Sind die Gen-Z-Proteste in Nepal ein Generationenkonflikt, Britta Petersen?
Shownotes
Anfang September gingen spektakuläre Bilder aus der nepalesischen Hauptstadt Kathmandou um die Welt. Tausende junge Menschen stürmten das Regierungsviertel der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu und setzten das Parlamentsgebäude in Brand. Der direkte Auslöser: Die nepalesische Regierung hatte den Zugang zu sozialen Medien wie Youtube, Facebook und Whatsapp gesperrt. Auf die Massenbewegung reagierte sie mit Gewalt – zahlreiche Demonstranten wurden dabei getötet, darunter auch ein 12-jähriges Kind.
Nach nur wenigen Tagen musste der nepalesische Premierminister und Vorsitzender der marxistisch-leninistischen Partei CPN, Kadga Prasad Oli, zurückzutreten. Sushila Karki, die frühere Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, übernahm als Interims-Regierungschefin. Das Parlament wurde aufgelöst und der Social Media Bann zurückgenommen.
Ging es bei den Protesten wirklich in erster Linie um einen Generationenkonflikt, wie der Begriff „Gen-Z Proteste” suggeriert? Welche strukturellen Probleme haben für die Unzufriedenheit gesorgt, die hier zum Ausdruck kam und wie sind diese historisch gewachsen? Was muss passieren, damit sich die Forderungen der Protestbewegung auch nach den Neuwahlen im März in langfristigen politischen Wandel übersetzen? Welche Rolle spielen China und Indien bei der ganzen Sache?
Darüber spricht Pauline Jäckels mit der Südasienexpertin und Journalistin Britta Petersen. Bevor sie im März 2024 das Büro der Rosa -Luxemburg -Stiftung in Delhi übernahm, war sie Senior Fellow bei dem indischen Thinktank „Oberserver Research Foundation“, Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Pakistan und Südasien-Korrespondentin der Financial Times Deutschland.
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Shownotes:
Tauqueer Ali Sabri, Nepals Gen Z erhebt sich, 2025, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Britta Petersen, Wut statt Wandel, 2025, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Britta Petersen, Sri Lanka vor dem linken Wahlsieg?, 2024, Rosa-Luxemburg-Stiftung
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Pauline Jäckels: Die meisten von euch erinnern sich wahrscheinlich an die Bilder und Videos,
Pauline Jäckels: die Anfang September durchs Netz gingen.
Pauline Jäckels: Von tausenden jungen Menschen, die das Regierungsviertel der nepalesischen Hauptstadt
Pauline Jäckels: Kathmandu stürmten und dem Parlamentsgebäude, das die Demonstranten in Brand gesetzt hatten.
Pauline Jäckels: Wahrscheinlich erinnert ihr euch
Pauline Jäckels: auch daran, was der Auslöser für diese sogenannten Zensi-Proteste war.
Pauline Jäckels: Die nepalesische Regierung hatte den Zugang zu sozialen Medien wie YouTube,
Pauline Jäckels: Facebook und WhatsApp gesperrt.
Pauline Jäckels: Auf die Massenproteste reagierte sie mit Gewalt.
Pauline Jäckels: Zahlreiche Demonstranten wurden dabei getötet, darunter auch ein zwölfjähriges
Pauline Jäckels: Kind, was die Proteste natürlich noch weiter eskalierte.
Pauline Jäckels: Nach nur wenigen Tagen musste der nepalesische Premierminister und Vorsitzender
Pauline Jäckels: der marxistisch-leninistischen Partei CPN, Khadgar Prasad-Uli, zurücktreten.
Pauline Jäckels: Sushila Kaki, die frühere Präsidentin des Obersten Gerichtshofs,
Pauline Jäckels: übernahm als Interimsregierungschefin.
Pauline Jäckels: Das Parlament wurde aufgelöst und das Social-Media-Band zurückgenommen.
Pauline Jäckels: Nach meiner Wahrnehmung ist das zumindest der Teil der Geschichte,
Pauline Jäckels: der hier in Deutschland ankam.
Pauline Jäckels: Natürlich steckt aber noch sehr viel mehr dahinter.
Pauline Jäckels: Mein Name ist Pauline Jeklitz und in dieser Folge spreche ich mit Britta Petersen
Pauline Jäckels: über eben diese Hintergründe der sogenannten Jensi-Proteste in Nepal.
Pauline Jäckels: Darüber, ob der Begriff Jensi-Proteste überhaupt wirklich sinnvoll ist.
Pauline Jäckels: Welche strukturellen Probleme die Unzufriedenheit der Menschen in Nepal bedingen
Pauline Jäckels: und wie diese historisch gewachsen sind.
Pauline Jäckels: Was passieren muss, damit sich die Forderungen der Protestbewegungen auch nach
Pauline Jäckels: den Neuwahlen im März in langfristigen politischen Wandel übersetzen.
Pauline Jäckels: Welche Rolle China und Indien bei der ganzen Sache spielen? Und was Deutsche
Pauline Jäckels: Linke von den verschiedenen Protestbewegungen in der Region lernen können.
Pauline Jäckels: Britta Petersen ist Philosophin, Journalistin und Südasien-Expertin.
Pauline Jäckels: Bevor sie im März 2024 das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Delhi übernahm,
Pauline Jäckels: war sie Senior Fellow bei dem indischen Think Tank Observer Research Foundation,
Pauline Jäckels: Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Pakistan und Südasien-Korrespondentin
Pauline Jäckels: der Financial Times Deutschland.
Pauline Jäckels: Hallo Britta, schön, dass du da bist.
Britta Petersen: Ja, hallo Pauline. Freue mich dabei zu sein.
Pauline Jäckels: Bevor wir richtig in den Kontext der Proteste in Nepal einsteigen,
Pauline Jäckels: Was hältst du eigentlich von dem Begriff Gen-Z-Proteste, der momentan sehr viel
Pauline Jäckels: auch auf andere Protestbewegungen im globalen Süden, eben auch in Südasien angewendet wird?
Pauline Jäckels: Ist es wirklich so sehr eine Generationenfrage oder sind es nicht einfach eh
Pauline Jäckels: meistens junge Menschen, die solche Protestbewegungen anführen?
Britta Petersen: Ja, das sehe ich auch so. Ich halte den Begriff auch deswegen für problematisch,
Britta Petersen: weil ich glaube, dass es verschleiert, dass es tiefergehende Ursachen gibt.
Britta Petersen: Die Krise des Kapitalismus, die häufig dann übersetzt wird als eine Krise der jeweiligen Regierung.
Britta Petersen: Dabei sind natürlich gerade in Entwicklungsländern auch diese jeweiligen Regierungen
Britta Petersen: dann immer entweder schon unter der Knute oder unter dem Einfluss der Handelsorganisationen
Britta Petersen: und der Weltbank, sodass die häufig auch gar nicht mehr dazu in der Lage sind,
Britta Petersen: andere Politiken umzusetzen.
Britta Petersen: Das ist zum Beispiel in Sri Lanka, wo ja auch vor zwei Jahren die Regierung
Britta Petersen: gestürzt wurde, allerdings nicht vor allem von der Gen Z, sondern von einer
Britta Petersen: breiteren Koalition aus der Zivilgesellschaft.
Britta Petersen: Das ist in Sri Lanka jetzt auch eher das Problem. Werden die dazu in der Lage
Britta Petersen: sein, sich in der Situation von hohen Staatsschulden von den Forderungen des
Britta Petersen: IWF und der Weltbank unabhängig zu machen? Das ist das eine Thema.
Britta Petersen: Und das andere Thema ist, und deswegen bin ich auch vorsichtig mit dem Begriff
Britta Petersen: Gen Z, weil eben hier in Südasien, wir in allen Ländern um Indien herum, also Nepal,
Britta Petersen: Sri Lanka, Bangladesch, überall in den letzten zwei Jahren Proteste gesehen
Britta Petersen: haben, die jeweils dazu geführt haben, dass die Regierungen gestürzt wurden.
Britta Petersen: Und in Bangladesch zum Beispiel war die Ausgangssituation eine andere,
Britta Petersen: weil dort natürlich die Regierung von Premierministerin Scheich Hasina ein Regime
Britta Petersen: geführt hat, das im Grunde genommen den Leuten keine Freiheit mehr gelassen hat.
Britta Petersen: Die Leute saßen reihenweise in Gefängnissen, Proteste wurden brutal unterdrückt.
Britta Petersen: Und Bangladesch hat auch eine lange Tradition der Studentenproteste,
Britta Petersen: die man auch nicht unbedingt als Generalistin sie betrachten kann,
Britta Petersen: sondern es sind einfach Proteste, die von Studierenden angeführt wurden.
Britta Petersen: Aber die Situation ist überall die gleiche. Die wirtschaftliche Lage bietet keine Perspektiven.
Britta Petersen: Die Menschen haben von ihren Regierungen die Nase voll und in Ländern mit schwachen
Britta Petersen: Regierungsstrukturen, mit schwachen institutionellen Strukturen führt es dann
Britta Petersen: tatsächlich dazu, dass die Regierungen gestürzt wurden, relativ schnell.
Pauline Jäckels: Man verschleiert also die Klassenfrage, indem man es quasi als Generationenfrageframed.
Britta Petersen: Ja, absolut. Das sehe ich auch so.
Britta Petersen: Und ich denke, das würden auch unsere Partnerinnen und Partner so sehen.
Britta Petersen: Wir arbeiten sehr viel mit Organisationen zusammen, die vor allem Dalits in
Britta Petersen: Nepal vertreten, also die sogenannten Unberührbaren, die nach wie vor im Grunde
Britta Petersen: genommen in Nepal keine Repräsentation in der Regierung haben.
Britta Petersen: Dasselbe gilt aber auch im starken Maße für Frauen. Das ist so,
Britta Petersen: dass die Klassenperspektive dadurch verschleiert wird.
Pauline Jäckels: Kommen wir also zu Nepal. Konkret ausgelöst wurden die Proteste im September
Pauline Jäckels: ja durch ein Internetverbot der Regierung.
Pauline Jäckels: Die Nepalesen verloren auf einmal den Zugang zu sozialen Medien,
Pauline Jäckels: was das fast sozusagen zum Überlaufen brachte.
Pauline Jäckels: Aber was sind die strukturellen Probleme, die hinter dieser breiten Unzufriedenheit im Land stehen?
Britta Petersen: Es hat in Nepal eine sehr große Unzufriedenheit unter der Bevölkerung gegeben,
Britta Petersen: vor allem weil Nepal ja zwischen 1990 und 2008 einen maoistischen Aufstand gehabt
Britta Petersen: hat und auch eine linke Revolution,
Britta Petersen: die dann dazu geführt hat, dass verschiedene linke Parteien in unterschiedlichen
Britta Petersen: Koalitionen an die Macht gekommen sind.
Britta Petersen: Leute, die damals an diesem Aufstand beteiligt gewesen sind,
Britta Petersen: die zum Teil ihr Leben riskiert haben dafür, sind wahnsinnig enttäuscht gewesen
Britta Petersen: davon, dass diese linken Regierungen,
Britta Petersen: Maoistische Partei, zum Teil auch die Nepali-Kongresspartei und so weiter,
Britta Petersen: im Grunde genommen an das angeknüpft haben, was vorher da gewesen ist,
Britta Petersen: die sich sehr schnell in die Rolle der Regierung eingefügt haben und die Forderungen
Britta Petersen: der Menschen nicht umgesetzt haben,
Britta Petersen: die weiterhin auf ihren Privilegien gesessen haben, die wahnsinnig viel Geld
Britta Petersen: angehäuft haben, korrupt gewesen sind.
Britta Petersen: Weiterhin, Nepal hat ja ein sehr ausgeprägtes Kastensystem, auch genauso wie
Britta Petersen: in Indien immer noch, weiterhin Kastenprivilegien aufrechterhalten haben.
Britta Petersen: Vor allem auch Frauen, die sehr stark auch an den Aufständen beteiligt gewesen
Britta Petersen: sind, fühlten sich überhaupt nicht repräsentiert in der Regierung.
Britta Petersen: Und dann haben natürlich die jungen Leute, die ja sehr stark auch mit diesem
Britta Petersen: Schlachtruf auf die Straße gegangen sind, weg mit den Nepo-Babys.
Britta Petersen: Die sehen natürlich, die sind alle vernetzt auf sozialen Medien,
Britta Petersen: die sehen dort, wie die Kinder von Regierungsmitgliedern und der Elite Bilder
Britta Petersen: von ihrem Luxusleben posten und sehen inzwischen nicht mehr ein,
Britta Petersen: dass sie das noch tolerieren sollen.
Britta Petersen: Und der unmittelbare Auslöser für diesen Sturz der Regierung war dann ja tatsächlich
Britta Petersen: eben auch ein Internet-Bann, den die Regierung verhängt hatte aus tatsächlich
Britta Petersen: eher formalen Gründen, weil die wollten, dass sich da bestimmte Medien registrieren.
Britta Petersen: Also es war eigentlich eine formale Angelegenheit, aber auf einmal hatten sie
Britta Petersen: dann keinen Zugang mehr zum Internet und das hat denen dann das Fass zum Überlaufen gebracht.
Britta Petersen: Und die strukturellen Probleme in Nepal sind natürlich alt, es ist ein relativ kleines Problem,
Britta Petersen: Es liegt in den Bergen. Es war eine traditionelle, auf Landwirtschaft basierende
Britta Petersen: Gesellschaft, die vom Königstum regiert wurde.
Britta Petersen: Es hat über lange Zeit relativ wenig Entwicklung stattgefunden,
Britta Petersen: obwohl es eben jahrzehntelang auch deutsche Entwicklungshilfe dort gegeben hat.
Britta Petersen: Aber es hat im Grunde genommen nie ein Interesse gegeben, von den herrschenden
Britta Petersen: Eliten grundsätzlich etwas zu ändern. Es gibt kaum Industrie in Nepal.
Britta Petersen: Das Land lebt nach wie vor weitgehend von der Tourismusindustrie.
Britta Petersen: Das Kastensystem ist sehr steil, steiler noch als in Indien.
Britta Petersen: In Indien im Vergleich zu Nepal hat sich halt dadurch, dass das Land doch nicht
Britta Petersen: nur größer ist, sondern auch wirtschaftlich viel stärker, haben sich viel mehr
Britta Petersen: Möglichkeiten herausgebildet, auch für Leute aus den unteren Kasten sich daraus
Britta Petersen: zu winden und daraus zu arbeiten. In Nepal ist das kaum möglich.
Britta Petersen: Die Regierung wird nach wie vor vollkommen dominiert von Brahmanen,
Britta Petersen: also der ehemaligen Priesterkaste und der Kriegerkaste.
Britta Petersen: Andere haben dort so gut wie gar keine Chancen und auch Frauen haben bisher
Britta Petersen: dort praktisch so gut wie nichts zu sagen gehabt, auch unter den linken Regierungen.
Britta Petersen: Und insofern ist das die Fortsetzung von der linken Revolution,
Britta Petersen: die die Leute jetzt einfordern.
Pauline Jäckels: Wie hat denn die nepalesische Regierung und wie haben die Landeseliten auf die
Pauline Jäckels: Proteste reagiert und warum?
Britta Petersen: Das ist eben das Interessante dabei gewesen. Ich selber war noch eine Woche
Britta Petersen: vor diesen Vorfällen selbst in Nepal und man hat nichts davon gemerkt.
Britta Petersen: Ich glaube, die sind alle vollkommen überrascht davon gewesen.
Britta Petersen: Selbst unsere Partner haben nicht damit gerechnet, dass das jetzt so schnell passieren kann.
Britta Petersen: Es ist auch noch bis heute nicht so ganz klar, weil wenn man die Bilder gesehen
Britta Petersen: hat, wie das Parlamentsgebäude gebrannt hat und so weiter, Dann stellte man
Britta Petersen: sich schon die Frage, hat es da noch andere Strippenzieher gegeben?
Britta Petersen: War das wirklich jetzt nur ein ganz spontaner Jugendprotest?
Britta Petersen: Wir können das im Grunde genommen bis jetzt noch nicht beantworten.
Britta Petersen: Es gibt sicherlich auch noch andere Interessen dahinter.
Britta Petersen: Ich will keine Verschwörungstheorien hier verbreiten, aber da ist sehr viel
Britta Petersen: in sehr kurzer Zeit passiert.
Britta Petersen: Aber dass sich das angekündigt hat über einen langen Zeitraum,
Britta Petersen: die Unzufriedenheit, das war mit den Händen greifbar.
Britta Petersen: Aber wenn es dann auf einmal passiert, dann war es natürlich überraschend.
Britta Petersen: Und das muss ich vielleicht auch noch dazu sagen, die Reaktion,
Britta Petersen: dass gegen die Proteste dann so schnell gewaltsam vorgegangen wurde,
Britta Petersen: die hat das dann natürlich nochmal verschärft.
Britta Petersen: Und es ist auch noch nicht so richtig ganz klar, inwieweit eigentlich der Premierminister
Britta Petersen: Ohli, der damals ja noch an der Regierung war, das eigentlich so gewollt hat
Britta Petersen: oder ob das aus dem Ruder gelaufen ist.
Britta Petersen: Also das sind Fragen, die im Grunde genommen noch offen sind.
Britta Petersen: Allerdings gibt es natürlich in den staatlichen Organen in Nepal sicherlich eine Tradition von,
Britta Petersen: also man hat das auch schon vorher gesehen, als das Königtum gestürzt wurde
Britta Petersen: und so weiter, da greift man schnell mal brutal durch und das schaukelt sich auch schnell hoch.
Britta Petersen: Insofern, ich glaube nicht, dass er jetzt den Befehl gegeben hat,
Britta Petersen: da so viele Leute zu erschießen, aber es ist passiert.
Pauline Jäckels: Würdest du sagen, die Proteste waren explizit links-oppositionell oder eher
Pauline Jäckels: eigentlich liberal oder sogar royalistisch geprägt?
Britta Petersen: Ja, also wie gesagt.
Britta Petersen: In Nepal ist es halt so, dass die Frustration über die linken Parteien riesengroß ist.
Britta Petersen: Weil sie eben nichts von dem geliefert haben, was eigentlich man von linken
Britta Petersen: Parteien erwarten würde, vor allem wenn es sich um Parteien handelt,
Britta Petersen: die irgendwie dem Namen nach Maoistisch und Marxistisch-Leninistisch sind.
Britta Petersen: Insofern ist die Enttäuschung riesengroß. Ich habe nicht den Eindruck,
Britta Petersen: dass die Proteste in irgendeiner Form liberal motiviert sind.
Britta Petersen: Es gab natürlich Empörung über den luxuriösen Lebensstil der sogenannten Nepo-Babys,
Britta Petersen: über die Korruption auch der linken Vertreter, das ist da.
Britta Petersen: Es steht aber keine liberale Ideologie dahinter und es steht meines Erachtens
Britta Petersen: auch nicht mehrheitlich der Wunsch dahinter, wieder ein Königreich zu errichten.
Britta Petersen: Ich glaube schon, dass es sehr
Britta Petersen: stark eben eine Wut da ist, ohne dass man wirklich eine Alternative hat.
Britta Petersen: Aber das bietet ja auch eine Chance für linke Politik.
Britta Petersen: Was ich aber noch sagen wollte, in Sri Lanka,
Britta Petersen: Wo es ja diese sogenannte Aragalaya-Bewegung gegeben hat, die dann dazu geführt
Britta Petersen: hat, dass dort das Regime gestürzt wurde,
Britta Petersen: ist eine breite zivilgesellschaftliche Protestbewegung gewesen,
Britta Petersen: die auch gegen die unter anderem eben auch wirklich von der Regierung Rajapaksa
Britta Petersen: damals herbeigeführte massive Wirtschaftskrise eben zu dem Sturz der Regierung geführt hat.
Britta Petersen: Und wir haben ja jetzt in Sri Lanka mit Aruna Kumara Dessanayakel,
Britta Petersen: einen Präsidenten, der aus einer dezidiert linken Tradition kommt.
Britta Petersen: Seine Partei ist ja tatsächlich zweimal an Volksaufständen beteiligt gewesen.
Britta Petersen: Einmal in den 70er Jahren und einmal Ende der 80er Jahre.
Britta Petersen: Weshalb sie eigentlich lange in Sri Lanka bei Wahlen keine Chancen gehabt hatten,
Britta Petersen: das ist den Leuten zu radikal gewesen.
Britta Petersen: Die Partei hat sich dann gewandelt. Und inzwischen ist halt die Situation so,
Britta Petersen: dass die Leute wieder sagen, ja, eigentlich scheint er uns nicht links genug zu sein mit seinem Kurs.
Britta Petersen: Er ist aber natürlich eben tatsächlich, Sri Lanka ist sehr stark eben auch in
Britta Petersen: dieser Schuldenklemme,
Britta Petersen: Er hat viele Reformen, aber schlicht und einfach dann auch demokratische Reformen,
Britta Petersen: zum Beispiel bestimmte Gesetzgebungen, die noch aus der früheren Zeit daher
Britta Petersen: waren, die sich sehr stark gegen Durchgriffsmöglichkeiten, gegen Proteste und
Britta Petersen: so weiter richten, wo erwartet worden war, dass die Regierung diese Dinge aufhebt.
Britta Petersen: Wir sind nicht aufgehoben worden, aus welchen Gründen auch immer.
Britta Petersen: Ich glaube, er muss sehr stark aufpassen, dass er nicht die Unterstützung derer
Britta Petersen: verliert, die ihn damals an die Macht gebracht haben.
Britta Petersen: Aber nichtsdestotrotz hat Sri Lanka jetzt eine linke Regierung und wir sind auch dort im Gespräch.
Britta Petersen: Und es gibt dort zumindest diese Perspektive. Aber man muss eben aufpassen,
Britta Petersen: dass die Leute sich nicht dann schnell gegeneinwenden.
Britta Petersen: Wobei in Nepal ist es ja gar nicht so schnell gewesen. Die linken Parteien sind
Britta Petersen: ja jetzt schon wieder über zehn Jahre an der Macht.
Britta Petersen: Die haben sich über Jahre hinweg das Vertrauen der Leute verspielt.
Pauline Jäckels: Die nepalesische Regierung wurde ja binnen weniger Tage dann gestürzt.
Pauline Jäckels: Jetzt wird Nepal von einer Übergangsregierung regiert. Wie sieht diese Übergangsregierung genau aus?
Britta Petersen: Ja, es ist natürlich ganz geschickt.
Britta Petersen: Dass zum ersten Mal eine Frau tatsächlich an die Macht gebracht wurde in Nepal.
Britta Petersen: Was heißt an die Macht? Also die Kaki ist ja eine Verfassungsjuristin.
Britta Petersen: Das ist auch nochmal ein ganz entscheidender Punkt. Den habe ich noch gar nicht
Britta Petersen: erwähnt, dass eben damals nach dem Sturz der Monarchie hat sich ja tatsächlich
Britta Petersen: Nepal mit einer verfassungsgebenden Versammlung eine ziemlich fortschrittliche Verfassung gegeben.
Britta Petersen: An dieser Verfassung haben eben auch Frauen mitgearbeitet und das spielt auch
Britta Petersen: eine Rolle, ganz in einem klassischen Sinne, dass da Menschen gesessen haben,
Britta Petersen: das Volk dort gesessen hat und sich eine Verfassung erarbeitet hat.
Britta Petersen: Und dass jetzt eine Verfassungsrichterin sozusagen die Übergangsregierung führt,
Britta Petersen: ist erstmal natürlich ein gutes Signal.
Britta Petersen: Diese Regierung hat ja schon angekündigt, dass im Frühjahr nächsten Jahreswahlen stattfinden sollen.
Britta Petersen: Die verschiedenen linken Parteien haben sich ja jetzt auch, das war eines der
Britta Petersen: Probleme natürlich in Nepal, wie überall, die Zersplitterung der linken Parteien,
Britta Petersen: die haben sich ja jetzt zusammengefunden und eine neue Partei gegründet.
Britta Petersen: Da muss man schauen, ob das dann tatsächlich ausreicht, um dann bei den Wahlen
Britta Petersen: die Leute davon zu überzeugen, dass sie wirklich dann auch ein alternatives
Britta Petersen: Angebot vorbringen können.
Pauline Jäckels: Zeigen sich denn die linken Parteien bereit, sich wirklich auf die Forderung
Pauline Jäckels: der Protestierenden einzulassen oder ihnen zuzuhören?
Britta Petersen: Das wäre natürlich wünschenswert, ob die das hinkriegen, ob die wirklich dazu
Britta Petersen: in der Lage sind, sich mit den jungen Menschen zu treffen.
Britta Petersen: Wir sind ja nicht nur junge Menschen, sondern sind eben auch Vertreter von Gewerkschaften,
Britta Petersen: Bauernverbänden, Frauenorganisationen und so weiter.
Britta Petersen: Und das ist im Grunde genommen das, was nötig wäre, dass sich die linken Parteien
Britta Petersen: mit diesen Menschen zusammensetzen und tatsächlich erstmal zuhören.
Britta Petersen: Und dann tatsächlich auch Programme vorlegen, wo man sagen kann,
1: Ja, das ist für die Leute auch wieder wählbar.
Britta Petersen: Wenn das nicht gelingt, würde es sehr schwierig werden in Nepal,
Britta Petersen: weil das Land natürlich auch polarisiert ist und man auch nicht vergessen darf,
Britta Petersen: dass das Ancien-Regime auch noch nicht ganz tot ist.
Pauline Jäckels: Also die Royalisten, die sich quasi dafür einsetzen, dass Nepal wieder zu einer Monarchie wird.
Britta Petersen: Und die sind natürlich auch gut vernetzt. Insofern müssen wir mal abwarten.
Britta Petersen: Es gibt ja jetzt keine Meinungsumfragen bisher. Es ist schwer einzuschätzen,
Britta Petersen: wie viel Unterstützung dann tatsächlich die royalistischen Kräfte für sich gewinnen würden.
Pauline Jäckels: Welche Rolle spielen denn die regionalen Player wie Indien und China in dieser
Pauline Jäckels: Rivalität zwischen den linken Kräften und Royalisten?
Britta Petersen: Der Einfluss der Nachbarländer spielt natürlich auch durchaus eine Rolle.
Britta Petersen: Nepal ist halt ein sehr kleines Land, was irgendwie in so einer Sandwich-Stelle
Britta Petersen: zwischen Indien und China ist.
Britta Petersen: Es gibt viele Leute, gerade auch linke Kräfte, die der Meinung sind,
Britta Petersen: dass das eigentlich ein Vorteil ist, dass beide Länder dort Interessen haben,
Britta Petersen: auch wirtschaftliche Interessen.
Britta Petersen: Die Chinesen, die da ja auch wie überall stark investieren.
Britta Petersen: Aber man versucht auch, beide Länder sozusagen sich warm zu halten.
Britta Petersen: Die Inder haben natürlich traditionell, Nepal ist ja nicht nur ein Königsreich
Britta Petersen: gewesen, sondern auch ein hinduistisches Königsreich.
Britta Petersen: Und die Regierung hier in Indien ist eine hindu-nationalistische Regierung.
Britta Petersen: Das heißt, es gibt da Kontakte auch zu den königstreuen Kräften,
Britta Petersen: wobei ich jetzt nicht den Eindruck habe, dass Indien da versucht,
Britta Petersen: massiv darauf Einfluss zu nehmen.
Britta Petersen: Das würde sicherlich nicht gut ankommen, aber es gibt da schon Verbindungen.
Britta Petersen: Aber es ist tatsächlich im Moment schwer zu sagen, wie stark die dann sind und
Britta Petersen: wie viel Prozent die bei Wahlen gewinnen können.
Pauline Jäckels: Kannst du das vielleicht nochmal kurz ausbuchstabieren, also wie der chinesische
Pauline Jäckels: Einfluss linke Kräfte stärkt?
Britta Petersen: Ja, das ist eine gute Frage. Also wenn man sich die Geografie von Nepal anschaut, dann sieht man,
Britta Petersen: dass der nördliche Teil des Bundesstaats Bihar, was ja einer der ärmsten Bundesstaaten
Britta Petersen: in Indien ist, eine sehr lange Grenze mit Nepal hat,
Britta Petersen: die auch sehr porös ist sozusagen, weil die Leute zum Teil auch dieselbe Dialekt sprechen.
Britta Petersen: Man kann das häufig gar nicht so genau unterscheiden.
Britta Petersen: Ist das jetzt jemand, der aus Nepal kommt oder ist das jemand, der aus Indien kommt?
Britta Petersen: Das heißt, es gibt da sehr starke Verbindungen, auch wirtschaftliche Verbindungen,
Britta Petersen: Handel und so weiter. Und das ist traditionell so und das ist auch an sich unproblematisch.
Britta Petersen: Indien hat in der Vergangenheit immer mal wieder, als es zu Auseinandersetzungen
Britta Petersen: entlang der Grenze gekommen ist, gerade auch während der Zeit des Aufstandes,
Britta Petersen: versucht dort Einfluss zu nehmen im Sinne von Sicherung seiner eigenen wirtschaftlichen Interessen,
Britta Petersen: Stabilität in der Grenzregion und so weiter.
Britta Petersen: Das ist für Indien überall, also auch in anderen Grenzen, sei es jetzt zu Bangladesch
Britta Petersen: natürlich nochmal ganz besonders stark, aber auch Myanmar, wo wir das Problem
Britta Petersen: mit den Rohingya haben und so weiter.
Britta Petersen: Das ist stärker in Bangladesch, weil dort natürlich viele Leute auch Muslime
Britta Petersen: sind, was halt ideologisch...
Britta Petersen: Zu größeren Konflikten führt, besonders unter der jetzigen hindu-nationalistischen
Britta Petersen: Regierung in Indien. Diese Probleme gibt es in dieser Form halt nicht mit Nepal.
Britta Petersen: Aber trotzdem ist es insgesamt so, dass die kleineren Länder,
Britta Petersen: die Indien umgeben, immer das Gefühl haben, der Nachbar will sie irgendwie unter Kontrolle halten.
Britta Petersen: Und seit China jetzt noch stärker eben auch als Regionalmacht auftritt, hat Nepal das Gefühl,
Britta Petersen: dass es größere Spielräume hat, weil man natürlich irgendwie dann immer sagen
Britta Petersen: kann, Okay, also das hat tatsächlich auch der Premierminister,
Britta Petersen: relativ kurz vor seinem Sturz war Oli auf einem Staatsbesuch in China gewesen,
Britta Petersen: bevor er noch nach Indien gegangen ist.
Britta Petersen: Also man muss dazu sagen, es hat in den letzten Jahren relativ viele Wechsel
Britta Petersen: in dem Amt des Premierministers gegeben unter den linken Kräften,
Britta Petersen: die sich ständig in den verschiedenen Koalitionen bewegt haben.
Britta Petersen: Und Uli war noch nicht so lange an der Macht, bevor er gestürzt wurde.
Britta Petersen: Und sein erster Besuch führte ihn dann halt nach China, was natürlich auch in
Britta Petersen: Indien als das falsche Signal wahrgenommen wurde.
Britta Petersen: Aber ich glaube, womit er auch zeigen wollte, hier, wir haben Alternativen.
Britta Petersen: Und in der Linken wird das natürlich sehr stark auch so gesehen,
Britta Petersen: weil China sich ja zumindest auch nach wie vor als ein sozialistischer Staat versteht.
Britta Petersen: Was in Nepal sehr auffällig ist, ist, dass, also für mich sehr auffällig,
Britta Petersen: die ich das Land schon sehr lange kenne, dass inzwischen auch es wahnsinnig
Britta Petersen: viel chinesische Einwanderung dort gibt.
Britta Petersen: Also wahnsinnig viele Chinesen betreiben dort Geschäfte, möglicherweise auch
Britta Petersen: Chinesen, die vielleicht ganz happy sind, dass sie dem Zugriff ihrer Regierung entkommen.
Britta Petersen: Also der Einfluss dort ist sichtbar und diese Dinge haben zugenommen.
Britta Petersen: Ob ich es als Konflikt bezeichnen würde, weiß ich noch nicht mal.
Britta Petersen: Aber auf jeden Fall ist das die Situation in Nepal.
Pauline Jäckels: Und wie steht es um den westlichen Einfluss in der Region?
Britta Petersen: Sagen wir mal so, der westliche Einfluss ist ja gar nicht mehr so stark da.
Britta Petersen: Deutschland hat da ja auch sehr, sehr lange sehr viel Entwicklungshilfe gemacht.
Britta Petersen: Das ist aber sehr stark heruntergefahren worden.
Britta Petersen: Es gibt natürlich noch Entwicklungshilfeorganisationen da, aber nicht mehr so viel.
Britta Petersen: Ich denke, weil das ist ja ein globaler Trend.
Britta Petersen: Die Amerikaner haben ja ohnehin jetzt ihre Unterstützung massiv heruntergefahren.
Britta Petersen: Das heißt im Grunde genommen, die Rivalität zwischen den Mächten,
Britta Petersen: denke ich, findet dort vor allem zwischen Indien und China statt und der Einfluss
Britta Petersen: des Westens ist relativ gesehen doch sehr stark zurückgegangen.
Britta Petersen: China hat natürlich viel Geld. China hat zum Beispiel in Pokhara,
Britta Petersen: Pokhara ist eine der großen Tourismusorte, weil von dort die ganzen Tracking-Touren
Britta Petersen: in die Himalayas losgehen,
Britta Petersen: hat dort einen internationalen Flughafen gebaut.
Britta Petersen: Und natürlich mit dem Willen der linken Regierung.
Britta Petersen: Also die haben sich natürlich darüber gefreut, dass die Chinesen investieren.
Britta Petersen: Allerdings ist dieser Flughafen dort offenbar sehr schlecht geplant gewesen,
Britta Petersen: weil er bisher eigentlich nur annäherungsweise Auslastungszahlen hat,
Britta Petersen: die man sich erhofft hat.
Britta Petersen: Also ob ein Flughafen an dem Standort von der Größe überhaupt was bringt, ist die Frage.
Britta Petersen: Aber das sind natürlich diese Art von chinesischen Investitionen,
Britta Petersen: die die Chinesen ja überall auf der Welt auch entlang ihrer Welt-Android-Initiative machen.
Britta Petersen: In Sri Lanka zum Beispiel haben sie ja den Hafen komplett übernommen.
Britta Petersen: Das alles sind Investitionen, die aber irgendwann natürlich auch zurückgezahlt werden müssen.
Britta Petersen: Das schenken die Chinesen den Leuten ja nicht.
Britta Petersen: Aber erstmal sind das natürlich Projekte, die man vorzeigen kann und wo dann
Britta Petersen: eine Regierung natürlich auch sagen kann, ja schaut hier, wir tun ja was.
Britta Petersen: Aber das Interesse der Chinesen ist natürlich sozusagen im Ausland ihre eigene
Britta Petersen: Wirtschaft sicherzustellen und auch ihren Einfluss dort sicherzustellen.
Britta Petersen: Und die Menschen vor Ort haben bisher in Nepal relativ wenig davon gehabt.
Britta Petersen: Und an anderen Orten ist es ja auch so, dass die Chinesen dann auch in Produktionsstandorte
Britta Petersen: investieren und so weiter, was dann auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen führt.
Britta Petersen: Aber diese Arbeitsplätze sind halt häufig auch in keiner Weise anders als andere
Britta Petersen: ausbeuterische Arbeitsplätze, die von kapitalistischen Unternehmen dort aufgebaut werden.
Pauline Jäckels: Sieht denn die nepalesische Bevölkerung das auch kritisch, dass man sich von
Pauline Jäckels: China quasi abhängig macht und selbst, wie du sagst, gar nicht so viel davon abbekommt?
Britta Petersen: Ich glaube, dass tatsächlich die.
Britta Petersen: Bevölkerung das noch gar nicht mal als Abhängigkeit sieht.
Britta Petersen: Ich würde es auch nicht unbedingt als Abhängigkeit beschreiben,
Britta Petersen: sondern ich würde es als den Versuch betrachten, mehrere Eisen im Feuer zu haben.
Britta Petersen: Und eben möglicherweise auch, wenn man es geschickt anstellt,
Britta Petersen: die verschiedenen großen Mächte dort gegeneinander auszuspielen.
Britta Petersen: Wie erfolgreich man das macht, ist halt eine andere Frage.
Britta Petersen: Aber man hat jetzt zumindest die Möglichkeit, Gelder aus China zu kriegen,
Britta Petersen: Investoren aus Indien zu kriegen und auch im Westen gibt es immer noch ein paar Möglichkeiten.
Britta Petersen: Sicherlich nicht mehr so viele wie früher, aber das ist sozusagen die Perspektive.
Britta Petersen: Und ich glaube nicht, dass das in Nepal bisher britisch gesehen wird.
Britta Petersen: In Nepal richtet sich der, also der Zorn richtet sich eher gegen die eigene
Britta Petersen: Regierung und die Tatsache, dass viele Menschen eben nicht daran teilhaben,
Britta Petersen: an dem, was möglicherweise an Geldern in die Kasse gespült wird durch diese Kooperationen.
Pauline Jäckels: Jetzt nochmal zurück zu den Neuwahlen. Also ob die Proteste und der Sturz der
Pauline Jäckels: Regierung tatsächlich auf Dauer erfolgreich waren,
Pauline Jäckels: hängt ja davon ab, ob die Interessen und Forderungen der Protestbewegungen sich
Pauline Jäckels: auch in den Wahlergebnissen widerspiegeln und sich dadurch irgendwie in so einen
Pauline Jäckels: langfristigen politischen Wandel übersetzen.
Pauline Jäckels: Was glaubst du, sind die Chancen, dass das auch passiert bei den Neuwahlen?
Britta Petersen: Das ist tatsächlich die größte Herausforderung. Also erstmal ist es natürlich
Britta Petersen: gut und wichtig, dass die Wahlen stattfinden. Es ist auch notwendig,
Britta Petersen: dass die Wahlen stattfinden.
Britta Petersen: Und daher wird die Tatsache allein, wenn die Wahlen vernünftig organisiert sind,
Britta Petersen: erstmal ein gewisses Vertrauen in die Institutionen des Staates befördern.
Britta Petersen: Und so wie du richtig sagst, kommt es jetzt tatsächlich eben darauf an,
Britta Petersen: dass die Parteien, auch die linken Parteien, die Forderungen der Menschen aufgreifen
Britta Petersen: und glaubwürdig machen können, dass sie sie auch wirklich umsetzen wollen.
Britta Petersen: Und da liegt natürlich die größte Herausforderung drin.
Britta Petersen: Ich denke, nach allem, was passiert ist, wissen sie das natürlich auch,
Britta Petersen: dass sie nicht mehr so weitermachen können wie bisher.
Britta Petersen: Ob sie aber wirklich dazu in der Lage sind und willens, was zu ändern,
Britta Petersen: ist schwer zu sagen zum jetzigen Zeitpunkt.
Pauline Jäckels: Ist denn absehbar, welche Parteien bei den Neuwahlen durch die Protestbewegung
Pauline Jäckels: unterstützt werden? Kann man das jetzt schon sagen?
Britta Petersen: Ich betrachte die Bewegung so, wie sie sich dargestellt hat.
Britta Petersen: Erstmal als eine Bewegung, die sich nicht an Parteien orientiert,
Britta Petersen: die sozusagen ein grundsätzliches Misstrauensvotum gewesen ist gegen die politischen Eliten.
Britta Petersen: Und das ist halt auch die größte Herausforderung, dass eben in so einer Situation,
Britta Petersen: wo es schon mal eine Revolution gegeben hat, wo linke Parteien an der Macht gewesen sind,
Britta Petersen: wo man im Grunde genommen schon alles Mögliche probiert hat,
Britta Petersen: es im Moment keine alternative Kraft gibt, die diese Unzufriedenheit in ein
Britta Petersen: politisches Programm umsetzen kann und bündeln kann.
Britta Petersen: Und dafür ist natürlich dann auch die Zeit relativ knapp, muss man sagen.
Britta Petersen: Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass auf einmal ganz neue Parteien innerhalb
Britta Petersen: dieser kurzen Zeit da antreten, die dann das Vertrauen der Leute haben.
Britta Petersen: Es fehlt auch insgesamt in Nepal, muss man sagen, jüngere, charismatische Führerinnen
Britta Petersen: und Führer, was eben auch mit den schon beschriebenen Problemen zusammenhängt.
Britta Petersen: Und die Parteien werden eigentlich alle nicht von alten weißen Männern,
Britta Petersen: aber doch von alten Männern geführt.
Britta Petersen: Und dass da irgendwie Chancen bestehen für junge Menschen, das ist bisher nicht der Fall gewesen.
Britta Petersen: Und die kann man natürlich auch nicht so einfach aus dem Hut zaubern.
Britta Petersen: Insofern muss man wirklich mal schauen. Also ich finde es tatsächlich bisher
Britta Petersen: schwer vorherzusagen, wie das weitergeht.
Pauline Jäckels: Was müsste denn passieren, damit diese jungen Menschen die Möglichkeit bekämen,
Pauline Jäckels: um politische Führungsrollen einzunehmen?
Britta Petersen: Wir machen zum Beispiel mit einer Partnerorganisation ein sehr interessantes Projekt.
Britta Petersen: Die arbeiten tatsächlich daran, dass sie Frauen mit einem Dalit-Background in
Britta Petersen: Wissensinstitutionen hineinbringen, also die sie wirklich schulen.
Britta Petersen: Denn Dalit sind in Indien und Nepal die sogenannten oder früher hießen sie Unberührbare,
Britta Petersen: also Leute, die sozusagen am untersten Ende des Kassensystems sind und im Grunde
Britta Petersen: genommen traditionell noch nicht mal den Status hatten von Arbeitern,
Britta Petersen: die häufig auch bis heute noch mitunter in Sklavenähnlichen Verhältnissen leben.
Britta Petersen: Ja, und ich meine.
Britta Petersen: Es ist nicht so, dass sich gar nichts getan hat. Es ist so, dass viele von denen
Britta Petersen: inzwischen auch Bildung genossen haben.
Britta Petersen: Und unsere Partnerorganisation ist tatsächlich dabei, eben mit den Frauen,
Britta Petersen: mit dem Wissen, was die Frauen auch haben, dieses zu fördern und sie in Institutionen
Britta Petersen: heranzuführen, wo sie dann tatsächlich auch dazu in der Lage sind,
Britta Petersen: ihre Perspektiven einzubringen und eine Stimme zu entwickeln,
Britta Petersen: die dann auch gehört wird. Das ist natürlich ein längerer Prozess.
Britta Petersen: Das kann man irgendwie nicht von heute auf morgen machen.
Britta Petersen: Es gibt natürlich auch Gewerkschaften, mit denen wir auch in Kontakt sind.
Britta Petersen: Also Gewerkschaften heißt natürlich in einem Land wie Nepal,
Britta Petersen: da gibt es ja kaum Industrie.
Britta Petersen: Es sind viele Gewerkschaften, die mit Landarbeitern zusammenarbeiten und die
Britta Petersen: sich für die Perspektiven einsetzen.
Britta Petersen: Im Grunde genommen sind es diese Organisationen, die die einzigen sind,
Britta Petersen: die die Stimmen der Menschen nach vorne bringen können,
Britta Petersen: Was, glaube ich, auch eine wichtige Rolle spielt.
Britta Petersen: Und da bin ich gespannt, ob die linken Parteien das auch wirklich tun.
Britta Petersen: Es gibt auf der Ebene von lokalen Verwaltungen viele engagierte Menschen,
Britta Petersen: die auch damals an dem Aufstand beteiligt gewesen sind, die nach wie vor politisch engagiert sind,
Britta Petersen: die eben das Gefühl haben, dass sie im Laufe dieser Entwicklung,
Britta Petersen: die die Parteien genommen haben hin zu den üblichen hierarchischen Strukturen,
Britta Petersen: dass sie dort irgendwie an den Rand gedrängt wurden.
Britta Petersen: Und das heißt, da ist tatsächlich auch ein Potenzial da von Leuten,
Britta Petersen: die eben auch schon im Kampf gestählt sind, sich dort wieder einzubringen.
Britta Petersen: Aber denen muss man natürlich auch die Möglichkeit geben, sich da wieder einzubringen.
Britta Petersen: Also bisher sind sie halt an den Rand gedrängt worden.
Britta Petersen: Nepal ist halt eine extrem hierarchische Gesellschaft. Also gerade Frauen natürlich
Britta Petersen: werden kaum gehört, egal wie lange sie im Dschungel gekämpft haben.
Britta Petersen: Sie durften dann mal in der Anfangszeit in der verfassungsgebenden Versammlung
Britta Petersen: ein bisschen mitreden und so weiter.
Britta Petersen: Aber wenn es dann darum geht, wer die Posten kriegt und so, dann,
Britta Petersen: also das ist ja nichts, das man nicht auch bei uns kennen würde.
Britta Petersen: Und das ist sicherlich in Nepal nochmal viel stärker so. Und das gilt natürlich
Britta Petersen: nicht nur für Frauen, sondern das gilt erst recht für Leute,
Britta Petersen: die eben aus den unteren Kasten kommen.
Britta Petersen: Als Fußsoldaten sozusagen waren sie willkommen, aber wenn es dann um die Verteilung
Britta Petersen: der Macht ging, haben sie nicht viel abgekriegt, ja.
Pauline Jäckels: Du bist jetzt auch schon so ein bisschen darauf eingegangen,
Pauline Jäckels: aber inwiefern spiegeln denn die Proteste in Nepal auch regionale Trends wieder?
Pauline Jäckels: Du hast ja schon Sri Lanka angesprochen, wo es auch einen Sturz der Regierung
Pauline Jäckels: gab durch eine Protestbewegung.
Pauline Jäckels: Aber auch in Bangladesch sehen wir ähnliche Dynamiken.
Britta Petersen: Ja, in der Tat. In Bangladesch ist auch die Regierung gestürzt worden.
Britta Petersen: Die Ausgangslage ist ein bisschen eine andere gewesen.
Britta Petersen: Anders als Nepal ist Bangladesch ja in den letzten Jahren durchaus wirtschaftlich
Britta Petersen: erfolgreich gewesen. und ist ja auch ein viel größeres Land, das muss man auch sagen.
Britta Petersen: Eines der Probleme von Nepal und von Sri Lanka ist halt, dass sie so klein sind
Britta Petersen: und es da auch irgendwie gar nicht so große Möglichkeiten gibt.
Britta Petersen: Bangladesch lebt ja vor allem von der international sehr erfolgreichen Textilwirtschaft.
Britta Petersen: Davon hat die Regierung sehr lange profitiert. Die Textilwirtschaft kann viele
Britta Petersen: Leute natürlich absorbieren und ihnen Arbeitsplätze verschaffen,
Britta Petersen: aber irgendwann reicht das natürlich auch nicht mehr.
Britta Petersen: Ja, hinzu kamen eben die extrem autoritären Tendenzen der Regierung von Tschech Hasina.
Britta Petersen: Aber man sieht das in der Umgebung von Indien, dass alle diese Länder,
Britta Petersen: also diese drei Länder, Sri Lanka, Bangladesch, Nepal, haben wirtschaftliche Probleme.
Britta Petersen: Sie haben auch institutionelle Probleme, die eben das begünstigen,
Britta Petersen: dass dann solche Straßenproteste die Regierung wegfegen kann.
Britta Petersen: In Indien sehe ich das nicht so. Obwohl in Indien dieselben Probleme auch bestehen.
Britta Petersen: Also Indien hat ein Riesenproblem damit, junge Menschen in Jobs zu bringen.
Britta Petersen: Die Jugendarbeitslosigkeit ist riesengroß.
Britta Petersen: In all diesen Ländern ist die Jugendarbeitslosigkeit riesengroß.
Britta Petersen: Und insofern muss man das eben schon in der Gesamtschau sehen.
Britta Petersen: Aber die Gesamtschau eben, wie ich das auch schon mal anfangs gesagt hatte,
Britta Petersen: ist eben auch eine, in der der Kapitalismus tatsächlich nicht dazu in der Lage
Britta Petersen: ist, seine Versprechen einzulösen.
Britta Petersen: Hinzu kommt natürlich auch, und das darf man sicherlich auch nicht unterschätzen,
Britta Petersen: dass der Klimawandel auch diese, besonders in Südasien, Südasien ist ja eine der Regionen,
Britta Petersen: die am stärksten vom Klimawandel jetzt schon betroffen ist, diese bestehenden
Britta Petersen: Probleme noch verschärft und vor allem natürlich auf dem Land die Bauern und
Britta Petersen: die Bäuerinnen einfach vor viel größere Herausforderungen stellt,
Britta Petersen: als sie das vorher gestanden haben.
Britta Petersen: Alle diese Länder haben einen großen Landwirtschaftssektor und viele von den
Britta Petersen: Menschen, die eben keine Jobs finden, die hängen vollkommen davon ab,
Britta Petersen: dass sie in irgendeiner Form noch über die Landwirtschaft sich ernähren.
Pauline Jäckels: Kannst du es vielleicht nochmal explizit machen? Also was hat man sich denn
Pauline Jäckels: in der Region vom Kapitalismus erhofft und warum hat der Kapitalismus diese
Pauline Jäckels: Hoffnung nicht erfüllt?
Britta Petersen: Wir haben ja hier in Südasien, ich glaube Indien ist ein gutes Beispiel dafür.
Britta Petersen: Indien war ja sehr lange Zeit, steht auch immer noch in seiner Verfassung drin,
Britta Petersen: ist ein sozialistisches Land, obwohl das sicherlich möglicherweise von vielen
Britta Petersen: nicht mehr ernst genommen wird. Aber Indien hat dann ja irgendwann eine Phase
Britta Petersen: von kapitalistischen Reformen durchlaufen.
Britta Petersen: Privatwirtschaft ist im Grunde genommen der große Treiber hier in Indien.
Britta Petersen: Hat ja auch tatsächlich dazu geführt, dass es...
Britta Petersen: Dass Wirtschaftswachstum gegeben hat, dass sehr viele Leute aus der Armut gebracht
Britta Petersen: wurden. Das lässt sie nicht leugnen. Das sind Ergebnisse davon.
Britta Petersen: Und das hat man natürlich auch in der Umgebung wahrgenommen.
Britta Petersen: Und dass die Leute sich natürlich Hoffnung gemacht haben, dass wenn es dann
Britta Petersen: überall wächst, dass sie dann irgendwann auch dran sind und es ihnen besser geht.
Britta Petersen: Auch in Nepal und Bangladesch, das kann man auch nicht leugnen,
Britta Petersen: geht es einigen Leuten besser.
Britta Petersen: Also die absolute Armut ist in allen Ländern gesunken. Aber es ist eben so,
Britta Petersen: dass dennoch ein großer Teil der Menschen nicht daran teilhat oder nicht in
Britta Petersen: dem Maße daran teilhat, wie sie sich erhoffen.
Britta Petersen: Und da kommt eben wieder dieser Faktor Social Media rein, dass die Leute einfach
Britta Petersen: sehen, es geht anderen so viel besser und sie können sich das alles nicht leisten
Britta Petersen: und sie wollen was anderes.
Britta Petersen: Ich denke, der globale Trend ist im Grunde genommen sehr ähnlich,
Britta Petersen: aber der wird hier nochmal verschärft.
Britta Petersen: Also dass wir sehen, dass an einem gewissen Punkt die Ungleichheit einfach wieder
Britta Petersen: zunimmt, weil bestimmte Strukturen dazu führen, dass die Gewinne vor allem in
Britta Petersen: die Taschen von wenigen Großunternehmen fließen.
Britta Petersen: Im Westen ist das sehr stark durch die Digitalisierung und bestimmte Strukturen
Britta Petersen: der Digitalisierung begünstigt worden.
Britta Petersen: Hier in Südasien, aber auch in anderen asiatischen Ländern gibt es halt auch
Britta Petersen: noch stärker dieses Phänomen des Chronic Capitalism,
Britta Petersen: dass man einfach auch ganz bewusst darauf setzt, dass man einige einheimische
Britta Petersen: große Unternehmen fördert und die immer größer macht.
Britta Petersen: Und das hat halt eben auch, also in Indien hat es zum Beispiel dazu geführt,
Britta Petersen: dass sehr viel kleinere Unternehmen auch dicht gemacht haben,
Britta Petersen: dass sich das Kapital immer weiter bei einigen Unternehmen akkumuliert und das
Britta Petersen: eben auch zum Verlust tatsächlich von Arbeitsplätzen führt, die möglicherweise
Britta Petersen: von kleineren Unternehmen geschaffen wurden.
Pauline Jäckels: Also ich meine, das Einzige, was dagegen ja wirklich definitiv angehen könnte,
Pauline Jäckels: wäre wahrscheinlich eine wirkliche breite Arbeiterbewegung, die auch sich genau
Pauline Jäckels: dieser Problemlage bewusst ist.
Pauline Jäckels: Ich meine, ähnlich ist es ja eigentlich überall. Sehen wir denn solche Ansätze
Pauline Jäckels: oder Akteure, die in diese Richtung hinarbeiten?
Britta Petersen: Eigentlich nicht. Ich meine, in Nepal fehlt natürlich auch eine klassische Arbeiterklasse.
Britta Petersen: Was man sieht ist, und das ist natürlich auch eine Klasse, auf die sich linke
Britta Petersen: Kräfte verstärkt beziehen.
Britta Petersen: Besonders natürlich in Nepal jetzt tatsächlich marginalisierte Gruppen wie Dalits,
Britta Petersen: die ja eben nicht im traditionellen Sinne Arbeiterschaft sind,
Britta Petersen: aber die natürlich sozusagen extrem marginalisiert sind.
Britta Petersen: Und das ist, ich glaube, und das ist im Übrigen auch der Grund,
Britta Petersen: weshalb wir mit vielen Organisationen zusammenarbeiten, die genau mit Dalits
Britta Petersen: und mit der Stammesbevölkerung zusammenarbeiten,
Britta Petersen: dass die linken Parteien auch in Indien über lange Zeit das im Grunde genommen
Britta Petersen: versäumt haben, dass die Industriearbeiterschaft in Indien eine viel zu kleine Gruppe ist.
Britta Petersen: 90 Prozent der Menschen arbeiten im unorganisierten Sektor.
Britta Petersen: Das heißt, diejenigen, die einen Job als Arbeiter in der Industrie haben,
Britta Petersen: ist so eine kleine Minderheit.
Britta Petersen: Das heißt, daran erkrankt es schon und hinzu kommt natürlich dann eben auch
Britta Petersen: noch, und das ist jetzt sicherlich auch in Bangladesch ein großes Problem,
Britta Petersen: dass auch verstärkt natürlich religiös mobilisiert wird,
Britta Petersen: aber das kommt dann sozusagen aus der entgegengesetzten Richtung.
Britta Petersen: Aber das ist hier in Indien ja auch so.
Britta Petersen: Eine religiöse Mobilisierung von Leuten aus den unteren Kasten findet durchaus statt.
Britta Petersen: Und in Bangladesch sind es halt islamistische Gruppen.
Britta Petersen: Auch dort wird die große Frage sein, wie viel Prozent kriegen eigentlich die
Britta Petersen: Islamisten dort. Aber die Wählerschaft sind genauso Menschen,
Britta Petersen: die unzufriedener sind und keine Perspektiven haben.
Britta Petersen: Insofern ist die Beobachtung richtig.
Britta Petersen: Man bräuchte eigentlich eine breite Mobilisierung von Menschen,
Britta Petersen: die aus der Arbeiterschaft kommen oder sich zumindest dort solidarisch fühlen.
Britta Petersen: Aber bisher passiert es halt zu wenig und das ist das Teil des Problems.
Pauline Jäckels: Kommen wir vielleicht mal nach Deutschland. Was können denn linke Bewegungen
Pauline Jäckels: in Deutschland von den Protestbewegungen in der Region lernen?
Pauline Jäckels: Natürlich ist Deutschland jetzt ein ganz anderer Kontext.
Pauline Jäckels: Hier wird es nicht so leicht passieren, dass eine Protestbewegung einfach die Regierung stützt.
Pauline Jäckels: Da herrscht natürlich eine ganz andere Stabilität. Aber lassen sich vielleicht
Pauline Jäckels: trotzdem aus diesen Bewegungen, die du ja angesprochen hast,
Pauline Jäckels: auch Erkenntnisse für die deutsche Linke ableiten?
Britta Petersen: Also ich würde sagen, eine Erkenntnis ist, dass es im Grunde genommen eigentlich
Britta Petersen: eine gute Zeit ist für linke Mobilisierung und auch für linke Solidarität.
Britta Petersen: Wir haben zum Beispiel angefangen in Sri Lanka mit verschiedenen Organisationen
Britta Petersen: zusammenzuarbeiten, weil es dort jetzt auch politisch wieder möglich ist mit der linken Regierung.
Britta Petersen: Ich glaube, dass ein Austausch zwischen linken Organisationen weltweit viel
Britta Petersen: Inspiration bringt. Das findet ja zum Teil schon statt.
Britta Petersen: Aber ich glaube auch, die deutsche Linke, die internationalen Linken,
Britta Petersen: sollten vielleicht noch viel mehr versuchen, auch auf linke Organisationen im
Britta Petersen: globalen Süden zuzugehen.
Britta Petersen: Auch deswegen, weil die das auch ganz gut gebrauchen können,
Britta Petersen: noch von außerhalb Unterstützung zu gewinnen.
Britta Petersen: Und ich glaube, dass es eigentlich tatsächlich im Moment die Tür da weit offen ist.
Pauline Jäckels: Das ist ein sehr gutes Schlusswort. Da bleibt es mir nur, mich zu bedanken für
Pauline Jäckels: deine sehr aufschlussreichen Erklärungen.
Pauline Jäckels: Vielen Dank, dass du da warst, liebe Britta.
Britta Petersen: Ja, vielen Dank auch für die spannenden Fragen
Britta Petersen: .
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