Welchen Plan verfolgen die USA in Venezuela, Tobias Lambert?
Shownotes
Über welchen Rückhalt verfügt die venezolanische Regierung nach Jahrzehnten der Wirtschaftskrise, wachsendem Autoritarismus und der US-Intervention? Und welche Folgen hat das militärische Eingreifen für Lateinamerika?
Am 3. Januar 2026 intervenierten US-Streitkräfte in Venezuela und entführten Präsident Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores. Der Angriff erfolgte weder mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrates noch mit Zustimmung des Kongresses.
Über ein halbes Jahr haben die USA den Druck auf Venezuela kontinuierlich erhöht. Erst zog Präsident Donald Trump eine große Streitmacht vor der Küste des südamerikanischen Landes zusammen, dann versenkte die US-Armee mehr als 30 „Drogenboote“ und tötete dabei über 100 Personen. Verhandlungsangebote lehnte Trump ab und forderte stattdessen wiederholt den Rücktritt Maduros.
Seit geraumer Zeit ergreifen die USA immer aggressivere Schritte, um ihre Vormachtstellung in Lateinamerika zu sichern. Im April 2025 akzeptierte die Regierung Panamas nach erheblichem Druck ein Abkommen, dass die Stationierung von US-Truppen am Panamakanal erlaubt und der Marine eine privilegierte Nutzung einräumt. Die im Dezember 2025 verabschiedete US-Sicherheitsstrategie kündigt offen die Wiederherstellung der US-Dominanz auf dem Subkontinent an – abgesichert mit militärischen Mitteln.
In der zwölften Folge unseres Podcast „Weltunordnung“ spricht Felix Jaitner mit Tobias Lambert, freier Journalist und Lateinamerikaexperte, über die US-Intervention in Venezuela.
Schreibt uns an: weltunordnung@rosalux.org
Shownotes:
Tobias Lambert (2024): Gescheiterte Utopie? Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chávez, Mandelbaum Verlag.
Tobias Lambert (2026): US-Angriff auf Venezuela: Das Imperium kehrt zurück. Trump zielt auf Umsturz ohne Regierungswechsel und droht ganz Lateinamerika, Analyse, Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Tobias Lambert (2026): »Die Regierung hätte auch andere Optionen«. Die Lage in Caracas nach dem Überfall der USA – Interview mit dem venezolanischen Linken Andrés Antillano, nd.
Transkript anzeigen
Tobias Lambert: Weltunordnung.
Felix Jaitner: Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Tobias Lambert: Als die US-Regierung im Dezember 2025 ihre neue Sicherheitsstrategie verabschiedete, war die Empörung groß.
Tobias Lambert: Offensichtlich interessiert sich Präsident Donald Trump weniger für Europa als
Tobias Lambert: für die sogenannte westliche Hemisphäre, mit anderen Worten für Lateinamerika.
Tobias Lambert: Lateinamerika gilt als der traditionelle Hinterhof der USA.
Tobias Lambert: In der viel zitierten Monroe-Doktrin von 1823 erklärten die USA den Subkontinent
Tobias Lambert: zum eigenen Einflussbereich.
Tobias Lambert: Doch in den vergangenen Jahrzehnten scheint die Vormachtstellung der Vereinigten
Tobias Lambert: Staaten in Lateinamerika abgenommen zu haben.
Tobias Lambert: Vor allem die Linksregierungen in Venezuela, Bolivien und Ecuador suchten in
Tobias Lambert: den 2000er Jahren enge Beziehungen zu China und Russland.
Tobias Lambert: Brasilien ist Gründungsmitglied der BRICS und in Kuba ist die kommunistische
Tobias Lambert: Partei auch nach dem Tod von Fidel Castro immer noch an der Macht.
Tobias Lambert: Die US-Sicherheitsstrategie formuliert das so. Drei zentrale Herausforderungen
Tobias Lambert: bedrohen die nationale Sicherheit der USA in der Region. Migration,
Tobias Lambert: Drogenhandel und der Einfluss nicht-hemisphärischer Konkurrenten.
Tobias Lambert: Nicht einmal einen Monat nach der Veröffentlichung intervenierten US-Streitkräfte
Tobias Lambert: in Venezuela und entführten Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Celia Flores.
Tobias Lambert: Der Angriff erfolgte ohne ein Mandat des UN-Sicherheitsrates,
Tobias Lambert: noch mit Zustimmung des US-Kongresses.
Tobias Lambert: Über ein halbes Jahr haben die Vereinigten Staaten den Druck auf Venezuela kontinuierlich erhöht.
Tobias Lambert: Erst zog Trump eine große Streitmacht vor der Küste des südamerikanischen Landes
Tobias Lambert: zusammen, dann versenkte die US-Armee mehr als 30 angebliche Drogenboote und
Tobias Lambert: tötete dabei über 100 Personen.
Tobias Lambert: Verhandlungsangebote lehnte Trump ab und forderte stattdessen wiederholt den Rücktritt Maduros.
Tobias Lambert: Nach Maduros Entführung bleibt die Regierung formal weiter im Amt.
Tobias Lambert: Seine Nachfolgerin ist die ehemalige Vizepräsidentin Delce Rodriguez und die
Tobias Lambert: sendet widersprüchliche Signale.
Tobias Lambert: Einerseits kündigte sie an, ihre Regierung werde seine natürlichen Ressourcen
Tobias Lambert: verteidigen, andererseits möchte sie mit den USA zusammenarbeiten.
Tobias Lambert: Mein Name ist Felix Jeitner und in der heutigen Episode möchte ich von Tobias
Tobias Lambert: Lambert wissen, welche Folgen die US-Intervention für Venezuela haben wird.
Tobias Lambert: Über welchen Rückhalt verfügt die Regierung?
Tobias Lambert: Und welche Möglichkeiten bestehen dort für progressive Politik?
Tobias Lambert: Um diese Fragen zu beantworten, ist Tobias der ideale Gesprächspartner.
Tobias Lambert: Er arbeitet als freier Autor, Redakteur und Übersetzer zu Lateinamerika und
Tobias Lambert: beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Venezuela.
Tobias Lambert: In den Shownotes findet ihr Links zu seinen Veröffentlichungen.
Tobias Lambert: Darunter das Buch Gescheiterte Utopie Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chavez,
Tobias Lambert: das im Mandelbaum Verlag erschienen ist.
Tobias Lambert: Hallo Tobias, herzlich willkommen. Ja hallo, grüß dich.
Tobias Lambert: Tobias, in unserem Podcast reden wir ja über aktuelle internationale Entwicklung,
Tobias Lambert: aber auch sich verschärfende Konkurrenz im Zuge der entstehenden multipolaren Weltordnung.
Tobias Lambert: Und in dem Kontext ist es wichtig, über die US-Intervention in Venezuela zu sprechen. Am 3.
Tobias Lambert: Januar haben die USA mit einer Militäraktion den amtierenden venezuelanischen
Tobias Lambert: Präsidenten Nicolás Maduro und seine Frau Silvia Flores entführt.
Tobias Lambert: Beide wurden inzwischen in New York einem Gericht vorgeführt und werden unter
Tobias Lambert: anderem der Verschwörung zum Drogenterrorismus angeklagt. Lass uns aber nochmal
Tobias Lambert: genauer über die Gründe für die US-Intervention sprechen.
Tobias Lambert: Warum ist sie eigentlich gerade jetzt erfolgt? Das würde mich interessieren.
Tobias Lambert: Und was sind vielleicht auch langfristige strategische Ziele der USA?
Tobias Lambert: Ja, also zunächst mal zum Stichwort Drogenterrorismus, weil das ja sehr durch
Tobias Lambert: die Medien geisterte in den letzten Monaten.
Tobias Lambert: Darum geht es jedenfalls keineswegs. Die USA haben dieses Thema des Drogenhandels,
Tobias Lambert: also aus Venezuela sollen angeblich massenhaft Drogen in die USA kommen.
Tobias Lambert: Die Regierung sei dort involviert, würde das Leben von US-Amerikaner in Gefährden etc.
Tobias Lambert: Hat diesen Grund sozusagen vorgeschoben, um die Karibik, das Karibische Meer zu militarisieren.
Tobias Lambert: Es ging aber nie um Drogen. Venezuela ist kein bedeutendes Drogenexportland.
Tobias Lambert: Es ist ein Transitland für Kokain aus Kolumbien.
Tobias Lambert: Und Fentanyl beispielsweise, was in den USA für die meisten Todesopfer verantwortlich
Tobias Lambert: ist, kommt ausschließlich aus Mexiko. Die Chemikalien stammen aus China.
Tobias Lambert: Das heißt, es ist nur vorgeschoben. Interessant ist in dem Zusammenhang auch,
Tobias Lambert: dass dieser Vorwurf, Nicolas Maduro persönlich sei der Anführer eines Kartells
Tobias Lambert: in Venezuela, oder dem sogenannten Sonnenkartell, diesen Vorwurf hat jetzt im
Tobias Lambert: Zuge der Gerichtsverhandlung, die gerade begonnen hat,
Tobias Lambert: das US-Justizministerium auch fallen gelassen.
Tobias Lambert: Mit der Begründung, naja, eine Organisation in dem Sinne, ein Kartell hierarchisch
Tobias Lambert: organisiert, gäbe es ja gar nicht mit diesem Namen.
Tobias Lambert: So, das ist schon lange bekannt, aber es zeigt halt nur nochmal,
Tobias Lambert: dass diese Begründung absolut vorgeschoben war. Es geht also nicht um Drogen. Worum geht es dann?
Tobias Lambert: Zum einen hat das Ganze eine Vorgeschichte. Schon in seiner ersten Amtszeit
Tobias Lambert: wollte Donald Trump die Regierung in Caracas stürzen über äußeren Druck,
Tobias Lambert: über die Verhängung von Sanktionen.
Tobias Lambert: Das hat nicht geklappt.
Tobias Lambert: Jetzt im vergangenen Jahr ist vor allem auf maßgeblichen Einfluss des Außenministers
Tobias Lambert: Marco Rubio hat Trump die Politik gegen Venezuela nochmal verschärft und hat
Tobias Lambert: zusätzlich zu den Sanktionen eben eine militärische Drohkonisse aufgebaut.
Tobias Lambert: Ich denke, das ursprüngliche Ziel war weiterhin,
Tobias Lambert: über den Druck zu einer internen Lösung zu kommen, das heißt das Militär dazu
Tobias Lambert: zu bewegen, in Venezuela Maduro abzusetzen, also ohne Venezuela angreifen zu
Tobias Lambert: müssen oder gar mit Bodentruppen verwickelt zu werden.
Tobias Lambert: Da das aber nach Monaten auch nicht dazu gekommen ist, hat sich Trump dann wohl
Tobias Lambert: zu diesem Angriff und der Entführung Maduros entschieden.
Tobias Lambert: Dahinter stehen aber noch andere Interessen.
Tobias Lambert: Seit dem Sturz hat Trump ja vor allem über das Erdöl gesprochen.
Tobias Lambert: Demokratie und Menschenrechte, die Begriffe hat er nicht mal in den Mund genommen
Tobias Lambert: auf seiner Pressekonferenz.
Tobias Lambert: Also es geht ihm um das Erdöl, es geht ihm um die Rohstoffe Venezuelas.
Tobias Lambert: Es gibt noch seltene Erden, Gold und weitere Rohstoffe. Aber das Ganze ist auch
Tobias Lambert: eingebettet in einen größeren politischen Kontext, geostrategisch und im Hinblick auf Lateinamerika,
Tobias Lambert: ausformuliert in der Nationalen Sicherheitsstrategie, die Anfang Dezember veröffentlicht wurde,
Tobias Lambert: dass die USA anstreben, ihre Dominanz politisch und wirtschaftlich in der westlichen
Tobias Lambert: Hemisphäre, wie sie das nennen, in Lateinamerika wiederherzustellen in Anknüpfung
Tobias Lambert: an die alte Monroe-Doktrin von 1823.
Tobias Lambert: Die eben in der Geschichte immer wieder zur Dominanz des sogenannten Hinterhofs
Tobias Lambert: instrumentalisiert wurde.
Tobias Lambert: Und es geht darum, äußere Mächte auch fernzuhalten aus dieser Hemisphäre,
Tobias Lambert: Stichwort China, Russland, Iran.
Tobias Lambert: Und da geht es um Dominanz und die soll eben über eine Mischung aus Drohungen,
Tobias Lambert: auch militärischer Gewalt, wo nötig, und auch Anreize im Vorfeld von Wahlen
Tobias Lambert: etwa, Einmischungen, Wahlkämpfe.
Tobias Lambert: Jetzt hast du ja bereits eine ganze Reihe von wichtigen Punkten angesprochen,
Tobias Lambert: also Zugriff auf die Ölreserven und andere wichtige Rohstoffvorkommen,
Tobias Lambert: aber auch den Einfluss dritter Mächte,
Tobias Lambert: eben China und Russland.
Tobias Lambert: Und ich finde es deswegen interessant, weil Venezuela ja lange neben Kuba als
Tobias Lambert: das Land in Lateinamerika gegolten hat, dass sich den US-Einfluss ganz stark
Tobias Lambert: hat widersetzen können.
Tobias Lambert: Und wie du sagst, enge Beziehungen gepflegt hat mit China, mit Russland,
Tobias Lambert: aber auch beispielsweise dem Iran.
Tobias Lambert: Und zwar auch in Bereichen, die strategisch relevant sind. Also Rohstoffförderung
Tobias Lambert: und Ausbeutung und Rüstungsproduktion.
Tobias Lambert: Welche Folgen hat die US-Intervention denn für den Einfluss von Russland und
Tobias Lambert: China in Lateinamerika und ganz konkret in Venezuela?
Tobias Lambert: US-Präsident Trump geht ja jetzt davon aus,
Tobias Lambert: dass er sozusagen der venezuelanischen Regierung vorschreiben kann,
Tobias Lambert: was sie politisch tun soll und bisher scheint es auch darauf hinaus zu laufen,
Tobias Lambert: dass da so eine Art Deal unter Androhungen weiterer militärischer Gewalt seitens den USA ist.
Tobias Lambert: Das trifft natürlich den Einfluss Russlands und Chinas, aber auch Irans in Venezuela.
Tobias Lambert: Denn Russland interessierte sich für Venezuela vor allem aus geostrategischer
Tobias Lambert: Sicht, hat in den letzten Jahren viel Rüstungsgüter geliefert. Das ist richtig.
Tobias Lambert: Zuvor kam militärisches Gerät vorwiegend aus den USA nach Venezuela.
Tobias Lambert: Mit dem Iran gibt es vor allem über den Erdölsektor eben immer schon auch historisch
Tobias Lambert: gewachsene Beziehungen.
Tobias Lambert: Weitere Spindikid ist natürlich so ein diffuser Anti-Imperialismus in den letzten Jahren.
Tobias Lambert: Genau und mit China gibt es vor allem Beziehungen im Erdölbereich,
Tobias Lambert: das heißt ein Großteil des Erdöls, was noch aus Venezuela rauskam in letzter Zeit,
Tobias Lambert: wurde nach China geliefert und Venezuela ist in China auch verschuldet und zahlt
Tobias Lambert: diese Kredite über Erdöllieferungen ab.
Tobias Lambert: Wenn die jetzt nicht mehr fließen sollten, wenn das Erdöl nicht mehr nach China
Tobias Lambert: fließen sollte, wird China eventuell da auf einigen Milliarden sitzen bleiben.
Tobias Lambert: Aber natürlich ist das Ziel, diese Mächte aus Venezuela und Lateinamerika herauszudrängen.
Tobias Lambert: Im Rest Lateinamerikas sieht das allerdings ein bisschen anders aus.
Tobias Lambert: Da ist China vor allem als Handelspartner für Investitionen,
Tobias Lambert: Kredite in Bereichen wie Infrastruktur.
Tobias Lambert: Agrarsektor und so weiter hat China große Summen investiert in vielen lateinamerikanischen
Tobias Lambert: Ländern und für zahlreiche Länder ist China längst der wichtigste Handelspartner,
Tobias Lambert: weit vor den USA oder von Europa gar nicht zu sprechen.
Tobias Lambert: Und ich glaube, auch wenn die USA da jetzt Druck ausüben auf einzelne Länder,
Tobias Lambert: das werden wir in Zukunft sicherlich noch sehen, dass ihre Beziehungen zu China
Tobias Lambert: vielleicht etwas zurückfahren,
Tobias Lambert: glaube ich, sind diese Handelsverflechtungen viel zu weit mittlerweile,
Tobias Lambert: als dass es gelingen würde, da China komplett herauszudrängen aus Lateinamerika.
Tobias Lambert: Und ich glaube, dass viele Länder, auch wenn sie jetzt vielleicht zwischenzeitlich
Tobias Lambert: mit US-näheren Regierungen arbeiten,
Tobias Lambert: Dann ein paar Abstriche machen werden, dass sie schon wissen,
Tobias Lambert: dass sie auch besser fahren, wenn sie sich in verschiedene Richtungen orientieren,
Tobias Lambert: ihren Außenhandel diversifizieren und eben da auch mit China gute Geschäfte
Tobias Lambert: in Zukunft machen können.
Tobias Lambert: Das heißt, du würdest sagen, dass es aus US-Sicht die Intervention in Venezuela und auch der Anspruch,
Tobias Lambert: Lateinamerika unter US-Dominanz neu zu ordnen, zu spät kommt,
Tobias Lambert: weil die Verflechtungen mit China bereits so weit fortgeschritten sind,
Tobias Lambert: dass es eben zu einer schnellen Neuordnung des Handels, der ökonomischen Beziehung
Tobias Lambert: generell gar nicht kommen wird. Verstehe ich dich da richtig?
Tobias Lambert: Ich denke zumindest, dass es nicht dazu kommen wird, dass China jetzt komplett
Tobias Lambert: aus Lateinamerika verschwindet.
Tobias Lambert: Ich denke schon, dass in einzelnen punktuellen Fällen, in einzelnen Ländern
Tobias Lambert: sich die jeweiligen Regierungen, gerade wenn sie jetzt US-nah sind,
Tobias Lambert: sich ein bisschen neu ausrichten werden, vielleicht eher nach Trumps Pfeife tanzen.
Tobias Lambert: Ich glaube aber nicht, dass es insgesamt gelingt, China komplett aus Lateinamerika
Tobias Lambert: herauszudrängen, sagen wir.
Tobias Lambert: Aber natürlich durch diese Mischung aus Drohungen,
Tobias Lambert: auch Androhungen von Gewalt und Anreizen kann Trump natürlich auch in nächster
Tobias Lambert: Zeit weiterhin noch etwas Boden in Lateinamerika gewinnen, gerade wenn es ihm eben gelingt,
Tobias Lambert: mehrere Regierungswechsel noch, ob über Wahlen oder nicht,
Tobias Lambert: in seinem Sinne durchzusetzen.
Tobias Lambert: Ich würde deine beiden Aussagen versuchen mal zusammenzuführen.
Tobias Lambert: Also zum einen haben wir den Anspruch der USA, die Rohstoffe und konkret die
Tobias Lambert: Ölreserven Venezuelas zu kontrollieren.
Tobias Lambert: Dazu habe ich ein sehr interessantes Zitat gefunden von US-Präsident Donald
Tobias Lambert: Trump. Vergangene Woche sagte er auf einer Pressekonferenz in Bezug auf Venezuela,
Tobias Lambert: Zitat, wir brauchen Zugang zu ihrem Öl und zu anderen Ressourcen.
Tobias Lambert: Wenn sie sich nicht benehmen, werden wir ihnen einen zweiten Schlag versetzen.
Tobias Lambert: Zitat Ende. Darüber hinaus hat Außenminister Marco Rubio das US-Vorgehen vor
Tobias Lambert: allem damit begründet, dass es darum
Tobias Lambert: ginge, Kontrolle über die westliche Hemisphäre, du hast bereits gesagt,
Tobias Lambert: westliche Hemisphäre gemeint ist, Lateinamerika zu erlangen und den Ausschluss
Tobias Lambert: aller Wettbewerber durchzusetzen.
Tobias Lambert: Ich finde das deshalb interessant, weil die öffentliche Debatte hierzulande
Tobias Lambert: häufig darum geht, geht es Trump ums Öl oder geht es ihm um eine neue imperiale Ordnung?
Tobias Lambert: Und mein Eindruck ist, diese Diskussion führt ins Leere.
Tobias Lambert: Die US-Intervention verdeutlicht ja, dass es ihm um beides geht.
Tobias Lambert: Also sowohl Kontrolle über Ressourcen als auch sozusagen eine imperiale Neuordnung.
Tobias Lambert: Und das ist ja auch eine Tradition, die wir schon länger kennen.
Tobias Lambert: Also Stichwort Intervention im Irak. Wie ist denn deine Position dazu?
Tobias Lambert: Ja, ich bin auf jeden Fall auch der Meinung, dass sich da mehrere Ebenen überlappen.
Tobias Lambert: Es macht keinen Sinn, meines Erachtens, das getrennt zu sehen.
Tobias Lambert: Also es ging es ihm jetzt nur um Öl oder es ging es ihm nur darum,
Tobias Lambert: China herauszudrängen oder nur um geostrategische Erwägung.
Tobias Lambert: Und es gibt noch weitere Punkte, die dann reinspielen, wie das Ziel etwa,
Tobias Lambert: was Marco Rubio offensichtlich verfolgt,
Tobias Lambert: dann auch über eine Schwächung Venezuelas auch Kuba zu schwächen,
Tobias Lambert: ja, das was eben auch in gewisser Weise abhängt von Venezuela,
Tobias Lambert: dann noch Erdünnlieferungen, wenn auch nicht mehr so viel wie früher,
Tobias Lambert: aber noch ein paar 10.000 Barrel pro Tag bekommen hat und bereits jetzt unter
Tobias Lambert: einer massiven Energiekrise leidet.
Tobias Lambert: Und das ist erklärtermaßen Marco Rubios Lebensziel, er kommt aus einer Exil-kubanischen
Tobias Lambert: Familie in Florida, auch in Kuba einen Regierungswechsel zu erzwingen.
Tobias Lambert: Das sind also mehrere Themen, die sich da auf jeden Fall überlappen.
Tobias Lambert: Dann lass uns nochmal ausgehend von der Intervention in Venezuela über die Folgen
Tobias Lambert: für ganz Lateinamerika sprechen.
Tobias Lambert: Du hast ja bereits Kuba als erstes Stichwort angekündigt.
Tobias Lambert: Ich finde, wenn wir die US-Intervention uns nochmal im Kontext der Anfang Gezember
Tobias Lambert: veröffentlichten Sicherheitsstrategie der USA ansehen, dann erscheint das ganze
Tobias Lambert: Vorgehen nochmal ein bisschen in einem anderen Licht.
Tobias Lambert: Die nationale Sicherheitsstrategie hat ja in Europa und ganz konkret ja auch
Tobias Lambert: in Deutschland für große Furore gesorgt.
Tobias Lambert: Vor allem ja deshalb, weil Russland offiziell nicht mehr als direkte Bedrohung eingestuft worden ist.
Tobias Lambert: Und zweitens, weil diese nationale Sicherheitsstrategie die EU als eine im Abstieg
Tobias Lambert: befindliche Macht beschreibt.
Tobias Lambert: Das heißt, ökonomisch, aber auch politisch verliert Europa global einen Einfluss.
Tobias Lambert: Und die Reaktion der USA darauf ist, nicht zu sagen, die transatlantischen Beziehungen
Tobias Lambert: sind am Ende und auch die NATO hat keine Bedeutung mehr. Das steht da so nicht drin.
Tobias Lambert: Es gibt weiter ein klares Bekenntnis zu NATO.
Tobias Lambert: Allerdings wird gesagt, dass sich die USA künftig stärker auf ihre nationalen
Tobias Lambert: Interessen verlassen müsse. und es geht ganz konkret um die Wahrung des Einflusses
Tobias Lambert: in der sogenannten westlichen Hemisphäre, das heißt in Lateinamerika.
Tobias Lambert: Und dazu werden drei zentrale Bedrohungen in der Region identifiziert.
Tobias Lambert: Das ist zum ersten Migration, das ist zweitens Drogenhandel und drittens ist
Tobias Lambert: es der Einfluss nichthemisphärischer Konkurrenten, vor allem China,
Tobias Lambert: darüber haben wir ja bereits gesprochen.
Tobias Lambert: Und mich erinnert das Ganze stark an Karl Schmitt und das Konzept von Großraumordnung
Tobias Lambert: mit Interventionverbot für raumfremde Mächte.
Tobias Lambert: Das heißt, wir reden hier über eine machtbasierte Ordnung, in der das liberale
Tobias Lambert: Völkerrecht zunehmend durch offen autoritären Imperialismus ersetzt wird.
Tobias Lambert: Und für mich stellt sich die Frage, was bedeutet das eigentlich für ganz Lateinamerika?
Tobias Lambert: Wie wird diese Intervention dort diskutiert? Naja, es ist genau das mit den Großraumtheorien.
Tobias Lambert: Das ist jetzt auch ein bisschen in der Debatte.
Tobias Lambert: Da knüpfen die USA jetzt an. Ich finde das gerade im Lichte der Monroe-Doktrin
Tobias Lambert: auch ganz interessant. Es gab ja vor allem während des Kalten Krieges einen
Tobias Lambert: starken Interventionismus.
Tobias Lambert: CIA-gestützte Putsche gegen linke Regierungen etc.
Tobias Lambert: Immer mit dem Argument, dem Kommunismus keinen Raum zu geben und so weiter.
Tobias Lambert: Mich erinnert es derzeitiger allerdings eher an die Situation,
Tobias Lambert: jetzt auf die USA gewendet, Ende des 19.
Tobias Lambert: Jahrhunderts tatsächlich, als die USA ihre, ja, bei Historikern das offen imperialistische
Tobias Lambert: Phase bezeichnet hatten, ja, als sie also,
Tobias Lambert: Spanien vollends rausgedrängt haben aus Lateinamerika und die letzten Kolonien
Tobias Lambert: Puerto Rico annektiert haben praktisch und auch Kuba zum Protektorat gemacht
Tobias Lambert: haben und die Philippinen übrigens auch damals.
Tobias Lambert: An diese Phase erinnert mich das gerade eher.
Tobias Lambert: Gleichfalls muss man aber auch sagen, es ist jetzt nichts Neues,
Tobias Lambert: dass die USA das Völkerrecht brechen. Das ist vorhin schon Irak erwähnt.
Tobias Lambert: In Lateinamerika selbst findet man natürlich zahlreiche Beispiele.
Tobias Lambert: Was aber vielleicht schon neu ist jetzt, ist, dass die USA im Vergleich zu früheren
Tobias Lambert: Interventionen nicht einmal den Deut eines Versuches wagen,
Tobias Lambert: diese Intervention irgendwie mit hehren Zielen wie Demokratie oder Menschenrechten
Tobias Lambert: oder sowas zu rechtfertigen, sondern nein, überhaupt nicht.
Tobias Lambert: Trump sagt ganz klar, nein, wir haben ein Anrecht auf das venezolanische Öl
Tobias Lambert: oder dieses vorgeschobene Drogenargument.
Tobias Lambert: Aber um demokratische Menschenrechte geht es überhaupt nicht.
Tobias Lambert: Da kann man natürlich sagen, spielt auch keine Rolle, mit welcher Begründung
Tobias Lambert: die USA irgendwo intervenieren.
Tobias Lambert: Aber wenn wir uns jetzt eben die Situation in der Welt anschauen,
Tobias Lambert: spielt das vielleicht schon eine Rolle,
Tobias Lambert: weil dadurch die Hemmschwelle, militärische Gewalt im Umfeld von Großmächten
Tobias Lambert: irgendwie anzuwenden, natürlich rapide sinken könnte, wenn man merkt, naja,
Tobias Lambert: man braucht nicht mal mehr irgendein moralisch überlegen klingendes Argument,
Tobias Lambert: um irgendwo zu intervenieren, sondern es muss nur im eigenen Interesse begründet sein.
Tobias Lambert: Und in Lateinamerika wird das natürlich unter dem Stichpunkt auch debattiert,
Tobias Lambert: oder gesehen, dass die USA einfach brachial ihre Interessen durchsetzen.
Tobias Lambert: Man hat das schon zu Beginn von Trumps Amtszeit gesehen.
Tobias Lambert: Dass er dort über das Migrationsthema und über das Thema von Zöllen auch direkt
Tobias Lambert: angefangen hat, die Länder zu erpressen.
Tobias Lambert: Bei dem kleinsten Widerspruch oder bei der kleinsten Kritik seitens einzelner
Tobias Lambert: Regierungen, wie das in Kolumbien, die Mitte-Links-Regierung unter Gustavo Petro
Tobias Lambert: eben mehrfach versucht hat.
Tobias Lambert: Gibt es sofort entweder die Drohung, die Zölle anzuheben, die Drohung,
Tobias Lambert: bestehende Kooperationen einzufrieren und so weiter.
Tobias Lambert: Die USA wurden in Lateinamerika immer als imperialistische Macht wahrgenommen.
Tobias Lambert: In den letzten Jahrzehnten war es allerdings nicht mehr dieser offene Imperialismus,
Tobias Lambert: sondern wir haben schon eher versucht, über multilaterale Instrumente ihre Interessen
Tobias Lambert: durchzusetzen, also über Freihandelsabkommen,
Tobias Lambert: über die Weltbankkredite, Weltbank, internationaler Währungsfonds etc.
Tobias Lambert: Und jetzt in dieser neuen Sicherheitsstrategie bemängelt das die US-Regierung
Tobias Lambert: ja auch offen, benennt das so,
Tobias Lambert: dass die Monroe-Doktrin ja in den letzten Jahrzehnten keine Rolle mehr gespielt
Tobias Lambert: hat und dass man sie wiederbeleben will mit dem jetzt so bezeichneten Trump-Zusatz
Tobias Lambert: wieder eben stärker die Dominanz in Lateinamerika herzustellen.
Tobias Lambert: Und das wird natürlich in der Tandamerika als Bedrohung gesehen.
Tobias Lambert: Gleichzeitig ist der Kontinent aber politisch auch gespalten und es sind eben
Tobias Lambert: in mehreren Ländern auch Regierungen an der Macht, die genau das unterstützen und mitmachen.
Tobias Lambert: Beispielsweise in El Salvador, wo Trump Migranten hinschickt und ohne jegliche
Tobias Lambert: rechtsstaatliche Verfahren in den Knast sperren lässt.
Tobias Lambert: Oder eben in Argentinien Javier Milley, der auch ein großer Unterstützer von
Tobias Lambert: Donald Trump ist, auch Unterstützung bekommen hat vor den Zwischenwahlen jetzt
Tobias Lambert: im Herbst, die auch durchaus einen Effekt hatten auf das Ergebnis.
Tobias Lambert: Der Kontinent ist gespalten.
Tobias Lambert: Es gibt Regierungen, die wollen Trump etwas entgegensetzen, werden dafür aber
Tobias Lambert: sofort bestraft praktisch seitens Trumps mit der Drogen von Zöllen oder Entzug
Tobias Lambert: von Investitionen etc. Und es gibt Regierungen, die wollen eben.
Tobias Lambert: Im Zuge dieser Neuordnung einfach an der Seite der USA stehen und erhoffen sich
Tobias Lambert: dadurch dann wirtschaftliche und politische Vorteile.
Tobias Lambert: Und auf der Bewegungsebene, linke Bewegung etc., wird es natürlich äußerst kritisch
Tobias Lambert: und als Bedrohung angesehen.
Tobias Lambert: Gleichzeitig ist es so, dass die linken Bewegungen natürlich aber in vielen
Tobias Lambert: Ländern zurzeit auch eher geschwächt sind und es eine Weile dauern wird,
Tobias Lambert: bis sie wieder mehr Einfluss auf die Politik nehmen können.
Tobias Lambert: Ja, also eine verschärfte Polarisierung in Lateinamerika, eigentlich ähnlich
Tobias Lambert: wie auch im Rest der Welt, muss man sagen.
Tobias Lambert: Auch da sehen wir ja eine zunehmende Spaltung in, ich würde mal sagen,
Tobias Lambert: liberal-progressive Regierungen und offen-rechte Regierungen.
Tobias Lambert: Vielleicht gucken wir nochmal genauer dann auf Venezuela und die Zukunft des Landes selber.
Tobias Lambert: Nach der Entführung Maduros finde
Tobias Lambert: ich ja interessant, dass die Regierung trotzdem weiterhin im Amt ist.
Tobias Lambert: Also offiziell, es ist zwei Tage nach der Gefangennahme Maduros,
Tobias Lambert: dessen Vizepräsidentin Deci Rodriguez zur Übergangspräsidentin vereidigt worden.
Tobias Lambert: Und die ersten Aussagen von ihr finde ich widersprüchlich.
Tobias Lambert: Also zum einen hat sie Bereitschaft signalisiert, mit den USA zusammenarbeiten
Tobias Lambert: zu wollen, fordert aber auch die Freilassung Maduros,
Tobias Lambert: fordert auch weiterhin Kontrolle der Regierung und des Staates über die nationalen Rohstoffvorkommen.
Tobias Lambert: Und sie sagt auch, Venezuela würde sich niemals kolonialisieren lassen von fremden Imperien.
Tobias Lambert: Mich würde interessieren, wie ist das jetzt eigentlich genau einzuordnen?
Tobias Lambert: Erleben wir hier sozusagen einen Wandel der Chavisten von einer US-Kritischen
Tobias Lambert: zu einer Marionettenregierung?
Tobias Lambert: Oder gibt es doch weiterhin Widerstand gegen die US-Vorherrschaft und eben auch
Tobias Lambert: Versuche, Widerstand in der Gesellschaft zu mobilisieren?
Tobias Lambert: Ja, das ist tatsächlich jetzt einer der interessanten Punkte,
Tobias Lambert: den so auch niemand erwartet hat.
Tobias Lambert: Auf Trumps Pressekonferenz am Samstag waren das zwei Punkte.
Tobias Lambert: Einmal seine Behauptung, ja, die USA würden jetzt das Land kontrollieren,
Tobias Lambert: regieren, ja, we're gonna run the country.
Tobias Lambert: Das Zweite, dass die rechte Opposition und Maria Corina Machado,
Tobias Lambert: die bisher immer erwartet wurde, naja, wenn es einen Regierungswechsel gibt,
Tobias Lambert: dann würde Trump diese Opposition, die ja sehr US-nah ist, sehr Trump-nah ist,
Tobias Lambert: die auch das militärische Vorgehen, die Drohkulisse offen unterstützt hat,
Tobias Lambert: würde diese Regierung einsetzen wollen in Caracas.
Tobias Lambert: Er hat sie aber praktisch fallen lassen und hat gesagt, na, Machado sei ja nett,
Tobias Lambert: aber sie habe weder den Rückhalt noch den Respekt in der Bevölkerung, um das Land zu regieren.
Tobias Lambert: Das ist schon ein Einschnitt, gerade für die rechte Opposition,
Tobias Lambert: die in den letzten Jahren eigentlich alles dafür getan hat,
Tobias Lambert: im Fahrwasser der USA einen Regierungswechsel zu erreichen und die auch bisher
Tobias Lambert: dachte, ihre Interessen und die Interessen der USA, der US-Regierung seien deckungsgleich.
Tobias Lambert: So, jetzt merkt sie, die USA braucht sie gar nicht. So, und was passiert jetzt
Tobias Lambert: in Venezuela? Venezuela.
Tobias Lambert: Im Prinzip hat Trump dieselbe Regierung, die Freitagnacht noch im Amt war,
Tobias Lambert: die bleibt jetzt im Amt, nur ohne Maduro.
Tobias Lambert: Es ist so, dass es auf jeden Fall Absprachen gibt, zumindest seit dem Regierungswechsel,
Tobias Lambert: inwiefern es vorher Absprachen gab. Das wird auch debattiert,
Tobias Lambert: da bewegen wir uns aber im Bereich der Spekulation.
Tobias Lambert: Es gibt jetzt auf jeden Fall Absprachen und der Deal sieht in etwa so aus,
Tobias Lambert: ihr bleibt alle auf euren Posten, ihr sorgt für politische Stabilität und ihr
Tobias Lambert: gebt uns alles, was wir wollen.
Tobias Lambert: Ihr öffnet den Erdöl-Sektor für unsere Konzerne, ihr lasst vielleicht ein paar
Tobias Lambert: politische Gefangene frei, aber auf jeden Fall macht ihr das,
Tobias Lambert: was wir wollen und wenn ihr es nicht tut, dann haben wir immer noch die Möglichkeit,
Tobias Lambert: nochmal militärisch zu intervenieren.
Tobias Lambert: So, das ist in etwa der Deal, das ist also unter einer offenen Androhung spurt
Tobias Lambert: die Regierung bisher in Caracas und zu dem Deal gehört aber auch,
Tobias Lambert: dass nach innen die Regierung sagen darf, was sie will, weiter ihren antiimperialistischen
Tobias Lambert: Diskurs fortführen kann.
Tobias Lambert: Sie sagt, natürlich fordern wir die Freilassung Maduros, er wurde entführt,
Tobias Lambert: das ist ein Verbrechen, was uns angetan wurde, eine Aggression und ja,
Tobias Lambert: wir werden niemals zur Kolonie von niemandem werden.
Tobias Lambert: Das ist der Diskurs nach innen. Was aber tatsächlich bisher passiert,
Tobias Lambert: ist das genaue Gegenteil, denn nach allem, was man zumindest hört,
Tobias Lambert: tut die Regierung genau das, was die USA will, stellt ihr das Erdöl zur Verfügung, ist dabei.
Tobias Lambert: Einen Deal abzuschließen über den Zugriff der USA auf die Erdölreserven.
Tobias Lambert: Und im nächsten Schritt dann sicherlich auch weitere Rohstoffe vorkommen,
Tobias Lambert: wie seltene Erden beispielsweise, Gold, was es auch in Venezuela gibt.
Tobias Lambert: Das wirkt jetzt erstmal sehr widersprüchlich.
Tobias Lambert: Wenn man sich allerdings die Entwicklung, die interne Entwicklung des Chavismus,
Tobias Lambert: des Regierenden Chavismus in Venezuela anguckt in den letzten Jahren.
Tobias Lambert: Dann hat da bereits unter dem Eindruck der US-Sanktion auch eine gewisse Transformation
Tobias Lambert: stattgefunden und des Machtkampfs mit der rechten Opposition stattgefunden.
Tobias Lambert: Nämlich, dass sich die Regierung, den Jungen Maduro,
Tobias Lambert: immer mehr eingeigelt hat, immer mehr ihre Politik darauf ausgerichtet hat,
Tobias Lambert: möglichst an der Macht zu bleiben und dabei halt die Errungenschaften und auch
Tobias Lambert: zentrale Inhalte der früheren chavistischen Politik,
Tobias Lambert: wie nationale Unabhängigkeit,
Tobias Lambert: Souveränität, Partizipation der Bevölkerung, den Versuch, alternative Wirtschaftsstrukturen
Tobias Lambert: aufzubauen und so weiter, alles über Bord geworfen hat.
Tobias Lambert: Und in den letzten Jahren unter Eindruck der Sanktionen haben wir auch intransparente
Tobias Lambert: Privatisierungen erlebt.
Tobias Lambert: Die Regierung ist auf den Privatsektor
Tobias Lambert: zugegangen, hat Partizipationsinstrumente über Bord geworfen bzw.
Tobias Lambert: Instrumentalisiert sie, wenn sie ihr in den Kram passen, zu ihren Gunsten.
Tobias Lambert: Das heißt, ideologisch hat sich die Regierung bereits gewandelt in den letzten
Tobias Lambert: Jahren, hat sehr viel über Bord geworfen.
Tobias Lambert: Was bisher so blieb noch von der alten Politik war, war eine klare antiimperialistische
Tobias Lambert: Ausrichtung und zumindest im Diskurs ein klares Gegengewicht zu den USA in der Region zu sein.
Tobias Lambert: Und das ist eigentlich sozusagen jetzt der letzte Punkt, der noch übrig war.
Tobias Lambert: Trump setzt auf eine Regierung, die in der Bevölkerung ohnehin einen Großteil
Tobias Lambert: ihrer Legitimation in den letzten Jahren eingebüßt hat.
Tobias Lambert: Und um an der Macht zu bleiben, wirft die Regierung jetzt anscheinend und unter
Tobias Lambert: den Drohungen der USA natürlich auch noch dieses Anti-Imperialismus über Bord.
Tobias Lambert: Darf das aber natürlich nicht zugeben, weil sie ja politisch stabil wirken will und daher...
Tobias Lambert: Wird sie nach innen weiterhin diesen antiimperialistischen Kurs fortführen.
Tobias Lambert: Ja, ist nicht zu erwarten, dass daraus eine unbedingt stabile Regierung erwächst,
Tobias Lambert: die dann die US-Interessen weiterhin durchsetzen kann.
Tobias Lambert: Was wir gerade sehen, ist tatsächlich der Versuch, ein, er wird nicht so genannt,
Tobias Lambert: aber eine Art US-Protektorat aufzustellen.
Tobias Lambert: Und das ist schon überraschend, weil niemand gerechnet hat, dass die Strategie
Tobias Lambert: von Trump sein würde, zu sagen, na ja, bevor wir jetzt hier risikoreich versuchen,
Tobias Lambert: die rechte Opposition einzusetzen.
Tobias Lambert: Und dadurch eben großen Widerstand in der Bevölkerung und seitens der jetzigen
Tobias Lambert: chavistischen Eliten und des Militärs riskieren, setzen wir einfach darauf,
Tobias Lambert: die Regierung im Amt zu lassen und Überdruck zu kontrollieren.
Tobias Lambert: Du hattest ja zu Beginn unseres Gesprächs bereits die Rolle des Militärs angesprochen
Tobias Lambert: und den ursprünglichen Versuch Trumps,
Tobias Lambert: durch das Verschärfen äußeren Drucks die innenpolitischen Zustände so sehr zuzuspitzen,
Tobias Lambert: dass es eventuell sogar zum Militärputsch kommt.
Tobias Lambert: Wie ist denn eigentlich die Rolle des Militärs im innenpolitischen Machtgefüge Venezuelas?
Tobias Lambert: Nächstes Mal ist es interessant zu sehen, dass in der jetzigen Situation der
Tobias Lambert: gesamte Regierungsapparat und auch das Militär diese Linie von Desi Rodriguez,
Tobias Lambert: der neuen Präsidentin, mittragen. Da gibt es bisher keine Risse.
Tobias Lambert: Die Rolle des Militärs ist, kann man das erstmal historisch herleiten,
Tobias Lambert: das Militär hat eine starke linke Strömung seit den 70er Jahren entwickelt in
Tobias Lambert: Venezuela. Ehlers sind vor allem Angehörige der Unterschichten in das Militär eingetreten.
Tobias Lambert: Das Militär hat sich auch in der Ausbildung an die öffentlichen Universitäten
Tobias Lambert: angedockt, der Gesellschaft geöffnet in den 70er Jahren.
Tobias Lambert: Dadurch kamen linke theoretische Ideen auch rein.
Tobias Lambert: Und Chavez selber ist ja im Militär mit einer linken Gruppierung dann ja dort
Tobias Lambert: groß geworden und bekannt geworden.
Tobias Lambert: So und nach dem Regierungswechsel damals, als Chavez an die Macht kam 1999,
Tobias Lambert: wurde das Militär eben auch nochmal umgebaut und hat eine antiimperialistische Doktrin bekommen.
Tobias Lambert: Und ist von daher also ideologisch schon mal anders geschult,
Tobias Lambert: als man das jetzt vielleicht aus Lateinamerika, aus anderen Ländern kennt.
Tobias Lambert: Es ging schon unter Chavez los, dass das Militär auch Rollen übernommen hat,
Tobias Lambert: die jetzt nicht der reinen Landesverteidigung gelten, sondern auch politische
Tobias Lambert: Posten innerhalb von Staatsunternehmen beispielsweise.
Tobias Lambert: Das hat sich dann unter Maduro, der ja selbst nicht erst zum Militär stammte,
Tobias Lambert: nochmal sehr, sehr stark, auch im Zuge des Machtkampfes, nochmal sehr stark vervielfältigt.
Tobias Lambert: Dass also sehr viele Militärs reingeholt wurden,
Tobias Lambert: auch mit dem manchmal Argument, naja, da brauchen wir eine effiziente militärisch
Tobias Lambert: strukturierte Führung, um jetzt zum Beispiel mit der Lebensmittelkrise so dem Herr zu werden etc.
Tobias Lambert: Es gab auch sehr viele Beförderungen, eine unfassbar hohe Zahl von über 2000 Generälen.
Tobias Lambert: Das ist im Vergleich zu anderen Ländern enorm.
Tobias Lambert: Und es wurden eben auch viele wirtschaftliche Bereiche, auch so Zentrale wie
Tobias Lambert: Lebensmittelimporte, Devisenverwaltung, Rohstoffunternehmen,
Tobias Lambert: wurden dem Militär überschrieben.
Tobias Lambert: Und das heißt, das Militär hat in den letzten Jahren auch große wirtschaftliche
Tobias Lambert: Interessen entwickelt.
Tobias Lambert: Es ist ein bisschen an das Überleben dieser Regierung geknüpft,
Tobias Lambert: auch zumindest die obere Riege des Militärs, weil klar ist, dass bei einem richtigen
Tobias Lambert: Regierungswechsel das Militär nichts zu gewinnen hat.
Tobias Lambert: Das heißt, da haben viele Leute ziemlich viel zu verlieren, gerade wirtschaftlich.
Tobias Lambert: Ob das jetzt der Hauptgrund ist, dass das Militär die Situation mitträgt und
Tobias Lambert: damit auch diese antiimperialistische Ausrichtung einfach von einem Tag auf
Tobias Lambert: den anderen über Bord wirft, sei mal dahingestellt.
Tobias Lambert: Es ist genauso gut vorstellbar, dass wenn die Situation sich jetzt so weiterentwickelt.
Tobias Lambert: Es auch Fraktionierungen gibt innerhalb des Regierungsapparats oder innerhalb
Tobias Lambert: des Militärs, dass also einzelne Fraktionen sich unzufrieden zeigen und vielleicht
Tobias Lambert: auch es zu internen Zerwürfnissen,
Tobias Lambert: Rissen, Auseinandersetzungen kommt.
Tobias Lambert: Weil auch wenn das jetzt alles aus einem Guss wirkt, als würden alle hinter
Tobias Lambert: dieser neuen Positionierung der Regierung stehen, ist es mitnichten so,
Tobias Lambert: dass da alle ohne zu murren mitziehen, sondern ich denke eher aus pragmatischen
Tobias Lambert: Gründen, und das ist jetzt noch zu früh, zu sagen, wo das hinführt.
Tobias Lambert: Und gerade, falls es irgendwie zu Protesten kommt, nach einer gewissen Zeit,
Tobias Lambert: jetzt ist es vielleicht noch ein bisschen frisch.
Tobias Lambert: Im Moment, es gab ja kaum, keine großen Proteste, aber unter Eindruck dieser
Tobias Lambert: Bombardierungen auch, wird es jetzt vielleicht eine Zeit lang dauern,
Tobias Lambert: bis sich da verschiedene Gruppen stärker zu Wort melden werden.
Tobias Lambert: Und unter dem Eindruck dieser US-Dominanz, die jetzt plötzlich in Venezuela
Tobias Lambert: hergestellt werden soll, dann eventuell auch auf die Straße gehen dagegen.
Tobias Lambert: Lass uns aber nochmal über die Lage im Land selber sprechen.
Tobias Lambert: Einerseits hast du ja beschrieben, dass es auf der Ebene der Eliten in gewisser Weise ein.
Tobias Lambert: Nicht formell ausgehandeltes Bündnis sich abzuzeichnen scheint,
Tobias Lambert: nämlich stabile Verhältnisse und das Militär,
Tobias Lambert: das chavistische Lager und die rechtskonservativen Eliten sind sich darin einig.
Tobias Lambert: Gleichzeitig ist es aber, wie du sagst, so, dass es bisher keine Massenproteste
Tobias Lambert: gegeben hat, auch meines Wissens keine anarchistischen, chaotischen Zustände,
Tobias Lambert: Plünderungen und so weiter.
Tobias Lambert: Wie entwickelt sich die politische Situation und was ist vielleicht auch zu
Tobias Lambert: erwarten in naher Zukunft?
Tobias Lambert: Ja, das ist nicht einfach zu sagen. Also was jetzt die Regierung angeht und
Tobias Lambert: die USA wäre jetzt schon der Plan, dass tatsächlich diese Regierung jetzt einfach
Tobias Lambert: Fuß fasst, US-Interessen durchsetzt.
Tobias Lambert: Dass es ja auch partiell vielleicht sowas wie Freilassungen gibt.
Tobias Lambert: Jetzt gerade die Tage gab es ein paar Freilassungen, allerdings ja im letzten
Tobias Lambert: Jahr vor der Intervention auch schon.
Tobias Lambert: Und auch zu früheren Zeitpunkten gab es ja immer mal die Freilassung von politischen
Tobias Lambert: Gefangenen oder anderen Gefangenen.
Tobias Lambert: Allerdings füllten sich die Gefängnisse danach auch schnell wieder.
Tobias Lambert: Der Druck ging ja nicht immer von den USA aus, sondern auch von gesellschaftlichen
Tobias Lambert: Gruppen innerhalb Venezuelas oder auch
Tobias Lambert: bei einzelnen Gefangenen ja andere internationale Solidaritätsgruppen.
Tobias Lambert: So, aber das ist jetzt die eine Option wäre eben, dass das jetzt erstmal so
Tobias Lambert: weitergeht, dass die Regierung tatsächlich relativ diese Stabilität erhalten
Tobias Lambert: kann und dass die USA ihre Interessen durchsetzen.
Tobias Lambert: Die andere Option ist, was ich eben schon angesprochen habe,
Tobias Lambert: dass es aber irgendwann zu internen Zerwürfnissen kommt, zu Rissen innerhalb des Machtapparats.
Tobias Lambert: Vielleicht auch in Verbindung mit Protesten seitens der Bevölkerung,
Tobias Lambert: denn es ist eigentlich schwer vorstellbar, dass dieses Ansinnen Venezuela jetzt
Tobias Lambert: zu einer Art US-Protektorat zu machen ist.
Tobias Lambert: Dass das mit einer gleichzeitig bereits seit Jahren an Legitimität verlorenen
Tobias Lambert: Regierung, die jetzt im Amt bleiben soll und aber ihre politische Richtung partiell
Tobias Lambert: anpasst, ja, dass das zu einer mittelfristig stabilen Situation führt.
Tobias Lambert: Linke KritikerInnen der Regierung, auch der Maduro-Regierung,
Tobias Lambert: fordern jetzt eher, dass sich die Übergangsregierung jetzt politisch öffnen soll,
Tobias Lambert: auf alle politischen und sozialen Gruppen im Land zugehen soll,
Tobias Lambert: in einen Tisch bringen soll und sozusagen über eine Redemokratisierung,
Tobias Lambert: Reinstitutionalisierung mit einem Wahltermin dann irgendwann mal,
Tobias Lambert: wo dann auch alle politischen Kräfte zugelassen sind, Und auch Linke,
Tobias Lambert: die im Übrigen in der letzten Zeit auch nicht an Wahlen teilnehmen durften, linke Dissidenten,
Tobias Lambert: dass man also über ein großes gesellschaftliches Abkommen irgendwie versucht,
Tobias Lambert: dieser US-Dominanz etwas entgegenzusetzen,
Tobias Lambert: indem man sich als Gegenkonzept innenpolitisch demokratisiert.
Tobias Lambert: Das ist eine schöne Vorstellung, würde ich auch unterstützen.
Tobias Lambert: Ist natürlich unter den gegebenen Bedingungen nicht sonderlich realistisch,
Tobias Lambert: denn die Trump-Regierung hat klargemacht, dass Demokratisierung nun wirklich
Tobias Lambert: keine Priorität für sie darstellt.
Tobias Lambert: Trump spricht ja mittlerweile von einer möglicherweise mehrjährigen US-Kontrolle, die zu erwarten ist.
Tobias Lambert: Und Rubio hat gesagt, über Wahlen zu sprechen, sei nun wirklich verfrüht.
Tobias Lambert: Das heißt, es läuft tatsächlich auf weiterhin eine undemokratische Regierung von US-Gnaden hinaus.
Tobias Lambert: Und ja, viel mehr Optionen, als dass es Proteste irgendwann gibt,
Tobias Lambert: dass die Regierung sich vielleicht der Gesellschaft wieder öffnet.
Tobias Lambert: Und auf der anderen Seite, dass sie sich jetzt den US-Interessen beugt und unterwirft.
Tobias Lambert: Viel mehr Optionen gibt es wahrscheinlich jetzt kurzfristig.
Tobias Lambert: Erstmal nicht.
Tobias Lambert: Über welchen Rückhalt verfügt die Regierung denn überhaupt noch in der Gesellschaft,
Tobias Lambert: abgesehen vom Militär, das aber auch eine stark instrumentale Beziehung zu haben scheint?
Tobias Lambert: Und vielleicht könntest du auch nochmal versuchen, das klassenspezifisch zu verordnen.
Tobias Lambert: Also welche sozialen Schichten sind eigentlich die Basis der Regierung Maduro gewesen?
Tobias Lambert: Ja, also klassischerweise war es immer so, schon unter Chavez,
Tobias Lambert: unter Maduro ging das dann weiter, dass eher die unteren Schichten Chavez gestützt
Tobias Lambert: haben, während die Mittel- und Oberschichten eher auf Seiten der rechten Opposition waren.
Tobias Lambert: Das ging bei Maduro im Prinzip so weiter, nur dass sich das ausdifferenziert
Tobias Lambert: hat, dass also auch in den Unterschichten dann immer weniger Leute ganz klar
Tobias Lambert: hinter der Regierung standen.
Tobias Lambert: Er hatte immer noch am Ende, würde ich sagen, so 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung als Rückhalt.
Tobias Lambert: Das hat in den letzten Jahren im Zuge des Machtkampfs häufig auch noch gereicht,
Tobias Lambert: um Wahlen zu gewinnen, weil die Opposition, die rechte Opposition meistens gespalten
Tobias Lambert: zu Wahlen antrat und nicht geeint.
Tobias Lambert: Und dann reichen 20, 30 Prozent Rückhalt eben, um die Wahl zu gewinnen bei niedriger Wahlbeteiligung.
Tobias Lambert: Bei der Präsidentschaftswahl im Juni 2024 war das anders. Die rechte Opposition
Tobias Lambert: hat entgegen widriger Wahlbedingungen festgehalten an einem einheitlichen Auftreten
Tobias Lambert: und hat dann die Wahl nach allen vorliegenden Indizien auch gewonnen.
Tobias Lambert: Danach hat die Repression ziemlich angezogen, auch nicht zuletzt gegenüber linken
Tobias Lambert: regierungskritischen Kräften im Land.
Tobias Lambert: Es ist jetzt gerade schwer zu sagen, wie der Rückhalt für die Regierung aussieht.
Tobias Lambert: Da kann man nur mutmaßen.
Tobias Lambert: Wo ich mir relativ sicher bin, ist, dass zumindest in den letzten eineinhalb
Tobias Lambert: Jahren der Rückhalt für die rechte Opposition, die sich ja auf diese Wahl im
Tobias Lambert: Juni 2024 berief, die sie eben wahrscheinlich gewonnen hat, dass der aber auch
Tobias Lambert: stark nachgelassen hat.
Tobias Lambert: Also, dass die Opposition nicht mehr so beliebt wird zuletzt wie noch Mitte
Tobias Lambert: 2024, einfach weil Oppositionsführerin Marie-Curina Machado es nicht vermocht hat,
Tobias Lambert: ihren Anspruch, ja, wir haben die Wahl gewonnen und wir werden es durchsetzen,
Tobias Lambert: dem irgendwie gerecht zu werden.
Tobias Lambert: Sie hat kaum, sie ist natürlich auch untergetaucht, aber über die sozialen Medien
Tobias Lambert: hat sie ja weiterhin auch Reden
Tobias Lambert: gehalten, da war kaum mehr eine mitreißende Rede zu hören. sie es nur.
Tobias Lambert: Herumgereist, digital und hat Venezuela eben vor US-Unternehmen beispielsweise
Tobias Lambert: als Rieseninvestitionsziel angepriesen im Falle eines Regierungswechsels und so weiter.
Tobias Lambert: Hat dann den Friedensnobelpreis ja bekommen, aus skandalösen Gründen,
Tobias Lambert: muss ich sagen, nicht nachvollziehbar, weil sie sich wirklich,
Tobias Lambert: weil sie in ihrer langen Karriere jetzt selten für die friedliche Überwindung
Tobias Lambert: von Differenzen irgendwie eingesetzt hat.
Tobias Lambert: Und ja auch die US-Militärintervention gefordert hat, schon seit Längerem.
Tobias Lambert: So, aber auf jeden Fall hat der Rückhalt auch nachgelassen, was jetzt nicht
Tobias Lambert: heißt, dass die Regierung Maduro eben sonderlich beliebt wäre in der Bevölkerung.
Tobias Lambert: Ich würde sagen, dass keines dieser politischen Lager schon seit Jahren die
Tobias Lambert: Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren kann.
Tobias Lambert: Gleichzeitig ist es schwierig, dass eine dritte oder das weitere Optionen sich
Tobias Lambert: entwickeln in Venezuela, weil das Wahlsystem zum Beispiel auch so repressiv
Tobias Lambert: war in den letzten Jahren, dass es neuen Kräften kaum möglich war, sich zu registrieren.
Tobias Lambert: Es sei denn, es war im Sinne der Regierung, weil sie eine gewisse Vielfalt auf
Tobias Lambert: den Wahlzetteln darstellen wollte.
Tobias Lambert: Aber gerade zum Beispiel linke Optionen, die vielleicht ja auch im Lager der
Tobias Lambert: Regierung Stimmen abgreifen könnten, die wurden teilweise härter bekämpft als die rechte Opposition.
Tobias Lambert: Da ging es eher darum, dass sie möglichst gespalten eben antritt.
Tobias Lambert: Aber das heißt, dass eigentlich von denen, die an der Macht sind und auch die,
Tobias Lambert: die die lauteste Opposition darstellen, dass da eigentlich niemand für sich
Tobias Lambert: in Anspruch nehmen kann, irgendwie die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu haben.
Tobias Lambert: Das heißt, eigentlich bräuchte es etwas Neues in Venezuela, dafür müssten aber erstmal bestimmte...
Tobias Lambert: Innenpolitische Bedingungen sich ändern, sodass auch neue politische Richtungen
Tobias Lambert: die Möglichkeit haben, überhaupt wieder an Wahlen teilzunehmen und sich frei zu betätigen.
Tobias Lambert: Was man aber eben auch sagen muss, und das kann durchaus passieren,
Tobias Lambert: ist, wenn die Regierung jetzt das so weiter mitmacht, sich unterzuordnen unter
Tobias Lambert: die USA, dann wird natürlich auf der Linken in Venezuela wieder ein größerer Raum entstehen,
Tobias Lambert: viele Leute zu sammeln, die vielleicht in den letzten Jahren aus verschiedenen
Tobias Lambert: Gründen es auch nicht geschafft haben, mit der Regierung zu brechen,
Tobias Lambert: die also weiterhin der Regierung die Stange hielten,
Tobias Lambert: die jetzt unter den neuen Bedingungen eventuell schon dann in der Lage sind,
Tobias Lambert: an etwas Neuem mitzuarbeiten.
Tobias Lambert: Man darf ja nicht vergessen, der Chavismo hat in der Geschichte sehr viel Erfahrung
Tobias Lambert: gesammelt mit Basisorganisierungen.
Tobias Lambert: Was ja nicht einfach verschwindet. Das sind gesellschaftliche Erfahrungen,
Tobias Lambert: an die man ja durchaus in Zukunft wieder anknüpfen könnte.
Tobias Lambert: Aber im Allgemeinen ist es ja ein sehr düsteres Bild, was du von der venezuelanischen
Tobias Lambert: Gesellschaft schilderst.
Tobias Lambert: Auch wie mir scheint sehr unrealistisch zu erwarten, dass sowas wie eine klassisch
Tobias Lambert: bürgerlich-demokratisch-liberale Entwicklung in Venezuela entstehen könnte.
Tobias Lambert: Einfach aufgrund der Extrempolarisierung, der sozialen Widersprüche,
Tobias Lambert: aber auch natürlich der Intervention von außen.
Tobias Lambert: Wie äußert sich denn diese Frustration dann in der Bevölkerung?
Tobias Lambert: Ist es dann vor allem auch stark apolitisch, dass die Leute einfach keine Lust
Tobias Lambert: mehr haben auf politische Aktionen? Oder wie kann man sich das vorstellen?
Tobias Lambert: Weil du ja sagst, dass sowohl das linke als auch das zentristische Lager,
Tobias Lambert: aber eben auch die rechte nicht wirklich profitieren gerade.
Tobias Lambert: Ja, natürlich. Die Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren stark depolitisiert.
Tobias Lambert: In der Chavez-Zeit, so in den Nullerjahren, sagen wir mal, war das Land hochpolitisiert.
Tobias Lambert: Man konnte kaum nirgendwo hingehen, ohne in eine riesengroße politische Diskussion
Tobias Lambert: verwickelt zu werden, auf der Straße, auf Partys, sonst wo.
Tobias Lambert: Viele Leute waren politisch aktiv in ihren Stadtvierteln, in größeren Bewegungen
Tobias Lambert: für oder gegen die Regierung und so weiter.
Tobias Lambert: Im Zuge der Wirtschaftskrise ab 2014, schon unter Maduro nach Einbruch der Erdölpreise
Tobias Lambert: und des Machtkampfes mit der rechten Opposition dann, der sich jahrelang fortgeführt hat,
Tobias Lambert: ja, hat sich ein Großteil der Bevölkerung tatsächlich auch zurückgezogen,
Tobias Lambert: weil es gab Hyperinflation, es gab eine Riesenwirtschaftskrise,
Tobias Lambert: es gab zwischendurch Lebensmittelengpässe.
Tobias Lambert: Es hat sich dann irgendwann wieder etwas entspannt.
Tobias Lambert: Aber in dieser Phase haben sich sehr viele Leute ins Private zurückgezogen.
Tobias Lambert: Und gerade in den Stadtvierteln, die Reste der kommunalen Rätebewegung beispielsweise,
Tobias Lambert: die es gibt, da fällt dann schon auf, dass nach zwischenzeitlich riesengroßer
Tobias Lambert: Beteiligung, dass dann am Ende doch wieder die typischen.
Tobias Lambert: Älteren linken Aktivistinnen jetzt aktiv bleiben, die immer schon aktiv waren.
Tobias Lambert: Und der Rest der Bevölkerung, der zwischendurch sehr politisiert war, zieht sich zurück.
Tobias Lambert: Das heißt, die Maduro-Zeit ist
Tobias Lambert: schon dadurch geprägt, dass auch diese Depolitisierung stattgefunden hat.
Tobias Lambert: Der Chavismo nicht mehr das zentrale, verbindende Glied der ärmeren Bevölkerung
Tobias Lambert: ist, wo sich alle darauf einigen können und sich auf verschiedene Art und Weise eben auch einbringen.
Tobias Lambert: Und deswegen ist es sicherlich auch ein Teil der Erklärung, warum es jetzt keine
Tobias Lambert: Massenproteste gegeben hat.
Tobias Lambert: Die Leute warten erstmal ab. Es liegt eine Art angespannter Ruhe über Caracas
Tobias Lambert: zumindest, wo ich jetzt mit einigen Leuten gesprochen habe.
Tobias Lambert: Aber das wird, wie gesagt, nicht ewig so bleiben.
Tobias Lambert: Irgendwann mal werden die Leute, glaube ich, wenn die Regierung jetzt eben sich
Tobias Lambert: so unterordnet den USA, auch wieder auf der Linken anknüpfen an diese alten Erfahrungen.
Tobias Lambert: Und da wird wieder einiges in Bewegung kommen. Denn das darf man wirklich nicht vergessen.
Tobias Lambert: Es hat da sehr vielfältige politische Erfahrungen gegeben.
Tobias Lambert: Und die Leute, abgesehen jetzt von den Jüngeren, die das jetzt vielleicht nicht
Tobias Lambert: mehr in Erinnerung haben, die tatsächlich nur die Krise kennen.
Tobias Lambert: Haben die Leute das auch nicht vergessen.
Tobias Lambert: Was im Gespräch mit dir, finde ich, sehr deutlich wird, ist,
Tobias Lambert: dass wir ganz stark die US-Intervention in einen Kontext setzen müssen,
Tobias Lambert: nämlich dem Scheitern des Chavismus als politisches Projekt.
Tobias Lambert: Das heißt, wir haben, wie du bereits gesagt hast, mit dem Amtsantritt von Maduro
Tobias Lambert: zum Präsidenten eine zunehmend autoritäre Entwicklung in Venezuela,
Tobias Lambert: die sich über die Jahre weiter verschärft, bis hin zu den von dir erwähnten
Tobias Lambert: letzten Präsidentschaftswahlen 2024,
Tobias Lambert: die ja, zumindest deutet ja alles darauf hin, letztendlich auch die Opposition
Tobias Lambert: gewonnen hätte, wenn es eben nicht diese massiven Wahlfälschungen gegeben hätte.
Tobias Lambert: Es gibt massive politische Repressionen, nicht nur gegen die rechte Opposition,
Tobias Lambert: sondern wie du sagst ja auch die Linke.
Tobias Lambert: Und es gibt auch eine hohe Zahl politischer Gefangener und das alles vor dem Hintergrund.
Tobias Lambert: Extremer wirtschaftlicher Krise und eine Reaktion darauf, wie du sagst,
Tobias Lambert: ist ja einerseits der Rückzug ins private Depolitisierung, aber ich glaube auch Immigration.
Tobias Lambert: Insgesamt sieben Millionen Venezuelanerinnen und Venezuelaner sind in den vergangenen
Tobias Lambert: 15 Jahren oder 20 Jahren ins Ausland migriert, also eine massive Flucht regelrecht aus dem Land.
Tobias Lambert: Und ich erwähne das deshalb, weil im Im Gegensatz zu dem heutigen Venezuela,
Tobias Lambert: dass Venezuela der 2000er Jahre unter Hugo Chávez ein ganz wichtiger Bezugspunkt
Tobias Lambert: war für progressive Kräfte weltweit.
Tobias Lambert: Also im Rahmen der sogenannten Bolivarianischen Revolution sollte ja Arbeiter-Selbstverwaltung
Tobias Lambert: und Rätedemokratie umgesetzt werden.
Tobias Lambert: Es gab Verstaatlichung von Ölgesellschaften und sozusagen auch die Kontrolle
Tobias Lambert: über die nationalen Ressourcen wurde erlangt mit dem Ziel,
Tobias Lambert: soziale Reformen, Bildungsreformen und so weiter umzusetzen.
Tobias Lambert: Ich finde, wir sehen hier so ganz exemplarisch das Scheitern der Linksregierung in Lateinamerika.
Tobias Lambert: Und ich frage mich, ist das vielleicht einfach auch darauf zurückzuführen,
Tobias Lambert: dass die Hoffnungen weltweit in diese Linksregierung überzogen waren?
Tobias Lambert: Oder wie würde denn eine linke Kritik am Chavismus eigentlich aussehen?
Tobias Lambert: Ja, diese Aufarbeitung steht dem Chavismus sicherlich bevor.
Tobias Lambert: Es gibt sehr viele Dinge, die zunächst mal wirklich gut gelaufen sind in Venezuela.
Tobias Lambert: Also überhaupt erstmal der Ansatz, die Idee, wir verwenden die Erdölgelder,
Tobias Lambert: um die Gesellschaft zu verändern,
Tobias Lambert: um zunächst mal Sozialprogramme durchzusetzen, den Leuten ihre dringenden Bedürfnisse
Tobias Lambert: zu erfüllen, um aber eben auch Partizipationsinstrumente zu fördern mittels
Tobias Lambert: dieses staatlich eingenommenen Geldes, ja.
Tobias Lambert: Das System der kommunalen Räte ist ein Stichwort Arbeiterinnen-Selbstverwaltung oder Mitverwaltung.
Tobias Lambert: Ebenso, dann kam später die Verstaatlichung von Unternehmen.
Tobias Lambert: Allerdings, was auch immer eben ein wichtiger Punkt war, dass...
Tobias Lambert: Im Zuge dieser polarisierten Situation musste immer alles ganz schnell gehen beispielsweise.
Tobias Lambert: Zunächst waren es mal zum Beispiel im wirtschaftlichen Bereich ja Kooperativen.
Tobias Lambert: Dann wurden Kooperativen gefördert.
Tobias Lambert: Innerhalb kürzester Zeit entstanden 200.000 Kooperativen.
Tobias Lambert: Dann im nächsten Jahr war das Thema dann aber, weil die schnellen Erfolge ausblieben,
Tobias Lambert: nicht mehr so interessant. Dann hat man sich auf Arbeiter- und Mitverwaltung konzentriert.
Tobias Lambert: Im nächsten Jahr war es dann wieder was anderes. Dann kam eine neue Unternehmensform
Tobias Lambert: Unternehmen sozialer Produktion, die dann später Unternehmen sozialistischer Produktion wurden.
Tobias Lambert: Also es wurde auch nie die Zeit gegeben, damit sich die Dinge entwickeln können.
Tobias Lambert: Man darf auch nicht vergessen, man kann nicht von heute auf morgen erwarten,
Tobias Lambert: dass sich alles zum Besseren wendet und gesellschaftliche Experimente direkt
Tobias Lambert: in funktionierende Institutionen münden. Das ist das eine.
Tobias Lambert: Das andere ist, dass natürlich auch diese Fokussierung auf Chavez ein Problem war.
Tobias Lambert: Chavez war zwar der engste Verbündete der linken Bewegung über Jahre,
Tobias Lambert: das ist überhaupt keine Frage. Er hat eine enorm wichtige Rolle gespielt.
Tobias Lambert: Viele Dinge wären überhaupt nicht vorangekommen ohne ihn. Gleichzeitig war da
Tobias Lambert: so eine Abhängigkeit von dieser einen Person, wo klar war, okay,
Tobias Lambert: wenn er das nicht auf die höchste politische Ebene hebt und er das nicht irgendwie
Tobias Lambert: antreibt, dann kommen die Dinge nicht voran.
Tobias Lambert: Das hat sich auch später gezeigt nach seinem Tod, dass es durchaus ein Problem
Tobias Lambert: war und nicht einfach durch eine neue Führung irgendwie ersetzt werden konnte.
Tobias Lambert: Dann ein anderer Punkt ist natürlich die Erdölabhängigkeit, dass die Politik
Tobias Lambert: sehr stark davon abhing, dass der Erdölpreis eben hoch bleiben würde.
Tobias Lambert: Man hätte das wissen können, in den 70er Jahren ist das genau so schon mal passiert
Tobias Lambert: unter einer sozialdemokratischen Regierung unter ein bisschen anderen politischen Rahmenbedingungen.
Tobias Lambert: Die hatte nicht so weitgehende Ziele sich gesteckt, aber auch sehr viel Geld
Tobias Lambert: in die Gesellschaft gepumpt.
Tobias Lambert: Und dann fielen die Preise, Venezuela hatte sich zusätzlich stark verschuldet
Tobias Lambert: und ab Anfang der 80er Jahre bis Chaves Amtsantritt 1999 war das Land dann in
Tobias Lambert: der Krise, wirtschaftlich und politisch.
Tobias Lambert: Das erinnert schon viel an die Situation, wie sie sich dann in den letzten Jahren
Tobias Lambert: gezeigt hat, dass eben es nicht geschafft wurde, sich auch von dieser einseitigen
Tobias Lambert: Abhängigkeit vom Erdöl zu lösen oder darüber hinaus zu gehen.
Tobias Lambert: Das sind also gewisse Fehler, die man auch der Regierung natürlich angreifen
Tobias Lambert: muss, auch dass bestimmte Debatten, es wurden sehr viel debattiert unter Chavez,
Tobias Lambert: aber manchmal wurden Debatten auch einfach abgewürgt, immer mit diesem klassischen Argument,
Tobias Lambert: was es auch in anderen linken Transformationsprozessen gab auf der Geschichte
Tobias Lambert: mit dem Argument, nein, wenn wir das jetzt debattieren zu offen,
Tobias Lambert: dann spielen wir doch dem Feind der Rechten in die Hände.
Tobias Lambert: Das ist jetzt nicht der richtige Moment, da jetzt das kritisch aufzuarbeiten etc.
Tobias Lambert: Und dann wurden auch bestimmte Dinge dadurch abgewürgt, worüber vielleicht Korrekturen
Tobias Lambert: gesellschaftlich, politisch möglich gewesen wären.
Tobias Lambert: Das sind alles so Anhaltspunkte, die dazu geführt haben, dass bereits unter
Tobias Lambert: Chavez es bestimmte Probleme gab.
Tobias Lambert: Unter Manoro kamen die dann vor allem wirtschaftlich sehr stark zutragen,
Tobias Lambert: weil natürlich die Erdölpreise eingebrochen sind.
Tobias Lambert: Und dann dieser Machtkampf mit der Opposition sehr destruktiv von beiden Seiten,
Tobias Lambert: auch dann nicht mehr auf dem Boden der Verfassung irgendwie geführt.
Tobias Lambert: Dazu gesorgt hat, dass sich eben die Regierung immer mehr verschanzt hat,
Tobias Lambert: an der Macht bleiben wollte und die Opposition ja auch mit undemokratischen
Tobias Lambert: Mitteln versucht hat, eben diese Regierung zu stürzen.
Tobias Lambert: Und vielleicht als letzten Punkt dazu noch diese Idee eines Rätesystems,
Tobias Lambert: also auf nachbarschaftlicher Ebene schließen die Leute sich zusammen,
Tobias Lambert: wählen SprecherInnen, die entscheiden dann über die Verwendung von Geldern,
Tobias Lambert: die wiederum aus dem Erdöl-Bereich kommen, können sich dann später zu sogenannten
Tobias Lambert: Kommunas zusammenschließen mit anderen Räten und so sozusagen eine Keimzelle
Tobias Lambert: eines neu entstehenden Sozialismus bilden.
Tobias Lambert: Diese Idee, die kontrastiert da auch so ein bisschen mit der ebenfalls von Chavez stammenden Idee.
Tobias Lambert: Einer großen Partei, die 2007 gegründet wurde, die jetzt immer noch regierende,
Tobias Lambert: formal regierende, vereinte sozialistische Partei Venezuelas,
Tobias Lambert: wo halt ursprünglich auch alle Parteien gebündelt werden sollten auf der Linken.
Tobias Lambert: Aber diese Parteilogiken und diese Logiken von unten mit seines Rätesystems,
Tobias Lambert: die kommen sich mitunter ins Gehege, wenn etwa gewählte BürgermeisterInnen,
Tobias Lambert: das heißt Konkurrenz ansehen, wenn ein Kommunaler Rat,
Tobias Lambert: basisdemokratisch über die Verwendung von Geldern entscheiden,
Tobias Lambert: was vorher einfach im Rathaus entschieden wurde.
Tobias Lambert: In manchen Gemeinden klappt das gut, weil die Bürgermeister eher auf der Linie
Tobias Lambert: sind. In anderen klappt das dann weniger gut.
Tobias Lambert: Aber das konnte nie aufgelöst werden.
Tobias Lambert: Und das ist unter Maduro eben ganz klar hin zur Vormachtstellung der Parteilogik.
Tobias Lambert: Und zwar eher einer von oben nach unten gekippt in den letzten Jahren.
Tobias Lambert: Und ja, das sind alles Dinge, die aufgearbeitet werden müssen.
Tobias Lambert: Aber umgekehrt muss man auch sagen, es gibt halt sehr, sehr viele Themen,
Tobias Lambert: an die auch angeknüpft werden kann wieder in einem progressiven,
Tobias Lambert: in einem nach vorne gerichteten, zukunftsgewandten Ausrichtung.
Tobias Lambert: Ich finde, die Intervention der USA in Venezuela verdeutlicht ja auch nochmal
Tobias Lambert: sehr eindeutig, dass sich die imperiale Konkurrenz um Einflusszonen wieder stark verschärft.
Tobias Lambert: Jetzt ist ja auch die Frage, wie sich linke progressive Kräfte dazu verhalten
Tobias Lambert: sollten und welche Beziehungen sollten gesellschaftliche linke Kräfte in Deutschland
Tobias Lambert: und Europa mit Lateinamerika suchen.
Tobias Lambert: Dass Deutschland allen voran es nicht hinbekommen, zumindest offen zu benennen,
Tobias Lambert: dass es sich um einen offensichtlichen Völkerrechtsbruch gehandelt hat bei dem
Tobias Lambert: militärischen Angriff und auf Venezuela unter Entführung von Präsident Maduro.
Tobias Lambert: Völlig unabhängig davon, ob man man nur jetzt als Diktator, als Autokraten oder
Tobias Lambert: auch als Drogenhändler bezeichnen würde.
Tobias Lambert: Das führt eben nur dazu, dass die Idee eines Völkerrechts weiter erodieren wird
Tobias Lambert: und dass sich da auch andere Länder...
Tobias Lambert: Und vermutlich dazu legitimiert sehen,
Tobias Lambert: eben in ihren eigenen selbstdefinierten Einflussbereichen mit ähnlich konstruierten
Tobias Lambert: Behauptungen dann eben auch zu intervenieren, so wie die USA das in Lateinamerika
Tobias Lambert: für sich in Anspruch nehmen.
Tobias Lambert: Ich finde aus linker Sicht ist es auf jeden Fall wichtig, da jetzt nicht sich
Tobias Lambert: nur auf diese staatliche Ebene und Verteidigung des Völkerrechts zu beziehen.
Tobias Lambert: Das ist natürlich wichtig, das da zu benennen. Aber ich denke,
Tobias Lambert: aus linker Sicht ist es ja eher wichtig, auch Bündnisse zu knüpfen zu Gruppenorganisationen,
Tobias Lambert: zu Basisorganisierungen in anderen Ländern, also sowohl innerhalb Europas als
Tobias Lambert: auch zu Lateinamerika und zu den USA,
Tobias Lambert: um eben auch für die Interessen der regionalisierten Bevölkerung sich einzusetzen.
Tobias Lambert: Und das heißt, es muss schon darum gehen, da internationalistische Beziehungen
Tobias Lambert: aufzubauen und sich für eine gemeinsame linke Agenda einzusetzen,
Tobias Lambert: die jetzt sicherlich nicht kurzfristig zu erfolgen führen wird,
Tobias Lambert: aber mittelfristig ja vielleicht schon.
Tobias Lambert: Tobias, ich danke dir ganz herzlich für das Gespräch.
Tobias Lambert: Sehr gerne, danke dir auch.
Felix Jaitner: This world is going up and down.
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