Wem gehört die Arktis, Ebbe Volquardsen?
Shownotes
Die USA greifen nach Grönland, Großbritannien entsendet einen Flugzeugträger in den Nordatlantik und China erweitert seine Eisbrecherflotte. Wird die Arktis zum nächsten Schauplatz im Kampf der Großmächte um Einfluss und Rohstoffe?
Die Arktis ist eine der Regionen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Doch statt auf Kooperation und Umweltpolitik zu setzen, treiben die Anrainerstaaten die Militarisierung der Region weiter voran. Auch die Europäische Union und Deutschland mischen kräftig mit. In der Arktis-Strategie von 2022 wird die Region als „in Bezug auf den Klimawandel, Rohstoffe und geostrategische Fragen für die Europäische Union von großer strategischer Bedeutung“ eingestuft. Die Bundesregierung unterstützt den Ausbau der militärischen Präsenz der NATO durch die Bundeswehr aktiv. Welche Folgen hat die Militarisierung der Arktis? Welche Interessen verfolgt die USA in Grönland? Und wie reagieren Russland und China auf diese Entwicklungen?
In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Ebbe Volquardsen über die Geopolitisierung der Arktis. Ebbe Volquardsen ist Skandinavist, Politik- und Kulturwissenschaftler und arbeitet als Professor für Kulturgeschichte in Nuuk (Grönland).
Schreibt uns an: weltunordnung@rosalux.org
Shownotes:
Volquardsen, Ebbe (2025): Can Trump’s bid for Greenland put an end to Denmark’s belief in colonial exceptionalism? NORDEUROPAforum blog
Volquardsen, Ebbe (2025): Auf dünnem Arktiseis. In: Analyse und Kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis. Nr. 711.
Europäischer Ausschuss der Regionen (2022): Die neue Strategie der EU für die Arktis. Stellungnahme. 150. Plenartagung, 29./30. Juni 2022.
Pertou Mach, Trine/Dragsted, Pelle (2026): Steht Grönland vor der Annexion? Sich Trump zu unterwerfen, wird nicht helfen. Kommentar. Rosa-Luxemburg-Stiftung.
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Felix Jaitner: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Ebbe Volquardsen: Als Donald Trump in seiner ersten Präsidentschaft Ansprüche auf Grönland geltend
Ebbe Volquardsen: machte, hielten das viele für einen schlechten Witz.
Ebbe Volquardsen: Doch Trump meint es ernst. Und seit
Ebbe Volquardsen: seiner Wiederwahl hat er die Annexionsforderungen sogar noch verschärft.
Ebbe Volquardsen: Zwar weisen die Europäer die Pläne der US-Regierung beharrlich zurück,
Ebbe Volquardsen: doch gemeinsam treiben sie die Militarisierung der Arktis aktiv voran.
Ebbe Volquardsen: Im Rahmen der NATO-Mission Arctic Sentry schickt Großbritannien sogar einen
Ebbe Volquardsen: Flugzeugträger in den Nordatlantik.
Ebbe Volquardsen: In Russland wird diese Entwicklung aufmerksam beobachtet. Außenminister Sergej
Ebbe Volquardsen: Lavrov kündigte an, sein Land werde angemessene Gegenmaßnahmen ergreifen,
Ebbe Volquardsen: wenn Grönland oder andere Teile der Arktis militarisiert werden.
Ebbe Volquardsen: In den vergangenen Jahren hat Russland die militärische Infrastruktur in seinen
Ebbe Volquardsen: arktischen Regionen deutlich ausgebaut.
Ebbe Volquardsen: Und auch China wird in der Arktis immer präsenter.
Ebbe Volquardsen: Der Klimawandel ermöglicht nicht nur Zugriff auf bisher unerreichbare Rohstoffe,
Ebbe Volquardsen: sondern auch neue Handelswege wie die Nordostpassage.
Ebbe Volquardsen: Und hier wollen die EU und ihre Mitgliedstaaten eifrig mitmischen.
Ebbe Volquardsen: Laut der Arktis-Strategie von 2022 ist die Region in Bezug auf den Klimawandel,
Ebbe Volquardsen: Rohstoffe und geostrategische Fragen für die Europäische Union von großer strategischer Bedeutung.
Ebbe Volquardsen: Doch was ist eigentlich die Arktis? Eine eindeutige Definition ist schwer,
Ebbe Volquardsen: da es sich nicht um einen klar abgegrenzten Kontinent handelt.
Ebbe Volquardsen: In der Regel wird die Arktis als das Gebiet nördlich des nördlichen Polarkreises definiert.
Ebbe Volquardsen: Neben dem Nordpolarmeer gehören dazu die Gebiete von acht Staaten.
Ebbe Volquardsen: Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Kanada, die Vereinigten Staaten
Ebbe Volquardsen: und die Russische Föderation.
Ebbe Volquardsen: Aber nicht Grönland. Denn als autonomer Teil des Königreichs Dänemark besitzt
Ebbe Volquardsen: es keine vollständige staatliche Souveränität.
Ebbe Volquardsen: Mein Name ist Felix Jeitner und in der heutigen Episode spreche ich mit Ebbe
Ebbe Volquardsen: Volkwarzen über die Geopolitisierung der Arktis.
Ebbe Volquardsen: Ebbe ist Skandinavist, Politik- und Kulturwissenschaftler und lebte als Professor
Ebbe Volquardsen: für Kulturgeschichte zehn Jahre in Nug, der Hauptstadt von Grönland.
Ebbe Volquardsen: Er hat zur Kolonialgeschichte Grönlands, der Politik der europäischen Arktis-Staaten
Ebbe Volquardsen: in der Region und den aktuellen politischen Entwicklungen geschrieben und geforscht.
Ebbe Volquardsen: Gemeinsam sprechen wir darüber, welche Interessen die USA in Grönland verfolgen,
Ebbe Volquardsen: warum sich die EU an der Militarisierung der Region beteiligt,
Ebbe Volquardsen: anstatt mit aller Macht den Klimawandel zu bekämpfen und wie Russland und China
Ebbe Volquardsen: auf diese Entwicklung reagieren.
Ebbe Volquardsen: Zum Schluss dann noch ein kurzer Hinweis. Wenn euch das Thema weiter interessiert,
Ebbe Volquardsen: dann werft gerne einen Blick in die Show Notes. Dort findet ihr Links zu Abyss-Texten,
Ebbe Volquardsen: der EU-Arktis-Strategie und einen aktuellen Text, der die Perspektive der dänischen
Ebbe Volquardsen: Linken auf die Grönland-Problematik zeigt.
Ebbe Volquardsen: Hallo Ebbe, ich begrüße dich herzlich im Podcast Weltunordnung.
Felix Jaitner: Hallo und vielen Dank für die Einladung.
Ebbe Volquardsen: Ebbe, du bist Skandinavist, Politik- und Kulturwissenschaftler und hast fast
Ebbe Volquardsen: zehn Jahre als außerordentlicher Professor für Kulturgeschichte in Nuuk gelebt.
Ebbe Volquardsen: Das ist die Hauptstadt von Grönland.
Ebbe Volquardsen: Woher kommt eigentlich dein Interesse für die Arktis und wie hat dein Leben
Ebbe Volquardsen: dort deinen Blick auf die Region verändert?
Felix Jaitner: Ich gehörte vor inzwischen noch einigen Jahren damals am Nordeuropa-Institut
Felix Jaitner: in Berlin an der Humboldt-Universität zu einem kleinen Kreis von SkandinavistInnen,
Felix Jaitner: die sich begannen für die skandinavische Kolonialgeschichte zu interessieren.
Felix Jaitner: Das kam vielleicht auch aus so einem gewissen Unbehagen heraus,
Felix Jaitner: dass an diesen Nordeuropa- und Skandinavistik-Instituten immer so eine gewisse
Felix Jaitner: Verklärung des Nordens als eine besonders vorbildliche Region stattgefunden hat.
Felix Jaitner: Wir kennen all diese Stereotype Skandinavien als Vorbilder in Sachen Gleichberechtigung, Menschenrechte.
Felix Jaitner: Und bei uns kam das so ein bisschen mit den Unbehagen über die damals um sich
Felix Jaitner: greifenden Schärfungen der Asylpolitik und vor allem in Dänemark,
Felix Jaitner: dass wir auch begannen, ja mal zu fragen, woher kommt denn das eigentlich,
Felix Jaitner: dass man ja doch so einen recht virulenten Nationalismus da beobachten konnte.
Felix Jaitner: Und ja, da fiel der Blick auf die Kolonialgeschichten dieser Gesellschaft.
Felix Jaitner: Inzwischen ist dieses Thema ja innerhalb der Nordeuropaforschung völlig Mainstream.
Felix Jaitner: Also alle, die sich mit diesen Ländern beschäftigen, beschäftigen sich auch
Felix Jaitner: mit deren Kolonialgeschichte und den Schwierigkeiten, die die skandinavischen
Felix Jaitner: Gesellschaften haben, diese aufzuarbeiten.
Felix Jaitner: Aber damals war das eben noch relativ neu und nach einigen Stationen an verschiedenen
Felix Jaitner: Universitäten in Deutschland fand ich diese Ausschreibung genug für eine unbefristete Stelle.
Felix Jaitner: Das ist ja in der Akademie relativ attraktiv und so blieb ich dann fast zehn
Felix Jaitner: Jahre dort und habe das große Privileg gehabt,
Felix Jaitner: eben die Welt aus der Perspektive derjenigen zu betrachten, die eben normalerweise
Felix Jaitner: als das andere fungieren im Diskurs und eben auch Gründer in einer Zeit zu erleben, wo,
Felix Jaitner: ja ich würde so weit gehen zu sagen, die ganz großen.
Felix Jaitner: Die Herausforderungen globaler Art wirklich in einer Nussschale an einem Ort
Felix Jaitner: zu erleben sind, vom Klimawandel bis hin zu der Frage der kritischen Rohstoffe,
Felix Jaitner: eben der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte, wie wir mit den Gesellschaften
Felix Jaitner: des globalen Südens umgehen, zu den Grönland-Paratapfen, was hier auch gehört,
Felix Jaitner: und eben auch die Emanzipationen,
Felix Jaitner: Indigener Bevölkerung, die sich eben nicht mehr nur abbilden lassen,
Felix Jaitner: sondern vermehrt ihre Stimme erheben und selber definieren wollen,
Felix Jaitner: wie sie gesehen werden und auf ihre Geschichte blicken.
Ebbe Volquardsen: Jetzt hast du ja bereits wichtige Themen angesprochen, über die wir heute sprechen wollen.
Ebbe Volquardsen: Also zum einen den Klimawandel, der die Arktis natürlich extrem prägt,
Ebbe Volquardsen: die Rolle von Kolonialisierung, Dekolonialisierung und Selbstbestimmung und
Ebbe Volquardsen: auch die Frage von Geopolitik.
Ebbe Volquardsen: Denn in der Arktis verschärfen sich seit einiger Zeit die Spannungen und exemplarisch
Ebbe Volquardsen: zeigt sich das an den US-Annexionsforderungen gegenüber Grönland.
Ebbe Volquardsen: Ich würde dazu noch mal kurz ausholen wollen, bereits während seiner ersten
Ebbe Volquardsen: Amtszeit wollte US-Präsident Donald Trump Grönland annektieren.
Ebbe Volquardsen: Und damals hielten das viele für eine absurde Forderung.
Ebbe Volquardsen: Doch nach der Wiederwahl hat Trump seine Forderung ja sogar noch mal verschärft.
Ebbe Volquardsen: Jetzt würde mich aus deiner Perspektive interessieren, was sind eigentlich die
Ebbe Volquardsen: Hintergründe des US-Vorgehens und welche sicherheitspolitischen Ziele werden damit verbunden?
Felix Jaitner: Also seit 2019 hat Donald Trump diese Annexionsfantasien immer wieder vorgetragen.
Felix Jaitner: Zwischendurch war er ja vier Jahre nicht im Amt, da wurde es stiller.
Felix Jaitner: Aber die Situation, in der sich Grönland befindet, mit einer Großmacht,
Felix Jaitner: die es sich einverleiben will, die besteht schon seit sechs Jahren und entsprechend
Felix Jaitner: haben sich auch Dynamiken zwischen diesen drei Akteuren, Grönland,
Felix Jaitner: den USA auf der einen Seite, aber vor allem auch Dänemark auf der anderen entwickelt.
Felix Jaitner: Ich habe mich damals 2019 schon darüber gewundert,
Felix Jaitner: mit welcher Leichtigkeit europäische Medien diese absurd erscheinenden Forderungen
Felix Jaitner: aufgegriffen haben. Im Grunde wurden sie sehr viel ernster genommen.
Felix Jaitner: Da wusste man auch damals schon, dass es hier um vieles geht.
Felix Jaitner: Aber ich habe mich damals zu der These verleiten lassen, inzwischen sehe ich
Felix Jaitner: mich völlig darin bestätigt, 2019 hat Donald Trump den Grönländern ohne es zu
Felix Jaitner: wollen einen indirekten Gefallen getan.
Felix Jaitner: Indem er eben den geopolitischen Wert Grönländers unterstrichen hat und auf
Felix Jaitner: diese Weise den Grönländern,
Felix Jaitner: die immer als Empfänger von altruistischen Gaben, sozusagen von allen Hosen
Felix Jaitner: seitens Dänemarks dargestellt wurden und auf diese Weise auch ermündigt und
Felix Jaitner: geschwächt wurden in ihrer Verhandlungsposition.
Felix Jaitner: Auf einmal standen die als die Starken da, die von der ganzen Welt umworben werden.
Felix Jaitner: Und das, was Dänemark an den grönländischen Haushalt jährlich zahlt,
Felix Jaitner: wurde als das dargestellt, was andere Nationen auch bereit wären,
Felix Jaitner: für eine geopolitische, militärische Präsenz in Grönland zu zahlen.
Felix Jaitner: Und auf diese Weise haben wir sechs Jahre erlebt, wo Dänemark endlich realisiert hat,
Felix Jaitner: wie wichtig Grönland ist und Grönland ja diesen Zugewinn an Verhandlungsmacht
Felix Jaitner: geschickt ausgenutzt hat, um von Dänemark zwei Dinge einzufordern.
Felix Jaitner: Auf der einen Seite die längst überfällige Anerkennung oder Aufarbeitung kolonialer
Felix Jaitner: Übergriffe bis in die Gegenwart und auf der anderen Seite mehr Mitsprache auch
Felix Jaitner: in außenpolitischen Dingen.
Felix Jaitner: Die Situation jetzt seit einem Jahr und insbesondere seit.
Felix Jaitner: In den letzten drei Monaten ist natürlich noch einmal eine ganz andere,
Felix Jaitner: da wurde mit Militär gedroht, da herrscht Angst.
Felix Jaitner: Aber trotzdem gibt es immer noch Stimmen im Gründer, die selbst heute sagen,
Felix Jaitner: vielleicht sind wir am Ende die glücklichen Gewinner dieser geopolitischen Ungeheuerlichkeit,
Felix Jaitner: weil wir endlich eine gleichberechtigte Stimme haben und als ebenbürtige Partner
Felix Jaitner: in der Welt und nicht zuletzt von Dänemark wahrgenommen werden.
Ebbe Volquardsen: Lass uns aber nochmal auf die US-Perspektive schauen und die geopolitischen
Ebbe Volquardsen: Interessen aus US-Sicht. Warum Grönland?
Felix Jaitner: Klar ist, dass Grönland einen großen geopolitischen Wert hat,
Felix Jaitner: aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen in der Welt.
Felix Jaitner: Das ist nicht erst seit gestern so. Wenn man eine Linie zeichnet auf dem Globus
Felix Jaitner: zwischen den großen Städten an der Ostküste der USA und Moskau,
Felix Jaitner: dann geht diese Linie direkt durch den Norden von Grönland.
Felix Jaitner: Und das galt so auch schon im Kalten Krieg und zuvor im Zweiten Weltkrieg,
Felix Jaitner: wo nicht Russland der gefürchtete Aggressor war, sondern Nazi-Deutschland.
Felix Jaitner: Deswegen haben die USA Russland im Zweiten Weltkrieg besetzt,
Felix Jaitner: um dort einen Flughafen zu installieren.
Felix Jaitner: Und nach dem Zweiten Weltkrieg, als es denn der Kalte Krieg war und die Russen,
Felix Jaitner: die als Gefahr wahrgenommen wurden, hat man eine weitere Basis ganz im Norden
Felix Jaitner: errichtet, die Thule Air Base, heute Pitcho Fix Base Base.
Felix Jaitner: Es steht völlig außer Frage, dass
Felix Jaitner: Grönland unglaublich wichtig ist für Frühwarnsysteme, für Raketenabwehr.
Felix Jaitner: Das ist einfach dieser Fleck.
Felix Jaitner: Wo eben bis zum Zweiten Weltkrieg nichts war, der als eine Station auf dem Weg
Felix Jaitner: zwischen den USA und Europa benötigt wird, um den amerikanischen Kontinent zu sichern.
Felix Jaitner: Bloß, es besteht, wie gesagt, 1951 ein so weitgehendes Verteidigungsabkommen,
Felix Jaitner: dass die Amerikaner schon heute so gut wie alles tun und lassen könnten militärisch in Burland.
Felix Jaitner: Der Fakt ist, sie haben es nicht getan. Sie haben das getan,
Felix Jaitner: was sie Dänemark jetzt in diesem diplomatischen Schaukampf immer vorwerfen.
Felix Jaitner: Sie haben die Arktis vernachlässigt.
Felix Jaitner: Sie hatten einst 10.000 Soldaten in Schule und jetzt sind es noch 300.
Felix Jaitner: Sie haben zahlreiche Militärbasen in Grönland beschlossen. Alles das könnten
Felix Jaitner: sie sofort wieder öffnen.
Felix Jaitner: Dazu kommen die seltenen Erden, die kritischen Rohstoffe. die es in der Tat
Felix Jaitner: in Grönland in großen Mengen gibt, nur sie liegen unter dem Eis.
Felix Jaitner: Was man zu Grönland wissen muss, ist, dass es ein Land ist, wo kein Ort mit
Felix Jaitner: einem anderen durch eine Straße verbunden ist.
Felix Jaitner: Man kann also nicht von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf mit dem Auto oder mit dem Zug fahren.
Felix Jaitner: Man muss entweder mit dem eigenen Boot fahren oder man muss Inlandsflügel kaufen.
Felix Jaitner: Und die Rohstoffe liegen natürlich nicht in den Vororten von Nug,
Felix Jaitner: sondern irgendwo in der Landschaft, sodass man erst unglaubliche Investitionen
Felix Jaitner: in Infrastruktur vornehmen müsste, um sie überhaupt heben zu können.
Felix Jaitner: Sprich Zufahrtsstraßen und Häfen und dergleichen anlegen. und es müsste natürlich
Felix Jaitner: auch die Arbeitskraft ins Land geholt werden, die das überhaupt durchführt.
Felix Jaitner: Insofern, sehr, sehr große Investitionen sind von Möten.
Felix Jaitner: Aber auch diese sind von den Grönländern ja gewünscht.
Felix Jaitner: Denn Grönländern, da kommen wir vielleicht noch darauf zurück,
Felix Jaitner: will seine Wirtschaft, seine Abhängigkeiten diversifizieren und wirbt seit Jahren dafür,
Felix Jaitner: dass unter anderem die USA in diese Projekte mit Grönländern investieren,
Felix Jaitner: damit Grönländern Wirtschaftskraft generiert, um die Unabhängigkeit,
Felix Jaitner: die das Ziel der meisten Menschen in Grönländern ist, auch ökonomisch finanzieren zu können.
Felix Jaitner: Das hätten die Amerikaner seit jeher tun können.
Felix Jaitner: Das Dritte sind die Seewege. Ja, das ist alles noch ein bisschen mehr Zukunftsmusik.
Felix Jaitner: Aber ja, das Eis schmilzt und die Nordwestpassage wird vermutlich in absehbarer
Felix Jaitner: Zeit schiffbar sein. Und das geht durch gröningische Gewässer.
Felix Jaitner: Auch das ist von großem Interesse. Nur all dies wäre denkbar für die Amerikaner.
Felix Jaitner: Ohne dass es jetzt eine Alektion sein muss.
Felix Jaitner: Insofern bleibt tatsächlich das, was wir vor einigen Jahren noch als völlig
Felix Jaitner: absurd interpretiert haben, nämlich der Wunsch Donald Trumps,
Felix Jaitner: das Territorium der USA zu vergrößern.
Felix Jaitner: Aus reinen imperialistischen Beweggründen oder aus dem narzisstischen Gedanken,
Felix Jaitner: dass er als einen Präsident in die Geschichtsbücher eingehen möchte,
Felix Jaitner: der tatsächlich das Territorium der USA erweitert hat.
Ebbe Volquardsen: Das heißt, du würdest wirklich sagen, dass es hier um territoriale Erweiterungen geht als Ziel.
Ebbe Volquardsen: Weil ich habe mich gefragt, was ist durch das sogenannte Grönland-Abkommen Ende
Ebbe Volquardsen: Januar 2026 eigentlich neu?
Ebbe Volquardsen: Wenn es tatsächlich so ist, wie du ja auch bereits gesagt hast,
Ebbe Volquardsen: dass die USA sicherheitspolitisch weitgehend freie Hand in Grönland haben.
Ebbe Volquardsen: Wenn es eigentlich auch so ist, dass es ökonomisch ein großes Interesse seitens
Ebbe Volquardsen: Grönlands an Kooperationen gibt, wenn selbst Rohstoffausbeutung nicht unbedingt
Ebbe Volquardsen: auf massiven Widerstand stößt.
Ebbe Volquardsen: Das heißt, was ist eigentlich das Neue an dem informellen Abkommen und welche
Ebbe Volquardsen: Verpflichtungen gehen damit einher?
Felix Jaitner: Es gibt ja gar kein Abkommen. Das ist in den europäischen Medien oft auch falsch dargestellt worden.
Felix Jaitner: Es gab ein Gespräch mit Marc Rütte, der ja nicht befugt ist,
Felix Jaitner: im Namen Grönlands oder Dänemark zu sprechen.
Felix Jaitner: Und dann gab es etwas, das hat mich in der Tat auch überrascht,
Felix Jaitner: nach der Rede von Trump in Davos,
Felix Jaitner: wo dieser nach Wochen des Psychoterrors, so muss man es beschreiben,
Felix Jaitner: also ich habe mit vielen Menschen in Grönland besprochen, die wirklich nächtelang
Felix Jaitner: nicht beschlafen haben,
Felix Jaitner: weil sie nicht wussten, was passieren würde, und weil man die Meldungen von
Felix Jaitner: Trump nachts auf den sozialen Medien verfolgen wollte.
Felix Jaitner: In Davos ist er dann zurückgerudert und hat zumindest mal vorläufig den Einsatz
Felix Jaitner: von militärischer Gewalt ausgeschlossen.
Felix Jaitner: Aber weiter sind wir nicht und dann haben sich die Medien die Medienaufmerksamkeit
Felix Jaitner: wieder anderen Schauplätzen zugewandt aber die Krise ist ja mit nicht vorüber es gibt jetzt,
Felix Jaitner: darüber haben in Dänemark einige ein bisschen geschmunzelt eine Arbeitsgruppe
Felix Jaitner: Arbeitsgruppe klingt ja immer so schön in,
Felix Jaitner: In Dänemark ist das ähnlich wie in Deutschland.
Felix Jaitner: Man weiß, Arbeitsgruppen werden immer dann eingerichtet, wenn man ein Thema
Felix Jaitner: in die Länge ziehen will.
Felix Jaitner: Da wird viel diskutiert und Kaffee getrunken und am Ende nichts entschieden.
Felix Jaitner: Man hat mal darüber gesprochen, dass sich die Amerikaner auf so etwas einlassen.
Felix Jaitner: Das wurde in Dänemark ein bisschen ironisch kommentiert.
Felix Jaitner: Wir haben unsere schwerste Waffe gezogen, die Arbeitsgruppe.
Felix Jaitner: Das heißt, wir haben uns Zeit gekauft. Das ist ja durchaus möglich,
Felix Jaitner: dass das auch gelungen ist.
Felix Jaitner: Aber es geht weiter. Die Art und Weise, wie das kommentiert wird,
Felix Jaitner: da erkenne ich dann vielleicht doch eine Strategie.
Felix Jaitner: Die Amerikaner um Trump herum haben, ihre hybride Kriegsführung sieht inzwischen so aus,
Felix Jaitner: dass man die anderen Akteure, sprich Dänemark und Grönland vor allem,
Felix Jaitner: aber wahrscheinlich Dänemark, in einem Zustand der dauerhaften Verunsicherung halten möchte.
Felix Jaitner: Sobald die Dänen sagen, wir haben jetzt ja ein gutes Gespräch,
Felix Jaitner: und der Arbeitsgruppe sagt, der J.D.
Felix Jaitner: Wenz, ja, wir haben gute Gespräche. Und es geht ja um die Akquise oder die Modalitäten der Akquise Grönlands.
Felix Jaitner: Also es sind völlig andere Töne.
Ebbe Volquardsen: Ich finde es ja interessant, dass du gerade im Hinblick auf das Vorgehen der
Ebbe Volquardsen: USA immer wieder von hybrider Kriegsführung sprichst.
Ebbe Volquardsen: Das ist ja etwas, was man im europäischen Diskurs häufig mit Russland assoziiert.
Felix Jaitner: Wir müssen auch immer bedenken, es gibt da drei Akteure. Und Dänemark und Grönland
Felix Jaitner: haben völlig unterschiedliche Interessen, was die Zukunft dieser Kooperation angeht.
Felix Jaitner: Dänemark will Grönland behalten, die Amerikaner wollen Grönland haben und Grönland
Felix Jaitner: will keines von beiden, Grönland möchte selbstständig werden.
Felix Jaitner: Und als dieser Midi-Akteur ist es ihnen ganz gut gelungen, die beiden anderen
Felix Jaitner: größeren gegeneinander auszuspielen und relativ viel in Richtung mehr Autonomie zu erreichen.
Felix Jaitner: Und die Frage ist jetzt, wie weit können sie dieses Spiel noch treiben und vielleicht
Felix Jaitner: sogar Dänemark zu einem neuen Abkommen bewegen, das wirklich revolutionär wäre,
Felix Jaitner: nämlich ein Abkommen, wo Dänemark etwa ein unabhängiges Grönland weiter fördert,
Felix Jaitner: aber unanerkehrt. Nein.
Felix Jaitner: Wir sind keinen Schritt weiter als noch vor wenigen Wochen, was vermutlich den
Felix Jaitner: Ausschlag gegeben hat, dass Trump auf einmal mildere Töne anschlug,
Felix Jaitner: ist ja etwas ganz anderes.
Felix Jaitner: Die Umfragen zu den Wahlen, zu den Midterm-Elections.
Felix Jaitner: Wir erinnern uns, da gab es die schrecklichen Morde, das muss man ja sagen,
Felix Jaitner: der zwei Demonstranten in Minneapolis, die auch im Trump-Lager nicht gut angekommen sind.
Felix Jaitner: Und das ganze zeitgleich mit dem Grönland-Thema, was in den Umfragen auch ein
Felix Jaitner: Verlierer-Thema für Trump ist.
Felix Jaitner: Wenn die Demokraten vielleicht sogar den Senat gewinnen,
Felix Jaitner: Dann hatten Dänemark und Grönland die Chance,
Felix Jaitner: weil zusätzliche Zeit tatsächlich ihr Verhältnis,
Felix Jaitner: was ja in den letzten Jahren wesentlich gleichberechtigter geworden ist,
Felix Jaitner: nicht zuletzt dank des externen Brugs durch Trump in Bahnen zu leiten,
Felix Jaitner: die vielleicht sogar in Grönland mehrheitsfähig wären.
Felix Jaitner: Sollte die Republikaner die Mittwochs gewinnen, dann wird das Gleiche von vorne losgehen.
Felix Jaitner: Dann wird Donald Trump, und das ist jetzt meine gewagte Prognose,
Felix Jaitner: aber er hat es bereits zweimal getan, direkt vom Weihnachtsfest,
Felix Jaitner: wenn alle Leute sich nach Ruhe und Frieden sehnen, wiederkommen und am 22.
Felix Jaitner: Dezember die Annexion Grönlands fordern und somit in dieser Zeit, wo alle Menschen.
Felix Jaitner: Diplomaten unter dem Weihlassbaum sitzen, die großmögliche Verunsicherung schaffen.
Ebbe Volquardsen: Ich finde es ja interessant, dass du davon ausgehst,
Ebbe Volquardsen: dass das Grönland-Thema aktuell vielleicht ein bisschen niedrigschwelliger köchelt,
Ebbe Volquardsen: aber nichtsdestotrotz weiter zwischen der EU,
Ebbe Volquardsen: Dänemark und den USA steht und eben damit ja auch ein potenzieller Sprengsatz
Ebbe Volquardsen: für die weiteren transatlantischen Beziehungen ist.
Ebbe Volquardsen: Dann finde ich auch interessant, dass du ja aus sicherheitspolitischer Perspektive erstmal schilderst,
Ebbe Volquardsen: Da gibt es gar keine Notwendigkeit für die USA, weitere Zugriffsrechte auf Grönland
Ebbe Volquardsen: zu erhalten und was wir ja auch sehen, es gibt Berichte über der US-Regierung
Ebbe Volquardsen: nahestehende Unternehmer,
Ebbe Volquardsen: die wirtschaftliche Interessen in Grönland verfolgen.
Ebbe Volquardsen: Ein Beispiel wäre der US-Milliardär Ronald Lauder, Erbe des SD Lauder,
Ebbe Volquardsen: Kosmetikimperiums und langjähriger Freund von Präsident Donald Trump.
Ebbe Volquardsen: Es gibt auch bekannte Tech-Milliardäre, Sam Altman von OpenAI oder auch in Deutschland
Ebbe Volquardsen: sehr bekannt Peter Thiel, die alle nachgewiesene Interessen im Rohstoffsektor haben.
Ebbe Volquardsen: Das heißt, ich finde, Grönland steht exemplarisch für eine Entwicklung,
Ebbe Volquardsen: die sich seit einigen Jahren abzeichnet.
Ebbe Volquardsen: Wir erleben das Ende der neoliberalen Globalisierungsordnung,
Ebbe Volquardsen: das heißt die Abkehr von Freihandel, Bedeutungsverlust von internationalen Finanzorganisationen
Ebbe Volquardsen: wie der WTO und dem IWF und stattdessen beobachten wir eine Überlappung von
Ebbe Volquardsen: staatlichen Sicherheitsinteressen und wirtschaftlichen Interessen.
Ebbe Volquardsen: Und hier steht Grönland im Mittelpunkt einer solchen Entwicklung und damit ja auch die Arktis.
Ebbe Volquardsen: Lass uns jetzt aber vielleicht in einem zweiten Schritt ausgehend von der Entwicklung
Ebbe Volquardsen: in Grönland auf die EU schauen.
Ebbe Volquardsen: Denn ich finde die Reaktion der EU und speziell ja auch der dänischen Regierung
Ebbe Volquardsen: sehr diskussionswürdig.
Ebbe Volquardsen: Du hast ja bereits gesprochen über die koloniale Herrschaft Dänemarks über Grönland
Ebbe Volquardsen: und damit einhergehen ja auch Verbrechen an der grönländischen Bevölkerung.
Ebbe Volquardsen: Und meines Erachtens spielten die in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle.
Ebbe Volquardsen: Also in der öffentlichen Diskussion in Europa und auch in Deutschland, müsste ich dazu sagen.
Ebbe Volquardsen: Steht der Fall Grönland nicht exemplarisch für die fehlende Auseinandersetzung
Ebbe Volquardsen: mit der eigenen Kolonialgeschichte?
Felix Jaitner: Ja, ich könnte nicht mehr zustimmen. Das ist der absolut springende Punkt.
Felix Jaitner: Und meine These, mit der ich ja seit Wochen durchs Land ziehe, ist ja auch,
Felix Jaitner: dass man diese geopolitische Dynamik nicht verstehen kann, wenn man nicht gleichzeitig
Felix Jaitner: die erinnerungspolitische oder die dekolonisierungspolitische Dynamik betrachtet.
Felix Jaitner: Dänemark tut sich wie alle europäischen Länder unglaublich schwer damit,
Felix Jaitner: seine eigene Kolonialgeschichte anzuerkennen und aufzuarbeiten.
Felix Jaitner: Da sind sie weder besser noch schlechter als alle anderen europäischen Länder.
Felix Jaitner: Die Diskurse ähneln sich wirklich auf frappierende Art und Beinsinn.
Felix Jaitner: Das ist unglaublich interessant. Und was den dänischen Fall inzwischen prominenter
Felix Jaitner: macht, ist, dass es eben immer noch diese Verbindung gibt.
Felix Jaitner: Dass es also nicht nur irgendwie Nachkommen von Kolonisierten sind,
Felix Jaitner: die heute eine Anerkennung und Reparation fordern, sondern dass es immer noch
Felix Jaitner: ein quasi postkoloniales, ganz reales Verhältnis gibt,
Felix Jaitner: wo GrönländerInnen, die etwa nach Dänemark ziehen,
Felix Jaitner: wovon es viele gibt, noch heute...
Felix Jaitner: Ja, keine Rechtssicherheit genießen und eben systematischen Rassismus fürchten,
Felix Jaitner: etwa bei der überdurchschnittlich hohen Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kinder
Felix Jaitner: ihnen von staatlichen Institutionen weggenommen werden aufgrund kultureller Ressentiments.
Felix Jaitner: Wir berichten Studierende mit Kindern etwa, dass sie sich nicht trauen,
Felix Jaitner: nach Dänemark zu gehen, weil sie Angst haben um ihre Kinder.
Felix Jaitner: Das ist also nicht etwas Theoretisches, sondern ganz real. Und diese Maßnahmen,
Felix Jaitner: die erinnern doch stark an die assimilationspolitischen Maßnahmen der 60er, 70er Jahre.
Felix Jaitner: Das war diese Zeit, wo Grönland keine wirkliche Kolonie mehr war,
Felix Jaitner: sondern als gleichberechtigte Provinz in den dänischen Staat eingegliedert wurde.
Felix Jaitner: Und das wurde damals als Dekolonisierung verkauft den Vereinten Nationen,
Felix Jaitner: die dem zugestimmt haben.
Felix Jaitner: Aber in dieser Zeit musste eben diese halb nomadische Robbenfängergesellschaft,
Felix Jaitner: die Grönland damals noch war, in Windeseide.
Felix Jaitner: In Lebensstil fragen, an den sich etablierenden dänischen Wohlfahrtsstaat angepasst werden.
Felix Jaitner: Das Ganze geschah nicht, indem man die Grönländer mitgenommen hat,
Felix Jaitner: was diese gehofft hatten.
Felix Jaitner: Die waren nämlich ursprünglich durchaus von Modernisierung, aber wollten natürlich
Felix Jaitner: selber Anteil an der Art und Weise haben, wie diese Modernisierung durchgeführt wurde.
Felix Jaitner: Aber es kamen 10.000 dänische Handwerker ins Land, Männer allein,
Felix Jaitner: wo kann man sich denken, was da passiert, die diese ganzen Dinge gebaut haben,
Felix Jaitner: und die Krankenhäuser und die Häfen und so weiter.
Felix Jaitner: Und die Grönländer wurden nicht beteiligt an diesen Prozessen und erkannten
Felix Jaitner: erstmals, dass eben das Assimilationsversprechen, wie viele postkoloniale Völker erkennen mussten.
Felix Jaitner: Nicht zur Gleichberechtigung führte.
Felix Jaitner: Also man kann sich noch so viel Mühe geben, auf dieser vorgestellten zivilisierungsmissionarischen
Felix Jaitner: Hierarchie aufzusteigen und sich dem Westen anzugleichen.
Felix Jaitner: Es gibt keine Gleichberechtigung und das haben die Grönländer in den 60er,
Felix Jaitner: 70er Jahren erleben müssen, am eigenen Leibe diese ganzen Maßnahmen,
Felix Jaitner: wo Kinder nach Dänemark verschleppt wurden, um sie zu einer dänischsprachigen
Felix Jaitner: Elite heranzuziehen und dann eben der Spiralenskandal,
Felix Jaitner: der ja doch wirklich auch, muss
Felix Jaitner: man sagen, durch die europäischen und amerikanischen Medien gegangen ist,
Felix Jaitner: wenn man das verfolgt hat, wo der Hälfte aller gebärfähigen jugendlichen Frauen
Felix Jaitner: ohne deren Zustimmung oder ohne deren informiertes Wissen eine auch für ihre
Felix Jaitner: Körper auch völlig unpassende Spirale eingesetzt wurde.
Felix Jaitner: Um das Bevölkerungswachstum zu minimieren, wie es damals hieß.
Felix Jaitner: Aber das sind ja Übergriffe, deren Systematik sich die grönerische Bevölkerung
Felix Jaitner: erst in den letzten Jahren selbstbewusst geworden ist. Es ist nicht nur, dass Donald Trump...
Felix Jaitner: Geschafft hat, Grönlands Wert darzustellen, geopolitisch.
Felix Jaitner: Gleichzeitig fand ja auch noch die Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter statt,
Felix Jaitner: die eine Bewusstwerdung in Grönland auch ausgelöst hat, dass das,
Felix Jaitner: was Schwarze etwa in den USA, aber eben auch vor allem Indigene in den USA,
Felix Jaitner: in Neuseeland, in Australien, nicht zuletzt in Kanada erfahren haben,
Felix Jaitner: in der Art und Weise dem ähnelt, was die älteren Generation in Gründland erfahren hat.
Felix Jaitner: Leute in unserem Alter oder etwas älter berichten mir, dass sie selber erst
Felix Jaitner: lernen mussten oder verlernen mussten, nicht mit einem internalisierten Minderwertigkeitsgefühl,
Felix Jaitner: auf ihre eigene Kultur zu blicken und eben diese Kritik artikulieren zu können,
Felix Jaitner: auch wenn sie sofort als...
Felix Jaitner: Auf Müpfigkeit und Undankbarkeit versucht wird, ja, stumm zu scheiden oder eben
Felix Jaitner: als unangemessen zu diffamieren.
Felix Jaitner: Man muss sich vorstellen, in diesen fünf Jahren, von denen wir hier sprechen,
Felix Jaitner: hat es nicht nur Black Lives Matter gegeben, hat es nicht nur Donald Trumps
Felix Jaitner: Allektionsfantasien gegeben, auch das Internet hat in Grönland insofern Einzug
Felix Jaitner: gehalten, als dass man streamen kann.
Felix Jaitner: Als ich da hingezogen bin, konnte man zwar im Internet surfen,
Felix Jaitner: aber man musste für jedes Megabyte extra noch bezahlen, es gab keine Flatrate
Felix Jaitner: also man konnte kein YouTube gucken oder man konnte nicht den ganzen Tag auf
Felix Jaitner: Instagram unterwegs sein sprich,
Felix Jaitner: die jungen Leute haben damals noch dänisches Fernsehen abends geguckt und das ist eine Entwicklung,
Felix Jaitner: die in 5-6 Jahren völlig umgekehrt war also heute schaut keiner mehr dänisches Fernsehen,
Felix Jaitner: sondern man schaut das, was auf YouTube halt ans Interessant sich darstellt
Felix Jaitner: und das sind natürlich eher Geschichten von Native Americans und Kanadiern und
Felix Jaitner: das schafft auf einmal ein ganz anderes kulturelles Archiv,
Felix Jaitner: Mette Friedrichsen, die Ministerpräsidentin Dänemark, die ja schon sehr lange
Felix Jaitner: im Amt ist, hat es wirklich begriffen, dass sie, wenn sie Grönland in der Union,
Felix Jaitner: in dem Staatsverbund halten will, und das ist im Interesse Dänemark natürlich.
Felix Jaitner: Den Grönländern entgegenkommen muss.
Felix Jaitner: Es hat ja diese Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte gegeben.
Felix Jaitner: Der Diskurs ist heute immer noch rassistisch, aber verglichen mit vor fünf Jahren
Felix Jaitner: ist es ein unglaublicher Fortschritt, der da erzielt wurde.
Felix Jaitner: Es hat offizielle Entschuldigungen gegeben, sowohl für die entführten Kinder
Felix Jaitner: als auch für den Spiralenskandal.
Felix Jaitner: Und Dänemark bewegt sich tatsächlich zu etwas hin, ohne dass sie daraus ein
Felix Jaitner: großes Ohai machen, was man eine Föderation nennen könnte,
Felix Jaitner: wo Grönländer und Ferringer nebeneinander drei unabhängige Völker repräsentieren.
Felix Jaitner: Denn dieser externe Druck von Trump hat Dänemark wirklich in eine Position manövriert,
Felix Jaitner: wo sie die schlechtesten Karten haben in diesem Dreierspiel,
Felix Jaitner: wo sie von beiden Seiten gepresst oder gedrängt werden und eigentlich jeder
Felix Jaitner: grönländischen Forderung nachgeben müssen,
Felix Jaitner: wobei ich die grönländischen Forderungen für angemessen halte.
Ebbe Volquardsen: Du hast ja jetzt bereits schon mehrmals darauf hingewiesen, dass Grönland durchaus
Ebbe Volquardsen: Gewinner dieser aktuellen geopolitischen Konstellation ist. Ich würde das gerne nochmal vertiefen.
Ebbe Volquardsen: Also wie sehen die Menschen in Grönland eigentlich die Annexionsforderungen
Ebbe Volquardsen: der USA, aber auch den sich verschärfenden Konflikt zwischen der EU und den USA?
Felix Jaitner: Ja, ich möchte nicht den Eindruck wecken, dass die Menschen,
Felix Jaitner: dass die Entwicklungen positiv aufgenommen werden. Das ist eben das Schwierige.
Felix Jaitner: Es kann positive Nebeneffekte geben in einer grundsätzlich sehr unerfreulichen Situation.
Felix Jaitner: Es ist aber nicht so, wie das manchmal dann auch falsch dargestellt wird,
Felix Jaitner: dass sich jetzt die Gründer über diesen Druck von Donald Trump freuen würden. Ganz im Gegenteil.
Felix Jaitner: Man muss verstehen, die große Mehrheit der Menschen in Gründern möchte unabhängig
Felix Jaitner: werden. Das ist wirklich ein weit verbreiteter Wunsch und daran hat auch Donald
Felix Jaitner: Trumps Neo-Imperialismus nichts geändert.
Felix Jaitner: Unabhängig nicht im Sinne von, dass man nicht Abhängigkeiten mit anderen Ländern hat.
Felix Jaitner: Das ist klar, das wird Grönland immer haben als ein Land mit 56.000 Einwohnern.
Felix Jaitner: Aber man möchte eben von dieser einseitigen Abhängigkeit von Dänemark weg und
Felix Jaitner: seine Wirtschaft diversifizieren, aber eben auch neben Tourismus und den seltenen Erden, den Bergbau,
Felix Jaitner: wenn das auf ökologische und sozialverträgliche Art und Weise stattfindet, ist man da sehr offen.
Felix Jaitner: Aber man möchte eben mit den Kanadiern, mit den USA und der EU und den Briten
Felix Jaitner: und wem auch immer genau solche Beziehungen pflegen, wie auch mit Dänemark.
Felix Jaitner: Auch die Politiker sind ja auf einmal, so gut sie das machen,
Felix Jaitner: in eine Situation versetzt, dass sie, sie haben bisher keine Außenpolitik betrieben.
Felix Jaitner: Eigentlich betreibt Grönland überhaupt keine Außenpolitik, da diese auch laut
Felix Jaitner: Selbstverwaltungsgesetz von 2009 noch bei Dänemark liegt.
Felix Jaitner: Da sieht man wieder mal, wie weit sich Dänemark auf Grönland hinzu bewegt hat,
Felix Jaitner: wenn Dänemark sogar eine grönländische Außenministerin de facto neben sich akzeptiert.
Ebbe Volquardsen: Ich würde jetzt im zweiten Teil unseres Gesprächs versuchen,
Ebbe Volquardsen: ausgehend von Grönland einen Blick auf die ganze Arktis zu werfen.
Ebbe Volquardsen: Die EU und die USA haben sich ja darauf geeinigt, die militärische Präsenz in
Ebbe Volquardsen: der Arktis massiv auszubauen.
Ebbe Volquardsen: Und der Grund ist immer wieder vermeintliche sicherheitspolitische Bedrohung
Ebbe Volquardsen: durch Russland und China.
Ebbe Volquardsen: Es gibt jetzt im Rahmen der Arktis-Mission Arctic Sentry das Ziel,
Ebbe Volquardsen: dass die NATO ihre Truppenpräsenz erhöht.
Ebbe Volquardsen: Großbritannien verlegt jetzt seine Flugzeugträgerkampfgruppe in die Region.
Ebbe Volquardsen: Deutschland wird sich auch beteiligen, unter anderem mit Eurofightern.
Ebbe Volquardsen: Meine Frage an dich, wie real ist eigentlich die Präsenz von Russland und China in der Arktis?
Felix Jaitner: Das kann ich im Einzelnen natürlich nicht beurteilen. Ich kann nur das wiedergeben,
Felix Jaitner: was Leute, die sich da besser auskennen, als ich sagen.
Felix Jaitner: Chinesische Schiffe, von denen Donald Trump widerspricht, die gibt es dort nicht. Punkt.
Felix Jaitner: Es gibt auch kaum ernsthafte Signale aus China, sich in Wirtschaftsprojekten zu engagieren.
Felix Jaitner: Denn eines gab es, das zeigt vielleicht diese gesamte Machtkonstellation noch einmal,
Felix Jaitner: eine chinesische Firma hatte die Ausschreibung gewonnen, das zivile Flughafenterminal
Felix Jaitner: für den neuen internationalen Flughafen in Nub zu bauen.
Felix Jaitner: Und das haben die Amerikaner verhindert.
Felix Jaitner: Also da sind die Amerikaner nach Kopenhagen gegangen und haben gesagt,
Felix Jaitner: ihr Dänen, das müsst ihr verhindern, das wollen wir nicht. Und dann haben die
Felix Jaitner: Dänen das Grönland zu ganz günstigen Konditionen das Geld zur Verfügung gestellt.
Felix Jaitner: Da sieht man mal wieder dieses Machtspiel.
Felix Jaitner: Amerika möchte die Chinesen nicht in Grönland haben, droht den Dänen und die
Felix Jaitner: Dänen müssen Grönland ein Geschenk machen und die Grönländer profitieren und
Felix Jaitner: haben einen schönen neuen Flughafen.
Felix Jaitner: Aber darüber hinaus hat es keine chinesischen Investitionen gegeben.
Felix Jaitner: Man ist in Grönland vielleicht ein bisschen unvorsichtig gewesen,
Felix Jaitner: obwohl man kann es auch selbstbewusst nennen, zu sagen, wir heißen alle Investoren
Felix Jaitner: kommen, die mit uns ernsthaft Projekte durchführen wollen, auch die Chinesen.
Felix Jaitner: Allein die Chinesen sind nicht gekommen, ebenso wenig wie die Amerikaner.
Felix Jaitner: Ja, Russland, glaube ich,
Felix Jaitner: rüstet wohl in dem Teil der Arktis auf, der eben nördlich an Russland grenzt,
Felix Jaitner: vor allem vielleicht auch im Bereich Svalbard, Spitzbergen, Norwegen,
Felix Jaitner: diese arktische Inselgruppe da nördlich von Norwegen.
Felix Jaitner: Aber auch in grönländischen Fahrwässern sind jetzt russische Boote auch nicht
Felix Jaitner: in dem Umfang zumindest vorhanden, wie das dargestellt wird.
Felix Jaitner: Die Fähringer, das sind ja die Dritten da in diesem Staatsverbund,
Felix Jaitner: die kleinen Fährur-Inseln da zwischen Norwegen, Schottland und Island,
Felix Jaitner: die haben wiederum noch einen Konflikt, dass sie mit Russland Fischereihandel betreiben.
Felix Jaitner: Das wird aus den USA auch nicht gern gesehen.
Felix Jaitner: Und ich vermute mal, die Strategie der Europäer da,
Felix Jaitner: Sie versuchen natürlich dem nachzukommen, was die Vereinigten Staaten von Ihnen
Felix Jaitner: fordern, nämlich aufzurüsten, die 5% in der Verteidigung zu erreichen.
Felix Jaitner: Ja, aber ich glaube, Sie tun auch etwas anderes, was Sie natürlich nicht laut
Felix Jaitner: sagen, indem Sie zum Beispiel in Grönland präsent sind.
Felix Jaitner: Sagen Sie natürlich, Sie wollen die Chinesen und die Russen abschrecken und
Felix Jaitner: so wird Donald Trump entgegenkommen. Sie wollen vor allem auch die Amerikaner abschrecken.
Ebbe Volquardsen: Ich finde den Punkt sehr interessant und würde den nochmal gerne aufgreifen.
Ebbe Volquardsen: Also ich finde, es wird deutlich, die Militarisierung der Arktis ist ja auch
Ebbe Volquardsen: keine neue Entwicklung, sondern eher eine Beschleunigung bereits im Gange befindlicher Prozesse.
Ebbe Volquardsen: Also 2022 hat die EU ihre Arktis-Strategie verabschiedet und die hat vier wesentliche Kernpunkte.
Ebbe Volquardsen: Zum einen wird die Arktis als geopolitischer Raum definiert.
Ebbe Volquardsen: Es wird zweitens festgestellt, man braucht eine stärkere Sicherheitsdimension,
Ebbe Volquardsen: in der der Schutz von kritischer Infrastruktur gewährleistet wird und viertens
Ebbe Volquardsen: auch militärische Aktivitäten stärker nachverfolgt werden können.
Ebbe Volquardsen: Und jetzt frage ich mich sozusagen vor dem ganzen geopolitischen Gemängel,
Ebbe Volquardsen: das du gerade skizzierst, in der die EU und die USA ja auch zunehmend widersprüchliche
Ebbe Volquardsen: Interessen haben, gerade in der Arktis,
Ebbe Volquardsen: in der China und Russland zumindest als eigenständige Akteure agieren,
Ebbe Volquardsen: wird die Arktis eigentlich zu einer neuen Frontlinie in einer sich immer deutlicher
Ebbe Volquardsen: abzeichnenden Blockkonfrontation? Oder ist das übertrieben,
Felix Jaitner: Wenn man sich so wirklich mit einer Region in erster Linie beschäftigt,
Felix Jaitner: neigt man manchmal auch dazu, ihre Wichtigkeit zu überschätzen,
Felix Jaitner: aber dass die Arktis einer der ganz, ganz großen, ja,
Felix Jaitner: wie hast du es genannt, Frontiers, der Zukunft sein wird.
Felix Jaitner: Ja, davon bin ich inzwischen überzeugt. Es ist zumindest nicht mehr dieser konfliktlose
Felix Jaitner: Raum, auch durch den arktischen Rat, wo sogar Russen und Amerikaner bis zuletzt
Felix Jaitner: miteinander gesprochen haben.
Felix Jaitner: Das ist wahrscheinlich ein von einem Mal vorbei.
Felix Jaitner: Aber man fragt sich inzwischen ja, wo auf der Welt es solche konfliktarmen Regionen überhaupt noch gibt.
Felix Jaitner: Die Arktis gehört eben auch nicht mehr dazu. Und ja, da stehen wir dann auch
Felix Jaitner: wieder vor dem großen Problem und da werden die Gründer dann auch aus einem
Felix Jaitner: schönen Traum erwachen, denn die Präsenz von internationalem Militär,
Felix Jaitner: auch wenn es zu ihrer Verteidigung ist,
Felix Jaitner: ist etwas, woran man in Gründer nicht gewöhnt ist und dem man auch äußerst kritisch gegenübersteht.
Felix Jaitner: Denn man kann es ja nicht oft genug
Felix Jaitner: erwähnen, es handelt sich bei den Grundländern um ein indigenes Volk,
Felix Jaitner: das eine schreckliche Geschichte der Übergriffigkeit seitens sich als überlegen
Felix Jaitner: gerierenden Europäern am eigenen Leib erfahren hat und natürlich westlichen
Felix Jaitner: Militär zu Recht mit Skepsis begegnet.
Ebbe Volquardsen: Ich würde jetzt mit dir zum Abschluss unseres Gesprächs gerne auch nochmal vorausblicken,
Ebbe Volquardsen: wie sich die Arktis vor dem Hintergrund der jetzt skizzierten geopolitischen
Ebbe Volquardsen: Verschärfung entwickeln wird.
Ebbe Volquardsen: Aus meiner Sicht stellt es sich so dar, dass die sich herausbildende multipolare
Ebbe Volquardsen: Weltordnung immer stärker geprägt wird von dem Bedeutungsverlust etablierter
Ebbe Volquardsen: internationaler Organisationen, wie zum Beispiel der Vereinten Nationen.
Ebbe Volquardsen: Und dadurch werden auch anerkannte multilaterale diplomatische Formate ersetzt
Ebbe Volquardsen: durch direkte Verhandlungen zwischen
Ebbe Volquardsen: den Großmächten, aber auch zwischen Großmächten und kleineren Ländern.
Ebbe Volquardsen: In der Arktis gab es durchaus auch wichtige internationale Organisationen,
Ebbe Volquardsen: wie zum Beispiel den Arktischen Rat, der auch eine wichtige Rolle gespielt hat
Ebbe Volquardsen: bei der Regulierung internationaler Fragen und auch arktisübergreifender Themen.
Ebbe Volquardsen: Und ich finde das auch deshalb wichtig, weil neben den arktischen Anrainerstaaten
Ebbe Volquardsen: auch indigene Völker im Arktischen Rat vertreten sind.
Ebbe Volquardsen: Was glaubst du denn, könnte der Arktische Rat auch konkret leisten,
Ebbe Volquardsen: um geopolitische Spannungen in der Arktis zu vermeiden?
Felix Jaitner: Ich bin da skeptisch, ob sich der arktische Rat wieder in absehbarer Zeit zu
Felix Jaitner: dem zusammenfinden kann, was er einmal war,
Felix Jaitner: nämlich dieses wunderbare Forum aller Arktis an Rheiner Staaten inklusive Russlands
Felix Jaitner: und der Vertreter der indigenen Völker in diesen Bereichen, also der Inuit und der Samen.
Felix Jaitner: Und die Inuit, die ICC, das ist die Gemeinschaftsorganisation der Inuit in Kanada,
Felix Jaitner: Alaska, Nordenland und Schukotka, dem östlichsten Teil Russlands,
Felix Jaitner: die hoffen sehr darauf, dass das wieder klappt, weil sie eben auch diese über
Felix Jaitner: vier höchst unterschiedliche Staaten verteidigte Gemeinschaft wiederbeleben wollen.
Felix Jaitner: Zumindest nicht wollen, dass
Felix Jaitner: globale Krisen jetzt die Spaltung der Inuit intern noch weiter befördern.
Felix Jaitner: Ich bin da nicht so optimistisch, dass dieses Forum mit den Amerikanern und
Felix Jaitner: den Russen in der jetzigen Form oder ihren jeweiligen jetzigen Machthabern zu
Felix Jaitner: einem Forum wieder werden kann, wo eben,
Felix Jaitner: auf diplomatische Art und Weise mit dabei mal verhandeln. Vielleicht in der
Felix Jaitner: mittelfristigen Zukunft, das wäre wünschenswert, aber ich fürchte,
Felix Jaitner: der Arktische Rat ist im Moment vermutlich nicht das Gremium,
Felix Jaitner: das diese Konflikte lösen wird.
Ebbe Volquardsen: Ich glaube ja schon, dass es auch regional verankerte Organisationen braucht,
Ebbe Volquardsen: die zur Regulation von gemeinschaftlichen Fragen, Verwaltung,
Ebbe Volquardsen: Austausch und so weiter.
Ebbe Volquardsen: Und ich glaube, der Arktische Rat könnte da eine wichtige Rolle spielen.
Ebbe Volquardsen: Aber ich finde, im Arktischen Rat zeigen sich ja auch Machtverhältnisse,
Ebbe Volquardsen: über die wir die ganze Zeit sprechen.
Ebbe Volquardsen: Also Grönland ist kein eigenständiges Mitglied im Arktischen Rat.
Ebbe Volquardsen: Das finde ich schon mal bemerkenswert, obwohl die Anrainerstaaten der Arktis
Ebbe Volquardsen: dort ja qua ihrer geografischen Lage eigentlich Mitglied sind.
Ebbe Volquardsen: Zum Zweiten ist es ja so, dass seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine
Ebbe Volquardsen: nur noch Angelegenheiten ohne russische Beteiligung behandelt werden.
Ebbe Volquardsen: Und ich würde sagen, das ist ein Problem, weil die russische Arktis der geografisch
Ebbe Volquardsen: größte Raum ist und auch am dichtesten besiedelt ist.
Ebbe Volquardsen: Das heißt, russische Fragen zur Arktis haben eine gesamtüberregionale Bedeutung
Ebbe Volquardsen: und da würde ich sozusagen zwei wichtige Probleme sehen in der Zukunft und in
Ebbe Volquardsen: der Gestaltung des Arktischen Rats. Wie siehst du das denn?
Felix Jaitner: Genauso. Ein Arktischer Rat ohne Russland macht keinen Sinn und ein Arktischer
Felix Jaitner: Rat mit Russland ist zurzeit schwer vorstellbar.
Felix Jaitner: Dass Gründenland da kein Mitglied ist, das ist die ständige Situation Grönlands,
Felix Jaitner: man ist halt kein eigener Staat.
Felix Jaitner: Das sind genau diese Dinge, die jetzt eins nach dem anderen tatsächlich fallen, wie Dominosteine.
Felix Jaitner: Also Grönland wird mit Sicherheit irgendwann Mitglied werden im Arktischen Rat.
Felix Jaitner: Dann schreibt Bette Frederiksen einen Brief, dass sie das unterstützt und dann
Felix Jaitner: muss irgendwie eine Sonderregelung gefunden werden.
Felix Jaitner: Das klingt jetzt so lapidar, aber genau diese Dinge meine ich ja geschehen seit
Felix Jaitner: Jahren und das ist eben das Revolutionäre, dass sie oftmals auf dänische Initiative hinkommen.
Felix Jaitner: Also wir werden irgendwann, wenn sich diese Entwicklung weiter fortspielen lässt,
Felix Jaitner: ohne größere Disruption seitens Trumps,
Felix Jaitner: dann werden wir irgendwann die paradoxe Situation haben, dass ein de facto unabhängiges
Felix Jaitner: Grönland daneben einem unabhängigen Dänemark agiert.
Felix Jaitner: Das Einzige, was sie noch nicht realisiert haben, ist der allerletzte Schritt,
Felix Jaitner: nämlich die Eigenstaatlichkeit.
Ebbe Volquardsen: Was wir jetzt in unserem Gespräch nur gestreift haben, ist ja die Tatsache,
Ebbe Volquardsen: dass die Arktis eine der Regionen auf der Welt ist, die am meisten vom Klimawandel betroffen ist.
Ebbe Volquardsen: Ich finde ja sehr interessant,
Ebbe Volquardsen: die Ideen zur Entwicklung der Nordostpassage, also sozusagen einen nördlichen
Ebbe Volquardsen: Seeweg durch das Polarmeer von China über Russland bis nach Europa zu schaffen,
Ebbe Volquardsen: einfach aufgrund der Tatsache, dass durch den Klimawandel im Sommer die Region
Ebbe Volquardsen: weitgehend eisfrei ist und das ermöglicht beispielsweise intensivierten Handel.
Ebbe Volquardsen: Also ein zentrales Interesse Chinas, das ja aus diesem Grund so eine ganze Eisbrecherflotte gebaut hat.
Ebbe Volquardsen: Es ist dadurch möglich, verstärkt Rohstoffe in der Region abzubauen.
Ebbe Volquardsen: Und gleichzeitig sehen wir aber einen Wandel in den vergangenen Jahren,
Ebbe Volquardsen: in dem sich der Fokus der Arktisstaaten verschiebt von Umweltpolitik und Kooperation
Ebbe Volquardsen: hin zu Militarisierung und Sicherheitsdenken.
Ebbe Volquardsen: Was wären denn aus deiner Sicht notwendige Schritte für eine friedliche Koexistenz in der Arktis?
Ebbe Volquardsen: Und wie könnten progressive Kräfte dazu beitragen, dass das umgesetzt wird?
Felix Jaitner: Ich erwische mich immer wieder, und da bin ich sicherlich nicht der Einzige,
Felix Jaitner: dass man in so einen unglaublichen Pragmatismus verfällt, aber vielleicht ist
Felix Jaitner: es genau das, woran wir uns gewöhnen müssen.
Felix Jaitner: Wir skizzieren schreckliche Szenarien,
Felix Jaitner: schrecklich für unsere Ökosphäre und für die Lebenswege indigener Bevölkerung
Felix Jaitner: und versuchen dann trotzdem irgendwie einen pragmatischen Weg zu finden,
Felix Jaitner: der aus dieser Misere noch irgendwie eine gangbare Lösung, einen Gewinn erzielt.
Felix Jaitner: Wie etwa die Leute, die jetzt sagen, wir müssen das grönländische Wasser kapitalisieren,
Felix Jaitner: denn anderswo haben Menschen Durst und die Gletscher schmelzen ohnehin.
Felix Jaitner: Diese Weltordnung, von der wir sprechen und mit dieser Überlegenheit von der
Felix Jaitner: Regeln passiert, war ja auch eine Weltordnung,
Felix Jaitner: die viel Unterdrückung zugelassen hat von eben kolonisierten Gruppen, von Minoritäten,
Felix Jaitner: vom globalen Süden, von Indigenen, Von allen, die eben nicht der Norm der westlichen Welt entsprachen.
Felix Jaitner: Und wenn es in Grönland heute, und ich denke nicht nur in Grönland,
Felix Jaitner: sondern auch in den anderen Regionen, die sich etwa in der BRICS-Gemeinschaft zusammenschließen.
Felix Jaitner: Wenn es da heute optimistische Stimmen gibt, die sagen, vielleicht entsteht
Felix Jaitner: ja in dieser Zeit, wo die alte Weltordnung verschwindet,
Felix Jaitner: auch irgendetwas Neues, wo wir, diejenigen, die in dieser alten Weltordnung keine Stimme hatten.
Felix Jaitner: Gehör finden können, wenn wir es denn geschickt angehen.
Felix Jaitner: Das ist, glaube ich, auch etwas, was man als Europäer wirklich schwer begreift.
Felix Jaitner: Diese Weltordnung, die uns so viel Sicherheit gab, die uns Wohlstand gebracht
Felix Jaitner: hat, die uns Bündnisse beschert hat, auf die wir uns zumindest verlassen konnten,
Felix Jaitner: auch wenn wir mit den Partnern hin und wieder nicht einer Meinung waren,
Felix Jaitner: die erscheint aus dieser indigenen Sicht ja überhaupt nicht so attraktiv.
Felix Jaitner: Also die verlieren ja im Gegensatz zu uns überhaupt nichts,
Felix Jaitner: was ihnen irgendwie Wohlstand oder Rechtssicherheit oder körperliche Unversehrtheit
Felix Jaitner: garantiert hat, sondern sind jetzt vielmehr in einer Situation,
Felix Jaitner: wo alles noch viel schlimmer werden kann.
Felix Jaitner: Und das fürchten, glaube ich, die meisten Menschen im Grönland.
Felix Jaitner: Aber eben auch in einer Situation, wo einiges vielleicht sogar besser werden
Felix Jaitner: kann für sie, nicht für die Dänen und die Franzosen und die Deutschen.
Felix Jaitner: Die Europäer müssen wirklich lernen, denn da haben sie keine Erfahrung,
Felix Jaitner: wenn sie mit den Grönländern und vielleicht den Samen in Nordskandinavien sich alliieren wollen.
Felix Jaitner: Dass sie auf einmal indigene Völker an ihrer Seite haben, aus derer Perspektive
Felix Jaitner: sich die Sicht auch auf die jüngste Geschichte völlig anders darstellt,
Felix Jaitner: als aus der eines Franzosen oder Spaniers oder Deutschen.
Felix Jaitner: Die Grönländer sind ja 1985 aus der EU ausgetreten, als sie das konnten,
Felix Jaitner: nach der Einführung der Selbstverwaltung 1979.
Felix Jaitner: Heute spricht man tatsächlich darüber, wieder einzutreten.
Felix Jaitner: Und ich weiß nicht, ob man sich zu einem solchen Schritt durchringen können wird, aber ein Europa,
Felix Jaitner: das vielleicht einen ähnlichen Lernprozess durchschreitet,
Felix Jaitner: wie das die Dänen in den letzten fünf Jahren getan haben.
Felix Jaitner: Und diesem Prozess noch fünf weitere Jahre gibt,
Felix Jaitner: also hin, andere Perspektiven nicht nur zu verstehen, sondern auch wirklich
Felix Jaitner: als ebenbürtig anzuerkennen und eben Grönland und andere indigene Bevölkerung
Felix Jaitner: des Norms fest in seine Gemeinschaft zu integrieren.
Felix Jaitner: So eine EU könnte für Grönland vermutlich in der gegenwärtigen Situation ein Partner sein, der.
Felix Jaitner: Eine gewisse Sicherheit bietet und im Moment auch sowohl für die Europäer als
Felix Jaitner: auch für die Grönländer von Vorteil wäre.
Felix Jaitner: Also es ist schon richtig, dass sich die europäische Politik an die Seite Grönlands
Felix Jaitner: und auch Dänemark stellt.
Felix Jaitner: Aber wenn man das denn so verkauft, wir verteidigen hier dänisches Territorium,
Felix Jaitner: dann könnte das genau die Strategie sein, die man sich im Weißen Haus überlegt.
Felix Jaitner: Sie wissen ganz genau, welche Äußerungen zu fällen sind,
Felix Jaitner: um in Grönland gewisse Sympathien zu erwecken und eben eine Spaltung zwischen
Felix Jaitner: Grönland und Dänemark zu verstärken, die ja ohnehin aus berechtigten Gründen vorhanden ist.
Felix Jaitner: Man könnte also aus den USA sich dazu versteigen, zu sagen,
Felix Jaitner: wir Amerikaner sind die wahren Bewahrer des Selbstbestimmungsrechts der Grönländer
Felix Jaitner: und die Europäer sind diejenigen,
Felix Jaitner: die da gemeinsam dänisches Kolonialterritorium verteidigen.
Felix Jaitner: Deswegen ist es wichtig, aus europäischer Perspektive darauf hinzuweisen,
Felix Jaitner: dass es hier um das Selbstbestimmungsrecht Grönlands geht und nicht um das dänische Territorium.
Felix Jaitner: Das ist unheimlich zentral, denn in Grönland nimmt man Europa zu Recht nicht
Felix Jaitner: als den freien Westen wahr,
Felix Jaitner: sondern eben als die anderen Länder, die genauso wie Dänemark es nicht schaffen,
Felix Jaitner: ihre Kolonialvergangenheit aufzuarbeiten.
Felix Jaitner: Und die USA auf der anderen Seite könnten ja genau das tun, das ist eigentlich
Felix Jaitner: meine Vermutung noch immer.
Felix Jaitner: Sie könnten den Grönländern ein vergiftetes Angebot machen, nämlich genau diese
Felix Jaitner: freie Assoziierung, eben nicht mit Dänemark als großen Partner, sondern mit den USA,
Felix Jaitner: wo eben ein unabhängiges Grönland, ganz völkerrechtlich okay,
Felix Jaitner: nach Volksabstimmungen und so weiter,
Felix Jaitner: sich in ein Abhängigkeitsverhältnis mit den USA begeben könnte,
Felix Jaitner: was eben ökologisch und ja auch was die indigene Kultur angeht,
Felix Jaitner: wesentlich schlimmere Abhängigkeiten und eben auch ökologische Folgen haben
Felix Jaitner: könnte als jene, aus denen man sich gerade befreien möchte.
Ebbe Volquardsen: Danke, Ebbe, für das spannende Gespräch. Es war vielleicht nicht unbedingt eine
Ebbe Volquardsen: optimistische Note am Schluss, aber ich glaube, das entspricht auch der Lage, in der wir uns befinden.
Ebbe Volquardsen: Und ich glaube, in der Arktis zeigen sich sehr gut, wenn auch häufig nicht unbedingt
Ebbe Volquardsen: im öffentlichen Bewusstsein verankert, die wachsenden Widersprüche und Spannungen.
Ebbe Volquardsen: Und ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir durch das Gespräch zumindest auf
Ebbe Volquardsen: diese Entwicklung hinweisen. Und deswegen danke ich dir sehr herzlich für das Gespräch.
Felix Jaitner: Ich danke dir auch. Es war sehr tiefgehend und es waren gute Fragen.
Felix Jaitner: Dafür herzlichen Dank. Und allen, die zuhören, vielen Dank für das Interesse.
Felix Jaitner: I wanna take the blame.
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