Ist das Völkerrecht gescheitert, Wolfgang Kaleck?

Shownotes

„Das Völkerrecht ist tot, jetzt gilt wieder das Recht des Stärkeren.“ So lautet die Meinung der einen, die auf die Völkerrechtsbrüche der vergangenen Jahre verweisen: in Gaza, in Venezuela, in der Ukraine, im Sudan und aktuell im Iran. Andere wiederum weisen darauf hin, dass das Völkerrecht nie wirklich galt. Schon immer hätten sich die Stärkeren das Recht herausgenommen, das Völkerrecht zu missachten, und sie verweisen auf die letzten Jahrzehnte, die von unzähligen völkerrechtswidrigen Angriffskriegen, etwa durch die USA und ihre Alliierten, geprägt waren. Sie fragen: Was bringt das Völkerrecht, wenn es kaum umgesetzt wird und Staaten nur dann darauf pochen, wenn es in ihrem Interesse ist?

Unser Gast Wolfgang Kaleck argumentiert: Das Völkerrecht war nie perfekt. Schon immer war seine Umsetzung von Doppelstandards durchzogen. Und trotzdem war es immer schon ein wichtiges Mittel im Kampf der Unterdrückten für Gerechtigkeit. Eines von vielen. Und daran sollten sich Linke und progressive Kräfte erinnern.

In dieser Folge von „Weltunordnung“ spricht die Journalistin Pauline Jäckels mit Wolfgang Kaleck. Er ist einer der profiliertesten Menschenrechtsanwälte Deutschlands. Als Gründer und Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) setzt er sich seit Jahren weltweit für die juristische Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen ein. Als Anwalt vertritt Kaleck unter anderem den Whistleblower Edward Snowden und die Familie von Patrice Lumumba. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter „Die konkrete Utopie der Menschenrechte” (2021). Jüngst ist im Kunstmann-Verlag sein neues Buch „Die Stärke des Rechts vs. Das Recht des Stärkeren” erschienen.

Pauline Jäckels diskutiert mit Wolfgang Kaleck, warum so viele Menschen plötzlich glauben, dass sich das Völkerrecht in einer beispiellosen Krise befindet. Sie sprechen darüber, wie und unter welchen Umständen das Völkerrecht entstanden ist und inwiefern es Mittel der Mächtigen und Mittel der Unterdrückten ist. Und schließlich darüber, ob eine Durchsetzung des Völkerrechts überhaupt möglich ist, ohne dass sich die globalen Machtverhältnisse ändern, die Völkerrechtsbrüche ermöglichen und bedingen.

Schreibt uns an weltunordnung@rosalux.org

Shownotes:

Wolfgang Kaleck, “Die Stärke des Rechts vs. Das Recht des Stärkeren”, Kunstmann Verlag (2026)

“Was ist eigentlich Völkerrecht?”, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2026

Transkript anzeigen

Wolfgang Kaleck: Das Völkerrecht ist tot. Jetzt gilt wieder das Recht des Stärkeren.

Wolfgang Kaleck: Das sagen die einen und verweisen auf die Völkerrechtsbrüche der vergangenen Jahre.

Wolfgang Kaleck: In Gaza, in Venezuela, in der Ukraine, im Sudan und jetzt im Iran.

Wolfgang Kaleck: Andere weisen dann darauf hin und sagen, Moment mal, das Völkerrecht hat doch nie wirklich gegolten.

Wolfgang Kaleck: Es haben doch schon immer die Stärkeren sich das Recht rausgenommen,

Wolfgang Kaleck: das Völkerrecht zu missachten.

Wolfgang Kaleck: Und sie verweisen dann auf die letzten Jahrzehnte, die von unzähligen völkerrechtswidrigen

Wolfgang Kaleck: Angriffen unter anderem durch die USA und ihre Alliierten geprägt waren.

Wolfgang Kaleck: Und sie fragen dann, was bringt überhaupt das Völkerrecht, wenn es eigentlich

Wolfgang Kaleck: kaum umgesetzt wird und Staaten nur dann darauf pochen, wenn es gerade in ihrem Interesse ist.

Wolfgang Kaleck: Und dann gibt es noch Menschen wie Volkan Karlek, mit dem ich in dieser Folge gesprochen habe.

Wolfgang Kaleck: Er sagt, das Völkerrecht war wirklich nie perfekt. Und schon immer war die Umsetzung

Wolfgang Kaleck: von Doppelstandards durchzogen.

Wolfgang Kaleck: Trotzdem war es schon immer aber auch ein Instrument und wichtiges Mittel im

Wolfgang Kaleck: Kampf der Unterdrückten für Gerechtigkeit. Eines von vielen.

Wolfgang Kaleck: Und daran sollten linke und progressive Kräfte festhalten.

Wolfgang Kaleck: Wolfgang Kallek ist einer der profiliertesten Menschenrechtsanwälte Deutschlands.

Wolfgang Kaleck: Als Gründer und Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human

Wolfgang Kaleck: Rights setzt er sich seit Jahren für

Wolfgang Kaleck: die juristische Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen weltweit ein.

Wolfgang Kaleck: Als Anwalt vertritt Kaleck unter anderem den Whistleblower Edward Snowden und

Wolfgang Kaleck: die Familie von Patrice Lumumba.

Wolfgang Kaleck: Er ist Autor verschiedener Bücher, darunter Die konkrete Utopie der Menschenrechte von 2021.

Wolfgang Kaleck: Und gerade ist im Kunstmann Verlag sein neues Buch erschienen Die Stärke des

Wolfgang Kaleck: Rechts vs. das Recht des Stärkeren

Wolfgang Kaleck: Mein Name ist Pauline Jeckels. Ich bin freie Journalistin und Taz-Redakteurin.

Wolfgang Kaleck: Ich habe mit Wolfgang Kaleck darüber nachgedacht, warum es so viele plötzlich

Wolfgang Kaleck: wahrnehmen, als sei das Völkerrecht in einer nie zuvor dagewesenen Krise.

Wolfgang Kaleck: Darüber, wie und unter welchen Umständen das Völkerrecht entstanden ist.

Wolfgang Kaleck: Inwiefern ist Mittel der Mächtigen und inwiefern ist ein Mittel der Unterdrückten ist.

Wolfgang Kaleck: Und ob es überhaupt eine wirkliche Durchsetzung des Völkerrechts geben kann,

Wolfgang Kaleck: ohne dass sich die globalen Machtverhältnisse verändern, die Völkerrechtsbrüche

Wolfgang Kaleck: ermöglichen und auch bedingen.

Wolfgang Kaleck: Hallo Wolfgang, schön, dass du da bist.

Pauline Jäckels: Guten Morgen.

Wolfgang Kaleck: Das Völkerrecht ist in einer tiefen Krise, sagen die einen, natürlich in Anbetracht

Wolfgang Kaleck: der Völkerrechtsbrüche in Gaza durch Israel,

Wolfgang Kaleck: die niemand versucht hat zu stoppen oder niemand effektiv gestoppt hat,

Wolfgang Kaleck: der es hätte tun können, namentlich natürlich die USA und auch Deutschland,

Wolfgang Kaleck: in Anbetracht des US-Israelischen Angriffskriegs auf den Iran und natürlich

Wolfgang Kaleck: auch der Militärintervention der USA in Venezuela.

Wolfgang Kaleck: Und dann wird meist noch dazu gesagt, wir befinden uns jetzt in einer Zeit,

Wolfgang Kaleck: in der das Recht des Stärkeren gelte und nicht mehr das internationale Recht.

Wolfgang Kaleck: Und andere wiederum argumentieren, das Völkerrecht war eigentlich schon immer

Wolfgang Kaleck: ein zahnloses Argument, das die Stärkeren nach Belieben anwenden oder eben ignoriert haben.

Wolfgang Kaleck: Bevor wir jetzt über all diese Fragen sprechen, würde ich aber gerne erst nochmal

Wolfgang Kaleck: einen Schritt zurückgehen.

Wolfgang Kaleck: Wie und warum ist das Völkerrecht, wie wir es heute kennen, überhaupt entstanden?

Pauline Jäckels: Also ich würde zwei Stränge ins Spiel bringen.

Pauline Jäckels: Das eine ist, dass Staaten immer wieder Krieg gegeneinander geführt haben und

Pauline Jäckels: dass ein Teil des Völkerrechts die Bemühung ist, diese Kriege weniger brutal auszufechten.

Pauline Jäckels: Also dafür spricht dann zum Beispiel sowas wie der Westfälische Frieden im 17. Jahrhundert.

Pauline Jäckels: Und dann später im 19. Jahrhundert das, was man Kriegsvölkerrecht nennt,

Pauline Jäckels: das Rote Kreuz, Gefangenenaustausch, Behandlung von Gefangenen und so weiter.

Pauline Jäckels: Also die Bemühungen, die Kriege nicht allzu sehr ausufern zu lassen, das ist der eine Strang.

Pauline Jäckels: Und der andere Strang ist natürlich Wirtschaft und Handel.

Pauline Jäckels: Also Globalisierung hat ja nicht erst vorgestern angefangen,

Pauline Jäckels: sondern vor Jahrhunderten.

Pauline Jäckels: Und das Völkerrecht diente unter anderem auch dazu, ich sag's mal Claims abzustecken

Pauline Jäckels: und Handelswege zu bestimmen und Zugriff auf bestimmte Ländereien.

Pauline Jäckels: Und da kommen wir dann halt relativ schnell in die Geschichte von Kolonialismus

Pauline Jäckels: und Imperialismus, dass die Mächtigen, damals fast nur europäischen Staaten.

Pauline Jäckels: Bestimmt haben, dass es bestimmte Regeln geben soll und die aber nur unter den,

Pauline Jäckels: wie sie das selber bezeichneten, zivilisierten Nationen gelten sollten.

Pauline Jäckels: Zivilisiert waren sie selber. Ich hatte ein paar Staaten, wo man sich unsicher

Pauline Jäckels: war, aber klar war jedenfalls, dass die afrikanischen Staaten in den Augen der

Pauline Jäckels: europäischen Kolonialstaaten nicht zivilisiert waren.

Pauline Jäckels: Und dann sind sie halt auf ihre zivilisierte Weise über den Kontinent hergefallen,

Pauline Jäckels: haben gemordet, haben vergewaltigt und haben geraubt.

Pauline Jäckels: Auch das ist Teil der Geschichte des Völkerrechts, weil Völkerrechtler das damals gerechtfertigt haben.

Pauline Jäckels: Auf der anderen Seite gehören heute zumindest die Menschenrechte zum Völkerrecht,

Pauline Jäckels: sind integraler Bestandteil des Völkerrechts.

Pauline Jäckels: Und die Geschichte der Menschenrechte ist dann irgendwann mal auch mit der Geschichte

Pauline Jäckels: des Völkerrechts zusammengekommen.

Pauline Jäckels: Also einerseits spricht man natürlich über die großen Menschenrechtserklärungen des 18.

Pauline Jäckels: Jahrhunderts, wobei auch da man klar, es ist sozusagen von einer Ambivalenz

Pauline Jäckels: geprägt, die bis heute gültig ist. Und von daher...

Pauline Jäckels: Man mag die Geschichte und die Krise, die aktuelle Krise des Völkerrechts beschreiben, wie man will.

Pauline Jäckels: Man wird aber nur weiterkommen, wenn man sich auf die Widersprüchlichkeiten

Pauline Jäckels: und Ambivalenzen einlässt. Also es ist nicht Entweder-Oder.

Pauline Jäckels: Es war nie nur das Recht des Stärkeren und es war nie nur ein Mittel der Zivilisierung.

Pauline Jäckels: Es ist immer dazwischen oszilliert und die Geschichte der Menschenrechte macht

Pauline Jäckels: das sehr deutlich. Der Philosoph Hans-Joas hat das mit einem wunderbar prägenden Satz beschrieben.

Pauline Jäckels: Universalistisches Pathos und unverholene Fortsetzung rassistischer Praxis nannte

Pauline Jäckels: er die beiden großen Menschenrechtserklärungen, also der amerikanischen Revolution

Pauline Jäckels: von 1776 und französische Revolution von 1789.

Pauline Jäckels: Und das bringt es natürlich auf den Punkt, weil es waren beides damals Sklavenhaltergesellschaft

Pauline Jäckels: und es waren eben nicht alle Menschen gleich, sondern es gab Sklaven,

Pauline Jäckels: die Franzosen hatten Kolonien.

Pauline Jäckels: Fakt ist aber auch, und das ist das Interessante daran,

Pauline Jäckels: dieses universalistische Pathos, die Festschreibung bestimmter Regeln,

Pauline Jäckels: also alle Menschen sind gleich, alle Menschen haben bestimmte Rechte,

Pauline Jäckels: haben dann die, die ursprünglich ausgeschlossen waren, aus diesem Kanon der

Pauline Jäckels: Rechtsinhaber, die haben das wörtlich genommen.

Pauline Jäckels: Und es waren dann halt bestimmte religiöse Gruppen, also die Juden in Frankreich.

Pauline Jäckels: Es waren aber auch die Frauen. Die Frauen waren ja auch nicht mit gemeint.

Pauline Jäckels: Sondern im Grunde genommen waren ursprünglich in der französischen Revolution

Pauline Jäckels: nur die männlichen, weißen Besitzbürger gemeint.

Pauline Jäckels: Aber die anderen, die ursprünglich nicht gemeint waren, die die Schöpfer dieser

Pauline Jäckels: Erklärung nicht im Sinne hatten, haben sich dann darauf berufen und nach und nach versucht,

Pauline Jäckels: auch mit Referenz auf diese Rechte in politisch-juridischen Kämpfen ihre Freiheiten zu erkämpfen.

Pauline Jäckels: Und das ist mal besser, mal schlechter gelungen.

Pauline Jäckels: Es war Haiti, die französische Kolonie, die sich im frühen 19.

Pauline Jäckels: Jahrhundert vom Joch des Kolonialismus befreit hat mit allen Problemen und Rückschlägen.

Pauline Jäckels: Die Frauenbewegung ist damals losgegangen.

Pauline Jäckels: Die wichtigste Anführerin in der französischen Revolution, Olympe de Gouges, wurde hingerichtet.

Pauline Jäckels: Die Arbeiterbewegung hat sich auch immer wieder auf die Rechte berufen.

Pauline Jäckels: Ich halte es bei der aktuellen Diskussion für sinnvoll, sich auf die Zeit nach 1945 zu beschränken.

Pauline Jäckels: Und da muss man sagen, das Gewaltverbot in der UN-Charta ist eine ganz wichtige Wegmarke.

Pauline Jäckels: Das ist sicherlich unter dem Eindruck des brutalen Zweiten Weltkrieges entstanden.

Pauline Jäckels: Aber gleichzeitig, und das ist das, was ich meine, die Ambivalenzen waren immer da.

Pauline Jäckels: Ja, gleichzeitig hat man einen UN-Sicherheitsrat geschaffen,

Pauline Jäckels: in dem fünf der mächtigsten Nationen sich ein Vetorecht vorbehalten haben,

Pauline Jäckels: was uns bis heute begleitet und was bis heute vor allem bei Konfliktlösungen

Pauline Jäckels: immer wieder im Wege steht.

Pauline Jäckels: Das ist aber auch damals schon erkannt worden. Das ist keine neue Krise.

Pauline Jäckels: Schon damals wurde gesagt, was machen wir denn, wenn einer der Veto-Mächte Krieg führt?

Pauline Jäckels: Wie soll denn der Sicherheitsrat sich dagegen aussprechen?

Pauline Jäckels: Was machen wir, wenn einer der Verbündeten der Veto-Mächte Kriege führt?

Pauline Jäckels: Und dieses Problem hat uns Dekade für Dekade begleitet. Wir können in den 40er

Pauline Jäckels: und 50er Jahren anfangen.

Pauline Jäckels: Da waren insbesondere die Briten und die Franzosen, aber auch noch die Nicht-Veto-Mächte.

Pauline Jäckels: Niederlande, Belgien und Portugal.

Pauline Jäckels: Hatten großen Kolonialbesitz und sie haben den kolonialen Befreiungsbewegungen

Pauline Jäckels: nicht das Versprechen eingehalten,

Pauline Jäckels: das ja mit dem Sieg über den Nationalsozialismus gegeben wurde,

Pauline Jäckels: also Souveränität der Nationen und Freiheit für alle,

Pauline Jäckels: sondern man hat die kolonialen Befreiungsbewegungen mit Mitteln des Krieges

Pauline Jäckels: niedergehalten, die man heute als Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnen wurden.

Pauline Jäckels: Und so ging das dann weiter. Wir können jetzt die Jahrzehnte durchgehen und

Pauline Jäckels: es war natürlich auch die Sowjetunion.

Pauline Jäckels: Und ein deutlicher Ausdruck dafür ist halt.

Pauline Jäckels: 1948 die von uns zu Recht hochgelobte allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Pauline Jäckels: Das ist eines der wichtigsten Dokumente der Menschheitsgeschichte.

Pauline Jäckels: Aber es war eben nur eine Erklärung.

Pauline Jäckels: Bindende Vereinbarungen konnten erst 18 Jahre nach 1948, nämlich 1966 getroffen

Pauline Jäckels: werden, weil man sich gegenseitig blockiert hat.

Pauline Jäckels: Die Kolonialnationen wollten nicht, dass zu viel Bindung entsteht,

Pauline Jäckels: weil sie Angst davor hatten, dass sie dann zur Verantwortung gezogen werden.

Pauline Jäckels: Auch die Sowjetunion hatte ein Problem mit zu binden, Erklärung.

Pauline Jäckels: Also ist man dann erst 1966 dazugekommen. Und man hat vor allem so eine Zweiteilung

Pauline Jäckels: vorgenommen in politische und bürgerliche Rechte und ökonomische,

Pauline Jäckels: soziale und kulturelle Rechte.

Pauline Jäckels: Und das ist auch ein Problem, das uns bis heute begleitet.

Pauline Jäckels: Weil Menschenrechte sind unteilbar.

Pauline Jäckels: Alle die genannten Menschenrechte gehören zum Kanon der Menschenrechte.

Pauline Jäckels: Alle sind in unterschiedlichen Pakten verankert. Fakt ist aber,

Pauline Jäckels: dass der Westen, die westlichen Nationen immer Schwierigkeiten hatte,

Pauline Jäckels: soziale und wirtschaftliche Menschenrechte gleichermaßen anzukennen.

Pauline Jäckels: Man darf die nicht gegeneinander ausspielen. Die politischen und bürgerlichen

Pauline Jäckels: Rechte sind die Basis dafür, dass Menschen sich auch ökonomische und soziale

Pauline Jäckels: Rechte erkämpfen können.

Pauline Jäckels: Ich nenne nur Gewerkschaftsfreiheit, also die Vereinigungsfreiheit,

Pauline Jäckels: die Demonstrationsfreiheit, die Meinungsfreiheit.

Pauline Jäckels: Die sind unabdingbar für den Kampf auch um wirtschaftliche und soziale Rechte.

Pauline Jäckels: Es ist immer gegeneinander ausgespielt worden. Das ist ein Problem.

Wolfgang Kaleck: Warum haben sich überhaupt Staaten dazu entschlossen, sich an diese Rechte zu

Wolfgang Kaleck: binden und damit ja auch ihre eigene Handlungsfähigkeit quasi einzuschränken,

Wolfgang Kaleck: zumindest auf dem Papier?

Pauline Jäckels: Das ist eine total spannende Frage. Ich glaube, man kommt nicht weiter,

Pauline Jäckels: wenn man nur in Blöcken denkt, Staaten.

Pauline Jäckels: Es waren ja nicht nur Staaten, die Recht geschaffen haben, sondern es waren einzelne Personen.

Pauline Jäckels: Also die Geschichte der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist.

Pauline Jäckels: Es ist ja schon oft beschrieben worden, Eleanor Roosevelt, die damalige Gattin

Pauline Jäckels: des US-Präsidenten, hat eine maßgebliche Rolle gespielt, aber auch zahlreiche

Pauline Jäckels: andere Einzelpersonen aus vielen Teilen der Welt waren dann beteiligt.

Pauline Jäckels: Und die haben ein Dokument geschaffen, was weit über die damalige Realität hinausging.

Pauline Jäckels: Aber auch die Nürnberger Prozesse sind ein Ausdruck davon.

Pauline Jäckels: Also der Robert Jackson, der Chefankläger, hatte eine Vision von Weltjustiz,

Pauline Jäckels: die weit über das hinausgeht, was heute Stand der Dinge ist.

Pauline Jäckels: Und dadurch hat man Bindungen geschaffen, Bindungen erkämpft,

Pauline Jäckels: auch weil seit dem Zweiten Weltkrieg klar ist,

Pauline Jäckels: dass nicht nur Staaten Rechtschaffen oder an der Schaffung und Umsetzung von

Pauline Jäckels: Recht beteiligt sind, sondern auch Einzelpersonen und alle Arten von Entitäten.

Pauline Jäckels: Also Nichtregierungsorganisationen, Lobbyorganisationen.

Pauline Jäckels: Die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA, hat sich immer wieder auch vor

Pauline Jäckels: der UN geäußert, koloniale Befreiungsbewegung, haben die UN als Forum gesehen,

Pauline Jäckels: aber auch die Frauenbewegung und so weiter.

Pauline Jäckels: Also die haben irgendwann mal angefangen, die normalerweise den Staaten vorbehaltene

Pauline Jäckels: Bühne des Völkerrechts auch zu betreten und haben dann sukzessive eine immer

Pauline Jäckels: größere Rolle gespielt bis eben heute.

Pauline Jäckels: Also diese ganze internationale Strafjustiz, wie wir sie heute haben,

Pauline Jäckels: wäre wahrscheinlich ohne die Beteiligung von NGOs und von couragierten Einzelpersonen

Pauline Jäckels: innerhalb und außerhalb von Institutionen nicht möglich gewesen.

Wolfgang Kaleck: Trotzdem bleibt aber die Frage, am Ende ist das ja auf staatlicher Ebene passiert,

Wolfgang Kaleck: die Staaten haben bestimmte Perspektiven,

Wolfgang Kaleck: Erklärungen ratifiziert, haben sich dazu verpflichtet, zumindest auf dem Papier,

Wolfgang Kaleck: sich an diese Rechtsnormen zu halten.

Wolfgang Kaleck: Warum haben Sie das gemacht? Ihre eigene Handlungsfähigkeit eingeschränkt?

Pauline Jäckels: So würde ich das nicht sagen. Nochmal, wir reden ja nicht von monolithischen

Pauline Jäckels: Blöcken, sondern es finden Meinungskämpfe und Rechtskämpfe innerhalb von Staaten,

Pauline Jäckels: innerhalb von Gesellschaften statt.

Pauline Jäckels: Und da haben sich eben zum Teil diejenigen durchgesetzt, die für Menschenrechte,

Pauline Jäckels: für eine Ächtung von Kriegen, für eine Ächtung von bestimmten Mitteln im Krieg eingesetzt haben.

Pauline Jäckels: Das ist immer abhängig gewesen von geopolitischen Konstellationen,

Pauline Jäckels: von innerstaatlichen Konstellationen.

Pauline Jäckels: Aber da hat eine Menge stattgefunden, was den Befund eben fragwürdig macht,

Pauline Jäckels: dass heute das Völkerrecht in einer außergewöhnlichen Krise ist,

Pauline Jäckels: weil bestimmte mächtige Staaten das Recht brechen.

Pauline Jäckels: Mächtige Staaten haben sich dieses Recht, das Recht auch zum Völkerrecht zu

Pauline Jäckels: brechen, immer vorbehalten.

Pauline Jäckels: Die Sowjetunion, später Russland und die Vereinigten Staaten von Amerika mal

Pauline Jäckels: ganz zuvorderst zu nennen, Die haben in den 80 Jahren, und auf diesen Zeitraum beziehe ich mich,

Pauline Jäckels: seit dem Zweiten Weltkrieg immer wieder Kriege geführt und auch innerstaatlich

Pauline Jäckels: verbriefte Menschenrechte gebrochen.

Pauline Jäckels: Und es lag immer wieder an Staaten, Koalitionen, an Nichtregierungsorganisationen,

Pauline Jäckels: an oppositionellen, zivilgesellschaftlichen Akteuren, die auch ein Stück weit einzudämmen.

Pauline Jäckels: Und wenn ich sage Staaten, dann haben auch in der Welt, wie wir sie,

Pauline Jäckels: sagen wir mal, vor diesen Kriegen.

Pauline Jäckels: Zu denen ich natürlich auch den Ukraine-Krieg seit 2022 zählen würde.

Pauline Jäckels: Haben kleine Staaten auch eine große Rolle gespielt. Es waren Staaten wie Liechtenstein

Pauline Jäckels: oder die Schweiz oder die skandinavischen Staaten,

Pauline Jäckels: auch zum Teil die Niederlande, die wichtige Rollen gespielt haben,

Pauline Jäckels: um bestimmte völkerrechtliche Projekte voranzutreiben.

Pauline Jäckels: Und das droht jetzt gerade alles in diesem großen Getöse unterzugehen.

Pauline Jäckels: Das eine sind die Rechtsbrüche der mächtigen Staaten.

Pauline Jäckels: Und die sind rechtswidrig, wobei ich zum Beispiel bei dem Vorgehen Israels in Gaza nicht sagen würde,

Pauline Jäckels: dass da nicht versucht würde, das einzudämmen.

Pauline Jäckels: Also im Gegenteil, die wichtigsten Gerichte der Welt, nämlich der Internationale

Pauline Jäckels: Gerichtshof in Den Haag und der Internationale Strafgerichtshof,

Pauline Jäckels: haben sich da positioniert und haben sowohl den Angriff der Hamas am 7.

Pauline Jäckels: Oktober 2023 für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt und haben Haftbefehle

Pauline Jäckels: gegen die später getöteten Hamas-Führer erlassen.

Pauline Jäckels: Und dann eben auch die Reaktion Israels, die jegliche rechtliche Rahmen überschritten

Pauline Jäckels: hat, als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeordnet.

Pauline Jäckels: Andere Juristinnen, auch wir sprechen von Völkermord,

Pauline Jäckels: aber unabhängig davon feststeht, dass der internationale Strafgerichtshof schon

Pauline Jäckels: wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit Haftbefehle erlassen

Pauline Jäckels: hat, erstmals gegen einen westlichen Führer.

Pauline Jäckels: Aber Südafrika hat den wichtigen Fall gegen Israel vor dem internationalen Gerichtshof

Pauline Jäckels: in Den Haag angeführt und hat damit einen großen Teil der Welt hinter sich versammelt,

Pauline Jäckels: nämlich einen großen Teil des globalen Südens.

Pauline Jäckels: Da kann man auch nicht davon sprechen, dass nichts versucht wurde.

Wolfgang Kaleck: Was ich meinte, ist, dass natürlich diejenigen, die wirklich hätten Israel in

Wolfgang Kaleck: die Schranken weisen können und auch dazu verpflichtet sind,

Wolfgang Kaleck: eben ein Gehensziel zu verhindern, die haben es nicht getan.

Wolfgang Kaleck: Namentlich die USA natürlich als wichtigster Waffenlieferant und wichtigste

Wolfgang Kaleck: Schutzmacht Israels und auch natürlich Deutschland als zweitwichtigster Waffenlieferant

Wolfgang Kaleck: und zweitwichtigster Alliierter Israels.

Wolfgang Kaleck: Die haben nichts getan. Und da kommen wir genau zu den Grenzen des Völkerrechts.

Wolfgang Kaleck: Der IGH und der Internationalen Strafgerichtshof haben Entscheidungen getroffen,

Wolfgang Kaleck: aber sie wurden eben nicht von den Staaten umgesetzt, die sie hätten umsetzen können.

Pauline Jäckels: Ich denke, es ist falsch, diese Kämpfe für vorzeitig gescheitert und vorzeitig beendet zu erklären.

Pauline Jäckels: Benjamin Netanyahu lebt noch.

Pauline Jäckels: Der wird Zeit seines Lebens sich überlegen müssen, wohin er reisen kann,

Pauline Jäckels: ob er sich überhaupt außerhalb von Israels aufhalten kann, weil dieser Haftbefehl

Pauline Jäckels: des Internationalen Strafgerichtshofs in der Welt ist.

Pauline Jäckels: Im Übrigen gibt es ja nicht nur den Internationalen Strafgerichtshof,

Pauline Jäckels: sondern es gibt auch das, was man universelle Jurisdiktion, Weltrechtsprinzip nennt,

Pauline Jäckels: wo in den letzten 25 Jahren seit der Verhaftung von Augusto Pineschett in London Ende der 90er Jahre.

Pauline Jäckels: Zahlreiche Potentaten, Folterer aus der ganzen Welt vor Gericht gestellt und

Pauline Jäckels: zum Teil eben auch verurteilt wurden.

Pauline Jäckels: Das ist ein zivilisatorischer Fortschritt. Das ist nicht das, was wir wollen.

Pauline Jäckels: Wir sind lange nicht am Ziel angekommen, aber das ist kein Rückfall in die Zeiten wie vorher.

Pauline Jäckels: Und das ist, glaube ich, ein Problem, was ich insbesondere auch mit der Linken habe.

Pauline Jäckels: Diese zynische Haltung nützt doch eh nichts, hat doch nichts genutzt.

Pauline Jäckels: Selbst Deutschland hat reagiert.

Pauline Jäckels: Wir wissen doch, dass die Bundesrepublik Deutschland irgendwann mal beschlossen

Pauline Jäckels: hat, ohne das öffentlich zu machen, keine Kriegswaffen mehr an Israel zu liefern.

Pauline Jäckels: Und wie kommt das, dass ausgerechnet jetzt bei dem neuerlichen Angriff Israels

Pauline Jäckels: auf den Iran verlautbart wurde, dass Deutschland Israel in dem Völkermordfall

Pauline Jäckels: gegen Südafrika sich zurückzieht?

Pauline Jäckels: Mit einer Begründung, die man deuten kann, wie man will. Aber das ist das, was ich meine.

Pauline Jäckels: Da passieren Dinge und man muss in Nuancen, man muss in Differenzierung denken,

Pauline Jäckels: man muss kleine Schritte anerkennen.

Pauline Jäckels: Wobei, wenn ich das jetzt ausspreche, sage ich nicht, man muss,

Pauline Jäckels: sondern ich schlage vor, dass man diese kleinen Fortschritte sieht.

Pauline Jäckels: Ansonsten fällt man in so eine fatalistische Haltung. Die Dinge passieren und

Pauline Jäckels: die Mächtigen machen sowieso, was sie wollen.

Pauline Jäckels: Die machen manchmal mehr, als uns lieb ist und mehr, als das Recht erlaubt.

Pauline Jäckels: Und es liegt auch an uns, sie in die Schranken zu weisen.

Pauline Jäckels: Aber eins ist klar, wenn wir vorzeitig das Handtuch schmeißen,

Pauline Jäckels: dann passiert gar nichts.

Wolfgang Kaleck: Naja gut, aber gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Wenn das Ziel des Völkerrechts

Wolfgang Kaleck: ist, Völkerrechtsverbrechen zu verhindern, dann muss man schon sagen,

Wolfgang Kaleck: in Gaza hat das nichts gebracht.

Wolfgang Kaleck: Also ich finde, ohne in Fatalismus reinzugehen oder zu zynisch zu denken,

Wolfgang Kaleck: aber ganz realistisch betrachtet, hat es nichts gebracht.

Wolfgang Kaleck: Es gab ganz kleine Schritte hier und da, manche könnte man als symbolisch einordnen,

Wolfgang Kaleck: andere waren wahrscheinlich relevant, wo sich in dem Fall, du hast es angesprochen,

Wolfgang Kaleck: die Grünen hinter verschlossener Tür durchgesetzt haben, Annalena Baerbock und

Wolfgang Kaleck: Und Robert Habeck, die diese Waffenlieferungen für eine kurze Zeit verhindert

Wolfgang Kaleck: haben. Aber es hat schlussendlich nichts gebracht.

Wolfgang Kaleck: Also da sind trotzdem wahrscheinlich über 100.000 Menschen getötet worden.

Wolfgang Kaleck: Die Annexionspläne werden weiter verfolgt. Millionen von Menschen wurden vertrieben.

Wolfgang Kaleck: Leben wurden zerstört und zwar permanent.

Wolfgang Kaleck: Das müssen wir ja trotzdem anerkennen, wenn wir darüber sprechen.

Pauline Jäckels: Also dem Befund will ich nur bedingt widersprechen. Es ist natürlich eine Lesart der Dinge.

Pauline Jäckels: Ich kenne keinen ernsthaften Völkerrechtler, Völkerrechtlerinnen,

Pauline Jäckels: die sich hinstellen und sagen, das Völkerrecht ist sozusagen das große Allheilmittel

Pauline Jäckels: in der Welt und in den internationalen Beziehungen.

Pauline Jäckels: Nein, wir sind uns alle darüber im Klaren, dass das Völkerrecht ein Mittel ist

Pauline Jäckels: und natürlich ist es Politik und Machtpolitik,

Pauline Jäckels: vor allem militärische Machtpolitik, die sich am Ende durchsetzen,

Pauline Jäckels: aber das heißt doch nicht, dass es nichts gebracht hat, das heißt doch nicht, dass nichts passiert.

Pauline Jäckels: Diese Geschichte, die wir gerade erleben, ist doch mitnichten zu Ende erzählt.

Pauline Jäckels: Wir wissen überhaupt nicht, wie sich auch dieser aktuelle Krieg entwickelt.

Pauline Jäckels: Und wir wissen nicht, wer sich von denen, die sich gerade daran beteiligen,

Pauline Jäckels: auf welche Weise wo gegebenenfalls verantworten müssen.

Pauline Jäckels: Was der große Unterschied zu vor 30 Jahren ist, es gibt aber hunderte von Gruppen.

Pauline Jäckels: Von juristischen Netzwerken, die sich diese Kriege, die gerade ablaufen,

Pauline Jäckels: anschauen und die sich überlegen, wie diejenigen, die Recht gebrochen haben,

Pauline Jäckels: zur Verantwortung gezogen werden. Und das ist etwas Neues.

Pauline Jäckels: Wir behaupten, und ich zähle mich ja auch dazu und unsere Organisation,

Pauline Jäckels: das European Center for Constitutional and Human Rights, wir behaupten nicht,

Pauline Jäckels: dass wir die Konflikte in der Welt lösen können, aber wir sagen,

Pauline Jäckels: es ist eine Ebene, auf der bisher fast ausschließlich.

Pauline Jäckels: Der Macht gewogene Juristen, auch männlicher Führer, agiert haben.

Pauline Jäckels: Und jetzt ist das anders.

Pauline Jäckels: Wir haben auch auf dem Feld des Rechts und des Völkerrechts eine wichtige Organisation

Pauline Jäckels: und Netzwerk, und zwar auf der ganzen Welt,

Pauline Jäckels: die der Macht aktiv widersprechen, und zwar mit den Mitteln des Rechts.

Pauline Jäckels: Und das sind die, ich kann sie alle aufzählen, Das sind die indischen Organisationen,

Pauline Jäckels: die die Bauern vertreten,

Pauline Jäckels: die giftige Pestizide aus dem

Pauline Jäckels: Westen verwenden und dabei ein großer gesundheitlicher Schaden entsteht.

Pauline Jäckels: Das sind die Organisationen in Südafrika, die mülsamer und marginalisierte Arbeiterinnen

Pauline Jäckels: vertreten und, und, und in ganz Lateinamerika Umweltorganisationen.

Pauline Jäckels: Nein, wir sind natürlich nicht am Ziel angekommen, aber auch das muss man da aussprechen.

Pauline Jäckels: Es wird in unserem Leben keine absolute Gerechtigkeit geben.

Pauline Jäckels: Dieser wunderbare Satz, der Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte,

Pauline Jäckels: alle Menschen sind frei und gleich an Rechten geboren, wird wahrscheinlich niemals Realität werden.

Pauline Jäckels: Sich das einzugestehen heißt aber nicht, gleich alles aufzugeben,

Pauline Jäckels: sondern wir versuchen uns dem anzunähern.

Pauline Jäckels: Und wir müssen, und das finde ich den fatalsten Fehler auch von Linken,

Pauline Jäckels: man mobilisiert Menschen.

Pauline Jäckels: Man erfährt Rückschläge, man gewinnt nicht im ersten Anlauf und dann ist alles scheiße.

Pauline Jäckels: So funktioniert die Welt nicht, sondern wir müssen ein Stück weit auch mit Demut

Pauline Jäckels: an diese Konflikte, an diese Probleme rangehen, nicht weil es noch komplexer

Pauline Jäckels: und noch widersprüchlicher geworden ist als früher,

Pauline Jäckels: sondern weil Generationen vor uns sich schon an denselben Problemen irgendwie abgearbeitet haben.

Pauline Jäckels: Das ist dann eine Frage der individuellen, aber auch der politischen Positionierung.

Pauline Jäckels: Die antifaschistischen Widerstandskämpferinnen, die kolonialen Unabhängigkeitsbewegungen,

Pauline Jäckels: haben die das Handtuch geworfen nach all den Massakern, nach der Einrichtung

Pauline Jäckels: von Konzentrations- und Vernichtungslager?

Pauline Jäckels: Hat die Frauenbewegung, die auch viele Rückschläge erlitten hat,

Pauline Jäckels: haben die das Handtuch geworfen?

Pauline Jäckels: Wenn wieder mal eine neue Welle von Repression über sie ergangen ist,

Pauline Jäckels: Werfen all diese Menschen im globalen Süden, die sehr viel schlimmeres Unrecht

Pauline Jäckels: erfahren, als wir hier in Deutschland mitkriegen, werfen die das Handtuch?

Pauline Jäckels: Nein, sie kämpfen weiter.

Pauline Jäckels: Setzen sie nur auf das Recht? Nein, auch das nicht.

Pauline Jäckels: Das ist halt auch ein wichtiger Punkt. Das, was bei uns hier als Widerspruch

Pauline Jäckels: gesehen wird, ich fahre übermorgen nach Argentinien, wenn ich denen sagen würde,

Pauline Jäckels: naja, ihr habt mit dem Recht ja nicht so viel erreicht, dann sagen die ja,

Pauline Jäckels: aber wir kämpfen sowohl innerhalb der Gerichtsgebäude in den Gerichtssälen, aber auch außerhalb.

Pauline Jäckels: Für uns ist es klar, Gerechtigkeit lässt sich über viele unterschiedliche Wege herstellen.

Pauline Jäckels: Auch das ist vielleicht etwas, was man begreifen muss, dass Gerechtigkeit nicht

Pauline Jäckels: nur von Juristen definiert wird.

Wolfgang Kaleck: Ich meine, du sagst jetzt natürlich, wir dürfen jetzt nicht so schnell das Handtuch

Wolfgang Kaleck: werfen. Ich habe auch gar nicht das Gefühl, dass Linke jetzt unbedingt das Handtuch werfen.

Wolfgang Kaleck: Klar, viele Leute sind extrem ernüchtert, fallen in Zynismus ab. Auch mir geht es oft so.

Wolfgang Kaleck: Das ist natürlich ein Coping-Mechanismus, weil es sich gerade so anfühlt,

Wolfgang Kaleck: als würden wir von einer riesen Welle an Unrecht,

Wolfgang Kaleck: die extrem verdichtet ist, auf einmal konfrontiert und können dagegen gar nicht ankämpfen.

Wolfgang Kaleck: Und natürlich ernüchtert das und natürlich macht das auch ein Stück weit zynisch.

Wolfgang Kaleck: Ich glaube, die Frage, die man sich eher stellen muss, mit welcher Strategie geht man jetzt vor?

Wolfgang Kaleck: Also was muss passieren, damit effektiver Widerstand gegen den Versuch der Mächtigen

Wolfgang Kaleck: auch Völkerrechtsbrüche zu begehen, weil es ihnen gerade passt und so weiter,

Wolfgang Kaleck: wie gehen wir dagegen strategisch vor?

Wolfgang Kaleck: Und statt einfach immer nur

Wolfgang Kaleck: diese ewigen Abwehrkämpfe zu führen?

Pauline Jäckels: Naja, so Abwehrkämpfe müssen natürlich geführt werden.

Pauline Jäckels: Und auch das muss auch nochmal ganz deutlich gesagt werden.

Pauline Jäckels: Natürlich müssen wir das Prinzip der Meinungsfreiheit, der Demonstrationsfreiheit,

Pauline Jäckels: der Versammlungsfreiheit, der Vereinigungsfreiheit, das müssen wir unbedingt verteidigen.

Pauline Jäckels: Aber auch da gibt es, ich sage mal, einigen Nachholbedarf bei den Linken.

Pauline Jäckels: Man darf halt nicht immer nur Rechtsverstöße dann reklamieren,

Pauline Jäckels: wenn sie sich gegen die eigene Gruppe und gegen die Verbündeten richten.

Pauline Jäckels: Also man darf sich nicht wundern, wenn die Klimabewegung und die Palästina-Solidaritätsbewegung

Pauline Jäckels: von pauschalen Versammlungsverboten überzogen wird,

Pauline Jäckels: wenn man vorher irgendwie anderthalb Jahre lang gejubelt hat,

Pauline Jäckels: dass die Corona-Leugner in deren Versammlungen verboten wurden.

Pauline Jäckels: Nein, die dürfen genauso auf die Straße gehen wie die anderen auch.

Pauline Jäckels: Und das mag einem nicht gefallen, aber das ist das Prinzip.

Pauline Jäckels: Und ich glaube, dass die Linke schon auch ein Stück dazu beigetragen hat.

Pauline Jäckels: Dass rechtsstaatliche Standards, aber auch so ein rechtsstaatliches Denken erodiert.

Pauline Jäckels: Und das halte ich für fatal, weil wir brauchen diesen Schutz.

Pauline Jäckels: Wir brauchen diesen Schutz.

Pauline Jäckels: Das, was Nuals gerade als Verteidigungslinie bezeichnet, den brauchen wir.

Pauline Jäckels: Und zwar brauchen wir den hier, vielleicht nicht ganz so im großen Umfang, aber schon auch.

Pauline Jäckels: Wir wissen auch nicht, was hier für Zeiten heraufziehen. dann werden wir sicherlich

Pauline Jäckels: viel mit dem Recht arbeiten müssen.

Pauline Jäckels: Und wir werden darauf hoffen müssen und darauf bauen und daran arbeiten müssen,

Pauline Jäckels: dass Gerichte, dass das Justizsystem den Angriffen von autoritären Kräften standhält.

Pauline Jäckels: Wir müssen aber gleichzeitig natürlich auch bestimmte Visionen aufrechterhalten.

Pauline Jäckels: Und das bedeutet in der aktuellen Situation, dass es nicht damit getan ist.

Pauline Jäckels: Den Angriff zuzunehmen.

Pauline Jäckels: Russlands auf die Ukraine und die Angriffe Israels und der USA auf den Iran

Pauline Jäckels: 25 und 26 als völkerrechtswidrig zu bezeichnen.

Pauline Jäckels: Ja, das ist auch eine Aufgabe, die wir erledigen müssen.

Pauline Jäckels: Wir müssen aber auch klar machen, dass es keinen Weg mehr in den Zustand der

Pauline Jäckels: 2000er Jahre zurückgeht.

Pauline Jäckels: Also Europa und Deutschland werden sich in dieser gerade sich herauskristallisierenden

Pauline Jäckels: geopolitischen Konstellation neu positionieren müssen.

Pauline Jäckels: Und dann lese ich halt in den Zeitungen, dass die einzige Lösung,

Pauline Jäckels: die vorgeschlagen wird, der verbündete USA bricht weg.

Pauline Jäckels: Also muss man selber ein starkes Militär haben.

Pauline Jäckels: Das bedeutet, dass Milliarden in Militärausgaben gesteckt wird. sage ich, naja, also.

Pauline Jäckels: Wahrscheinlich braucht man einiges, um die Verteidigung zu gewährleisten,

Pauline Jäckels: gegenüber einem ganz klar feindlichen Russland, das auch zu jeder Schandtat bereit ist.

Pauline Jäckels: Aber wo ist die Grenze zwischen Verteidigungsfähigkeit und eben das,

Pauline Jäckels: was man hier auch hört, also einer Militarisierung der Gesellschaft und auch

Pauline Jäckels: einem Verpulvern von Ressourcen?

Pauline Jäckels: Da muss man sehr genau hinschauen, da muss man sehr differenziert argumentieren.

Pauline Jäckels: Und das andere ist natürlich, dass man ihnen die Frage stellen muss,

Pauline Jäckels: wenn der alte Westen so nicht mehr existiert, wie ihr ja alle konstatiert.

Pauline Jäckels: Warum orientiert ihr euch dann nicht anders?

Pauline Jäckels: Und das ist für mich der Punkt, den ich schmerzlich vermisse.

Pauline Jäckels: Man hat es geschafft, ich sage, das ist ein kleines Projekt,

Pauline Jäckels: es ist ein reaktives Projekt, der internationale Strafgerichtshof,

Pauline Jäckels: über 120 Staaten der Welt, da sind auch genau die großen kriegsführenden Staaten,

Pauline Jäckels: alle über die wir jetzt gerade reden,

Pauline Jäckels: da ist nicht Iran dabei, da ist nicht Russland dabei, da ist nicht China dabei,

Pauline Jäckels: da sind auch die USA und Israel nicht dabei.

Pauline Jäckels: Trotzdem ist dieses Projekt ein Stück weit ans Laufen gekommen.

Pauline Jäckels: Warum? Weil die Mehrheit der lateinamerikanischen und afrikanischen Staaten

Pauline Jäckels: dem beigetreten sind, die sich dieser Idee verschrieben haben.

Pauline Jäckels: Warum knüpft man nicht daran an? Und wenn man daran anknüpft,

Pauline Jäckels: Koalitionen mit afrikanischen Staaten,

Pauline Jäckels: mit afrikanischen Akteuren, Es gibt ja gut ausgebildete und starke zivilgesellschaftliche

Pauline Jäckels: Akteure in ganz Afrika, auch in ganz Lateinamerika.

Pauline Jäckels: Da gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für neue Bündnisse, Asien natürlich auch.

Pauline Jäckels: Und warum setzt man sich nicht mit denen jetzt zusammen und sagt, was machen wir jetzt?

Pauline Jäckels: Wie gehen wir mit dieser neuen Konstellation um?

Pauline Jäckels: Und wenn man das macht, dann muss man natürlich auch.

Pauline Jäckels: Abstand davon nehmen, von dieser Idee, dass die zunehmenden Militärausgaben

Pauline Jäckels: mit einer weiteren Ausbeutung von Mensch und Natur einhergehen.

Pauline Jäckels: Und wenn ich sage weitere Ausbeute von Mensch und Natur, dann wissen wir auch,

Pauline Jäckels: dass viele der Kosten Natur und Mensch anderswo angefallen sind.

Pauline Jäckels: Also das, was man mit Externalisierung nennt.

Pauline Jäckels: Also nicht deutsche Minenarbeiterinnen sind beim Abbau von Kobalt und Uran gestorben,

Pauline Jäckels: sondern kongolesische.

Wolfgang Kaleck: Aber da müssen wir uns ja fragen, warum ist das denn so? Warum wurde denn ausgesourcet?

Wolfgang Kaleck: Weil wir ein Wirtschaftssystem haben, das immer nach Wachstum strebt.

Wolfgang Kaleck: Das ist ein inhärentes Prinzip im Kapitalismus. Du brauchst ständigen Wachstum.

Wolfgang Kaleck: Und wie kommst du an Wachstum? Wie kannst du immer mehr Wirtschaftsleistung

Wolfgang Kaleck: haben, indem du unter anderem in dem Unternehmen Kosten einsparen,

Wolfgang Kaleck: um ihre Profitmarge höher zu haben? Wie machst du das?

Wolfgang Kaleck: Du suchst nach billiger Arbeitskraft. Wo findest du billige Arbeitskraft in

Wolfgang Kaleck: Ländern, wo keine Arbeitsrechte herrschen und so weiter? Also wir kommen ja

Wolfgang Kaleck: immer wieder zu demselben Problem zurück.

Wolfgang Kaleck: Wirtschaftliche Interessen, verwoben mit staatlichen Interessen, werden...

Wolfgang Kaleck: Und prioritisiert über menschenrechtliche Erwägungen zum Beispiel.

Pauline Jäckels: Ja, und das ist ein Teil der Misere, die wir gerade erleben.

Pauline Jäckels: Und diese Misere aufzuarbeiten, sollte unsere Aufgabe sein.

Pauline Jäckels: Und ich meine, die Klimabewegung, vor allem wenn ich die globale Klimabewegung

Pauline Jäckels: sehe, die sprechen ja von Klimagerechtigkeit, von Climate Justice.

Pauline Jäckels: Und damit ist eben mehr gemeint als nur grüne Transformation.

Pauline Jäckels: Also der Wechsel von einer Energiequelle zur nächsten unter Aufrechterhaltung

Pauline Jäckels: desselben Wirtschaftsmodell und derselben Ausbeutungsverhältnisse.

Pauline Jäckels: Daran muss man arbeiten. Die Ideen gibt es aber.

Pauline Jäckels: Nochmal, man kann natürlich immer, das ist immer diese alte Diskussion,

Pauline Jäckels: Glas halb voll, halb leer.

Pauline Jäckels: Natürlich ist es alles richtig, dass fatale Zustände angenommen hat,

Pauline Jäckels: aber an all diesen Themen arbeiten Menschen, an all diesen Themen und zwar sowohl

Pauline Jäckels: innerhalb als auch außerhalb von Institutionen.

Pauline Jäckels: Und klar kann ich die Zustände der Welt beschreiben und kann sagen,

Pauline Jäckels: es ist alles schlimm, ist es auch, aber die Frage ist doch,

Pauline Jäckels: wie ich mich selber als politisch handelndes, denkendes, handelndes Individuum

Pauline Jäckels: und als, ich sag ja, kollektiv mit anderen,

Pauline Jäckels: die genauso denken, dazu verhalte.

Pauline Jäckels: Und dann komme ich dazu, dass die Welt nie gut war und trotzdem Menschen sich

Pauline Jäckels: dafür eingesetzt haben, dass die Welt sich zum Besseren verändert.

Pauline Jäckels: Und das ist für mich eigentlich der Punkt.

Pauline Jäckels: Und da ist das Völkerrecht ein Feld.

Pauline Jäckels: Die Kultur ist ein Feld, die Politik, Soziales, Frauenrechte.

Pauline Jäckels: Also egal, wo du hinguckst, Mieterinnenrechte, Verkehrspolitik.

Pauline Jäckels: Also im Kleinen wie im Großen, mit Züricher Stadtkarte, wo öffentliche Dienstleistungen

Pauline Jäckels: in der Stadt von allen Menschen, die in der Stadt leben, in Anspruch genommen werden können.

Pauline Jäckels: Also es gibt überall Ideen, es gibt überall Ansätze.

Pauline Jäckels: Ich sage ja nicht, jeder muss sich für das Völkerrecht interessieren,

Pauline Jäckels: das ist nicht mein Punkt.

Pauline Jäckels: Aber jeder muss sich für das Recht interessieren und das Recht darf nicht sozusagen

Pauline Jäckels: nur den Gerichten und den Juristinnen

Pauline Jäckels: überlassen werden, sondern Rechte zu haben, Rechte einzufordern,

Pauline Jäckels: über Gerechtigkeit nachzudenken, Gerechtigkeit einzufordern,

Pauline Jäckels: ist unsere aller Aufgabe.

Pauline Jäckels: Und dann ist die Frage, wie lässt sich das irgendwie herstellen?

Pauline Jäckels: Und das sind Kämpfe, die auf lokaler Ebene, auf nationaler Ebene,

Pauline Jäckels: auf internationaler Ebene stattfinden, die zum Teil juristisch,

Pauline Jäckels: zum Teil politisch oder sozial ausgefochten werden.

Wolfgang Kaleck: Mir erscheint es nur so...

Wolfgang Kaleck: Und jetzt muss ich nochmal auf die Gaza-Debatte zurückkommen,

Wolfgang Kaleck: weil mich das natürlich sehr beschäftigt hat in den letzten Jahren.

Wolfgang Kaleck: Mir erscheint es so, dass es oft so abläuft.

Wolfgang Kaleck: Es begeht ein Staat Völkerrechtsverbrechen, in dem Fall jetzt Israel.

Wolfgang Kaleck: Deutschland als Alliierte hat nicht nichts, aber viel zu wenig getan, um das zu verhindern.

Wolfgang Kaleck: Und jetzt fordern, also jetzt bleibt die Debatte dort stehen,

Wolfgang Kaleck: dass halt Linke fordern, bitte liebe Bundesregierung, haltet euch an das Völkerrecht

Wolfgang Kaleck: und versucht alles in eurer Macht stehende Israels Kriegsführung einzuschränken.

Wolfgang Kaleck: Und wenn das nicht passiert, dann ist man empört.

Wolfgang Kaleck: Zu Recht. Nur was aus meiner Sicht so ein bisschen gefehlt hat in diesem Diskurs,

Wolfgang Kaleck: ist die Frage, ja warum hat Deutschland so agiert?

Wolfgang Kaleck: Weil es bestimmte Interessen hat an dieser Allianz mit Israel.

Wolfgang Kaleck: Weil da ist zu nennen natürlich die Allianz mit den USA, die man nicht sich verscherzen wollte.

Wolfgang Kaleck: Da sind ganz konkrete wirtschaftliche Interessen. Da sind natürlich auch Fragen

Wolfgang Kaleck: von Selbstidentifizierung und so weiter.

Wolfgang Kaleck: Der Staatssaison, auch das spielt dabei eine Rolle. Aber das sind ja ganz handfeste Interessen.

Wolfgang Kaleck: Ich bin dann irgendwann zum Punkt gekommen, nachdem ich mich auch immer empört

Wolfgang Kaleck: habe, dass die Bundesregierung nicht nach Völkerrecht handelt,

Wolfgang Kaleck: bin ich irgendwann zu einem Punkt gekommen zu sagen, ja gut,

Wolfgang Kaleck: wir müssen uns eigentlich darauf konzentrieren zu verstehen,

Wolfgang Kaleck: was ist diese Interessenlage, aus der die Bundesregierung hier handelt.

Wolfgang Kaleck: Und aus meiner Sicht müsste man ja dann sagen, okay, wie lässt sich diese Interessenlage so verändern,

Wolfgang Kaleck: dass Staaten nicht Interesse an Ausbeutung haben, an Kriegsunterstützung,

Wolfgang Kaleck: an Kriegsführung und so weiter.

Pauline Jäckels: Ja, das finde ich eine richtige Herangehensweise. Das bedeutet,

Pauline Jäckels: wir versuchen zu verstehen mit allen Widersprüchen und Ambivalenzen,

Pauline Jäckels: die sich da vor uns auftun.

Pauline Jäckels: Wir versuchen zu verstehen, was

Pauline Jäckels: da gerade passiert und dann versuchen wir irgendwie dagegen zu agieren.

Pauline Jäckels: Aber man kann auch nicht sagen, also mit Verlaub, und nochmal,

Pauline Jäckels: wir haben als ECCR gesagt,

Pauline Jäckels: Ich weiß nicht, wie viele Klagen gegen die Waffenexporte eingereicht.

Pauline Jäckels: Man rennt da bei uns offene Türen ein. Wir haben uns dagegen eingesetzt.

Pauline Jäckels: Wie wir uns auch gegen syrische Staatsverbrechen und gegen russische Kriegsverbrechen einsetzen.

Pauline Jäckels: Nicht, weil wir ausgewogen sind, sondern weil es überall Organisationen gibt,

Pauline Jäckels: die auch die Kooperationen da mit uns suchen.

Pauline Jäckels: Wenn wir über Strategien reden, dann sage ich, es geht auch um Wirkung.

Pauline Jäckels: Es geht auch um politische Wirkung.

Pauline Jäckels: Will ich politische Verhältnisse beeinflussen? Will ich, dass Politik sich ändert?

Pauline Jäckels: Dann muss ich aber auch anders agieren. Dann geht es mir darum,

Pauline Jäckels: dann muss für mich klar sein, ich kann nicht in eine Debatte eintreten,

Pauline Jäckels: wo ich immer Recht haben will und meine Position die einzigrichtige ist. Das ist fatal.

Pauline Jäckels: Das war für die Linke immer schon fatal. Und das ist auch heute fatal.

Pauline Jäckels: So, wenn wir über Strategie reden.

Pauline Jäckels: Und das ist natürlich schwierig. Natürlich ist es schwierig.

Pauline Jäckels: Aber wir haben doch eine Opposition.

Pauline Jäckels: Wir wissen doch, dass es im Auswärtigen

Pauline Jäckels: Amt eine Opposition gab gegen die Position der Bundesregierung.

Pauline Jäckels: Also nochmal, man kann das jetzt beurteilen, wie man will. Aber wir sehen einen

Pauline Jäckels: Bundeskanzler Merz, der sich von Donald Trump das Knie tätscheln lässt und dann

Pauline Jäckels: Spanien dafür kritisiert, dass sie nicht genügend Geld in Militär reinstecken.

Pauline Jäckels: Und auf der anderen Seite jetzt offensichtlich doch sicherlich beraten von Leuten,

Pauline Jäckels: die sich besser auskennen, sagt, wir können uns nicht an dem Einsatz beteiligen.

Wolfgang Kaleck: Mit Verweis auf die eigenen Interessen. Erst wollte man sich nicht richtig positionieren,

Wolfgang Kaleck: man konnte das nicht als völkerrechtswidrig erklären, warum man wollte Donald

Wolfgang Kaleck: Trump nicht verärgern. Warum will man Donald Trump nicht verärgern?

Wolfgang Kaleck: Weil er an einem ganz langen Hebel sitzt als US-Präsident und ständig droht mit dann 20% Zölle.

Wolfgang Kaleck: Auch Pedro Sanchez in Spanien hat ja jetzt auch nochmal quasi Sanktionen gedroht

Wolfgang Kaleck: dafür, dass er sich ihm entgegengestellt hat.

Wolfgang Kaleck: Man hat also Angst, da geht es natürlich auch sehr viel darum, man will...

Wolfgang Kaleck: Das größte Gebot ist jetzt, wir brauchen Wirtschaftswachstum,

Wolfgang Kaleck: Wirtschaftswachstum und wir wollen eine neue Stärke haben.

Wolfgang Kaleck: Das geht natürlich nicht, wenn uns jetzt Zölle drohen.

Wolfgang Kaleck: So, das ist das eine. Dann hat man jetzt nach zwei Wochen irgendwie gesagt, okay,

Wolfgang Kaleck: das finden wir nicht so gut, weil dann könnten ja Geflüchtete zu uns kommen

Wolfgang Kaleck: und das entspricht uns natürlich die wirtschaftlichen Implikationen des Krieges,

Wolfgang Kaleck: das entspricht nicht unseren Interessen.

Wolfgang Kaleck: Also wie sich die Bundesregierung zu einer Sache positioniert,

Wolfgang Kaleck: liegt am Ende an der Frage, inwiefern entspricht es unseren Interessen oder nicht.

Wolfgang Kaleck: Nicht an der Frage, ist das jetzt rechtswidrig oder nicht.

Pauline Jäckels: Nein, also es sind nicht alle vom Geist der internationalen Solidarität getrieben.

Pauline Jäckels: Das muss man mit Bedauern feststellen. Und wenn ich sage, der Geist der internationalen

Pauline Jäckels: Solidarität, dann ist das, dass ich allen Menschen gute, gerechte,

Pauline Jäckels: demokratische Verhältnisse wünsche und daran arbeite.

Pauline Jäckels: Von diesen Gedanken sind nicht alle getrieben. Das muss man irgendwie konstatieren.

Pauline Jäckels: Und dann verweist du zu Recht darauf, dass es das Interessengeleitete Politik

Pauline Jäckels: ist, dass es zum Teil pragmatische Politik ist und dann liegt es an uns.

Pauline Jäckels: Und das ist genau das, was ich versuche an uns zu erklären, dass das,

Pauline Jäckels: was diese Völkerrechtspolitik, die diese und in Teilen auch die Vorgängerregierung

Pauline Jäckels: betrieben hat, dass die fatal ist.

Pauline Jäckels: Dass sie fatal ist, nicht nur, weil sie gerechten und friedlichen Verhältnissen

Pauline Jäckels: entgegenstehen, was unsere Überzeugung ist,

Pauline Jäckels: sondern auch, weil sie den Interessen der Mittelmacht Deutschland,

Pauline Jäckels: der Wirtschaftsmacht Deutschland massiv schaden, massiv.

Pauline Jäckels: Und wenn ich sage, ihr müsst solidarischer sein, ihr müsst zurückstecken,

Pauline Jäckels: wenn ihr euch mit afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten an den Tisch

Pauline Jäckels: setzt, ihr könnt nicht mehr so agieren wie vorher, dann sage ich das als Internationalist.

Pauline Jäckels: Dann sage ich das, weil ich mich mit den Menschen dort verbunden fühle.

Pauline Jäckels: Aber das erwarte ich nicht von allen Politikerinnen. Es wäre schön,

Pauline Jäckels: wenn einige auch so denken würden, aber ich erwarte es nicht von allen.

Pauline Jäckels: Sondern ich erwarte, dass sie weitsichtig genug sind, dass langfristig es keinen

Pauline Jäckels: Weg daran vorbeigibt, dass die großen Menschheitsprobleme von großen Koalitionen,

Pauline Jäckels: von Staaten und Zivilgesellschaften auf der ganzen Welt angegangen werden.

Pauline Jäckels: Und dann muss man sich anders verhalten als das alte, arrogante Europa.

Pauline Jäckels: Also natürlich möchte ich, dass möglichst viele Leute auch von dem Gedanken

Pauline Jäckels: an das Gute, Schöne und Gerechte getrieben sind.

Pauline Jäckels: Ja, aber wenn das nicht so ist, kann ich trotzdem auch noch das Argument machen,

Pauline Jäckels: Leute, wenn es nicht deswegen ist, aber aus pragmatischen und auch in eurem Interesse liegt es,

Pauline Jäckels: nachhaltige Politik zu betreiben.

Pauline Jäckels: Und das, was ihr macht, ist nicht

Pauline Jäckels: nachhaltig, sondern es ist nur auf den kurzfristigen Vorteil bedacht.

Pauline Jäckels: Und das scheint mir, glaube ich, gerade das Problem zu sein,

Pauline Jäckels: dass viele Regierungen Angst haben vor Wahlniederlagen und deswegen immer nur

Pauline Jäckels: von einem Fehler in den anderen tappen.

Wolfgang Kaleck: Genau, der kurzfristige Vorteil ist ein sehr gutes Stichwort.

Wolfgang Kaleck: Ich finde das Lieferkettengesetz ein ganz gutes Beispiel dafür.

Wolfgang Kaleck: Da ist ja wirklich was passiert.

Wolfgang Kaleck: Also auf EU-Ebene und vorher schon auf deutscher Ebene hat man gesagt,

Wolfgang Kaleck: also Unternehmen werden dazu verpflichtet, ihre Lieferketten darauf zu prüfen,

Wolfgang Kaleck: ob in verschiedenen Schritten Arbeitsrechte nicht eingehalten werden,

Wolfgang Kaleck: ob dort Menschenrechtsverbrechen involviert sind in diesen Lieferketten.

Wolfgang Kaleck: Und es war zwar zu mild, aber zumindest drohten dann Bußgelder im schlimmsten

Wolfgang Kaleck: Fall, wenn man feststellt, dass da eben Rechtsbrüche involviert sind in den Lieferketten.

Wolfgang Kaleck: Das hat man gemacht, das war zu lasch und jetzt wurde es wieder abgesägt.

Wolfgang Kaleck: Nicht ganz abgesägt, aber es wurde zumindest geschwächt.

Pauline Jäckels: Also ich finde den Punkt unglaublich wichtig. Und nochmal, ich plädiere,

Pauline Jäckels: und das mache ich ja auch in meinem Buch, was gerade herausgekommen ist,

Pauline Jäckels: ich plädiere ja auch von der historischen Sicht der Dinge.

Pauline Jäckels: Und ich kann ja sagen, als wir unsere Organisation, das ECCR,

Pauline Jäckels: hier in Berlin gegründet haben, vor knapp 20 Jahren,

Pauline Jäckels: da war der Gedanke daran, dass entlang der Lieferketten sowas wie rechtliche

Pauline Jäckels: Verantwortung bestehen soll, dass

Pauline Jäckels: Gerichte, dass Behörden sich damit auseinandersetzen, absolut illusorisch.

Pauline Jäckels: Weil das Ziel dieser Phase der Globalisierung war es, Kosten zu externalisieren

Pauline Jäckels: und Verantwortung auszulagern.

Pauline Jäckels: Und das war wirtschaftliche Verantwortung, das war natürlich auch rechtliche Verantwortung.

Pauline Jäckels: Und diesen Prozess wieder zumindest teilweise zurückzuholen, ist schon ein Erfolg.

Pauline Jäckels: Weil die Menschen hier haben vor 20 Jahren nicht genügend daran gedacht,

Pauline Jäckels: was das bedeutet, wenn da billige T-Shirts oder billige Rohstoffe anderswo produziert bzw.

Pauline Jäckels: Abgebaut wurden. So, und das ist uns sukzessive gelungen, auch weil es in der

Pauline Jäckels: Wirtschaft kluge Menschen gibt, die wissen, dass ein nachhaltiges Wirtschaften

Pauline Jäckels: unter den Bedingungen wie vorher nicht möglich ist.

Pauline Jäckels: Also versucht man, sich anders zu positionieren.

Pauline Jäckels: Und das ging natürlich nur in Allianzen mit Akteuren, mit denen man nur teilweise übereinstimmt.

Pauline Jäckels: Und das Lieferkettengesetz war für uns nie sozusagen das Ende der Fahnenstange,

Pauline Jäckels: sondern im Gegenteil, es war ein Einstieg. Und es ist genau so auch gesehen worden.

Pauline Jäckels: Es ist in anderen Teilen der Welt, haben zahlreiche Workshops stattgefunden,

Pauline Jäckels: Umweltorganisationen, Frauenorganisationen, Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen

Pauline Jäckels: auf der ganzen Welt haben sich mit uns oder auch zum Teil mit den Franzosen,

Pauline Jäckels: wo ähnliche Gesetze sogar noch stärker verankert sind,

Pauline Jäckels: zusammengesetzt und haben gesagt, unter welchen Bedingungen können wir unsere

Pauline Jäckels: Fälle vor eure Behörden, vor eure Gerichte bringen.

Pauline Jäckels: Das ist ein zivilisatorischer Fortschritt.

Pauline Jäckels: Das war vor 20 Jahren undenkbar.

Pauline Jäckels: Jetzt gibt es einen vorübergehenden Rückschlag, aber es gibt nach wie vor nicht

Pauline Jäckels: nur das Lieferkettengesetz, sondern es gibt nach wie vor strafrechtliche und

Pauline Jäckels: zivilrechtliche Mittel, um Konzerne zur Verantwortung zu ziehen.

Pauline Jäckels: Also ich erinnere an den großen Prozess, der gerade in Frankreich stattfindet

Pauline Jäckels: gegen den Zementkonzern Lafarge.

Pauline Jäckels: Die haben sogar ihr Hauptquartier von Frankreich in die Schweiz verlagert wegen diesem Prozess.

Pauline Jäckels: Und es finden auf der ganzen Welt diese Art von Prozessen statt,

Pauline Jäckels: weil es Netzwerke gibt, die mit professionellen, juristischen,

Pauline Jäckels: politischen, aber auch kommunikativen Mitteln daran arbeiten.

Pauline Jäckels: Natürlich ist es nur der Anfang. Wir wollen, dass das anders gewirtschaftet wird.

Pauline Jäckels: Logisch. Aber wir müssen ja auch überlegen, wie wir von hier nach da kommen.

Pauline Jäckels: Und wir müssen viele, das meine ich mit Politik und das meine ich auch mit Strategie,

Pauline Jäckels: wir müssen so viele Leute wie möglich auf unsere Seite ziehen.

Pauline Jäckels: Und da war vorübergehend, wir hatten ja über den CSU-Entwicklungsminister Müller,

Pauline Jäckels: der nachhaltig beeindruckt war von den großen menschgemachten Unglücken in den

Pauline Jäckels: Textilfabriken Rana Plaza in Bangladesch und in Karachi, der Fabrikband,

Pauline Jäckels: mit dem wir uns ja auch auseinandergesetzt haben.

Pauline Jäckels: Also da ist sozusagen bis weit in so einem christlich-soziales Spektrum die

Pauline Jäckels: Sozialdemokratie, Grüne und Linke, da war eine Menge möglich.

Pauline Jäckels: Und daran muss man halt wieder anknüpfen.

Pauline Jäckels: Da muss man aber halt auch mit Leuten sprechen. Man muss die eigene Blase ein Stück weit verlassen.

Pauline Jäckels: Wenn ich sage, man muss, dann heißt es nicht, dass jeder das muss.

Pauline Jäckels: Also ich benutze oft das Muss und ich meine das als politisches Gebot und nicht

Pauline Jäckels: als Direktive an Einzelne.

Pauline Jäckels: Was ich nur meine ist, dass eine Linke insgesamt sich klar machen muss, dass wir...

Pauline Jäckels: Im Moment jedenfalls ein Stück weit davon entfernt sind, Mehrheiten zu gewinnen,

Pauline Jäckels: sodass wir Allianzen eingehen müssen, auch mit Leuten, mit denen wir nur teilweise übereinstimmen.

Pauline Jäckels: Um zum Beispiel so ein Projekt wie das Lieferkettengesetz und eine bessere Klimaschutzgesetzgebung,

Pauline Jäckels: eine vernünftige Verkehrspolitik und alles, eine vernünftige Mietpolitik und all das durchzusetzen.

Wolfgang Kaleck: Ja gut, das Problem ist aber natürlich, man geht dann Allianzen ein mit Leuten,

Wolfgang Kaleck: die am Ende nicht wirklich so sehr daran glauben oder nicht auf die gleiche

Wolfgang Kaleck: Art glauben, wie wir das tun oder wie Linke das tun.

Wolfgang Kaleck: Und jetzt sehen wir, jetzt wurde das Lieferkettengesetz wieder entschärft. Warum?

Wolfgang Kaleck: Der eine Teil davon ist ja ganz, ganz massive Lobbyarbeit durch Großkonzerne

Wolfgang Kaleck: auf europäischer Ebene und das findet auch auf deutscher Ebene statt. Das ist das eine.

Wolfgang Kaleck: Das andere ist natürlich, Regierungen und auch Europa lässt sich ja nicht,

Wolfgang Kaleck: also die EU lässt sich ja nicht einfach irgendwas einflüstern von Lobbyisten.

Wolfgang Kaleck: Die denken ja auch schon darüber nach, inwiefern ist das in unserem Sinne.

Wolfgang Kaleck: Und offensichtlich ist man zu dem Schluss gekommen, eine Entschärfung ist insofern in unserem Sinne.

Wolfgang Kaleck: Wir befinden uns jetzt im großen Machtkampf in dieser sicher neu herausbildenden

Wolfgang Kaleck: Weltordnung oder diesen neu herausbildenden geopolitischen Machtverhältnissen.

Wolfgang Kaleck: Und wir wollen da stark sein. Und um stark zu sein, da gehört eben Wirtschaftswachstum

Wolfgang Kaleck: auf der einen Seite und eben militärische Stärke auf der anderen Seite dazu.

Wolfgang Kaleck: Und deshalb ist es auch in unserem Interesse, jetzt so ein Lieferkettengesetz

Wolfgang Kaleck: nochmal zu entschärfen. Das ist ja eigentlich der Grundkonflikt.

Wolfgang Kaleck: Machtinteressen versus Rechte versus ein würdevolles Leben für alle.

Wolfgang Kaleck: Und ich komme immer wieder auf diesen selben Punkt, zu sagen,

Wolfgang Kaleck: wenn sich diese Machtverhältnisse jetzt nicht bald verändern,

Wolfgang Kaleck: dann haben wir ein Problem, weil wir eine fortwährende Akkumulation von Kapital

Wolfgang Kaleck: und damit einhergehen, eine Akkumulation von Macht haben.

Wolfgang Kaleck: Sehen, also die sich damit ja auch immer weniger rückgängig machen lässt,

Wolfgang Kaleck: weil die natürlich, diese Seite, ist jetzt sehr abstrakt gedacht,

Wolfgang Kaleck: aber diese Seite, die ganz viel macht und Kapital hält, natürlich sich auch dagegen wehrt,

Wolfgang Kaleck: die einschränken zu lassen und das dann eben immer stärker tun kann.

Pauline Jäckels: Das mag ja richtig sein, nur welche Konsequenz ziehe ich daraus?

Pauline Jäckels: Ja, das ist für mich die Frage. Und die Konsequenz, die ich für mich oder die

Pauline Jäckels: wir als Organisation oder noch weiter denken,

Pauline Jäckels: für uns als Netzwerke gezogen haben, ist, dass wir in einem Feld mit relativ wenigen Ressourcen,

Pauline Jäckels: versuchen, so viel Wirkung wie möglich zu erzielen.

Pauline Jäckels: Wir werden nicht dieses ausbeuterische System, also die Ausbeutung von Natur

Pauline Jäckels: und Mensch mit rechtlichen Mitteln beenden. Aber wir können dazu beitragen.

Pauline Jäckels: Da müssen natürlich auch indigene Bewegungen, Umweltbewegungen,

Pauline Jäckels: Bewerkschaften auf der ganzen Welt dazu entschlossen sein und natürlich auch

Pauline Jäckels: hier mehr Menschen sich dem anschließen.

Pauline Jäckels: Sieht das im Moment so gut danach aus? Nicht unbedingt. Haben wir eine Alternative

Pauline Jäckels: dazu? Frage ich dann zurück.

Pauline Jäckels: Also nochmal, ich will niemandem vorschreiben, wie er oder sie die Welt gerade sieht.

Pauline Jäckels: Ich kann nur sagen, da ist ein großes Potenzial.

Pauline Jäckels: Da gibt es Handlungsspielräume im Nationalen wie auch im Völkerrecht,

Pauline Jäckels: wenn man sich auf Menschenrechte beruft.

Pauline Jäckels: Da gibt es aber auch einen Möglichkeitsraum, der sehr viel größer ist,

Pauline Jäckels: der gibt ein Potenzial, was sehr viel größer ist als das, was wir bisher ausgeschöpft haben.

Pauline Jäckels: Wie weit uns das führen wird, weiß ich nicht. Ich erkenne aber auch nicht besonders

Pauline Jäckels: viele Strategien anderswo, wo ich sagen würde, nö, das ist irgendwie so überzeugend,

Pauline Jäckels: dass ich mich dem unbedingt anschließe.

Wolfgang Kaleck: Also was du quasi sagst, ist, in verschiedenen Bereichen müssen wir eben kämpfen.

Wolfgang Kaleck: Der Bereich, den ihr euch ausgesucht habt, eben als JuristInnen,

Wolfgang Kaleck: ist der rechtliche Bereich, um diesen Kampf zu führen.

Wolfgang Kaleck: Und was ich daran schon interessant finde, ist, dass ja eure Strategie gar nicht

Wolfgang Kaleck: nur ist, jetzt vor Gericht zu gewinnen, sondern ein ganz großer Teil davon ist

Wolfgang Kaleck: auch einfach, ja quasi Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben für diese Kämpfe.

Pauline Jäckels: Genau, so sehen wir das und so hoffen wir, dass es auch andere wahrnehmen.

Pauline Jäckels: Wir versuchen mit hochprofessionellen juristischen Mitteln, das ist die Grundvoraussetzung,

Pauline Jäckels: also wir werden diesem juristischen Diskurs ernst genommen, weil wir mit guten,

Pauline Jäckels: validen juristischen Argumenten auch auf einer soliden Faktenbasis arbeiten.

Pauline Jäckels: Aber wir bleiben nicht dabei stehen, weil die Vorstellung von Recht,

Pauline Jäckels: die Vorstellung von Unrecht sich nicht nur im rechtlichen Diskurs im engeren Sinne bei Gerichten,

Pauline Jäckels: in Gerichtsgebäuden verfestigen, sich herstellen lassen, sondern eben auch in der Öffentlichkeit.

Pauline Jäckels: Und weil klar ist, dass wir mit unseren Rechtsfällen zum Teil nur Anstöße geben.

Pauline Jäckels: Und da ist das Lieferkettengesetz, die Idee, die dahinter steckt,

Pauline Jäckels: tatsächlich ein gutes Beispiel.

Pauline Jäckels: Die Verhältnisse, die ausbeuterischen Verhältnisse in der Textilindustrie in

Pauline Jäckels: Südasien lassen sich mit dem Lieferkettengesetz nicht abschaffen.

Pauline Jäckels: Wir liefern aber Argumente, Geschichten, Narrative, warum sich das insgesamt ändern müssen.

Pauline Jäckels: Das ist ein systemisches Problem, das ist ein strukturelles Problem.

Pauline Jäckels: So, dem nähern wir uns von einer Seite an in der Hoffnung, dass Leute wahrnehmen,

Pauline Jäckels: da läuft was wirklich fatal und wir können das nicht zulassen.

Pauline Jäckels: Wir können das nicht zulassen, dass Menschen, die unsere T-Shirts produzieren,

Pauline Jäckels: auf deutsch gesagt verrecken in Fabriken, wo die Arbeitssicherheit nicht gewährleistet

Pauline Jäckels: ist und die zusammenkrachen oder eben abbrennen.

Pauline Jäckels: Wir können es uns nicht leisten, dass dauerhaft diese Menschen noch nicht mal

Pauline Jäckels: benügend für ihr Existenzminimum verdienen. Und daran muss sich was ändern.

Pauline Jäckels: Und wir bearbeiten einen Teil des Problems.

Pauline Jäckels: Aber natürlich müssen andere sich sozusagen das zu eigen machen.

Pauline Jäckels: Und dann müssen sich natürlich transnationale Allianzen bilden.

Wolfgang Kaleck: Mit diesem Ansatz kann ich grundsätzlich mehr anfangen als mit so einer Idealisierung

Wolfgang Kaleck: des Völkerrechts. als irgendwie das Non plus Ultramittel.

Wolfgang Kaleck: Also wenn du sagst, klar, es muss sich grundlegend an den Machtverhältnissen

Wolfgang Kaleck: global was verändern und wir sehen unsere Arbeit als einen Teil,

Wolfgang Kaleck: der darauf hinarbeitet, eben

Wolfgang Kaleck: darauf hinzuweisen, was für systemische Probleme es gibt und so weiter.

Wolfgang Kaleck: Und trotzdem frage ich mich, ich meine, das ist dein Blick und dem kann ich

Wolfgang Kaleck: viel abgewinnen und trotzdem habe ich das Gefühl...

Wolfgang Kaleck: Dass teilweise dieser Völkerrechtsdiskurs so ein bisschen ablenkt von den eigentlichen

Wolfgang Kaleck: Sachen oder dass sich Leute darauf so ausruhen, sich eben nur zu sagen,

Wolfgang Kaleck: das war jetzt ein Völkerrechtsbruch und das hätte nicht sein dürfen.

Pauline Jäckels: Ja, ich verstehe das, aber ich glaube nicht, dass dem so ist.

Pauline Jäckels: Also ich glaube, das Interessante ist ja, dass das Völkerrecht so in den letzten

Pauline Jäckels: drei, vier Jahren so ein Stück weit eine Rolle bekommen hat,

Pauline Jäckels: auch eine öffentliche Rolle bekommen hat, die es vorher nicht hatte,

Pauline Jäckels: also so oft wie in den letzten Jahren.

Pauline Jäckels: Dann sind Völkerrechtlerinnen ja kaum zu Wort gekommen. Das ist das eine.

Pauline Jäckels: Und das andere, so oft haben Völkerrechtlerinnen auch nie der eigenen Regierung

Pauline Jäckels: und den eigenen Regierungen widersprochen wie jetzt.

Pauline Jäckels: Und das empfinde ich auch als ein Stück Fortschritt.

Pauline Jäckels: Ja, da hat sich was, da hat sich was getan.

Pauline Jäckels: Die Völkerrechts-Community ist nicht mehr so servil.

Pauline Jäckels: Und natürlich sehe ich auch, dass zum Teil die Debatten verkürzt werden.

Pauline Jäckels: Also wenn wir nur in Anführungsstrichen über die Rechtswidrigkeit dieses in

Pauline Jäckels: jeder Hinsicht fatalen Krieges im Iran sprechen und dabei dann die Zukunft außer Acht lassen,

Pauline Jäckels: das liegt aber halt auch ein Stück weit an den Fragestellerinnen.

Pauline Jäckels: Ich meine, es liegt natürlich auch an uns allen, die wir angesichts der fast

Pauline Jäckels: täglich und wöchentlich eintreffenden schlechten Nachrichten immer wieder versuchen,

Pauline Jäckels: genau darauf zu reagieren.

Pauline Jäckels: Und ich glaube, dass es einer der größten Probleme ist. Und wenn du dir Regierungsmodelle

Pauline Jäckels: wie eben in Argentinien oder in den USA anschaust, dann ist die Überwältigung Teil der Strategie.

Pauline Jäckels: Es wird viel mit Dekreten gearbeitet, also Umgehung des Parlaments.

Pauline Jäckels: Es wird schnell und viel dekretiert und das zielt darauf ab.

Pauline Jäckels: Und das ist das, was Naomi Klein ja vor einiger Zeit mal als Schockdoktrin irgendwie bezeichnet hat.

Pauline Jäckels: Also man versucht in der Öffentlichkeit, man versucht Gruppen zu schockieren

Pauline Jäckels: und handlungsunfähig zu machen.

Pauline Jäckels: So und darauf müssen wir in der Weise reagieren, dass wir uns einerseits immer

Pauline Jäckels: wieder mit den aktuellen Themen befassen, die da gesetzt werden,

Pauline Jäckels: auf der anderen Seite aber...

Pauline Jäckels: Nicht über jedes Stöckchen springen, was uns dahin gehalten wird.

Pauline Jäckels: Sondern schon auch ein bisschen weitsichtiger agieren.

Pauline Jäckels: Das ist, ich sage mal, so schwierig wie noch nie.

Pauline Jäckels: Weil das ist so, also ich habe jetzt ein Buch geschrieben, das habe ich letzten Sommer angefangen.

Pauline Jäckels: Und ich musste alle zwei Monate quasi neue Kapitel anfügen.

Pauline Jäckels: Ich habe im Januar nochmal ein Postkriptum geschrieben nach der rechtswidrigen Entführung von Maduro.

Pauline Jäckels: Und den dramatischen Massakern des iranischen Regimes.

Pauline Jäckels: Und dann wird im Februar der nächste Krieg angefangen und so weiter.

Pauline Jäckels: Das ist, was passiert in der Geschwindigkeit. Es hat aber auch was damit zu

Pauline Jäckels: tun, dass wir in der Jetztzeit über so viel mehr Informationen verfügen als

Pauline Jäckels: vorher, dass das problematisch ist.

Pauline Jäckels: Das heißt, eine unserer Aufgaben ist auch, dass wir Wissen ratieren,

Pauline Jäckels: Dass wir aufmerksamer für uns selber werden und überlegen, wie viel an schlechten

Pauline Jäckels: Nachrichten konsumieren wir,

Pauline Jäckels: ohne handlungsunfähig zu werden.

Pauline Jäckels: Und es ist ohne jeden Zweifel ein Riesenproblem. Ein Riesenproblem.

Pauline Jäckels: Weil wer verzweifelt nicht an den Bildern und an den Nachrichten,

Pauline Jäckels: die da auf uns einprasseln?

Pauline Jäckels: Und da mag ich jetzt gar nicht konkret werden, welche Nachrichten, welche Bilder.

Pauline Jäckels: Es ist schlimm, das alles zu sehen, aber auch da muss man sich vergegenwärtigen.

Pauline Jäckels: Diese Bilder in Jetztzeit nach Hause und vor allem auch nicht nur über den Fernseher,

Pauline Jäckels: sondern auch Computer, übers iPhone geliefert zu werden.

Pauline Jäckels: Es hat eine neue Qualität und auch damit müssen wir uns auseinandersetzen.

Pauline Jäckels: Wir müssen uns auseinandersetzen, wie wir damit umgehen.

Pauline Jäckels: Und das passiert ja auch, sagen wir mal, nur in sehr geringem Maße.

Wolfgang Kaleck: Ich glaube, das Einzige, was hilft, ist sich immer wieder daran zu erinnern,

Wolfgang Kaleck: wir haben hier richtig was zu verlieren.

Wolfgang Kaleck: Wir haben eine ganze Welt gerade zu verlieren, wenn sich diese Entwicklungen so weiter zuspitzen.

Wolfgang Kaleck: Natürlich in erster Linie bezogen

Wolfgang Kaleck: auf die Klimakrise, aber auch eben auf Realitäten im Krieg und so weiter.

Wolfgang Kaleck: Also ich glaube, uns bleibt gar nichts anderes übrig, als diesen Kampf mit unseren

Wolfgang Kaleck: Mitteln weiterzuführen.

Wolfgang Kaleck: Auch wenn natürlich das alles so extrem verzweifelt, aber wir haben keine andere Wahl.

Pauline Jäckels: Das ist richtig als politisches Gebot und das ist halt schwierig,

Pauline Jäckels: das mit Leuten zu besprechen, die sich zunehmend hilflos und ohnmächtig fühlen.

Pauline Jäckels: Und das ist ja ein Gefühl, das gerade grassiert und das aber auf der anderen

Pauline Jäckels: Seite auch befeuert wird von Publizisten, Intellektuellen und da wähle ich durchaus

Pauline Jäckels: bewusst den männlichen Plural.

Wolfgang Kaleck: Gut, die Frage ist dann, wie vermittelt man das Gegenteil, wie vermittelt man

Wolfgang Kaleck: Menschen das Gefühl von, das könnte doch alles anders aussehen?

Wolfgang Kaleck: Und ihr könnt darin eben ganz konkreten Wirksamkeit erfahren.

Wolfgang Kaleck: Und nicht nur verlieren wir nichts, wir können auch richtig was gewinnen,

Wolfgang Kaleck: wenn wir diesen Kampf effektiver, strategischer und so weiter führen.

Wolfgang Kaleck: Wie vermittelt man das? Wie muss das aussehen?

Pauline Jäckels: Da sind möglicherweise andere Leute eher geeignet, darauf Antworten zu geben,

Pauline Jäckels: weil der Teil der Geschichte, mit dem wir uns beschäftigen,

Pauline Jäckels: auf internationaler Ebene, auf transnationaler Ebene natürlich sehr weit von

Pauline Jäckels: der Lebensrealität vieler Menschen entfernt ist.

Pauline Jäckels: Und wenn ich jetzt eine Buchlesung habe und da 50 oder 200 Leute sitzen,

Pauline Jäckels: dann kann ich diesen 50 oder 200 Leuten oder auch den Hörerinnen des Podcasts nicht sagen,

Pauline Jäckels: was sie tun können, um das Lieferkettengesetz zu retten und das Gewaltverbot

Pauline Jäckels: und das Verbot des Aggressionskrieges irgendwie zu stärken.

Pauline Jäckels: Was ich auch machen kann, also erstens, ich finde es sehr wichtig zu sagen.

Pauline Jäckels: Dass Rechte sich nicht automatisch in die Realität umsetzen und das betrifft alle Arten von Recht.

Pauline Jäckels: Das betrifft nicht nur das Gewaltverbot und das Folterverbot im Völkerrecht,

Pauline Jäckels: sondern das betrifft natürlich auch nationales Recht.

Pauline Jäckels: Und der Punkt, den du gerade gemacht hast, zu sagen, wir haben eine Menge zu

Pauline Jäckels: verlieren, der ist sehr wichtig.

Pauline Jäckels: Und das heißt aber, wir müssen Demokratie und Verfassungsrechte,

Pauline Jäckels: Menschenrechte immer wieder neu stärken und immer wieder neu verteidigen.

Pauline Jäckels: Das ist nicht einmal Gesetz, sondern das kann zurückgenommen werden.

Pauline Jäckels: Und das ist halt das, was wir gerade erfahren.

Pauline Jäckels: Und dann ist halt die Frage, ist es sozusagen notwendigerweise eine abschüssige

Pauline Jäckels: Ebene? und dem würde ich halt widersprechen und auch auf einer internationalen

Pauline Jäckels: Ebene und ich glaube, das ist das, was ich zu der Debatte beitragen kann.

Pauline Jäckels: Ich kann sagen, ja, es ist was anderes als vorher, es ist eine neue Situation,

Pauline Jäckels: aber die Situation ist auch offen.

Pauline Jäckels: Wir können ganz unterschiedliche Szenarien uns vorstellen, also.

Pauline Jäckels: Was ist denn, wenn dieser Krieg im Iran länger dauert? Was bedeutet das für

Pauline Jäckels: die Machtbasis von Trump in den USA?

Pauline Jäckels: Was bedeutet das, wenn in den USA eine Stimmung entsteht, dass Israel jegliche

Pauline Jäckels: Unterstützung entzogen wird? Und so weiter und so fort.

Pauline Jäckels: Das ist eine Gleichung mit sehr, sehr vielen Unbekannten.

Pauline Jäckels: Und wir haben an sehr, sehr vielen unterschiedlichen Stellen Einfluss darauf.

Pauline Jäckels: Diese Unbekannten aufzulösen.

Pauline Jäckels: Und das ist für mich der Punkt. Die Situation ist offener, als viele Menschen wahrhaben wollen.

Pauline Jäckels: Und genau das gilt es im Kleinen wie im Großen zu vermitteln.

Pauline Jäckels: Und ich würde das auch nicht gegeneinander ausspielen wollen.

Pauline Jäckels: Nochmal, wir beschäftigen uns mit einem Teil, aber ich sage nicht,

Pauline Jäckels: wir sind diejenigen, die das große Ganze verstehen und die uns da in der Geopolitik bewegen.

Pauline Jäckels: Nein, es ist ein Teil, ein Feld, in dem agiert werden kann.

Pauline Jäckels: Das ist wichtig, dass da auch agiert wird, aber nochmal, Mieterinnenrechte,

Pauline Jäckels: Arbeitsrechte, alles das gehört auch zum Korpus der Menschenrechte und auch

Pauline Jäckels: das muss ja, wie jetzt gerade irgendwie sich die Realität in der Bundesrepublik

Pauline Jäckels: darstellt, immer wieder neu erkämpft und neu gestärkt werden.

Pauline Jäckels: Und dann müssen diese Kämpfe auf irgendeine Weise verbunden werden,

Pauline Jäckels: ohne dass man eine Einheitlichkeit behauptet, die so nicht existiert.

Pauline Jäckels: Und das Ganze eben nicht nur im nationalen Raum, weil es reicht eben nicht mehr

Pauline Jäckels: nur im nationalen Rahmen zu agieren, sondern die Welt ist globalisiert,

Pauline Jäckels: auch wenn Teile der letzten Phase der Globalisierung derzeit zurückgenommen werden.

Pauline Jäckels: Also wenn wieder so eine Renationalisierung stattfindet, aber das ist ja nur teilweise.

Pauline Jäckels: Es ist klar, wir werden Politik nicht mehr nur länger im nationalen Rahmen betreiben

Pauline Jäckels: können und das macht die Sachen nicht einfacher.

Wolfgang Kaleck: Warum wirst du nicht zynisch, obwohl du dich den ganzen Tag und zwar schon viele

Wolfgang Kaleck: Jahre mit diesen Dingen auseinandersetzt?

Pauline Jäckels: Ich werde nicht zynisch, weil ich mich nicht alleine fühle, weil ich an jedem

Pauline Jäckels: Ort, an dem ich mich bewege,

Pauline Jäckels: Menschen finde, Menschen treffe, mit Menschen mich unterhalte,

Pauline Jäckels: aber zum Teil auch gemeinsam mit ihnen kämpfe,

Pauline Jäckels: die Unrecht als Unrecht bezeichnen und die eine ähnliche Idee von Gerechtigkeit haben.

Pauline Jäckels: Und das geht von meiner Reise in Südafrika im letzten Monat bis zu einer Lesung

Pauline Jäckels: in Charlottenburg vorgestern.

Pauline Jäckels: Überall empfinden Menschen Ähnliches und überall wünschen sich Menschen eine andere Welt.

Pauline Jäckels: Und daran lässt sich anknüpfen. Wenn es anders wäre, wenn es diese Menschen nicht überall gäbe,

Pauline Jäckels: Dann würde ich vielleicht zynisch werden.

Wolfgang Kaleck: Vielen Dank, Wolfgang, dass du mit mir so lange gesprochen hast und deine Gedanken

Wolfgang Kaleck: mit mir geteilt hast und mit mir zusammen über diese riesigen Fragen nachgedacht hast.

Pauline Jäckels: Vielen Dank in dir.

Wolfgang Kaleck: Diese Verbindungen knüpfen, das tun wir natürlich weiter und wir denken auch

Wolfgang Kaleck: weiter darüber nach, wie alles anders sein muss und wie alles anders sein könnte.

Pauline Jäckels: This world going up in flames.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.