Hat Rojava unter Ahmad al-Scharaa eine Zukunft, Rosa Burç?

Shownotes

Im Januar hat die syrische Regierung unter Ahmad al-Scharaa die kurdische Selbstverwaltung Rojava in Nordostsyrien angegriffen. Der syrische Präsident will die Kontrolle über das gesamte Land erlangen, während die kurdische Führung zwar zu einer Integration bereit ist, aber ihre Autonomie teilweise bewahren will. Da man in monatelangen Verhandlungen zu keiner Einigung kam, wollte al-Scharaa offenbar seine Verhandlungsposition militärisch verbessern und die kurdische Seite in die Ecke drängen.

Und genau das scheint gelungen zu sein. In nur wenigen Tagen nahmen die syrischen Regierungstruppen große Teile der kurdisch kontrollierten Gebiete ein. Circa 150.000 Menschen mussten in einer ohnehin prekären humanitären Situation fliehen. Die kurdische Führung lenkte ein, es kam zu einem Waffenstillstand und schließlich zu einem Abkommen zwischen der Selbstverwaltung und der syrischen Regierung.

In dieser Folge spricht Pauline Jäckels mit der Soziologin und Kurdistan-Expertin Rosa Burç. Darüber, warum viele Kurd*innen in Syrien zwar den Sturz des Assad-Regimes bejubelten, aber von Beginn an skeptisch gegenüber Ahmad al-Scharaas neuer Übergangsregierung waren. Über al-Scharaas Militäroffensive und was der Wandel der geopolitischen Interessenlagen in Syrien damit zu tun hat. Und darüber, was das neue Abkommen für die Zukunft der Selbstverwaltung bedeutet.

Rosa Burç arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Sie hat am Center on Social Movement Studies an der Scuola Normale Superiore in Florenz promoviert. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Narrative und Repertoires des Widerstands über Zeit und Raum hinweg überliefert werden, insbesondere unter Kurd*innen und anderen staatenlosen und marginalisierten Gesellschaften.

Schreibt uns an: weltunordnung@rosalux.org

Shownotes:

Rosa Burç, Bastion der Frauen: Rojavas Kampf ums Überleben, Blätter für deutsche und internationale Politik, 2025

Christopher Wimmer, Diktatfrieden oder Neubeginn?, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2026

Anja Flach und Michael Knapp, Revolution in Rovaja, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2018

Die kurdische Frage und der demokratische Konföderalismus, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2026

Medico: Ein demokratisches Experiment

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00:00:05:

00:00:16: Im Januar hat die syrische Regierung unter Ahmed Elshader die kurdische Selbstverwaltung Rojava angegriffen.

00:00:21: Rojaba ist ein Gebiet in Nordostürien, das in den Jahren nach der syrischen Revolution von Zwei-Ton-Eilf entstanden und autonom regiert wird und über ein eigenes Militär verfügt – den syristdemokratischen Kräften.

00:00:34: Gerade unter Linken gilt Rojawa als das Hoffnungprojekt in der Region weil es basisdemokratisch und nach feministischen Prinzipien aufgebaut ist.

00:00:43: Für KurdInnen in der Region ist es aber auch vor allem ein Konstrukt, das sie vor antikurdischen Kräften in der Region schütten soll.

00:00:50: Dem syrischen Präsidenten Al-Shada ist diese autonome Region im eigenen Land ein Dorn im Auge – er möchte natürlich das gesamte Land kontrollieren!

00:00:58: Es gab dann sehr lange Verhandlungen zwischen der syrische Regierung und der kurdischen Führung, in welcher Form die Selbstverwaltung in den syrischen Staat integriert wird Aber man kam zu keiner Einigung, also wollte Ahmed Al-Shalla seine Verhandlungsposition offenbar einfach militärisch verbessern und die kurdische Seite mit der Offensive in die Ecke drängen.

00:01:18: Und genau das scheint ihm auch gelungen zu sein!

00:01:19: In nur wenigen Tagen nahmen die syrischen Regierungstruppen große Teile der kurdisch kontrollierten Gebiete ein.

00:01:25: Zirka einenhundertfünfzigtausend Menschen mussten in einer sowieso sehr prekären humanitären Situation fliehen.

00:01:31: Die kurdische Führung legte daraufhin ein, es kam zu einem Waffenstillstand und zur erneuten Verhandlung.

00:01:36: Und schließlich zum Abkommen zwischen der Selbstverwaltung und der syrischen Regierung.

00:01:41: Mein Name ist Pauline Jackeldt.

00:01:42: Ich bin Freie Journalistin und Tatsredakteurin.

00:01:45: In dieser Folge habe ich mit der Soziologin und Kurdistan-Expertin Rosa Burtz gesprochen Darüber warum so viele Kurden in Indirien zwar den Sturz des Assad Regimes bejubelt haben aber von Beginn an auch sehr skeptisch waren gegenüber Ahmed Elshada und seiner neuen Regierung Überall Charles Militäroffensive und was der Wandel in der geopolitischen Interessenlage in Dürien damit zu tun hatte.

00:02:07: Und darüber, was das neue Abkommen für die Zukunft der Selbstverwaltung bedeutet.

00:02:13: Rosa Busch arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung.

00:02:19: Sie hat am Center & Social Movement Studies an der Skola Normales Superiore in Florenz promoviert und ihre Arbeit untersucht, wie Narrative und Repertoirs des Widerstandes über Zeit- und Raum hinweg überliefert werden.

00:02:32: Insbesondere unter Kurdinnen und anderen staatenlosen und marginalisierten Gesellschaften.

00:02:37: Vielleicht erinnert ihr euch daran dass wir im Oktober schon mal eine Folge zu Syrien gemacht haben.

00:02:42: damals mit der Syrienexpertin Christine Hellberg in dem Gespräch ging es darum wie sich das Land seit der Machtübernahme durch Alcala entwickelt hat.

00:02:51: Daraufhin gab es dann von einigen Menschen Kritik, dass die kurdische Perspektive und der Blick auf Nordostsyrien darin kurz kam.

00:02:58: Das stimmt auch und gleichzeitig ist es natürlich total schwierig gerade bei so einem Thema wie Syrien den vielen verschiedenen Perspektiven in einem einstündenden Gespräch vollumfänglich gerecht zu werden.

00:03:10: Und diese jetzige Folge soll gerade auch dieser Perspektiv also der kurdischen Perspektives nochmal mehr Raum geben.

00:03:27: Hallo liebe Rosa schön, dass du da bist.

00:03:31: Bevor

00:03:32: wir über die aktuelle Situation in Nordaus-Syrien und den Konflikt zwischen der syrischen Übergangsregierung unter Ahmed Elshada und dem kurdischen Selbstverwaltung sprechen, möchte ich erst nochmal einen Schritt zurückgehen.

00:03:46: Gerade für die Leute, die sich vielleicht nicht so mit dem Thema auskennen.

00:03:50: Was ist Rojava?

00:03:51: Und wie ist es entstanden?

00:03:53: Rojavá ist der kurdische Begriff für Westen.

00:03:58: Man beginnt quasi... die Geografie nicht hier in Europa und sagt, was ist der nahe und mittlere Ostens zu Europa?

00:04:06: Sondern man zentriert quasi Kurdistan als geografisches Gebiet.

00:04:10: Und sagt in diesem geografischen Gebiet wo viele... Wo mehrheitlich Kurd in den Leben und was historisch als quasi Großkurdistan bekannt ist, ist eben Georgia war der westliche Teil.

00:04:21: Dann gibt es zu den anderen Teilen auch kurdische Begriffe wie im Nordirak, in Südkurdistan oder Bakur, im Südosten der Türkei.

00:04:32: Also Nord-Kurdistan und dann eben aus Kurdistan, im Iran mit Roshadat.

00:04:37: Und Rojava bedeutet eigentlich im Grunde Westen – was natürlich auch Interessantes ist mit der Doppeldeutigkeit irgendwie die Verbündeten des Westens

00:04:46: usw.,

00:04:47: aber das ist quasi etymologisch der Grund warum wir diesen Teil Syrians oder diesen Teil Kurdistans Rojavan nennen?

00:04:57: weil er sich das so etabliert hat.

00:04:59: Und interessant ist auch, dass es eine doppelte Zugehörigkeit gibt.

00:05:03: Rojava ist nämlich Teil Kurdistanz aber auch gleichzeitig Teil Syriens und ich glaube, das ist so eine Grunderkenntnis die man vorab einfach mal festhalten muss.

00:05:14: wenn wir über Rojavas sprechen sprechen wir nicht nur über was in Syrien passiert oder welche Rolle Kurt in den Syrien haben sondern wir sprechen darüber was Rojava für eine kurdische Selbstbestimmung in der Region bedeutet, dass es auch Teil einer Kurdistan-Frage ist.

00:05:34: Kannst du vielleicht erstmal darauf angehen, was ist Rojavan als Selbstverwaltung in Nordostsyrien und dann vielleicht nochmal genauer erklären wie das zusammenhängt mit

00:05:46: der

00:05:46: sogenannten kurdischen Frage?

00:05:49: Also Rojawa quasi Nordostzyrien die Verwaltung in Syrien, die eben kurdisch geprägt ist.

00:05:56: Die sich Rojava-Selbstverwaltung nennt oder die sich Autonomenadministration Nordostsyrien strich Rojavanent also wirklich im Mausful.

00:06:07: Das ist eine Selbstverwaltung, die im Zuge und auch ein bisschen als Konsequenz des sogenannten Arabischen Frühlings entstanden ist.

00:06:16: Also zwölf und zweitausendzwölf.

00:06:18: Kurdinnen haben historisch immer in diesen Teilgebieten gelebt.

00:06:22: Da gibt es auch eine sehr historische und lange Gewaltgeschichte, auch eine Migrations- und Vertreibungsgeschichte.

00:06:30: Aber in den Jahren des Jahrhunderts, dass die Assad-Diktatur sehr brutal gegen oppositionelle Kräfte vorgegangen ist und eben auch in Syrien dieser Aufstand erlebt wurde – und die Oppositionen immer stärker wurden – waren auch kurdische Gebiete und auch Kurdeninnen und ihre Parteien Teil der Opposition gegen Assad.

00:06:53: relativ schnell, aber in den Oppositionsgruppen durchgesetzt wurden hegemonial.

00:07:04: In der Opposition, die auch Verbindungen zu Al-Qaeda haben oder mit islamistischen anderen Kräften quasi verbündet waren und da haben sich die Kurden eben nicht mehr vertreten gefühlt und auch nicht mehr als Erleist verstanden, sag ich jetzt mal, in der Opposition gegen Assad im Nordosten des Landes so eine Semiautonomie entwickelt, kurdische Kräfte wie gesagt die erst auch die Opposition unterstützt haben, haben gesagt naja wir können eigentlich nicht weiter kämpfen mit diesen Gruppen weil sie vertreten nicht die Weltanschauung.

00:07:45: geht halt auch in Roger Waundt, der Selbstverwaltung um eine kurdische nationale Frage.

00:07:51: Der Selbstbestimmung.

00:07:52: und dort haben sie eben ihr Verwaltungssystem versucht zu etablieren nicht quasi als ein Versuch dann später sich abzuspalten wie das oft in deutschen Medien erzählt wird sondern tatsächlich einen Überlebensversuch in dieser Gemengenlage wo die hadistische Gruppe Also stärker geworden sind und Assad ja sowieso mit seiner brutalen Diktatur ein gewisses negatives Standing natürlich hat in der kurdischen Bevölkerung.

00:08:20: Und was sich dann rein militärisch ergeben hat, die Assad-Truppen sind im Jahr zehntin dreizehn glaube ich oder zweitausend zwölf schon zurückgezogen also aus den mehrheitlichen kurdische Gebieten und haben ihren Kampf auch quasi den Versuch, ihre Diktatur aufrechtzuerhalten mit einer Unterdrückung der sonitischen Opposition fortgeführt.

00:08:43: Und die Kurden waren in so eine Art Machtwirkum dann auch in der Lage dort eben eigene verweittete Strukturen aufzubauen.

00:08:51: und dann kommt ja die ganze Episode mit dem Kampf gegen den sogenannten islamischen Staat.

00:08:56: Und hier kommen die USA ins Spiel?

00:08:58: Welche Rolle spielte denn diese Unterstützung durch die USA in dem Entstehungsprozess Rosavas und natürlich auch bei den Kampf gegen den IS.

00:09:08: Also die Erzählung ist ja oft, auch von Seiten der USA aber auch wie das dann übernommen wird in konservativen bis linken Kreisen dass die Kurdenkreise Verbündeten des Westens sind und Verbündete der USA.

00:09:22: sie waren strategisch-militärisch tatsächlich verbündete im Kampf gegen Den IS als damals die Anti-IS Koalition aufgebaut wurde.

00:09:33: Von den USA haben die Kurden natürlich eine signifikante Rolle gespielt.

00:09:38: Nicht weil sie wie oft dargestellt wird gemeinsame Werten vertreten, also auf die Ebene... Das können wir auch mal kritisieren aber man müsste sich das eigentlich nur einmal militärisch strategisch geopolitisch angucken sondern weil der IS natürlich durch den Irak und durch Syrien durchgezogen ist und ganze Gebiete eingenommen hat durchgeführt hat gegen die Jesidenen in Irak und das ja auch eine Gefahr für den europäischen und amerikanischen Westen war.

00:10:12: Wir sprechen von einer Region, die direkt an der Grenze zur Türkei liegt.

00:10:16: Die türkische Rolle können wir noch mal besprechen aber rein aus einer westlichen Interessenperspektive heraus ist es quasi die Grenze nach Europa und in den Westen.

00:10:28: Die USA hatten natürlich ein Interesse daran, den IS quasi zu unterminieren.

00:10:33: Aber nicht wertegeleitet und das konnten sie eben nicht nur über Luftschläge machen sondern haben relativ schnell gesehen dass die Region am besten gekannt wird von den Menschen die dort leben und die kurdische Grillierbewegung aber auch die damals noch einfach YPG & YPJ die Selbstverteidigungseinheiten der Kurden ja auch diese Regionen gut kannten Als die internationale Gemeinschaft eben nicht in der Lage war, Isidinen auf dem Berg Schengal zu retten.

00:11:03: Das Guerilla-Kämpferinnen, humanitäre Korridore geöffnet haben Menschen quasi nach aus dem Irak nach Syrien gerettet haben also aus Südkurdistan nach Westkurdestland gerettete haben und das sind... das waren so diese, ich sage jetzt mal Interessen geleitete oder rationale Zusammenarbeit im Kampf gegen den ESA.

00:11:27: Aber so eine richtige Involvierung der USA beginnt eigentlich mit der Umzingelung von Kobayne in dem Jahr zwei Tausend Fünfzehn?

00:11:35: Also, ich fasse kurz zusammen.

00:11:38: Zwei Tausends Elf kommt es zu verstärkte Unterdrückungen durch Assad seiner eigenen Bevölkerung.

00:11:45: Es kommt zu revolutionären Aufständen gegen Assad Er zieht seine Truppen Zwei zwölf dreizehn ab aus den kurdischen Gebieten in Nordostürien und dadurch entsteht ein Machtwakum, das gefüllt wird durch das Projekt Roger war oder die Selbstverwaltung.

00:12:04: Gleichzeitig erstarkt der IS gerade eben in diesen nordöstlichen Gebieten in Lager und Derisor und die USA sehen in

00:12:16: den Kurden

00:12:17: einen ein instrumentelles Verhältnis, um den IS möglichst zurückzuschlagen.

00:12:24: Weil sie es alleine mit Bomben nicht

00:12:26: können.".

00:12:27: Das ist der Beginn dieses US-Involvements in der kurdischen Region?

00:12:34: Genau und das hat sich vor allem auch kristallisiert quasi in der Belagerung von Kobani im Jahr zwei Tausend Fünfzehn Denn Kobani ist eine Grenzregion, eine Grenztadt zur Türkei Und da hatten westliche Mächte unter anderem die USA ein großes Interesse, dass dort nicht der IS regiert.

00:12:55: Das wäre ein sicherheitspolitisches Problem gewesen.

00:12:59: Es ist auf jeden Fall Interessen geleitet und ich möchte das wirklich unterstreichen.

00:13:04: es ist Interessen geleitet weil das Projekt Roger war.

00:13:07: Wir haben jetzt nur über die territoriale Ausgestaltung gesprochen also wie seien konnte Kurdinnen eine Selbstverwaltung aufgebaut haben.

00:13:15: Das Projekt Joshua ist ein Decoloniales-Projekt, das ist ein Anti-Imperialesprojekt, es ist ein feministisches und ökologisches Projekt im Selbstverständnis.

00:13:24: Und auch als Person die sich mit Bewegungsforschung und Gewaltforschungen beschäftigt da wirklich, dass auch vertreten wird in einer Gesamtbevölkerung an dieser Region diese Werte und man versucht die zu realisieren.

00:13:39: Es ist nicht nur ein Selbstverständniss sondern Übersetzungspotenzial in das reale Leben der Menschen.

00:13:47: Oft wird aber in den Medien oder in der Politik immer dieser säkuläre Charakter hervorgehoben, der kurdischen Selbstverwaltung und dieser feministischen Ausgestaltung, dass zum Beispiel Frauen sichtbar sind auch im Kampf gegen den IS, dass sie so stark auftreten, also selbstbestimmt mit ihren Körpern und ihrem eigenen Willen auftreten Und oft wird eben das als Aspekt hervorgehoben in einer westlichen Erzählung des Verbundenseins, aber im Grunde ist es ein Interessen geleitet.

00:14:18: Weil die USA haben überhaupt kein Interesse an einer der kolonialen Perspektive im Nahen Osten.

00:14:23: Wir kennen das aus der Geschichte und jetzt haben wir auch natürlich gesehen wie wo die Grenzen liegen und dass das natürlich eine Mythologisierung einer organischen Verbundenheit ist.

00:14:38: natürlich historisch auch sehr reaktionäre konservative islamistische Gruppen eigentlich unterstützt haben und gar nicht eben den Feminismus, den sie also proklamieren für sich.

00:14:49: Auch in der Region unterstützen.

00:14:52: Und das sehen wir jetzt auch mit Altenraa und der Normalisierung von seinen Ideen.

00:15:11: Also das Projekt Rojava ist dann entstanden?

00:15:14: Eine Selbstverwaltung ist entstanden die politisch organisiert.

00:15:20: und warum gilt sie als so einzigartiges politisches Projekt in der Region?

00:15:23: Du hast ja schon angesprochen, Feminismus ist ein großer Teil davon.

00:15:27: Also die Region ist in unserer Vorstellung ja immer organisiert über dominante Nationen also Arabisch, Türkisch, Persisch dann auch über dominanten Konfessionen, also Sonnitisch oder Shiite.

00:15:44: Das ist wenn man bisschen na auspolitik studiert hat oder internationale beziehungen sind das immer die dichotomien, die aufgemacht werden also schieten gegen sonniten araber gegen persa aber gegen türken.

00:15:58: Also wirklich so eine ganze analisierung der eigentlichen heterogen gesellschafti dort ist im nahen austen.

00:16:05: und Das einzigartige an rojava auch historisch ist dass eben es schon einer so ein kurdisches Framing hat, weil es eben entstanden ist von einer Ideologie der kurdischen Freiheitsbewegung.

00:16:19: Also es gibt eine quasi ideologische Avant-Garde in Rojava.

00:16:25: aber das Verwaltungsprojekt ist nicht nur dezentral ausgelegt für den gesamten syrischen Nationalstaat also dass man so sagt hey eine Demokratie kann eigentlich nur über federale und dezentrale Strukturen funktionieren in einem heterogen Konstrukt sondern sie intrinsisch dezentral.

00:16:43: Also sie dezentriert auch eine kurdische Dominanz, was meine ich damit?

00:16:49: Es ist ein multietnisches Projekt es ist basisdemokratisch organisiert.

00:16:54: das heißt in der kleinsten Einheit der Gesellschaft sei es einer Nachbarschaft oder eine Hausgemeinschaft wird eben versucht dass die Menschen die dort vertreten sind hat das gleichwertige für Treterinnen ihrer Belange auch agieren können und nicht irgendwie eine Ethne über eine andere Ethnie regiert.

00:17:13: Und die einen sich quasi unterordnen müssen.

00:17:18: Das ist schon sehr einzigartig, weil das natürlich auch experimentell versucht wurde in den letzten vierzehn-fünfzehn Jahren.

00:17:27: Die Rojava Selbstverwaltung geht jetzt zurück auf so ein ideologischen Kanon von demokratischer Autonomie der kolischen Freiheitsbewegung und wie sie dann im Endeffekt in der Organisierung von Gesellschaften ausgelebt wird, wurde halt – das meine ich mit experimentell – ausprobiert.

00:17:47: Also wie sieht es aus wenn wir zum Beispiel das Konzept von Minderheit erst mal infrage stellen?

00:17:53: Eine Minderheid kann es ja nur geben, wenn es Macht-und Herrschaft gibt eine anderen Gruppe Und das ist zum Beispiel eine große Frage in den ideologischen Auseinandersetzungen von decolonialer Freiheit der kolischen Freiheitsbewegung, die auch in Georgia war eine Selbstverwaltung über institutionelle Strukturen, Verfahren und so weiter versucht wurde mal in die Wirklichkeit umzusetzen.

00:18:17: Und auch die Rolle der Frau.

00:18:18: es ist nicht ein westliches Narrativ eines Feminismuses sondern es geht darum dass die Frau erstmal auch wahrgenommen wird als einer kolonisierte Entität in der Gesellschaft also das jede gesellschaftliche Befreiung eigentlich über die Befreiungen der Frau nur funktionieren kann.

00:18:38: Also es ist wirklich eine sehr nach Innern gerichtete Decolonisierung in Rojava und deshalb haben wir auch so Situationen gehabt, also für Außenstehende auch im Flächen ein bisschen interessant dass in den letzten vierzehn Jahren zum Beispiel dieser Titel, also der Name der Region sich oft gewandelt hat.

00:18:56: Es hieß erst Rojava West-Kurdistan Dann Autonomeregion, also es gab wirklich viele, viele verschiedene Namen.

00:19:05: Man hat mal Roger aber komplett rausgenommen aus der Selbstbezeichnung und dann hatte man das wieder hinzugefügt.

00:19:09: Und dann hatten wir einfach nur eine territoriale Bezeichnung nach Nordaus-Syrien gemacht.

00:19:14: Der Selbstverwaltung lag wirklich viel daran und das hat man in diesen Diskursen der letzten vierzehn Jahre gesehen sehr, sehr viel daran.

00:19:22: alle mit einzubeziehen und nicht eben dieses, was den dann immer vorgeworfen wird.

00:19:27: Es geht ja um kodische Fremdherrschaft dieser Regionen.

00:19:32: Man hat zum Beispiel dem Begriff Kurdistan gar nicht erst drinne sondern nur Rojava Also der Westen.

00:19:38: also aus der Perspektive von kodischer Bevölkerung ist es der westen Aus der Perspective einer Staatengemeinschaft oder aus der perspektive Von Damaskus ist das Nord aus Syrien quasi zusammenzubringen.

00:19:53: in der Selbstbezeichnung spricht schon für ein dezentrale Logik, die halt intrinsisch ist für die Selbstverwaltung.

00:20:01: Und die ist einzigartig würde ich sagen.

00:20:04: Weil du jetzt schon das Thema angesprochen hast dieses Narratives der kurdischen Fremderrschaft es so ein bisschen schwierig weil es natürlich einfach Menschen gibt also vor allem in traditionell arabisch besiedelten Regionen in Norddeutsch-Syrien, die selbst sagen wir empfinden das als Fremdherrschaft.

00:20:25: Das wird auch noch mal jetzt bei den jüngsten Angriffen der psychischen Regierung auf die Selbstverwaltung eine Rolle spielen.

00:20:35: Also würdest du sagen da gab es auch Versäumnisse durch die Selbst Verwaltung diese Leute nicht genug zu inkludieren?

00:20:42: Weil am Ende muss man ja sagen anscheinend fühlen sie sich dem nicht so verbunden wie sich dass wahrscheinlich die Selbst verwaltung gewünscht hätte

00:20:50: Ja, da sind so... also ich finde die Frage sehr wichtig und die beschäftigen uns ja natürlich jetzt auch alle.

00:20:55: Auch in der Berichterstattung zu Post-Assad Syrien.

00:21:00: Und das sind glaube ich mehrere Aspekte, die in der Rolle spielen.

00:21:03: Einmal, wenn wir darüber sprechen wer fühlt sich nicht vertreten?

00:21:08: Wer fühlt es sich vertreteen?

00:21:10: Da sind ja auch nicht homogene nationale Gruppen, die dahinter stehen.

00:21:14: Also ist jetzt nicht so dass alle AraberInnen in Syrien sagen wie fühlen sie es nicht ver treten?

00:21:20: Aber es gibt schon den Fall, dass z.B.

00:21:22: in Raqqa und in Derazul, die eine sehr starke auch arabische Community haben, ganz viele Stammsstrukturen dann noch aktiv sind, die ja auch Teil der Rojava Selbstverwaltung waren, dann ja?

00:21:36: Die jetzt sagen naja... In einem neuen Syrien möchten wir sehen uns eher an der Seite von Al-Shara.

00:21:43: Wir sehen uns eh an der seite von einem Arabisch geframten und gebrandeten in einer neuen syrischen Republik, so heißt es ja.

00:21:51: Das heißt jetzt Arabisch-Syrische Republik oder Syrisch-Arabische Republik.

00:21:55: Und das ist auch eine neue Sache.

00:21:58: also es kam dann quasi erst im Laufe des letzten Jahres wurde das arabische hinzugefügt.

00:22:05: Das kann man natürlich mehrfach mit verschiedenen Aspekten erklären.

00:22:08: einmal unter anderem auch In einer Staatswertung, quasi in der internationalen Anerkennung eines Staates unter einer Regierung.

00:22:17: Obwohl das noch eine Interim-Regierung ist kann es sein dass sich bestimmte gesellschaftliche Gruppen sich eher an der Seite der Macht positionieren und auch mehr aufgehen quasi in einer arabischen nationalen Erzählung einer nationalen Befreiung nach Assad.

00:22:34: Also einfach nur Frage von Identität am Ende?

00:22:39: Manchmal Es ist eine Frage von Identität.

00:22:41: Aber und diese Frage musste ich auch die kurdische Selbstverwaltung stellen, und ich glaube sie stellt sich diese Frage seit am Beginn.

00:22:49: Und ich glaube jetzt wird sich halt diese Selbstverwartung.

00:22:53: oder auch Le Gervais würde sich fragen müssen was waren die Gründe?

00:22:58: wie kann es sein dass eben so schnell auch Gruppen dann auf die andere Seite switchen?

00:23:03: Es gab aber wiederum auch arabische Gruppen zum Beispiel auch ein sehr bekannter Stamm,

00:23:08: z.B.,

00:23:09: die sich eben den revolutionären und linken Ideen der Jojeva-Verwaltung dann doch zugehörig gefühlt haben und ihre Unterstützung ausgesprochen haben in der Phase.

00:23:20: Also ich möchte nur sagen das sind ideologische Grenzen, die es gibt.

00:23:25: Es sind keine ethnischen Grenzen... Denn die SDF, the Syrian Democratic Forces sind explizit auch in ihrem Selbstverständnis eine kurdisch-arabische Gruppe.

00:23:36: Also wirklich viele auch arabische Personen darunter, die Teil der SDFs sind.

00:23:42: Dann gibt es natürlich auch syrische armenische Battalions und Gruppen, die sich dieser Idee zugehörig fühlen.

00:23:52: Das ist so, würde ich sagen, eine Sache.

00:23:55: Und die andere Sache ist der Grund!

00:23:57: Und das möchte ich wirklich hervorheben.

00:23:59: Der Grund, warum die STF in Raka und Derezol waren war nicht der Anspruch quasi Gebiet was über das historische kurdische Gebiet hinausgeht, kurdisch zu belagern so wird es ja immer erzählt sondern der Grund warum sie dort waren war weil der IS, Raka- und diese Gebiete also Raka vor allem als dass die Hauptstadt des Kalifats ausgerufen hatte.

00:24:26: Ein territorialer Kampf gegen den IS hat auch bedeutet, dass man diese Orte militärisch einnimmt.

00:24:33: Und die Kurden haben das damals getan, haben Jacka befreit vom IS und haben dann dort eben bis jetzt verwaltet.

00:24:42: aber halt wie gesagt über ein dezentrales System, ein multiethnisches System.

00:24:46: es geht nicht um eine ethnische quasi Fremdherrschaft, sondern es geht um eine systemische Frage.

00:24:53: Die Menschen vor Ort die jetzt sagen ne wir möchten lieber Teil von Damaskus sein einer quasi homogene Erzählung des syrischen Staates unterstützen.

00:25:04: Die haben ideologische Unterschiede das es geht nicht um eine ethnische frage vom fremden Nebsterrschaft.

00:25:20: und jetzt vielleicht noch mal zurück zur jüngsten Geschichte und zum Sturz von Bashar al-Assad der ja jetzt zu der jetzigen Situation geführt hat.

00:25:31: Vor etwas mehr als einem Jahr wurde er die Assad-Regierung durch eine Koalition zum einen der islamistischen HTS-Melids unter Ahmad al-Chara und durch die türkisch unterstützte syrische nationale Ami gestürzt.

00:25:44: Ahmad al Chara, wie wir alle wissen übernahm die Übergangsregierung oder sogenannte Übergangsregierung.

00:25:53: Zuerst will ich aber noch wissen, wie hat sich denn die Führung der Selbstverwaltung unter Bashar al-Assad mit dem syrischen Regime orangiert.

00:26:02: Das war so eine Priorisierung der Fronten, würde ich sagen.

00:26:06: Also Assad hat dieses Gebiet gewähren lassen nicht weil da irgendwie ne historische Allianz oder so ist oder weil er das toll fand ganz im Gegenteil.

00:26:16: Ich mein dreißig bis vierzig Prozent des Gebiets war kurdisch verwaltet und es sind Gebiete die ja jetzt auch unter seine Verwaltung bringen möchte, weil sie eben ressourcenreich sind und auch einfach wichtig ist.

00:26:29: Die Souveränität eines Staates also da läuft also Wasser läuft dadurch.

00:26:33: wir haben Baumwolle dort die Remerlernen Ölfelder dort Und dreißig bis wissig prozent eines Landes geografisch ist nicht wenig.

00:26:43: Also es gab keine militärischen Auseinandersetzungen in der Form zwischen Assad Rojava, nicht weil sie ideologisch zusammen konnten oder weil sie gemeinsame Interessen hatten sondern ganz im Gegenteil war Assad damit beschäftigt war seine Opposition zu unterdrücken.

00:26:59: Und unter Assad diese zwölf oder dreizehn Jahre das es da keine kriegerische Auseinandersetzungen in der Form gab hatte einfach nur Grunde dass Assad ein geschwächter Diktator war und halt kämpfen musste gegen also suchte als zu behaupten gegenüber der Opposition die auch stark war und die ja auch unterstützt wurde von Der Türkei.

00:27:19: Das ist der Grund, warum eine Selbstverwaltung?

00:27:21: Also das ist so ein bisschen die Beziehung zwischen der Selbstverwartung und Assad.

00:27:27: Und dann kam der Sturz Assad, der auch von Kurdinnen gefeiert wurde... ...und es kam aber gleichzeitig natürlich den Machtwechsel hin zu Al-Shalla.. ..und wenn ich das richtig sehe, wurde er schon von Beginn an als Bedrohung für die Existenz der kurdischen Selbstverwertungen oder einfach für die Sicherheit.

00:27:46: kurdischer Menschen in Syrien wahrgenommen.

00:27:49: Warum war das so?

00:27:50: Obwohl ja eigentlich noch nicht klar war, was quasi passieren wird.

00:27:55: Also der Abkämmersatz und das Ende der Assatt-Diktatur hat wirklich bei allen großen Freuden ausgelöst.

00:28:03: Es waren nur getrübt.

00:28:05: also die Freude unter Kurdenen war einfach nur begleitet von einer Existenzangst Nicht weil Assad gegangen ist sondern was danach kommen sollte.

00:28:13: Und schon vor einem Jahr hatten wir diese Veranstaltung kurz nach dem klar war Regimewechsel in Syrien.

00:28:20: Im ND zum Beispiel, zu was kommt jetzt mit Al Jolani?

00:28:25: Wir haben damals noch nicht mal von al-Sharah gesprochen und von Al Jollani.

00:28:29: Und als ich da eingeladen war habe ich auch schon gesagt das ist einfach wirklich gefährlich, was uns gerade bevorsteht.

00:28:36: Da muss man ganz klar benennen, mit welchen Promissen diese neue Regierung gegründet werden soll.

00:28:43: Und welche sind das?

00:28:45: Welche Prämisse sind es?

00:28:46: Die sind eigentlich schon angelehnt an dem, was ich vorher erzählt habe – diese Abspaltung Anfang der Jahr- und Zwölf dieser Jahre innerhalb der oppositionellen Kräfte.

00:28:58: Also die Kurden waren ja Teil der Opposition, hab' ich ja vorhin gesagt.

00:29:01: Sie haben sich aber dann selbst... weiterentwickelt, autonomisiert.

00:29:06: Weil eben sie nicht mitgehen konnten mit den jihadistischen Prämissen.

00:29:11: und dass diese Gruppen wie Al-Qaeda oder Al Nusra später auch so stark quasi hegemonial geworden sind in der Opposition ist halt auch das was jetzt einen Vertrauensbruch hervorbringt weil Shara ist nicht einfach nur ein unbeschriebenes Platz, sondern er selbst war Jihadist oder hat sich eben gekämpft in der Nussrefront.

00:29:36: und die HTS auch wenn sie Teil der Opposition sind gegen Assad vertreten sehr nicht dieselben Prinzipien oder dieselben Wertvorstellungen wie die kurdische Selbstverwaltung.

00:29:47: Und du hast ja gefragt worum geht es da?

00:29:50: Geht das um existenzielle Bedrohung gegenüber Kurdenen?

00:29:53: Ja!

00:29:54: weil oft in einer islamistischen Erzählung Kurdinnen als Ungläubige dargestellt werden, weil sie eben auch politisch organisiert sind und weil sie eine feministische Ausrichtung haben.

00:30:06: Und noch radikaler oder extremer, weil oft Kurdinen ein äsidischer Ursprung quasi zugeschrieben wird, den Sie haben – das ist ja noch mein ganz eigenes Thema für sich – hunderte quasi dieser Demonisierung und Entmenschlichungen ausgesetzt sind, weil sie eben nicht Teil des Islams sind.

00:30:30: Und diese Ursprungs- und Herkunftsfrage das ist mir sowieso alles sozialistisch also mir persönlich als Rosa.

00:30:37: aber diese ganzen Dimensionen gibt es und das ist ein Wissen, ein kollektives Wissen darauf dann Menschen reagieren.

00:30:46: irgendwie als klar war, er wird Interimpräsident und unter ihm wird ein neues Syrien nochmal neu ausgehandelt werden.

00:30:54: Hat das erstmal natürlich einen Überlebensinstinkter vorgerufen bei Menschen die genau wissen dass er auch von einer ideologischen Tradition kommt, die Kurdinnen Frauen und zum Beispiel auch religiöse Minderheiten wie die Jesidinen demonisieren entmenschlichen Entrechten und Unterwerfen.

00:31:12: Das ist natürlich kollektiv total verankert.

00:31:16: Nun hat sich Alterra ja sehr gemäßigt gegeben.

00:31:21: Wir kennen natürlich alle diese Memes früher als islamistischer Kämpfer der Alnusser Front heute, als Staatsmann im Anzug und ich beobachte dass er sehr gut ist in dieser Art von Selbstdarstellung.

00:31:34: also er kann PR erschreckend gut und dieses Gemäßigte ist für ihn natürlich instrumentell auch deshalb wichtig weil ihm, dass die Allianz bestimmte Staaten nicht nur im Westen aber auch im Besten sichert.

00:31:50: Weil sie sich dann quasi so ist mein Eindruck leichter an seine Seite stellen können wenn er jetzt nicht den Islamisten gibt sondern den Staatsmann.

00:31:59: und diese Befürchtung vieler Minderheiten in Syrien die erst mal eine Skepsis war dann Angst Die hat sich für viele auch verwirklicht.

00:32:09: es gab viele Massaker gegenüber Minderheiten auch unterstützt durch die syrische Armee.

00:32:16: Massaker an Drossinnen, Massaker alle Wieten in den Küstenregionen und natürlich auch Gewalt gegenüber Kurden.

00:32:25: Also das ist das eine diese Gewalt die ausgebrochen ist aber wir sehen jetzt eben auch in den letzten Wochen was eigentlich der Grundkonflikt ist also als Schader erhebt als syrischer Präsident einen vollständigen Anspruch auf die Kontrolle des gesamten Landes Syriens Und das heißt natürlich auch auf die kurdische Selbstverwaltung.

00:32:44: Die kurdliche Selbstverwaldung auf der anderen Seite möchte natürlich ihre Autonomie wahren, die für sie als Schutz da ist – also nicht nur als quasi des politischen Projekts und auch als Schutz für Kurden und Kürdinnen und alle anderen Menschen in der Region.

00:33:00: Ich glaube an dieser Stelle ist es auch wichtig nochmal über die Kräfteverhältnisse zu sprechen, die von geopolitischen Interessen bestimmt sind.

00:33:08: Wer unterstützt als Schade?

00:33:09: Und wen haben die kurdischen Kräfte noch an ihrer Seite?

00:33:16: Das ist eine große Frage.

00:33:18: Noch kurz so, dass er sich ein Staatsmann jetzt gibt und dadurch auch akzeptiert wird – tatsächlich ist es so!

00:33:25: Also er spricht die Sprache des Staates.

00:33:28: Er kann Abkommen abschließen.

00:33:31: Er zieht sich so an wie man einen Staatsmann sich vorstellt.

00:33:35: Er normalisiert das Staatensystem.

00:33:40: Interessante, also er kommt ja eigentlich von einer jihadistischen Ideologie die eben keine Grenzen zwischen der Umma den muslimischen quasi Ländern oder der muslimische Umma mehr haben möchte.

00:33:53: So Nationalstaatlichkeit steht ja eigentlich konträr zu einem extrem oder radikalen Verständnis von Islam.

00:34:00: Also es ist so eine politischer Islam und Er aber hat, und das ist glaube ich die Quintessenz.

00:34:07: Er hat eben Staatlichkeit im staatlichen Grenzen normalisiert in seinem Auftreten und deshalb wird er halt auch anerkannt und akzeptiert von einer internationalen Staatengemeinschaft.

00:34:18: einmal dass also die Kräfteverhältnisse.

00:34:21: allerdings das ist verspannend weil eigentlich gibt es da immer nur so Momentaufnahmen.

00:34:26: Hättest du mich gefragt vor einem Jahr hätte ich was anderes vielleicht gesagt als was ich jetzt vom Bauchgefühl her sagen würde.

00:34:35: Mein Gefühl war damals auf jeden Fall, dass das ja eine gesamtregionale Entwicklung ist und dahinter stehe ich auch immer noch.

00:34:44: die kurdische Frage stand plötzlich im Zentrum dieser ganzen neuen Aushandlungen von wer wird jetzt Damaskus regieren?

00:34:52: Was passiert eigentlich mit der PKK?

00:34:54: Wir wissen, dass die PKK in dieser Phase entwaffnet also Entwaffnungszeremonien gemacht hat.

00:34:59: wir wissen, angefangen hat mit der kurdischen Frage.

00:35:06: Böserland wurde plötzlich wieder befragt, der Gründer der PKK und seit neunundneinzig inhaftierter ideologischer Vater der kurdischen Freiheitsbewegung oder Anführer war plötzlich wieder ein Ansprechpartner für die Regierung in der Türkei.

00:35:26: Und dieser sogenannte Friedensprozess hat angefangen.

00:35:29: Das hat alles gleichzeitig angefangen Also der Abgang von Assad, die Annäherung der türkischen Regierung an diese sogenannte kurdische Frage.

00:35:37: Gleichzeitig aber auch der siebte Oktober und alles was mit Gaza passiert ist also alles was danach passiert ist mit dem Genozid in Gaza und so auch dieser ja diesem Vormachtsanspruch Israeis auch in Syrien nach Assad.

00:35:53: das sind alles Momente gewesen wo vor einem Jahr der die Momentaufnahme den Eindruck erweckt hat Die kurdische Karte ist gar nicht so schwach.

00:36:04: Also die Kurden sind gerade gar keine so eine schwache Kraft in der Region und ich würde das sogar immer noch vertreten, aber mit einem großen Aber.

00:36:13: Und warum war es damals nicht so... also warum habe ich von dem Jahr ungefähr noch stärker gedacht, dass da mehr Handlungsspielraum für die Kurde muss?

00:36:22: Weil eben diese kurdischen Frage in einer zentrale Rolle gespielt hat Kurden als ein Faktor der Geopolitik zu tun hatten, sondern sie waren aktive Akteure die mitgestaltet haben anerkannt wurden und auch in Verhandlungen mit am Tisch saßen.

00:36:41: Das ist etwas ganz Neues in den hundert Jahre kurdische Frage.

00:36:46: dass das kräfte Verhältnis jetzt ein anderes ist liegt auch unter anderem daran dass es mit Gewalt versucht wurde diesen Handlungsspielraum der Kurden einzudämmen.

00:37:00: Warum sage ich das?

00:37:01: mit Gewalt?

00:37:02: Diese offensiven Aleppo-aufkurdische Nachbarschaften, dieser Angriff auf kurdische Viertel in Aleppo war zum Beispiel nicht nur ein Beispiel sondern vielleicht so die Zäsur sogar zu versuchen den Handlungsspielraum der Kurden.

00:37:17: So weit es geht einzudämmen, die Kurden quasi am Verhandlungstisch vielleicht sogar nicht mehr zu haben damit eben die Großmächte und auch die Türkei, Israel, die USA dann eben in Kooperation mit Damaskus ihre Interessen ohne Zugestellten, dass sie für die Kurden machen zu müssen auch unter sich aushandeln können.

00:37:39: Das war dieser kritische Moment.

00:37:51: Bevor wir auf die Angriffe selbst kommen, es gab ja auch Verhandlungen zwischen den kurdischen Kräften bzw der Selbstverwaltung und der syrischen Übergangsregierung u.a.

00:38:01: Schala.

00:38:03: Warum sind diese Verhandlung gescheitert?

00:38:05: Also das Abkommen vom zehnten März hat eigentlich nur gesagt vor einem Jahr, dass man gemeinsam ein Integrationsplan arbeiten möchte.

00:38:15: So wird es tatsächlich auch in der Region bezeichnet.

00:38:18: also kurdische Medien sprechen von Integrationsplans, türkischen Medien sprechen davon, Damaskus spricht davon, die internationalen Staatengemeinschaft spricht davon was sehr spannend ist weil die Frage ist wer wird wohin integriert?

00:38:28: und ich finde auch so eine sehr migrantischen Position in Deutschland heraus müsste eigentlich auch alle Wahnsignale angehen, wenn man von Integration spricht in der Form.

00:38:39: Also diese Macht-Symmetrie die auch so ein Begriffen drin ist aber all das mal zur Seite.

00:38:46: es hieß zehnten März.

00:38:48: wir sind bereit eben diesen Dialog zu führen.

00:38:51: Der fünfte und sechste Januar dieses Jahres ist es aber gekippt.

00:38:57: Und zwar gab es einen Sicherheitsabkommen zwischen Israel USA Der HTS, also Damaskus.

00:39:05: Das sogenannte Paris-Abkommen.

00:39:07: und kurz zur Zeit danach, also wirklich innerhalb von Stunden wurden diese kurdischen Nachbarschaften, diese kurdischen Viertel angegriffen.

00:39:15: Und da ist eben genau dieser Moment gewesen, glaube ich geopolitisch in der Interessenvertretung von dem, wovon ich vorhin gesprochen habe mit den Großmächtern haben sich, glaube eben so zu positionieren, ihre Interessen so zu vertreten dass das auch ohne Zugeständnisse für die Kurden funktioniert.

00:39:31: Innerhalb dieser und jetzt kommen diese Abkommen, diese ganz wichtigen Prozesse und verschiedenen Abkommen die danach kamen mit diesem Angriff war quasi der des Abkommens vom zehnten März de facto nicht mehr aktiv wurde quasi revidiert weil es ja einen direkten gewaltvollen Angriff gab.

00:39:53: Alshara hat dann in dieser Phase versucht ein Dekrit zu erlassen und zu sagen, ich als Regierung die quasi den Regierungsanspruch hat, erkenne an dass Kurden einen Recht auf Muttersprache haben.

00:40:08: Erkenne An das Kurde Navajos als Feiertag des kurdischen Neujahr feiern dürfen.

00:40:14: Wir sind eine Nation, die aus mehreren Nationen besteht Und ihr dürft all diese kulturellen Sachen quasi ausleben.

00:40:23: Das waren seine Zugeständnisse nachdem brutal in Aleppo angegriffen und vertrieben wurde von seiner Armee.

00:40:31: Und man hat relativ schnell irgendwie gesehen, eigentlich geht es darum dass man Kurden quasi so besämpftigt und sagt hey ich gebe euch Zugestätnissen und dafür kriegen wir uns nicht und wir nehmen auch noch eure territoriale Verwaltungsstruktur ein.

00:40:45: und in dem Moment haben eben die STF gesagt Also es ist quasi nicht etwas, wofür wir vierzehn Jahre gekämpft haben und das ist auch nicht etwas was Azugeständnis überhaupt funktioniert.

00:40:57: Das ist Menschenrecht um Grundrecht.

00:40:59: dass man in der Muttersprache zum Beispiel unterrichten kann also dass das Azuggeständnis geframed wurde war schon ein Skandal an sich.

00:41:08: sehr sehr symbolisch.

00:41:10: im Grunde war die Erzählung und das was angekommen ist in diesem also im letzten Monat in den letzten Wochen ist, dass der Integrationsplan unter Al-Sharah diese Vorstellung und dieser Idee von ein Staat eine Nation eine Flagge vertritt.

00:41:29: Und das kurdische Sichtbarkeit nur ein kulturelles Artefakt sein kann für

00:41:35: Syrien.".

00:41:36: Man hat also relativ schnell die Vision eines Posthassat-Syriens von Al-Sharafe standen weil dieses Dekret quasi die Zugeständnisse dargestellt hat kurdische Existenz kann nicht politisch sein.

00:41:49: Es geht um politische Entrechtung, aber es geht darum zu sagen wir erkennen an dass sie eine andere Volksgruppe seid und ihr dürft kulturell existieren.

00:41:57: Woran erinnert uns das?

00:41:59: Erinnerts uns an die Türkei!

00:42:01: Es erinnerte uns quasi an das türkische Nation-Bildungsprojekt unter Erdogan.

00:42:07: vor allem

00:42:08: Ich meine aus nationalstaatlicher Logik heraus ist es total schlüssig, dass der Präsident eines Staates sagt Ich will nicht, dass da eine autonome Region ist.

00:42:19: Ich will mich das da ein anderes politisches System herrscht und vor allem keine andere Armee innerhalb meines Staates.

00:42:25: aber das ist eben natürlich diese genau diese nationalstaatliche Logik die die Selbstverwaltung natürlich auch mit ihrer Existenz infrage stellt.

00:42:34: interessant war ja Selbstverwaltung ja nie gegen diese Integration war.

00:42:41: Also die Kritik an dem Begriff kommt ja zum Beispiel von Wissenschaftlerinnen oder von Menschen, die das beobachten wie von mir aber aus der aus den eigenen Reihen in Rojava kam ja erstmal keine große Kritik am Begriff

00:42:53: z.B.,

00:42:55: der Integration.

00:42:56: Das heißt, die Selbstverwartung war immer bereit und es hat sie auch immer in allen Erklärungen und auch in ihrem Handeln dargelegt, neues Syrien in den territorialen Grenzen mit aufzubauen und mitzugestalten.

00:43:12: Aber im föderalen System?

00:43:14: Ja, derweise in einem föderalem System.

00:43:17: Und eine Hauptfrage war – das ist auch das, warum Verhandlungen gescheitert sind, also auch zählte Mehrheits-, aber auch danach – nämlich eine große Frage, weil die Frage von Sicherheit und Sicherheitskräften.

00:43:31: Weil die Zentrale Regierung mit der Türkei im Rücken muss man sagen, haben einfach ein großes Interesse daran gehabt zu sagen das Mitglieder der STF dann als individuelle Soldaten in eine syrische Armee eingegliedert werden soll.

00:43:48: Also statt quasi kurdische Einheiten zu integrieren in die syrischen Armee dass sie einfach keine Gruppe mehr sind sondern individuell ganz normale Soldaten sind

00:44:01: und also so eine individuelle Integration hätte in der Konsequenz bedeutet SDF-Mitglieder, also die für Rojava quasi Sicherheit geschaffen haben auch eingesetzt werden können in anderen Gebieten.

00:44:13: Und gleichzeitig aber auch das arabisch, sonitische und so weiter andere Kämpfe erinnern, die nichts mit der Selbstverwaltung zu tun haben, in der Selbst verwaltung positioniert und eingesetzt wird.

00:44:23: Also in der heutigen noch selbstgewaltung.

00:44:26: Das war wirklich eine große Frage.

00:44:30: Also wie wird die STF integriert als Gruppe, als autonome Gruppe?

00:44:33: Als Batallion, als regionale Gruppe oder als individuelle Soldaten?

00:44:38: Dann war der andere Frage wer sich hat, die interne Sicherheit also die Acais, die polizeiliche Sicherheit in den Regionen.

00:44:46: Also nicht nur das militärische sondern halt auch reingesellschaftlichen Fragen von Sicherheit und Schutz standen eben zur Disposition.

00:44:54: Und das Interessante ist ja dass Kurtinnen ja nie gesagt haben, wir möchten nicht Teil einer syrischen Armee sein.

00:45:01: Sie haben ja schon gesagt, wir sind bereit dafür aber wir möchten unsere gewissen Autonomien wahren und das kann man ja aushandeln ist jetzt nicht so aus ob es etwas ist was nicht aushandelbar wäre.

00:45:11: welche Grenzübergänge werden von wem kontrolliert?

00:45:14: wie werden die Checkpoints kontrolliert?

00:45:17: Welche Städte haben zum Beispiel vielleicht eine Co-Verwaltung usw.

00:45:22: Das sind alles Sachen die man eigentlich dezentral kennen.

00:45:25: wir Wir kennen federale und dezentrale Strukturen, die man hätte aushandeln können.

00:45:30: Und das alles verfassungsrechtlich auch verankert.

00:45:34: was als Charat versucht hat ist per decrete kulturelle Zugeständnisse kurden politisch militärisch und sicherheitspolitisch vor allem zu entmachten in ihrer Selbstbestimmung.

00:45:45: Das waren diese Prozesse warum Es eben so keiner Einigung kam.

00:45:52: Und dann, weil es eben nicht zu einer Einigung kam, hat Al-Shada einfach gesagt okay wir greifen jetzt an militärisch und war eben auch in einer militärischen dominanten Position offensichtlich.

00:46:06: Nicht nur wegen seiner eigenen Militärkapizierten aber auch – wir haben ja vorhin schon darüber gesprochen – weil es sehr viele Überläufe gab also von ihr arabisch besiedelten Gegenden von Milizen, die gesagt haben wir laufen über zu der Armee Ahmed Ilshadas.

00:46:22: Ja also erst hat es angefangen mit Aleppo dann gab es eben diese vermeintlichen Zugeständnisse Verhandlungen haben dann wurden abgebrochen und er war natürlich auch militärisch überleben nicht nur wegen den Menschen die übergelaufen sind sondern auch weil die weil die STF zum Beispiel auch gesagt hat wir kämpfen nicht.

00:46:43: Also die STL hatte Sie sind ja zurückgezogen.

00:46:46: Es ist jetzt nicht so, dass an jeder Front gekämpft wurde.

00:46:49: Sie haben ja gesagt okay wir möchten eben nicht in einer kriegerische Front gedrängt werden und das hatte auch innerpolitische Gründe in der Türkei.

00:47:00: also wie gesagt wir können diese ganzen Prozesse nicht irgendwie voneinander getrennt betrachten.

00:47:07: die Türkeis hat zum Beispiel ein Interesse daran, dass die SDF kämpft schon in Aleppo kämpft, Irakka kämpfte und der Dersol kämpfe.

00:47:14: Um dann zu sagen Friedensprozess ist gescheitert.

00:47:16: das sind Gruppen die kämpferisch autonomie wollen und separatistisch sind.

00:47:21: als der STF-Kommandant Maaslam Abdi gesagt hat diese Zugeständnisse oder dieses Abkommen kann ich nicht tragen.

00:47:30: Ich fahre zurück nach Rojava er ist ja nach Damaskus eingereist.

00:47:33: Ich fahr zurück nach Rohjava und lieber sterbe ich mit meinem Volk als dass sich mein Volk so einer Unterdrückung aussetzen, also eine politischen Entrechtung aussetzen.

00:47:46: Das waren achtundvierzig Stunden die signifikant waren dafür dass wir jetzt heute nicht über eine ethnische Säuberung in Norddeutsch-Syrien sprechen.

00:47:58: Warum sage ich das?

00:48:00: Also erst, wie gesagt die Kurden haben... Die kurdische Selbstverwaltung hat sich erstmal zurückgezogen.

00:48:04: Hat erstmal keiner kriegerischen Auseinandersetzungen quasi noch mal angefeuert oder so hat es sich nicht verteidigt.

00:48:11: und dann gab's eben diese Zugeständnisse neue Abkommen, also vermeintliche Zugestständnisse.

00:48:17: Und Masumabdi hat aber dieser politischen Entrechtung nicht zugesagt und gesagt wir kämpfen!

00:48:23: Ich werde lieber an der Seite meines Volkes kämpfen als dass ich mein Volk dem unterwerfe was hier uns als ein Abkommen dargelegt wird, und dann gab es eben achtundvierzig Stunden Gefechte.

00:48:36: Und aber auch gleichzeitig achtundfünfzig Stunden Massenmobilisierung in der gesamten Region und in der Diast.

00:48:44: Jeden Tag wurden mehrere Demonstrationen angemeldet, es sind Massen auf die Straße gegangen... Die türkisch-syrische Grenze zum Beispiel.

00:48:51: da gab's ganz viele Proteste also Grenzproteste.

00:48:55: Die Grenzhäune wurden runtergerissen, Menschen sind von einer Seite auf die andere Seite gegangen und bis heute sind auch immer noch Bereiche belagert von der syrischen AB.

00:49:04: Aber das Interessante war dass diese Achtundvierzig Stunden dazu beigetragen haben, dass relativ schnell ein Waffenstillstand von Seiten von Damaskus ausgerufen wurde.

00:49:13: und dann hieß es okay wir müssen einen Integrationsplan schmieden.

00:49:17: also wenn man sich das so einer analytischen Ebene anschaut, also auch distanziert anschaut.

00:49:25: Es ist so traurig wie viel einfach auch gespielt wird in Anfangsstrichen.

00:49:29: Also so Kräftemessen stattfindet und dann immer geguckt wird ja okay wir können jetzt mehr Interessen rausbekommen?

00:49:36: Wie kann man die Kurdinnen in den Knie zwingen?

00:49:39: und da müssen sich auch noch verteidigen und wieder kämpfen eine Bevölkerung die seit Jahrhunderten quasi Gewalt und Kampf ausgesetzt ist, um dann einen Basiskonsens zu erreichen.

00:49:53: Dass es einen so weit wie es geht demokratischen Integrationsplan geben muss.

00:49:58: Denn die Regierung der Aschera, du hast das auch schon genannt haben ja schon Massaka verübt ausgeübt an Allerwietinnen und Drusinnen Und diese Bevölkerungsgruppen waren nicht selbst organisiert.

00:50:12: sie haben eben Nicht Wie Die Selbstverwaltung Schutzmechanismen und Strukturen gehabt, die eben greifen können wenn solche Vertrauensbrüche stattfinden.

00:50:22: Und das ist die Quintessenz dieser ganzen Frage.

00:50:26: es geht ums Überleben.

00:50:28: also die Selbstverwaltung vertreten nicht nur ein politisches Modell sondern die Selbst Verwaltung hat eine historisch erlernte, ein historisch Erleerendes Bewusstsein darüber dass im Endeffekt Kurdinnen und Minderheiten immer auf sich selbst gestellt sind gerade in so neuen Konstellation von Regimenwechsel und so weiter, aber auch in der Eterblierung von Nationalstaatlichkeit in dieser Region.

00:50:52: Und diese Frage wären die SDF integriert?

00:50:55: Wie werden sie integrieren?

00:50:56: militärisch?

00:50:57: Wer sich hat.

00:50:59: Schutz ist eine essenzielle Frage für Menschen, die jahrhundertelang unter Druckungen durchgemacht haben.

00:51:05: Also es gab den Waffenstillstand.

00:51:06: man gesagt man geht nochmal in Verhandlungen und gab jetzt einen Abkommen.

00:51:10: was das Resultat und was bedeutet das für Rojava?

00:51:14: Also aktuell ist es ja so, dass die STF eben zurückgezogen ist in drei oder zwei Enklaven hauptsächlich.

00:51:24: Also rund um Kamelschlo und Kobane.

00:51:26: Und das Abkommen sieht jetzt vor, dass es diesen Integrationsprozess in der syrische Armee geben soll aber nicht als individuelle Soldaten wie des Anfangs quasi gefordert wurde von Damaskus sondern dann die STL für das eigenständige Batallion auch drin sein kann und soll.

00:51:46: Aber es sind, wie gesagt, das sind alles quasi erste Abkommen.

00:51:49: Das ist nichts in der Verfassung verfestigt und das ist noch nicht in der Form abgeschlossen.

00:51:56: Es sind alles Verhandlungsebenen aber das wird jetzt versprochen und gleichzeitig wurde aber auch vereinbart dass auch zentrale Strukturen also Teile der syrischen Armee an so Grenzübergängen stationiert sein werden.

00:52:10: Also zum Beispiel Regionen wie Kamschlo und gleichzeitig wurde aber auch vereinbart, dass zum Beispiel selbst ernannte Personen der SDF dann Teil von Entscheidungsträgern in Damascus sein können.

00:52:27: Also es gibt tatsächlich so eine Frage von okay wir handeln aus wie jetzt diese Integration stattfinden kann eine militärische Integration Gleit und ein sehr wichtiger Punkt, glaube ich.

00:52:39: Der Teil dieser Verhandlung des Abkommens ist zwar dass die Vertrieben dann wieder zurück können dahin wo sie vorher gelebt haben.

00:52:47: vor allem in Afrin ist das der Fall weil Afrin wurde im Jahr zwei tausend achtzehn von der Türkei belagert und die Menschen dort wurden vertrieben.

00:52:54: Das ist eine kurdische Region durch und durch und also historisch damit das meine ich mit durch und Die Menschen sollen auch wieder zurück nach Afrin können.

00:53:03: Das ist zum Beispiel Teil einer Verhandlung

00:53:06: durchaus ein Zugeständnis, wenn man in Betracht sieht das gerade Erdogan natürlich überhaupt gar kein Interesse daran

00:53:13: hat.

00:53:13: Genau absolut ein Zuggeständnis.

00:53:15: die Frage ist allerdings und das ist auch so ein bisschen der Call auf kurdischer Seite.

00:53:20: wie gesagt es ist eine tiefe Vertrauenskrise.

00:53:23: der Krieg in Aleppo dieses Angreifen auf kurdische Viertel in Alepo hat glaube ich einen Vertrauenskrise ausgelöst, die Jahrhunderte alt ist und ich glaube das wird jetzt sehr schwierig dieses Vertrauen wieder regenerieren.

00:53:36: Aber die Abkommen sind schon mal gute Zeichen.

00:53:39: aber die Frage ist wie gesagt der Call auf kurdischer Seite zu schauen was es in der Realität bedeutet weil wir machen diese Aufnahme ein paar Tage nachdem das Abkommen so in Kraft getreten ist.

00:53:52: seit dem zweiten Februar sollte es in Kraft treten und weiterhin ist zum Beispiel Kuba in der Stadt belagert.

00:53:58: Die humanitäre Hilfe kommt nicht an.

00:54:01: Es ist so, dass Menschen die vertreten wurden medicointernationales vor Ort und die machen eine tolle Berichterstattung vor Ort.

00:54:08: Die zeigen wir Menschen quasi in Schulgebäuden, in Krankenhäusern unterkommen wie Familien mehrere Familien ein Zimmer teilen Wasserversorgung Stromversorgungen Internet.

00:54:19: all das ist gerade Nicht gegeben Und wir haben schon einige Tage nachdem das Abkommen Kraft hätte treten müssen.

00:54:26: natürlich ist es so, dass das Zeit braucht.

00:54:29: Aber ich glaube und das ist ein bisschen das was uns alle glaube ich besorgt aufgrund der Vertrauenskrise.

00:54:36: Es wird sich zeigen ob das so sauber und so demokratisch vonstatten geht denn bas al-Sharah... Und das ist vielleicht auch ein wichtiges Wort ...bas al-Shara.. Was seine Regierung quasi gerade darstellen an Zukunftsvision für einen Syrien sind So wie wir das gerade sehen, wenn es so weitergeht dann wird es eben Gewaltforscher.

00:55:00: Bosayslan spricht davon von einer Kombination zwischen Sudan und Afghanistan.

00:55:05: Also eine quasi ideologische Diktatur, islamistische Dikatur aber dann gleichzeitig mit einer starken und fortschreitenden Milizenbildung im Land.

00:55:16: Wenn diese Kombination in der Form die sie gerade in Ansätzen da ist Eine Zukunftsvision von Al-Sharah für Syrien Trotz der Abkommen mit Rojava und auch wenn die Selbstverwaltung quasi bestehen bleibt in einer gewissen Form, ist das wirklich eine sehr düstere Zukunftsperspektive für die Region haben.

00:55:37: Deshalb ist es umso wichtiger dass Rojavas und die Erumenschaften von Rojavas in der Selbstverwartung verteidigt werden, gewahrt werden und immer auch überall artikuliert werden, denn es steht nicht nur die Zukunft von Roger war quasi so eine Disposition sondern tatsächlich auch der gesamten Region mit den Aussichten, die wir haben.

00:56:05: Was für eine Art von Unterstützung geht gerade aus Europa zum Beispiel würde es zu dir denn wünschen um diese Situation in Rojava zu stärken?

00:56:14: Also die Selbstverwaltung zu stärkern.

00:56:16: Es gibt natürlich verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten.

00:56:19: also das geht einmal auch konkrete materielle Unterstützung durch zum Beispiel Spenden an Medico Internationale, die vor Ort humanitäre Hilfe leisten.

00:56:29: Das geht auch um eine Unterstützung über politischen Druck auf den Straßen mit Protesten und Demonstration das Thema immer präsent zu halten aber würde tausend Schritte zurückgehen und ich finde eine große Unterstützung muss sein einer diskursive Unterstützung.

00:56:46: es kann nicht sein dass wir heute immer noch mit Artikeln zu tun haben Wenn wir aufwachen morgens lesen im Spiegel oder woanders, die diese kurdische Frage gar nicht mit in ihre Analysen einbezieht.

00:56:59: Die über eine Erzählung quasi über ne Projektionsfläche diesen Konflikt erzählt dass wir BerichterstatterInnen haben, die sagen Leute Menschen freuen sich vor Ort als sei die Berliner Mauer gestürzt worden das endlich DDR-ähnliche Diktatur verhindert wurde in Rojava.

00:57:18: Also solche Erzählungen und solche Narrative sind total entmenschlichend, verzerrend... ...und auch etwas wo ich denke rein epistemisch auch falsch.

00:57:29: also wir haben jetzt in diesem Podcast und das ist so wichtig dass wir solche Gespräche führen ja auch einmal darlegen können dass es halt auch um Kurdistan geht und wir können das nicht wegdenken Und ich glaube das irgendwie immer präsent zu halten diese kurdische Positionierung nicht nur runterzubrechen auf dieses Narrativ von, naja ist ja eine Milit.

00:57:49: Die sind irgendwie so autoritär und irgendwie möchten sie da so Gebiet verwalten was ihnen gar nicht zusteht.

00:57:55: wer sagt das?

00:57:55: Also wer macht Syrien zu einer arabischen Republik?

00:57:59: Das passiert auch sehr oft diskursiv Und dass es glaube ich rein zukunftsperspektivisch total fatal werden.

00:58:05: wir so sprechen über die Region.

00:58:09: Du hast jetzt richtigerweise von Roger war als eine Projektion gesprochen und das ist etwas, dass mir so in meinem Verstehen wollen dieser Thematik auch aufgefallen ist.

00:58:22: Dass es irgendwie so zwei Roger was gibt.

00:58:23: auf der einen Seite gibt es so Roger War als Projektion sowohl im sehr negativen also auch im extrem positiven wo wir glaube ich gerade in der deutschen Link auch immer wieder sehr romantisierende Projektionen sehen Und auf der anderen Seite gibt es das echte Rojava, also Norddeutsch Syrien in seiner tatsächlichen Existenz.

00:58:43: Dass natürlich sehr viel komplizierter ist als so eine Projektion und ich glaube, dass wichtigste was passieren kann, ist, dass man weg von diesen vielen Projekten kommt und hin zur tatsächlichen Realität vor Ort und die sich in all ihren Komplexitäten quasi anzuschauen.

00:59:01: Absolut!

00:59:01: Es war mir immer ein Anliegen zum Beispiel in meinen Arbeiten auch auf dieses sehr, sehr existenzielle Wiederzukommen in der Bewertung der Situation.

00:59:14: Wir haben ja jetzt in dieser ganzen Stunde in der wir gesprochen haben schon viel über zum Beispiel das Modell Rojava gesprochen und wir haben über ökologische feministische dekoloniale Projekte gesprochen usw.

00:59:25: Und klar führt dass relativ schnellste Projektionsflächen auch linker Bewegungen aber oftmals eben von nicht linken Bewegungen wie wir auch schon in diesem Podcast darüber gesprochen haben über diese Idee, diese Forschung einer westlichen Verbundenheit durch die Werte und so.

00:59:42: Also haben wir im Jahr zweitausendfünfzehnt stark gesehen, wie dann plötzlich so Marie Claire oder Fashion Magazine von Amazonen gesprochen haben und Kurdinnen-Kurdische Kämpferinnen abgebildet haben Und ich finde beides wird dem nicht für ganz gerecht.

00:59:58: also wenn wir über Romantisierung unterhalb Projektionsflächen sprechen auch wenn ich wirklich sehr an einen Internationalismus glaube, aber wenn wir nur über die Projektionsflächen sprechen dann wird es zwei Sachen nicht gerecht.

01:00:10: Einmal dass diese Modelle die entstanden sind ein Versuch sind zu überleben und dazu habe ich promoviert.

01:00:19: also warum zum Beispiel diese alternativen Modelle eigentlich auch materiell und faktisch diese Bevölkerungsgruppen am Leben gehalten haben.

01:00:28: Sie mussten sich organisieren in den schlimmsten Gewaltepisoden und sie haben ihre Kraft eben in einer Beziehungshaftigkeit zueinander.

01:00:37: Daraus haben sie ihre Kraft geschöpft, und es wird eben zu wenig finde ich.

01:00:42: Es wird dem nicht ganz gerecht der Gewalt nicht ganz berecht wenn man in der Erzählung so tut als ob das nur eine ideelle oder eine linke Utopie ist.

01:00:54: Natürlich ist es ein Utopied und natürlich ist das auch eine revolutionäre Bewegung, aber sie hat im Endeffekt dazu geführt dass Menschen bis heute, dass die kurdischen Bevölkerungsgruppen und die Minderheiten, die es dann gibt in der Region überleben konnten.

01:01:08: Und ich rede nicht nur über Georgia weil ich rede auch über die Türkei, über den Irak usw.

01:01:14: Einmal also.

01:01:14: diese Überlebenskomponente wird viel zu wenig beschrieben in ganz vielen Geflüchteten Camps und Lagern auch in Europa, auch in Griechenland wo zum Beispiel viele kurdische Geflüchtete sind.

01:01:27: Sie organisieren ihre Zimmer basisdemokratisch.

01:01:31: Sie organisieren ihre geflüchteten Räume basisdemokratisch wenn zum Beispiel Regierungen keine Hilfe mehr leisten.

01:01:40: also es ist immer eine Reaktion auf Schutzlosigkeit.

01:01:43: einmal das und das andere wird sowieso diese westliche konservative Erzählung von Die Bodentruppen des Westens und westliche Werte, und Feminismus usw.

01:01:53: Das ist natürlich eine große Projektionsfläche denn was die Kurden dort gemacht haben ist ja ihre eigene Situiertheit Und die Unfreiheit zu verstehen, die sie selbst leben in ihren eigenen vier Wänden.

01:02:08: In ihrer eigenen Gesellschaft und daraus dann eine Alternative vorzuschlagen.

01:02:13: Daher kommt der dekoloniale feministische Anspruch.

01:02:16: Der kommt nicht daher weil Sie sich gedacht haben, der westliche Feminismus ist so toll, lass uns den mal hier adoptieren Sondern sie haben für sich selbst entdeckt Naja auch wenn wir ein eigenes freies Kurdistan hätten wäre es ja so, dass wir als Gesellschaft noch unfrei lehren.

01:02:34: Also dieses Recht auf Mitsprache und Mitgestaltung eines gesellschaftlichen Lebens ist der koloniale Anspruch der kurdischen Freiheitsbewegung.

01:02:43: Und das sind unsere eigenen Erfahrungen.

01:02:45: Das kommt nicht aus einer Kopie des Westens.

01:02:48: Und da sind eben diese zwei großen Projektionsflächen, die mich immer sehr gestört haben muss ich sagen in der Erzählung rund um kurdische Freiheits- bewegung oder Jojava.

01:02:57: Vielen, vielen Dank ihr.

01:02:58: Wir müssen hier leider Schluss machen.

01:02:59: Es war total interessant.

01:03:01: Danke dass du deine Expertise und deine Perspektiven mit mir geteilt hast.

01:03:05: Danke für deine Fragen oder die Zeit und auch diesen Raum den Du eröffnest.

01:03:09: Hast das wieder übersprechen?

01:03:11: Ja!

01:03:11: Das ist Sinn und Zweck des Podcasts.

01:03:14: Hoffentlich erfüllt.

01:03:17: Super.

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