Sind Klima und Kapitalismus kompatibel, Ulrich Brand?

Shownotes

Vom 10. bis 21. November 2025 findet die 30. Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém statt. Doch obwohl sich die ökologische Krise immer deutlicher zuspitzt, halten die Industrieländer Hilfszusagen für Klimaanpassung nicht ein. Das gilt auch für Deutschland, obwohl man sich hierzulande gerne für einen Vorreiter in Sachen Klimaschutz hält. Die Ampel-Regierung trat mit dem Versprechen an, Deutschland ökologisch zu modernisieren. Eine dekarbonisierte, high-tech Wirtschaft soll nicht nur das deutsche Exportmodell retten, sondern auch Kapitalismus und Klima miteinander versöhnen.

Bundeskanzler Friedrich Merz setzt dagegen auf den Ausbau von Gaskraftwerken und erwägt eine Abkehr vom Verbrenner-Aus. Statt in den ökologischen Umbau investiert er lieber hunderte Milliarden Euro in die Aufrüstung der Bundeswehr. Das verschärft nicht nur die angespannte internationale Lage, sondern droht die Abhängigkeit von fossiler Energie auf Jahrzehnte zu zementieren.

In der achten Folge unseres Podcast «Weltunordnung» spricht Felix Jaitner mit Ulrich Brand, Professor für Internationale Politik an der Universität Wien, über die ökologische Krise und ihre Auswirkungen. Wie verschärft sie Konflikte um die multipolare Weltordnung? Besteht ein Widerspruch zwischen ökologischer und sozialer Frage? Und was bedeutet Internationalismus im Zeitalter des Klimawandels?

Shownotes:

Brand, Ulrich/Wissen, Markus (2017): Die imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus, Oekom Verlag.

Brand, Ulrich/Wissen, Markus (2024): Kapitalismus am Limit. Öko-imperiale Spannungen, umkämpfte Krisenpolitik und solidarische Perspektiven, Oekom Verlag.

Die Buchvorstellung von “Kapitalismus am Limit”

McKinsey & Company (2021): Net-Zero Deutschland. Chancen und Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2045, September.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2024): Habeck legt Konzept für grüne Leitmärkte vor, Pressemitteilung.

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Felix Jaitner: Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Felix Jaitner: Vom 10. bis zum 21. November 2025 findet die 30.

Felix Jaitner: Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém statt. Doch obwohl sich die ökologische

Felix Jaitner: Krise immer weiter zuspitzt, halten die Industrieländer hilfszusagen für Klimaanpassung nicht ein.

Felix Jaitner: Großmächte wie Russland oder die USA setzen sogar immer rücksichtsloser auf

Felix Jaitner: die Ausbeutung neuer fossiler Rohstoffe

Felix Jaitner: und verhindern damit den dringend notwendigen klimagerechten Umbau.

Felix Jaitner: In Deutschland hält man sich nach wie vor für einen Vorreiter in Sachen Klimaschutz.

Felix Jaitner: Doch dieses Selbstverständnis gerät immer mehr in Zwang.

Felix Jaitner: Die Ampelregierung trat mit dem Versprechen an, Deutschland ökologisch zu modernisieren.

Felix Jaitner: Eine dekarbonisierte Hightech-Wirtschaft soll nicht nur das deutsche Exportmodell

Felix Jaitner: retten, sondern auch Kapitalismus und Klima miteinander versöhnen.

Felix Jaitner: Die Regierung Merz setzt dagegen auf den Ausbau von Gaskraftwerken und erwägt

Felix Jaitner: eine Abkehr vom Verbrenner aus.

Felix Jaitner: Statt in den ökologischen Umbau unserer Gesellschaft investiert sie lieber hunderte

Felix Jaitner: Milliarden Euro in die Aufrüstung der Bundeswehr.

Felix Jaitner: Damit verschärft sie nicht nur die angespannte internationale Lage,

Felix Jaitner: sondern droht die Abhängigkeit von fossiler Energie auf Jahrzehnte zu zementieren.

Felix Jaitner: Mein Name ist Felix Jeitner und mein heutiger Gast ist Ulrich Brandt.

Felix Jaitner: Uli ist Professor für internationale Politik an der Universität Wien.

Felix Jaitner: In seiner Forschung beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit internationaler

Felix Jaitner: Ressourcen, Energie und Klimapolitik.

Felix Jaitner: Zusammen mit Markus Wissen hat er 2017 das Buch Die imperiale Lebensweise zur

Felix Jaitner: Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus verfasst,

Felix Jaitner: das in der Öffentlichkeit breit rezipiert wurde.

Felix Jaitner: 2024 veröffentlichten die beiden das Buch Kapitalismus am Limit.

Felix Jaitner: Ich möchte von Uli wissen, wie die ökologische Krise die sich verschärfenden

Felix Jaitner: Konflikte um die multipolare Weltordnung beeinflusst,

Felix Jaitner: ob ein Widerspruch zwischen ökologischer und sozialer Frage besteht und wie

Felix Jaitner: Internationalismus im Zeitalter des Klimawandels aussehen könnte.

Felix Jaitner: Hallo Uli, herzlich willkommen zum Podcast Welt und Ordnung.

Uli Brand: Ja, vielen Dank für die Einladung, Felix.

Felix Jaitner: Uli, du bist Politikwissenschaftler und beschäftigst dich in deiner Arbeit intensiv

Felix Jaitner: mit internationaler Klima- und Umweltpolitik.

Felix Jaitner: Aber das war ja keineswegs zwangsläufig, denn dein Weg in die Wissenschaft ist

Felix Jaitner: nicht gradlinig verlaufen.

Felix Jaitner: Du hast erst BWL studiert und eine Ausbildung gemacht zum Hotelfachmann und

Felix Jaitner: bist danach nochmal umgesattelt und hast Politik und Volkswirtschaftslehre studiert.

Felix Jaitner: Erzähl uns doch mal, wie du eigentlich zur Ökologie gekommen bist.

Uli Brand: Ich bin aufgewachsen auf der Insel Mainau im Bodensee, die Blumeninsel, ökologisch.

Uli Brand: Es gab früh eine grüne Karte der Insel Mainau schon seit den 70er Jahren und

Uli Brand: war einfach mit dem Thema befasst.

Uli Brand: Allerdings auch sehr ambivalent, weil ich bin in der Gastronomie aufgewachsen.

Uli Brand: Diese Deckwerf-Gastronomie hat mir nicht gepasst.

Uli Brand: Das war wahrscheinlich so eine Imprägnierung, wenn man so will.

Uli Brand: Und die zweite, an die ich mich sogar erinnere, war 1986 im April.

Uli Brand: Das Reaktorunglück in Tschernobyl, das hat mich wahnsinnig aufgerüttelt.

Uli Brand: Ich war gerade am Abitur machen.

Uli Brand: Und das Dritte ist, ich komme eher so aus einer bildungsfernen Familie,

Uli Brand: sehr arbeitsorientiert, sehr diszipliniert.

Uli Brand: Mein bester Freund damals, der aus eher so einem, ich sage mal,

Uli Brand: linksbürgerlichen Spektrum kam. Die Mutter war Lehrerin, der Vater habilitierter Historiker.

Uli Brand: Und mit dem habe ich unglaublich viel mir die Welt eröffnet.

Uli Brand: Und deshalb ist es nicht nur das Umweltthema, das Klimathema,

Uli Brand: sondern eben auch ganz stark, was sind so globale Fragen.

Uli Brand: Habe dann diese Hotelfachausbildung gemacht mit Betriebswirtschaftslehre und

Uli Brand: bin dann wegen auch diesem Freund, der auch erstmal eine Krankenpflegeausbildung gemacht hat.

Uli Brand: Und wir beide haben dann 1989 in Frankfurt am Mai angefangen zu studieren.

Uli Brand: Und das war natürlich wahnsinnig. Der Winter des Falls der Mauer,

Uli Brand: der Herbst, einerseits diese großen gesellschaftlichen Veränderungen.

Uli Brand: Ich beschäftige mich ja nicht nur mit Umwelt-Klimapolitik, sondern von Anfang

Uli Brand: habe ich diese Globalisierungsprozesse, eine Kritik auch der Globalisierung

Uli Brand: ganz stark interessiert.

Uli Brand: Später war ich ja bei Attac aktiv und im 90ern auch in der Bundeskontination Internationalismus.

Uli Brand: Ja, und dann hatte ich auch das Glück, im Sommersemester 1990 an der Humboldt-Uni

Uli Brand: in Berlin zu studieren. Die DDR existierte, also ich war sozusagen Auslandsstudent.

Uli Brand: Das war auch wahnsinnig, das mitzubekommen. Und das würde ich aus heutiger Sicht

Uli Brand: sagen, Wissenschaft heißt für mich immer auch und für viele andere,

Uli Brand: gesellschaftliche Erfahrungen zu verarbeiten.

Uli Brand: Und die gesellschaftliche Erfahrung der 90er Jahre war ja die zunehmende Thematisierung

Uli Brand: der Klimakrise, der Umweltkrise, aber auch der Globalisierungsprozess und auch

Uli Brand: die Nord-Süd-Verhältnisse.

Uli Brand: Ich habe 1992 dann ein Jahr in Argentinien studiert und gelebt und diese Kombination,

Uli Brand: dieses Interesse auch eben nicht wissenschaftliche Karriere zu machen.

Uli Brand: Ich hatte ganz lange überhaupt keinen Anspruch, irgendwie eine akademische Laufbahn einzuschlagen.

Uli Brand: Eigentlich erst bis zur Mitte meiner Postdoc-Stelle in Kassel bei Christoph Scherer. Das war 2003.

Uli Brand: Also wir reden über die 90er, wo ich mich eher als Aktivist verstanden habe,

Uli Brand: der eben auch das Privileg hat zu studieren.

Uli Brand: Und ich wusste, um das Privileg zu studieren, von meinem sozialen Hintergrund,

Uli Brand: also diese Öffnung zu diesen Themen Globalisierung, ökologische Krise,

Uli Brand: Nord-Süd-Verhältnisse, das, was

Uli Brand: ja später dann so im Begriff der Impran-Lebensweise sich verdichtet hat,

Uli Brand: das hat wirklich mit dem Wunsch zu tun, die Gesellschaft besser zu verstehen

Uli Brand: und auch zu verändern, also auch eben aktivistisch zu sein.

Felix Jaitner: Im öffentlichen Diskurs ist ja überwiegend von Klima- und Umweltpolitik die

Felix Jaitner: Rede und du sprichst aber von Klimakrise.

Felix Jaitner: Warum eigentlich?

Uli Brand: Ja, ich würde schon sagen, dass der Begriff der ökologischen Krise,

Uli Brand: der Klimakrise ganz gut etabliert ist.

Uli Brand: Manche sprechen ja sogar von Klimanotstand oder von Kollaps,

Uli Brand: der ansteht oder heute sich schon manifestiert und vollzieht.

Uli Brand: Eher regional, eher temporär, wenn wir an Hochwasser denken, an Dürren.

Uli Brand: Aber ich finde deine Frage interessant, weil Klima- und Umweltpolitik natürlich

Uli Brand: semantisch was suggeriert.

Uli Brand: Nämlich, wir kriegen das in den Griff. Da kann ein Akteur handeln,

Uli Brand: der Staat, der kann die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

Uli Brand: Und dann werden wir das überwinden. Es ist gar nicht so schlimm.

Uli Brand: Wir brauchen natürlich Umwelt- und Klimapolitik.

Uli Brand: Wir brauchen eine sehr radikale sozial-ökologische Transformation.

Uli Brand: Und die hat viel mit Politik zu tun. Aber der öffentliche Modus des Nachdenkens,

Uli Brand: gerade heute, wo ja die Priorisierung von Klima-Umweltpolitik nach unten rutscht,

Uli Brand: angesichts von Wirtschaftskrise, von Rechtsentwicklung, suggeriert immer noch

Uli Brand: der Begriff der Politik.

Uli Brand: Da gibt es eben den zuständigen Akteur Staat, Regierungen, internationales politisches

Uli Brand: System und bei aller Ungleichzeitigkeit, bei allen Problemen werden wir das

Uli Brand: irgendwie lösen. Wir haben den Begriff dafür der ökologischen Modernisierung.

Uli Brand: Kritisch würde man immer sagen, der ökologischen Modernisierung des Kapitalismus.

Uli Brand: Also mit technologischen Innovationen, mit Effizienzsteigerungen,

Uli Brand: mit sozialen Innovationen werden wir die Krise in den Griff bekommen.

Uli Brand: Übergeht die Tiefe der Krise, dass eben staatliche Politik, staatliche Steuerung nicht funktioniert.

Uli Brand: Es funktioniert partiell, es funktioniert temporär, aber insgesamt wird ja die

Uli Brand: staatliche Politik der Tiefe der Klimakrise, des Klimanotstands gar nicht gerecht.

Felix Jaitner: Du hast es aber bereits angesprochen, also die soziale Ungleichheit wächst nicht

Felix Jaitner: nur in Deutschland, sondern eben auch global seit Jahrzehnten.

Felix Jaitner: Wir erleben, davon hast du auch gesprochen, den Aufstieg rechter Kräfte und

Felix Jaitner: auch eine Zunahme autoritärer Herrschaft.

Felix Jaitner: Und nicht zuletzt wächst ja auch die Zahl der Kriege, also ob in der Ukraine,

Felix Jaitner: im Sudan oder im Nahen Osten.

Felix Jaitner: Wie würdest du sagen, sind diese Krisenphänomene miteinander verknüpft und inwiefern

Felix Jaitner: verschärft die Klimakrise die gestehende imperiale Konkurrenz?

Uli Brand: Ja, ich habe ja selber 2009 für die Heinrich-Böll-Stiftung eine Studie angefertigt

Uli Brand: mit dem Titel Multiple Krise.

Uli Brand: Das war genau die Problemstellung, die du formuliert hast, nämlich die verschiedenen Krisenphänomene.

Uli Brand: Wir sprechen von der Krise 2007, 2008, Wirtschaftsfinanzkrise,

Uli Brand: die Politisierung der ökologischen Krise, sich abzeichnende Rechtsentwicklung.

Uli Brand: Und meine erste Antwort wäre, die Krisen haben eigene Dynamiken.

Uli Brand: Wir können natürlich den Konflikt im Nahen Osten nur verstehen,

Uli Brand: wenn wir ihn historisch verstehen oder jetzt auch den Angriffskrieg Russlands

Uli Brand: auf die Ukraine, die ökologische Krise und anderes.

Uli Brand: Also wir müssen immer sozusagen die Eigenständigkeit der Krisenphänomene,

Uli Brand: deshalb multiple Krise, im Blick haben und dann im zweiten Schritt durchaus

Uli Brand: nach Gemeinsamkeiten, nach Verbindung suchen.

Uli Brand: Und ich würde schon sagen, dass ganz viele aktuelle Krisendynamiken, die du genannt hast.

Uli Brand: Rechtsentwicklung, Entdemokratisierung, soziale Spaltung haben mit etwas zu

Uli Brand: tun, was wir neoliberalen Kapitalismus, neoliberale Globalisierung nennen müssen.

Uli Brand: Also da gab es seit den 70er Jahren ein herrschaftliches, ökonomisches,

Uli Brand: politisches Projekt von Akteuren, die wir benennen können, die gesagt haben,

Uli Brand: in der Krise des Nachkriegskapitalismus wollen wir die Profitabilität und die

Uli Brand: Machtstrukturen erhalten und setzen auf bestimmte Strategien.

Uli Brand: Das, was wir heute eben als Neoliberalismus, als Staatsrückbau,

Uli Brand: als bewusste Spaltung kennen,

Uli Brand: der Globalisierungsprozess als Form der internationalen Arbeitsteilung,

Uli Brand: dass Unternehmen um der Profitabilität willen in andere Regionen gehen,

Uli Brand: dann natürlich vor allem ganz stark mit China und dort den Aufstieg begründet.

Uli Brand: Und innergesellschaftlich führt diese Spaltungserfahrung und diese Angst zur

Uli Brand: Aggression und auch natürlich zur Rechtsentwicklung.

Uli Brand: Also die Antwort der Rechten ist, wir müssen nicht auf die Vermögenden schauen,

Uli Brand: auf die Reichen, wir müssen auf die Migrantinnen schauen, wir haben Schuldige

Uli Brand: oder die Systemparteien sind schuld und anderes.

Uli Brand: Da können wir dann natürlich Verbindung herstellen.

Uli Brand: Und jetzt auf deine konkrete Frage nochmal. Markus Wissen und ich argumentieren

Uli Brand: ja im neuen Buch, Kapitalismus am Limit, dass die unzureichende Bearbeitung

Uli Brand: der ökologischen Krise, also das Projekt des grünen Kapitalismus.

Uli Brand: Deshalb scheitert und Aggression und Unmut erzeugt, weil es die Machtfrage nicht

Uli Brand: stellt, die Ungleichheitsfrage nicht stellt, sondern weil es immer noch so tut,

Uli Brand: als wenn wir mit genug technologischer Innovation,

Uli Brand: mit sozialen Innovationen die ökologische Krise bearbeiten können.

Uli Brand: Im globalen Norden und gleichzeitig die globalen Ungleichheitsverhältnisse,

Uli Brand: das was wir als imperial lebensweise bezeichnen, nicht in Frage stellen.

Uli Brand: Das heißt dann Rohstoffpartnerschaft, Energiepartnerschaft, Wasserstoffpartnerschaft,

Uli Brand: aber es ist de facto grüner Kolonialismus.

Uli Brand: Es ist weiterhin eine neue Runde der Ausbeutung des globalen Südens.

Uli Brand: Also ich nenne nur Elemente, weil es gibt aus meiner Sicht nicht den einen Pol,

Uli Brand: aber natürlich leben wir unter Verhältnissen, die imperial kapitalistisch strukturiert

Uli Brand: sind und dann immer wieder zu schauen,

Uli Brand: neben der Eigenständigkeit der Krisen, was sind Gemeinsamkeiten und vielleicht zum Abschluss.

Uli Brand: Die ökologische Krise und vor allem die Klimakrise, die ist wirklich der Game Changer.

Uli Brand: Das können wir, glaube ich, noch gar nicht begreifen, wie tief das wird.

Uli Brand: Und das heißt jetzt nicht, die Kriege, die Gewalt, den Tod, die wahnsinnigen

Uli Brand: Anstrengungen, die anstehen für einen Wiederaufbau, der einigermaßen sozial

Uli Brand: gerecht ist für die Menschen, die dann überlebt haben in den Regionen,

Uli Brand: runterzuspielen. Bitte auf keinen Fall.

Uli Brand: Das ist wahnsinnig, was gerade in der Welt passiert.

Uli Brand: Aber ich denke schon, wir müssen genauer begreifen, wie die Nichtbearbeitung

Uli Brand: der Klimakrise und die unzureichenden Vorbereitungen, das, was man als Anpassungspolitik nennt,

Uli Brand: dass das nochmal eine ganz neue Runde auch von autoritären Nahelegungen sind.

Uli Brand: Also Peter Thiels Idee, die Reichen gehen auf Inseln oder halten sich anderweitig schadlos.

Uli Brand: Das ist natürlich heute eine absurde Fantasie, aber wir werden erleben,

Uli Brand: und das ist ja teilweise heute schon so, dass eben die wohlhabenden Klassen

Uli Brand: oder auch die wohlhabenden Länder sich versuchen,

Uli Brand: schadlos zu halten, indem sie die Konsequenzen der Krise externalisieren.

Uli Brand: Indem das eben woanders stattfindet.

Uli Brand: Externalisiert in die Zukunft, Stichwort Klimakrise, oder eben auch in andere

Uli Brand: Weltregionen, Stichwort wo sind die Dörte-Industries, wo geht der Industriemüll hin und anderes.

Felix Jaitner: Ja, danke. Ich würde gerne im nächsten Schritt mit dir auch nochmal über das

Felix Jaitner: sprechen, was du grüner Kapitalismus nennst.

Felix Jaitner: Ich wollte nochmal, bevor wir dahin kommen, mit dir über einen Begriff sprechen,

Felix Jaitner: der für deine Arbeit sehr relevant ist.

Felix Jaitner: Gemeinsam mit Vakus Wissen hast du ja den Begriff der imperialen Lebensweise geprägt.

Felix Jaitner: Also was ist eigentlich darunter zu verstehen und warum würdest du sagen,

Felix Jaitner: ist in dieser Krisenkonstellation, die du aufgemacht hast, Also soziale Krise,

Felix Jaitner: ökologische Krise, Kriege, die sich verschärfen, autoritäre Entwicklung,

Felix Jaitner: in der die Klimakrise aber trotzdem so eine hohe Bedeutung einnimmt.

Felix Jaitner: Warum ist dieser Begriff imperiale Lebensweise hilfreich, um die Dynamiken der

Felix Jaitner: Klimakrise besser zu verstehen?

Uli Brand: Ja, ich schließe nochmal an auf einen Teil deiner letzten Frage,

Uli Brand: die ich ja nicht beantwortet habe, die imperiale Dimension.

Uli Brand: Und dann kann ich die imperiale Lebensweise nochmal kurz entwickeln.

Uli Brand: Eine imperiale Dimension ist natürlich gerade auch, also das ist ja dein Forschungsgebiet

Uli Brand: oder Arbeitsgebiet, dass wir den Angriffskrieg Russlands auch verstehen können

Uli Brand: als Kampf um die Aufrechterhaltung einer fossilen Weltordnung,

Uli Brand: eines fossilen Kapitalismus.

Uli Brand: Auch das Trumpsche Projekt ist ja ganz stark eines der Verhinderung der Dekarbonisierung,

Uli Brand: also des Umstiegs auf erneuerbare Energien und ein globaler fossiler Kapitalismus at any cost.

Uli Brand: Mit dem Begriff Impria-Lebensweise wollten Markus Wiss und ich nicht umsonst

Uli Brand: ausgehend von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2728 genauer verstehen,

Uli Brand: warum ist ein sozial-ökologischer Umbau so schwierig?

Uli Brand: Also warum war damals, 2008, die sogenannte Abwrackprämie die erfolgreichste politische Maßnahme,

Uli Brand: in dem nämlich Menschen, die ihr Auto, ihr noch funktionierendes Auto verschrotten,

Uli Brand: also nicht verkaufen, sondern verschrotten, Geld bekommen, um sich ein neues Auto zu kaufen.

Uli Brand: Das war eine Konjunkturmaßnahme für die Autoindustrie, politisch gewollt,

Uli Brand: natürlich von den Management, von den Gewerkschaften gewollt und auch öffentlich.

Uli Brand: Und es war wahnsinnig nachgefragt, also auch von den Konsumenten gehört.

Uli Brand: Die 5 Milliarden sind abgeräumt worden, die sind komplett ausgegeben worden.

Uli Brand: Und da haben wir uns gefragt, was ist das? Warum ist das so?

Uli Brand: Natürlich wissen wir über eine machtvolle Globalisierung, die mit kapitalistischen,

Uli Brand: wirtschaftlichen, politischen Interessen zu tun hat.

Uli Brand: Und gleichzeitig haben wir die imperiale Lebensweise, also eine Produktions-

Uli Brand: und Lebensweise, die nicht nachhaltig ist, die wird ganz konkret gelebt von Menschen.

Uli Brand: Und das war der Begriff der Lebensweise. Wir müssen ja eigentlich immer sagen,

Uli Brand: eine imperiale Produktions- und Lebensweise.

Uli Brand: Wie wird aufgrund von politischen, ökonomischen, kulturellen Strukturen unser

Uli Brand: Alltag hier im Norden reproduziert, indem wir, nicht weil wir schlechte Absichten

Uli Brand: haben, sondern weil es eben Strukturen sind,

Uli Brand: auf Produkte, auf kapitalistisch produzierte Waren zurückgreifen, Handys,

Uli Brand: Billigfleisch, Autos, Flüge, Fast Fashion, Kleidung etc. etc.

Uli Brand: Vom Weltmarkt, die unter in der Regel schlechten bis katastrophalen sozialen

Uli Brand: und ökologischen Bedingungen produziert wurden.

Uli Brand: Das ist das ausgreifende, also nicht die Strategie, die imperialistische Strategie

Uli Brand: des russischen Regimes oder von Trump, wenn er Freihandelsverträge macht,

Uli Brand: sondern das Imperiale ist die Einschreibung in den Alltag, auch in den Arbeitsalltag gewinnen.

Uli Brand: Es ist keine Konsumkritik, sondern es ist auch das Leben, wie das Leben sich

Uli Brand: reproduziert, kapitalistisch, herrschaftlich, strategisch gesetzt,

Uli Brand: gemacht, aber eben auch im Alltag reproduziert.

Uli Brand: Und das war hilfreich, um eben wegzukommen, ich habe ja vorhin erwähnt,

Uli Brand: ich war in der globalisierungskritischen Bewegung aktiv, Markus Wissend auch,

Uli Brand: wir sprechen jetzt von Attac, wir sprechen vom G8-Gipfel in Heiligendamm,

Uli Brand: wir sprechen ja von intensiven Jahren der Globalisierungskritik.

Uli Brand: Und die fokussierte ganz stark auf die Macht der Finanzmärkte,

Uli Brand: die Macht der Unternehmen, die Macht der Freihandelspolitik.

Uli Brand: Und das war wichtig und richtig.

Uli Brand: Aber es hat eben unterschätzt, mit Antonio Gramsci gesprochen.

Uli Brand: Die konsensuale Einschreibung einer Produktions- und Lebensweise in den Arbeits-

Uli Brand: und Konsum- und Lebensalltag, in das Öffentliche, in die staatliche Politik

Uli Brand: und auch die relative Alternativlosigkeit.

Uli Brand: Das heißt ja nicht, dass die Leute das nur wollen, viele Menschen wollen,

Uli Brand: ein dickes Auto, Fast Fashion, Temu,

Uli Brand: Willigfleisch, aber es ist ja auch teilweise alternativlos, wenn ich am Land

Uli Brand: lebe und keinen guten öffentlichen Verkehr habe,

Uli Brand: wenn es tief verankerte Statusorientierung gibt, weil man halt dreimal in den

Uli Brand: Urlaub fliegt im Jahr, wenn man das nötige Geld hat.

Uli Brand: Wir reden natürlich von Kapitalismus, die Menschen müssen das Geld dafür haben,

Uli Brand: das haben ja auch gar nicht alle.

Uli Brand: Und der zweite Punkt war aus einer, ich sag mal, neomarxistischen Perspektive,

Uli Brand: die impreie Lebensweise ist ja nicht, dass alle Katzen grau sind,

Uli Brand: dass alle gleich leben, sondern sie basiert auf Klassenverhältnissen,

Uli Brand: auf patriarchalen Geschlechterverhältnissen, aber rassifizierten Verhältnissen.

Uli Brand: Wie wird migrantische Arbeit hier vernutzt? Wie wird Frauenarbeit bezahlt und

Uli Brand: unbezahlt benutzt, oft schlechter bezahlt als Männerarbeit?

Uli Brand: Also die impreale Lebensweise ist auch hilfreich zu verstehen,

Uli Brand: wie sich Klassenstrukturen, patriarchale Strukturen, rassifizierte Strukturen

Uli Brand: über ein bestimmtes Produktions- und Lebensmodell reproduziert in seiner globalen Dimension.

Uli Brand: Ich glaube, der Beitrag war wirklich, diese Alltagsdimension mit dieser globalen

Uli Brand: Dimension auf eine sehr komplexe, also nicht auf einen kernreduzierte Weise

Uli Brand: diskutierbar zu machen.

Felix Jaitner: Ja, ich finde, was ihr ja auch nochmal deutlich macht mit eurer Arbeit ist,

Felix Jaitner: wie kapitalistisch produzierte Hierarchien, Sozial-, Macht- und Klassenverhältnisse

Felix Jaitner: durch die Klimakrise nochmal verschärft werden, nochmal eine neue Dynamik bekommen.

Uli Brand: Ich würde einen Punkt gerne präzisieren. Da müssen wir wirklich von ökologischer Krise sprechen.

Uli Brand: Die öffentliche Verhandlung ist gerade ganz stark Klimakrise und wir sagen ja,

Uli Brand: es ist auch ein Stück der Game Changer, aber die ökologische Krise bedeutet

Uli Brand: ja, dass eben über Rohstoffextraktivismus im globalen Norden auch Lebensverhältnisse über Bergbau,

Uli Brand: über industrielle Landwirtschaft in vielen Ländern, über Landgrabbing sehr herrschaftlich

Uli Brand: in Wert gesetzt werden, kapitalistisch in Wert gesetzt werden,

Uli Brand: aber auch zerstört werden.

Uli Brand: Also da müssen wir sogar noch präziser von sozial-ökologischer Krise sprechen,

Uli Brand: weil die Semantik der Klimakrise ist ja immer noch zu viel Emissionen.

Uli Brand: Es gibt die eine Ursache, die fossilen Energieträger, die werden zu viel verbrannt.

Uli Brand: Wenn wir jetzt auf Erneuerbare umstellen, kriegen wir die Krise in den Griff.

Uli Brand: Und da würden wir schon sagen, mit dem Begriff der Impran-Lebensweise,

Uli Brand: dass wir das komplexer denken und komplexer denken müssen und auch die Alternativen

Uli Brand: komplexer sind, als nur, in Anführungszeichen zu sagen, wichtig genug,

Uli Brand: wir müssen aus den fossilen Energieträgern raus.

Uli Brand: Nein, wir müssen aus einer sehr komplex verankerten Produktions- und Lebensweise raus.

Felix Jaitner: Ich würde jetzt gerne versuchen, darauf aufbauend mal einen weiteren Schritt

Felix Jaitner: zu machen und zu gucken, wie wird die politische Bearbeitung der Klimakrise

Felix Jaitner: eigentlich ausgefochten.

Felix Jaitner: Du hast ja zu Beginn gesagt, der Begriff Klima- und Umweltpolitik suggeriert,

Felix Jaitner: dass die ökologische Krise bearbeitet ist oder bearbeitet werden kann.

Felix Jaitner: Und du hast bereits auch schon aufgemacht, ein mögliches Modernisierungsversprechen,

Felix Jaitner: nämlich den sogenannten grünen Kapitalismus, der im Widerspruch steht mit einem

Felix Jaitner: braunen, fossilen Kapitalismus, also im Grunde einem Status quo.

Felix Jaitner: Die deutsche Wirtschaft und ich würde auch sagen einige Parteien,

Felix Jaitner: wie beispielsweise die Grünen, sehen ja in einem klimagerechten Umbau der Wirtschaft

Felix Jaitner: zunächst mal auch eine große Chance.

Felix Jaitner: Es gibt eine sehr spannende McKinsey-Studie, in der es heißt, Zitat,

Felix Jaitner: gelingt die Transformation rechtzeitig und erfolgreich, kann Deutschland die

Felix Jaitner: Technologieführerschaft in kritischen Exportsektoren aufrechterhalten und deren

Felix Jaitner: Beitrag zur Beschäftigung und Wohlstand absichern.

Felix Jaitner: Zitat Ende. In diesem Zitat sind zwei Aspekte, die ich sehr interessant finde.

Felix Jaitner: Also zum einen suggeriert es, wir können das deutsche Exportmodell fortsetzen,

Felix Jaitner: wie es ist und gleichzeitig bedeutet das Zitat ja auch, grüne Zukunftsmärkte

Felix Jaitner: und Technologien werden zum Wirtschaftsfaktor.

Felix Jaitner: Sind Klima und Kapitalismus eigentlich kompatibel?

Uli Brand: Also erstmal ist dieser Diskurs um die Verbindung, die produktive Verbindung

Uli Brand: von Kapitalismus und ökologischer Krise, Klimakrise, der geht zurück auf, ich würde sagen,

Uli Brand: die Ausläufer, die Bearbeitungsversuche der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 folgende.

Uli Brand: Es gab die Rio Plus 20 Konferenz 2012.

Uli Brand: Es gab die Studien zur Green Economy, zu Green Growth von der OECD.

Uli Brand: Also das war ein Modernisierungsversprechen aus der Wirtschaftskrise damals

Uli Brand: eben mit dieser Begrünung zu kommen, also mit einer ökologischen Modernisierung.

Uli Brand: Das lief schon vorher los, man kann das auch schon in den 80ern,

Uli Brand: 90ern feststellen, auch in den 2000ern, aber da hat es nochmal sehr stark Fahrt gewonnen.

Uli Brand: Es ist also jetzt nichts ganz Neues zu sagen, wir halten das,

Uli Brand: sondern der Diskurs von Technologieführerschaft, von Exportfähigkeit,

Uli Brand: wenn wir sozusagen ökologisieren, der ist, ich würde mal sagen, schon 15 Jahre alt.

Uli Brand: Das Versprechen ist da, aber wir sehen ja, es funktioniert nicht.

Uli Brand: Also wenn es eben relevant war, schon vor 20 Jahren, ich rufe nochmal eine Erfahrung

Uli Brand: aus, die für mich ganz wichtig war, 2002, 2003 hat Greenpeace den Prototyp eines

Uli Brand: 3-Liter-Autos vorgestellt.

Uli Brand: Und ich habe damals wirklich gedacht, hoppla, da könnte was geschehen.

Uli Brand: Da könnte jetzt, die Industrie hat sich ja darauf verpflichtet,

Uli Brand: der Smart ist gebaut worden und anderes.

Uli Brand: Aber Kapitalismus bedeutet eben Profite und Kapitalakkumulation.

Uli Brand: Und das bedeutete in den Folgejahren nicht 3-Liter-Auto, sondern SUVs.

Uli Brand: Und das sagen ja die Manager heute ganz offen, sozusagen, sie haben die Umstellung

Uli Brand: auf die E-Autos deshalb verschlafen.

Uli Brand: Das sagen sie nicht so offen vielleicht, aber sie müssen es zugestehen,

Uli Brand: weil sie natürlich die Profite gemacht haben mit Verbrennern und mit den immer größeren Autos,

Uli Brand: mit der Exportorientierung der deutschen Wirtschaft, die ja in China sich dumm

Uli Brand: und dämlich verdient hat.

Uli Brand: Das war die Konstellation. Also von daher würde ich sagen, Kapitalismus bedeutet

Uli Brand: erstmal Wachstumsorientierung, Vernutzung billiger Rohstoffe und die Produktivität

Uli Brand: kommt seit 200 Jahren aus einem fossilen Kapitalismus.

Uli Brand: Das heißt jetzt nicht per se, dass nicht umgestaltet werden,

Uli Brand: aber diese Konstellation müssen wir, glaube ich, erstmal anerkennen.

Uli Brand: Und jetzt, was sind die Initiativen?

Uli Brand: Nicht nur einen zweiten Sektor, nennen wir mal einen nicht-fossilen Sektor im

Uli Brand: Energiebereich, im Wärmebereich, im Mobilitätsbereich, im Ernährungsbereich,

Uli Brand: wenn man sagt, industrielle Landwirtschaft hat ja auch viel mit fossilen Inputs zu tun, aufzubauen.

Uli Brand: Und da mag durchaus was gelingen. Wir müssen aber sofort zurückfragen,

Uli Brand: A, wie wird dieser erste hochprofitable fossile Sektor zurückgebaut?

Uli Brand: Und dann sind wir bei Machtfragen. Dann sind wir bei Fragen von Kapitalentwertung,

Uli Brand: von global nicht mehr Verfügbarkeit, also eines Zurückgehens der Verfügbarkeit

Uli Brand: von fossilen Energien. Und das funktioniert im Kapitalismus nicht.

Uli Brand: Also wir haben ja sozusagen mit dem Erneuerbare-Energie-Gesetz,

Uli Brand: mit der damaligen rot-grünen Regierung, durchaus Erfahrung gemacht,

Uli Brand: dass der erneuerbare Sektor schnell aufgebaut werden kann.

Uli Brand: Aber das war komplementär zum fossilen Sektor.

Uli Brand: Also das öffentliche Bild bis heute, wenn wir mehr Erneuerbare haben,

Uli Brand: haben wir weniger fossile.

Uli Brand: Das stimmt ja von vorn bis hinten nicht, weil ja der Energiebedarf dramatisch wächst.

Uli Brand: Digitalisierung, Wirtschaftswachstum und so weiter. Also von da würde ich sagen,

Uli Brand: die Protagonisten dieses Arguments von McKinsey oder sagen wir erst mal der

Uli Brand: Grünen, wir bauen einen eigenen Sektor auf, übergeht, dass es weiterhin einen

Uli Brand: fossilen Sektor gibt und der schlägt heute brutal zurück.

Uli Brand: Brutals zurück. Das hätten wir übrigens bei dem damaligen Buch Impräer Lebensweise

Uli Brand: 2017 anders eingeschätzt.

Uli Brand: Wir haben wirklich gedacht und argumentiert, die grünen Kräfte,

Uli Brand: Paris-Abkommen 2015, Sustainable Development Goals 2015, kurz nach Erscheinen

Uli Brand: des Buches ging die Klimabewegung nochmal so richtig los mit Fridays for Future.

Uli Brand: Aber der fossile Kapitalismus und die dominanten Kräfte zeigen ja,

Uli Brand: sie schlagen jetzt brutals zurück in einer bestimmten Konjunktur.

Uli Brand: Also von daher würde ich sagen, die Tiefe der Klimakrise, die wird nicht bearbeitet

Uli Brand: unter kapitalistischen Bedingungen, sondern es kann sozusagen Modernisierungsprozesse

Uli Brand: geben, wo sich Technologien entwickeln.

Uli Brand: Die zweite Dimension ist natürlich, wieder jetzt das McKinsey-Argument,

Uli Brand: es bleibt in einer Welt, die in fragmentierten Nationalstaaten von Exportorientierung

Uli Brand: und Wettbewerbsfähigkeit denkt.

Uli Brand: Sie interessiert sich aber nicht, wo die Rohstoffe herkommen.

Uli Brand: Ich habe den Begriff des grünen Kolonialismus schon erwähnt.

Uli Brand: Also das ist ein brutalst ausbeuterisches, ungleiches Projekt,

Uli Brand: das dann in einigen Ländern des globalen Nordens ökologisch modernisiert werden soll.

Uli Brand: Die Profite sollen stimmen, das Wachstum soll stimmen, die Arbeitsplätze sollen

Uli Brand: umgebaut werden, die Lebensweise soll umgebaut werden, aber zu Lasten anderer Weltregionen.

Uli Brand: Es interessiert nicht, unter welchen Bedingungen das Lithium produziert wird

Uli Brand: für die hiesigen Batterien, das Kupfer, das Kobalt, das Nickel etc.

Uli Brand: Es interessiert nicht, welche Landflächen gewonnen werden müssen,

Uli Brand: um jetzt Wasserstoff zu produzieren, um dann mit Pipelines oder mit Schiffen nach Europa zu bringen.

Uli Brand: Und solange das nicht ist, bleibt es ein systematisch beschränktes Projekt.

Uli Brand: Das ist aus meiner Sicht das falsche Versprechen, nennen wir es Technologieführerschaft,

Uli Brand: Exportorientierung usw. A, gelingt es gerade nicht, aus den genannten Gründen,

Uli Brand: aber B, bleibt es strukturell unsolidarisch.

Felix Jaitner: Jetzt hast du ja bereits die Gegenreaktion des fossilen Lagers der Repräsentantinnen

Felix Jaitner: und Repräsentanten dieses braunen Kapitalismus angesprochen.

Felix Jaitner: Ich würde das gerne nochmal vertiefen, denn diese Modernisierungsbewegungen

Felix Jaitner: hin zu einer dekarbonisierten, elektrifizierten Wirtschaft, die stoßen ja auch

Felix Jaitner: in Deutschland auf massiven Widerstand und übrigens ja auch in der Bundesregierung.

Felix Jaitner: Also besonders prominent finde ich gerade das Beispiel, die Diskussion über

Felix Jaitner: die Abkehr des für 2035 geplanten Verbrenner aus.

Felix Jaitner: Auch Wirtschaftsministerin Katharina Reiche, die ja mit vielen Milliarden neue

Felix Jaitner: Gaskraftwerke bauen lassen möchte, was ja auch die fossile Energieabhängigkeit

Felix Jaitner: Deutschlands und der EU auf Jahrzehnte festzuschreiben droht.

Felix Jaitner: Und vielleicht könntest du nochmal erklären, wie erklärst du dir diese extreme

Felix Jaitner: Gegenreaktion und auch diese Wucht, mit der das auf einmal über uns kommt,

Felix Jaitner: wenn wir ja gleichzeitig sehen,

Felix Jaitner: dass in China grüne Technologien zunehmend Innovations- und Wirtschaftstreiber sind.

Felix Jaitner: Also genau das, was McKinsey prophezeit in seiner Studie, scheint da zumindest partiell einzutreten.

Felix Jaitner: Also mit anderen Worten, warum ist in Europa eigentlich der Widerstand gegen

Felix Jaitner: den grünen Umbau so stark?

Uli Brand: Ja, weil vor 20 Jahren verschlafen wurde, dem grünen Umbau, staatlich gesteuert,

Uli Brand: aber dann eben auch von den Unternehmen, eine kritische Masse zu geben.

Uli Brand: Und sozusagen deshalb ist heute in der Technologie Konkurrenz der Verbrennermotor

Uli Brand: der Motor, auf den die europäischen Unternehmen setzen.

Uli Brand: Also die Politik ist beeinflusst, ich mache es jetzt einfach vielleicht,

Uli Brand: aber ist natürlich beeinflusst von mächtigen wirtschaftlichen Interessen und

Uli Brand: weil die Autoindustrie ihre Profite gemacht hat mit dem Verbrenner,

Uli Brand: mit den großen Autos und es gar nicht notwendig hatte,

Uli Brand: auf E-Autos umzustellen und das auch als Exportmodell erfolgreich war, inklusive China,

Uli Brand: hat sie das verschlafen.

Uli Brand: Und im Energiebereich ist auch die Energiewende ein Stück weit ausgebremst worden.

Uli Brand: Deutschland war ja sehr federführend in der Herstellung von Solarpanelen,

Uli Brand: von erneuerbaren Energien und das ist kaputt gemacht worden unter Merkel und

Uli Brand: dann ist das sozusagen in China aufgebaut worden.

Uli Brand: Also das eine wäre, die politischen Interessen und die wirtschaftlichen Interessen sind eng verquickt.

Uli Brand: Das zweite ist, es gab dann eben keine kritische Masse.

Uli Brand: Das sieht ja im Energiebereich ein Stück weit anders aus. Da gibt es ja durchaus

Uli Brand: relevante Aufbau von erneuerbaren Energie, aber eben Mobilitätsbereich eben

Uli Brand: gar nicht in Deutschland.

Uli Brand: In Österreich haben wir eine ganz andere Wirtschaftsstruktur.

Uli Brand: Da ist ja der Bau von Zügen, von Bussen, Straßenbahnen relativ wichtig,

Uli Brand: also von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Uli Brand: Und wir haben ja einen völlig anderen Diskurs.

Uli Brand: Natürlich gibt es auch einen großen Autobereich, nämlich Zulieferung für Deutschland.

Uli Brand: Aber es gibt hier viel stärker das Bewusstsein und auch die ÖBB oder die öffentlichen

Uli Brand: Verkehrsunternehmen haben viel mehr Einfluss in der Gestaltung von Politik.

Uli Brand: Also eine Katharina Reiche, die ja von RWE kommt, also aus der fossilen Industrie.

Uli Brand: Wir haben hier zwar die ÖMV in Österreich, aber das wäre sozusagen in dieser

Uli Brand: Wucht gar nicht so denkbar.

Uli Brand: Und natürlich ist jetzt Gas zur, in Anführungszeichen, Brückentechnologie zu

Uli Brand: machen, ein völlig fördergründiges Manöver, den fossilen Kapitalismus zu halten.

Uli Brand: Und ein weiterer Aspekt, den wir in der Diskussion machen, ist,

Uli Brand: dass jegliche Versuche einer ökologischen Modernisierung, obwohl sie ja unzureichend

Uli Brand: sind, wie ich gesagt habe, sogar diese Versuche wurden ganz schnell auch vom

Uli Brand: Boulevard sturmreif geschossen.

Uli Brand: Wurden in der letzten Ampelregierung von einer FDP verhindert,

Uli Brand: werden auch von einer SPD, die ja früher viel ökologisch orientierter war, auch zurückgedrängt.

Uli Brand: Und das erzeugt einen Climate Backlash, der auch in der Bevölkerung ankommt.

Uli Brand: Also auch in der Bevölkerung wird sozusagen der Umbau, die Vorschläge der Grünen

Uli Brand: bei allen Defiziten als Gängelung, als Bevormundung.

Uli Brand: Denken wir an den Heizungsumbau, an die Vorschläge der Regierung.

Uli Brand: Also es gibt nicht mehr Aufmerksamkeit auf der gesellschaftlichen Ebene.

Uli Brand: Ich würde sagen, es ist ein Unterschied zu 2018, 2019.

Uli Brand: Wo heute gesagt wird, Klimapolitik ist Quatsch, dann wird gesagt,

Uli Brand: die Chinesen sollen sich mal als Erste bewegen.

Uli Brand: Oder eben, es ist eine Gängelung der Bevölkerungsmehrheit und die da oben machen weiter wie bisher.

Uli Brand: Also diese Macht- und Ungleichheitsfrage, die ich vorhin angesprochen habe,

Uli Brand: die von den Grünen nicht thematisiert wird.

Uli Brand: Und damit werden die Grünen auch unglaubwürdig, weil natürlich jetzt die Menschen

Uli Brand: im Autobereich, im Automobilsektor, die Beschäftigten, haben Angst um ihre Arbeitsplätze.

Uli Brand: Und es werden ja massiv Arbeitsplätze abgebaut. Aber es wird überhaupt nicht

Uli Brand: gesagt, werden jetzt die Vermögenden herangezogen, um den Umbau zu produzieren.

Uli Brand: Wird das fossile Kapital eingehegt?

Uli Brand: Das ist nichts, sondern es soll auf dem Rücken von Beschäftigten und Schwächern

Uli Brand: ausgetragen werden. Wir haben

Uli Brand: das im neuen Buch belegt mit Zitaten von Höcke, von Kickl, von Trump.

Uli Brand: Genau da gehen die rein. Sie bedienen etwas, was Cara Dugget,

Uli Brand: eine Kollegin aus den USA, als Petromaskulinität bezeichnet,

Uli Brand: also eine Form der Männlichkeit, die ganz stark mit dem fossilen Kapitalismus verbunden ist.

Uli Brand: Und das bedienen diese rechten Kräfte.

Uli Brand: Aber wir reden hier politökonomisch. Natürlich gibt es da eine wirtschaftliche

Uli Brand: Materialität dahinter, des Verschlafens des Umbaus und des jetzt des Zurückweisen des Umbaus.

Felix Jaitner: Also wir haben eine zunehmende Politisierung der Ökologie-Krise von rechts,

Felix Jaitner: auch einen zunehmenden, wie du sagst, Klima-Backlash, also eine zunehmende Dominanz

Felix Jaitner: von sowohl unsozialen, aber auch antiökologischen Politiken im Westen.

Felix Jaitner: Gleichzeitig wird die Ökologiefrage immer weiter politisiert und sie verbindet

Felix Jaitner: sich mit einer zunehmenden Rechtsautoritärenentwicklung, also das,

Felix Jaitner: was du als Petromaskulismus bezeichnest.

Felix Jaitner: Jetzt würde ich in diesem Zusammenhang

Felix Jaitner: gerne nochmal auf die Rolle der gesellschaftlichen Linken kommen.

Felix Jaitner: Wir haben ja jetzt grob das Feld skizziert. Auf der einen Seite das Modernisierungsversprechen

Felix Jaitner: eines grünen Kapitalismus.

Felix Jaitner: Ich finde besonders instruktiv hier die Worte von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Felix Jaitner: Der hat mal gesagt, unsere Vision ist das Windrad aus grünem Stahl,

Felix Jaitner: das auf einem Fundament aus grünem Zement fußt und das E-Auto,

Felix Jaitner: das nicht nur CO2-frei fährt, sondern auch aus grünem Stahl hergestellt wurde.

Felix Jaitner: Also das ist ja eigentlich schon zu schön, um wahr zu sein und verkörpert ja,

Felix Jaitner: finde ich, auch nochmal sehr plastisch,

Felix Jaitner: was sozusagen hier an Modernisierungsversprechen besteht und auf der anderen

Felix Jaitner: Seite möchte die Rechte an dem Status quo und damit auch an den einhergehenden Privilegien,

Felix Jaitner: wie jetzt beispielsweise die Inanspruchnahme der imperialen Lebensweise, festhalten.

Felix Jaitner: Was passiert jetzt eigentlich mit der gesellschaftlichen Linken?

Felix Jaitner: Droht die nicht zerrieben zu werden zwischen diesen beiden Polen aus Modernisierungsversprechen,

Felix Jaitner: grüner Kapitalismus und Status quo, brauner Kapitalismus?

Uli Brand: Nein, ich glaube, sie hat eine ganz starke Aufgabe und das Habeck-Zitat ist

Uli Brand: deshalb interessant, weil in diesen verdichteten Sätzen nicht einmal ein sozialer Aspekt auskommt.

Uli Brand: Das ist eine Vorstellung, Windräderautos, ein Habe könnte ja auch sagen,

Uli Brand: wir brauchen dringend den Umbau unseres Mobilitätssystems, dass es gerecht ist,

Uli Brand: nämlich öffentlicher Verkehr ausbauen,

Uli Brand: Reduktion der Zahl von Autos, die natürlich dann alle eh betrieben sind,

Uli Brand: kleinere Autos, die Einhegung der zynischen Macht, der zynischen zur Schaustellung

Uli Brand: der Wohlhabenden mit immer größeren Autos, mit Privatjets und so weiter.

Uli Brand: Das müsste ins Zitat rein, das müsste in die Vision der Grünen,

Uli Brand: dann wären sie aus meiner Sicht zukunftsfähig und dann könnte man sie sozusagen

Uli Brand: links wieder ernst nehmen. Das ist zurzeit nicht einfach.

Uli Brand: Es ist eben ein Modernisierungsversprechen, dass diese soziale Ungleichheiten

Uli Brand: nicht ernst sind und ich habe ja vorhin argumentiert, genau da geht die autoritäre

Uli Brand: Rechte rein und damit habe ich ja eigentlich schon mein Argument begonnen.

Uli Brand: Eine gesellschaftliche Linke und auch eine parteipolitische Linke muss diesen

Uli Brand: Zusammenhang von sozialen und ökologischen Fragen aufnehmen.

Uli Brand: Das heißt, ein anderes zukunftsfähiges Wohlstandsmodell muss sich mit Machtfragen,

Uli Brand: mit Reichtumsfragen beschäftigen und die auch politisch angehen.

Uli Brand: Also nicht zu sagen, wir schaffen das, CO2 zu reduzieren und die fossilen Energieträger

Uli Brand: zu ersetzen, wichtig genug, sondern eine Lebensweise, in der es keine Privatflüge

Uli Brand: gibt, keine SUVs, viel weniger Autos.

Uli Brand: Natürlich gibt es Autos als Sammeltaxis, wenn ich am Land gar keinen Anschluss

Uli Brand: habe auch, aber es gibt ein gutes öffentliches Verkehrssystem.

Uli Brand: Das wäre ein anderes Wohlstandsmodell, ein sozial-ökologisch gedachtes Wohlstandsmodell.

Uli Brand: Wir beide kommen ja aus der kritischen Nachhaltigkeitsforschung der politischen Ökologie.

Uli Brand: Da nennen wir das die Versorgungsfelder. Das Versorgungsfeld Mobilität,

Uli Brand: das Versorgungsfeld Ernährung, das Versorgungsfeld Kleidung,

Uli Brand: Wohnen wird ökologisch und sozial gerecht gestaltet.

Uli Brand: Und da gibt es ja beispielsweise den sozial-ökologischen Umbauplan der Bundestagsfraktion

Uli Brand: von vor vielen Jahren, der ja nie richtig Eingang gefunden hat in die Parteidiskussion.

Uli Brand: Es gibt ja wahnsinnig viele Ansätze, wie wir uns diesen sozialen und ökologischen

Uli Brand: Umbauprozess vorstellen können.

Uli Brand: Aber wir müssen ihn immer denken, auch als Machtfrage, als Frage,

Uli Brand: dass Politik sich anlegen muss mit herrschenden Interessen. Und da hat eine

Uli Brand: gesellschaftliche Linke gesagt.

Uli Brand: Unglaublich viel zu tun. Ich würde sagen, wir haben beim Thema der Digitalisierung

Uli Brand: noch wenig Antworten, weil das ja auch mit Rohstoffverbrauch,

Uli Brand: mit Energieverbrauch zu tun hat, aber in anderen Bereichen haben wir viele Antworten.

Uli Brand: Es wäre sozusagen der dritte Pol und dieser dritte Pol unterläuft auch,

Uli Brand: ich will das nicht funktionalistisch verstanden, aber es unterläuft Faschisierungstendenzen,

Uli Brand: wenn Faschisierung, Rechtsentwicklung auch etwas mit Ängsten vor dem Umbau zu

Uli Brand: tun hat, weil er als ungerecht empfunden wird, weil die da oben weitermachen können, wie sie wollen.

Uli Brand: Bitte, ich will es nicht darauf reduzieren, aber diese Zusammenhänge herzustellen,

Uli Brand: zu thematisieren, den Zynismus der Eliten, der eben von rechts außen bedient wird,

Uli Brand: dem etwas entgegenzusetzen als solidarisches Wohlstandsmodell,

Uli Brand: als integratives Wohlstandsmodell, das eben auch ökologisch zukunftsfähig ist,

Uli Brand: das ist ein Riesenfeld, was die gesellschaftliche Linke bearbeiten muss.

Felix Jaitner: Ich finde deine These ja stark, zu sagen, eine sozialökologische Transformationsagenda hat das Potenzial,

Felix Jaitner: die Linke aus ihrer defensiven Position herauszulösen und stattdessen eine eigene

Felix Jaitner: Zukunftsvision in den Diskurs einzubringen und dadurch auch eine stärkere linke

Felix Jaitner: Mobilisierung gesellschaftlich zu ermöglichen.

Felix Jaitner: Was wären denn die Träger eines solchen Projektes?

Uli Brand: Ja, Träger hat ja immer noch die Semantik, es gibt so eine Art revolutionäres

Uli Brand: Subjekt. Ja, ich würde mich dem ein Stück verweigern.

Uli Brand: Es gibt sozusagen konkrete Akteure und auch aber Diskussionen, Diskurse.

Uli Brand: Was wir hier machen, ist ja sozusagen unsere Fantasie anzuregen und das kann

Uli Brand: dann eben Menschen überzeugen, in bestimmte Organisationen diffundieren.

Uli Brand: Denn ich würde sagen, langes Argument, ich habe ja vor 20 Jahren diesen Begriff

Uli Brand: der Gegenhegemonie mal versucht, stark zu machen in einem Büchlein.

Uli Brand: Wir brauchen in allen Bereichen sozial-ökologische Verschiebungen.

Uli Brand: Also wir haben jetzt über das Parteispektrum, über die gesellschaftliche Linke gesprochen.

Uli Brand: Natürlich braucht es da eine stärkere Aufmerksamkeit. Wir sind eine Transformationslinke.

Uli Brand: In den Gewerkschaften, in der IG Metall gibt es ja gerade wahnsinnige Auseinandersetzungen.

Uli Brand: Nehmen wir den sozial-ökologischen Umbauprozess ernst, verteidigen wir die Arbeitsplätze

Uli Brand: in der Autoindustrie, fördern wir sogar Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie,

Uli Brand: Stichwort Osnabrück, mögliche Rheinmetall steht vor der Tür,

Uli Brand: vor allem Volkswagen-Werk, 2200 Beschäftigte.

Uli Brand: Bleibt die Wissenschaft Business as usual oder nimmt sie die sozial-ökologischen

Uli Brand: Herausforderungen ernst und überlegt auch,

Uli Brand: wie kommen wir aus dieser konkurrenzgetriebenen Wissenschaft heraus,

Uli Brand: was können wir umbauen, was sind Förderlinien in Wissenschaft und anderem.

Uli Brand: Gehen wir an NGOs, ein wichtiger Akteur wie Greenpeace oder wie der BUND.

Uli Brand: Bleiben Sie klassische Naturschutzorganisationen oder verfolgen Sie eine Transformationsagenda?

Uli Brand: Wir könnten das weiter durchgehen bis in den Unternehmenssektor.

Uli Brand: Es ist ja nicht so, dass hier alles sozusagen kapitalistisch fossil verloren

Uli Brand: ist, sondern es gibt ja auch progressive Unternehmen, es gibt den großen öffentlichen

Uli Brand: Sektor, worum gekämpft wird,

Uli Brand: wird er sozial-ökologisch zukunftsfähig.

Uli Brand: Es braucht in ganz vielen Organisationen, in ganz vielen auch Debatten sozial-ökologische

Uli Brand: Verschiebung nach links in ein progressives Spektrum.

Uli Brand: Und eine Idee, die Markus Wissner und ich skizzieren, genau mit diesem Blick

Uli Brand: auf die Organisation, wir nennen das die transformativen Zellen,

Uli Brand: also dass es sozusagen sich Menschen auch in den Schulen, Lehrerinnen und Lehrer

Uli Brand: ermuntert fühlen und die Bereiche, die ich vorhin genannt habe,

Uli Brand: Gewerkschaften, NGOs, Parteien, Hochschule, Unternehmen, die eben mehr wollen als Business as usual.

Uli Brand: Das würde die Aufbruchsstimmung erzeugen. Und dazu kommen natürlich soziale Bewegungen.

Uli Brand: Also natürlich brauchen wir emanzipatorische Protestbewegungen.

Uli Brand: Lützerat ist ja noch gar nicht so lange her.

Uli Brand: Es ist ja nicht so, dass alles im letzten Jahrhundert war. Die Klimagerechtigkeitsbewegung

Uli Brand: ist ja auch noch gar nicht so lange her.

Uli Brand: Das sind Bewegungen, das ist Ermunterung von Menschen, sich zu engagieren,

Uli Brand: um eine Gesellschaft besser zu machen.

Uli Brand: Neben den Abwehrkämpfen gegen die autoritäre Rechte, die dringend sind,

Uli Brand: gegen die Verachtung von Menschen, gegen diese Faschistoiden-Diskurse,

Uli Brand: dass es nicht lebenswertes Leben gibt, dass Gewalt legitim ist in der Politik.

Uli Brand: Das sind ganz wichtige defensive Kämpfe, die geführt werden müssen.

Uli Brand: Aber wir brauchen eben auch diesen sozial-ökologischen Aufbruch.

Uli Brand: Und ich bin auch überzeugt, dass sich das wieder konturieren wird.

Uli Brand: Also wir werden in ein paar Jahren wieder massive Klimabewegungen haben,

Uli Brand: weil die Krise ist ja nicht weg.

Felix Jaitner: Ich würde da jetzt gerne eine Gegenthese gegen deine optimistische Perspektive

Felix Jaitner: formulieren, Weil seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine sehen wir ja

Felix Jaitner: auch eine Rückkehr der deutsch-russischen Konkurrenz.

Felix Jaitner: Und die Bundesregierung Scholz und Merz haben ja mehrere hundert Milliarden

Felix Jaitner: Euro in die Hand genommen mit dem Ziel, in den kommenden Jahren die größte konventionelle

Felix Jaitner: Armee Europas aufzubauen.

Felix Jaitner: Und die Grünen und auch Teile der Ökologiebewegung argumentieren ja,

Felix Jaitner: das sei notwendig, weil ohne Abschreckung und Sicherheit vor Russland könne

Felix Jaitner: man keine wirkungsvolle Klimapolitik betreiben.

Felix Jaitner: Und damit werden ja auch Milliarden Gelder vorgehalten für eben Militarisierung,

Felix Jaitner: Aufrüstung und eben nicht für einen ökologischen Umbau.

Felix Jaitner: Erstmal würde ich mich interessieren, wie bewertest du diese Aufrüstungsspirale

Felix Jaitner: und welche Folgen hat die Militarisierung der Gesellschaft dann eben für die Klimakrise?

Uli Brand: Ja, das ist ein ganz wichtiges Thema. Erstmal würde ich sagen,

Uli Brand: es ist verblüffend, dass die Grünen, die ja aus der Friedensbewegung kommen,

Uli Brand: heute diese, ich sag mal, Hyperrealo-Perspektive haben und da jetzt für Aufrüstung

Uli Brand: sind, für Konfrontation. Dahinter steht ja eine Idee.

Uli Brand: Die Idee ist eine Politik der Abschreckung.

Uli Brand: Dann sozusagen wird Russland nicht irgendwann vor Berlin oder vor Frankfurt

Uli Brand: stehen und das ist sozusagen eine Logik des Kalten Krieges.

Uli Brand: Und auch der sogenannte Kalte Krieg hat ja über Abschreckung nicht zu dauerhaftem

Uli Brand: Frieden geführt. Es gab ja Ängste, es gab öffentliche Diskussionen.

Uli Brand: Das hat ja genau die Friedensbewegung angeregt. Es gab Stellvertreterkriege

Uli Brand: und es gab auch damals enorme Kosten.

Uli Brand: Und ich glaube, wir müssen anschließen an Erfahrungen, nicht nur an Debatten,

Uli Brand: an Erfahrungen historischen des Kalten Krieges, nämlich der 1970er Jahre,

Uli Brand: wo ja auch in einer ähnlichen Situation Entspannung ernst genommen wurde.

Uli Brand: Viele Diskussionen haben dazu geführt und dann eben auch reale Politiken, OSZE oder damals KSZE.

Uli Brand: Sozusagen Abrüstungsinitiativen, wo dann gesagt wurde, wir müssen Kooperationen

Uli Brand: vorantreiben, wir müssen die Interessen der anderen Seite ernst nehmen.

Uli Brand: Das tut ja gerade weh, also zu überlegen, wir müssen sozusagen russische Regimeinteressen

Uli Brand: ernst nehmen. Das tut richtig weh, wenn ich das ausspreche, aber wir kommen ja nicht drumherum.

Uli Brand: Das Regime wird ja erstmal nicht verschwinden und wir können es eben nicht sozusagen

Uli Brand: nur, das wäre meine Position,

Uli Brand: nur mit Aufrüstung an weiteren Eskalationen verhindern, sondern eine linke Position

Uli Brand: wäre, dran zu bleiben, wo gibt es Möglichkeiten der Kooperation auf allen Ebenen,

Uli Brand: auf Ebenen auch von Austausch, von Verstehen, auch von öffentlichen Diskursen hier.

Uli Brand: Und das ist eine Position gegen Militarisierung.

Uli Brand: Also das eine ist jetzt diese konkrete Konfliktkonstellation, die du ansprichst.

Uli Brand: Und das andere ist, dass ja sozusagen mit unserer Gesellschaft die Militarisierung

Uli Brand: vorangetrieben wird und auch das mit Kosten verbunden ist. Ich war vor vier

Uli Brand: Wochen bei der Jahrestagung der Landesverteidigungsakademie in Wien.

Uli Brand: Österreich ist ja noch neutral, auch nicht NATO-Mitglied. Der oberste General

Uli Brand: Österreich sagt vor 300 Leuten in seiner Öffnungsrede, wenn wir aufrüsten wollen,

Uli Brand: muss die Bevölkerung Angst haben.

Uli Brand: Das sagt er öffentlich. Und das fand ich für mich total erhellend.

Uli Brand: Gestern war hier Nationalfeiertag, die Armee präsentiert sich als zukunftsfähig.

Uli Brand: Heute war ein Foto in der Zeitung, dass auf dem Heldenplatz Gewehre aufgebaut

Uli Brand: wurden. Kleine Kinder, die dürfen mal durch so ein Guckrohr schauen und so weiter.

Uli Brand: Also neben dem Feindbild wird eine militärbasierte Stimmung auch im Land geschaffen

Uli Brand: mit dieser einseitigen Angst. und andere Positionen, die abwägender sind,

Uli Brand: die sagen, wir brauchen diese Kooperation, werden denunziert,

Uli Brand: werden zurückgewiesen.

Uli Brand: Und dann der letzte Teil deiner Frage, ja, damit werden Prioritäten wie die

Uli Brand: Klimakrise natürlich nach hinten geschoben.

Uli Brand: Ich würde schon sagen, dass das Klimathema weiter präsent ist.

Uli Brand: Also jeden Tag ist in der Zeitung mehrere Sachen zum Thema Klimakrise.

Uli Brand: Die neuesten Studien werden rezipiert und es wird ja nicht weggeschoben,

Uli Brand: aber in der politischen Aufmerksamkeit wird es weggeschoben.

Uli Brand: Und das halte ich natürlich für bedenklich und da gilt es dagegen zu kämpfen.

Uli Brand: Und das wäre auch eine Aufgabe der gesellschaftlichen Linken,

Uli Brand: aber dann natürlich auch politisch, Initiativen zu setzen. A, für Verhandlungen.

Uli Brand: B, diese Militarisierungs-Aufrüstungsdynamik in Deutschland,

Uli Brand: in Europa zurückzuweisen.

Uli Brand: Und C, ein diskursives Klima zu schaffen, wo dieses Thema nicht so dominant ist.

Felix Jaitner: Ich habe ja bereits gefragt, wer ist eigentlich das Subjekt,

Felix Jaitner: wer sind die Träger einer solchen sozial-ökologischen Transformation,

Felix Jaitner: die eben auch eine Friedensperspektive hat.

Felix Jaitner: Also um dieses Thema müssten wir es vielleicht sogar noch ergänzen.

Felix Jaitner: Gleichzeitig habe ich immer den Eindruck, die ökologische Krise ist auch deshalb

Felix Jaitner: so einschneidend für die Menschheit und vor allem auch für die Menschen hier im Westen,

Felix Jaitner: weil sie in gewisser Weise ja auch die Kehrseite der vergangenen 200,

Felix Jaitner: 250 Jahre menschlichen Fortschritt ist. Angefangen von der Industrialisierung bis heute.

Felix Jaitner: Viele Menschen hierzulande und auch die gesellschaftliche Linke sieht sich ja

Felix Jaitner: in der Tradition der Aufklärung und das wird ja auch deutlich bei Marx.

Felix Jaitner: Für Marx ist die Revolution ja die Triebfeder der Geschichte.

Felix Jaitner: Und interessant finde ich Walter Benjamins Revolutionsbegriff,

Felix Jaitner: der vor dem Hintergrund der entfesselten Gewalt und Zerstörungswucht des Faschismus sagt,

Felix Jaitner: die Bedeutung der Revolution besteht darin, die Katastrophe,

Felix Jaitner: die durch den Fortschritt ausgelöst worden ist, zu verhindern.

Felix Jaitner: Und ich finde die Deutung in Bezug auf die ökologische Krise sehr aktuell.

Felix Jaitner: Also besteht die Aufgabe der gesellschaftlichen Linken eigentlich nicht darin,

Felix Jaitner: die bevorstehende Katastrophe zu verhindern, die eben nicht mehr nur

Felix Jaitner: ökologisch ist, sondern wir haben ja auch eine Rückkehr der atomaren Konfrontation.

Uli Brand: Vielleicht ganz kurz zu Marx. Also Marx sah ja sozusagen das Revolutionäre neben

Uli Brand: der Arbeiterinnenklasse als Subjekt hin zu Sozialismus, Kommunismus,

Uli Brand: vor allem den Kapitalismus als Revolutionär.

Uli Brand: Also wenn wir an diese berühmten Zitate aus dem Kommunistischen Manifest denken.

Uli Brand: Allerdings zeigt ja die jüngere Auseinandersetzung mit Marx,

Uli Brand: Marx war in der Endphase seines Lebens die letzten 15 Jahre sehr besorgt um die ökologische Krise.

Uli Brand: Kouhei Saito, ein Kollege in Japan, hat ja in seiner Studie über die Exzerpthefte von Marx gezeigt,

Uli Brand: wie Marx mit diesem Begriff des metabolischen Risses sehr besorgt war über die

Uli Brand: ökologische Krise und hat ja auch wenig publiziert die letzten 15 Jahre nach

Uli Brand: dem ersten Band des Kapitals.

Uli Brand: Und die These von Saito ist, weil Marx sich wahnsinnig intensiv mit der beginnenden

Uli Brand: ökologischen Krise auseinandergesetzt hat.

Uli Brand: Von daher würde ich auch sagen, es gibt nicht nur den revolutionären Marx,

Uli Brand: und der revolutionär Marx war auch einer, der fasziniert war vom Kapitalismus

Uli Brand: oder der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, sondern es gibt auch den

Uli Brand: besorgten Marx, den, wenn man so will, Benjamin Marx.

Uli Brand: Das nur vielleicht als kurze Ergänzung, weil ich das sehr, sehr spannend finde.

Uli Brand: Ja, und Walter Benjamin, das ist richtig. Also sozusagen, wir müssen den Fortschritt

Uli Brand: unterbrechen oder verhindern.

Uli Brand: Und das meinte ich vorhin mit den Aufgaben der Linken, sozusagen auch defensiv

Uli Brand: agieren zu müssen heute.

Uli Brand: Gegen atomare Gefahr, gegen ökologische oder sozial-ökologische Krise,

Uli Brand: gegen die Spaltung, gegen die Rechte und anderes.

Uli Brand: Allerdings bleibt aus meiner Sicht eine Aufgabe der Linke, und wir haben ja

Uli Brand: schon darüber gesprochen, ein Emanzipationsprojekt zu formulieren,

Uli Brand: jenseits des linearen Fortschritts.

Uli Brand: Emanzipation heißt ja für mich Herrschaftskritik, Emanzipation heißt nicht mehr,

Uli Brand: mehr, mehr. Also Emanzipation von der Abhängigkeit der Natur.

Uli Brand: Das ist nicht Emanzipation. Emanzipation heißt eine gute Gesellschaft,

Uli Brand: man würde heute sagen in planetaren Grenzen, aber eben auch die Unterbindung

Uli Brand: von Reichtum, von Macht, von Herrschaft.

Uli Brand: Das ist für mich das Projekt der Emanzipation. Und das muss auch positiv formuliert

Uli Brand: werden, aber eben nicht im linearen Fortschrittsverständnis,

Uli Brand: das dann zum Faschismus und zur Shoah führt, sondern anders.

Uli Brand: Das würde ich schon fordern von einer Linken, und zwar nicht nur taktisch,

Uli Brand: weil dann die Menschen sich angesprochen fühlen, sondern weil das eine Aufgabe

Uli Brand: der Linken ist, dazu beizutragen, dass eine Gesellschaft gut wird,

Uli Brand: dass sie gerecht wird, gerade im globalen Rahmen.

Uli Brand: Das würde ich zu den defensiven Kämpfen nehmen, die total wichtig heute sind.

Felix Jaitner: Lass uns vielleicht nochmal bei diesem Projekt der Emanzipation bleiben.

Felix Jaitner: Zum Abschluss würde mich das interessieren, weil es gibt ja den Begriff der

Felix Jaitner: Klima-Außenpolitik von der ehemaligen Außenministerin Annalena Baerbock,

Felix Jaitner: die diesen Begriff geprägt hat, um die Bedeutung von Klima- und Umweltschutz

Felix Jaitner: für das Regierungshandeln zu unterstreichen.

Felix Jaitner: Ich finde, über die Bilanz von Baerbock müssen wir jetzt nicht diskutieren,

Felix Jaitner: aber du beschäftigst dich ja intensiv mit Lateinamerika.

Felix Jaitner: Und die Region gilt ja vielen auch als Inspirationsquelle, jetzt im Hinblick

Felix Jaitner: darauf, wie die Klima- und Ökologiekrise und vor allem auch die Auswirkungen politisiert werden.

Felix Jaitner: Was glaubst du denn, wenn wir jetzt in diesem Bild des Projektes der Emanzipation

Felix Jaitner: bleiben, wie müsste denn eine progressive Klima-Außenpolitik Deutschlands oder der EU aussehen?

Felix Jaitner: Und vielleicht auch noch als zweite Frage, hätte eine solche Klima-Außenpolitik

Felix Jaitner: auch das Potenzial für einen neuen Internationalismus im Zeitalter der Vielfachkrisen?

Uli Brand: Ja, ich würde sagen, was wir immer wieder lernen können von Lateinamerika oder

Uli Brand: in den Ländern, wo ich mich bewege oder wo ich mit Menschen zu tun habe,

Uli Brand: dass sie sich trotz dieser zerstörerischen Dynamik, und zwar nicht nur ökologisch,

Uli Brand: sondern immer wieder auch sozialwirtschaftlich, dass es immer wieder Neueinläufe

Uli Brand: gibt, eine gute Gesellschaft zu machen,

Uli Brand: die durchaus staatskritisch ist. Das heißt nicht, dass der Staat unwichtig ist,

Uli Brand: und wir haben ja wichtige Erfahrungen jetzt der sogenannten progressiven Regierung

Uli Brand: der letzten 25 Jahre, aber es gibt nochmal eine, ich sag mal,

Uli Brand: selbstverständlichere Vorsicht,

Uli Brand: zu viel auf den Staat zu setzen, auch wenn es durchaus mal in bestimmten Phasen

Uli Brand: positive Entwicklungen gibt.

Uli Brand: Meine Kritik an Lateinamerika oder an den Diskussionen in Lateinamerika,

Uli Brand: wer immer, und das ist die Brücke zum zweiten Teil deiner Frage,

Uli Brand: ist, dass das Internationale oft ganz wenig gedacht wird.

Uli Brand: Es ist maximal regionale Integration, aber dann ist das global-internationale,

Uli Brand: das sind eher die Politiken aus den USA, aus Europa, heute aus China,

Uli Brand: das sind die Konzerne, das ist die Ausbeutung.

Uli Brand: Es wird nicht viel erwartet von internationaler Kooperation.

Uli Brand: Da wird das Globale, das Internationale eher mit Herrschaft,

Uli Brand: mit Ausbeutung, mit Militärputschen in den 60er, 70er Jahren verbunden und anderes.

Uli Brand: Und jetzt zum zweiten Teil einer Frage einer progressiven Klima-Außenpolitik.

Uli Brand: Also meine erste Position wäre, die passt jetzt nicht so richtig,

Uli Brand: ist, der radikale sozial-ökologische Umbau in unseren Gesellschaften würde ja

Uli Brand: den Druck nehmen auf die permanente Ausbeutung außerhalb.

Uli Brand: Also wir brauchen eine gute Gesellschaft im globalen Norden in Europa,

Uli Brand: bedeutet, dass sozusagen eine Wirtschaft, eine europäische Wirtschaft,

Uli Brand: die nicht mehr so dramatisch, kolonial,

Uli Brand: imperial organisiert ist, den Druck nimmt auf die anderen Gesellschaften,

Uli Brand: damit sie sich überhaupt selber entwickeln können. Das ist aus meiner Sicht zentral.

Uli Brand: Also eine gute, wirklich nachhaltige, sozial-ökologisch transformierte europäische

Uli Brand: oder deutsche Gesellschaft gibt überhaupt andernorts Spielraum.

Uli Brand: Natürlich muss es hier gesellschaftliche, politische Veränderungen geben und

Uli Brand: dort, aber das wäre die Grundbedingung.

Uli Brand: Das Zweite einer Klima-Außenpolitik wäre, dass sie politisch ist.

Uli Brand: Sie ist heute ökonomisch getrieben, Rohstoffzufluss, Wasserstoff,

Uli Brand: und sie bleibt weiterhin total paternalistisch.

Uli Brand: Annalena Baerbock, die ja wirklich nicht viel Erfahrung hatte außenpolitisch,

Uli Brand: denkt dann mit einmal, nur weil sie deutsche Außenministerin ist,

Uli Brand: kann sie den Menschen die Welt erklären.

Uli Brand: Also was eine Präpotenz einer Politikerin, die sich als progressiv sieht,

Uli Brand: die sozusagen die Erfahrungen in anderen Weltregionen nicht ernst nimmt.

Uli Brand: Und diese Erfahrung, Austausch, Kooperation, Zuhören, sich kritisieren lassen

Uli Brand: im globalen Norden, das wäre aus meiner Sicht eine Voraussetzung von Klima-Außenpolitik.

Uli Brand: Und dann kommen wir auf ganz viele Aspekte.

Uli Brand: Zentral wäre Stopp der Waffenexporte. Also das Selbstbild in Deutschland ist

Uli Brand: ja, wir sind ja sozusagen Friedensmacht Europa-Deutschland.

Uli Brand: Das stimmt ja gar nicht, sondern es werden ja weiterhin Waffen massiv exportiert.

Uli Brand: Und natürlich wäre es heute wichtig, die UNO wieder zu stabilisieren und wichtig

Uli Brand: zu machen, anzuerkennen gegen die ganzen Angriffe auf die UNO.

Uli Brand: Natürlich muss die UNO demokratisiert werden.

Uli Brand: Der Sicherheitsrat ist sicherlich auch in seiner Struktur ein Problem.

Uli Brand: Aber wir haben sie nun mal und sie ist ja wirklich auch eine große Errungenschaft,

Uli Brand: die wir verlängern könnten.

Uli Brand: Also eine Klima-Außenpolitik. Die Grünen haben ja diese wertebasierte Außenpolitik

Uli Brand: stark gemacht, die wirklich wertebasiert ist. und die nicht zuerst auf die sozusagen

Uli Brand: nationalen oder europäischen Interessen blickt.

Uli Brand: Das wären Ansatzpunkte im Außenverhältnis, aber aus meiner Sicht ganz zentral

Uli Brand: wäre, dass wir unsere Gesellschaft selber emanzipatorisch umbauen und das heißt

Uli Brand: ja, den Druck auf die anderen Gesellschaften, auf diese Kolonialmechanismen zu nehmen.

Felix Jaitner: Uli, vielen Dank für das spannende Gespräch.

Uli Brand: Ja, ich danke dir für die schönen Fragen und Nachfragen.

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