Ist die US-Hegemonie am Ende, Stefan Schmalz?
Shownotes
Die USA haben einem Handelskrieg ausgerufen – und bringen damit die globale Ordnung ins Wanken. Zwar werden sogar die engsten Verbündeten mit Zöllen überzogen, im Mittelpunkt steht aber die Volksrepublik China.
Mit der protektionistischen Politik will Präsident Donald Trump nicht nur das US-Handelsdefizit verringern und den Produktionsstandort fördern, sondern auch die chinesische High-Tech-Branche auf Abstand halten. Doch die erobert sich international immer mehr Marktanteile. Die US-Hegemonie scheint an ihre Grenzen zu stoßen.
In der zehnten Folge unseres Podcast «Weltunordnung» spricht Felix Jaitner mit Stefan Schmalz, Professor am Institut für Soziologie an der Universität Jena, über den Konflikt zwischen China und den USA. Löst China die USA als neue globale Führungsmacht ab? Und was bedeuten die globalen Umbrüche für Deutschland und die EU?
Schreibt uns an: weltunordnung@rosalux.org
Shownotes:
Stefan Schmalz (2018): Machtverschiebungen im Weltsystem. Der Aufstieg Chinas und die große Krise, Campus Verlag.
Stefan Schmalz (2024): Varieties of Digital Capitalism and the US–China Rivalry: The Rise of Competing Technological Spheres, Critical Sociology 51(4), DOI:10.1177/08969205241291645.
Podcastempfehlung: Armutszeugnis - Der Wirtschaftspodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Eva Völpel und Sabine Nuss. Ihr findet Armutszeugnis auf allen gängigen Podcastplattformen!
Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts
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Transkript anzeigen
00:00:04: Weltunordnung. Der Internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Felix Jaitner: Seit seiner Wiederwahl hat US-Präsident Donald Trump einen Handelskrieg ausgerufen.
Felix Jaitner: Mit einem Maßnahmenbündel aus Zöllen und Sanktionen soll vor allem China in
Felix Jaitner: die Knie gezwungen werden.
Felix Jaitner: Die Demokraten unterstützen die Politik. Denn in einer Sache ist man sich in
Felix Jaitner: Washington einig. Wenn ein Land die globale Vorherrschaft der Vereinigten Staaten
Felix Jaitner: herausfordern kann, dann das Reich der Mitte.
Felix Jaitner: China hat in den vergangenen 45 Jahren eine rasante Entwicklung hingelegt.
Felix Jaitner: Heute ist es längst nicht mehr nur die Fabrik der Welt.
Felix Jaitner: Chinesische Firmen gehören in Bereichen wie Telekommunikation,
Felix Jaitner: E-Autos und digitale Technologien längst zur Weltspitze.
Felix Jaitner: Doch welche Ursachen stecken hinter dem chinesischen Aufstieg?
Felix Jaitner: Löst China die USA als neue globale Führungsmacht ab? Und was bedeuten die globalen
Felix Jaitner: Umbrüche für Deutschland und die EU?
Felix Jaitner: Ich bin Felix Jeitner und mein heutiger Gast ist Stefan Schmalz.
Felix Jaitner: Stefan ist Professor am Institut für Soziologie an der Universität Jena.
Felix Jaitner: Die Beziehungen zwischen China und den USA nehmen in seiner Forschung eine wichtige Rolle ein.
Felix Jaitner: Dazu möchte ich auf sein Buch Machtverschiebungen im Weltsystem,
Felix Jaitner: der Aufstieg Chinas und die große Krise verweisen, das 2018 im Campus Verlag erschienen ist.
Felix Jaitner: Bevor wir ins Interview starten, möchte ich euch noch einen weiteren,
Felix Jaitner: sehr hörenswerten Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung empfehlen.
Felix Jaitner: In Armutszeugnis sprechen Eva Völpel und Sabine Nuss einmal im Monat über Wirtschaftspolitik.
Felix Jaitner: Wenn ihr wissen wollt, warum soziale Ungleichheit kein individuelles Versagen
Felix Jaitner: ist, sondern ein Bestandteil des Kapitalismus, dann seid ihr hier genau richtig.
Felix Jaitner: In der aktuellen Folge geht es um den Angriff der Märzregierung auf den Sozialstaat.
Felix Jaitner: Sind die Ausgaben für Soziales wirklich so explodiert, wie der Kanzler es behauptet?
Felix Jaitner: Und welche ideologischen Grundlagen stecken dahinter?
Felix Jaitner: Also, hört doch mal rein. Den Link findet ihr in den Shownotes.
Felix Jaitner: Hallo Stefan, schön, dass du da bist.
Stefan Schmalz: Hallo, danke für die Einladung.
Felix Jaitner: Stefan, der Name dieses Podcasts lautet Weltunordnung.
Felix Jaitner: Und wenn wir über die Ursachen sprechen wollen, die die bestehende globale Ordnung
Felix Jaitner: ins Wanken gebracht hat, dann kommen wir neben den Kriegen in Gaza oder der
Felix Jaitner: Ukraine nicht darum herum, über den Konflikt zwischen China und den USA zu sprechen.
Felix Jaitner: Ich möchte das nochmal ein bisschen erläutern. Über lange Zeit waren die USA
Felix Jaitner: ein Garant des Freihandels.
Felix Jaitner: Und ich finde es wichtig zu unterstreichen, dass die USA von dieser Ordnung
Felix Jaitner: in hohem Maße profitiert haben.
Felix Jaitner: Das heißt, sie sind bis heute die größte Volkswirtschaft der Welt und der US-Dollar
Felix Jaitner: ist die globale Leitwährung.
Felix Jaitner: Und doch ist es ja so, dass Donald Trump in seiner ersten Amtszeit eine partielle
Felix Jaitner: Abkehr von dieser freihandelsorientierten Politik vollzogen hat.
Felix Jaitner: Und man könnte überspitzt sagen, die größte Gefahr für den Freihandel ist nicht
Felix Jaitner: die Linke, sondern das Zentrum des globalen Kapitalismus, die USA.
Felix Jaitner: Wie ist das eigentlich zu erklären? Welche Entwicklung hat die USA vollzogen,
Felix Jaitner: die diesen Bruch erklärt, den wir gerade beobachten?
Stefan Schmalz: Also ich denke, es sind zwei Gründe, die eng miteinander verzahnt sind.
Stefan Schmalz: Zum einen strukturell, ein weltwirtschaftlicher Grund, dass die USA einfach
Stefan Schmalz: nicht mehr diese absolut unangefochtene, hegemoniale Rolle in der Weltwirtschaft spielen.
Stefan Schmalz: China ist in vielen Punkten nah an die USA herangerückt.
Stefan Schmalz: Und es gibt anscheinend bei den US-amerikanischen Machteliten geringere Bereitschaft.
Stefan Schmalz: Öffentliche Güter, will ich es mal nennen, für die Weltordnung zur Verfügung zu stellen.
Stefan Schmalz: Das sieht man an solchen Debatten wie das Leistungsbilanzdefizit,
Stefan Schmalz: das sehr, sehr hoch ist. Also dass die USA so ein bisschen aus dieser Konsumenten-
Stefan Schmalz: und sich verschuldenden Rolle raus wollen.
Stefan Schmalz: Und viele der Aushandlungsprozesse, die wir jetzt sehen unter Trump 2,
Stefan Schmalz: haben, glaube ich, damit zu tun.
Stefan Schmalz: Es wird bilateral oft mit der Prechstange ausgehandelt, also Zölle verhängt,
Stefan Schmalz: dann ein Deal gemacht, teilweise werden Käufe vereinbart für US-Güter.
Stefan Schmalz: Da war vieles schon angelegt in der ersten Regierungszeit von Trump.
Stefan Schmalz: Neu ist dabei die Radikalität davon. Der zweite Punkt, der meines Erachtens
Stefan Schmalz: zentral ist, wie du so schön gesagt hast, man kann sagen, die Rechte hat die
Stefan Schmalz: linke Freihandelskritik gehijackt.
Stefan Schmalz: Es ist so, dass soziale Kräfte in den USA an der Macht sind,
Stefan Schmalz: die freihandelskritisch ausgerichtet sind, insbesondere halt die Make America
Stefan Schmalz: Trade Again Bewegung, die sehr stark auch eine Kritik an Freihandel,
Stefan Schmalz: an Verlagerung von Industriejobs übt.
Stefan Schmalz: Und man sieht halt wirklich in den Staatsapparaten, dass Personen hineingehievt
Stefan Schmalz: wurden, die ja eigentlich sehr protektionistische Einstellungen haben, Jameson Crear.
Stefan Schmalz: Handelsbeauftragter Peter Navarro, der war schon in der ersten Trump-Periode einflussreich.
Stefan Schmalz: Oder auch Howard Ludnig, das
Stefan Schmalz: sind alles Personen, die reine klassischen Freihandelsbefürworter sind.
Stefan Schmalz: Und das war auch in der ersten Periode schon angelegt, aber da gab es in den
Stefan Schmalz: Staatsapparaten mehr Konflikte und Aushandlungsprozesse.
Stefan Schmalz: Und jetzt scheint mir das sehr viel kohärenter zu sein. Also zum einen die strukturelle
Stefan Schmalz: Veränderung der Weltwirtschaft, zum anderen soziale Kräfte, die einfach jetzt
Stefan Schmalz: in den Staatsapparaten drinnen sind.
Stefan Schmalz: Einfluss nehmen.
Felix Jaitner: Dann lass uns mal auf den anderen Akteur in diesem Konflikt schauen, nämlich China.
Felix Jaitner: China war nach dem Zweiten Weltkrieg lange wirtschaftlich kaum in den Weltmarkt integriert.
Felix Jaitner: Seit der Öffnung des Landes in den frühen 1980er Jahren galt China vor allem
Felix Jaitner: als Produktionsstandort für arbeitsintensive Industrie- und Konsumgüter.
Felix Jaitner: Und diese Entwicklung hat zum Teil ja extreme Ausmaße angenommen.
Felix Jaitner: Also damit meine ich, dass ganze Produktionszweige in China konzentriert sind.
Felix Jaitner: Ich finde, das wird ja besonders deutlich bei der Förderung und Verarbeitung von seltenen Erden.
Felix Jaitner: Ein weiteres sehr plastisches Beispiel ist die Stadt Yiwu, wo circa zwei Drittel
Felix Jaitner: des globalen Weihnachtsschmucks produziert werden, obwohl in China ja nur eine
Felix Jaitner: Minderheit Weihnachten feiert.
Felix Jaitner: Das heißt, die gesamte Produktion ist mehr oder weniger exportbestimmt.
Felix Jaitner: Seit einigen Jahren ist China jedoch auch bekannt für Hightech-Produkte.
Felix Jaitner: Also in den Bereichen Telekommunikation, Solarpaneele, E-Autos und digitale
Felix Jaitner: Technologien gehören chinesische Firmen zunehmend zur Weltspitze.
Felix Jaitner: Und das lässt mich fragen, was macht das chinesische Entwicklungsmodell eigentlich
Felix Jaitner: aus und wie ist es vielleicht auch komplementär zum US-Modell zu verstehen?
Stefan Schmalz: Das chinesische Entwicklungsmodell ist lange Zeit stark exportgetrieben gewesen,
Stefan Schmalz: Genau wie du gesagt hast.
Stefan Schmalz: Und man kann sagen, dass sich das modernisiert hat, dass halt jetzt nicht mehr
Stefan Schmalz: nur arbeitsintensive Güter produziert und exportiert werden, sondern E-Autos.
Stefan Schmalz: Also da gibt es definitiv einen Umbruch.
Stefan Schmalz: Ich glaube, um das zu verstehen, muss man so zwei, drei Sachen sich anschauen.
Stefan Schmalz: Das Erste ist, wie ist es überhaupt dazu gekommen? Da muss man sagen,
Stefan Schmalz: dass die allgemeine Wahrnehmung, dass das chinesische Wirtschaftsmodell schon
Stefan Schmalz: auch irgendwie staatsgetrieben ist.
Stefan Schmalz: Dass es fünf Jahresprogramme gibt, dass der Staat interveniert,
Stefan Schmalz: dass da schon was dran ist, aber dass es eine ganz seltsame Fusion ist von Interventionismus
Stefan Schmalz: staatlichen und auf der anderen Seite Button-Up-Entwicklung,
Stefan Schmalz: wo der Privatsektor in Märkten entsteht, wächst und dieses Zusammenspiel,
Stefan Schmalz: diese zwei Logiken, Top-Down.
Stefan Schmalz: Button-Up, das macht viel in China aus.
Stefan Schmalz: Also man hat private Unternehmen, zum Beispiel im IT-Bereich,
Stefan Schmalz: die mit einer Start-Up-Logik gewachsen sind, Und auch teilweise die EV-Auto-Unternehmen
Stefan Schmalz: wie BID, eine Start-up-Logik erst gehabt, man hat gleichzeitig aber auch staatliche...
Stefan Schmalz: Interventionen und auch Staatseigentum in einigen Kommandohöhen der Ökonomie,
Stefan Schmalz: also Energieinfrastruktur.
Stefan Schmalz: Der zweite Punkt, der wichtig ist, ist, dass man nie vergessen sollte,
Stefan Schmalz: dass es sich um einfach einen Parteistaat handelt.
Stefan Schmalz: Es ist ein Parteistaat, wo keine unabhängige Bourgeoisie existiert im klassischen Sinne.
Stefan Schmalz: Es gibt auch keine richtigen unabhängigen
Stefan Schmalz: Arbeitgeberverbände oder Gewerkschaften. Der Staat deckelt das.
Stefan Schmalz: Der Zugang zur Macht läuft über die Partei.
Stefan Schmalz: Und ohne politische Netzwerke ist es auch schwer, wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Stefan Schmalz: Also sehr viele reiche Menschen sind heutzutage im Volkskongress und auch die meisten erfolgreichen.
Stefan Schmalz: Unternehmer und Unternehmerinnen
Stefan Schmalz: Haben enge Beziehungen zur Partei. Man kann sich also das System irgendwie so
Stefan Schmalz: vorstellen, es gibt Reichtum, es gibt eine Klassenbildung, aber nicht unabhängig.
Stefan Schmalz: Es gibt Kapitalakkumulationen und man kann durchaus von Kapitalismus sprechen,
Stefan Schmalz: aber so diese klassischen Eigentumsrechte, die sind fluider.
Stefan Schmalz: Der Staat kann auch intervenieren und das Eigentum jemand.
Stefan Schmalz: Der politisch quer liegt,
Stefan Schmalz: Wegnehmen zum Beispiel. Also es ist schon eine andere Systemlogik hinter.
Stefan Schmalz: Darüber kann man auch jetzt so die Xi Jinping-Periode erklären.
Stefan Schmalz: Da ging es genau auch darum, diese zentrale Stellung des Parteistaats zu festigen,
Stefan Schmalz: weil es wirklich eine Phase gab, wo Kapital sich stärker transnationalisiert haben,
Stefan Schmalz: Eliten oder Superreiche unabhängiger wurden.
Stefan Schmalz: Denn zum Beispiel in der Tech-Industrie gab es auch den Streit mit Jack Maat, Alibaba-Gründer.
Stefan Schmalz: Auch im Finanzsektor gab es Fraktionen, die stärker unabhängig vom Staat agieren wollten.
Stefan Schmalz: Und diese Xi Jinping-Periode hat
Stefan Schmalz: auch damit zu tun, einfach wieder dieses Machtgefüge stärker zu festigen.
Stefan Schmalz: Das ist eine Zentralisierung von Macht. Wenn man sich das Modell anschaut,
Stefan Schmalz: ist es lange exportgetrieben gewesen.
Stefan Schmalz: Man darf nicht vergessen, China hat trotzdem einen riesigen Binnenmarkt immer
Stefan Schmalz: gehabt, der angewachsen ist.
Stefan Schmalz: Es gibt viele Investitionen, Infrastruktur und man liest immer wieder auch von
Stefan Schmalz: dieser Immobilienblase, die damit zu tun hat.
Stefan Schmalz: Also das Modell ist nahe wie vor an bestimmten Punkten, auch wenn es jetzt sehr
Stefan Schmalz: erfolgreich war für die technologische, ökonomische Entwicklung des Landes und
Stefan Schmalz: viele Menschen aus der Armut herausgehoben wurden.
Stefan Schmalz: Gibt es Unausgewogenheiten darin und lange Zeit eine enge Verpflichtung mit den USA.
Stefan Schmalz: Da gab es immer diesen Begriff Chimerica.
Stefan Schmalz: Die USA ist der Consumer of Last Resort, verschuldet sich. Es gibt Finanzmärkte,
Stefan Schmalz: die relativ aufgebläht sind.
Stefan Schmalz: Chinesische Anleger investieren dort und umgekehrt wird halt exportiert.
Stefan Schmalz: Relativ günstige Güter aus China alimentieren so ein bisschen das Modell.
Stefan Schmalz: Weil mittlerweile durch viele Jahre von Handelskonflikt und auch Umorientierung
Stefan Schmalz: China hat sich da vieles verändert.
Stefan Schmalz: Wenn es irgendwo in der Welt eine Deglobalisierung gibt, dann auch in dem wirtschaftlichen
Stefan Schmalz: Verhältnis dieser beiden Länder sind einfach bestimmte Handelsströme dann auch
Stefan Schmalz: nicht mehr so gewachsen wie woanders.
Felix Jaitner: Das heißt, wir haben jetzt die Ausgangssituation beschrieben.
Felix Jaitner: Auf der einen Seite stehen die USA,
Felix Jaitner: die sind bis heute der globale Hegemon, aber die von ihnen garantierte globale
Felix Jaitner: Ordnung entwickelt sich zunehmend zu ihren Ungunsten.
Felix Jaitner: Also Stichwort Außenhandelsdefizit, Deindustrialisierung der USA aufgrund der
Felix Jaitner: Verlagerung von wirtschaftlicher Produktion nach China und Südostasien allgemein.
Felix Jaitner: Und demgegenüber steht China, das sich sehr erfolgreich in die globale Ordnung
Felix Jaitner: integriert hat, erst als Produktionsstandort für arbeitsintensive Waren und
Felix Jaitner: zunehmend aber auch als Hersteller von Hochtechnologie.
Felix Jaitner: Und gleichzeitig gibt es, oder ich würde sagen, gab es sehr lange,
Felix Jaitner: wenn ich dich richtig verstehe, diese symbiotische Verbindung Chinas und der
Felix Jaitner: USA, was in dem Begriff Chinamerika seinen Ausdruck findet.
Felix Jaitner: Jetzt haben wir folgende Situation.
Felix Jaitner: Seit der Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 hat Donald Trump den Konflikt weiter verschärft.
Felix Jaitner: Die Zoll- und Sanktionspolitik der USA richtet sich ja explizit gegen China
Felix Jaitner: und in der öffentlichen Berichterstattung wird die Politik Trumps oft als Wendepunkt gesehen.
Felix Jaitner: Wenn wir uns noch mal genauer ansehen, was in der US-Politik passiert ist,
Felix Jaitner: also von Trump 1 über Biden zu Trump 2, dann sehen wir ja sowohl Kontinuitäten als auch Brüche.
Felix Jaitner: Also die unter Trump 1 ergriffenen handelspolitischen Maßnahmen,
Felix Jaitner: Zölle, Sanktionen, sind ja von beiden fortgeführt worden.
Felix Jaitner: Und ich würde jetzt von dir gerne hören wollen, stimmt denn die Einschätzung,
Felix Jaitner: dass Trump wirklich eine erratische Außenwirtschaftspolitik verfolgt?
Felix Jaitner: Oder könnte man nicht auch sagen, dass gerade im Bereich der China-Politik in
Felix Jaitner: weiten Teilen der US-Eliten und einflussreicher Kapitalfraktionen es einen gewissen
Felix Jaitner: Konsens gibt, dass es eben eine härtere China-Politik braucht?
Stefan Schmalz: Ich würde soweit gehen, dass die China-Politik vielleicht eines der wenigen
Stefan Schmalz: Politikfelder ist, wo es sowas wie einen parteiübergreifenden Konsens an vielen Punkten gibt,
Stefan Schmalz: in dieser geoökonomischen Konkurrenz die USA gegenüber China stark zu machen
Stefan Schmalz: und das auch wirklich als ein Konkurrent zu sehen, mit ganz unterschiedlichen Erwägungspunkten.
Stefan Schmalz: Das kann sicherheitspolitisch sein, das kann ökonomisch sein,
Stefan Schmalz: das können auch soziale Gründe sein.
Stefan Schmalz: Also geht bis in die Gewerkschaften dann natürlich hinein, die sagen,
Stefan Schmalz: naja, es sind keine richtigen Arbeitsstandards dort gegeben.
Stefan Schmalz: Da gibt es wirklich seit weit mehr als einem Jahrzehnt gemeinsame Diskussionslinien.
Stefan Schmalz: Und gemeinsame Initiativen.
Stefan Schmalz: Wenn man sich das konkrete Regierungshandeln anschaut, würde ich sagen,
Stefan Schmalz: ja, es gibt gewisse Kontinuitäten, aber es gibt auch Unterschiede.
Stefan Schmalz: In der Obama-Periode war es noch so, dass die USA hat dann wirklich angefangen,
Stefan Schmalz: Strategie stärker gegenüber China zu entwickeln, Während zuvor der Nahe Osten
Stefan Schmalz: im Mittelpunkt der Regierung Bush stand und hat eigentlich versucht,
Stefan Schmalz: ökonomisch wie so ein Ring zu bilden,
Stefan Schmalz: um China mit dem Trans-Pacific Partnership Agreement, also tiefe Handelsabkommen,
Stefan Schmalz: die weit über den Freihandeln hinausgehen,
Stefan Schmalz: enge Verbündete im Pacific Rim an sich zu binden und so ein ökonomisches Netzwerk
Stefan Schmalz: zu bilden, was China so ein Stück weit isoliert.
Stefan Schmalz: Das zweite war militärisch, militär und die Flotte stärker nach Ostasien zu bringen.
Stefan Schmalz: Dort auch Präsenz zu reaktivieren,
Stefan Schmalz: Auszubauen.
Stefan Schmalz: Große Veränderung gegenüber der Regierung Bush.
Stefan Schmalz: Bei Trump hat sich das dann dahingehend verändert, dass es also der ersten Periode,
Stefan Schmalz: dass es wirklich so ein direktes Engagement dann gab mit China,
Stefan Schmalz: weg von diesem mit den Verbündeten stark zu agieren,
Stefan Schmalz: weg von so einer freihandlerischen Orientierung hin zu eigentlich,
Stefan Schmalz: wenn man es ganz banal sagt, die strukturelle Macht der USA einzusetzen in verschiedenen
Stefan Schmalz: ökonomischen Strukturen.
Stefan Schmalz: Also Zölle, teilweise schwarze Listen, Sanktionen gegenüber Unternehmen aufzubauen.
Stefan Schmalz: Huawei ist ein klassisches Beispiel, das bis heute keine Google-Apps vertreiben kann.
Stefan Schmalz: Also diese geballte Macht haben die Vereinigten Staaten eingesetzt.
Stefan Schmalz: Um Zugeständnisse dort zu bekommen.
Stefan Schmalz: Das Handel gegenüber China war verletzt.
Stefan Schmalz: Sehr stark auch nach dem Playbook, wie gegen Japan agiert wurde.
Stefan Schmalz: In den 80ern, Robert Lighthizer, der das damals mitgemanagt hat, hat das mitgestaltet.
Stefan Schmalz: Also das war jetzt nicht komplett vollkommen erratisch, sondern da war eine
Stefan Schmalz: relativ klare Strategie hinter. kann man sich jetzt früher streiten,
Stefan Schmalz: ob die jetzt erfolgreich war.
Stefan Schmalz: Das hat letztlich dazu geführt, dass China noch mal viel stärker auf duale Zirkulation
Stefan Schmalz: und den Aufbau von Wertschöpfungsketten im eigenen Land gesetzt hat,
Stefan Schmalz: sich eigentlich autonomer gemacht hat.
Stefan Schmalz: Zu beiden hin wurden diese Instrumente fast alle fortgeführt.
Stefan Schmalz: Also die Zölle sind auf dem Niveau weitgehend eingefroren geblieben.
Stefan Schmalz: Das Sanktionsregime ist geblieben. Es gab dann sogar immer wieder einzelne Initiativen,
Stefan Schmalz: wo, nennen wir mal das Beispiel E-Autos, wo dann zusätzliche Zölle noch eingeführt
Stefan Schmalz: wurden, also zu Green Tech.
Stefan Schmalz: Aber der fundamentale Unterschied ist, dass dann wieder so ein Element aus der
Stefan Schmalz: Obama-Zeit dazu gekommen ist, stärker mit den Verbündeten zu versuchen, zusammenzuarbeiten.
Stefan Schmalz: Also ökonomisch sich stärker zu arrangieren, aber auch militärisch mit Australien,
Stefan Schmalz: mit Japan, mit Indien und so weiter.
Stefan Schmalz: Und so fort.
Stefan Schmalz: Diese Periode ist jetzt vorbei und jetzt in der Trump-Periode kann man eigentlich
Stefan Schmalz: sagen, wird das, was wir vorher schon erlebt haben, wiederbelebt,
Stefan Schmalz: aber sehr viel radikaler.
Stefan Schmalz: Es ist nicht nur solche Instrumente massiv, natürlich am massivsten,
Stefan Schmalz: gegen China eingesetzt werden und.
Stefan Schmalz: Die USA auch jetzt an ihre Grenzen geraten, wie man jetzt sieht,
Stefan Schmalz: mit den seltenen Erdenexporten.
Stefan Schmalz: Und dass China einfach auch ein Druckmittel hat, China es geschafft hat,
Stefan Schmalz: teilweise auch Produkte zu substituieren.
Stefan Schmalz: Aber gleichzeitig die Vereinigten Staaten gegenüber ganz vielen anderen Ländern
Stefan Schmalz: auch ihre strukturelle Macht einsetzen, auch gegenüber der EU und gesonderte, die das heraushandeln.
Stefan Schmalz: Es
Stefan Schmalz: Gibt eigentlich insgesamt.
Stefan Schmalz: Stärker Segmentierungstendenzen in der Weltwirtschaft.
Stefan Schmalz: Wie weit das reichen wird und wie das Ganze dann aussehen wird,
Stefan Schmalz: das wird die Zukunft zeigen. Aber ich glaube, das ist so die Linie.
Stefan Schmalz: Und da gibt es schon starke Kontinuitäten,
Stefan Schmalz: Zumindest seit Trump 1 über Biden zu Trump 2. Und da würde ich schon sagen,
Stefan Schmalz: dass parteiübergreifend dann auch Einigkeit gibt.
Stefan Schmalz: Vielleicht aus unterschiedlichen Intentionen, aber inhaltlich so eine harte
Stefan Schmalz: China-Politik zu führen, da gibt es einen Konsens.
Felix Jaitner: Aber was du ja beschreibst, ist eigentlich auch eine Radikalisierung der US-Politik.
Felix Jaitner: Also von Obama über Trump sehen wir ja nicht nur eine Veränderung der Mittel,
Felix Jaitner: sondern auch, du hast den Begriff gesagt, die geballte Macht der USA.
Felix Jaitner: Also hier wird ja nochmal wirklich mit härteren Bandagen richtig gerungen um Hegemonie.
Felix Jaitner: War das Ziel, China durch Freihandelsabkommen zu isolieren, zum Scheitern verurteilt?
Felix Jaitner: Oder wäre das eine durchaus erfolgversprechende Politik gewesen?
Stefan Schmalz: Also man muss ja ganz banal sagen, dass die Freihandelspolitik zum Aufstieg
Stefan Schmalz: Trumps beigetragen hat.
Stefan Schmalz: Also das Argument zu machen, dass man das hätte weiterführen können in der Form und China isolieren,
Stefan Schmalz: da ist ja eine Selbstblockade drin, weil quasi diese politischen Initiativen
Stefan Schmalz: die Kräfte mit hervorgerufen haben, die es beerdigt haben. Ja,
Stefan Schmalz: ich bin da ein bisschen skeptisch.
Stefan Schmalz: Man kann dagegen argumentieren, weil natürlich China selbst auch fähig ist,
Stefan Schmalz: solche Abkommen zu schließen und ökonomisch zumindest in Ostasien schon die
Stefan Schmalz: USA so als zentralen ökonomischen Bezugpunkt abgelöst hatte.
Stefan Schmalz: Deswegen glaube ich, dass diese Strategie dann irgendwann auch ins Leere gelaufen
Stefan Schmalz: ist, durch die innenpolitischen Gründe primär. Aber ich weiß auch nicht.
Stefan Schmalz: Ob es dauerhaft erfolgsversprechend gewesen wäre, das so fortzuführen.
Felix Jaitner: Aber ich finde es ja nochmal interessant zu sehen, dass Trump eben weniger der
Felix Jaitner: erratische Außenwirtschaftspolitiker ist.
Felix Jaitner: Also ich spreche jetzt auch ganz bewusst über Außenwirtschaft und die Trump-Administration,
Felix Jaitner: weniger jetzt über Innenpolitik oder auch das Verhältnis zu anderen Staaten.
Felix Jaitner: Dass es also einen gewissen Konsens gibt unter den Herrschenden im Machtblock
Felix Jaitner: der USA hinsichtlich einer härteren Gangart gegenüber China,
Felix Jaitner: die ja auch unter Biden fortgesetzt worden ist.
Felix Jaitner: Aber dass es vielleicht so als großen Unterschied zwischen Republikanern und
Felix Jaitner: Demokraten festzuhalten gilt, das Verhältnis zu den europäischen und südostasiatischen
Felix Jaitner: Alliierten ist ein anderes.
Felix Jaitner: Das heißt, Biden, die Demokraten, haben traditionell eher auf Soft Power gesetzt,
Felix Jaitner: Trump vielleicht noch stärker auf Zwang, wenn man das mal so zusammenfasst.
Felix Jaitner: Nun beschreibst du den Konflikt zwischen den USA und China aber auch als Auseinandersetzung
Felix Jaitner: um verschiedene Formen kapitalistischer Regulation.
Felix Jaitner: Du sagst, digitale Wirtschaft und Technologie sind ein ganz wichtiger Zugang,
Felix Jaitner: um diesen Konflikt zu verstehen.
Felix Jaitner: Und ich finde, das schließt an Diskussionen um die digitale Transformation des
Felix Jaitner: Kapitalismus an und auch die Gefahr von Big Tech,
Felix Jaitner: also große IT-Konzerne und deren Macht, macht, wie sie etwa Janusz Varoufakis
Felix Jaitner: beschreibt in Technofeudalismus.
Felix Jaitner: Das heißt, ringen die USA und China also primär um die Kontrolle,
Felix Jaitner: welches Land in Zukunft technologische Standards setzt?
Felix Jaitner: Oder was meinst du eigentlich mit diesem Begriff digitaler Kapitalismus?
Stefan Schmalz: Ich würde schon sagen, dass es da ein Ringen gibt, global, was vielleicht gerade
Stefan Schmalz: erst richtig angefangen hat, wo die USA lange einfach am längeren Hebel saßen.
Stefan Schmalz: In unserer Forschung hatte ich mal den Begriff von digitalen Kapitalismusvarianten
Stefan Schmalz: geprägt, also dass es in China und den USA unterschiedliche Formen gibt,
Stefan Schmalz: wie der digitale Kapitalismus organisiert sind und das hat auch Implikationen,
Stefan Schmalz: warum es da Konflikte gibt.
Stefan Schmalz: Die USA, der digitale Kapitalismus, ist halt global diffundiert mit so einer Empire-Logik.
Stefan Schmalz: Globale Märkte mit den großen Unternehmen, Microsoft, Meta und so weiter und
Stefan Schmalz: so fort, die global expandiert haben.
Stefan Schmalz: Auch andere Länder haben sich da stark drin integriert.
Stefan Schmalz: Und China ist mit dieser eher staatlich geprägten Variante des Kapitalismus,
Stefan Schmalz: hat eigentlich den Binnenmarkt genutzt, vor allem aus Gründen der nationalen
Stefan Schmalz: Sicherheit, also hinter der Great Fireball.
Stefan Schmalz: Zensur und so weiter und so fort wurde eine Infrastruktur aufgebaut,
Stefan Schmalz: die dann auch ökonomisch wichtig wurde, so eine Art digitalen Merkantilismus zum Aufholen,
Stefan Schmalz: so Catch-up-Development würde man es nennen, wo der Staat eine wichtige Rolle
Stefan Schmalz: gespielt hat, aber wo eine komplett eigene Struktur von Unternehmen entstanden ist.
Stefan Schmalz: Man hat für fast jedes wichtige, große Digitalunternehmen ein chinesisches Pendant.
Stefan Schmalz: Wenn man jetzt Apple nimmt, hat man Huawei und Xiaomi.
Stefan Schmalz: Wenn man Google nimmt, hat man Baidu und so weiter und so fort.
Stefan Schmalz: Nur ein Betriebssystem wie Microsoft.
Stefan Schmalz: Das existiert nicht in China.
Stefan Schmalz: Hat auch damit zu tun, dass dieses Unternehmen sehr viel früher entstanden ist.
Stefan Schmalz: Aber da hat sich eine komplette Gegenstruktur gebildet und was wir jetzt sehen ist,
Stefan Schmalz: dass dieses ursprünglich eher binnenmarktorientierte, auf Sicherheitsmechanismen
Stefan Schmalz: fokussierende Modell auch anfängt global zu expandieren.
Stefan Schmalz: ByteDance, TikTok ist ja ein bekannter Fall, expandieren global.
Stefan Schmalz: Und man kann wirklich sehen, dass in einigen Ländern die enge chinesische Verbündete
Stefan Schmalz: sind, dass die teilweise Regulationsmechanismen in Pakistan oder Myanmar fast
Stefan Schmalz: übernehmen oder sich daran orientieren.
Stefan Schmalz: Und anderswo es dann natürlich zu großen Konflikten gibt, weil der Rohstoff
Stefan Schmalz: für diese digitale Ökonomie sind Daten, sind teilweise unsere Daten.
Stefan Schmalz: Und viele der Konflikte, die wir beobachten, haben so einen Doppelcharakter.
Stefan Schmalz: Es gibt ein sicherheitspolitisches Moment und es gibt ein ökonomisches Moment.
Stefan Schmalz: Man hat zum einen Huawei, ein Unternehmen, das zeitweise absolut führend war
Stefan Schmalz: in der 5G-Technologie, wo eine Riesenangst dann herrschte, dass dieses Unternehmen
Stefan Schmalz: die Weltmärkte dominiert.
Stefan Schmalz: Aus einer ökonomischen Logik, aber auch aus einer Sicherheitslogik.
Stefan Schmalz: Und dann kommen die Sanktionen.
Stefan Schmalz: Hat jetzt Darwin, TikTok, also mit einem sehr mächtigen Algorithmus,
Stefan Schmalz: in dem Fall kann man sagen, dass die Sicherheitsbedenken ein bisschen vorgeschoben
Stefan Schmalz: sind, aber wo es auch große Konflikte dann drum gibt und Sanktionen.
Stefan Schmalz: Und das wiederholt sich.
Stefan Schmalz: Und das Interessante ist, dass jetzt der US-digitale Kapitalismus,
Stefan Schmalz: dass der sich restrukturiert in der Form, dass stärker diese Sicherheitsbedenken,
Stefan Schmalz: die eigentlich das Leitmotiv des chinesischen digitalen Kapitalismus sind,
Stefan Schmalz: dass die auf einmal wichtiger werden in diesem US-getriebenen Modell.
Stefan Schmalz: Europa spielt da eine abhängige Rolle, würde ich sagen.
Stefan Schmalz: Also von den großen Tech-Unternehmen bis zur digitalen Infrastruktur,
Stefan Schmalz: Datenzentren und so weiter und so fort spielen, außer jetzt vielleicht zu dieser
Stefan Schmalz: klassischen Telekommunikationsinfrastruktur, europäische Unternehmen, keine so riesige Rolle.
Stefan Schmalz: Also da gibt es Abhängigkeiten und eigentlich ist diese Auseinandersetzung zwischen
Stefan Schmalz: den zwei Modellen, die grassiert wohl schon in Afrika durch den Bau von digitalen
Stefan Schmalz: Infrastrukturen, von den Aktivitäten und Unternehmen.
Stefan Schmalz: Dort gibt es jetzt so die ersten Aufsätze, die über Digital Cold War sprechen
Stefan Schmalz: auf dem afrikanischen Kontinent.
Stefan Schmalz: Bin ich nicht tief genug drin, um das zu bewerten, aber ich glaube,
Stefan Schmalz: das ist eine ganz, ganz wichtige Entwicklung und auch aus einer europäischen Sicht,
Stefan Schmalz: zentral, auch aus einer kritischen Sicht, dass dort viel mehr gemacht werden müsste.
Stefan Schmalz: Um die EU
Stefan Schmalz: Als einen eigenständigen Akteur aufzustellen, vielleicht auch mit einem eigenständigen
Stefan Schmalz: Regulierungsmodell, eigenständigen Wertekanon, mit eigenständigen Unternehmen
Stefan Schmalz: auch, wo der Staat vielleicht auch eine größere Rolle spielt oder die öffentliche Hand.
Stefan Schmalz: Aber diesen Konflikt gibt es und ich glaube, er ist sehr, sehr wichtig in den
Stefan Schmalz: nächsten Jahren und Jahrzehnten.
Felix Jaitner: Über die EU und progressive Antworten würde ich später noch mal gerne mit dir sprechen.
Felix Jaitner: Ich finde es ja interessant, dass du von einer Angleichung oder vielleicht sogar
Felix Jaitner: einer Übernahme der chinesischen Strategie durch die US-Digitalkonzerne sprichst,
Felix Jaitner: also dieser Versicherheitlichungsaspekt.
Felix Jaitner: Könntest du das noch mal ganz kurz plastisch mit ein, zwei Beispielen deutlich
Felix Jaitner: machen, was verstehst du darunter, Versicherheitlichung?
Stefan Schmalz: Vor allem, dass die Regierung die Möglichkeiten hat, auf die Daten zuzugreifen
Stefan Schmalz: in einer viel stärkeren Form und natürlich,
Stefan Schmalz: dass bestimmte Marktakteure aus dem Ausland nicht mehr reingelassen werden,
Stefan Schmalz: in der klassischen Art und Weise, aus Gründen der Sicherheit.
Stefan Schmalz: Vorgeschoben vielleicht, vielleicht aber auch handfest. Das ist das Argument.
Stefan Schmalz: Warum darf Huawei in der Form dann nicht aktiv sein?
Stefan Schmalz: Ein Riesenpunkt zum Beispiel sind E-Autos, da wurden jetzt die chinesischen
Stefan Schmalz: Digitalkomponenten de facto verboten.
Stefan Schmalz: Das bedeutet, dass man die modernsten Tech-Autos aus China teilweise gar nicht mehr importieren kann.
Stefan Schmalz: Also das Sicherheitsargument spielt dann eine wichtige Rolle und strukturiert
Stefan Schmalz: Märkte. Also strukturiert den US-Markt.
Stefan Schmalz: Entweder muss so ein Deal gemacht werden, wie mit TikTok, mit einer US-Betreibergesellschaft
Stefan Schmalz: oder irgendwelche Zertifizierungs- und Vertriebssysteme.
Stefan Schmalz: Aber ich weiß, dass viele chinesische Unternehmen gar nicht mehr mit dem US-Markt
Stefan Schmalz: richtig rechnen, weil sie einfach das Gefühl haben, da nicht mehr richtig zum Zug zu kommen.
Stefan Schmalz: Teilweise haben die auch geklagt, erfolgreich.
Stefan Schmalz: Xiaomi zum Beispiel sollte auch auf einer Liste landen, hat sich aber erfolgreich runtergeklagt.
Stefan Schmalz: Xiaomi-Endies gibt es nach wie vor auch noch in den USA.
Stefan Schmalz: Aber ist schon sehr spannend und ist ein Prozess, der sich gerade entwickelt.
Stefan Schmalz: Eine Welt mit sich überlappenden Digitalsphären, Technologiesphären,
Stefan Schmalz: da digitale Komponenten, digitale Technologie so wichtig ist,
Stefan Schmalz: greift das dann halt auch in andere Bereiche rein.
Stefan Schmalz: Also das wird interessant werden,
Stefan Schmalz: ob es sowas gibt wie ein technologisches Decoupling an einzelnen Punkten.
Stefan Schmalz: Und das ist für Europa dann auch die Frage, schafft es die EU,
Stefan Schmalz: was Eigenes hinzubekommen oder ihre Märkte so zu strukturieren,
Stefan Schmalz: dass sie in beiden Sphären mitspielen kann.
Stefan Schmalz: In den einzelnen Nationalstaaten der EU gibt es sehr unterschiedliche Gesetzgebungen auch.
Felix Jaitner: Also eigentlich sehen wir hier auch eine klassische Industriepolitik,
Felix Jaitner: sowohl auf Seiten Chinas mit
Felix Jaitner: der Great Firewall, also überhaupt erstmal die Möglichkeit geschaffen wurde,
Felix Jaitner: eigene IT-Konzerne aufzubauen und gleichzeitig jetzt auf Seiten der USA den
Felix Jaitner: Markt abzuschirmen und die eigene Industrie, die eigene IT-Industrie eben zu
Felix Jaitner: schützen vor der chinesischen Konkurrenz.
Felix Jaitner: Ich würde aber nochmal eine Gegenthese zu dieser Fokussierung auf den digitalen
Felix Jaitner: Kapitalismus formulieren wollen,
Felix Jaitner: Denn ich finde, das Trump-Lager steht ja auch für einen entfesselten fossilen Kapitalismus.
Felix Jaitner: Das heißt, wir sehen ja auch eine Ausweitung von Öl- und Gasförderung in ökologisch sensiblen Gebieten.
Felix Jaitner: Wir sehen das Ende von Subventionen für erneuerbare Energien und grüne Technologien,
Felix Jaitner: die unter Biden massiv gefördert worden sind.
Felix Jaitner: Und China ist ja nicht nur Vorreiter in der Produktion von erneuerbaren Energien,
Felix Jaitner: sondern auch bei der Entwicklung und Produktion von E-Autos.
Felix Jaitner: Das heißt, handelt es sich nicht auch um grundsätzlich konkurrierende Modelle?
Felix Jaitner: Also ein brauner, fossiler US-Kapitalismus gegen das grünelektrifizierte chinesische Modell?
Stefan Schmalz: Das ist ein sehr guter Punkt. Ich würde einen Schritt nochmal zu den Digitalunternehmen
Stefan Schmalz: zurückgehen und dann darauf antworten, denn da gibt es auch interessante,
Stefan Schmalz: unterschiedliche Modellentwicklungen, wenn man sich anschaut,
Stefan Schmalz: wie der US-Staat letztlich von den Superreichen, die alle aus dem Digitalkonzern
Stefan Schmalz: kommen, quasi gerade gecaptured wird.
Stefan Schmalz: Und auf der einen Seite, also diese Treffen wie am kleinen Kaffeetisch von Trump
Stefan Schmalz: mit den größten Tech-Milliardären, die direkt Einfluss auf den Staat ausüben,
Stefan Schmalz: wo man einfach denkt, die Thesen
Stefan Schmalz: des Monopolkapitalismus der 70er Jahre bewahrheiten sich auf einmal.
Stefan Schmalz: Und auf der anderen Seite in China, dass der Staat genau diese Akteure klein hält.
Stefan Schmalz: Ein sehr interessanter Unterschied. Gehen wir über zu den erneuerbaren Energien
Stefan Schmalz: und zu E-Autos, Batterien und auch fossile Brennstoffe.
Stefan Schmalz: Ich denke, du machst da einen richtigen Punkt. Es ist einfach so,
Stefan Schmalz: dass China systematisch seit Jahren die Entwicklung von Grüntechnologien fördert
Stefan Schmalz: mit diesem Modell, was ich anfangs beschrieben habe,
Stefan Schmalz: also Staatsintervention und Button-up privat.
Stefan Schmalz: Und sehr, sehr erfolgreich geworden ist, dort Wertschöpfung zu entwickeln in
Stefan Schmalz: eigentlich allen wichtigen Branchen.
Stefan Schmalz: Im Bereich der Solarindustrie, im Bereich der Windindustrie und auch im Bereich
Stefan Schmalz: Batterietechnologie und E-Autos.
Stefan Schmalz: Wenn wir uns das anschauen, ich glaube 80 Prozent der Produktion von Solarpanelen ist in China.
Stefan Schmalz: Mittlerweile ist da über ein Terawatt an Energiekapazität hergestellt.
Stefan Schmalz: Man muss überlegen, so ein Atomkraftwerk, das bringt vielleicht ein,
Stefan Schmalz: zwei Gigawatt sind es, glaube ich.
Stefan Schmalz: Das darf ich nicht durcheinander bringen, die Bezeichnung.
Stefan Schmalz: Also es sind gewaltige Kapazitäten, die dort hochgezogen werden.
Stefan Schmalz: Auch in der Geschwindigkeit.
Stefan Schmalz: Wo die EU gerade mit Mühe,
Stefan Schmalz: Not insgesamt drankommt, ist es Wahnsinn. Also da passiert wirklich was.
Stefan Schmalz: Und man sieht, also mit industriepolitischen Initiativen kann man da was entwickeln.
Stefan Schmalz: Auch in anderen Bereichen, also Elektrifizierung der Mobilität.
Stefan Schmalz: Es gibt einfach eine Ladeinfrastruktur dort, die aufgebraucht wurde.
Stefan Schmalz: Es gibt dort relativ preiswerte E-Autos.
Stefan Schmalz: Und es ist einfach so, dass die chinesischen Unternehmen mittlerweile gerade
Stefan Schmalz: in dem E-Auto-Bereich marktführend sind.
Stefan Schmalz: Vor längerer Zeit, einigen Jahren war es so, dass die chinesischen Hersteller
Stefan Schmalz: ungefähr ein Drittel des Marktes dominiert haben.
Stefan Schmalz: Heute sind es zwei Drittel. Sie hat sich massiv was verschoben und auch darunter
Stefan Schmalz: leiden die europäischen und japanischen und US-Hersteller natürlich.
Stefan Schmalz: Also da verschiebt sich was, auch im Bereich der Batterietechnologie,
Stefan Schmalz: das wird oft nicht so prominent diskutiert, ist aber sehr, sehr wichtig,
Stefan Schmalz: weil ein E-Auto ist quasi um die Batterierung gebaut.
Stefan Schmalz: 30 bis 40 Prozent der Wertschöpfung ist die Batterie.
Stefan Schmalz: Dort sind ostasiatische Unternehmen ausnahmslos die Top Ten,
Stefan Schmalz: viele chinesische Unternehmen, auch koreanische Weltmarktführer.
Stefan Schmalz: CATL, das ist ein Unternehmen, das hier auch in der Nähe in Arnstadt eine Fabrik aufgebaut hat.
Stefan Schmalz: Ja, und diese Unternehmen expandieren natürlich jetzt global auch,
Stefan Schmalz: internationalisieren sich vermerkt und fangen an, gerade im globalen Süden,
Stefan Schmalz: auch die Märkte aufzurollen. Und da gibt es große Ängste.
Stefan Schmalz: Auch bei der EU,
Stefan Schmalz: Die in den USA nochmal viel, viel stärker ist. Und ich glaube,
Stefan Schmalz: da greifen wirklich zwei, drei Sachen zusammen.
Stefan Schmalz: Also du hast es so schön gesagt mit dem braunen versus dem grünen Kapitalismus.
Stefan Schmalz: Also braun jetzt eher im Sinne der Energieträger in dem Fall.
Stefan Schmalz: Dass zum einen die schwache Konkurrenzfähigkeit dieser Unternehmensargument
Stefan Schmalz: haben wir ja jetzt auch in Deutschland in der Debatte um das Verbrennen aus ab 2035,
Stefan Schmalz: wo sich jetzt Verbände und einzelne Unternehmen dazu äußern,
Stefan Schmalz: das zu kippen, weil sie einfach Angst haben, teilweise nicht mitzukommen in
Stefan Schmalz: der Geschwindigkeit. So ein Unternehmen wie Porsche,
Stefan Schmalz: Rolle rückwärts investiert wieder fast eine Milliarde, glaube ich,
Stefan Schmalz: neu in Verbrennermodelle.
Stefan Schmalz: Ist natürlich wahrscheinlich nicht sonderlich zukunftsfähig.
Stefan Schmalz: Dieses Modell.
Stefan Schmalz: Da gerät also diese Konkurrenzsituation, der Verlust von Marktanteilen in China,
Stefan Schmalz: der größte Automarkt spielt damit rein,
Stefan Schmalz: in einigen Bereichen sowieso abgehängt zu sein, Solarbranche,
Stefan Schmalz: so die Angst, wir haben jetzt ganz viele Solarpaneele alle aus China,
Stefan Schmalz: wie werden die überhaupt gesteuert oder sowas.
Stefan Schmalz: Wie dieser Sicherheitspunkt, das spielt mit rein, mit gleichzeitig,
Stefan Schmalz: das wissen wir ja alle, Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber Elektromobilität,
Stefan Schmalz: hohe Preise auch hierzulande,
Stefan Schmalz: Ressentiments, die bewirtschaftet werden von politischen Akteuren.
Stefan Schmalz: Also in Thüringen sehen wir das mit der AfD sehr stark, wenn ich so sehe,
Stefan Schmalz: was die hier für Anträge einbringt.
Stefan Schmalz: Wir machen einfach weiter wie vorher.
Stefan Schmalz: Also da kommt irgendwie rechte, politische Kräfte mit dieser Konkurrenzsituation,
Stefan Schmalz: verzahnt sich und führt zu so einem Gebräu,
Stefan Schmalz: dass du genau beschrieben hast, dass dieser fossile Kapitalismus stabiler bleibt
Stefan Schmalz: und in Chinas viel mehr einen Drive.
Stefan Schmalz: In diese grüne Richtung gibt.
Stefan Schmalz: Es ist aber so, dass China wahrscheinlich erst dieses Jahr den Wendepunkt in
Stefan Schmalz: Richtung sinkender Emissionen schafft, weil neben diesem enormen Aufwuchs von grüner Technologie,
Stefan Schmalz: es gleichzeitig immer noch einen Anstieg von fossilen Brennstoffen gab.
Stefan Schmalz: Kohle wird nach wie vor massiv genutzt.
Stefan Schmalz: Das könnte sein, dass dieser Peak jetzt überschritten wird und das abflacht.
Stefan Schmalz: Aber die Klimaziele sind, glaube ich, jetzt für das Jahr 2035 10 Prozent,
Stefan Schmalz: die Emissionen zu senken.
Stefan Schmalz: Das ist natürlich jetzt schon eine Trendwende.
Stefan Schmalz: Und wahrscheinlich kann man wirklich argumentieren, dass China der Welt gerade
Stefan Schmalz: ein bisschen Zeit kauft, dadurch, aber nach wie vor baut diese grüne Technologie
Stefan Schmalz: auf braune Technologie in China auf.
Stefan Schmalz: Also es gestaltet sich manchmal schwieriger, als sich vielleicht die Planungskommission.
Stefan Schmalz: Die staatliche in China vorstellt,
Stefan Schmalz: Diesen Wechsel hinzubekommen. Hat auch wieder mit dem digitalen Kapitalismus zu tun, weil mit AI,
Stefan Schmalz: also künstlicher Intelligenz, mit den Datenzentren, die man dafür braucht,
Stefan Schmalz: es natürlich gewaltige Mengen an Energie braucht und das ist eine relativ einfache
Stefan Schmalz: Rechnung, wenn der Energiebedarf steigt, muss man ihn irgendwie abdecken und
Stefan Schmalz: es macht es halt schwieriger,
Stefan Schmalz: das alles mit grüner Technologie zu machen.
Stefan Schmalz: Mein Eindruck ist, dass sich da auch noch viele Konflikte drum gruppieren werden,
Stefan Schmalz: also ja zu geoökonomischer Art,
Stefan Schmalz: weil an einigen Punkten wirklich die europäischen und amerikanischen Hersteller,
Stefan Schmalz: aber auch der Staat es verschlafen hat.
Stefan Schmalz: Die werden da
Stefan Schmalz: Vernünftig auf die Spur zu bringen.
Felix Jaitner: Also wir stellen fest, der Aufstieg Chinas fordert die globale Führungsrolle der USA heraus.
Felix Jaitner: Aber unklar bleibt für mich, ob China die Rolle des globalen Hegemonen eigentlich ausfüllen kann.
Felix Jaitner: Und ich würde da gerne folgenden Gedankengang darlegen.
Felix Jaitner: Die US-Hegemonie beruht unter anderem auch auf der Fähigkeit,
Felix Jaitner: gigantische Handelsdefizite anzuhäufen, ohne dass deshalb die ökonomische Führungsposition
Felix Jaitner: der USA angegriffen würde. Zumindest bisher noch nicht.
Felix Jaitner: Das chinesische Wirtschaftsmodell ist hier davon geprägt, dass es hohe Exportüberschüsse anhäuft.
Felix Jaitner: Und ich frage mich, ob die Fähigkeit Chinas, eine globale Ordnung unter eigener
Felix Jaitner: Führung zu etablieren, dadurch nicht geschwächt wird.
Felix Jaitner: Ich finde, wir können das vielleicht vergleichen mit der Rolle Deutschlands
Felix Jaitner: in der EU, wo wir ja eine ähnliche Konstellation haben.
Felix Jaitner: Also starke Exportüberschüsse Deutschlands gegenüber den anderen EU-Staaten
Felix Jaitner: und damit auch einhergehende Konflikte.
Stefan Schmalz: Da müsste man ein bisschen mehr in die Geschichte schauen, weil es wirklich
Stefan Schmalz: so ist, dass die USA erst Kapitalexporteur war, lange,
Stefan Schmalz: und einen Überschuss auch hatte, einen Außenhandelsüberschuss,
Stefan Schmalz: und das sich dann erst gedreht hat.
Stefan Schmalz: Ich glaube, in den 70er Jahren hat sich das gedreht.
Stefan Schmalz: Das muss man also erstmal relativierend sagen.
Stefan Schmalz: Denn Leistungsbilanzüberschuss bedeutet auch, dass das Land Kapital exportiert.
Stefan Schmalz: Und das kann in Form von Infrastruktur passieren, das kann in Form von Krediten
Stefan Schmalz: passieren, das kann auch in Form von Produktivkapazitäten passieren.
Stefan Schmalz: Was wir jetzt länger gesehen haben, ist, dass China viel eher in Rohstoffexploration
Stefan Schmalz: und in Infrastruktur investiert hat.
Stefan Schmalz: Und da ist es jetzt interessant, dass es einen Shift gibt in den letzten zwei,
Stefan Schmalz: drei Jahren, stärker wirklich in industrielle Kapazitäten, gerade im EV-Bereich
Stefan Schmalz: zu investieren. Das ist natürlich attraktiv auch für viele Länder.
Stefan Schmalz: China hat da schon jetzt eine Ausstrahlungskraft, irgendwie führend zu sein
Stefan Schmalz: und dort auch was geben zu können.
Stefan Schmalz: Also dann entsteht halt die BIA-Deep-Fabrik in Brasilien und in der Türkei und
Stefan Schmalz: es entstehen auch produktive Kapazitäten in Ländern, wo man das jetzt nicht
Stefan Schmalz: unbedingt auf dem Schirm hat, also in afrikanischen Ländern und natürlich in den Nachbarländern.
Stefan Schmalz: Thailand und so weiter und so fort.
Stefan Schmalz: Also da bilden sich Strukturen raus, die erst langsam wachsen und die,
Stefan Schmalz: würde ich jetzt sagen, so eher das Anzeichen eines Aufstiegs erstmal sind und
Stefan Schmalz: nicht nur Reifenhegemonie.
Stefan Schmalz: Diese Konsumentenrolle der USA hat natürlich viel mit dem Finanzsystem und der
Stefan Schmalz: Weltgeldrolle des Dollars zu tun, mit den Finanzmärkten dort,
Stefan Schmalz: die dann auch Kapital aus dem Ausland absorbieren können.
Stefan Schmalz: Denn China hat so eine Struktur nicht.
Stefan Schmalz: Ich würde auch behaupten, dass das politische System da teilweise einige Fallstricke
Stefan Schmalz: einlegt, weil, hatte ich ja erzählt, Eigentum ist nicht immer sicher,
Stefan Schmalz: diese Garantenrolle des Kapitals,
Stefan Schmalz: die also nicht komplett spielen kann und auch um die Form des Wirtschaftsmodells
Stefan Schmalz: des politischen Systems aufrechtzuerhalten kann, gewisse Kontrolle über Kapitalflüsse braucht.
Stefan Schmalz: Also das Finanzsystem funktioniert anders und ich sehe nicht,
Stefan Schmalz: dass es so diesen Big Bang in Richtung Liberalisierung da in.
Stefan Schmalz: China geben wird.
Stefan Schmalz: Mein Eindruck ist, um das jetzt einfach mal zuzuspitzen,
Stefan Schmalz: dass, glaube ich, der Aufstieg Chinas für die Weltökonomie so weitreichend ist,
Stefan Schmalz: dass es vielleicht weitgehend genug ist, um die US-Hegemonie in irgendeiner
Stefan Schmalz: Form zu beenden, aber dass China nicht fähig ist aus verschiedenen Gründen,
Stefan Schmalz: Finanzsystem, das Wirtschaftsmodell müsste auch nochmal anders funktionieren,
Stefan Schmalz: auch der demografische Wandel, ganz wichtiger Punkt.
Stefan Schmalz: Dass die Bevölkerung nicht mehr unendlich weiter steigt, sondern jetzt sinkt.
Stefan Schmalz: Also dass China nicht fähig ist, eine neue Hegemonie zu errichten,
Stefan Schmalz: sondern wir vielleicht in einer Zeit leben werden mit,
Stefan Schmalz: Blöcke ist vielleicht das falsche Wort, aber wie so Netzwerke von Staaten,
Stefan Schmalz: die sich gegenseitig überlappen, ein bisschen fluider als ein Block.
Stefan Schmalz: Also eine Ordnung, die dann auch vielleicht durch geoökonomische Konflikte gekennzeichnet wird.
Stefan Schmalz: Ich glaube nicht, ob das so rein multipolar ist.
Stefan Schmalz: Also da werden die USA und China schon eine zentrale Rolle spielen in dieser Konfiguration.
Stefan Schmalz: Habe ich ja mit den Digitalsphären auch dargestellt.
Stefan Schmalz: Im schlimmsten Fall kann das Chaos, Gewaltförmigkeit bedeuten.
Stefan Schmalz: Im positiven Fall bedeutet es dann eine neue Form von Stabilität.
Felix Jaitner: Ich glaube, wenn wir über den US-Chinesischen Konflikt sprechen,
Felix Jaitner: müssten wir auch noch mal über die Rolle Taiwans sprechen.
Felix Jaitner: Was hat Taiwan für eine Bedeutung in dieser Auseinandersetzung?
Stefan Schmalz: Also ich würde das schon sehr, sehr ernst nehmen, weil durchaus die Kriegsgefahr da wirklich besteht.
Stefan Schmalz: Die USA zum einen heizen den Konflikt an, um ihren Ring an Verbündeten dort auch zu stärken.
Stefan Schmalz: China wiederum will da eine Wiedervereinigung. Bisher sieht es jetzt ja nicht
Stefan Schmalz: nach einer militärischen Invasion aus, aber das ist nicht, also so sagen müssen wir zumindest,
Stefan Schmalz: Freunde in China und Bekannte nicht komplett vom Tisch.
Stefan Schmalz: Militärisch ist diese Insel ökonomisch wichtig wegen der Rolle von Halbleiterproduktion
Stefan Schmalz: und militärisch ist es auch nicht unwichtig,
Stefan Schmalz: weil wenn die USA dort angenommen rausgedrängt würde,
Stefan Schmalz: also wenn China wirklich Taiwan übernehmen würde,
Stefan Schmalz: würde diese militärische Bündnisfunktion in der Region zerbröseln.
Stefan Schmalz: Ich bin da wirklich kein richtiger Experte, um das allumfassend bewerten zu können.
Stefan Schmalz: Ich bin auch Transparenzinweis sehr oft in Festlandchina gewesen, aber nie in Taiwan.
Felix Jaitner: Zum Abschluss würde ich mit dir gerne nochmal über die Rolle Deutschlands und
Felix Jaitner: der EU in diesem Konflikt zwischen China und den USA sprechen und auch vielleicht
Felix Jaitner: perspektivisch mit dir darüber nachdenken wollen,
Felix Jaitner: wie sich die EU und auch Deutschland in dieser sich verändernden Weltordnung
Felix Jaitner: mit den beiden Polen USA und China positionieren sollte.
Felix Jaitner: Also gegenwärtig sehen wir ja folgende Situationen.
Felix Jaitner: Deutschland hat lange von dem Handel mit China profitiert und jetzt verändern
Felix Jaitner: sich die Wirtschaftsbeziehungen zunehmend zu Ungunsten Deutschlands.
Felix Jaitner: Also chinesische Konzerne konkurrieren auf globaler Ebene und vor allem ja auch
Felix Jaitner: in den Sektoren, in denen deutsche Unternehmen als führend gelten,
Felix Jaitner: Beispielsweise Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie.
Felix Jaitner: Und es kommt noch hinzu, dass deutsche Automobilkonzerne, davon hast du ja auch
Felix Jaitner: bereits gesprochen, ihre Forschung und Entwicklungsaktivitäten zunehmend nach China verlagern bzw.
Felix Jaitner: Von chinesischen Konzernen abhängig sind. Also Volkswagen wird Chips für das
Felix Jaitner: autonome Fahren in China entwickeln. Auch die Batterieproduktion hast du erwähnt,
Felix Jaitner: die dominiert wird von südostasiatischen primär chinesischen Konzernen.
Felix Jaitner: Große Chemieunternehmen wie BASF investieren in neue Verbundstandorte in China
Felix Jaitner: und bauen gleichzeitig Arbeitsplätze in Deutschland ab.
Felix Jaitner: Das heißt, ich glaube, die Frage nach dem Verhältnis Deutschlands zu China oder
Felix Jaitner: auch der EU zu China stellt sich sehr akut.
Felix Jaitner: Ich finde, aus progressiver Sicht gibt es da wenig Antworten zu,
Felix Jaitner: zumal die USA, die EU und Deutschland ja auch drängen, sich dem Sanktionsregime
Felix Jaitner: gegen China anzuschließen und damit auch in diesem Konflikt stärker zugunsten
Felix Jaitner: der USA zu positionieren.
Felix Jaitner: Wie könnte eine eigenständige, progressive Position Deutschlands der EU in dieser
Felix Jaitner: sich verändernden Welt eigentlich aussehen?
Stefan Schmalz: Für mich war so ein Schlüsselerlebnis. Vor zwei Jahren war ich bei einem chinesischen
Stefan Schmalz: Batterieunternehmen, habe mitbekommen, wie dort deutsche Ingenieure so halb
Stefan Schmalz: ausgebildet angelernt wurden, wie man denn vernünftig Batterien herstellt.
Stefan Schmalz: Also war ich da zusammen mit einem Kollegen und haben dann danach Scherzchen
Stefan Schmalz: gemacht, die Deutschen wollen jetzt chinesische Technologie stehlen.
Stefan Schmalz: Also war eine sehr skurrile Situation. China ist im Automobilbereich einfach der Leitmarkt.
Stefan Schmalz: Dort werden die zentralen Impulse gegeben werden in den nächsten Jahren und
Stefan Schmalz: es ist auf Gedeihung verderbt für die deutschen Autobauer da wichtig zu sein.
Stefan Schmalz: Und früher waren die deutschen Unternehmen, die das Benchmarking gemacht haben.
Stefan Schmalz: Das machen jetzt teilweise im EWI-Bereich die chinesischen Unternehmen.
Stefan Schmalz: Man merkt es natürlich in Deutschland auch, also diese dramatische Branchenkrise,
Stefan Schmalz: 50.000 Arbeitsplätze abgebaut worden,
Stefan Schmalz: hat vieles dann auch mit der verpatzten Transformation zur Elektromobilität zu tun.
Stefan Schmalz: Es gibt Bereiche, wo es Kooperationsfelder gibt.
Stefan Schmalz: Im Bereich der Klimapolitik ganz offensichtlich könnten gemeinsame Ziele gesetzt werden mit China.
Stefan Schmalz: Es könnte hier auch viel stärker Technologiekooperationen geben.
Stefan Schmalz: Warum nicht ein Joint Venture, wie es früher von einem deutschen Unternehmen
Stefan Schmalz: mit einem chinesischen Unternehmen in China gab, warum nicht umgekehrt in der EU?
Stefan Schmalz: Da müssen aber einige heilige Krele des Neoliberalismus geschlachtet werden.
Stefan Schmalz: Also diese Idee der EU als so ein Garant, als komplett freien Markt ist.
Stefan Schmalz: Eigentlich bräuchte man da eine grundlegende Reform.
Stefan Schmalz: Auch des Vertragswerks und
Stefan Schmalz: Die viel breiter dann so.
Stefan Schmalz: Eine Politik ermöglichen wird.
Felix Jaitner: Stefan, herzlichen Dank für das spannende Interview.
Stefan Schmalz: Gerne.
Stefan Schmalz: Das war Going up in flames And nobody.
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