon gesagt hast,
Diba Mirzaei: Israel hat irgendwie kein großes Interesse mehr an ihm. Das waren eigentlich
Diba Mirzaei: seine wichtigsten Unterstützer.
Diba Mirzaei: Trump hat schon vor einigen Wochen gesagt, er will sich nicht mal mit ihm treffen.
Diba Mirzaei: Hat daran gezweifelt, ob er wirklich in der Lage ist, da die Nachfolger quasi
Diba Mirzaei: anzutreten, falls das Regime fallen sollte.
Diba Mirzaei: Und auch die Bundesregierung hat ihn nicht für wichtig genug gehalten, sich mit ihm zu treffen.
Diba Mirzaei: Das zeigt ja, da sind viele Leute der Ansicht, er spielt eigentlich keine Rolle
Diba Mirzaei: und trotzdem sind er und seine Unterstützer eben extrem laut, gerade im Exil.
Pauline Jäckels: Und sie haben ja auch Ressourcen und Finanzen, das muss man auch sagen,
Pauline Jäckels: was natürlich hilft. Und vielleicht noch so zwei Punkte zu dieser Panda, wie,
Pauline Jäckels: Es ist eine sehr unorganische Bewegung. Das muss man einfach sagen.
Pauline Jäckels: Da gibt es wirklich eine richtig gute Investigativrecherche der israelischen
Pauline Jäckels: Zeitung Haaretz in Zusammenarbeit mit einer kanadischen Universität,
Pauline Jäckels: wo eben sehr gut herausgearbeitet wurde, dass es da eben gezielte Social-Media-Kampagnen gab,
Pauline Jäckels: spätestens seit 2023, mit dem Ziel, wirklich Reza Pahlavi als die Oppositionsfigur aufzubauen.
Pauline Jäckels: Also durch Bots, durch KI und so weiter und so fort. Unter anderem auch finanziert
Pauline Jäckels: durch die israelische Regierung.
Pauline Jäckels: Das ist also eine sehr unorganische Bewegung, die wir da sehen.
Pauline Jäckels: Und ich würde mir einfach wünschen, dass man sich da auch mal kritisch damit auseinandersetzt,
Pauline Jäckels: wie wenig Rückhalt eigentlich hat oder wirklich Einfluss er hat und dass er
Pauline Jäckels: so abhängig ist von überwiegend westlichen Akteuren, um überhaupt eine Rolle
Pauline Jäckels: zu spielen in so einem post-islamischen Republik-Szenario.
Diba Mirzaei: Ich glaube, für viele Leute ist es einfach, genau, er hat natürlich den Vorteil,
Diba Mirzaei: dass er immer behaupten kann, er hätte so viel Unterstützung im Iran selbst
Diba Mirzaei: und man kann es schwer überprüfen.
Diba Mirzaei: Und kann es schwer wissen, ob das stimmt oder nicht. Ich glaube,
Diba Mirzaei: vor allem für Außenstehende, die sich eben nicht so gut damit auskennen,
Diba Mirzaei: glaubt man dann das irgendwie.
Diba Mirzaei: Aber auch, weil gerade selbst im linksliberalen Spektrum in Deutschland irgendwie
Diba Mirzaei: diese Hoffnung bestand, okay, der ist zwar jetzt vielleicht kein Linker offensichtlich,
Diba Mirzaei: aber der ist immerhin wie eine Alternative.
Diba Mirzaei: Und ich glaube, da hat man dann eben auch dazu geneigt, viele Dinge zu glauben,
Diba Mirzaei: einfach aus der Hoffnung heraus, dass alles besser ist als das iranische Regime.
Diba Mirzaei: Und dafür habe ich auch ein Stück weit Verständnis.
Pauline Jäckels: Ja, dazu muss ich sagen, es gibt ja zwei Sachen, die er und seine Anhänger die
Pauline Jäckels: ganze Zeit sagen. Das eine ist, dass Millionen von Menschen seinen Namen gerufen hätten.
Pauline Jäckels: Also ich weiß gar nicht, wie man auf diese Zahl kommt, aber es gibt ja schon
Pauline Jäckels: erste Social-Media-Auswertungen.
Pauline Jäckels: Und ich hoffe, dass da mehr kommen wird. Wo man eben ausgewertet hat,
Pauline Jäckels: von diesen ganzen Videos, die aus dem Iran gedrungen sind im Januar,
Pauline Jäckels: wie viel Prozent haben da wirklich eigentlich einen Bezug gehabt zu dieser Palavir,
Pauline Jäckels: zur Monarchie. und wie viele hatten eigentlich einen Bezug zu was ganz anderem?
Pauline Jäckels: Und da sieht man, dass wirklich eine Minderheit von unter 20 Prozent hatten
Pauline Jäckels: einen Bezug überhaupt zu dieser Parlamie.
Pauline Jäckels: Also da kann man schon diese Aussage, Millionen von Menschen haben meinen Namen
Pauline Jäckels: gerufen, kann man das schon wirklich mal anzweifeln.
Pauline Jäckels: Und das andere, was ja auch viel, was er ja selbst wirklich sagt,
Pauline Jäckels: ist, dass über 150.000 Mitglieder der Armee, aber auch der Revolutionsgarden
Pauline Jäckels: bereits ihm die Loyalität geschworen haben. Wo sind die denn?
Pauline Jäckels: Wie kann das denn sein? Also wenn das so ist, warum konnte das Regime so brutal
Pauline Jäckels: gegen die Menschen im Januar schon vorgehen?
Pauline Jäckels: Und warum ist es in der Lage gewesen, sich so stark zu verteidigen in diesem Krieg?
Pauline Jäckels: Also wo sind denn diese 150.000? Es ist wirklich eine große Zahl.
Pauline Jäckels: Also wenn das gestimmt hätte und sagen wir nur 50.000 wären...
Pauline Jäckels: Hätten sich von dieser Islamischen Republik distanziert. Selbst das wäre ja
Pauline Jäckels: schon eine Schlagkraft gewesen. Haben wir alles nicht gesehen.
Pauline Jäckels: Und dass man das nicht hinterfragt, also all diese Aussagen,
Pauline Jäckels: die da die ganze Zeit getätigt werden, ohne glaubwürdige Beweise,
Pauline Jäckels: das finde ich ist schwierig.
Diba Mirzaei: Ja, im Zuge quasi der eigenen Anfeindungen, die ich jetzt aus dieser Ecke auch erfahren habe,
Diba Mirzaei: in der letzten Woche habe ich mich intensiver mit dieser Bewegung beschäftigt
Diba Mirzaei: und auch mit seinen Aussagen und bin immer wieder zum Schluss gekommen,
Diba Mirzaei: dass da mit der Wahrheit an vielen Stellen nicht so ernst genommen wird.
Diba Mirzaei: Also da wird ganz, ganz massiv Propaganda betrieben.
Diba Mirzaei: Propaganda betreiben erst mal alle, aber die Art und Weise ist schon genau sehr deutlich.
Diba Mirzaei: Da wird auch mit Desinformation gearbeitet, mit einer sehr, sehr starken Einseitigkeit,
Diba Mirzaei: die eben, wie du ja schon sagtest, auch überhaupt keine Kritik akzeptieren,
Diba Mirzaei: Kritik direkt niederschreien mit übelsten Beleidigungen oder anderen Ansätzen.
Pauline Jäckels: Und Diffamierungen halt auch. Also das ist ja auch, was die dann viel machen,
Pauline Jäckels: dass sie dann direkt sagen, oh, sie oder er wird von der islamischen Republik
Pauline Jäckels: finanziert, das neue Gesicht der islamischen Republik im Westen oder so etwas.
Pauline Jäckels: Sowas habe ich ja auch jetzt viel über mich selbst gehört.
Pauline Jäckels: Können die machen? Also mich interessiert das jetzt nicht so sehr.
Pauline Jäckels: Können die gerne machen? Aber ich finde, eine Bewegung, die sich als demokratisch
Pauline Jäckels: ansieht, ist das eben schon ein gutes Anzeichen, dass es eben nicht demokratisch
Pauline Jäckels: ist, sondern recht autoritär.
Diba Mirzaei: Ja, den Eindruck habe ich zumindest gewonnen, auch wenn das natürlich nicht
Diba Mirzaei: auf alle Menschen zutrifft, die ihn unterstützen.
Diba Mirzaei: Es gibt natürlich Menschen, die einfach sagen, ich bin so verzweifelt,
Diba Mirzaei: ich wünsche mir einfach irgendeine Alternative.
Diba Mirzaei: Ich finde den gar nicht in allen seinen Dingen gut, aber ich wünsche mir eine Alternative.
Diba Mirzaei: Und dann scheint es einen harten Kern dieser Bewegung zu geben,
Diba Mirzaei: die nicht demokratisch wirken, um es mal milder auszudrücken.
Diba Mirzaei: Was für ein anderes Szenario kannst du dir vorstellen? Was wäre ein Wunschszenario,
Diba Mirzaei: das vielleicht irgendwie im Realistischen liegt?
Diba Mirzaei: Sollte das Regime tatsächlich auseinanderfallen? Jetzt vielleicht nicht in den
Diba Mirzaei: nächsten Wochen, aber durch die Schwächungen, die es jetzt erfahren hat,
Diba Mirzaei: vielleicht schon mittelfristig?
Pauline Jäckels: Wenn es auseinanderfallen sollte, dann glaube ich, dass wir eher Chaos sehen werden im Land.
Pauline Jäckels: Also das hatte ich für ein sehr schwieriges Szenario. Das heißt nicht,
Pauline Jäckels: dass ich möchte, dass diese Islamische Republik bleibt, aber aufgrund dessen,
Pauline Jäckels: dass wir einfach keine wirklichen Alternativen haben und es ja auch bewaffnete
Pauline Jäckels: Gruppen im Land gibt und eben keine Opposition, die jetzt quasi dann was machen könnte,
Pauline Jäckels: halte ich das für sehr, sehr schwierig, das zu sagen, wenn die jetzt auseinanderfallen
Pauline Jäckels: und sei das quasi im Krieg geschwächt sind oder es gibt eine Bodenoffensive
Pauline Jäckels: der US-Amerikaner, was auch immer,
Pauline Jäckels: dann glaube ich, dass wir sehr viel Chaos und Instabilität im Land sehen werden,
Pauline Jäckels: was dieses Land eben auf Jahrzehnte prägen wird und nicht im Positiven, sondern im Negativen.
Pauline Jäckels: Was ich für aber ein Szenario halte, was wahrscheinlich sein wird,
Pauline Jäckels: nicht muss, hängt ja auch nochmal von ganz vielen anderen Aspekten,
Pauline Jäckels: also auch wie sich dieser Krieg jetzt weiterentwickelt oder diese Verhandlungen entwickeln,
Pauline Jäckels: ist, dass wir einfach eine Militärdiktatur sehen.
Pauline Jäckels: Und ich denke, das beste Szenario aktuell für die Menschen im Iran wäre,
Pauline Jäckels: dass es da diese Militärdiktatur gibt oder weiterhin ein sehr autoritäres System, was aber bereit wäre,
Pauline Jäckels: ein paar Zugeständnisse zu machen innerhalb der Bevölkerung,
Pauline Jäckels: gewisse Freiheiten zum Beispiel zu geben.
Pauline Jäckels: Also ein bisschen wegkommt von diesem sehr ideologischen Charakter,
Pauline Jäckels: den wir in diesen letzten Jahrzehnten gesehen haben und bereit ist eben,
Pauline Jäckels: einige Freiheiten zu gewähren.
Pauline Jäckels: Und was dann langfristig, man muss ja auch langfristig denken,
Pauline Jäckels: was dazu das führen könnte, das eben langfristig dazu führen könnte.
Pauline Jäckels: Dass man deutlich mehr Freiheiten kriegt, dass sie vielleicht auch ein System sehen.
Pauline Jäckels: Das eben nicht mehr so isoliert ist, sondern durchaus eben auch Zusammenarbeit
Pauline Jäckels: hat, aus strategischem Kalkül zusammenarbeitet mit verschiedenen Akteuren,
Pauline Jäckels: mehr auch ausländisches Investment zeigt, aber was eben weiterhin ein sehr autoritärer
Pauline Jäckels: Staat bleiben wird, so in der Hoffnung, dass es aber langfristig dazu führt,
Pauline Jäckels: dass man dann so von innen einen Wandel herbeiführen kann,
Pauline Jäckels: eben durch diese gemäßigteren oder reformorientierten Kräfte im Land,
Pauline Jäckels: die ja durchaus auch ein bisschen andere Politik machen würden, wenn du mich fragst.
Pauline Jäckels: Aber das sind sehr, also ich weiß auch, das sind sehr unbeliebte Takes,
Pauline Jäckels: verstehe ich auch total, aber natürlich so als Wissenschaftlerin frage ich mich
Pauline Jäckels: auch langfristig, wie schafft man es in Demokratie zu kommen und da glaube ich,
Pauline Jäckels: muss man so ein bisschen darauf hoffen, dass man,
Pauline Jäckels: Durch so eine Anbindung auch an westliche Institutionen, an westliche Staaten,
Pauline Jäckels: an westliche Abkommen zum Beispiel, dass man es schafft, diese reformorientierten
Pauline Jäckels: Kräfte im Land zu stärken, die langfristig dann eben auch eine gewisse Öffnung
Pauline Jäckels: ermöglichen können im Land, aber auch nach außen hin.
Diba Mirzaei: Das heißt, du glaubst eben nicht an diesen quasi Quick-Fix, man bombardiert,
Diba Mirzaei: bringt einen Regime-Change und dann wird alles besser, sondern du gehst davon aus,
Diba Mirzaei: dass sich dieser Prozess, wenn es ihn geben sollte, hin zu einer Demokratie
Diba Mirzaei: noch sehr, sehr viel länger hinziehen wird.
Pauline Jäckels: Ich bin ja Historikerin, also allein schon die historische Evidenz gibt das
Pauline Jäckels: nicht her, dass man nur durch Bomben Demokratie bringt.
Pauline Jäckels: Dann kommen natürlich alle mit dem Beispiel Deutschland zum Beispiel.
Pauline Jäckels: Ja, aber es hat ja auch bedeutet, dass die USA sich auf Jahrzehnte verpflichtet
Pauline Jäckels: haben. Wir haben immer noch US-Präsenz in Deutschland.
Pauline Jäckels: Das ist ja etwas, was sie nicht wollen im Iran. Also nur zu sagen,
Pauline Jäckels: die bombardieren das Land und dann wird das schon alles, das wird nicht passieren.
Pauline Jäckels: Und wenn man sich auch einfach mal anschaut, so demokratische Bewegungen überall
Pauline Jäckels: auf der Welt, das ist ein jahrzehntelanger Prozess und der beste Weg,
Pauline Jäckels: um das zu ermöglichen, und da würde ich sagen, ist die Forschung auch recht,
Pauline Jäckels: eindeutig ist eben demokratische Bewegungen, Kräfte, Parteien innerhalb solcher
Pauline Jäckels: Länder zu unterstützen, langfristig, damit sie sich was aufbauen und ein ganzes
Pauline Jäckels: Fundament haben, auf das sie eben dann setzen können.
Pauline Jäckels: In so einem Moment, wo eine gewisse Instabilität herrscht oder es wirklich Risse
Pauline Jäckels: gibt in so einem Machtapparat, dass man dann eben in der Lage ist,
Pauline Jäckels: da Bündnisse zu ermöglichen oder eben auch in der Lage ist, mit so gewissen
Pauline Jäckels: gemäßigteren Kräften zusammenzuarbeiten.
Diba Mirzaei: Okay, wir müssen leider zum Ende kommen. Dieses Gespräch ist zwar sehr,
Diba Mirzaei: sehr interessant, dir zuzuhören.
Diba Mirzaei: Danke, dass du deine Einschätzungen mit uns geteilt hast.
Diba Mirzaei: Danke an die ZuhörerInnen fürs Zuhören. Ich kann auch noch mal sehr empfehlen,
Diba Mirzaei: die letzte Folge zum Iran mit Tarek Siddig noch mal anzuhören,
Diba Mirzaei: wo wir noch mal mehr inneriranische Gesichtspunkte uns angeschaut haben.
Diba Mirzaei: Vielen Dank, lieber, dass du da warst.
Pauline Jäckels: Sehr, sehr gerne.
Diba Mirzaei: This world going up in flames And nobody want to take the blame
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